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Anzeiger für (das frühere kurheffifchej Oberheffen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.

Frankreichskonstruktiver Plan"

Ein verklausuliertes Dokument Einheitlichenationale Dienstpflichtarmee" Die ersten Urteile

Paris, 14. November

Havas vröffentlicht einen amtlichen, aber die Einzelheiten noch nicht aufklärenden Aus­zug des französischen Abrüstungsmemo, r a n d u m s, das heute abend in Genf ver­deutlicht wird- Es wird betont, daß der Plan nicht an die Stelle früherer Vorschläge anderer Delegationen, namentlich an die Stelle des Hoovervorschlages, treten wolle.

Entsprechend der Anregung Hoovers sei ein wesentliches Ziel der Abrüstungskonferenz die Verstärkung der Verteidigung durch Herab­setzung der Angriffskräste.

Verschiedene Vorschläge, namentlich der von Eir John Simon, hätten die Bedeutung dieser qualitativen Abrüstung auf das Mate­rial beschränkt, und es sei nicht gelungen, zwischen den ausgesprochen offensiven und den nicht offensiven Materialien eine llnterschei- zung zu machen. 2n der Frage der Effektiv­bestände sei man auf die gleiche Unmöglichkeit gestoßen, ein gemeinsames Matz für die ver­schiedenen milrtärischn Organisationen zu fin­den. Frankreich schlage also vor, eine Gesantt- lösung ins Auge zu fassen dadurch, daß man etappenweise die Form einer militärischen Organisation suche und verwirkliche, die unter den gegebenen politischen und technischen Um­ständen, die für jede Gegend besonderen Cha­rakter trügen, eine Angriffspolitik erschweren würde.

Rur auf diesem Wege glaube Frankreich eine gerechte Lösung für die die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung durch die allmähliche Angleichung der Militär­statuten an einen Derteidigungstyp «nd durch eine gleiche Beteiligung an den Lasten und Vorteilen dergemeinsamen Aktion", die int Völkerbundsstatut vorge­sehen sei, finden zu können, wobei jeder Gedanke en eine Aufrüstung übrigens ausgeschaltet sei.

Das französische Memorandum spreche die Hoffnung aus, daß die Mächte, die an diesen Abmachungen nicht teilnehmen werden, deren Durchführung doch ermöglichen werden, indem !ie sich bereitfinden, den Garantien aus den sie chon bindenden Pakten ihre volle Wirkung zu verleihen: Kellog.-Antikriegspakt und Wölker- bundsstatut. Ohne diese Voraussetzung würde der vorliegende Plan undurchführbar sein.

Unter Berufung auf die Erklärung Stim- sons, daß kein Unterzeichner des Kellogg- Antikriegspaktes gegenüber einem Angreifer neutral bleiben könne, habe das erste Kapitel des französischen Vorschlages im wesentlichen Zum Zweck, diesen Grundsatz durch alle Mächte bestätigen und präzisieren zu lasien.

Die Mächte «ätzten insbesondere im Falle eines Verstoßes gegen den Antikriegspakt ihre wirtschaftlichen «nd finanziellen Be­ziehungen z« dem Angreiferstaat abbreche«.

Alle vertragschließenden Teile müßten dem allgemeinen Schiedsgerichtsakt beitreten. Falls rrner der vertragschlietzenden Teile sich wei- ßetn würde, sich den Methoden der friedlichen Regelung der Streitfälle zu beugen, könnte der andere vertragschließende Teil den Völker­bundsrat damit befasien, der mit Stimmen« «ehrheit über die z« treffenden Maßnahmen D beschließen hätte. Die vertragschließenden wie würden zur Durchführung dieser Ent­scheidung Hilfe leihen.

Die Heere der vertragschließenden Teile, heißt es i« dem Plan weiter, werden all­mählich ans den einheitlichen Typ eines nationalen Heeres mit kurzfristiger Dienstzeit und beschränkte« Effektiobe- stand gebracht.

