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Aus -er Umgegent Kreis S orvury

Negelung der Milchvrriorgung in Kirchhain.

-0- Kirchhain, 19. Nov. Unter dem Namen „Milchlieferverein für das Verbrau­chergebiet der Stadt Kirchham e. V." hat sich ein Zusammenichluß von Milcherzeugerbetrie­ben im Sinne des Reichsmilchgesetzes gebil­det, der bei der Gründung schon etwa drei Viertel der in Kirchhain abzusetzenden Milch­menge erfaßte. Der Zweck des Zusammen­schlusses ist die Belieferung dieses Gebietes mit guter und einwandfreier Trinkmilch zu angemessenen Preisen, die milchwirtschaftliche Interessenvertretung seiner Mitglieder, die Regelung des Absatzes und die Herbeiführung des Zwangszusammenschlusses. Der Zusam- inenschluh liegt also auch sehr im Interesse der Milchverbraucher und dürste von diesen zu begrüßen sein. Damit auch alle sestherigen Mi'.chlieferanten, besonders die, die an dem freiwilligen Zusammenschluß bis jetzt nicht teilnehmen, zur Erreichung dieser Ziele oeran- laßk werden, wird gemäß § 83 des Milch- geletzes die Verfügung des Zwangszusammen­schlusses bei dem Regierungspräsidenten be­antragt. Zum Vorstand sind die Land­wirte Julius Römer und Wilhelm Müller in Kirchhain sowie Johannes Kaiser in Klein- Seelheim gewählt.

Vertrauensmä-nner-rrerfammluitg.

-o- Kirchhain, 19. Nov. Kommenden Dienstag, den 22. November, vormittags 11.30 Uhr, findet im Bauernhaus zu Kirch­hain eine Vertrauensmänner-Ver- sammlung mit nachstehender Tagesord­nung statt: 1. Bericht des Vorsitzenden über die allgemeine Lage der Landwirtschaft. 2. Etatsberatung. 3. Steuergutscheine und Zwangsvollstreckungsschutz. 4. Rückständige Beiträge. 5. Vermiedenes.

Stillegung eines Steinbruchbetriebes.

-o- Schweins berg, 19. Nov. Die Mitteldeutsche Hart st einlndustrie im nahen Niederofleiden hat die Stillegung dieses großen Steinbruchbetriebes und in­folgedessen die E n t l a s s u n g v o n 16b Ar­beitern und einer Anzahl Angestellter an­gemeldet. Den Anlaß zu dieser Maßnahme gab Mangel an Austrägen und Absatz. Durch diese Maßnahme wurden auch eine ganze An­zahl hier wohnhafter Arbeiter erwerbslos.

-o- Neustadt, 19. Nov. Heber den Grundbesitz des Installateurs Heinrich Hap­pel ist der Zwangsverkauf eingeleitet. Aus­kunftstermin findet am 13. Januar 1933 statt.

Erksdorf, 19. Nov. Das Holzfäl­len im hiesigen Jnteressentenwakd hat am Donnerstag angefangen. Täglich gehen 24 Mann hinaus ,um Brennholz zu schlagen. Wegen der geringen Nutzholzpreise wird man davon absehen, viel zu verkaufen. — In vor­bildlicher Weise geht man jetzt daran, die Umgebung vom Kriegerdenkmal auf dem alten Friedhof zu verschönern. Der Kriegeroerein, der sich der Sache angenommen hat, leistet jede Arbeit unentgeltlich.

