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Nr. 290

SWtttefflWe Zeittma. Marbitta c L. Dimstas, ben 29. November 1932

0HteS

Andrrastag

„Andreasabend ist heute, Schlafen alle Leute, Schlafen alle Menschenkind, Die zwischen Himmel und Erde find, Vis auf diesen einz'gen Mann, Der mir zur Ehe werden kann."

So fingen am Vorabend des Andreas- tages, des 30. November, die heirats­lustigen Mädchen, wenn sie zu Bett gehen, und dann erscheint ihnen der Zukünftige im Traum. Diese Sitte ist über ganz Deutschland verbreitet und wird in Süd­deutschland, besonders aber im Elsaß, das „Andresleschauen" genannt.

Im Badischen gehen die Mädchen um Mitternacht an den Brunnen oder an Quellen, um das Bild des Zukünftigen darin zu schauen, oder sie kehren das Zim­mer, dann zeigt sich an der Wand sein Schatten und trägt die Zeichen seines Standes bei sich. In einigen Gegenden pflegen die Mädchen zu demselben Zweck auch, ähnlich wie am Sylvesterabend, Blei oder Zinn zu gießen, oder sie legen Blu­men oder einen Spiegel unter das Kopf­kissen und beachten die Träume, um sie als Liebesorakel zu deuten.

Wie bei so vielen abergläubischen Ge­bräuchen, so ist auch hier die Verquickung zwischen christlicher Legende und alt­germanischem Eötterglauben eine nahezu unlösbare. Sehen wir zuerst einmal zu, wer der Heilige Andreas eigentlich war. Mit seinem Bruder Petrus zugleich wurde er zuerst zum Jünger des Herrn berufen. Er predigte, der Tradition zufolge, in verschiedenen Provinzen Kleinasiens, be­kehrte die Ungarn, Polen und Skythen im südlichen Rußland, das ihn später dafür zum Schutzheiligen annahm, und starb den Kreuzestod zu Patras. Im Jahre 359 wurden seine lleberreste auf Befehl des Kaisers Konstantin von Patras nach Kon­stantinopel gebracht und am 30. Novem­ber in der dottigen Apostelkirche beigesetzt. Deswegen feiert die abendländische und morgenländische Kirche gleichmäßig sein Gedächtnis an diesem Tage.

Die Zeit vor dem Julfest — die Adventszeit — war die Zeit des Wün­schens und Hoffens, und ihr Ausdruck ist eben die Befragung des Schicksals. Hoffent­lich lauten die Antworten, die unsere jun­gen Leserinnen auf ihre Orakelfragen am Andreasabend erhalten, recht günstig Noch bester wäre es allerdings, solchen Aberglauben ganz aus ihren Schlaftam- mern zu verbannen.

Staatsbürgerliche Sammel- Vorlesung. In . der Staatsbürgerlichen Sammelvorlesung svricht am Donnerstag, 1 Dezember, 20.30 Uhr pünktlich, Minister a.' D^.Prof. Dr. Bredt über das Thema „Krieg und Völkerrecht".

Das EvangMche LmdeskMenamt Wiesbaden kämpft für -en Knterlandkrels

Dom Kampfausschuß gegen die Zerschla­gung des Hinterlandkreises wird uns folgen­des mrtgeteilt:

Das Evangel. Landeskirchenamt Wiesba­den hat an die Landtagsfraktionen der Na­tionalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, der Deutschnationalen Volkspattei, der Deut­schen Volkspattei, der Sozialdemokratischen Pattei Deutschlands, der Deutschen Zen- trumspattei und des Christlich-Sozialen Volks­dienstes folgendes Schreiben gerichtet:

