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Seit« 6

D6emmidk Zeitung. Marburg «. L. Stert«, Mt 25. Rovemt« 1932

Nr. 277

Aus drr Umgtgcnfc

Kreis Frankenberg

Magistrats-Sitzung.

br Frankenbera, 25. Nov. Im Sitzungs- saal des Rathauses fand am Dienstag eine Magistrats-Sitzung statt. Reben der Prüfung vieler Gesuch« um Stundung und Erlag von Abgaben, die allerdings aus finan­ziellen Gründen nur zum Teil genehmigt wurden, faßte man den Entschluß, einen vor­übergehenden Kredit zum Ankauf einer Schuldverschreibung, die zur Zahlung eines Abtrages nicht unbeträchtliche Erleich­terung gewährt, in Anspruch zu nehmen. Wei­terhin wurde der Verkauf eines kleinen Wie­senstreifens beschlossen. Von der Gemeinde Schreufa sollen Jaqdpachtaelder erhoben wer­den. Für das Wasserwerk und die Wohnung des Leiters und die erneute Aufstellung von Warnungstafeln an gefährdeten Verkehrs­stellen wurden kleine Beträge bewilligt. Dem Reichsdeutschen Blindenverband wurde der im Voranschlag vorgesehene Betrag als Weih­nachtsbeihilfe gewährt.

Erotztagung des 6. Bezirks.

br Frankenberg, 25. Nov. In der Turn­halle fand die Bezirksvorturnerstunde der Ver­eine des 6. Turnbezirks statt. Die Turnwarte Schaake-Frankenau, Schleiter-Rosenthal und Kleinhenn-Frankenberg turnten Geräte-, Frei- und Marschübungen unter der Leitung des Bezirksturnwarts Eäßler-Frankenberg vor. — Im Anschluß an diese Vorturnerstunde fand die Vorsitzenden-Tagung, an der 23 Bezirksver­eine teilnahmen, statt. Bezirksvertreter Hoh­mann leitete die Sitzung. Unter anderem be­grüßte er die neu in den Bezirk eingetretenen Verein« Dainrode und Friedrichshausen und nahm den Kassenbericht entgegen. Weiterhin wurde beschlossen, in dem Ort Reddighausen im Anschluß an ein Turnfest den Turnverein zu gründen. Am Schluß der Tagung fand eine Diskussion über die sportliche und hygienische Bedeutung der Körperschule statt.

Kreis ZiegeMin

a Ziegenhain, 24. Nov. In der öffent, lichen Stadtverordnetensitzung wurde der auf der nationalsozialistischen Seite nachgerückte Händler Iungkurth durch den Stadtverord­netenvorsteher in sein Amt eingeführt und ver­pflichtet. Bei der Wahl eines Beigeordneten fiel die Mehrzahl der Stimmen auf den Stadt­verordneten Luckhardt, der die Wahl annahm. Um die laufenden Zahlungsverpflichtungen der Stadt zu gewährleisten, lag der Antrag vor, bei der Kreissparkasse einen laufenden Kredit von 15 000 M in Anspruch zu nehmen. Der Antrag fand Annahme. Ein Antrag des Gewerbevereins und zweier Stadtverordneten forderte, daß handwerkliche Arbeiten bei der Stadt nicht mehr in eigener Regie ausgeführt «erden, sondern daß solche nach der Reichsver- dingunasordnung zu vergeben sind. Auch dieser Antrag wurde einstimmig angenommen.

Aus dem SlllkcelS

Ein großes Projett.

0 Wallau, 24. Nov. Die Gemeindever­tretung faßte den Beschluß, als Notstands­arbeit den Bau eines Hochbehälters vor­zunehmen. Der Bau soll im Dezember begon­nen werden. Die Eesamtbaukosten werden mit 20 000 J( veranschlagt. Aus Staatsmitteln wird ein Zuschuß von 9000 M gegeben.

Hefsvn Rasfau uns Nachbargebiete

IL-MiUvmen-Defizit im Frvmkfurter I Haütshatt. I

Frankfurt a. M., 24. Nov. Der Ma­gistrat der Stadt Frankfurt hat der Stadt­verordnetenversammlung eine Vorlage über den Ablauf des ordentlichen Haushalts 1932 auf Grund der Wirtschaftsberichte nach dem Stande von Ende September zugehen lassen. Danach ist mit einem tatsächlichen Defizit­betrag von rund 12 Millionen Mark für dos taufende Etatsjahr zu rechnen. Die we­sentlichen Ursachen für die Höhe des nunmehr geschätzten voraussichtlichen Fehlbetrags, der noch nach den Berichten von Ende Juni auf „nur“ 8 Millionen Mark geschätzt wurde, lie­gen vor Nllem in den wetteren wesentlichen Einnahmeverminderungen.

