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Sette 6

ObeeheMche Bettung. Marburg e. L, Dienstag, bett 22. November 1932

Nr. 274

Aus -er Umgegend

Kreis Frankenberg

Die Fischreiher richten großen Schaden in den Fischbeständen an.

Frankcnberg, 22. Nov. Der hier wohnende pensionierte Förster Rietze! ern­tete in der vorigen Woche die Fische aus seinen fünf von der Stadt Frankenberg gepachteten Fischteichen am Nordabhange der Totenhöhe im Waldbezirk Birkenhege. Das Eesamtergeb- n.is waren etliche 20 Stück Karpfen, von denen man jedoch, wenn man die ganzen Unkosten zu­sammen rechnet, auf 5 M Selbstkosten zu stehen kommt. Die Schuld daran sind bte massenhaft im Edergebiet auftretenden Fischreiher, die gern die so einsam liegenden Teiche zu ihrem Jagdfelde nuserwählen.

Aus dem SlMreiö

Die ehemaligen Kveiskörperschaften des früheren Hinterlamdtreises protestieren erneut.

0 Biedenkopf, 21. Nov. Der frühere Kreisdeputierte und jetzige Mitglied des Kreisausschusses des Eroßkreises Dillenburg, Bürgermeister Sttickrath-Biedenkopf hat cm das Preußische Innenministerium nnb an den Landtag einen Protest gerichtet, und zwar für die ehemaligen Kreiskörperschaften des früheren Kreises Biedenkopf. Es wird die Rückgängigmachung der Verordnung des Staatsministeriums über die Auflösung des Kreises Biedenkopf gefordert. Der Forde­rung schlossen sich an: der Landgemeindever­band. Kreisabteilung Biedenkopf, sowie die Gewerbevereine, Innungen und der ev. Kreiskirchentag des Hinterlandes. In der Begründung der Eingabe heißt es am Schluffe: „Der Landrat und der kommissa­rische Kreisausschuß des neuen Großkreises Dillenburg sehen sich schon in ihrer erst fünf Wochen alten Tätigkeit vor unüberwindliche Hindernisse gestellt, soweit sie das stammliche und das Hauptziel der Zusammenlegung, die Erreichung von Ersparnissen in der Verwal­tung, angehen. Sämtliche früheren Körper­schaften des Kreises vertreten diese Forde­rung.

Versuchter Einbruch.

mk. Gladenbach, 22. Nov. In der Nacht zum Montag versuchten bis jetzt un­bekannte Täter im Hause des Kaufmanns Louis Neuweger einzubrechen, nachdem sie schon eine Kellerfensterscheibe mit Schmier­seife beschmiert und eingedrückt hatten. Sie müssen sich gestört gefühlt haben und sind unverrichteter Sache wieder abgezogen.

mk Herzhausen b.Gladenbach, 22. Nov. Da bic alte Feuerspritze nicht mehr vorschriftsmäßig war, hat bte Gemetnbe eine Motorspritze angeschafft, welche dieser Tage geliefert wurde.

XX Allendorf, 22. Nov. Für die hie­sige Schule wurde in Anbetracht der hohen Kindcrzahl eine weitere Hilfskraft bei der Re­gierung angefordert. Zurzeit sind hier drei Lehrkräfte tätig.

Wirtschaft unö Handel

Berliner Börsenbericht w>m 21. November.

Die Aktienmärkte zeigten zu Beginn der neuen Woche verhältnismäßig freundliche Grundtendenz. Die Zurückhaltung, die so­wohl beim Publikum als auch bei der Spe­kulation herrschte, lieh jedoch fein größeres Geschäft auskommen, so daß die Kursge- stoltung wieder mehr oder weniger von Zufallsaufträgen abhing. Da Einzelheiten über die Regierungs-Am- bzw. -Neu­bildung immer noch nicht bekannt find, ist diese adwartetide Haltung aller an der Börse interessierten Kreise durchaus ver­ständlich. Am Geldmarkt war die Si­tuation ziemlich unverändert. Der TageS- geldsatz stellte sich auf 4>,l. vereinzelt auch auf 4Vs Prozent an der unteren Grenze. Privatdiskonten blieben in Kleinigkeiten angeboten, wurden aber glatt aufgenvm- men. Man sieht hierin ein Zeichen recht­zeitiger Llltimovorbereitungen der Banken. Bei unveränderten Terminen lag der Markt der Reichswechseln und Schatz­anweisungen beinahe geschäftslos.

