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Rr. 270

Oberdesfische Zeitung, Marburg a. L.. Dmmerstag, bett 17. November 1932

Sette 3

Flug über Schatten

/ Von Korvettenkapitän a. D. Fritz Otto Busch

Flandern 1918. Wir kriechen durch das Niemandsland, eine Patrouille. Minenkabel ,'ollen geschnitten werden. Hinter uns schwin­den die regungslosen Schattenbilder der Kosten vor den Gräben, Stahlhelme, blinkende Kewehrläufe. Vor uns leuchtet im fahl weih en Licht der Leuchtkugeln, die unablässig steigen, der flandnsche Möhn . . . Zerfetzte rote Uni« en en um gebleichte Knochen: Turkos, die zusammengeschossen wurden. Seitlich rat­tern Maschinengewehre, irgend eine Pattouille wird aus den belgischen Gräben beschossen. Heber uns hinweg heulen die schweren Gra­naten der deutschen Batterie hei Rattevalle nach Dünkirchen, das irgendwo im Dunkel, weit hinter der Front, unerreichbar lauert. Englische Langrohre antworten. Eine regen­nasse, unheimliche Nacht, blitzende Wasser­lachen, Gräben, Eranattrichter — und im­mer wieder dies aufreizende Rattern der Maschinengewehre. Hinter uns Strahlen­balken über Brügge: die Garnison wehtt einen Angriff der Bombenflugzeuge ab. Scheinwer­fer, Feuerblitze, hoch ohen wie weihe Motten im Licht die Figuren der feindlichen Flug­zeuge. Vorbei---

Ich komme von Tempelhof, bin aus dem London-Flugzeug der Luft Hansa gestiegen. Ein wunderbarer Flug war es, starker Rücken­wind. herrliche Sicht und Flandern unter mir im Sonnenschein. Anders als damals, fried­lich, arbeitsam, vergnügt. Und doch, immer wieder tauchen die Schatten der Vergangen­heit auf, und es schien fast ein Traum, hier im sicheren Flugzeug zu sitzen und hinunter at schaun. Gleich hinter Croydon begann die Wolkenschicht. Wir sttegen und stiegen, flogen über weihen, jagenden Fetzen dahin, ob und zu öffnete sich ein Blick auf grünes englisches Land.

Bei Dover bricht die Sonne durch. Grün, schäumend liegt die See, der Branderkranz der Eoodwin-Sands. Die französische Küste er« lcheint. die belgische: Flandern. Dünkirchen mit Hafen und Molen, mit Dampfern und rauchenden Schornsteinen, und immer noch steht die weihe Wolkenschickit Über England, leuchtet das Shakespeare-Kliff.

Mit 200 Kilometer Geschwindigkeit brausen wir dahin. Schnell wechselt das Bild. Ich sehe hinunter: Himmel, da ist ja schon Nieu- pott, der Merkanal! Wie war er zettrommelt, damals, der flandrische Boden, als ich von Jeebrügge aus einen Flug mitmachte. Ein­schläge lagen dort. Gas wurde abgeblasen. Man griff zum MG. — aber kein Sopwith. kein Bristol-Fighter erschien. Und nun sieht es aus. als sei dort nie Krieg gewesen. Was sind das nur für seltsame dunkle Flecke auf dem grünen Hand?' Richtig: Hier standen die berühmten Wasseroettungen der deutschen Geschütze, also doch ein mahnender Finger aus jenen Tagen. — Autos rollen auf den schwarzen Straßen, ein Artilleriepart ist auf« gefahren, und links, auf der hellgrünen See stampfen Fischerboote. Nun sind die Dünen unter uns, die Nieupotter Schleusen. Hier war der „Affenberg", hier stand das Draht­verhau längs des Strandes . . . Schnell mal nachsehn: Nein, das Loch in der Nieupotter Mole ist nicht mehr. Das hatte ein fernge­lenktes Boot mit feiner Sprengladung hinein« gehauen. Sie haben's wieder ausgeflickt, die Belgier. Weiter: Westende Bad, Midbel- kette, dott muh die Battene gestanden haben, bei der ich damals war: Flak Zb, die nörd­lichste der gansen Front. Ja, verdammt un­

ruhige Nacht gab es da. Manche rückkehren- den Flieger droppten ihre Bomben dott, weil der Scheinwetter neben der Battene leuchtete, und dann flappetten sie einen Streifen nach dem andern aus ihren Maschinengewehren über die Wellblechdächer der Baracken. Na, im Schlaf haben sie uns nicht gestört.