Oberdeutsche Zeitung. Marburg «. L.. Sannabend, den 19. November 1932

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Zum Totensonntag

„... und siehe, eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern ... Und er sprach zu mir: Diese smd'r, die ge­kommen sind aus großer Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Stuhl Gottes... und Gott wird ab« wischen alle Tränen von ihren Augen." Wie eigens für den Totensonntag nach dem Kriege geschrieben, mutet uns diese Vision aus der Offenbarung an. Es gibt nicht viele Stellen in der Schrift, in denen so das Leid der ganzen Welt in wenige Worte geballt ist und doch so lind umwogen mit einer trö­stenden Stille, vor der jede Klage erstirbt. Auch dieses Buch der Bibel will mit dem Herzen verstanden sein und erschließt sich erft dann dem Nachdenken. Es ist nichts damit geholfen, daß man die Geheimnisse des Tex­tes durch Künstlichkeiten der Auslegung über­bietet. Möglichst wenig hinein — und mög­lichst viel herauslesen, — das ist der Weg, der in das letzte, rätselreiche Buch des Neuen Testamentes führt.

Und hier an dieser Stelle gibt es sich so menschlich in der Darstellung, so reidj im Ge halt, daß es tatsächlich genügt, mit offenem Herzen zuzuhören. Hier spricht jemand, der durch das Leid gewachsen ist, hoch über menschliches Klemmaß hinaus, einer, an dem sich der Sinn des Leidens erfüllt hat. Das ist das große Recht der Menschen: Der Wirr- sal des Lebens den Sinn des göttlichen Pla­nes zu geben. Es mag viel Leid so grenzen­los bizarr wie nur möglich in unserem Da­sein gewütet haben, daß wir kopfschüttelnd standen mtt ratlosen Blicken.

„weil gar zu schauerlich und zufallsblind aus Gottes ew'ger Hand die Würfel fielen.

die meinem armen Kopf, ach,—Würfel fmb", e« liegt dennoch an uns, zu beweisen, daß uns bas alles zur Läuterung und Reinigung ge­dient hat, daß wir nicht im Herzen enger, sondern in der Seele weiter geworden fmb, baß das Leib die Mutter der Liebe, und wir haben bas Unsre getan zum Siege Gotter in ber Welt. Von dem Augenblick an aber, in dem wir er wagen, in bas Sphimantlitz ber schaurigen Zett dar Tat- bekenntnis schenkender Siebe zu schleudern, wird es auch still in uns, und über den Gram, der uns verzehtt, ttiumphiert die Kraft, die uns bewegt.

Dann aber gewinnt auch bas £e#> ein an­der Gesicht: Wohl bleibt eine tiefe Wehmut, wohl quellen noch Tränen in erinnerungs­schweren Stunden, aber es fließt auch der Trost, weil nicht mehr uns ber Gram taub macht gegen bie Stimme des göttlichen Va­ters. Und diese Stimme hat jener gehört, der die Tausende sah aus allen Nationen der Erde stehend vor Gottes Thron: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen". Diese Toten sind gewiß nicht ju beklagen, die heimfanden aus ihres Erden­daseins entsetzlicher Not. Aber darüber hin­aus bleibt ein Letztes: Gott wird auch ab­wischen die Tränen von den Augen der Lei­denden auf dieser Welt, wenn |te begreifen, daß alles Leben in seinen Händen ruht. Und weil alles Leben in seinen Händen ruht, des­halb können auch die Fäden nicht adreißen, die uns mtt verstorbenen lieben Menschen verknüpfen, wenn wir sie nicht selber zerstö­ren. Es ist mehr als blasse Erinnerung, es ist ein lebendiges Sein, mit dem uns bie Abgeschiebenen umgeben, wenn wir sie zu fühlen vermögen. Groß ist ber Gedanke, baß es eine Auferstehung gibt, noch größer ber, baß es überhaupt keinen Tod gibt für die Kinder Gottes, am größten aber ist Gott, ber Herr über Leben und Sterben. D i e k.

