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Oberdeffische Bettung, Marburg <t L. Montag, bett 21. November 1932

Nr. ZT3

Deutschland der Sündenbock"

Herriot bezichtigt die Deutschen des Dynamit-Anschlags

Schars« Anfchnl-isimgm gegen den dentschen JvurmÄisten Körb«.

-Im Zusammenhang mit dem Dynamit- vnschlag auf den -Sg des französischen Ministerpräsidenten gab Herriot bei seiner Ankunft in Nantes dem Vertreter der Agentur Radio einige Erklärungen ab, in denen der Ministerpräsident die Auffas­sung vertritt, daß gewisse deutsche Kreise und insb es andere natio­nalsozialistische Elemente ihre Hände bei den Anschlägen in der Bre­tagne im Spiel hätten. Herriot erinnert an den Bombenanschlag in Rennes und betonte, daß in diesem Zusammenhang der Rame eines in Paris lebenden deutschen Journalisten genannt worden sie, von dem die bretonischen Autvnomisten angeb­lich das Geld für ihre Propagandafonds erhielten. Dieser Journalist, den der Mi­nisterpräsident namentlich nanntes gemeint ist Körber), gegen den man aber Beweise nicht in Händen hätte, sei aus Frankreich ausgewiesen worden.

Diese Erklärungen des Ministerpräsi­denten haben der nationalistischenßi* Berte genügt, um in großer Schlagzeile anzukündigen, »Ein deutsches Ak­te ntat gegen Herriot. Nachdem die Nattonalsozialisten bereits bei dem Bombenanschlag in Rennes ihre Hand im Spiel gehabt hätten, so schreibt das Blatt, zeige sich auch jetzt wieder eine deutsche Hand im Anschlag auf den Ministerprä­sidenten. Dabei müsse besonders berück- sichttgt werden, Laß der Chef dieses Man­nes, Hitler, vom Reichspräsidenten für den Posten des Reichskanzlers vorgeschla- geben werde.

ft. Parts, 21. Rov. Die Erklärungen, die Ministerpräsident Herriot am Sonn­tag im Zusammenhang mit dem Eisen­bahnanschlag bei Nantes abge­geben hat und in denen er in gewissem Sinne Deutschland für das Verbrechen verantwortlich macht, werden von der ge­samten Pariser Morgenpreffe mit um so größerer Genugtuung wiedergegeben, als die Untersuchungen bisher zu keinerlei Er­gebnissen kamen.. Obgleich diese Erklä­rungen jedoch in direktem Widerspruch zu den Tatsachen stehen, da man selbst amt- lichersetts der Auffassung ist, daß es sich weniger um einen Anschlag auf das Leben Herriots, als um eine, wenn auch ge­schmacklose und gefährliche Kundgebung autonomisttscher oder kommunistischer Kreise handelt, begrüßen es besonders die Rechts­blätter, endlich einen von höchster Stelle bezeichneten «Äindenbock gefunden zu ha­ben. Nur der sozialisttsche »Populaire und die kommunistische »Humanite machen sich die Auffassung des französi­schen Ministerpräsidenten nicht zu eigen. Während der »Populaire von eigentüm­lichen Erklärungen Herriots spricht, bezierch- net dieHumanste sie als niederträchtig.

Ein« Erklärung Körbers. *

Darrs, 20. Nov. Zu der ErklärUrrg, die Ministerpräsident Herriot dem Ver­treter einer Nachrichtenagentur abgegeben hat, ersucht der darin genannte deutsche Journalist Körber um Veröffentlichung fvlgender Erklärung:

Herr Herriot hat gesagt: Die kn der Un­tersuchung wegen des Attentats auf das Denkmal von Rennes verwickelten Ange­schuldigten hätten erklärt, sie hätten Geld für ihre Propaganda von einem no­

