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CDcrOtfitW Zeitung, Mardnrg a. L- Manta«, tat 2L November 1932

Nr. 273

Aus Ser Smgegtn»

itrei? ’Kflc^ura <5<ntra!=3trfemi-7lung der Kornhaus- Eenosfenschaft Kirchhain.

f. Kirchhain, 19. Nov. Die Mit­glieder der Kornhaus-Genossenlchaft fanden sich heute morgen um 11 Uhr im Saale des Hotels Molebach zu ihrer ordentlichen Ee- neralreriammlung ein, an der 5 und 7 Mit­glieder des Borstandes und Aufsichtsrates und 95 Genossen teilnahmen. Der Bor- sihende, Landwirt Hrch. Althainz-Langen- stcin, leitete die Verbandlungen und begrüßte die Erschienenen. Die Gesellschaft „Hessen- land" hatte Herrn Direktor Hennigs als Vertreter entsandt; außerdem wohnte der Versammlung bei Herr Landwirtschaftsrat Winter. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Mi.Begründers und langjähri­gen Vorstandsmitgliedes Wilhelm Gruß aus Niedert!" n. ■ Dann erstattete Direktor Rie- beling den Geschäftsbericht für das abge­laufene Geschäftsjahr, der über alle Zweige des Geschäftsbetriebes ausführliche Auskunft gab. Der Gesamtumsatz betrug 245 126 Zentner im Werte von 1724 905 Mark. An­schließend hielt Herr Geheimrat KImgenbiel einen aufklärenden Vortrag über das aktuelle Thema der Steuergutscheine. Der stellver­tretende Vorsitzende des Aufsichtsrates, Hauptlehrcr i. R. Flor, referierte über die Tätigkeit der Kredit- und Kontrollkommission und die Außenstände, die in jeder Beziehung als durchaus gesund bezeichnet wurden. Hier­auf wurde die Bilanz vorgetragen und geneh­migt. Die Gewinnverteilung erfolgt nach den Vorschlägen der Verwaltungsorgane; für das Geschäftsjahr 1931/32 wird eine Divi­dende von 8 Prozent verteilt. Dem Vor­stand und Aufsichtsrat wurde Entlastung er­teilt. Die Ergänzungswahlen ergaben die Wahl der Herren Bürgermeister Lang- Stausebach und Bürgermeister a. D. Wilhelm Müller-Groß-Seelheim in den Vorstand und des Landwirts Hrch. Römer-Kirchham in den Aufsichtsrat. — Direttor Hennigs von „Hes­senland" gab einen Ueberblick über die Wirt­schaftslage. Unter „Verschiedenes" wurden aus der Versammlung zahlreiche Anfragen gestellt und manche Anregung gegeben. Land- wirtschaftsrat Winter sprach eingehend über die Bekämpfung des Steinbrandes. Haupt- lehrer Flor empfahl das Backen des guten alten Roggenschwarzbrotes auch im Interesse der kleinen Mühlen. Der Versammlung wohnten auch die Schüler der landwirt­schaftlichen Winterschule bei. Um 1.30 Uhr konnte Herr Althainz die sehr anregend ver­laufene Versammlung schließen.

Cölbe, 21. Nov. Heute feiert Herr Anstreichermeister Jakob Günther bei kör­perlicher und geistiger Frische seinen 80. Ge­burtstag. Möge ihm noch ein sonniger Lebensabend beschieden sein.

Kreis itronrcnberg

Unfall.

Frankenberg, 20. Nov. In der Steingasse wollte ein auswärtiger Landwirt feinen einseitig besetzten Wagen drehen, wo­bei derselbe umstürzte und die drei Personen herausschleuderte. Das Pferd brannte mit dem Wagen durch, den Lenker ein Stück mitschleifend. Auf der Steinernen Brücke brach dann der Wagen auseinander. Das fortrafefte Tier wurde von einem Manne aufgefangen und dem Besitzer zurückgebracht. Alle Personen kamen ohne größere Ver­letzungen davon.