Wasserleitungen.

s Niederasphe, 19. Nov. Bekanntlich gibt ee im nördlichen Teile des Kreises Mar­burg noch eine ganze Anzahl von Gemeinden, die noch keine Wafserlettungen besitzen. Zu diesen Gemeinden gehört auch Niederasphe. Vor einigen Jahren waren Verhandlungen im Gange, zwischen den Gemeinden Todenhau­sen, Simtshausen, Niederasphe und Ober­asphe, einen Zweckverband zur Anlage einer Genofsenfchaftswafserleitung zu gründen. Mit der Ausarbeitung dieses Grohprojektes war das Kulturbauamt Kassel beauftragt worden. Hierbei stellte es sich jedoch heraus, daß die einzelnen Rohrleitungen besonders nach Nie­derasphe und Wollmar das Gesamtprojeki wesentlich verteuerten. Außerdem hätte das zur Verfügung stehende Darlehen entspre­chend den Einwohnerzahlen der beteiligten

Gemeinden an diese anteilhast unternerteHl werden müssen, so daß die zusätzlichen Leistungen für die Beteiligten zu hock ge­worden wären. Aus diesem Grunde sah sich die Behörde veranlaßt, das Darlehen nur einer Gemeinde und zwar der Gemeinde Simtshausen zuzusprechen. Wie wir jetzt er­fahren, Hal in Niederasphe eine Gemeinde­versammlung stattgefunden, in der sich fast sämtliche Teilnehmer für den Anschluß an die Gemeindewasserleitung in Simtshausen aus- sprochen haben sollen. Sollte auch die Ge­meindevertretung einen entsprechenden Be­schluß über den Bau einer Wasserleitung in Niederasphe fassen, so würde der Gemeinde Niederasphe sicher ein entsprechendes Darlehen zu einem geringen Zinsfuß von ftaatoroegen zur Verfügung gestellt werden.

XwW wgrnrain

Verhaftet.

> Willingshausen, 18. Nov. Unter dem bring enden Verdacht, den tödlichen Mes­serstich bei dem verstorbenen Landwirt Wil­helm Becker aus Bernsburg ausgeführt zu haben, wurde ber 21 Jahre alte Schmied Johannes Wüst verhaftet und in das Landgerichtsgefängnis Gießen überführt. 3m Vorjchhr hat der Bruder des Verhafte­ten einen Schwälrner Burschen mit einer Zaunlatte derart geschlagen, daß er nach 8 Lrgen in der Krankenanstalt Hephata ge­storben ist. Die Beerdigung des Wilhelm Becker fand unter großer Anteilnahme der BevÄkenmg statt.

Aus dem Mttett

0 Biedenkopf, 18. Nov. Hier würbe eine Nebenstelle bes Arbeitsamts Dil­lenburg eingerichtet. Die Räumlichkeiten be­finden sich m dem Haus des früheren Hand­werker- und Gewerbeverems.

Reue Motorspritze«.

0 Bie d en ko pf, 18. Nov. Die Gemein­den Gönnern und Gladenbach haben Motor­spritzen amgeschafft. Mehrere Otte der Um­gebung werden durch bie Spritzen versorgt.

Herbstdelegiertentag des Sängerbundes „Hinterland-.

XX Bromskirchen, 19. Nov. Der Sängerbund „Hinterland" hielt seinen dies­jährigen Delegiertentag am letzten Sonntag hier im Saal Althau» ab. Es waren sämt­liche, dem Bund angehörigen, Vereine erschie­nen und der hiesige Quartetttwrein verschönte die Tagung durch den Vortrag einiger Chöre Alsdann nahm der zweite Bundesvorfitzende Kroh (Haifa) das Wort. Warme Watte des Lobes und der Anerkennung widmete er dem leider so früh verschiedenen Mitbegründer und ersten Vorsitzenden August Ebel (Battenberg). Der Bund dankt diesem oortrefslichen Manne vieles. Durch das Ableben de« erften Vor sitzenden mußte zur Neuwahl geschritten wer­den und wurde der seitherige zweite Vor­sitzende, Dachdeckermeister Kroh (Laisa) zum 1. Vorsitzenden gewählt. Das nächste Bundes- fängerfeft ist voraussichtlich in Reddighausen. 3n Anbetracht der schlechten Zeiten wird von einem Wertungssingen Abstand genommen. Es wurde jedoch der Wunsch geäußert, einige Massenchöre zu fingen.