torischen deutschen Nationa­listen, der als ein Vertreter Hitlers in Frankreich betrachtet werde, erhalten. Tat­sache ist, daß die beiden von Herrn Her­riot gemeinten Angeschuldigten Ieusset und Cattelliot vor dem AntersuchungS- richter in Renne« am 22. September mit» Lags gegen 1 Ahr in Gegenwart von Herrn Körber unter Eid zu Protokoll aus­sagten, daß sie niemals Herrn Körber um irgendeine Unterstützung angegangen seien oder eine solche von ihm empfangen hätten. Ebenso sagte Herr Körber unter Eid zu Protokoll. vor dem. AntersuchungSrichter aus, daß die Angeschuldigten ihn niemals um einen Centtme gebeten oder irgend einen Centtme von ihm erhalten hätten. Die von Herrn Hernot gemachte Aus­sage widerspricht also den gerichtlich fest­gelegten Tatsachen. Ein weiterer klarer Beweis für die ungenaue Darstellung, die der Ministerpräsident in seiner Erklärung abgegeben hat, liegt dann, daß beide An­geschuldigten wenige Tage nach ihrer Kon- frontterung mit Herrn Körber in Rennes aus der Hast enttassen wurden.

Die rote Jungfrau".

ft. Paris, 21. Nov. Wie derPo- pulaire berichtet, sind von den sie­ben wegen des Anschlags auf den Zug Herriots verhafteten Personen vier Mitglieder einer bretonischen Geheimgesellschaft; unter ihnen befindet sich eine junge Studentin, die den Beinamen »die rote Jungfrau führt und von der auch im Zusammenhang mit der Denkmalsfeier in Rennes die Rede gewesen ist. Die Vernehmung dauerte den ganzen Sonntag über an; ihr Ergebnis ist noch nicht bekannt.

Die Not unseres Volkes

Rundfunkrede des Oberpräfidenten v. Hülsen

5it seiner Rundfunkrede führte Oberpräsi- Vent von Hülsen gestern u. a. folgen­des aus:

Nachdem ich vor mtnfgen Tagen zum Ober­präsidenten unserer Provinz ernannt worden, bin, soll mein erster Schritt in die breite Oeffentlichkeit des Rundfunks in den D ie n st der Fürsorge gestellt, soll er ein Auf­ruf sein girr Linderung bitterer Not, die in immer steigendem Maße alle Beoölkerungs- schichten befallen hat und gerade in den Win- termonaten besonders hart in die Erscheinung tritt. So rufe ich denn euch alle, ihr Män- trer und Frauen, ihr Knaben und Mädchen hiermtt auf, zu selbstloser Mstarbeit und zu hingebender Tat für das große Notwerk der Winterhilfe, die jetzt überall in Stadt und Land in mannigfacher Weise organisiert wird und an vielen Stellen erfreulicherweise schon unrfassend organisiert ist.

Seit langen Jahren lebe ich mitten mtter euch. Ich kenne euer Denken und Fühlen. Ich weiß, daß in eueren Herzen die N ä ch st en- liebe immer noch lebendig ist und daß ihr gewohnt seid, in Not und Gefahr znscnnmen- zustehen und daraus schöpfe ich die feste Zu­versicht, daß mein Ruf bei euch nicht ungehört verhallen wird.

Totensonntag ist heitte, der Tag liebevollen Erdenkens an die entschlafenen Verwandten, Freunde und Bekannten und an alles das, was sie uns in ihrem Leben an Gitte und Fürsorge angetan haben. Immer wieder und wieder aber kehren dabei unsere Gedan­ken vor allem zurück zu unseren deutschen Helden d es Weltkrieges, die brau« feen auf dem Felde der Ehre ihr Lehen Hin­gaben für uns alle, die wir in deutschen Lan­den leben. Aus Liebe für Volk, Heimat und Vaterland haben sie sich aufgeopfert. Auch euch, ihr lieben Bewohner der Provinz Hes­sen-Nassau, sind sie Schutz und Schirm ge­wesen, haben euch Haus und Hof, Hab und Gut, euere Felder und Wälder, euere Ar- beits- und Erwerbsstätten, euere Kuttur- schätze, euere Wohlfahrtsanstatten und vie­les, vieles andere unversehrt erhalten, da- mtt ihr wetter leben könnt. Das Opfer das von euch für die Winterhilfe jetzt er­beten wird, ist ja so unendlich viel kleiner als das, welches jene Helden euch gebracht haben.

2a, riesengroß ist heule wieder die Rot auf deutscher Erde, riesengroß auch ie un­serer Provinz.