Mattakerke, wie die Sonne glänzt, wun­derbar. bitter Eoldton in der Lust! Hier stand die Eisenbahnflak. Diese schnurgerade Strahe ritt man nach Ostende, abends, wenn Ruhe war. Schon ist Ostende unter uns. Vor dem Hotel band man das Pferd an den Laternenpfahl, traut seinen Portwein bei Lea und bummelte durch die Stadt. Und an die­ser komisch gegitterten Mole lag die „Vindic- tive" nach ihrem zwttten Angriff. Jetzt lie­gen die Ostende-Dover-Dampfer dort. Einer geht an. Schon sind wir drüber weg, es geht mit diesem Rückenwind heute sehr schnell, viel zu tonell finde ich. Man möchte so gerne Einzelheiten entdecken, gerade in dem nun folgenden Dünengelände der Badeorte. Him­mel, standen da Batterien! Eine an der an­deren, und nie, nie, außer bei dem einen mißglückten Sperrversuch bei Zeebrügge, ha­ben die Engländer ttnen Fuh auf flandrischen Boden hier an der Küste gesetzt. Zeebrügge, da ist es schon: lange Mole, Leuchtturm — hier regierte der stets vergnügte Molenpapst, der nun auch schon lange tot ist.

Der rothaarige Engländer hinter mir zeigt mtt der Hand hinunter: „Zeebrügge!" Ra, als ob ich das nicht kannte! Ich nicke bloß und schaue voraus, suche nach rechts: Hier, genau dott unten stand die „Deutschland"- Batterie und da die berühmte „Tirpitz"-Bat- terie. Der gerade Kanal führt stracks nach Brügge, dem alten, verträumten, wunder­schönen Brügge. Steil, zierlich, ein Werk aus flandrischen Klöppelspitzen, ragt der Belfried aus dem Häusergewimmel. Auf diesem Markt­platz bezog ich damals meinen ersten Anpfiff: Gerade ausgeladen mit den Matrosen von zwei Kreuzern der Hochseeflotte, staunten wir über einen mittäglichen Bombenangriff und sahen interessiert zu, wie am Himmel die weiten Wattebäusche der Sprenggranaten auf« sprangen und die Flieger umherwirbelten wie ein Schwarm Hornissen. Da trieb uns ein Admiral, der des Weges Tarn, greulich fluchend in den SeTSm!eIIer. Ja, das war damals — und nun ".'gt das alles satt, zufrieden, un­berührt, in der Sonne gebadet, bunt und hübsch zu unteren Fühen. Nur hinter uns ballt sich ttne Wolkenwand zusammen: über Nieuport steht sie dunkel, durstig. Schemen­haft tritt ein großer Reiter auf fahlem Pferd aus der Gewitterwand: In Flandern reitet der Tod — ---

«chade — gleich muß Flandern wieder hin­ter uns liegen, wie dieser ganze, märchenhaft

Die Taifun Katastrophe in Fapan

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Typische Landschaft an der Ostkuste der Insel Hondo.

Die Zahl der Todesopfer der Taifun» Verheerungen in Japan wird auf Über 1000, die der zerstörten Häuser auf 30 000 geschätzt. Genaue Feststellungen liegen noch nicht vor, da die meisten Verbin­dungen zwischen Tokio und der Küste ab» geschnitten sind. Das östlich von Schu»

zuvka llegende Dott Kaschiwabära wurde durch einen Brand, der durch den Wirbelsturm verursacht wurde, vollkommen zetttört. Auch in Mmazu sind 500 Häuser durch Feuer vernichtet worden. Tokio wurde durch den Sturm teilweise in Dun» kel gehüllt.

schön« Flug. Drüben, vor uns, schimmert Bion der Wasserweg der Westerschelde, und