Briefkasten der Schriftleitung.

Schönstadt. Die Adresse ist uns leibet nicht bekannt.

Verlag Dr. C. H i tz e r o t h. Verantwort für Politik und Feuilleton: J.B. L. Schneider, für Kommunalpolitik, Pro­vinz und Lokales: L. Schneider in Mar­burg. — Dr. Scheller beurlaubt.

Sie Kirnst Carl SanherS

Wer das Vorwort gelesen hat, das Bantzer seiner Ausstellung in der „Oberhessischen Zei­tung" voran geschickt hat, oder wer ihn selbst über seine Bilder hat sprechen hören, der wird erftaunt darüber gewesen sein, welch andere Begriffe er dabei zur Deutung ver­wendete, ole wie wir sie von Besprechungen neuzeitlicher Malerei her gewöhnt sind. Wäh­rend Bantzer von den Menschen -spricht, die er barftentc von den Stimmungen, die er mit den einzelnen Gemälden wiedergeben wollte und von dem inneren Anlaß zu feinen Schöpfungen, so ist dort fast nur die Rede von dem Aufbau des Bildes, von den Besonder­heiten der Farben, Linien und Flächen. Diese Verschiedenheit der Erklärungen hat ihren natürlichen Grund darin, daß die Kunst Bantzets in einem ganz anderen Berhältnis zum Gegenstände und zur Natur steht, als die eigentlich moderne Malerei, die die Bildmittel verselbständigt und zum eigentlichen Träger de« Ausdrucke« gemacht hat. Es versteht sich von selbst, daß auch Bantzer alle künstlerischen Mttel anspannt — aber er tut es nicht um deren selbst willen, sondern nur, um die Ra­turgegenstände fetttes Bildes zu deuten und vermittels dieser das ihn innerlich Bewegende in das Reich der Anschauungen zu versetzen. Er kann sich.bei dieser Einstellung zur Natur auf viele große deutsche Maler der «er- gangenheit, vor allem bee 16. Jahrhunderts, berufen.

Es soll hier nun versucht werden, kurz zu umschreiben, welche Richtung seine Erfassung ber Natur und im besonderen des Menschen nimmt. Was den Künstler Bantzer am mei­sten in seinem Leben gefesselt hat, war offen­bar die menschliche Erscheinung. Daraus er­klärt sich die überaus große Zahl von Bild­nissen auch auf der derzeitigen Ausstellung.

Aber auch die Gemälde wie die „Burschen und Mädchen im Wald", die „Abenbruhe" aus Zwickau, der „Erntearbeiter", da« „Abenb- inahl" und die „Männer vor der Kirche" und viele andere, ja sogar der „Schwälrner Tanz" ruhen auf den Porträt« der Figuren der Handlung als auf den Pfeilern des Bild­inhaltes. Bantzer erzählt selbst, wie er zu sei­nem Abendmahl gekommen sei — wie er ur­sprünglich nur vorgehabt habe, die Kopfe der Bauern in Willingshausen zu zeichnen und die Abendmahlsfeier in ber Kirche, bei der bie Männer in langer Reihe vorüber ziehen, ihm nur eine gute Gelegenheit zur Beobachtung