Der Winter mit all seinen gefingerten Rö­ten hat eingesetzt. Das Elend der Erwerbs­losigkeit dauert an. Die mörderische Wirt- schastskrise hat heute fast jede deutsche Familie getroffen; bei vielen har sre den Ernährer, ja ost alle früher im Erwerbsleben tätigen Familienmitglieder aus dem Produttions- vrozefe ausgeschlossen. Zu Beginn dieses Winters sind im ganzen von 19,85 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland 5,1 Millio­nen Personeu arbeitslos und da­durch auf östentliche Unterstützungen angewie­sen, d. h. mehr als jeder 4. erwerbsfähige Deutsche kann sich nicht mehr durch eigene Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen. Zu

diesen 5,1 Millionen treten noch weitere 2 Millionen, die in den Statistiken nicht mehr als arbeitslos geführt werden, weil sie aus diesen oder jenen Gründen keine llnterstützungsansprüche haben. Insgesamt müfeten wir aber mit 7,1 Millionen Stellenanwärtern rechnen, also auf zwei Arbeitsplätze entfällt heute in Deutsch­land mindestens ein Arbeitssuchender. Er­messen wir, welche Unsumme von Not und Elend sich hinter diesen nackten Zahlen ver­birgt?

Je länger die Arbeitslosigkeit des Einzelnen andauert, umso verzweifelter wird seine Lage, hatte er in der ersten Zeit noch kleine Erspar- niffe, die er aufzehren konnte, noch Freunde, die ihm beisprangen, fehlte es ihm nicht so an Kleidung, so fallen tm Laufe der Zeit alle diese kleinen und großen Erleichterungen der Erwerbslosigkeit weg, und immer auswegloser wird die Sage der betreffenden Familie.

Die öffentlichen Mittel des Reiches, des Staates und der Gemeinden sind trotz größter Anstrengung immer knapper gewor­den, um in hinreichendem Maße Hiife zu bringen. Durch die katasttophale Lage der Ge­meinden können häufig selbst die verkürzten Unterstützungen nur noch zu einem Bruch­teil ausgezahlt werden.

Erschreckend ist die Zahl derer, die hungern und frieren und die leiden in Krankheit und Siechtum.

Die Not ist größer als im vergangenen Winter und darum bedarf es vermehrter An­strengung.

So richte ich denn an alle Bewohner der Provinz Hesien-Nasiau die herzliche Bitte, mitzuhelfeu mit Taten der Liebe, soweit ein jeder nur irgend kann, mitzu- belfeu an dem einzelnen Notleidenden, mikzuhelfen vor allem aber den zu einer geordneten Durchführung der Winter­hilfe in den einzelnen Orten berufenen Berbänden und geschaffenen Organisa­tionen. Alle letzten Möglichkeiten barm­herziger Fürsorge müßen in diesem Winter ausgeschöpft werden. Tatkräftig nuter- stützte Organisationen der Winterhilfe werden Verzweifelnden die Zuversicht ge­ben, daß sie durch diesen Winter hindurch­gebracht werden können und sie werden die seelische Widerstandsfähigkeit des deutschen Volkes stärken. Darum gebe jeder nach seinem besten Können. Helft mit Geld, Lebensmitteln und Heizmaterial, mit Kleidern, Wäsche, Schuhen. Seht die Truhen, Schränke, Böden, Keller und Stalle nach, manches wird sich noch finden, was für die Zwecke der Winterhilfe brauch­bar ist.

Helft mit durch freiwilligen Küchendienst in den Notstandsküchen. Leistet Hilfsdienste in notleidenden Familien bei Krankheitsfällen! Unterstützt die Eroschensammlung die

erreichen will, daß jeder, der noch int Besitz von Verdienst und Arbeit ist, jede Woche, wenn er wirklich nicht mehr geben kann, we­nigstens 10 Pfg. zur Winterhilfe spendet. Viele Wenig machen ein Viel. Das gleiche Ziel erstrebt das große Liebeswerk des Ver­kaufes der von der Reichspost ausgegebenen Wohlfahrtsbriefmarken und die große Wohlfahrtslotterie zugunsten der Winterhilfe, deren Ziehung vom 16. bis 17. Februar und vom 11. bis 16. März 1933 vorgesehen ist. Im übrigen verdienen alle Maßnahmen in den Gemeinden zur Verbilli­gung des Lebensbedarfes für Arbeitslose und andere Hilfsbedürftige einer nachdrücklichen Förderung.