Berlin« Devisembericht vom 21. November.

Helsingfors 6,024—6,036, Wien 51,95 bis 52,05, Prag 12,465—12,485, Budapest —, Sofia 3,057—3,063, Holland 169,23 bis 169,57, Oslo 70,28—70,42, Kopenhagen 71,73—71,87, Stockholm 73,28—73,42, Lon­don 13 78—13,82, Buenos Aires 0,903 bis 0,907, Neuhork 4,209—4,217, Belgien 58,33 bis 58,45, 3ttilien 21,56—21,60, Paris 16,485—16,525, Schweiz 80,92—81,08, Spa­nien 34,40—34,46, Danzig 81,82—81,98, Japan 0,839—0,841.

WarerrmiirLke

Betreibe tn 1000 Kilogr., Wehl und Futter mittel fe 100 Kilogramm.

Berlin« Getreide markt vom 21. November.

Weizen 196—198, Roggen 155—157, Braugerste 170—180, Futter- und Jndu- striegerste 161—168, Hafer 127—132, Wei­zenmehl 24,25—27,10, Roggenmehl (70 °/o) 20,00—22,25, Weizenkleie 9,40—9,75, Rog­genkleie 8,60—9,00.

Bereits am Wochenschluß hatte sich nachbörslich eine Reaktion auf die vvraiuS- gegangenen Preissteigerungen geltend ge­macht, und auch zu Beginn der neuen Woche war im Produttenverkehr eine merkliche Beruhigung zu verzeichnen. Die Ertragsschätzungen des Äattsttfchen Reichsamtes fanden angesichts der Unter® schiede gegenüber den Zahlen des Deut­schen LandwittschaftSrats naturgemäß viel­fach Beachtung, die Angebotsverhältnisse haben sich aber bisher nicht grundlegend

geändert. Dagegen war heute eine Ber- ringerung der Nachfrage zu beobachten, da die offiziellen Sonnabendpreise im allgemeinen nicht durchzuholen waren. Am Promptmartt lauteten die Gebote für Wei­zen und Roggen etwa 1 NM. niedriger, im Zeithandel kam es zu Preisrückgängen in etwa gleichem Ausmaße, wobei die Staatliche Gesellschaft zu den ersten No- tierungen etwa 1500 Tonnen Brotgetreide aufnahm; lediglich die Maisichten waren weniger gedrückt, Weizen- und Roggen® meyle haben kleines Bedarfsgeschäft bei kaum behaupteten Preisen. Hafer ist, ge­messen an der Nachfrage, ausreichend an® geboten, die Preisideen der Käufer Und Werkäufer sind schwer in Einklang zu bringen, Gerste weiter ruhig.

Frankfurt« Getreidemarkt vom 21. Novbc.

Weizen 211,00—212,50, Roggen 165,00, Sommergerste für Brauzwecke 180,00 bis 187,50, Hafer 138,50—142,50, Weizenmehl südd. 29,50—30.50, niederrh. 29,50—30,00, Roggenmehl (60 %) 23,75—24,75, Weizen® kleie 8,10—8,25, Roggenkleie 8,50.

Frankfurter Schlachtoiehmarkt vom 21. Roo.