und zum Zeichnen dieser Köpfe schien — wie ihn aber bann die Gesamtstimmung in der Kirche so gefangen habe, daß es ihm die grö­ßere Aufgabe wurde, diese im Bild sestzuhal- ten. Aber die Bauern köpfe vor der grauen Wand der Kirche, jeder einzelne unter dem Eindruck ber frommen und gesammelten Stimmung der Feier, sind auch im ausgefüijr- ten Gemälde der eigentliche Inhalt geblieben. Der Vorgang am Altäre tritt in dem Däm­mer des Raumes daneben ganz zurück. Die „Männer vor ber Kirche" aus ber Galerie m Darmftabt finb eigentlich nur eine Versamm­lung von durchaus bildnlshaft gesehenen Bauerngestalten. Die Absicht solcher Men- schendarstellung wird auch erhellt durch die Frage, warum der Künstler eigentlich immer wieder bie Bauern als Gegenstand seiner Werke bevorzugt hat. Ganz gewiß nicht aus ttachtengeschichtlichem Interesse. Die Bauern sind ihm einmal naturhafter, unverbildeter, also in ihrem Wesen menschlich stärker nach­zufühlen, dann aber auch findet er in ihnen bas Feierliche, Verschlossene, Trotzige, Eigen­artige, als wie et ben Menschen überhaupt beutet. Das wird am nachdrücklichsten wiederum bei jenem erwähnten Darmstädter Bild. Aber selbst dem „Schwälrner Tanz" wohnt noch ein besonderer Ernst und eine verhaltende Feierlichkeit Inne, bie bann wie­der bie „Abenbruhe" mit den fünf Männern ganz beherrscht. Die Trachten ber Schwäl- mer Bauern bienen nur bem von dem Künst­ler erftrebten Ausdrucksverlangen — halb ist es bas jauchzende Rot und (Brün, bas ihm die fröhliche und ausgelassene Stimmung bes Ganges durch den Frühlingswald vermitteln hilft, bald find es die dunklen, blau-schwarzen langen Röcke der Männer und die geschwun­genen Linien ber Zweimaster, die ihm dazu dienen, die Ettcheinung ber Bauern erst recht wuchtig zu machen und Ihre Häupter wie mit Flügeln zu bekrönen — bald auch wieder geben die Trachten mit einem Schwarz-violett mtt sparsamem Grün und Gold eine Beglei­tung zu jener leuchtenden Stille, wie sie das Antlitz der jungen Frau aus Düsseldorfer Privatbesitz zeigt. In der „Abenbruhe ber Männer" Ist bas Weitz bet Arbeitskleidung ausgenützt, um in bet Dämmerung fene eigentümlich fast geisternde Stimmung über ben lang hingestteckten Gestalten hervor- znrufen.

Auch bie optischen Errungenschaften ber neueren Malerei werden je nach dem beson­deren Ausdruckswollen in ben einzelnen Bil­

dern eingesetzt — fo ber Impressionismus in den „Burschen und Mädchen im Wald", um die in Licht und Schatten gestellten Figuren ganz in das von goldnen Lichtflecken unter­brochene Dämmer des Waldes untertauchen zu lasten — fo expressionistische Erfahrungen in dem „Schwälmer Tanz", um bie Flammen­linien bet ©eroanbfäume, bie wirbelnde Drehung ber Paare zu unmittelbarer Wirkung zu bringen . Die Persönlichkeit ber Mutter bes Künstlers wirb in bem Bildnis ebensosehr durch das gedämpfte Violett und Blau-Grau dargeftellt wie durch den besonderen, oertief« ten Ausdruck des Gesichtes.

Die gewollte Monumentalisietung seiner Menschen erreicht der Meister aber auf eine besondere Weise, nämlich vorzüglich durch die Isolierung ber Gestalten vor einem ein­farbigen Hintergrund, sei es der blaue Horizont in bem „Erntearbeiter", ober bie weißgrauen Wände bet Kirche in dem „Abendmahl" und in dem Bild „Männer vor ber Kirche". Den Schattenriß ber mensch­lichen Figur versteht er bedeutsam zu machen und das Gewicht und die Würde des Men­schen darin zu verdichten. Auch hierbei wird es deutlich, wie sehr ihm die dunkle Farbe ber Schwälmer Männertracht zustatten kommt unb bie geschweiften, bie Erscheinung der menschlichen Figur steigernden Linien ber Zweimaster.