„Es sei uns gestattet, die Mitglieder Ihrer Fraktion auf eine Eingabe des Kampfaus­schusses gegen die Zerschlagung des Hinter­landkreises in Biedenkopf vom 19. d. Mts. ergebenst aufmerksam zu machen. Die Ein­gabe wendtt sich gegen die im Rahmen der Kreisneueinteilungen vorgenommene Auftei­lung des Kreises Biedenkopf an nicht weniger als drei Nachbarkreise (Dillenburg, Wetzlar und Frankenberg), die sich je länger je mehr als eine überstürzte und nicht zu rechtfertigende Maßnahme erweist. Der erwähnten Eingabe ist reichhaltiges und ansehnliches Matettal । beigegeben, so daß wir uns kurz fasten können, zumal wir in dem der Eingabe abschriftlich beiliegenden Schreiben an den Herrn Preußi­schen Minister des Innern vom 19. August d. 3s., auf das wir verweisen bürfen, die be­sonderen Gründe näher angegeben haben, die uns als Kirchen-Aufsichtsbehörde die Zerschlagung des sogenannten Hinterlandkrei­ses aufs tiefste bedauern lassen. Der bis 1866 hessen-darmstädtische Kreis Biedenkopf (Hess. Hinterland) ist ein Gebiet, das nach Land­schaft und Volksatt bis heute eine seltene Eigenatt und Geschlossenheit bewahtt hat. Es nimmt als rein evangelisch-lutherisches Ge­

biet auch im Rahmen der Landeskirche eine Sonderstellung ein. Heber die kulturelle Ein­heit des Kreises Biedenkopf hat Pfarrer Karl Schmidt in Wiesbaden, ein Sohn des Hin­terlandes, sehr treffende Ausführungen ge­macht: sie sind ebenfalls der erwähnten Ein­gabe beigefügt, und wir bürfen sie ebenso wie die Stellungnahme des Pfarrers Eeldbach in Battenberg besonderer Beachtung empfehlen.

Auf die politischen und wirtschaftlichen Gründe gegen die Aullösung des Kreises wol­len wir der Kürze halber nicht eingehen, dür­fen aber bemerken, daß die Ausführungen, die der Kampfausschuß des Hinterlandkreises in seiner Eingabe macht, für jeden Kenner der Verhältnisse ohne weiteres einleuchtend sind und von uns sachlich sowie in ihrem Ziel voll­inhaltlich geteilt werden. Wir dürfen beson­ders betonen, daß wir für zeitgemäße Re­formen auf dem organisatorischen Gebiet der Staatsverwaltung durchaus Verständnis ha­ben und baß wir beshalb bie sonstigen Ver­änderungen in der Kreiseinteilung Nassaus int Blick auf die Zeit und ihre Notwendigkei­ten glaubten hinnehmen zu müssen. Umso ent­schiedener stellen wir uns aber auf die Seite der Hinterländer, denen durch die Aufteilung des räumlich und nach seiner Einwohnerzahl großen, wirtschaftlich leistungsfähigen Krei­ses ohne jede zwingende Notwendigkeit in ge­wissem Sinne die Heimat genommen wird.

Wir haben das Vettrauen, daß Ihre Frak­tion sich der Angelegenheit annimmt und bit­ten dringend, alles daran zu setzen, baß die Zerstückelung des Kreises Biedenkopf rück­gängig gemacht wird.

gez. Dr. Theinett."

Serbstvertrekerfag

des Kreiskriegerverbandes Marburg a. L.

ES wird darauf aufmerksam gemacht, daß am Sonntag, dem 4. Dezem­ber, 10 Uhr pünktlich beginnend, im obe­ren Saale des Hauses Freidhvf die Herbstvertvetettagung des Kreisknegerver- dandes Marburg stattfindet. Die Tages­ordnung ist bereits vor längerer Zeit allen Mitgliedern des Vorstandes, sowie auch allen zugehörigen Kriegervereinen Au ge­stellt worden. Gerade in der jetzigen ZÄt, die große Schwierigkeiten aller 2lrt bringt, ist es eine gebieterische Pflicht, daß der feste und unwandelbare Zusammenschluß gepflegt wird. Deshalb ist es selbstver­ständliche und bedingungslose Pflicht eines jeden Vereins, seinen Vorsitzenden oder dessen Stellvettreter, rm Notfall ein Mit­glied des Vorstandes oder einen anderen bevollmächtigten Kameraden zu entsenden. Kein Verein d arf fehle n! Es sind sehr wichtige Angelegenheiten zu be­sprechen und zu verhandeln. Hierzu ge­

hött u. a. der Luftschutz, zu dessen Durchführung sich der Reichsknegerbund „Khffhänser“ zur Verfügung gestellt hat. Oberst a.D. Immanuel, der Kreis- Kttegerverbandsvorsitzende, wird bei der Vertretettagung hierüber Dottrag halten und das (^forderliche mitteilen. Bereits um 9 Uhr pünktlich versammeln sich die Führerschaften der Khffhäuser-Iu- gendgruppen des Kreis-Kttegerver- bandes Marburg zur Besprechung im Vor­saal des Hauses Freidhof. Keiner darf fehlen! *

Gottesdienst.