Die Forderungen der Frist«« mm Hessen und Nassau.

Frankfurt a. M„ 24. Nov. Im Schneider-Jnnungsheim in Frankfurt tagten dieser Tage die Obermeister der hessischen und nassauischen Friseurinnungen, um zu den drängendsten Tagesfragen StÄlung zu neh» men. Die einzelnen Berichte der Obermeister über die wirtschaftliche Lage des Friseurbe- rufes ergaben ein trostloses Bikd. Als Er­gebnis der Aussprache fand eine Entschließung Annahme, worin in acht Punkten die Forde­rungen des Friseurhandwerks niedergelegt sind. Grundsätzlich rotrb verlangt: Aufhe­bung der für das Friseurgewerbe einseitig er- lässenen Notverordnungen, Schutz und Förde­rung des Handwerks gemäß § 164 der Reichsverfassung, Entlastung desselben von einsettig auferlegten Steuern und Abgaben, sowie Senkung der sozialen Lasten, Aufhe- bung der Hauszinssteuer und damtt Senkung der Mieten, Zwangsoollstreckungsschutz auch für das Handwerk, Einführung der Hand- roerlerlarte, größeres Verständnis' der un­teren Verwaltungsbehörden gegenüber dem Handwerk, Wiederherstellung der den In­nungen zustehenden gesetzlichen Rechte. Ganz besonders aber fordert das Friseurhandwerk „Wiederherstellung des Selbstbestimmungs­rechts für seiner Hände Arbeit, Wahrung der verbrieften Rechte, Schutz und gleiche Behandlung wie all« andern Volksgenossen". Zur Lehrlingsfrage wurde erneut die Erbrin­gung eines ärztlichen Zeugniches und einet Eignungsprüfung bet Einstellung zur Pflicht gemacht und einheitliche Sätze für eine Er­ziehungsbeihilfe bzw. Kostgeld festgelegt. Aber auch die Notwendigkeit einer scharfen Durch­führung der einschränkenden Lehrlingsvor­schriften wurde betont, damtt der Ueber- füllung des Berufs Einhalt geboten und die Schwarzarbeit nicht noch wettet gefördert wird. Der Obermeistertag erledigte »um Schluß noch eine Reihe internet Angelegen­heiten.

Oberprästdmtt von Hülfen konferiert in Wiesbaden.

Wiesbaden ,24. Nov. Oberptäsident Dr. von Hülsen weilte heute in Wies­baden zu Jnformationszwecken. Namens der Wiesbadener Regierung begrüßte Regie­rungspräsident Ehrler den Oberpräsidenten, lieber die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Regierungsbezirk seihst re- l federten Regierungsrat Dr. Toni und Ober- I regierungsrat Vieler, über die politische und

fmaneieKe Lag« bei den Landgemeinden b* die LandrSte EMet-Montabaur und Dr. Pollack-Bad Schwoilbach. Außer den lei­tenden Beamten der Regierung nahmen an der Konferenz auch sämtliche Landräte und Polizeipräsidenten des Regierungsbezirks teil'. Der Unterrichtung über die Sage des Nas­sauischen Landestheaters galt ein Besuch des Theaters durch den Oberpräfidenten.

8vjähriger Mann von einem Omnibus totgefahren.

Wiesbaden, 23. Nov. Auf der oberen Wilhelmstratze wurde heute abend der Privatier Jakob Scheuer beim Ueberfchreiten der Straße von einem gro­ßen städtischen Verkehrsomnibus über­fahren und mehrere Meter mitgefchleift. Der Verunglückte, der sich im Alter von 80 Jahren befand, hatte sich schwere innere Verletzungen zugezogen, die nach kurzer Zeit seinen Tod herbeiführten.

Wirtschaft und Sandel

Berlin« Börsenbericht vom 24. November.