Gegen die Zerschlagung des öinierlandkreiies

Vom Kampfausschuh gegen die Zer­schlagung des Hinterlandkreises wird uns geschrieben:

An sämtliche Fraktionen des Preuh. Landtages ist folgender Antrag geschickt worden:

Wir bitten, sich dafür einzusetzen, dah der preußische Landtag folgendes Jnitiativ- gesetz beschließt:

„Die Verordnung des Preuß. Staats­ministeriums über die Neugliederung von Landkreisen vom 1. August 1932 wird in­soweit aufgehoben, als darin die Zuteilung des Kreises Biedenkopf an die Kreise Dil­lenburg und Frankenberg verfügt worden ist."

Begründung:

Die aus Gründen der bezirksmäßigen Abgrenzung in der Provinz Hesien-Nasiau unter der Regierung Vraun-Severing vor- gefchlagene und von ! er Regierung Papen- Bracht vollzogene Zerschlagung des Hin­terlandkreises mußte sich in jeder Be­ziehung als ein Fehlgriff von schwer­wiegendster Bedeutung erweisen und ist als solcher auch bereits von den ver­schiedensten Instanzen erkannt worden.

Beweise:

1. Der frühere Landrat des Kreises Bie­denkopf hat in seinen sämtlichen Be­richten an die Aufsichtsbehörde auf das Zweckwidrige und Unsinnige eines sol­chen Planes immer wieder hingewiesen.

2. Der zuständige Regierungspräsident in Wieshaden ist aufgrund der vom preuh. Innenminister angeordneten Nach­prüfung hinsichtlich der Abtrennung des Edertales bei seiner örtlichen Anwesen­

heit in Battenberg zu der lleberzeugung gekommen, dah die Maßnahme der Ver­ordnung vom 1.8.1932, soweit sie den Kreis Biedenkopf betrifft, wieder rück­gängig gemacht werden muh.

3. Alle staatsbewuhten und verantwort­lichen Stellen und Parteien — u. a. der Landgemeindenverband und die Deutsch- nationale Partei — haben die Maß­nahme als verfehlt erkannt und ihre Rückgängigmachung, gefordert.

4. Selbst der Berichterstatter über die Ver­ordnung wegen der Neugliederung von Landkreisen im preuh. Staatsrat, der Justizrat Dr. Langemak (Stralsund), hat dem Reichskommissar Dr. Bracht gegen­über die Auffasiung vertreten, dah die Auflösung des Landkreises Biedenkopf tatsächlich nicht hätte erfolgen sollen und dah er es für wahrscheinlich halte, dah man nach kurzer Zeit den Landkreis Biedenkopf wieder neu bilde.

5. Der Landrat und der kommisiarische Kreisausschuh des neuen Eroßkreifes sehen sich schon in ihrer erst 5 Wochen alten Tätigkeit vor unüberwindliche Hindernisse gestellt, soweit sie die stamm- liche und wirtschaftliche Zusammen- fasiung des gesamten Kreises Dillenburg und das Hauptziel der Zusammenlegung, die Erreichung von Ersparnissen in der Verwaltung, angehen.

6. Es bleibt somit nicht ein einziger Faktor bei allen zuständigen Stellen der Ver­waltung übrig, der die Erreichung des Zieles der Verordnung vom 1.8.1932 hinsichtlich des neuen Kreises Dillen­burg zu bejahen in der Lage wäre.

Kreis Ziegenlmln

— Wasenberg, 20. Nov. Unser beliebter Förster Hoos konnte seinen 80. Geburtstag in bester Gesundheit feiern. Trotz seines hohen Alters versiebt er noch seinen Dienst und ist als Heger und Pfleger des Wildes geschätzt.

Aus WalbeS

Geschoß in der Tasche tötet keinen — Hirsch.

Sachsenberg, 20. Nov. Einem Jagd- vachter unserer Gegend passierte es, daß er auf der Hirschpirsch sein Gewehr zufällig entladen hatte, als am hellen Tage plötzlich ein Vierzehnender erschrocken vor ihm stand. Ein Gegner schaute den anderen erstaunt an! Ein großartiges Bild! Aber die Pa­trone in der Tasche konnte diesmal nicht töten. So behalf sich denn der Schütze damit, mit leerer Büchse den Hirsch anzuzielen, der dann im Galopp den nahen, schützenden Wald erreichte. Und dabei war dem Schüt­zen keine alte Frau begegnet!

