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Rach Feieraben-

Unterhaltungs-Beilage der Oberhessischen Zeitung___________

Lernen Sie einmal Ihr Kind näher kennen!

Mann schreit es am liebsten? — Nahrung löst das erste Lachen aus

Es ist nun einmal der Zug der modc. en ' Wissenschaft, Dinge zu erforschen und zu untersuchen, die uns bisher so selbstverstänv- ' lich erschienen, daß wir uns keine Gedanken darüber machten, ob unsere Meinung in bis* fern Punkte richtig oder falsch.

Galt es nicht jeder jungen Frau als ganz selbstverständlich, datz ihr kleines Kind, im Arm getragen und liebkost, sie deshalb an­lacht, weil es das glücklich lächelnde Gesicht der Mutter erkennt? Die Wissenschaft ist heute anderer Ansicht. Sie erklärt, das Wahr­nehmungsvermögen des Kindes — feine fünf Sinne — fei bei der Geburt noch längst nicht völlig entwickelt. So soll die Verbindung zwischen Auge und Hirn noch nicht/ ausge­nommen oder das in Frage kommende Ner­ven- und Muskelsystem noch so wenig einge­spielt sein, datz ein zwei Monate altes Kind von den Vorgängen in seiner Umgebung noch nichts sieht. Angeblich erscheint das Gesicht der Mutter dem werdenden Erdenbürger in diesem Alter nur als undeutlicher Schatten, und höchstens blinkende Gegenstände wie Brillengläser,»funkelnde Ohrringe, eine Hals­kette mit einem Brillanten heben sich für das kindliche Auge vom dunklen Hintergrund ab.

In letzter Zeit haben hier und dort Uni­versitätskliniken systematische Untersuchun­gen über Entwicklung und Gebaren einer größeren Zahl gleichaltriger Kinder ange­stellt. Die hierbei gemachten Feststellungen sind interessant, wenn auch nicht immer an­genehm für die stolze junge Mutter. Erkennt das zwei Monate alte Kind die mütterlichen Gesichtszüge noch durchaus nicht, so weiß es doch sofort, wann die Nahrung m seinen Ge­sichtskreis tritt. Dem Essen gilt das erste Lachen. Von der achten bis zur elften Lebens- mache ist die Nahrung das einzige, was dem Kinde sichtliches Vergnügen bereitet. Erst von der zehnten Lebenswoche ab ist es auch für andere erfreuliche Eindrücke empfänglich, so vor allem für das Lachen der Mutter, das es nachzuahmen versucht. Eine Woche später beginnt vorsichtiges Kitzeln die Lachnerven des jungen (Erbenbürgere zu reizen, unb von ber vierzehnten Woche ab streckt bas Kind unter freudigem Verziehen des Mundes feine Händchen nach blinkenden Gegenständen aus.

In wie geringem Maße bas, was ein nur wenige Monate altes Kind sicht, sonst auf sein Empfinben einwirkt, zeigt ein ganz ein­facher Versuch. Ein junger Erbenbürger wirb eine häßliche Teufelsfratze, bie sich ein Er­wachsener vor bas Gesicht hält, ohne jebes Zeichen bes Erkennens betrachten unb babei teilnahmlos bleiben, um sich schließlich un­interessiert abzuwenben. Sobald aber bie Person hinter bei Fratze plötzlich einen unge­wohnten Laut, vielleicht ein Bellen ober Brüllen hören läßt, fängt bas Kind zu wei­nen an. Das Gehör ist also früher entwickelt als bas Sehvermögen unb bient zur Erregung

einer ber betben Empfindungen, die im geistigen Leben des kleinen Kindes die größte Roll« spielen: Der Furcht, bie durch jedes un­gewohnte Geräusch ausgelöst wird.