Der Auftrieb des heutigen Montagsmark­tes bestand aus 1486 Rindern (gegen 1471 am letzten Montag), darunter befanden sich 324 Ochsen, 130 Bullen, 522 Kühe und 447 Färsen, ferner aus 705 (601) Kälbern, 125 (165) Scha­fen und 4067 (4426) Schweinen. Notiert wurde per ZenMer Lebendgewicht in R-4l: Ochsen al) 29—31, a) 25—28, bl) 22—24; Bullen a) 26—28, b) 22—25; Kühe a) 23—25, b) 20—22, c) 17—19, d) 13—16; Färsen a) 29 bis 31, b) 25—28, c) 22—24; Kälber b) 35 bis 38, c) 31—34, d) 25—30, Schafe al) 22—25, b) 18—21; Schweine b) 41—44, c) 40—44, d) 40 bis 43, f) und g) nicht notiert. Im Preisver­gleich zum letzten Montagsmarkt blieben Rin­der, Schafe und Schweine behauptet, Kälber ließen 1—3 Mark nach. Marktverkauf: Rin­der schleppend, Ueberstand. Kälber schleppend, Schafe mittelmäßig, geräumt. Schweine ruhig, ausverkauft.

Die erste» zugelassenen Bausparkassen.

Das Reichsaufsichtsamt für Privatversiche­rung hat in seinen Senatssitzungen vom 9 bis 11. November d. 3. den ersten Bausparkaffen auf Grund ihrer Eeschäftspläne den Geschäfts, betrieb endgültig genehmigt. Sie sind damit als behördlich geprüfte und amtlich zugelassene Bausparkassen anzusehen. Unter diesen Kaffen ist die bedeutendste die Bausparkaffe Deutsche Baugemeinschaft Akt.-Ges., Leipzig, die bisher 16 Millionen RM an Darlehen zuaeteilt-^hat, Es folgen die Beamtcn-Bausparkaffc Berlin, mit 8,25 Mill. RM, die CCN-Bausparkasse

mit 7,556 Mill. R^t, Das Heim, Krefeld, mit 4,277 Mill. RM, die Kosmos-Bausparkasse mit rb. 2,19 Mill. RM, die Hanseatische Bauspar­kasse, Hamburg, mit rd. 1,25 Mill. RM, die Bausparkasse Deutscher Bausparer, Köln, mit 0,186 Mill. RM und die beiden kleineren Bau­sparkaffen, Münchener Bausparkaffe Akt.-Ges. und Bausparkaffe Lloyd, Berlin, von denen Zuteilungsziffern nicht bekannt sind.

Mit diesen Zulassungserklärungen dürfte eine neue Periode in der Entwicklung der deutschen Dausparwittschast eingetreten und die das Bauspargeschäft hemmende Unsicher­heit durchbrochen sein. Es ist zu wünschen, daß die noch ausstehenden Urteile bald gefällt werden, damit die erfolgreich begonnene und volkswirtschaftlich nützliche Bausparbewegung, bereinigt, eine weiter fruchtbare Entwicklung nehmen kann.

Deutsche Bausparkasse A. E. Berlin W. 8.

Am 27. Oktober 1932 erfolgte eine wei­tere Zuteilung über RM. 244 000.— an 25 Dausparer, darunter 9 Sparer mit RM. 69 000 — gemäß § 16 der Spar- und Darlehnsbedingungen. Die Prüfung des Unternehmens durch das Reichsaufsichts­amt erfolgte im September d. Is. Der Neuzugang an Sparverträgen belief sich in diesem Jahre bisher auf rund 2500 Spar­verträge über rund 15 Millionen Reichs­mark. Die Auszahlungen an zugeteilte Bausparer erreichten im Laufe d. Is. bis­her die Summe von rund RM. 1 750 000.

Wetterbeobachtungen 21.22. Nov.

Höchste Temperatur am 21. Novemb. 8.2 Celsius Niedriest- Temperatur letzte Nackt 0,8 Celsius

Zeit

Barometerst. reduziert auf N. N.

Temve- ratur

Relative

Luft­feuchtig­keit

21.11.2 Uhr nachm.

758 0 mm

7.8 Teil.

99*,.

21.11. 9 Uhr

758.5 mm

7.2 Tel!.

100«/,

nachm.

22.11.7 Uhr

762,0 mm

14 Cell.

95°/.

vorm.

PHOTO-BÖHLER - BRILLEN-3ÜHLER

Wettergasse 30 Bahnhofstr. 9

Marburg, Lahn

Fernruf 2248

Wetterbericht.