Aus dem SMttelS

Das Kleinste Haus in Biedenkopf.

Biedenkopf, 20. Nov. Das alte Jungsche Haus in der Oberstadt, das wohl mit Recht Anspruch darauf erheben kann, das kleinste und auch vielleicht das älteste Haus Biedenkopfs zu sein, wird jetzt vom Geschichtsverein, der das Häuschen käuflich erworben hat, in seiner • ursprünglichem Eestalt wieder- I

berge st eilt. Nach einer gründlichen Re­paratur des Ganzen, werden die Außenwände des Gebäudes unter Leitung des Konservators K. Pfeil jun. mit Malereien geschmückt. Die Zeichnungen sind im alten Hinterländer Stil ausgeführt. Sie stellen teils Szenen aus dem Hinterländer Volksleben dar. teils sind es Mo­tive, die sich vielfach an hessischen Häusern fin­den. Das alte Gebäude wird nach seiner Fer­tigstellung zweifellos eine wertvolle Bereiche­rung für unser an Sehenswürtigkeiten reiches Städtchen sein.

40jähriaes Ehejubiläum.

mk. Gladenbach, 21. Nov. Der Holz- riemenscheibenfabrikant Konrad Rücker konnte mit seiner Gattin am 18. November das 40- jährige Ehejublläum feiern. Trotz der schwe­ren Schicksalsschläge, die über sie hinweg­gegangen sind, erfreuen sich beide noch be­sonderer Rüstigkeft. — Am 4. Dezember ver­anstaltet der Evangelische Frauenverein wie­der eine Verlosung zugunsten der Winter­hilfe. Die bereftgestellten 80 Preise sind dieser Tage im Schaufenster des Schreiner­meisters Hermann Friebertsheuser, Markt­straße, ausgestellt.

XX Battenfeld, 20- Nov. Dem Jagd- pächter Herrn Dipl.-Jng. Häuser gelang es, einen 14-Ender Hirsch auf unserer Gemarkung zur Strecke zu bringen.

StWWim untRaKbaisebikte

Erwerbslose im Kasseler Rathaus.

Kassel, 20. Nov. Am Samstag vor­mittag erschienen zahlreiche erwerbslose Barackenbewohner mit Frauen und Kin­dern im Rathaus, um von dem Wohl­fahrtsdezernenten zusätzliche Bei- Hilfen zu verlangen, und zwar wollten sie die Vergünstigungen, die den Be­wohnern der Leichtbaracken inbezug auf Kohlen zugebilligt worden waren, auch für ihre in festen Gebäuden gelegenen Woh­nungen erhalten. Mit einem ihnen ge­währten geringen Entgegenkommen waren die Erwerbslosen nicht zufrieden. Da sie das Rathaus nicht verließen, mußte dieses schließlich geräumt werden. Die Erwerbs­losen ließen einige kleine Kinder im Rat­haus zurück, die sie aber später wieder ab­holten.

Feierliche Einweihung der neuen Rhein- brücke.

Mannheim, 19. Nov. Unter dem Geläute der Kirchenglocken der Städte Mannheim und Ludwigshafen, unter dem Dröhnen von Böllerschüßen und bei rei­chem Flaggenschmuck der Brücke wurde heute mittag um 14 Uhr die feierliche Ein­weihung der neuen Rheinbrücke zwischen Mannheim und Ludwigshafen vollzogen. Vor dem Pfalzbau in Ludwigshafen, wo sich eine unübersehbare Menschenmenge eingefunden hatte, fand der Festakt statt.

Geheimrat Pros. Dr. Hugo Bücking f.

Heidelberg, 19. Nov. Hier ist heute Nacht im Alter von 81 Jahren der lang­jährige Direktor der Geologischen Landes­anstalt für Elsaß-Lothringen Geheimrat Professor Dr. Hugo Bücking gestorben. Bücking war früher Dozent an den Uni­versitäten Berlin und Kiel und kam 1883 als ordentlicher Professor für Mineralogie an die Universität Straßburg. Dort wirkte er bis zu seiner Versetzung in den Ruhe­stand 1917. Nach der Besetzung durch die Franzosen im Jahre 1919 verließ er Elsaß und nahm seinen Wohnsitz in Heidelberg.

