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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen f«r Stadt und Kreis Marburg.

Hitlers Gegenvorschlag abgelehnt

Keine Einigung - Prälat Saas soll die Lage klären Scharfe Opposition der N.S.D.A.P.

Das was sich in der letzten Woche zwischen dem Reichspräsidentenpalais und dem Hotel Kaiserhof abgespielt hat, ist zum großen Teil verborgen geblieben. Man knan sich vielmehr erst ein klares Bild über die Vor­gänge nach eingehendem Studium des Schrift­wechsels bilden, der beginnend mit der Be­trauung Hitlers und den Vorbehalten Hin­denburgs bis zu der Auseinandersetzung des nationalsozialistischen Führers mit Staats­sekretär Meihner geführt worden ist. Schon jetzt aber kann man sagen, datz der Ausgang der Verhandlungen auch diesmal wieder zu einem großen Teil auf Mitzverständnisse und falsch verstandene Gegebenheiten zurückzufüh- ren ist.

Die Nationalsozialisten stellten sich auf den Standpunkt, datz die Bildung einer parla­mentarischen Regierung mit präsidialen Vor­behalten, wie Hindenburg sie gemacht hatte, an sich ein Widerspruch sei. Auf der anderen Seite war man aber der Ansicht, datz ein solcher Versuch durchaus Aussicht auf Erfolg hätte. Httler wird der Vorwurf gemacht, datz er die Chance, mtt den Parteien zu verhandeln, überhaupt nicht ausgenützt habe.

Don nationalsozialistischer Seite dagegen wird diesen Darstellungen auf das entschie­denste widersprochen. So erklärt der netto- nalsozialistischeAngriff" die Darstellung, die Parteiführer hätten den Vorbehalten Hin­denburgs zugestimmt, für unsinnig, weil dann ein Auftrag an Httler, diese Einigung herbei­zuführen, sinnlos gewesen wäre. Zudem sei es ja auch, so erklärt das Blatt wetter, ge­radezu abstrus, sich oorzustellen, datz etwa die Bayerische Volksparter sich m Bausch und Bogen mit einer Verewigung der ge­genwärtigen Ausschaltung Preuhens oder sei­ner Verreichlichung einverstanden erklärt hätte, oder datz das Zentrum dazu 3a und Amen gesagt hätte, datz mit dem Artikel 48 in alle Ewigkett nach Belieben regiert werden könnte.

Weiter hat bei dem Intrigenspiel, das be­sonders von links gegen die Betrauung Hit­lers in Szene gesetzt worden ist, die Behaup- tung eine Rolle gespielt, Httler habe bereits in seiner ersten Unterredung mtt dem Reichs­präsidenten erklätt, datz er sich für fähig halte, eine parlamentarische Regierung zu bilden und eine Mehrheit es ist sogar von einer Zweidrittelmehrhett die Rede gewesen im Reichstag zu finden. Auch hierin will man in nationalsozialistischen Kreisen eine Quertreiberei gegen das Zustandekommen einer Einigung erblicken, wie überhaupt, so wird festgestellt, alles getan worden sei, um Hitler einen zweiten 13. August zu bereiten. Daran aber ist nicht zu zweifeln, datz der Reichspräsident nach bestem Wissen und Ge­wissen gehandelt hat, um seiner historischen Aufgabe, die nationalen Kräfte zusammenzu­führen und dem Volke neue Erschütterungen zu ersparen, gerecht zu werden. Wenn er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren konnte. Hitler mit der Führung eines Präsidialkam- netts zu betrauen, so ergibt sich hier erneut der tragische Gegensatz, wie er bereits am 13. August zutage getreten ist. Die Folge des Scheiterns der Verhandlungen mtt den Na­tionalsozialisten kann nur die sein, datz der Reichspräsident ein neues Präsidialkabinett, vielleicht wieder mit Papen an der Spitze, einsetzt. Datz dies keine Lösung der Krise bedeutet, ist klar. Man kann nur hoffen, datz sobald als möglich ein neuer De r- such gemacht wird, die nationalen Kräfte zusammenzuführen, um doch noch zu einer Reichsregierung auf breiter nationaler Grund­lage zu gelangen. *

ff. Berlin, 24. Nov. Staatssekretär Dr. Meißner hat heute nachmittag im Auftrage des Reichspräsidenten in einem Brief an A d o l f H i t l e r den Gegenvor­schlag auf Betrauung mit dem Kanzleramt einer Präsidialre­gierung ablehnend beantwor­tet. Der Staatssekretär gibt aber im Auftrag des Reichspräsidenten der Erwar­tung Ausdruck, datz die Zusammenarbeit

zwischen Hitler und Hindenburg eines Ta­ges doch noch zustandekommen werde, »nd betont, datz der Reichspräsident jederzeit Herrn Hitler zu einer Aussprache irgend­welcher Art znr Verfügung stehe.