Die zweite Empfindung, der Aerger, ist bisher nicht genügend beachtet worden. Ein kleines Kind — wenn es normal veranlagt ist — ärgert sich stündlich. Hierzu genügt schon die vorübergehende Behinderung einer

wollte und durch die zu fest gesteckte Decke daran gehindert wurde. Die Fähigkeit, sich zu ärgern — soweit hier von einer Fähigkeit gesprochen werden kann — ober sich ärgern zu lassen, erreicht im brüten Lebensjahr ihren Höhepunkt. Von biefer Zeit an nimmt sie regelmäßig ab. Es ist also burchaus kein Zeichen abnormer Veranlagung, wenn ein zwei- ober dreijähriges Kind durch Kleinig­keiten zur Wut gebracht werben kann. Die Verärgerungsfähigkeit bes erwachsenen Men­schen wirb bie bes Kinbes niemals über­schreiten.

Allgemein gilt bie Ansicht, Frauen feien rebfeltger als bie Männer. Vergleichende Untersuchungen haben ergeben, baß diese Mei-

gewohnten Bewegung, bas Festhalten eines Armes ober Beines. Manche Mutter weiß nicht, warum ihr Liebling, ber sonst so ruhig ist. plötzlich in wütenbes Geschrei ausbricht. Sie nimmt ihn auf ben Arm unb rounbert sich, batz bie Erregung nicht nachlätzt, obwohl sie alle möglichen Ablenkungsversuche an­stellt. Alles hat vielleicht nur baran gelegen, daß ber Kleine mit ben Beinen strampeln

nung schon burch bie Kinder bestätigt wird. Denn durchschnittlich beginnen Mädchen mit achtzehn Monaten zu sprechen, Jungen da­gegen erst einen Monat später. Nach Ansicht eines amerikanisches Wissenschaftlers ist diese Zeit bei ersten ernst zu nehmenden Sviech- versuche für die spätere Entwicklung des Kin­des von so großer Bedeutung, datz er allen Einstes den Vorschlag macht, die Schul­pflicht sollte mit Beginn des dritten Lebens­jahres ein treten. Die Mütter werden freilich mit dieser Forderung nicht einverstanden sein.

Junge Väter sind immer der Ansicht, ihre Kinder schrien ausgerechnet dann am meisten, lautesten und hartnäckigsten, wenn die ge­plagten Alltagsmenschen der Nachtruhe be-

Der Winter zieht in -ie Alpen ein

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Die ersten Ski-Läufer int Schweizer Matterhorn-Gebiet wo die reichen Schneefälle der letzten Tage bereits ein ausgiebiges Training erlaubten

Universitäts-Professor als Operetten-Komponist

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Dr. Mey«-Stein«a, _

Professor an der Jenaer Unwersttat, emet der bekanntesten deutschen Augenärzte,, ist der Komponist der Operette „Die Spionm", -be­ten Uraufführung am 1. Dezember rn Magde­burg stattfindet. Professor Meyer-Stemegg hat sich bisher durch Kompositionen einer Reihe von Lautenliedern einen Namm ge­macht. Sein nächstes Werk ist eine Spitzweg-- Operette.

dürfen. Unrersuchungen, bie an einer Uni­versitätsklinik mit rund tausend kleinen Kin­dern gemacht wurden, ergaben aber, daß die Zeit, da bie jungen (Erbenbürger am meisten zu lärmen belieben, um sechs Uhr morgens liegt, wenn für bas Kinb bie Frühstückszeit gekommen ist.

Interessant finb bie Untersuchungen, inwie­weit bie wirtschaftlichen Verhältnisse im Elternhaus bie spätere geistige und seelische Entwicklung des Kindes beeinflussen. Es wurde nämlich festgestellt, batz Kinber aus reichen, ja selbst aus nur gutgestellten Fami­lien im Durchschnitt nicht gleich gute Eigen­schaften besitzen wie Nachkömmlinge weniger gut gestellter Eltern. Eine Familie, bereu Vermögensverhältnisse etwas unter bem Durchschnitt für bas gesamte Laub liegen, scheint biefen Untersuchungen zufolge ber beste Nährboben für bie Entwicklung guter Cha­raktereigenschaften im Kinbe zu fein.

Karl Albrecht SR e u t er.

Lachen ist gesund.