e letzten Dünen verlieren sich, Marschwiesen dahinter und am Strand die Badeorte: Heyst, Knocke, la Zoute. Teufel ja, hier, genau un­ter uns, saß dieser prächtige Kommandeur der letzten Batterie, zu dem man von St. Anton hinausritt, morgens früh. Immer am Stacheldraht längs, der die Grenze nach Hol­land bildete. „Das Schützennest" hieß die Batterie, verrückte, Heine Kanonen aus der Festung Thorn, auf Gleisen, verstellbar für Fall A, B und C. Es waren nicht die­selben Kanonen, die der alte Feldwebel, den der Sturm auf Lombardtzyde zum Leutnant machte, bei Antwerpen eroberte. Die batte er mitgeschleppt. stundenlang, bis sie ihm ab­genommen wurden und er diese Batterie be­kam. Oh, ich wttß noch genau: An jenem Morgen waren wir im Küstenleitstand der großen Batterie. Ganz aufgeregt waren die Leute. Draußen, im blaugrauen Dunst der Ferne, kaum zu sehen, stachen feine Nadeln in den blaßblauen Himmel. Die Masten eng­lischer Monitore, die dort drüben auf ihre Schießpositionen gingen. Und bald rollte der Donner einer unserer schweren Batterien über die erwachende See — erschreckt flatter­ten die Möven am Strand hoch und drau­ßen wuchteten die riesigen Wassersäulen der Aufschläge neben den feinen Mastspitzen empor. Wie lang ist das doch her!. Und jetzt, jetzt kreuzen wir die Wester-Schelde. Ein Dampfer läuft aus, weißes Kielwasser hinter sich. Unten am Leuchtturm von Nieuwe Sluis hängt der SturmroarnunasbaTT, und es ist Frieden, tiefer Frieden. Wir überaueren das Delta der Rheinmünvungen. Der Funker öffnet die Tür zum Pilotenraum und reicht seine Funkmeldung dem Führer zu. Tief, gleichmäßig, beruhigend brummen die Mo­toren. Ich wende den Kops, Flandern ist ver­schwunden — nur goldener Dunst und tiefe, dunkle Schatten im Westen. Den Krieg sah ich wieder, den die andern nicht sahen — hoch über seinen Schatten donnerten mir dahin. Du hast den Ritt verloren, Tod von Flandern, ich winke dir zu---

Wie gesagt, ich komme von Tempelhof, eben aus dem Flugzeug D 1692, von London.

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MilitveinttNle 1932

Der ganze deutsche Rheingau steht im Zei­chen der Weinernte. Die Witterung war in den ersten Wochen des Herbstes nicht sehr günstig, und man befürchtete, daß der allzu reichliche Regen alles, was die Sonne im Sommer getan hatte, wieder zunichte machen würde. Dann aber hat sich das Wetter ge- besiert. so daß die Weinbauern in aller Ruhe ihre Ernte nach Hause bringen konnten. Im unteren Rheingau, wo die Ernte im allge­meinen schon etwas früher beginnt, sind be­reits eine Reihe von Mostverkäufen getätigt worden. Die Preise sind nicht so schlecht, wie man gefürchtet hatte. Sie. liegen sogar zum Teil etwas über denen des vorigen Jahres. 3m mittleren und oberen Rheingau ist der Traubenoerkauf sehr lebhaft. Die Preise lie­gen zwischen 20 und 25 Pfg. das Pfund. Die erhöhte Nachfrage und die ^anziehenden Preise stehen vielleicht in gewissem Zusammenhänge mit dem Ausgang der amerikanischen Präsi­dentschaftswahlen. Wenn die Auswirkungen der Aufhebung der Prohibition auf Deutsch­land auch noch nicht vorauszusehen sind, so hoffen die Weinbauern doch, daß sie an dem vermehrten Alkoholgeschäft in Amerika nicht ganz unbeteiligt sein werden.

Ar SilWamm'ung Marburger MiverMslebrer

Von Dr. phil. I. Schnack.

Zur Vierhundertjahrfeier der Philipps- llniversiiät 1927 erschienen die für die Univer- sttätsgeschichie grundlegenden Werke: eine Gesamtdarstellung von Hermelink und Kähler „Die Philipps-Universität 1527 bis 1927“, sowie das Verzeichnis der Univerfiiäts, lehrer von 1527—1910, der „Eatalogus Por- ftssorum" von E u n d l a ch. Diesen Ber- öffentlichungen stellt sich ein drittes historisch- ikonographisches Unternehmen zur Seite, die Sammlung der Bildnisse Marburger Univer- sttätslehrer — wenn man will eine Illu­stration des Eundlachschen Werkes. Wohl nur wenige Universitäten sind im Besitze einer SammluntL wie sie jetzt nach fünfjähriger Ar­beit für Marburg in großen Sammelmappen •erliegt.