Ihr Männer und Frauen, jung und alt aber in Hesien-Nasiau, zu denen mein Wort in dieser Stunde dringt, helft helfen wo und wK ihr nur immer könnt, werbt überall für die Winterhilfe in euren Bekanntenkreisen, eueren Behörden, Vereinen und Versammlungen. Rüttelt immer wieder die Stumpfen und Trä. gen aus. Denkt täglich von selbst an dies segenspendende Hilfswerk, das allen Bedürfti­gen ohne Unterschied der Partei, der Religion und Konfession zugute kommen soll, benft daran, wenn ihr dazu durch die Winterhilfs- 'organisation, durch Sammellisten oder durch die Presie gerufen werdet. Denk auch daran bei besonderen Anlässen, wo ihr selbst Freude erlebt, bei Familienfeiern und dergleichen, denkt vor allem daran, wenn ihr jetzt für euch und eure Lieben das Weihnachtssest vorberei­tet und wenn ihr selbst unter dem strahlenden Weihnachtsbaum steht. Laß auch den Aermsten der Armen Weihnachtsfreude zuteil werden! Laßt uns zusammen mit der Bevölkerung der übrigen Provinzen und der Länder Deutsch- lanbs in der Winterhilfe eine große deutsche Not gemeinschaft bilben, die in bmgebender Nächstenliebe alle deutschen Volksgenosien umschlingt und uns alle einigt in dem Glauben an das deutsche Volk an die deutsche Heimat und an unser deutsches Vater­land.

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Der Totensonntag in Berlin

Berlin, 20. Nov. Am Totensonntag fand tm Reichstagsgebäude eine Ge­dächtnisfeier für die Toten des Weltkrieges statt, zu der der Reichsbund der Kriegsbeschä­digten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter­bliebenen, aufgerufen hatte. An der Veran- staltung im Plenarsitzungssaal nahmen zähl- reiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens teil. Mit Beethoven-Musik gespielt vom Stei- ner-Ouartett begann die Feier. Dann sprach der Vorsitzende Christoph Pfänder Ge­denkworte, die jn der Mahnung gipfelten, bas Andenken der Toten des Weltkrieges immer lebendig zu erhalten, da sie das größte Opfer gebracht haben, ein Opfer, das gebiete, in all unserem Beginnen nach einer besseren Ord­nung, nach Gerechtigkeit und Frie­den zu streben. Die Toten mahnten, jedem Volk das unverbrüchliche Recht zu ge­währleisten, in Freiheit und Gleichberechti­gung unter den anderen Völkern zu leben, um so zu einem besseren Menschentum zu kom­men. Das Andenken der Kriegstoten dürfe nicht durch dauerndes unfruchtbares Reden über Rüstung und Abrüstung geschmälert wer­den. Unsere toten Kameraden mahnten die Menschheit und alle Staatsmänner der Welt,

di« Grundlagen für die Sicherhett eines le­ben Landes und für den allgemeinen Frieden aut dem Boden gleichen Rechts, der Ächtung vor der einzelnen Nation und des Verstehens aller Völker zu schaffen.

Ur snla von Garden wirb Robert Müller sprachen dann Dichtungen, darun­ter auch einen Ausschnitt von Walter Fl« Der Wanderer zwischen zwei Welten". Arn Ende der Gedenkfei« sang der Berliner Aerztechor das Lied vom guten Kameraden und BeethovensDie Ehre Gottes".

Dotengetw*ffeier ht bet neuen Garmstmkirche.

Die V«eine der früheren Truppenteile der südlichen Garnison Berlins hielten, wie all­jährlich, am Totensonntag in der neuen evan­gelischen Garnifonkirche eine Totengedenkfeier für die auf dem Felde der Ehre gefallenen Kameraden ab. Unter den Ehrengästen sah man viele ehemalige Chefs der Garderegi­menter. Um 12 Uhr erfolgte der Einmarsch der Fahnen imd Standarten. Pfarrer Dr. Wenzel legte feiner Predigt das Bibelwort Deine Toten werden leben" zugrunde. Zu­nächst gab er der Gemeinde bekannt, daß Reichspräsident von Hindenburg in letz­ter Minute absagen mußte, da ihm die poli­tischen Geschäfte nicht die Zeit ließen, wie all­jährlich, an der Eedenffeier teilzunehmen. Pfarrer Wenzel gedachte dann der 20 bis 30 000 gefallenen Helden der Earderegimen- ter. Das Lied vom guten Kameraden klang gedämpft durch das Gotteshaus. Fahnen und Standarten senkten sich. Gebet und Segen leiteten über zum Ausmarsch der Fahnen und Standarten, der sich unter den Klängen des Lohenfriedberger Marsches vollzog.