Die Tante hat ein Bernhardinerfell vor dem Bett liegen. Der kleine Kurt steht mit großen Augen davor.

„Wir haben auch son Hund zu Haus. Aber den haben wir nicht so breit getreten!“

„Denken Sie mal, Frau Bern hat sich für heute Nachmittag die Masieurin, die Manicure und die Friseurin bestellt. Alle zu gleicher

Zeit."

„Aha. Sitzung der Reparationskommission!'

gierens mw Kätzchen

Eine Alt-Heidelberg-Geschichte «s Eichmdorffs Lebm.

(<3um 75. Todestage des Dichters am 26. November 1932.)

Bon Alfred Hein.

Napoleon löste die Universität Halle im Winter 1806 kurzerhand auf, als die Stu­denten. unter ihnen die Brüder Eichmdorff, ein heimliches Freikorps grünbeten. Bei Nacht hieß es flüchtm — Joseph und Wilhelm von Gchendorff lockte es nach Heidelberg. Und hier am Neckar, wo gerade Brentano und Arnim bes Knaben Wunberhorn ertönen lie­ßen. ward ber Stubent, eben noch voller krie­gerischer Gedanken, zum leijen zarten Dichter. (Sones, der „einsieblerische Zauberer, ber Himmel unb Erbe mit feinen magischen Krei­sen umschrieb", wurde der Lehrmeister des jungen Lebens. Der „novalisierende" Graf von Soeben, der zum Sinnbild feiner romanti­schen Innenwelt anstatt der Blauen Blume den Karfunkel erkoren hatte, weckte den Dichter.

Im „Roten Ochsen- zu Rohrwch fanden sich diese jüngsten Heidelberger Romantiker im „Eleusimschen Bund" zusammen. Droben im Giebelzimmer des Gasthauses, auf die von Hühnern undatierte einsame Kastanie bes Hinterhofes hinabschauenb, führten sie ihre tiefgründigen Gespräche, meist an einen Vers von Novalis anknüpfend» ber damals schon jung verhaucht in feinem stillen Grab an der Saale bei Weißenfels schlief und hier in ben fast noch knabenhaften, stürmischen Seelen wiedererwachte, die ihn oft wie einen Heilige« an riefen, auf daß er ihren Dichter­

bund segne. Dionysius und Astralis nann­ten sich die mit den beiden Dichtern eleusinisch verbündeten Studenten Strauß und Budde, die zusammen mit Jsidorus Orientalis — das war Graf Loeben — an einem schönen Maienabend singend die Landstraße nach Rohrbach entlang marschiert waren. Joseph von Eichendorff tauften sie mit echtem Pfälzer Wein und einem mystischen Kantus auf ben Namen Florens.

Bon jener Stunde am fühlte Joseph mit wachsendem Erstaunen, ja Schrecken, wie er nur noch bei Görres das Dichterische sah und suchte, wie ihm die Rechtswissenschaft ber anberen Professoren immer frember wurde. Stundenlang konnte er, die Vorlesungen schwänzend. Droben auf den Neckarhöhen stehen und gen Mannheim in die Rheinebene schauen. Er ahnte selbst nicht, daß es Stunden ewiger Spiegelung waren: Seine Seele nahm die anmutfeine Landschaft ihrer tausend später gefangenen Lieder auf, die ja fast alle von solch Waldeshöhen ins Tal hinabgejubelt sind.

Unb eines Abenbs jm späten Herbst sah er Ääthchen. Auf ber schnurgeraden Straße nach Schwetzingen, die er einsam entlang ritt, um in dem märchensamsten aller Schloßparke die Knabenträume von Lubowitz auferstehen zu lassen. Die Kleine trug auf dem Kops einen Korb mit Gemüse. Als Joseph Jab, daß sie bas schönste Urbild ber mignonhaf- ten, schwarzbvaunen Mädchen bes Odenwal- bes darstellte, sprach er sie studentenkeck an, durste ihr im nächsten Augenblick schon den Gernüsekorb abnehmen. um ihn auf sein Rog zu laben. Nur als er bie Trägerin selbst vor sich hinsetzen wollte, wehrten zwei schnell mit KLFsn bedeckte Hände ab.