Der Umstand, daß die Regierungskrise noch immer nicht behoben ist, der schwache Ver­lauf der gestrigen Newyorker Börse und die internationale Verstimmung über die Haltung Amerikas in der Frage der alliierten Kriegs­schulden trugen eine gewisse Unsicherheit in die Börse. Das weitere Abgleiten des Pfund­kurses — in internationalen Finanzkreisen rechnet man damit, daß bei Zahlung der am 15. Dezember fälligen Kriegsschuldenrate In­terventionen notwendig werden — mußte, nicht nur vom Standpunkt der deutschen Er- pvrtmöglichkeiten aus beunruhigen. Am Ber­liner Geldmarkt war die Situation zu gestern fast völlig unverändert. Tagesgeld stellte sich auf 4Vs Prozent, teilweise auf 4 Pro­zent. Monatsgeld blieb unverändert 5—7 Prozent. Privatdiskonten waren vor dem Ultimo weiter angeboten, doch schienen außer der tegulierenben Stelle auch noch andere Käufer im Markt zu sein. 3n Reichswechseln und in Reichsschätzen gingen kleine Posten um. Berliner Devisenbericht vom 24. November.

Helfingfors 5,994-6,006, Wien 51,95 bis 52,05, Prag 12,465—12,485, Budapest —, Sofia 3,057—3,063, Holland 169,23 bis 169,57, Oslo 69,73—69,87, Kopenhagen 71,03—71,17, Stockholm 73,03—73,17, Lon­don 13,65—13,69. Buenos 0,888—0,892, Newyork 4,209—4,217, Belgien 58,29 bis 58,41, Italien 21,54—21,58, Paris 16,465 bis 16,505, Schweiz 80,92—81,08, Spanien 34,38—34,44, Danzig 81,82—81,98, Ja­pan 0,849—0,851.

Berlin« (Betreibern e^H vom 24. November.

Weizen 196—198; Roggen 155 bis 157; Braugerste 170—180; Futter- und Industrie­gerste 161—168; Hafer 125—130; Weizen- .mehl 24,25—27; Roggenmehl (70 Proz.) 19,75—22,10; Weizenkleie 9,45 bis 9,75; Roggenkleie 8,60—9,00.

Das Geschäft am Produktenmarkte bleibt infolge des schleppenden Mehlabsatzes weiter gertng. Die Unsicherheit in der Frage der Regierungsbildung beeinträchtigt naturgemäß auch die Unternehmungslust. Das Jnlands- angebot trat heute wieder etwas stärker in Erscheinung, besonders Weizen ist von Mtt- teldeutschland stärker angeboten. Die Gebote lauteten im allgemeinen 1 Mark niedriger, am Lieferungsmarkte gaben die Preise so­gar trotz einiger Interventionen bis IV- Mark nach. Roggen wird auch nur durch die Käufe der Staatlichen Gesellschaft am Prompt­markte gehalten, während die Mühlen, infolge der schlechten Rentabilität gegenüber den er­zielbaren Mehrpreisen, kaum als Käufer im Markte sind. Die Roggenlieferungspreise waren aus den bekannten Gründen nur leicht rückgängig. Weizen- und Roggenmehle sind zu unveränderten Preisen angeboten, aber schwer abzusetzen. Das Offertenmaterial in Hafer uNd Gerste übersteigt den Bedarf, und bei lustlosem Geschäft ist die Tendenz schwächer.

Frankfurter Schlachtoiehmarkt.

Frankfurt a. M., 24. Nov. Austrieb: Kälber 1065 (gegen 850 am letzten Donners­tagsmarkt), 394 (536) Schafe, 1123 (353) Schweine, barunret 270 Memellänber und 75 (73) Rinder. Notiert wurde per Ztr. Lebendgewicht in RM.: Kälber b) 32—35, q 27—31, d) 21—26. Schafe al) 21—24, b) 17—20, t) 13—16. Schweine b) 37—40, c< 37—41, b) 36—40, e), f) unb g) gestrichen Im Preisvergleich zum letzten .Nebenmarkt verloren Kälber 5—6 und Schweine 4 Mark, Schafe blieben unverändert. Marktverkauf: In allen Viehgattungen steppend, ausver­kauft.

Wetterbeobachtuiiqen 24. 25. Nov.

Höchste Temperatur am 24. Novemb. 6.1 Celsius

Niedrivste Temperatur lebte Nacht 3,6 Celsius

Barometern.

Relative

Zeit

Temve-

Luft-

reduziert

ratur

feucktig-

auf N. N.

keit

24.11.2 H6r nachm.

754 .8 mm

5.6 TeU.

76 »J.

24.11. 9 Uhr

756.1 mm

4.2 Teil.

911,

natfitn.

25.11.7 Uhr

759,2 mm

4,8Cels.

95’J.

norm.

PHOTO-BÖHLER - BRILLEN-BÖHLER

Wettergasie 30 Bahnhofstr. 8

Marburg/Lahn

Fernruf 2248.

♦

Wetterbericht.