Um die Gleichheit in der Verteidigung zu ge­währleisten, wird festgestellt, daß bei oer Ab­schaffung der Effektivbestände gemäß Artikels bes Völkerbundsstatuts die besonderen Bedin- ?nngen eines jeden Staates berücksichtigt wer- b»n, so namentlich die Ungleichheit und Ver- Miedenheit der Rekrutierungsquellen. Ebenso die militärische Ausbildung berü.ksich- Ugt werden müßen, die den politischen Ver­banden erteilt werde, ferner die Bedeutung brr Polizei. Die Nationalbeere würden kein

starkes mobiles Material besitzen. Was die erste Hilfe zugunsten eines vertragschließenden Staates betrifft, so sehe man die Spezialisie­rung beschränkter Elemente vor (Truppenkon­tingente, welche eine mehr oder weniger lange Dienstzeit absolvieren und mit Materialien ausgestattet würden, die den Nationalheeren verboten seien). Diese Elemente würden

dem Völkerbund zur Verfügung gestellt und stünden bereit, beim ersten Appell in Tä­tigkeit zu treten. Weitere Bestimmungen be­träfen die unter.der Kontrolle des Völker-

ft Tokio, 15. Nov. Bei einem Taifun find an der Küste des Stillen Ozeans in einem Dorf 40 Hänser zerstört wor­den. Bis jetzt sollen 15 Tote geborgen worden sein. In eine« anderen Dorf brach .. ein Brand ans, der das ganze Dorf in Asche legte.

lleber 1000 Tote?

ff. Tokio, 15. Nov. Die Zahl der Todesopfer der Taifun-Verheerungen in Japan wird auf über 10 0 0, die der zerstörten Häuser auf 30 000 geschätzt.

Da der Reichskanzler und seine engeren Mitarbeiter nicht in Berlin anwesend find, ist es schwer, den Plan für die bevorstehen­den Parteiführerempfänge ge­nau festzustelle». In politischen Kreisen nimmt «an aber au, daß a« Dienstag vor allem die Unterredung mit den Führern des Zentrums und der Bayerischen Lolks- partei, Prälat Kaas und Dr. Schaf­fer. stattfiuden wird.

Rach Mitteilung aus sozialdemokratischen Kreisen soll am Mittwoch abend die F ü h - rungderSPD. empfangen werden. 3« übrigen überwiegt in politischen Kreisen der Hauptstadt die Anficht, daß irgend­welche weittragenden Entscheidungen in dieser Woche nicht zu erwarten find, zumal ja auch der Reichskanzler die zweite Halste der Woche in Südwestdeutschland zubringen wird.

Auch in de» oppositionellen Parteilager beurteilt »an die aufgeregten Gerüchte der letzten Tage, die von einer Auflösung des Reichstages vor seine« Zusammentritt wis­sen wollten, jetzt durchaus reserviert. Auch, die Rachrichten, die von der Abficht des Reichstagspräfidenteu sprechen, den Reichs­tag bereits in der nächsten Woche einzube­rufen, find schon in einem Abendblatt, das fich au der zuständigen Stelle erkundigt hat, dementiert. Gegen diese vorzeitige Einberufung spricht zum Beispiel die Tat-, fache, daß die Mandatsverteilung noch

bundes in jedem Staate vorzunehmende Auf­stapelung von mobilen Kriegsmaterialien ldes dem angegriffenen Staat zur Verfügung gestellt werden würde), also eines Materials, heften Aufbewahrung durch das allgemeine Abkommen erlaubt, das aber den nationalen Streitfällen mit kurzfristiger Dienstzeit ver­boten sein würde; ferner die allmähliche Ver­einheitlichung der Kriegsmaterialien, deren Herstellung kontrolliert würde und allmählich international organisiert werden würde, fer­ner die Organisierung der ständigen und

Genaue Feststellungen liegen noch nicht vor, da die meisten Verbindungen zwischen Tokio und der Küste abgeschnitten sind.

, Das östlich von Schuzuoka liegende Dors Kaschiwabara wurde durch einen Brand, der durch den Wirbelsturm ver­ursacht wurde, vollständig zerstött. Auch in N u m a z u sind 500 Häuser durch Feuer vernichtet worden. Tokio wurde durch den Sturm teilweise in Dunkel ge­hüllt. Mele Eisenbahnlinien, wie die von Tokio nach Osaka, sind unterbrochen.

garnicht amtlich festgestellt ist. Die Kandi­daten müssen sich erst einmal erflären, ob sie die Wahl annehmen, und wenn sie in mehreren Wahlkreisen gewählt find, an welcher Stelle. Der Wahlprüfnngsaus- schnß soll dem Bernehmen nach auch erst am 19. znsammentreten. Es wird also da­bei bleiben, daß der Reichstag für den 6. Dezember, den letzten zulässigen Termin, einberufen wird.

Der Standpnutt der Bayerischen Bolks- partei.

