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Dk» .Vberhessisch« 3tftun<t* et- scheint sechsmal wöchentlich. Le- )U<?#t'tei# monafl.T. Marburg 2.02 GM. ausschl. ZupeNunpspebübr, bei unsren Agenturen 1.93 GM. znzügl. Zustellunasqebühr, durch die Post 2.25 GM ffür etwa durch Streik. Maschinendefekt oder elementare Greignisse ausfallende Nummern wird kein Ersatz ce- leistet. Verlag, Dr. 5. L-Itzerotb, Druck der Unib-Duchdruckerei ?oh. Aua. Koch, Mark« 21/23. Fernsprecher: Nr. 2054 v. Nr. 2055 Postscheckkonto: Am« Frankfurt a. M. Nr. 5015. - Gt>re»,eit der Redaktion *on 1011 und /,l1 Ubr.

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Tageslmzeiger Z B B H H I I II Lantrszutung

Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhessen

St. 270 67.?nM Marburg a.8abn

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die Entscheidung beim Reichspräsidenten

Absage der Reichskanzler-Greise Ablehnende Antwort des Zentrums, der bayerischen Volkspartei und der S.P.D.

ft S e r I i n, 17. Noo. Nach einer amt­lichen Mitteilnng hat der Reichskanz­ler die von ihm geplanten Besuche in Stuttgart, Karlsruhe und Darmstadt ab­gesagt, da er nach dem Ergebnis der Par­teiführerbesprechung es für wichtiger hält, eine Klärung der politischen Lage abzuw«L.ten. Wie hierzu ver­lautet, haben Zentrum und Bayeri­sche Volkspartei dem Reichskanzler eine ablehnende Antwort erteilt, während der Führer der D e «t s ch e n Bolkspartei dem Reichskanzler seine Mitarbeit zugesagt hat. Am heutigen Donnerstag wird das Reichskabinett zu einer Sitzung zusammentreten, in der die nach den Besprechungen mit den Partei­führern entstandene Lage besprochen wer­den wird. In politischen Kreisen wird da­mit gerechnet, daß das Reichskabinett den Beschlug fassen wird, de« Reichs­präsident die weitere EntwiL- lang zu überlassen.

Nach demLokal-Anzeiger" rechnet man damit, daß die NSDAP, am heutigen Don­nerstag auf die Einladung des Reichs­kanzlers ablehnend antwortet und auf die Notwendigkeit einer Besprechung mit dem Reichspräsidenten Hinweisen wird.

Kombinationen

um die innerpalitische Entwicklung.

fk. München, 17. Nov. DieMün- hener Neuesten Nachrichten" melden aus Berlin:Wie wir ergänzend zu dem Be­richt über die Verhandlungen des Reichs­kanzlers mit den Parteiführern erfahre», wird das Ergebnis der Kabinettssitzung am heutigen Donnerstag die Gesamt- demission des Kabinetts von P a p e n sein. Als möglicher Nachfolger des Reichskanzlers werden genannt: Der Minister ohne Portefeuille und Reichs- kommisiar in Preußen Dr. Bracht, der bisherige Reichswehrminister General von Schleicher und vor allem der frühere Reichswehrminister Dr. Gehler."

Vor einem Generalstreik?

fk. Berlin, 17. Nov. Der sozialistische Presiedienst meldet: In Berlin gingen am Mittwoch Gerüchte um, dah die Gewerk­schaften und republikanischen Parteien auf den Papenkurs noch in diesen Tagen mit einem Generalstreik antworten würden. Wie gesagt, handelt es sich hier zunächst u« E e r S ch t e.

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Absage der Kanzlerreise.

Berlin, 16. Nov. Die Absage der südwestdeutschen Reise des Reichskanzlers hat in politischen Kreisen erhebliche Über­raschung ausgelöst. Sie lag aber wohl von vornherein nicht außerhalb aller Möglichkeiten.

Die Veranlassung ist in dem Ausgang der Besprechungen zu sehen, die der Kanz­ler heute mit den Parteiführern gehabt hat. Sie haben sich so abgespielt, daß gegen Mittag zunächst die Zentrumsfüh­rer K a a s und Joos in der Reichs­kanzlei erschienen und im Laufe des Nach­mittags dann Abg. Dingeldey für die Deutsche Volkspartei und Dr. Schäffer für die Bayerische Bolkspartei. Die Ein­

zelheiten dieser Besprechungen werden von den Beteiligten vertraulich behandelt.