Mit dem Für-sich-stellen ber Figuren hängt im Grunbe auch zusammen, baß sich eigent­liche Hanblungen auf seinen Bildern kaum flnben, mit Ausnahme ber schon früh entstan­denen „Pilger am Grabe ber hl. Elisabeth" Die Kraft ber Anziehung, die von den „Männern vor ber Kirche" ausgeht, beruht nachdrücklich auf dem gelassenen Nebenein­ander der Gestalten, das den Ausdruck des Aufrechten, Steilen, Schweigsamen und Ge­schlossenen unterstteicht. Schweigsamkeit ist über die meisten der Bilder Bantzets gebrei­tet, sowohl über bie Einzelblldnlste wie über die Gruppen. Wie bas Liegen von Figuren an sich eine seelische Sprache haben kann im Gegensatz zu bem stellen Stehen ber „Männer vor der Kirch«" wird an bet „Abenbruhe" offenbar.

Das Nebeneinander bet großen ffiemälbe „Pilger am Grabe ber hl. Elisabeth", „Abend­mahl" der National-Galerie und „Männer vor ber Kirche" in einem Saale ermöglicht einen lieber blick über bie künstlerische Entwicklung des Meisters. Wie unruhig ist ber Hinter­grund und bie Farbengebung in dem Gemälde

ber Pilger, unb wie verloren stehen die ein­zelnen Figuren im Raume gegenüber dem vier Jahre später entstandenen „Abendmahl" mit den nachdrücklich vereinfachten Farben, ber geschlossenen Gruppierung der Figuren unb bet größeren Verinnerlichung brr Hand­lung! Dort noch Erinnerungen an Szenen etwa von Plloty, während hier ber Künstler schon ganz et selbst geworben ist. Auch bie Malerei hat an Feinheit unb Kraft noch ge­wonnen. Wir begreifen, daß dieses Gemälde vor allem den Ruhm Bantzets begründete. Die „Männer vor der Kirche", 1907 gemalt, bedeuten bann noch eine weitere Steigerung. Auf alles Beiwerk, auf jede Anbeutung einer Handlung hat Bantzer hier verzichtet: nur bie dunklen Schattenriste der Figuren — bald Isoliert, bald locker nebeneinander — die Gruppe durch die Rückenfigur zum Beschauer hin adgeschlosten. Als Hintergrund nur bie weißgraue Wand. Das ganze ist ein Dutt ins Große unb Wahrhaft Monumentale.

Vergleichen wir zum Schluß noch das Men­schentum der Bauern bet Bantzer mit dem in ber Bauernmaletei anderer Künstler unb Zei­ten, um seiner Eigenart ganz bewußt zu werben. Da hängt z.B. In der Galerie bes Museums bet „Letzte Gang" von Ludwig Knaus, ein hervorragendes Stück der Wll- lingshäuset Schule. Der feierliche Vorgang ist hier ganz wesentlich von der Seite bes Genre her gesehen. Die ßinbergruppen unter mit ihrem vielfachen kindlichen Tun — wie das eine Kind noch sein Butterbrot ißt, ein anderes von der älteren Schwester am Rock­zipfel weggezogen wird, die Hühner zwischen j»en Figuren — lenken ganz ab von dem Hauptvorgang., Welch ein Unterschied bet Gesinnung gegenüber bem Ernst und ber Ab­sicht der Bantzer'scken Schöpfungen! Die größ­ten Bauernmaler aller Zeilen, bie Holländer bes 17. Jahrhunberts, nehmen ben Bauern vornehmlich von ber Seite der realistischen Wirklichkeit her. Der ausgelassene, berbe. triebhafte, Feste feiernde und Schmäuse hal­tende Bauer in seiner unverhohlenen Mensch­lichkeit ist ihr Vorwurf. Bantzer braucht iw Gegensatz dazu die Gestalt des Bauern nur. um seine Ansicht von Menschen von der Seite ber Würbe und Bedeutung unb von dessen heroischer Aufgabe in ber Welt durch das Lilb auszubrücken. Wir finden Bantzer bei dieser bejahenden Einstellung in einer Linie mit den großen Malern des Kaiserreiches — 17,11 Feuerbach, BScklin» Hodler, Lelbl, Thoma.

Kippenberget.