Bei Island ist ein neuer sehr kräftiger Sturmwirbel in Entwicklung, der ostwärts vorrücken und auch unsere Witterung unter seinen Einfluß bringen wird. Zunächst ist je­doch im Bereich eines Zwischenhochs bei an­steigendem Luftdruck am Dienstag mit vor­übergehender Besserung zu rechnen.

Aussichten für Mittwoch: Bei lebhaften süd­westlichen bis westlichen Winden sehr unbe­ständiges, ober mildes Wetter mit Regenfällen.

(Nachdruck verboten.)

.9te 9ttl een ter Landstraße"

Ein heiterer Roman von: R. S. Utsch. (Copyright by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig).

3. Fortjetzung.

Die Hände tief in die Hosentaschen drückend, sahen sie sich endlich fragend an.

„Nun sind wir hier", sagte Debroix mit be­deutungsvoller Miene.

„Ja, ja“, meinte Molden, „auf dieser Straße. Wer hätte das gedacht?!"

„Das ist eben bas Interessante!" Debroix tippte dem Freund mit dem Zeigefinger auf die Brust. „Wir werden von jetzt ab zu jeder Zeit — na, wie soll ich mich ausdrücken? — so vor etwas Unprogrammäßigen stehen — sind jede Minute im Zufälligen — ach was, es gibt keine Zufälle, es gibt nur selbstge­schaffene Realitäten."

Molden sah zu den Bäumen, die rechts und links der Chaussee standen, von da glitt sein Blick ins Weite, und dann sah er wieder vor sich hin auf den Boden.

„Eine Straße ist wie die andere", meinte er. „Eine dumme, langweilige Monotonie!...

„Weißt du das jetzt erst?"

„Ich dachte nie darüber nach. Sonst hatten wir sie stets vom Gesichtspunkt des Auto­fahrers betrachtet!"

„Jetzt bist du eben in der Lage, sie vom Gesichtspunkt des Touristen zu betrachten!“

„Sind wir nun Touristen?" fragte Molden.

„Na ja, wenigstens sowas Aehnliches. — Apropos!" Debroix zeigte mit der Hand nach rechts und links. „Ist eine nette Gegend hier, wirklich bewundernswert, einfach großartig... hat so etwas Ruhiges an sich!"

„Ich finde es auch nicht gerade so lebhaft wie an der Kaiser-WilhelmGedächMiskirche in Berlins"

„Nein, hier wird kein Verkehr geregelt..."

Die Frühlingssonne sttahlte vom wolken­losen Himmel. Ein lauer Wind umwehte die ersten zarten Schöpfungen der erwachen­den, zeugenden Natur.

Molden trug auf dem Rücken einen Ruck­sack, der mit allen möglichen Sachen vollge­pfropft war. Nun bückte er sich, drückte die Last den Rücken hinauf und sagte:

„Nebenbei bemerkt, — wie ist das mit dem Dings hier? — Ich soll den Plunder doch wohl nicht den ganzen Tag schleppen?!"

Debroix machte ein ernstes Gesicht und streifte den Rucksack mit einem Blick gren­zenloser Verachtung.

„Ein scheußliches Reiserequisit", entfuhr es ihm, und er seufzte.

„Wir mußten aber doch Wäsche und sonstige notwendigen Reifeutensilien mitnehmen!"

„Das war nicht zu umgehen", entgegnete Debroix.

„Also wir bestimmen einen Ablösungster­min! ... Jeder trägt zwei Stunden..."

„Gut, — bin einverstanden..."

„Do gehen wir nun hin?"

„Ich weiß es auch nicht!.-."

Beide lachten, und Debroix sagte: „Hier stehen bleiben können wir nicht gut!"

„Rein, das würde auf die Dauer wirklich zu langweilig werden", wurde ihm zur Ant­wort.

„Also nehmen wir diese Richtung", ent­schied Debroix und zeigte nach Westen. „Wol­len mal sehen, wo wir landen! ..."

„An ein Ende kommen wir nicht, die Erde ist bekanntlich rund", meinte Molden, und die beiden setzten sich in Bewegung.