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(Nachdruck verboten.)

-Die Drei von der Landstraße"

Ein heiterer Roman von: R. S. lltsch. (Copyright by Verlag Alfred Bechthold in

Braunschweig).

2. Sortierung.

Seeburg blieb stehen, zog ein goldenes Etui hervor, bot Wörringhoff eine Ziga­rette an, nahm selbst auch eine und steckte beide in Brand. Dann erwiderte er iro­nisch: „Also dieser Elkenroth ist eine Per­sönlichkeit, von dessen Vorleben so gut wie nichts bekannt ist. Er hat sich gerade in der letzten Zeit sehr unliebsam bemerkbar gemacht. Der Krach im Frühjahr auf der Karlshorster Rennbahn war von ihm in Szene gesetzt. Seine Pferde, die ganz be­stimmt nicht die besten Aussichten hatten, holten die fettesten Preise. Favoriten aus berühmten Ställen erkrantten, Jockeys sollen bestochen worden sein und was weiß ich sonst noch ... Es gab einen großen Svektakel, für den sich sogar die Polizei interessierte. Aber es ließ sich nichts nach­weisen. Zu dieser Zeit wurden Debroix und Molden mit Elkenroth bekannt. Nicht etwa, daß sie seine Partei ergriffen, nein, die Geschichte verhielt sich folgender­maßen: Debroix kommt junt Nennen nach Karlshorst und hat die fixe Idee, zehntau­send Mark auf Elkenroths „Elektra" zu wetten. Das ist eine junge Stute, die bis dahin noch nichts aufzuweisen hatte. Mol­den wettete selbstverständlich denselben Betrag, — es gibt überhaupt nichts, was die beiden nicht gemeinschaftlich unterneh­men. Ausgerechnet geht dieses Biest „Elektra" als erstes durchs Ziel, und man zahlt den beiden hundertzwanzigtausend Mark aus. — Einige Zeit später sind De- brorx und Molden fast täglich Gäste im Elkenrothschen Hanse. Ich war auch einigemale dort, hatte den Alten jedoch schnell durchschaut. Der Mann weiß näm­lich in jeder Minute, sei es am Tage oder

bei Nacht Geld, zu machen. In seinem Hause befindet sich so ein niedlich eingerich­tetes Spielzimmer, in dem phantastische Summen verloren und gewonnen werden können. Debroix und Molden haben an­nähernd eine Million zurückgelasien, ich weiß es genau. Ich habe die beiden ge­warnt, denn es geht dort nicht mit rechten Dingen zu. Aber sie wollten nicht hören. Debroix verlobte sich mit Elkenroths Toch­ter, Molden am gleichen Tage mit deren Freundin, einer gewißen Herzfeld, — alle beide Damen von denkbar zweifelhaftestem Rufe. Gewiß, ich schätze es hoch ein, daß die Freunde über alle Vorutteile hinweg­sehen, aber ein Verrennen tn einen sol­chen Wust ist äußerst erniedrigend. Es kam, wie es kommen mußte: Debroix's Güter haben die Kotten bei Elkenroth aufgefresien, ebenfalls seine und seines Freundes Barmittel. Es ist nichts mehr da, wie gesagt nichts mehr als die Häuser, die sie hier in Berlin bewohnten. Und überall, wo sie Hinsehen, find Schulden, nichts als Schulden . . . Debroix erklärte mir gestern, er habe am ersten noch nicht mal sein Hausfaktotum bekohlen können und Molden sagte, er sei am Morgen dem Barbier den Betrog für dessen Mühewal­tung schuldig geblieben. Entsetzlich ist bas, — einfach katastrophal! . . .“

Graf Seeburg schüttelte fich und zog den Mantel fest um seinen hageren Körper, als ob ihm zu kalt sei. „Und das Jnter- essanteste kommt noch," begann er wieder. „Die Verlobungen find natürlich gelöst, das ist jo das Beste, was die Sache mit sich gebracht hat. Eine feste Kopulierung wäre jo eine Mefsalliance erster Güte geworden. Scheußlich, gar nicht auszudenken . . . Aber einen Riesenskandal sollen die beiden Wei­ber noch im Debroixschen Hause inszeniert haben, als sie erfuhren, wie es um die bei­den stand. Jetzt stellen die werten Freun­dinnen nämlich alles so dahin, als ob ihre Ehre verletzt sei und zwar insofern, daß

sie, was in ihren Augen als selbstverständ­lich gilt, durch die Verarmung der Freunde gezwungen wurden, die Verlobung aufzu­heben, infolgedesien sie einen für sie un­liebsamen Klatsch in Berlin vermuten. Lächerlich, — einfach lächerlich — ein hanebüchenes Paradoxon! . . ."