Das umfangreiche Nordmeertief wird durch Zufuhr polarer Luftwaffen langsam aufgesullt. An seiner Südseite führen die aus dem Azoren, hoch heranströmenden Warmluftmasien bet dem Zusammentreffen mit bet nördlichen Kalt­luft immer noch zu kleineren Storungen

Aussichten für Sonnabend: Niederschlags­tätigkeit weiter abnehmend, ober noch meist bedeckt, kälter.____________

(Nachdruck verboten.)

.Sie Drei een ter Landstraße"

Ein heiterer Roman von: R. S. lltsch. (Copyright by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig).

b. Fortsetzung.

Es war Zeit zum Aufbruch, wollte man noch vor Dunkelheit das Dörfchen er* reichen. Molden kitzelte den Freund mit einem Grashalm an der Aase, bis er auf* wachte. Debtoix sah sich enttäuscht um, dann begann er plötzlich zu lachen.

„Bernd, ich hatte einen großartigen Traum!"

„©ooo,“ ließ sich Molden hören, „einen Traum?“

„Ich träumte eben von Monte Carlo!"

„Aha. — hattest sicher wieder einen Packen deutscher Reichsbanknoten zUm Besten verschämter Armen dorthin ge* tragen?“

„Olein, Bernd, — wir hatten getoal* tige Gewinne eingeheimst. Ankere Sa* scheu konnten die Banknoten nicht mehr fassen«. . . Kein Mensch wagte mehr, mit uns zu spielen. Dreimal hatten wir die Bank gesprengt. Wir sahen zuletzt noch ganz einsam in dem Saal!“

„Ja und dann? . . . Wir fuhren in einem rassigen Packardwagen nach Nizza und machten dort die Scheine kaputt, nicht wahr?“ .

Debroix rieb sich lächelnd die Augen. „Nein, Bernd, — die Sache ist sehr tätfel* haft. Es kamen zwei junge hübsche Mäd­chen in den Spielsaal herein. Ich glaubte, sie chchwebten in der Lust. Ja, seltsam war das . . . ®ie Mädels ttu* uttytqO) o^njrö^e im Haar und bluten* i^renbe Gewänder schmiegten sich ^'r^>nten snrsiösen Körper. Äe und sagte: So wollen wir S?1 ?cJdjiie&en. Das Geld bleibt Ls ist so bestimmt. Wir wer* h^r hegen, < ^uhe führen.“

blickte er sinnend vor Dann fuhr er fort: „Wir seiden, als ob dies o hätte folgtenden “

fern fallen «ss * * *

„Das ist keine üble Idee! . . .“

Sie beiden verliehen die S-ttahe, sprangen über einen Graben, kletterten eine Anhöhe hinauf und setzten sich oben auf die Böschung. Ein weit ausgedehntes Tal lag vor ihnen. Drüben trieb ein Hirte seine Kuhherde einen Fluß entlang. Rechts — ganz wett am Horizont — war ein größerer Flecken sichtbar, aus dessen Mitte ein Kirchturm in den blauen Him­mel stieß.

Das Geläute der Kuhschellen drang zu ihnen herüber. Ein lauer Wind säuselte über Roggen- und Weizenfelder, die wach­senden, ftrebenben Halme im Rhythmus wiegend.

Dckb-roix und Molden reckten sich im tiefen Gras und rauchten. Fast eine halbe Stunde hing jeder seinen Gedanken nach. Da hob plötzlich Dcbroix den Kopf und begann:

„Eine interessante Unterhaltung ist das, nicht wahr?“

„Interessanter als die Geistreicheleien in früheren Jahren, das stimmt!“ erwi­derte Molden.

„Hast du viel auf dem Herzen?“

„O ja. sehr viel ... Du auch?“

„Mir läuft es über! . . .“

»Ist dir bange?“

„Keineswegs! — Wozu die Frage?“ „Ich meinte nur so ..."

'„Gehört Tapferkeit zu unserer Si- tuation?“

„Lächerlich! . . . Was mich frappiert, ist eine ganz andere Erkenntnis!“

„Die muht du mir unterbreiten!“

Debroft reckte sich ein wenig, schloß die Augen halb, und sein Blick glitt in die Ferne, — verschwommen und »er­träumt.

„Wo soll man da beginnen,“ meinte er. „Mein Gehirn ist überfüllt, zum Platzen gespickt mit Zweifeln und In- tutionen ... Um eine an und für sich harmlose Sache zu erwähnen: Die Wett schrett heute: Zeit ist Geld! . . . Sag. Freund, was bedeutet das?“

„In geschäftlicher Hinsicht soviel, daß keiner hinter dein anderen stehen will. Heute ist heule, wer «trogen jchtüft, ist

„Und das Geld ließen wir wirklich zu- rück?“ Molden hielten den Atem an.

