Sonnabend.
tenl9.9to6.1932
Die .Oberhessisch« Zeitung* erscheint sechsnial wöchentlich. Be- j,«g«prei< mvnatl.i. Marburg 2.02 GM. aueschl. ZusiellungSgebühr. bei unsren Agenturen 1.93 SM. znzügl. Zustellung «gebühr, durch btt Post 2.25 SM Mir etwa durch Streik, Maschinendefekt oder elementare Lreigntste ausfallend« Runnnern wird kein Ersa* ««- leister. Verlag, Dr. §. Hitzervth, Druck der Unib-Buchdruckerei Job. Slug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher:Rr. 2054tt.9?t. 2055 Postscheckkonto: Slmt Frankfurt a. M. Str. 5015. - Sprechzeit der Redaktion bon 10—11 und
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die Parteiführer bei Hindenburg
Vorläufiges Stillschweigen — Hitler beim Reichspräsidenten — Burgfriede bis 2. Januar 1933
Serlin, 18. Nov. lieber die heutigen Empfänge der Parteiführer beim Reichspräsidenten wird folgende amtliche Ber- lautbarung veröffentlicht:
Der Herr Reichspräsident empfing heute vormittag den Führer der Deutsch- nationalen Bolkspartei, Geheimrat Hu- genberg, und heute nachmittag den Führer der Zentrumspartei, Prälat Kaas, sowie den Führer der Deutschen Bolkspartei, Dingeldeq, zu Einzelbesprechungen über die polittsche Lage.
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Zu den Verhandlungen in Berlin erfährt man bis heute nichts Neues, da zunächst strengstes Stillschweigen vereinbart ist. Der Reichspräsident hat sich seinerseits Ent- schluhfrerheit in jeder Beziehung Vorbehalten. Zunächst steht also das Problem im Vordergrund: Hindenburg und Hitler, Äs Führer der stärksten Porter zu dem Versuch einer Zusammenarbeit zusammenzubrin- gen, sodann die später das Kabinett tragenden Parteien in irgend einer Form koalitions- rnätzlg zusammenzufassen.
Der „Völkische Beobachter" verlangt die Ernennung Hitlers zum Kanzler, kein anderer sei so verwurzelt im deutschen Volle, und das sei nötig. Autorität müsse vor dem Amt vorhanden sein. Der Nationalsozialismus lasse sich nicht in das System der Parteien von gestern eingliedern. Es sei noch nicht zu spät, den Weg für eine „grundsätzlich neue Staatsführung" wirklich und mit allen Konse- guenzen freizumachen. Mit einem Präsidialkabinett allein sei es nicht getan. Um eine grundsätzlich neue Staatsführung zu gewährleisten, gehöre vor allem die Einsicht, datz eine neue Zeit neue Mahregeln und neue Männer erfordere.
Die „D. A. Z." schreibt: „Dieses Ziel, ist die grohe nationale Konzentration. Nicht Personenfragen und nicht sachliche Einzelheiten der Innen- oder Wirtschaftspolitik stehen somit im Vordergrund, sondern die Schaffung einer breiten Basis für ein Präsidialkabinett, das sich auf die lebendigen nationalen Kräfte im Volke stützt und gleichzeitig,die Führung Hindenburgs absolut unangetastet läht. Wir haben gestern dargelegt, dah und warum der erste Schritt auf dem Wege zur nationalen Konzentra- tion kein anderer sein sollte als der Versuch, Hitler mit der Regierungsbildung zu beauftragen: und es scheint, dah der Brief, den der Führer der Nationalsozialisten an den Reichskanzler geschrieben hat, bewusst darauf abgestellt war, bet Hindenburg um Vertrauen zu werben. Es wäre tatsächlich ein politisches Ereignis von größter Tragweite, wenn es nach vielen Irrungen und Wirrungen doch noch gelänge, den alten Feldmarschakl und den jungen Führer der stürmischen nationalsozialistischen Bewegung zusammenzubringen. Selbstverständlich wird auch dann, wenn diese erste Voraussetzung geschaffen werden kann, noch eine unendliche Fülle von Schwierigketten auftauchen. Wie dem Zentrum in einer solchen neuen Regierung die Rolle eines Gegengewichts gegen etwaige llmsturzpläne nationalsozialistischer Unterführer zukäme, so hätten die Deutsch- nationale und die Deutsche Bolkspartei die Aufgabe, dem bürgerlichen Element auch roei- terhm gegenüber sozialistischen oder gewerkschaftlichen Tendenzen Geltung zu verschaffen und das Abgletten m einen neuen Parlamentarismus zu verhindern."
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Kombinationen.