„Ich komme aus dem Staunen nicht heraus!"

„Es ist, wie Sie fich denken können, eine Angelegenheit von kritischster Natur," be­gann Seeburg wieder. „Aber es wäre mit den beiden schon längst olles zu Ende ge­wesen, wenn nicht der alte Debroix wie­derholt seine Schatulle zu Gunsten Axels geöffnet hatte!"

„Sprechen Sie von seinem Vater?" fragte Wörttnghoff.

„Nein, — Axel Debroix hat keinen Va­ter — auch keine Geschwister. Als ein­ziger Verwandter von ihm existiert dieser Krösus, der bekannte Millionär Heinrich Debroix, ein Onkel Axels, — er soll ein rätselhafter Kerl sein, ein Sonderling, so viel ich weiß. Dieser Debroix besaß einen großen Grundbesitz nicht nur in Berlin, sondern auch in der Provinz. Man mun­kelt, er habe in den neunziger Jahren in Berlin für annähernd zwanzig Millionen Grundstücke verkauft und für den größten Teil des Betrages wieder Riesengüter in der Provinz erworben. Damals stiegen ja bekanntlich über Nacht die Bodenpreise ins Fabelhafte. Heute noch nennt Debroix viele Häuser hier ht der Hauptstadt sein eigen, — er hat überall seine Verwalter sitzen..."

„Dann wäre es ihm eigentlich nicht schwer gefallen, seinem Neffen aus der Patsche zu helfen!" erklärte Wörringhoff.

„Dieser Nabob scheint eigenartige Be­griffe vom Leben zu haben," sagte Graf Seeburg. „Er soll ganz zurückgezogen le­ben, ist unverheiratet und steckt, wie man so hört, voller mittelalterlicher Kaprizen. Er soll Axel mehreremale unter die Arme

gegriffen haben, aber nun hat er wohl seine helfende Hand zurückgezogen. Es ist ja leicht anzunehmen, daß ihm von dem flotten Leben Axels einige galante Epi­soden hinterbracht worden find."

Die beiden kamen in die Königgrätzer- straße. Ein Meer von Licht floß von der Fasiade eittes Vergnügungspalastes auf die Straße. Ein Portier verbeugte sich devot, — Seeburg und Wörringhoff tauch­ten unter im elegantesten mitternächtlichen Eroßstadttreiben.

*

Auf einem kleinen Landbahnhof in Mitteldeutschland hielt ein von Berlin kommender Personenzug.

Axel Debroix und Bernd von Molden verließen, mit modernen Sportanzügen be­kleidet, einen Wagen der Holzklasie. Sie gingen langsam über den Bahnsteig, nähetten fich der Sperre und gaben ihre Fahrkarten ab.

Der Beamte sah erstaunt auf.

„Als Endziel ist auf den Karten Frank­furt verzeichnet," sagte er verwundett.

„Das kann schon sein," erwidette Molden.

„Sie find aber noch nicht in Frankfurt," versetzte der Mann.

„Nein, — es sieht wirklich nicht so aus hier!"

„Wollen die Herren denn nicht weiter­fahren?"

„Wir haben nicht die Absicht!"

,T>as ist aber sonderbar!" entgegnete der Beamte.

„Es kam uns vorhin plötzlich im Zuge der Gedanke, hier auszusteigen."

Die beiden verließen den Bahnhof. Der Mann an der Sperre sah ihnen kopf­schüttelnd nach.

Als Debroix und Molden auf die Straße kamen, blieben sie stehen und betrachtete« die Gegend. In Wesen und Gestalt war bei ihnen eine Aehnlichkeit unverkennbar, sie glichen sich fast wie Brüder.

(Fortsetzung folgt.)