„Ja, wie gesagt, Bernd!“

„Menschenskind! — Wie konntest du in einer solchen Situation und mit solch enor­men Summen an eine Frau denken?“

„Kein Grund zur Aufregung, Freund! . . . Träume sind Schäume!“

Vierzehn Sage vergingen. Wieder mar­schierten Debroix und Molden auf der Landstraße dahin.

Rosig lag gewiß die Zukunft nicht vor ihnen. Aber sie gingen hvcherhobenen Hauptes daher, pfiffen vor sich hin, drück­ten die Hände tief in die Hosentaschen und sprachen anfänglich kein Wort. ES hatte den Anschein, als ob jeder darauf warte, daß der andere von der leidigen Geldsache beginnnen würde.

Ein Auto kam dahergefegt. — Die Staubwolke, die es hinterließ, hüllte die beiden ein.

„Potz Donner, was einen diese Stink­kutschen belästigen können!“ stieß Debroft hervor. „Hätte e« nie für möglich ge* hallen!“

Als Molden schwieg, begann er wieder: „Apropos, Bernd. — zieh nicht gerade so an! Wo willst du hin? — Wir haben, weiß Gott, Zeit en mässe!“

Molden blieb stehen. „Du hast Recht,“ entgegnete er. „Äehen wir, gehen wir oder sitzen Wir, die sechs Mark, die noch in unseren Taschen stecken, sind und bleiben sechs Mark.“

».Das ist nicht wahr! Die werden sich heute abend nach dem Essen auch noch ver­abschieden, verlaß dich draus!“

„Dann sind wir ohne .... Stimmt genau!1

„Wie spät wirdS jetzt fein?“, fragte Debroix. „Wenn wir doch nur noch eine Ahr behalten hätten!“

Molden blickte zum Himmel. „Nach der Sonne zu urteilen, wird es vier bis fünf Ahr nachmittags fein! — Aber — Quatsch — was haben wir mtt der Zeit zu tun?“

„Komm, wir legen uns ins Gras,

übermorgen ein zurückgebliebener Erden- gast, ber bet dem rasenden Tempo der Un­geheuren Entwicklung, in der wir mit bei­den Füßen stehen, nicht mehr das Der- säumte nachhoKn kann!“

„Gut, bitte weiter! . . . Was hat diese Hetzjagd für einen Sinn?“

„Einen Sinn hat sie, — und zwar einen Wahnsinn! . . .“

„Wieso?“

„Hm, dann zunächst eine Frage meiner­seits: „Warum stirbt der Mensch?“

„Gestatte, daß ich dir da eine ganz dö­sige Antwort drauf gebe: Well er nicht dauernd leben kann!“

„Dieses Argument ist nicht schlecht. Warum also dieses Zusammenscharren von Schätzen auf der einen Seite — das ewige Hasten das Tag und Nacht nicht zur Ruhe kommen läßt? — Warum die fortwährende Angst vor der Konkurrenz? — Wissen­schaft — Börse — Kursberichte - Dik­tatur — Telephon — Telegramm — Eiftn- martt — Kohlenmarkt — technische Neue­rungen! ... In der rechten. Hand eine krampfhaft zerdrückte Zigarre, in der lin­ken den Dörsenkurier. Die Kost wird bei den Mahlzeiten ungeteilt verschluckt, wie­der liegen rechts und links Zeitungen, in die der Mensch aus Versehen beißt .. .. schläft er nicht, — verläßt er das Theater, in dem „Rigoletto“ gegeben wurde und man fragt ihn, wie ihm die Oper gefallen habe, so antwortet er bestimmt, daß ihn bet früheren Aufführungen die „ Zauber- flöte“ mehr interessiert habe. Dabei hat er während der Vorstellung nur den einen Gedamen gehabt: Wie lege ich mein Geld am vorteilhaftesten an? Um ein Bei­spiel zu nennen: ilnfer Freund Klingspor hatte im Jahre 1923 eine halbe Million zu 11 Prozent als erste Hypothek aus acht Jahre in ein Unternehmen gesteckt. Nun ist die Zett um, und die Hypothek iU gekündigt. Zur Zeit werden höchstens vcn reelen Geldnehmern acht Prozent gezahlt. Die Tatsache hat chn front gemacht, er ma­gerte in der letzten Zeit sichtlich ab und sprach davon, daß es bis zu seinem Ruin nur ein kurzer Weg sei!“

Fortsetzung folgt