Noch fanden sich keine eigenen Verse auf den Lippen des Zwanzigjährigen, aber die Strophe des Novalis verließ ihn nicht die durchwachte Nacht, die dieser Begegnung folgte: „Er heftet unverwandte Blicke — aut diese liebliche Gestalt, — daß er in sein Gemüt sie drücke, — eh' sie zur Nacht hinüber- wallt."

Er hätte bas Marmorbkld der Ealathee im Schwetzinger Schloßpark in die Geliebte ver­wandeln und rauben mögen — ja, unvergeß­lich drückte sich die jäh für immer entzückende Gestalt des Mädchens in sein aufruhrwildes Gemüt. Ms er am andern Abend bei den Freunden im „Roten Ochsen" zu Rohrbach erschien und der Graf Loeben ihn mit „kar- funkelnden" Versen begrüßte, da antwortete Florens mit einem selig dahinsingenden Lied so schön, daß Australis alias Budde fragte, ob er ein verschollenes Lied des Novalis aus- gegraben hätte.

Der Mnter brachte das große Liebesleib, bem noch nach Jahren unb Jahrzehnten süßeste Liebeslieber entquellen sollten. Käth- chen begleitete ben schlanken, blonden Frei­herrn aus Schlesien auf seinen einsamen Spa­ziergängen willig wie jenes Kätchen des Gra­fen Wetter vom Sttahl, dessen Strahlenburg unfern von Heidelberg an der Bergstraße ragte. Sie führte ihn in ihr Vaterhaus. Und ost saß an Somstagnachmittagen Joseph zwi­schen Vater und Tochter bei einem Glase Wein, der aus ben Reben des Weinbergleins am Hause gepreßt war: sie führten fromme Gespräche über biblische Dinge. Aber von bem Tag an, ba er ihr auf einer Schlitten­fahrt nach Neckargemünd bie Liebe geitanb, ging Käthchen ihm aus bem Wege. „Große,

große Schmerzen", verkünbet nur des Studen­ten karges Tagebuch. Und dann: „Nachmit­tags schrecklich nachgelaufen nach Rohrbach. Den Namen in den Schnee. Hinausgutien bei einem Hinaufgehen in der langen Straße--“

Doch bas hinausguckende Käthchen rief ihn nicht mehr, der ihren Namen in den Schnee schrieb. Eichendorff flüchtete nach Heidelberg zurück zu Görres und fand den Magier, im Dunkel zwischen Frau und Tochter in sei­ner gemütlich-stillen Studierstube sitzend, beim Tee. Als Görres Licht anzünden wollte, bat Joseph: „Kein Licht — jetzt — ich möchte heute über Novalis mit Ihnen reden. ‘

Görres nickte. Die Frauen ließen die Män­ner allein. Die sprachen über bie „Hymnen ber Nacht". Als Görres bie Worte Har­denbergs zitierte: „Vergebliche Hoffnungen kommen in grauen Kleidern wie Abendnebel nach ber Sonne Untergang . ba rannen Tränen über bas Antlitz bes Liebefluchtigen er verabschiedete sich unvennittelt, liet nach Rohrbach zurück unb sprach mit Kathchens Vater über sein Herzeleib.

Sie ist seit einem Jahr mit einem Kam- merbiener im Mannheimer Schloß verlobt, Herr Baron — mit einem Diener — bie Dienerin — wie sich's geziemt", erflärte ber 5jHte bas traurige Liebesrätsel.

Das zerbrochene Sen spannte sich Saiten zum Trost. Unb horch, die Harfe bes Florens erklang mit eigenem Ton. Die ersten Eichen- borff-Lieder von Frühling und Liebe erblüh­ten. als ber Dichter im Mai 1808 Heidelberg verließ, um es nie wiederzusehen, aber für ewig als Traumbühne feiner Dichtungen mit­zunehmen.