Die amtliche Mitteilung über die Ab­lehnung Hindenburgs.

fk. Berlin, 24. Nov. Amtlich wird mitgeteilt: In seinem Schreiben vom 23. Nov. 1932 hat Herr Adolf Httler es abge­lehnt, den ihm erteilten Auftrag der Fest­stellung einer parlamentarischen Mehrheit für eine von ihm 3« bildende Regierung «»^«führen und seinersetts vorgeschlagen,

datz der Reichspräsident ihn ohne Lorbehalte und ohne vorherige Feststellung einer Rei^- tagsmehrheit mtt der Bildung einer Re­gierung betrauen und dieser di« Präsidial- vollmachten zur Verfügung stellen soll.

Der Reichspräsident hat diesen Vorschlag abgelehnt, da er glaubt, es vor dem deut­schen Volke nicht vertreten zu können, den Führer einer Partei, die immer erneut ihre Ausschließlichkeit betont hat, seine Präsidialvollmachten zu geben, und er be­fürchten müsse, datz ein von Herrn Httler geführtes Präsidialkabinett sich pvangs- ihren Folgen für eine autzerordentliche Verschärfung der Gegensätze im deutschen

Neue Kampfansage der N.S.D.A.P.

Göring über das Scheitern der Verhandlungen mit Hitler

Berlin, 24. Nov. Reichstagspräsi- bent Göring empfing heute abendVer- treter der in-- und ausländischen Presse, um als politischer Beauftragter Adolf Hitlers den Standpunkt der nativ« nalsozialisttschen Führung zu der jetzt ge­gebenen Sttnatton darzulegen. Er sagte, vor dem 20. September hätten sich bes­sere Aussichten einer Mehr« hettsbildung ergeben als jetzt. Da­mals aber sm 'der Auftrag nicht erteilt lovrden während der Reichspräsident jetzt eine Mehrheitsbildung verlangt habe. Dar­aus ergebe sich die Frage, wie wett wirk­lich die ernste Absicht bestanden habe, ein Parlamentart s che s Kabinett zu bilden, oder ob es nicht darauf angekommen sei, die Unmöglichkeit der parlamentarischen Mehr­heitsbildung festzUstellen, um damü den Grund für die Erklärung eines Notstandes und die Neubildung eines PräsMalkabi- netts zu haben. Die Stellung eines neuen Kabinetts Papen sei durch den Ausgang dieser Verhand­lungen erleichtert worden.- ttng bestritt, daß Httler und die übrigen Parteiführer die Vorbehalte des Reichs» Präsidenten bereits grundsätzlich anerkannt hätte. Wenn man z.B. Klarheit darüber geschaffen hätte, wie es mtt dem Stand­punkt des Zentrums und derBaherkschen

Dolkspartei kn der Frage des Dualismus zwischen Reich und Preußen stehe, so hätte sich feststellen lassen, daß beide Parteien niemals damit einverstanden gewesen wä­ren den Posten des preußischen Minister­präsidenten und den des Reichskanzlers auf eine Person zu vereinigen. Sie hätten höchstens zugestanden, daß der preußische Ministerpräsident auch Reichsminister sei. Schon dieser präsidiale Vorbehalt hätte nach nakionalfoziaftstischer Auffassung die Mehrheitsbildung verhindett. Ebenso sei der Vorbehalt wegen der Besetzung des Reichswehr- und des ReichSaUßen- ministeriums eine Einschränkung der Rechte und der Verantwortung des Reichs­kanzlers.

Göring wandte sich weiter dagegen, datz Adolf Httler nicht der volle »nd freie Auftrag znr Bildung eines Mehrheitskabinetts gegeben worden fei, der sie allein möglich ge­macht haben würde.

Bei dem Abschluß der Verhandlungen zwischen dem Reichspräsidenten und Adolf Hitler sei °die Tür noch nicht vollkommen Angeschlagen. Jedes andere Kabinett aber werde von der NSDAP, eben soscharf bekämpft werden wie da« Kabi­nett Papen.

Pötte entwickeln würde, die herbeigeführt z» haben, der Reichspräsident vor feinem Eid »nd seinem Gewissen nicht verantwor­ten könne.

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Nach dem Scheitern eines Kabinetts der nattonalsn Konzentration mit Hitler an der Spitze, hat der Reichs­präsident am Donnerstag die Partei­führer zu neuen Besprechungen emp­fangen und de» Führer des Zentrums, Prälaten Kaas, beauftragt, einen neuen Versuch in der Frage der Mög­lichkeit einer Mehrheitsbiwung im Reichstag zu unternehmen.