Obwohl die gestrigen Empfänge, der Parteiführer beim Reichspräsidenten streng vertraulich waren, werden in einer ganzen Reihe von Blättern Kombinationen über den Inhalt dieser Besprechungen angestellt. In diesem Zusammenhang will die „Deutsche All ge- meine Zeitung" aus Zentrumskreisen wissen, dah unmittelbar nach dem Empfang Hiller-
Besprechungen zwischen dem Zentrum und der NSDAP, stattfinden würden, die dem Versuch einer direkten Verständigung dienen sollten,
und in denen besonderes Gewicht auf das Bestreben gelegt werden wurde, dem neuen Kabi
nett eine besondere konstruktive Unterlage zu geben, die es vom Grundsatz der Präsidialregierung nicht allzuweit entferne und trotzdem die Mitarbeit von Parteiführern gestatte.
Auch der „Börsen-Courier" glaubt, daß nach dem Besuch Hitlers beim Reichspräsidenten zwischen Zentrum und Ratio-
Kommunistische Putschpläne
Enthüllungen der „Kreuzzeitung"
Berlin. 19. Nov. Die „Kreuz-Zeitung" berichtet in sensationeller Aufmachung m gro- tzen Schlagzeilen über Ter r o r plän e d er Kommunisten, die am 14. August tn einer Sitzung des Moskauer Politbüros erörtert worden sein sollen. In dieser Sitzung habe, so schildert das Blatt, der Vertreter der Dritten Internationale, Manurlsky, einen ausführlichen Vortrag über die pol striche Entwicklung m Deutschland gehalten, in dem er als die größte Gefahr eine Koalition zwisch en Zentrum und National soz.ta11ite.n>untcr befttrnmen^ der Führung des 3 ent fit ms bezeichnet habe. Ueber die Eegenmatz- nahmen der Kommunisten habe Manuilsky lediglich gesagt, dah die Geheimagenten innerhalb der SA befriedigend ihre Pflicht vor der Revolution täten. Die soziale Zusammensetzung der SA erleichtere diese Arbett, und einige ganze Abteilungen könnten schon heute für kommunistische Aktionen verwandt werden.
Im Anschluh an diesen Vortrag hat dann, bet „Kreuz-Zeitung" zufolge, der Vorsitzende der Revvluttonären Ge- werkschaftsinternatvmate, Losowsky, ge
sprochen, der gesagt habe, die.KPD müsse die Fähigkeit zeigen, die günstige Situation auszunutzen nicht nur mit den Methoden Torglers, sondern auch mtt den Methoden Hölz' und Skoblewskys.
In dem Moment, wo der administrative Apparat des deutschen bourgeoisschen Staates schwach werde, müsse man sofort, die Verwirrung und den Zerfall durch die Organisation von Stteiks, Sabotage und der Anwendung der Methoden des Massen- und des individuellen Terrors verstärken. Zum SLuh habe bcrmt Stalin gesprochen,^ der zu allererst festgestellt habe, dah die KPD bei den bevorstehenden revolutionären Ereignissen eine maximale Festigkeit und Schonungslosigkeit zeigen müsse. In der Liste des individuellen Terrors, die er durchgesehen habe, fehlten mehrere Dutzend Leute, die als erste den Beginn der revolutionären Kämpfe spüren und rechtzeftig von der Bildfläche verschwinden mühten.
Es sei nicht genügend Aufmerksamkeft ben Führern des Zentrums und den süddeutschen Führern gewidmet, die, das könne nicht oft genug gesagt werden, die gefährlichsten Feinde der Kommunisten seien.
Baldwin zur Abrüstungsfrage
Die dringendste Frage: „Deutschlands Rückkehr nach Genf-
fk. L o n d o n, 19. Nov. In einem Brief an den Dekan von Worchester, der einer der Unterzeichner einer Denkschrift der englischen Völkerbundsvereinigung über die Abrüstungsfrage war, erklärte Baldwin, einer der Hauptpunkte der englischen Abrüstungspolitik sei das Problem,
daß die deutsche Gleichberechtigungsforderung nicht zu eiltet Wiederaufrüstung Deutschlands, sondern zu enter allgemeinen Abrüstung der anderen Mächte führe.
Seit der Vorlegung der Hoovervorschläge habe sich die Lage auf der Abrüstungskonferenz grundlegend geändert. Die im jetzigen Augenblick dringende Frage sei nicht, ob die Hoovervorschläge oder der fianzösische oder irgend ein anderer Plan in vollem Umfange angenommen werde, sondern wie man Deutschlands Forderung s o befriedigen könne,daß es nach Genf zurückkehre und die Besprechungen über die Mittel vorsetzt mit denen eine wirkliche allgemeine Abrüstung durchgeführt werden könne. Dieses Ziel habe die englische Regierung bei der Vorlegung ihrer Abrüstungsvorschläge im Auge und man müsse zugeben, daß die englischen Vorschläge am besten dazu geeignet seien, zu einer wirklichen Abrüstung zu führen.
Mißstimmung in Frankreich
fk. Paris, 19. Nov. Die Presse beschäftigt sich heute noch sehr eingehend mit dem englischen Abrüstungsplan, den Sir John Simon vorgestern in Genf dargelegt hat.