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Erdbeben in Westdeutschland

Düsseldorf, 21. Nov. 5n der Nacht zum Montag um 0.38 Uhr wurde in Düsseldorf und Umgebung ein heftiger Erdstotz verspürt, der etwa 2 bis 3 Sekunden dauerte. Der Erd­stoß war so stark, daß die Leut« aus dem Schlaf geweckt wurden und Tische und andere Möbel­stücke heftig ins Wanken gerieten. Der Erdstoß wurde auch in Krefeld, Gladbach-Rheydt, Esten, Recklinghansen, Dortmund, Velbert. Xanten und Opladen wahrgenommen. Der Bevölke­rung hat sich große Unruhe bemächtigt.

Von dem Erdstoß sind auch Koblenz, Köln, Wuppertal. Gelsenkirchen, Mülheim und Bo­chum betroffen worden. Nach allen bisher vorliegenden Meldungen ist Schaden nicht an- gerichtet worden. Der Erdstoß soll 2 bis 30 Sekunden gedauert haben.

sk. Düsseldorf, 21. Nov. Die E,r d - stoße in Düsseldorf verliefen von Westen nach Osten und waren von einem dumpfen Rollen begleitet. 3m Stadtteil Derendorf traten in verschiedenen Gaststätten Lichtstörungen auf. Die Erschütterungen waren von.?rnerf etifjfe. wie sie in Düsseldorf in den letzten Jahr­zehnten nicht festgestellt worden waren.

Drei Erdstöße in Süd-Holland.

ft. Amsterdam, 21. Nov. 3m Süden Hollands wurde bis am Sonntag %10 Uhr ein Erdbeben verspürt. 3n einem Ort erhielt die Mauer einer Kirche an verschiedenen Stellen Riffe. Zwei weitere Erdstöße wurden bann am Montag gegen41 Uhr morgen auch noch an verschiedenen Orten verspürt. 3n Dern Bosch geriet die Bevölkerung in starke Unruhe, da das Gerücht umlief, die Muni­tionswerkstätte von Hermbrug fei in die Lust geflogen.

Deutsches Reich

Ein Zentrumsaibgeordnrier mehr im neuen Reichstag.

Wie das Nachrichtenbüro des Vdz. meldet, hielt der Reichswahlausichuß am Sonnabend eine öffentliche Sitzung zur Feststellung des amtlichen Endergebnisses der Reichstagswahl vom 6. November ab. An der Mandats­zahl ist insofern noch eine Aenderung emge- freien, als das Zentrum noch einen weiteren Sitz zugebilligt erhielt. Die Zentrumsfrak­tion im neuen Reichstag wird damit 70 Ab­geordnete umfassen. Die Gesamtziffer der Reichstagsabgeordneten erhöht sich auf 584. Das Mandat des Zentrums wird der Abg. Fonk vertreten.

Das Verbrechen an der sechsjährigen Rosemarie Pokorra-Boddin anfgettärt.

Berlin, 20. Nov. Das Verbrechen an der sechsjährigen Rosemarie Po- korra-Boddin, das m Berlin seiner Zeit großes Aufsehen erregte, hat eine über­raschende Aufklärung gefunden. Die Kleine wurde bekanntlich am 12. November bewußt­los auf-dem Bahngleis zwischen den Bahn­höfen Stettiner Bahnhof und Gesundbrun­nen aufgefunden. Bei näherer Untersuchung hatte sich herausgestellt, daß das Kind, das sehr schwere Verletzungen erlitten hatte, o f - fenbar von einer Straßenbrücke aus auf die Bahngleise geworfen worden war. Nach außerordentlich lang­wierigen Ermittlungen konnte jetzt festgestellt werden, daß die Mutter des Kindes das Verbrechen verübt hat. Die Mutter, die 25jährige Ehefrau Martha Bod­din, hat nach stundenlangem Verhör gestan­den, ihr Kind auf die Bahngieise geworfen zu haben. Sie habe jedoch die Tat aus Verzweiflung begangen. Diese Angaben er­scheinen nicht sehr glaubwürdig, da die Mord­kommission m der Wohnung der Frau eine Lebensversicherungspolice oorsano, nach der das Kmd bei Tod durch Unfall mit 4000 Mark versichert war