Mittwoch, ben 30. November.

Pfarrkirche. 20 Uhr: Abventsanbacht, Pft. Dr. Geller.

Pfarrhaus Ritter st raße 7. 20 Uhr: Zusammenkunft bet höheren Schülerinnen (ältere Abteilung), Pfr. Dr. Geller.

Reformierte Gemeinbe. 20.30 Uhr: Abventsanbacht, Pfr. Veerhoff.

Sie Wtnterfttlfr im Landkreise Marone»

Für die Winterhilfe des Landkreises Mar­burg gingen durch Sammlung weitere .Zu­wendungen ein:

Gemeinde Beltershausen: 11,50 Ztr. Kar­toffeln, 3,75 Ztr. Gemüse.

Gemeinde Bürgeln: 0,10 Ztr. Gemüse, 0,40 Zentner Hülsenfrüchte.

Gemeinde Cyriaxweimar: 15 Ztr. Kartoffeln

Gemeinde Ginseldorf: 55 Ztr. Kartoffeln, 12 Ztr. Roggenmehl.

Gemeinde Hastenhau'en: 15,25 Ztr. Kartof­feln und ein Vargeldbetrag von 7,50 M-

Gemeinde Niederwalgern: 37,50 Ztr. Kar­toffeln, 3,95 Ztr. RoMmmhl, 0,25 Ztr. Wei­zenmehl, 3,95 Ztr. Gemüse, 0,60 Ztr. Hülsen- früchte, 2 Laibe Brot, 0,35 Ztr. Obst, 7 Pfund Speck, 1 Wurst, 5 Pfd. Seife und ein Bargeld­betrag von 23 J(.

Gemeinde Rollshausen: 2,75 Ztr. Kartoffeln, 10 Laibe Vrot.

Gemeinde Schröck: 22,50 Ztr. Kartoffeln, 2,80 Ztt. Roggenmehl.

Gemeinde Seelbach: 2,20 Ztr. Kartoffeln, 0,35 Ztr. Roggenmehl, 2,75 Ztt. Gemüse, 2 Laibe Bort

Gemeinde Weiershausen: 1 Ztr. Kartoffeln, 0,50 Ztr. Roggenmehl, 0,50 Ztt. Gemüse.

Gemeinde Wermertshausen: 10,50 Zentner Kartoffeln, 0,20 Ztr. Roggenmehl, 1,25 Zentner Gemüse.

für unsere

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am Sonnabend, den 3. Dezember, bitten wir bis spätestens Donnerstag bei uns aufzugeben

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Markt Nr. 21 - 23 - 24 Fernruf 2054u. 2055

Verlag Dr. C. H i h e r o r h. Haupischrfftleiter und verantwortlich für Po­litik und Feuilleton: Dr. Ernst Scheller: für Kommunalpolitik, Provinz und Lokales: Lothar Schneider, sämtlich in Marburg.

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1. Teil der Vortragsreihe.

In den Vorlesungen für Damen und Herren unternimt es Herr Dr. Bittner in echs Vortragsabenden die gesamte Entwick- ung der abendländischen Musik zu durchlau­en. Seine Absicht ist nicht, eine Einführung n die Musikgeschichte zu geben, sondern an Hand der Musikgeschichte einzuführen in musikalisches Verständnis. Dem entspricht auch seine überaus instruktive, wertvolle Methode, die besonders erwähnt werden mutz. Durch die jeweils doppelte Darbietung von Beispielen, zwischen die er ihre Bespre­chung einschiebt, hat er es verstanden, seinem Publikum das ganze Gebiet der „alten Musik" näher zu bringen. Wenn er auch bei allen Zuhörern das Interesse und die notwendig­sten Grundanschauunaen voraussetzen darf, so ist es doch nicht leicht, allgemeinverständ­lich zu bleiben. Hinzu kommt, daß für viele alles, was jenseits der großen Meister Bach und Händel liegt, ein völlig fremdes Kapitel der Entwicklung ist. Wir müffen dem Vor­tragenden aber an dieser Stelle unfern Dank aussprechen, weil er m dem Wenigen, was er geben konnte, allen die Grundlinien der Entwicklung verständlich zu machen gewußt hat. Sind schon seine Formulierungen klar und prägnant, so zeichnet sich seine Vortrags­reihe durch eine unbedingte Systematik und Uebersichtlichkeit aus. Dank der eifrigen Mit­wirkung feiner Schuler konnte er, wie es ja auch unerläßlich tft, eine Fülle von Beispielen vorführen, die er in umsichtiger Weife als Typen der Entwicklung ausgewählt hat. Vie­len ist sicher nirgendwo jemals Gelegenheit geboten, triefe Musik aus „alter Zeit" zu hören. ■

