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Dir .Obrrhessisckk Seihntfl* rr- f(6etnt sechsrna! tofcFetitlitfi. Br- ,ua«vrel« monatl. >. Marburg 2.02 GM. aurscbl. ?ils!rllung«gebübr, bet unsren Agenturen 1.93 GM. zuzügt. Zustellungggebühr, durch die Post 2.25 GM. Für etwa durch «Streit Maschinenbefehl oder elementare Ereignisse «»«fallende Nummern wird kein Ersat, geleistet. Verlag, Dr. E. Hitzeroth, Druck der Unib-Bu<bdrnckerei Ivb. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher:Nr. 2054 u. Nr. 2055 Postscheckkonto: Ami Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und
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Mrborger Tagesanzetger
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Ueberraschende Wendung
Schleicher verzichtet — Ein zweites Kabinett- v. Papen — Vertagung des Reichstages auf 6 Monate oder Auflösung
Wenn auch - die folgenden Meldungen durch die plötzliche Wendung der Dinge, die erst um 12 Uhr bekannt wurde, überholt sind, find so für das Verständnis der Vorgänge doch unentbehrlich.
Ueber den Stand der Verhandlungen über die Lösung der Regierungskrise erhielten wir um 9 Uhr vormittags folgende Information:
Im Rahmen der Verhandlungen über die Lösung der Regierungskrise hatte der Reichswehrminister v. Schleicher am Montag eine Unterhandlung mit dem Zentrumsführer K a a s, die über zwei Stunden dauerte und insofern einen günstigen Gesamteindruck hinterlieh, als es für möglich gehalten wird, dah auf der Grundlage des Auftrages an Herrn v. Schleicher eine Verständigung zu erreichen sein werde. Auch bei den Gewerkschaften wird ein starkes Entgegenkommen festgestellt. In Zentrumskreisen rechnet, man damit, dah die Verhandlungen sich noch längere Zeit, vielleicht sogar bis zum Zusammentritt des Reichstages am 6. Dezember, hinziehen werden.
Auch in Berliner politischen Kreisen werden die Aussichten für v. Schleicher als günstiger bezeichnet. Es wird damit gerechnet, dah neben dem Zentrum auch die BBP. und die DVP. zur Mitarbeit bereit sein werden. Am heutigen Dienstag findet eine Verhandlung Schleichers mit S tr a f s e r und Frick statt, von deren Ergebnis sehr viel für die weitere Beurteilung der Ansichten abhängen wird. Als etwaiger Nachfolger des Reichsarbeitsminister Schäffer in einem Kabinett Schleicher wird vermutlich der Berliner Schlichter Brahm genannt.
Gestern hatte Reichswehrminister e. Schleicher eingehende Besprechungen mit den Gewerkschaftsführern L e i p a r t und Eggert vom Allgemeinen Deutschen Ge- werkschaftsbund sowie mit dem Fraktions- führer der SPD. Br eit scheid. Diese Fühlungnahme sowie eine wettere Unterredung mit Präsident Dr. Eereke, dem Verfasser des bekannten' Arbeitsbe- fchaffungsprogramms, lasten erwarten, dah die neue Regierung sich auf die Durchführung eines Arbeitsbeschaffungsprogramms konzentrieren will, ohne sich durch parteipolitische oder weltanschauliche Rücksichten behindern zu lasten. Im übrigen wird Dr. Eereke als ernsthafter Kandidat für den Posten eines neu zu bestellenden Arbeitsbeschaffungskommistars genannt.
Die halbamtliche Darstellung
Gestern abend verbreitete das Eontt- Büro folgende haLbcuntüche Darstellung der Lage:
General von S<Meffch«r hat seine Fühlungnahme mit einer Reihe von Persönlichkeiten des wirtschaftlichen, sozialen Und politischen Lebens heilte fortgesetzt, Und diese Besprechungen werden auch morgen weitergehen. In politischen Kreisen wird die überaus sachliche Darstellung viel beachtet, die die Freien Gewerkschaften von dem Empfang ihoer Biertreber
Leipart und Eggert beim Reichswehrmiiii- ster gegeben haben. Ob die Besprechung auch mit den Christlichen Gewerkschaften schon stattgesunden hat, läßt sich im Augenblick nicht feststellen, da der Dertreter dieses GewerkschaftskreisrS Bernhard Otte nicht in Berlin zu sein scheint. Dagsgen hat General von Schleicher auch schon mit führenden Kreisen der Arbett- geber Fühlung genommen.