Die Straße zog sich schnurgerade durch eine Ebene. Rechts und links lagen üppige Fruchtfelder.

Nach zwei Stunden Wanderung kamen sie in einen Wald. Kein menschliches Anwesen war sichtbar. Da sie der Gang bis dahin be­

reits ermüdet hatte, setzten sie sich in den Schatten einer riesigen Buche.

„Das ist alles ganz nett“, erklärte Molden. „Aber ich habe Hunger bekommen!..."

„Das kommt vom Laufen!" behauptete Debroix und drückte sich auf oen Leib. „Die Touristen sollen alle Vielesser fein, habe ich mal gehört."

„Sieh mal nach, ob sich an dem Buchen­stamm eine elektrische Klingel befindet, wo­mit man einen Kellner herbeizitieren kann!"

„Soweit ist die gesegnete Zivilisation des 20. Jahrhunderts noch nicht", erwiderte Mol­den lächelnd.

„Auch gut, werden uns auch keine Rech­nungen vorgelegt. Halte es wohl noch ein Stündchen aus..."

Nach kurzer Zett wachten sie sich wieder auf die Beine. Der Abend senkte sich bereits hernieder, als sie in einem kleinen Flecken an kamen.

Sie gingen tn eine Gastwirtschaft, bestellten ein kräftiges Bauernmahl und quartierten sich bis zum nächsten Morgen ein.

Der Berlin« .Notar Langenbach schritt nachdenklich in seinem Miro auf und ab und diktierte einer Stenotypistin:

„An die Firma Jacob Michel, Bankgeschäft, Berlin-Wilmersdorf.

Bestätige bestens dankend den Empfang Ihres Geehrten vom 7. dieses Monats. Ihre Befürchtungen sind durchaus grundlos. Herr Debroix hat mir vor feiner Abreife aus Ber­lin den Verkauf feines gesamten Eigentums Übertagen, und es stehen Beträge zur Ver­fügung, mit denen ich alle feine Verpflich­tungen erledigen kann. Zwecks Regelung der Angelegenheiten werde ich mir gestatten, am 10. ds. Mts. vormittags bei Ihnen vorzu- fprechen.

Hochachtungsvoll

Langenbach, Notar."

Es klopfte. Die Tür öffnete sich. Ein Büroangestellter stand auf der Schwelle.

„Nun, was gibts?“ fragte der Notar, ärgerlich über die Störung.

„Ein alter vornehmer Herr wünscht Sie in einer dringenden Sache zu sprechen!"

„Hat er feinen Namen nicht genannt?“

„Nein, er tat so, als ob Eie ihn schon kannten!...“

„Ich lasse bitten!"

Der Angestellte verschwand wieder.

„Gehen Sie solange ins Nebenzimmer, Fräulein! — Nach dem Besuche schreiben wir noch mehrere Briefe in der Debroix'schcn Sache..."

Das Fräulein packte einige Stöße Akten zusammen und verließ den Raum.

Bald daruf wurden auf dem Flur schlür­fende Schrite hörbar. Man vernahm eine näselnde Stimme:

„So, hä, ist er hier... der Herr Notar?... Ich danke auch schön, mein Verehrtester!" ■

Die Ture wurde weit geöffnet, und es er­schien ein langer, hagerer Mann. Er war so groß, daß die Türöffnung kaum für seinen Körper reichte. Stöhnend beugte er sich ein wenig. Ein mächtiger Schnurrbart, dessen Enden fast bis zu den langen Ohren reichten, verunzierte das von vielen Falten durch­zogene Gesicht. Der Kops war außergewöhn­lich klein und der Schädel glatt rasiert. Mit dem rechten Auge schien ein Einglas fest ver­wachsen zu fein. Den Kopf verband ein lan­ger Hals mit fchmalen nach vorne gerichteten Schultern . Der linke Arm hing wie kraftlos herab, umsomehr bewegte sich der rechte. Die langen Beine schleifte der seltsame Gast müde, wie gelähmt, über den Boden. Seine Klei­dung war elegant, die Hose scharf gebügelt.

(Fortsetzung folgt.)