Was aber die große Linie der Unter­haltungen anlangt, so hat Rechtsanwalt Dingeldey dem Kanzler seine Zustim­mung zur nationalen Konzentration er­klärt. Das gleiche gilt für die Stellung­nahme der Zentrumsvertreter. Der Unter« schied liegt darin, dah Prälat Kaas hinzugefügt hat, unter der jetzigen poli­tischen Staatsführung müsse der Versuch der nationalen Sammlung aussichtslos bleiben, und daraus ergäben sich nach Ansicht des Zentrums von selbst nahelie­gende Konsequenzen. Diese Erklärung ist natürlich mit einer Absage gleich-

z u s e tz e n , und sie dürfte auch der Tenor der schriftlichen Aufzeichnung sein, die die Zentrumsführer dem Kanzler übergeben haben. (Dieses Schriftstück wird übrigens nicht veröffentlicht werden.) Es ist anzn- nehmen, dah die Darlegungen Dr. Schäf­fers für die Bayerische Bolkspartei sich von dem Standpunkt des Zentrums nicht sehr wesentlich unterscheiden.

Das Schwergewicht der heutigen Besprechungen liegt aber vielleicht noch stärker in dem, was der Kanzler allen Parteiführern gesagt hat:

Er hat mit Nachdruck seine früheren Erklärungen unterstrichen, dah nicht an der Personenfrage schei­tern dürfte, wenn Deutschland

Amerika verlangt Schuldenzahlung

fk. N e w y o r k, 17. Nov. Wie aus zu- verlässiger Quelle verlautet, hat das Ka­binett Hoover beschlossen, dah die euro­päischen Schuldner zahlen müsieu. Die Be­antwortung der Noten wird nächste Woche erwartet.

Senator B o r a h erklärte, daß ange­sichts der Haltung des Kongreßes jede andersartige Haltung des Kabinetts aus­sichtslos wäre. Der einflußreiche republika­nische Senator Feß (Ohio) bezweifelt, daß der neue Kongreß eine andere Haltung in der Schuldenfrage einneßmen werde.

Die nationalen Notwendigkeiten" Geniere della Sera über Hitlers Weg. Mailand, 16. Nov. Der Berliner Kor­respondent desCorriere della Sera" beschäf­tig sich in einem langen Artikel mit denna­tionalen Notwendigkeiten und Möglichkeiten in Deutschland". Von der Notwendigkeit einer Mitarbeit des Nationalsozialismus am Wie­deraufbau Deutschlands überzeugt, deutet er die heutige Lage Hitlers folgendermaßen: Die

Wahlen vom 6. November stellten für Hitler eine harte Lektion dar. Es sei. romantische Träumerei, wenn man glaube, daß man eine Partei von revolutionärem und antiparlamen­tarischen Charakter nur durch Wahlappelle unbeschränkt weiter entwickeln könne. Ob man den Triumph wirklich dadurch zu erringen glaube, daß man vielleicht noch zwanzig Jahre kämpfen und warten wolle? Das könne man nur tun mit einer von Idealen durchdrun­genen Minderheit von wenigen treuen Ge­folgsleuten. nicht aber mit einer Volksphalanx von 12 Millionen. Bis zum Juli habe es für Hitler zwei Wege gegeben, die Macht zu er­langen: den illegalen und den legalen parla- mentarifchen, der ihm durch die Stärke feiner Partei im Parlament offengestanden habe. Der illegale revolutionäre sei vermieden wor­den, als es in Deutschland noch keine autori­täre Reichsregierung gegeben habe. Unter dem augenblicklichen Regime aber mit Hindenburg als dem eigentlich Regierenden sei die Wahr­scheinlichkeit eines Staatsstreiches auf ein Mi­nimum gesunken. Es bleibe daher für Hitler nichts anderes übrig als der zweite Weg, und das heiße, eine Zu,ammenarbeit mit den an­deren Parteien zu suchen und dann schrittweise seinen eigenen Einfluß zu vermehren. Un- fchlüssig zu sein, sei für den Führer einer so großen Bewegung zwar leichter als zu han­deln, es sei aber auch gefährlicher.

Beilegung des bayerischen Landtagskonflrkts

Die R.E.D.A.P. wieder im Landtag

München, 16. Aov., Der Lleltesten- rat des Bayerischen Landtages trat heute zusammen, um die Dispositionen für die Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten festzulegen. Einen Hauptpunkt der Aussprache bildete die Frage der Wiederzulassung der 41 natio­nalsozialistischen Abgeordne­ten, die in der Sitzung vom 17. Juni d. I. aus 20 Sitzungstage ausgeschlossen worden waren. Präsident Stang betonte hierzu, daß die allgemeine politische und wirtschaftliche Lage eine Zusammen­fassung aller Kräfte zu frucht­bringender Arbeit verlange. Er stelle anheim, die Auswirkung der Ereig­nisse vom 17. Juni durch eine entsprechende Vereinbarung im Aeltestenrat zu berei­nigen. Er erklärte aber ausdrücklich, daß er auch heute noch aus dem Standpunkt siche, daß sein Vorgehen in jener Sitzung durchaus korrekt und durch die Eeschäfts- ordnung zwangsläufig bedingt gewesen sei. Trotzdem sei es wohl angezeigt, daß der Aeltestenrat nunmehr einen Strich un­ter bte Angelegenheit mache.