Melleicht lassen sich, die Besprechungen so erklären, daß es sich immer mehr als unmöglich herausstellt, im Reichstag eine Mehrheit zu finden, die eine neue Reichs-
rcgierung durch tätige Mitarbeit unterstützen oder zum mindesten tolerieren würde. Dann würde es notwendig sein, die Basis des kommenden Prasidialkabi- netts durch eine engere Verbindung auch mit anderen als nur parlamentarischen Kräften zu verstärken. Es setzt sich immer mehr die Auffassung durch, daß es in den nächsten schweren Monaten vor allem darauf ankommt, alle Anstrengungen auf die Besserung der wirtschaftlichen Lage und die Eindämmung der Arbeitslosigkeit zu konzenttieren, und so dürften auch in den Besprechungen des Generals von Schlei-
gekehtt: Einen Schritt, um den wirklichen Einsatz der Armee im Bürgerttieg, wie es notwendig ist, überhaupt zu oerhindem.
Der „Lokal-Anzeiger" spricht von den Bemühungen um ehren „innenpolitischen Nichtangriffspakt" und meint, sollte der „Nichtangriffspakt" nicht zustande kommen, dann würde der Reichspräsident sofort Maßnahmen zur Sicherung des Kabinetts gegen einen Vorstoß des Reichstags treffen müssen. In politischen Kreisen hoffe man, daß die drohenden Maßnahmen ehren Druck im Sinne des Waffenstillstandes ausüben.
Die „B ö r s en-Z eitung" ist hn Gegensatz zu den Aeußerungen über einen politischen Waftenstillstand der Auffassung, daß es dem Minister von Schleicher offenbar keineswegs darauf ankomme, im Reichstag eine Mehrheit zu erhalten, die sich etwa auf einen bis Januar oder Mürz nächsten Jahres befristeten parlamentarischen Waffenstillstand verpflichte, sondern es sei dem Minister wohl in erster Linie darum zu tun, mit den Kräften der nationalen Bewegung zu einer Vereinbarung zu kommen, die dem neuen, eventuell unter seiner (Schleichers) Führung stehenden Präsidialkabinett einen stärkeren Rückhalt im Volke sichern würde.
Der ,,Vossischen Zeitung" zufolge soll sich der Reichspräsident sehr verstimmt über die Schwierigketten gezeigt haben, die er bei der Neubildung der Regierung findet. Das Blatt sagt weiter, wie immer auch die neue Regierung heißen werde, ihre Aufgabe werde scharf und eng umgrenzt sein: Er- rcichung eines politischen Moratoriums und die Konzentration aller Kräfte auf die wiff- schaftlichen und sozialen Probleme, die auch diesen Winter beherrschen werden.
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Da die Verhandlungen Papens sowie Schleichers mit strengster Vertraulichkeit behandelt werden, ist in der Oeffentlchkeit em großes Rätselraten über die politische Bedeutung dieser Aktionen in Gang gekommen. Man fragt sich, ob Herr von Papen, dem man nachsagt, ohne es im Augenblick nach- prüfen zu können, daß er einer etwaigen Wieverbetrauung selbst ablehnend gegenüberstehe, ht diesen Verhandlungen den Boden für ein Kabinett Schleicher mit vorberetten wolle, ober ob umgekehrt die Bemühungen Schleichers der Sicherung eines Kabinetts Papen II gelten. Beides dürste abwegig sehr. Der Shrn dieser Verhandlungen ist zweifellos der, daß als Kanzlcffcmdidat derjenige der beiden Männer in Frage kommt, der die besseren Sicherungen für die Wintermonate beibringen kann. Nach Lage der Dinge daff man ht dieser Beziehung die Hoffnungen nach der einen wie nach der anderen Richtung nicht allzu hoch schrauben. Je länger sich die Krise hinzieht, desto deutlicher treten die Schwierigkeiten hervor, die einer Zusammenarbeit zwichen Regierung und Par- iamettt gegenüber stehen. Infolgedessen mußte man notgedrungen allmählich immer wieder bescheidener werden. Was man jetzt noch als relativ günstigste Lösung erwarten kann, liegt taum noch auf der Linie einer praktisch ins Gewicht fallenden Zusammen- arbett, sondern zielt nur noch darauf ab, ein drohendes Gegeneinander zu vermeiden und es wenigstens zu einem vorläufigen Nebeneinander abzumildern. So ist der keineswegs ideale Gedanke des Waffenstillstands entstanden, eines gegenseitigen innenpoiitichen Nichtangriffpattes, der von vornherein den Stempel der Notlösung auf der Stirn trägt und alle-älls als ein Provisorium gelten kann, um wenigstens über die schweren Wintermonate mit dem noch möglichen Mindestmaß an innenpolitischer Belastung hinweg- zukommen.
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Heber die weitere Entwicklung nach-der Absage des Aationalozialiften berichten wir auf der 7. Seite.
Die Absage der N.S.D.A.P.