3n zeitlicher Folge umfaßt die Marburger Sammlung weit über 1000 Dozenten, reicht dabei Bis 1527 hinab, woraus sich ergibt, daß eine absolute Vollständigkeit kaum erreichbar sein wird, und ferner, daß ein solches Unter­nehmen auf die verständnisvolle Mithilfe weiter Universitätskreise, insbesondere auch bet Alt-Marburger Familien angewiesen ist. Doch liegen gerade für unsere Philipps-Uni­versität die Verhältnisse recht günstig. Ver­teilt über die vier Jahrhunderte ihres Be­stehens finden sich von früh an kleine Be­stände, an die sich die jetzige systematische Sammeltätigteit erfolgreich anschließen konnte.

Schon zum ersten Univerfitätsjubiläum 1627 bereitete Wilhelm Dilich, bet „Eattus stlpelles", eine Festschrift vor. die ewa 120 Por. bäts umfassen sollte, kl Probeabdrücke seiner Holzstöcke fügte et schon vorher seiner hand­schriftlichen Beschreibung der Stadt und Uni­versität Marburg: „Urbs et academia Mar- purgenfis“ ein. Diese der hiesigen Universitäts- Bibliothek gehörende Handschrift blieb leibet Vnvollendet, da Dilich infolge^ seines Zerwürf­nisses mit Landgraf Moritz Marburg vorzeitig verließ. Trotz großer Lücken ist hiermit von Dilich cin einzigartiger wertvoller Grundstock für die ältere Ikonographie der Universität geschaffen, zumal 35 Bildet von ihm nach dem

12eben gezeichnet sind. Ferdinand Justi hat die Dilichschen Holzschnitte 1898 im Eiwert« scheu Verlage veröffentlicht, für die Samm­lung wurde die Handschrift in der photo­graphischen Anstalt des hiesigen Mittelalter­lichen Seminars nochmals aufgenommen.

Für die fehlenden 58 Porträts wird sich einiges in photographischen Kopien aus dem berühmten Thesaurus picturarum in der Darmstädtischen Landesbibliothek beschaffen lasten, anderes hat die Durchsicht ber betreffen« den Kataloge im Besitze des hiesigen Staats­archivs und der Kastelet Landesbibliothek und des dortigen Landesmuseums nachgewiesen. Vor allem aber bringt die aus 82 Stichen und Lithographien bestehende Sammlung der Universitäts-Bibliothek, welche als Leihgabe der Universität in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt wird, eine be­deutende Anzahl von Originalen in die sonst großenteils aus photographischen Kopien be­stehende Sammlung hinein. Von vielen be­rühmten Marburger Dozenten finden sich schöne und seltene Stiche. So aus dem 16. Jahrhundert Hermann Dultejus; dieser aus Wetter stammende Gelehrte galt als einer der bedeutendsten Rechtslehrer seiner Zeit, war „sämtlicher Rat“ der vier Landgrafen und wurde vom Kaiser zum Pfalzgrafen ernannt und in den Reichsadelsstand erhoben. Aus dem 17. Jahrhundert Balthasar Schupp, Pro- festot der Beredsamkeit und Geschichte, Pre­diger an der Elisabethkirche, dem seine volks­tümlichen Dichtungen und Satiren Berühmt­heit verschafften. Aus dem 18. Jahrhundert seien der Philosoph Ehristian Wolfs genannt, die Juristen Estor und Pütter: aus dem 19. Jahrhundert Savigny, Sybel und Bunsen. Vom erfteren ist ein besonders wertvoller Stich nach dem Schinkelschen Gemälde vorhanden, sowie eine große Lithographie nach bet Zeich­nung von 2. Elaube.

Hatte bie Einhundertjahrfeier Dilich ange­regt, so beginnt mit der Reugtündung der Universität 1653 durch Landgraf Wilhelm VI. die Sammlung von Oelbilbem, welche ur­sprünglich im „Collegium Sanae“ aufgehängt, nach der Erbauung der jetzigen Aula in den Gängen, Hörsälen, Rektor- und Dozenten- zimmern der Universität und des Landgrafen- hauses verstreut angebracht find, (Insgesamt

über 50 Bilder, könnten es weit mehr sein, wenn die bei der Teilung bet Universität nach Gießen gewanderten Bildet in Marburg ver­blieben mären) (nach F. SuftiJ So stellt nur das Bild des Theologen Johannes Croeius aus Laasphe noch einen Dozent« der alten Hochschule bar, ber also vor bet Verlegung bet Universität nach Kastel 1624 bereits amtiert hatte. Mit bem Enbe bes 18. Jahrhunberts erlischt die an eindrucksvollen Porträts reiche Sammlung.

Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts fin­den wir den llniversitätszeichenlehrer Dr. Ludwig Hach an der Arbeit, der auf „Veranlassung ber Zuhörer" eine Anzahl Marburger Dozenten gezeichnet hat. Die lithographische Anstalt F. C. Bogel in Frank­furt vervielfältigte diese; zehn solcher Blätter find im Besitz der Bibliothek. Aus der Mitte des Jahrhunderts existiert ein bekanntes Gruppenbild (1856), daß u. a. den Historiker Sybel. den Philosophen Ed. Zeller, den Phy­siker Rud. Kohlrausch, den Chirurgen Wilh. Roser und den Orientalisten Gilbemeister zeigt.

Zum Schluß seien brei Universitätslehrer genannt, ber Orientalist Ferbinanb Justi, ber Theologe Ernst Konstantin Ranke unb Wilhelm Henke, ber Anatom; allen breien verdankt bie Bilbnissammlung wichtige Beiträge- In Ferbinanb Justi besaß bie Uninerptät einen für den ikonographischen Teil ihrer Geschichte höchst interessierten For­scher. Als Ergebnis umfangreicher Studien liegt in eigenhändigen, sorgfältigen Feder­zeichnungen eine Sammlung von Bilbnis- fopien aus allen Jahrhunderten vor, jetzt im Besitze von Herrn Prof. K. Justi. hier, der Einsichtnahme und Verwertung des zusammen- getragenen Materiales bereitwilligst gestattet hat. Ernst Ranke stellte in den Herostferien 1871 sein „Carmen feriaticum“ zusammen. 64 Photographien seiner Kollegen gab er einen in elegantem Latein geschriebenen humorvollen Prolog unb Epilog bei, schuf gleichzeitig zu jebem der Bilder einen knappen lateinischen Vers. Das vornehme, in violettem Leder ge­bundene Album befindet sich im Besitze der Bibliothek. Führt der Rankesche Band den Beschauer in das neue Reich, so versetzt Wil­helm Henke mit {einen Zeichnungen in bas

Jbyll bet kurhessischen Kleinstabt zurück. Als Marburger Stubent unb junger Dozent hat bieser Sohn bes Theologen Ernst Henke seine medizinischen Taschenbücher nebst höchst sorg­samen anatomischen Zeichnungen mit lebendi­gen teils voll ausgeführten, teils nur hinge- roorfenen Skizzen von Marburger Dozenten und Bürgern gefüllt. Vielfach haben ihm diese Bücher auch als Kolleghefte gedient, und so kann es nicht verwundern, wenn sich vor­wiegend Bilder seiner Lehrer und engeren Kollegen in ihnen finden. Vertreten find je­doch alle Fakultäten. Besonders eindrucksvolle Porträts sind von Zeller und Sybel vorhan­den und äußerst witzige von dem Juristen Volk, graff, dessen Leidenschaft für das Billardspiel in mehrfachen Karikaturen festgehalten wurde. Diese bisher ganz unbekannten Bilder ver­dankt die Universität der Güte von Henkes Tochter Frl. Anna Henke, Malerin in Frankfurt, welche ihre photographische Auf­nahme gestattete.

Für die Gegenwart liegen in den Aufnah­men des hiesigen Hofphotographen Maus eine Fülle prägnanter Bildnisse vor. von denen die Porträts ber im Jubiläumsjahre 1927 amtierenben Dozenten in einer bejonberen Mappe vereinigt, ber Universität als Festgabe überreicht würben. Die Mittel zur Bestrei­tung sachlicher Ausgaben haben ftüher ber Universitätsbunb unb neuerbings ber Senat bet Universität bewilligt. Don privater Seite würben ber Sammlung mehrfach Photo­graphien überwiesen, es sei besonders Herrn Oberstleutnant Mannkopf. Heidelberg für die aus dem Nachlaß seines Vaters geichenkten Bilder gedankt. An alle Leser, die tm Besitze von Bildern Marburger Dozenten sind, ergeht die Bitte, sie geschenk- oder leihwei,e der llniversittätssammlung zur Ver­fügung zu stellen, vor allem feh­len noch Bilder aus der Zeit vo« 1880 bis 1910.

Der Ausschuß für bie Univerfitätsbilber- fammlung besteht aus ben Herrn Prof Dr. Merk unb Prof. Dr. Stengel. Die B-- arbeituna liegt in ben Hänben von Frl. Dr. Schnack, an bereu Anschrift (Marburg, Uni­versitäts-Bibliothek) Mitteilungen unb Sen« billigen zu richten find.