Unter der Voraussetzung, daß die noch schwebende Klage vor dem Staatsgerichts­hof zurückgezogen werde.

Zn der Aussprache erklärten sich die Ncllionalsvzialisten bereit, ihre Klage beim Staatsgerichtshof zurückzuziehen, wenn sie ihreMandate ausüben könnten. Ebenso verlangten sie eine grundsätzliche Klärung der Frage, ob Parteiuniformen im Sitzungssaal ninftig zugelassen seien.

Die Kommunisten sprachen sich gegen jede Konzession an die Nationalsozialisten aus. Die Sozialdemokraten erklärten sich gleichfalls bereit, einen Strich unter die Ereignisse vom 17. Ium ziehen, ver­langten aber, daß dies in der Vollver­sammlung geschehe, well die Vollversamm­lung die Halmng des Präsidenten aus­drücklich gebilligt hatte. Der Bauernbund trat dem Vorschlag des Präsidenten eben­falls bet.

Schließlich einigte sich der Aeltestenrat dahin, daß in der nächsten Vollsitzung, die am 22. November stattfindet, nach Abgabe von Erllärungen ohne weitere Debatte die Bellegung des Konfliktes erfolgt.

aus der gegenwärtigen schwierigen Situation errettet werden solle.

Aeußerlich geht nun die Entwicklung so weiter, daß das Kabinett sich am Donners­tag vormittag mit der Lage befaßt. Für Donnerstag wird auch die Antwort der Nationalsozialisten erwar­tet. Dknn wird der Kanzler noch am Donnerstag, möglicherweise aber auch erst am Freitag dem Reichspräsiden­ten über seine Besprechungen mit den Parteiführern und die Stellungnahme des Kabinetts Bericht erstatten. Es ist zweifel­los, daß der Kanzler auch dem Reichsprä­sidenten gegenüber zum Ausdruck bringen wird, was er heute den Parteiführern ge­sagt hat. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß der Reichspräsident dann auf Grund der heutigen Sondierungen des Kanzlers selbst die Parteiführer emp­fangen wird, um sie zu fragen, welchen Mann und welches Programm sie anstelle derjetzigen politischen Staatsführung" vorzuschlagen haben.

Diese Empfänge dürften Ende dieser ober Anfang nächster Woche stattfinden.

Die Bußtagsbesprechungen ha­ben die Entwicklung also weiter vorwärts getrieben.--die Entscheidung haben sie

aber noch nicht gebracht. Sie liegt viel­mehr in dem nächsten Stadium der Ent- wiÄuyg, nämlich den Empfängen beim Reichspräsidenten. Damit bleibt trotz der Absage der Kanzlerreise die bereits gestern gegebene Darstellung richtig, daß die Klärung nicht vor der nächsten Woche zu erwarten ist. Die Ent­scheidung wird auf den Antworten ba­sieren, die die Parteiführer dem Reichs­präsidenten geben werden. In welcher Richtung diese Entscheidung gehen wird, läßt sich natürlich heute auch nicht mit ab­soluter Sicherheit übersehen. Nach Auf- fassung politischer Kreise find aber die Aussichten dafür äußerst gering, daß die Parteien einen Ausweg aus den gegen» wattigen Schwierigkeiten zu weifen ver­mögen.

Heute Empfang des Reichskanzler« beim Reichspräsidenten.

fk. Berlin, 17. Nov. Wie wir er­fahren, wird der angekündigte Besuch des Reichskanzlers beim Reichs­präsidenten heute nachmittag 5 Uhr stattfinden.

Das Reichskabinett tritt um 11 Uhr zu­sammen.

Hitlers Antwort an den Reichskanzler.

fk. M ü n ch e n, 17. Nov. Zu der Ein­ladung des Reichskanzlers an Hitler zu einer Unterredung erfahren wir, daß Hitler die Einladung schriftlich beant­wortet hat, daß aber eine Veröffent­lichung des Briefes von natio­nalsozialistischer Seite vor­läufig nicht stattfindet.

Die Regierungsverhandlungen.

Wie das Nachrichtenbüro des VDZ meldet hat der Vorstand der Sozialdemo­kratischen Reichstagfraktion am Dienstag einstimmig beschlossen, der Einladung des Reichskanzlers von Papen zu einer Unter­redung in der Reichskanzlei nicht zu folgen.

Dis sozialdemokratische Reichstagsrak- ttou gibt zu diesem Beschluß eine längere