Sie wird ein Kabinett v. Schleicher nicht tolerieren
Unter der Ueberfchrift „Die NSDAP, wird ein Kabinett Schleicher nicht tole- rieren“ bringt der »//Völkische Beob» achter" an der Spitze des Blattes einen Artikel Rosenbergs, worin es heißt:
„Unsere Stellung zu einem ent. Reichskanzler v. Schleicher ist so eindeutig wie möglich. Die NSDAP, wird ein Kabinett Schleicher ebenso wenig tolerieren wie das Unheil-Kabinett von Papen. Die Gründe sind die gleichen. Man kann nicht eine kleine Clique eine Diktatur über Deutschland sprechen lassen. Man kann nicht zusehen, daß das Arbeitslosenheer ins ungemefiene steige, man kann nicht zusehen, wie der Kommunismus ein- ,'°«hrt wird, wie wir außenpolitisch immer mehr eingekreist werden, aber der Führer der einzig großen uatio- j nalen Bewegung beiseite ge- | schoben wird. Es geht nicht
cher nach der fachlichen Seite hin die wirtschaftlichen Fragen die Hauptrolle spielen.
Am Montagabend hatte der Reichswehrminister auch noch eine sehr lange Aussprache mit dem Prälaten Kaas. Im Laufe des Dienstags wird auch eine Besprechung mtt zwei führenden Peffönlich- ketten der RSDAP. stattfinden. Efft dann wird der Reichswehrminister einen abschließenden Aeberblick über die Situation haben. Es ist in Aussicht genommen, dah darauf eine neue Konferenz beim Reichspräsidenten gleich der vom letzten Samstag folgt. Sie wird wahrscheinlich noch nicht am morgigen Dienstag, sondern erst wohl aut Mittwwch möglich fein. Von ihr wird die Entscheidung des Reichs- präsideitten abhckngen, so daß also Mitte der Woche über die Peffönlichkeit des neuen Reichskanzlers Klarheit zu erwarten ist.
Bisher haben die Besprechungen des Reichsweh rministers sich offiziell noch auf der Basis eines neuen Kabinetts Papen bewegt; die Aussichten für die praktische Verwirklichung dieses Gedankens haben sich aber, auch nach der Stimmung in den Kreisen der Wirtschaft, zumindest nicht gebessert, und so steht nach Auffaffung gut unterrichteter politischer Kreise als wahrscheinlichste Lösung auch heute abend ein Kabinett Schleicher im Vordergrund. Wan bann wohl xuruetzmen, daß auch dieser
an, daß man nach dem unmöglichen Herrn Oj. Papen einfach den Reichswehrminister <rtt seinen Platz treten läßt. Menn nun die Reaktion die Verkündung eines Staatsnotstandes fordert, mit der deutlichen Absicht, die Arbeit der NSDAP, zu unterbinden, so wird man sich an den • in Betracht kommenden Stellen wohl über die Folgen klar fein. Ein Ausnahmezustand gegen den Nationalsozialismus wäre eine Herausforderung der gesamten Nation. Ein Kanzler, der das tut, würde sich außerhalb der Verfassung stellen, selbst illegal werden. Die Reichswehr würde dadurch nur zu einem Instrument der Innenpolitik, und auf ihrem Rücken würde sich der Bolschewismus verdreifachen. Das würde der Untergang Deutschlands sein.
letzte Ausweg in den augenblicklichen Besprechungen bereits erörtert wird.
Uebrigens haben auch Staatssekretär Meißner und Reichskanzler von Papen in den letzten Tagen Unterhaltungen mit einer Reihe von Persönlichkeiten gehabt, die wohl außerhalb des parlamen- taffschen Gettiebes stehen. Dadurch wird der Eindruck verstärkt, daß die hauptsächlichste Bedeutung schon bei den Besprechungen liegt, die der Heranziehung außer- ParlarneMaffscher tragender Volkskräste zur Untermauerungsplattform dienen.
Pressestimmen
Eine ganze Reihe von Zeitungen beschäftigen sich in teilweise sehr ausführlichen Kommentaren mtt der Entwicklung der innenpolitischen Lage. In der Hauptsache werden die Aussichten eines „Kabinetts Schleicher" er- örtert.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt unter der Ueberfchrift: „Die Stunde des Generals", an die Spitze gehört heute diejenige Persönlichkeit, mtt der sich zu verständigen für die gesamtnationale Bewegung verhältnismäßig am leichtesten ist. Wir sehen für den in Betracht kommenden Politiker gar keine moralische Möglichkeit, sch einem Rufe zu entziehen, weil keine andere Wahl mehr bleibt. Herr von Papen selbst dürfte ihn vorgechlagen haben, und es ist keineswegs parador, zu behaupten, daß seine Berufung ncht etwa einen vorzeitigen Einsatz der Armee bedeuten würde, sondern um-