Der Versuch Kaas wird in Berliner polittschen Kreisen, sowohl als auch über« wiegend in der Berliner Presse recht skeptisch beurteilt und dürste sich in erster Linie darauf richten, einem et­waigen neuen Pr äs id ialkabr- nett die Neutralität des Reichstages zu sichern

Der Staatssekretär Dr. Meißner hat im Auftrage Hindenburgs weiterhin die Parteiführer Dr. Hugenberg, Dr. Schäffer und Dingeldey empfan­gen. Schlietzlich hatte am Donnerstag nachmittag Adolf Httler eine persönliche Unterredung mit dem deutschnationalen Parteiführer Hugenberg, woraus von ihm auch Staatsrat Schäffer emp­fangen wurde. _

Weiter wird gemeldet: In führenden Kreisen des Zentrums wird bedauert, datz Adolf Hitler aber den formalen die sach­lichen Möglichketten der Mehtheits - bildung nicht ausgeschöpft hat. Diese Aufgabe fällt nun dem Prälaten Kaas zu.

Nachdem der Standpuntt Hitlers jetzt genau bekannt ist und die po 1 i» tische Situation durch die Ver­handlungen mit Httler ohnehin wie­der eine Verschärfung erfahren hat, werden dis Aussichten einer Mehr- hettsbildung unter führender Mit­

wirkung des Zentrums in politischen Kreisen natürlich keineswegs sehr hoffnungsvoll beurteilt.

Umsomehr zeigt der Empfang des Präla­ten Kaas, wie ernst der Reichspräsi­dent bemüht ist, auch die letzten Möglich­keiten einer parlamentarischen Lösung zu prüfen. J$)ie Frage, was werden wird, wenn die Bemühungen negativ ausgehen, ist vorläufig nur Kombinationsstoff.

In politischen Kreisen rechnet man für diesen Fall in erster Linie mit der Wiederkehr eines umgebildeten Kabinetts unter Führung des bis­herige« Reichskanzlers.

Man kann aber nur die Entscheidung des Reichspräsidenten abwarten, die voraus­sichtlich noch für Ende der Woche zu er­warten ist.

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Ein Aufruf Hitlers

fk. K ö l n, 25. Nov. DerWestdeutsche Beobachter" veröffentlicht ein Aufruf Adoli Hitlers, in dem er nach einer längeren Kritik am Kabinett Papen er« Närt, man habe ihn nach Berlin gerufen, um NN der Behebung einer Regierungs­krise mitzuwirken «nd habe dabei nur das Papeu-Kabinett retten und ihm, Hitler, einen zwei­ten 13. August bereiten wollen. Obwohl der ihm übertragene Auftrag durch die daran geknüpften Bedingungen von vornherekn unmöglich gemacht wor­den sei, habe er sich angesichts der Not des Volkes entschlosien, ein Angebot zu machen, das zugleich für die inneren Ab­sichten aller hätte klärend sein können. Das Angebot sei abgelehnt worden. Er glaube, datz schon damit der Wille der Ratgeber des Reichspräsidenten erfüllt schien. Was er am Abend des Wahltages schon erklärt habe, wiederhole er hiermit: Wenn dieses System in Deutschland nicht wieder gebrochen wird, dann wird die deutsche Ration an ihm zerbrechen." Der Aufruf scklietzt mit der Erklärung, datz der Kampf weiter geführt werde, mit der Zuversicht, datz die NSDAP. Sieger bleibt.

20 Leichtverletzte bei einem Zugunfall auf dem Leipziger Hauptbahnhof.

Leipzig, 24. Nov. Bei der Einfahrt in den Leipziger Hauptbahnhof fuhr Donnerstag nachmittag der O-Zug 30 aus eine im Gleis stehende elektrische Lokomo­tive auf Die Zuglokomotive entgleiste und neigte sich zur Seite. 20 Personen wurden leicht verletzt, darunter befinden sich acht Personen aus Berlin und seinen Vororten. Der Zugverkehr wurde nut tn geringem Matze verzögert. D.e Schuld­frage ist noch nicht geklart.

Die KPD. erhält durch Listenoerbindung em weiteres Mandat.

M ii l b e i m-Ruhr, 24. Nov. In der heute chaebaltenen Sitzung des Kreiswahlausschuf- ses' im 23 Wahlkreis Düsseldorf-West wurde ritaestellt, datz der KPD. infolge der 2i|ten= Verbindung mit Düsseldorf-Ost ein weiteres Nmchstagsmcmdat zufällt, das Walter tfranü in' Bochum übertragen wird.