„Journal" schreibt, der Hauptpunkt des englischen Planes sei die soforttge Anerkennung der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung. Allerdings seien ge- wisse tatsächliche Unklarheiten noch vorbehalten, die erst allmählich verschwinden sollten, wenn sich die Hoffnung auf Entspannung in einer besonderen Sicherheitsgarantie bestättge. Der englische Vorschlag sei das Gegenteil des französischen Planes, der die Herstellung von Sicherheitsgaranfien und außerdem in einer Reihe von Etappen vor- fieht.
Die Ausführungen Simons — so schließt das Blatt — enthalte gefährliche Maßnahmen.
„Echo de Paris" erklärt, Frankreich bestreite England nicht das Recht, seine Flottenmacht zu erhalten, aber aus welchem Grunde, so fragt das Blatt, weigere .sich England, wenn Frankreich für sich eine entsprechende Verteidigung fordere? Im September habe Deutschland der Abrüstungskonferenz den Rücken gekehrt, um durch Drohungen zu erreichen, was es durch Ueberredung nicht habe erlangen können und London fetzt sofort die Höhe des Lösegeldes fest. Wenn der Reichsaußenminister nächste Woche im Völkerbundsrat erscheinen werde, dann werde er nur liebenswürdige Gesichter vorfinden. Man kann sich nicht wundern, wenn Japan —e diesem Beispiel nach- eifernd — erklären werde, daß das beste Mittel, den Völkerbund zum Kapitulieren zu bringen, darin bestehe, ihm den Rücken z u. k e h re n (!K
nalsozialisten eine Verständigung versucht werden würde. Diese Aussprache würde sich auch auf die Regierungsbildung in Preußen erstrecken. Man hoffe auf beiden Seiten, sehr bald soweit zu sein, daß am 24. ober 25. dieses Monats der Landtag ie Neuwahl des Ministerpräsidenten vornehmen könne. Das Blatt meint, daß man bei beiden Parteien anscheinend durchaus optimistisch sei. Wenn es zu der erwarteten Einigung komme, würden Deuffchnationale, Deuffche Volkspartei und die kleineren Rechts- Htzippen gefragt werden, ob sie das Eini- gungsprogramm als gemeinsame Grundlage der nationalen Konzentration ansehen wollten.
Rtt einiger Spannung sieht man nun dem Empfang Hitlers entgegen.
Die Nationalsozialisten haben offenbar die Absicht, ihre Taktik diesmal sehr viel elastischer anzulegen, als am 13. August. Sowohl in ihren Kreisen wie in denen des Zentrums ist man sich klar darüber, daß alle Anstrengungen gemacht werden müssen, wenn die ihnen vom Reichspräsidenten gegebene Lhance der Bildung einer* na11ona’» len Konzentration ausgenutzt werden soll. Ob das gelingt, ist im Augenblick aber noch garnicht zu übersehen.
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Hitler nimmt die Einladung zn einer Besprechung mit dem Reichspräsidenten an.
MLnchen, 18. Nov. Wie aus dem Braunen Haus »erlautet, hat Adolf Hitler die telegraphische Einladung des Reichspräsidenten, zn einer persönlichen Besprechung nach Berlin zu kommen, zustimmend beantwortet.
München, 18. Nov. Wie von der Parteikorrespondenz der NSDAP, mitge- teilt wird, hat Adolf Hitler den Flug nach Berlin in Begleitung der Herren seines engeren Stabes sowie Gregor Strasiers und Dr. Frick angetreten.
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Führerbesprechung der NSDAP.
Berlin, 18. Rod. In Berlin fand heute nach der Ankunft Hitlers und Görings eine nationalsozialistische Führerbesprechung statt, an der außer den beiden Genannten die national- sozialistischen Führer Strasser, Frick, Dietrich Hanfstängel Brückner und Bormann sowie die in Berlin anwesenden neugewählten Reichstagsabg. und Landtagspräsident K e r r l teinahmen. Die Besprechung galt der Vorbereitung der Unterredung Hitlers mit dem Reichspräsidenten, auf die man in nationalsozialistischen Kreisen außerordentliche Hoffnungen setzt. Man glaubt nämlich, daß jetzt zum erstenmal die Gelegenheit gegeben sei, den Reichspräsidenten über die wahren Pläne Und Ziele der RSDAP. zu unterrichten, und erwartet, daß dann der Reichspräsident seine bisher ziemlich kühle Haltung gegenüber der Hitler-Bewegu^st . einer Korrektur unterziehen werde. Man ist der Ansicht, daß die Samstags-Unter- redungzwischen Hindenburg unt Hitler psychologisch weit beff'r vorbereitet ist als jene umstritten" Aussprache vom 13. August.
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Stahlhelm für autontäre F..ui der Staatsführang.
Die Reichs-Pressestelle ue5 Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten teilt mit:
„Die beiden Bundesführer des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, haben am