Die erste Stunde brachte die Aufzeiung der Grundelemente allen musikalischen Schassens in ihrer renrften Form, Melos, Klang und Rhythmus. Die Geschichte der abendländischen Musik fetzt an am gregorianischen Choral, der die fteifchwingende Melodie, das reine Melos, aufweist. Um 1200 haben wir in der soge­nannten Pariser Organalkunft die erste Synthese der Grundkräfte, die Anfänge der Mehrstimmigkeit erreicht. Die weitere Ent­wicklung läßt sich auf eine einfache Formel bringen: sie ist die Geschichte der Möglichkei­ten der Synthese der drei Elemente. Die

isorhythmische (griechisch isos — gleich, also gleichrhythmisch) Moteete eines Philippe de Vitry schließt eine erste Entwicklungsepoche ab. Die konstruktive Geistigkeit des Mittel­alters hat ihre höchste Ausprägung erreicht.

Die neue Zeit der burgundisch-niederländi­schen Musik im beginnenden 15. Jahrhundert zeigt in der Duffay-Motette ahna redemptgris das erste räumliche Gestalten: die Oberstimme wird führend, sie ist geringen vom Klang der Unterftimmen. Ockeghem zieht in dem Schritt von der Drei- zur Vielstimmigkeit die Kvnse- yuenz. Jede Stimme wird selbständiger Teil der Ganzen.

Das Grundproblem der Entwicklung bis zum 16. Jahrhundert ist bei allem die Aus­einandersetzung mit dem gregorianischen Cho­ral. In Ockeghems Motette alma redempto- ris liegt die Choralmelodie bereits in emer Unterstimme, ist nicht mehr führend. Obrecht setzt die Polyphonisierung des Chorals fort, der bei stärkerer Räumlichkeit des Gesamt- Klanges burch die Stimmen hindurchwechselt.

Josquin des Pr6s, einer der Großen der Musikgeschichte, ist der Repräsentant, der um 1450 geborenen Generation, bie, wie es ähn­lich die bildende Kunst tut, die klassische Form der vokalen Polypbonie, ein absolutes Aus­geglichensein der emzelnLn Klangkörper er­reicht. Er läßt in endgültigen Ueberroinbung bes Mittelalters eine erste Nähe zum mober- nen musikalischen Denken verspüren. Klang unb Struktur finb völlig ineinanber aufge­gangen. Sein Zeitgenosse, der deutsche Isaak, läßt den gregorianischen Choral völlig in die Polyphonie erngehen.

Das 16. Jahrhundert ist die Verarbeitung bes Erreichten, bas Zeitalter bes a capella Stiles . Unter Orlanbo bi Lasso unb Palae- strina erfolgt bie Berfelbftänbigung bes Klanges, bas harmonische Empfinden beginnt zu entstehen. Der Klang als solcher erhält musikalischen Ausdruck, wird selbst farbwert. Der Schritt über die Merstinrmigkeit hinaus steht im Dienste der neu entdeckten Klang- sinnlickkeit. Palaestrina verkörpert das Ende dieser Epoche. Lasso weist bereits in die Zeit bes Barocks hinein. Die Musik steht cm einem Wenbepunkt. Das Zeitalter bes Barock ist bie Grenzscheibe zwischen alter Musik unb der uns mehr vertrauten Neuzeit.

Dr. Birtner wir bim zweiten Teil feiner Borlesungen in ähnlicher Form wie bisher

bie ©runbfragen neuerer Musikgeschichte auf­weisen.

Der nächste Vortag wirb über Caccini, Montsverbi, Hemr. Schütz hinführen zu Bach und Händel.

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MMM in der ÄaWankirA

Der erste geistliche Musikabend, den Kir- chenmustkdirektor August Wagner mit der Altistin Irmgard Reimann- Rühle (Berlin) Dieder ins Leden rief, bedeutete für die Iuhörergemeinde nicht allein in musikalischer Hinsicht eine erhe­bende Feierstunde, sondern berührte gleich­zeitig Die ein Gottesdienst einen jeden, dem es an Erbauung und innerer Sanrm- llrng gelegen war, denn er durfte auch aktiv daran tellnehmen durch den Gesang der km Banne einer machtvollen, geistlichen Musik (Ehoral „Wie soll ich dich emp­fangen") stehenden, voll Andacht erfüllten Gemeinde.

Dor allem ist der Abend der Art der Ausführung der Dorttagsfolge zu ver­danken, dessen Einteilung in kausalem Zu- sammetchang stand und Deiche der Ad- ventSzett baß gebührende Gepräge gab. Dazu gab die Toccata D-Moll (dorische) von I.S. Bach kn chrer charakteristischen Kompositionsfvrm den Auftakt. In chr ton der Klangrerchtlrm der Orgel zur Gel­tung durch die abtoechselnd auseinander getürmten Passagen und getragenen Har­monien. In den Ehoralvariationen von Sam. Scheidt, die erst kürzlich aus bessern Schatzkasten heransgeholl wurden, suchte des Organisten Spiel im Gegensatz zu der mehr auf Tokllwrrkung hinspielenden Spiellveise den Orgelklang möglichst zu differenzieren, aufo zarteste abzutönen, um das durch das moderne Orchester an feinste Klangwirkungen gelohnte Ohr des Hörers immer stärker für die Orgel als Ausdrucks - instrument zu gewinnen. 3n der Aach- schafftmg der CiaccomrsE-ME vonBuxke-

Hude überraschte immer wieder die freie Att der klanglichen Auslegung und thema­tischen Gliederung. In der musikalischen Führung des Gemeindegesangs tauchten aus den reichen Tonbildern die leuchtenden Punkte der Vorklänge des Chorals auf, bis dieser im Abschluß der Variationen Har herausgearbeitet vor uns stand.

Als Ebenbürtige Partnerin stand August Wagner Irmgard Reimann? Rühle (Berlin) zur Seite. Die Altistin, welche nebst einem überaus ausdrucksvollen Organ über eine wundervoll ausgeglichene, tragfähige Stimme verfügt, in Tongebung und mit großartigem Vorträge siegreich über alle Klippen schwieriger Gesänge hin­auskommt, besitzt das ganze von einer Ora- torium länger in verlangte Rüstzeug. Sie versteht es meisterhaft, der jeweiligen Sttnnnung des Textinhalts gebührend Aus­druck zu verleihen, den heiligen Odem mit Inbrunst dem Hörer durch feine Modu­lation mit absoluter musikalischer Sicher­heit in Herz und Gemüt zu singen. Vor allem seien hier die Adventslieder „O Heiland, reiß die Himmel auf“ (von Rhein­fels 1666) und „Morgenstern der finsteren Rächt“ (Mel. Frankfurt a. M. 1738) gedacht, die ohne Begleitung (a capella) mit echt christlicher Bejahung und lyrisch empfin- denem Stilgefühl eingänglich vermittelt wurden. Die Arien aus dem Weihnachts- oratvrium von I.S. Bach zwei geistliche Konzette aus der Manuale Augustins (1591) belichteten immer Dieder die Vor­züge und Leistungsfähigkeit der Sängerin.

Jeder Teilnehmer dieser Abendnrusik wird mit Gewißheit und Freude diesen, Herrn Kirchenmusikdirektor August Wagner z verdankenden Erbauungsstunden eine langwirkende Befruchtung und Vertiefung in die geistliche Musik Voraussagen. And das haben wir nötig in dieser Zeit mit ihrer modesüchtigen und kranchaften Auf­lösung jedes formalen Und echischen Ge­halts der Kunst, vornehmlich der Musik.