München, 14. Nov. Unter dem Vor­sitz des Parteivorfitzenden Schäffer fand heute nachmittag eine Sitzung der Landes­parteileitung dc«r Bayerischen Volkspartei statt, über deren Ergebnis eine Verlaut­barung ausgegeben wurde, die u. a. besagt: Die Bayerische Volkspartei wird alles daran setzen, um eine ruhige und gesetzliche Entwicklung in Deutschland zu fördern, ein Zusammenarbeiten zwischen Reichsregie­rung und Reichstag zu erleichtern und alle parteipolitischen Schwierigkeiten um des Vaterlandes willen zu überwinden. Die Gerüchte, wonach die Verhandlungen nur zum Schein geführt würden und die Reichs- tagsauflöjung noch vor Zusammentritt des Reichstags und ohne dessen Arbeiten ab­zuwarten, beschlossene Sache sei, wurden dabei ernsthaft geprüft. Es kam die Ueber- zeugung zum Ausdruck, daß, wenn hinter diesen Gerüchten Absichten ernst zu neh­mender politischer Persönlichkeiten stehen, die Bayerische Volkspartei einer solchen Politik mit allen Mitteln entgegenarbeiten und unentwegt die Zusammenfassung aller gutgesinnten Kräfte im-deutschen Volke an», streben muß.

regelmäßigen Konttolle der Durchführung dieser Verpflichtungen zwischen den verttag, fchlietzenden Teilen. Die Durchführung dieses Programms werde etappenweise vor fich gehen.

Bezüglich der Flottenstreitkräfte faßt der Plan für de« Fall, daß den Signatar- Mächten die Möglichkeit gegeben werde« soll, bei Erhaltung des gegenwärtigen Re- litivitätskoeffizienten die Tonnage tu möglichst weitem Ausmaß herabzusetzen, den Abschluß eines Mittelmeerpakt« unter den interessierten Staaten ins Ange, der ihnen ausreichende Garanten für ge­genseitigen Beistand geben würde.

Bezüglich der Rüstungen zur Luft schlägt die französische Delegation den Ab­schluß eines Abkommens zwischen allen über Flugzeuge verfügenden europäischen Staaten vor zwecks Schaffung derEuropäischen Luft- transport-Union". Ebenso tritt es für die Schaffung wenigstens in Europa einer internationalen Luftstreitmacht ein, deren Personal aus Freiwilligen der verschiedenen Nationalitäten nach einem noch zu bestim- mquden Kontingentierungsschlüssel rekrutiert werden würde.

Preflestimmen

Der französische Abrüstungsplan wird von einer ganzen Reihe Morgenblätter ausführlich kommentiert.

DieDosfische Zeitung" bezeich­net als das Gesamtcharakteristikum wegen der Verquickungen von Problemen, die auf ganz verschiedenen Ebenen liegen, die mangelnde Durchsichtigkeit des Wortlauts. Der Man laufe Gefahr, von weiten Teilen des deutschen Volkes abgelehnt zu werden, wenn nicht diegerechte Lösung für die deutsche Forderung nach Gleichberechti­gung" von französischer Seite nochnucks scharf unterstrichen werde. Gr sei viel zu klausUKert, als daß ein oft enttäuschtes Volk daraus sofort Hoffnungen schöpfen könnte; ser 'nicht genügend einfach mili­tärisch undurchführbar zu erscheinen. And doch müsse er die Basis einer Aussprache bilden. Es bedürfe eines klaren deutschen Gegenprogramms, das wrchl an die Grundidee der Miliz anknüpfen könne, aber im übrigen den berechtigten eigenen Sicherheitsforderungen zu entsprechen habe.

DieGermania" bemängelt eben­falls, daß der Van sich nicht durch die großzügige Klarheit wie derjenige Hoo­vers auszeichne. Er nehme auch nicht die materielle Abrüstung, sondern die Er­weiterung der vertraglichen Sicherungen zum Ausgangspunkt, und es sei eine Reu­auflage des Genfer Protokolls vom Jahre 1924. Deutschland werde nicht das einzige Land sein, das diesen französischen Plan für unausführbar erflären werde. Das Blatt hofft, daß dieser französische Plan nur eine erste unverbindliche Vorlage dar­stelle und daß die Engländer mit ihren Vorschlägen den europäischen Rotwendig­keiten besser Rechnung tragen werden.

DieDeutsche Allgemeine Zei- tung" hält es für völlig unmöglich, daß Deutschland sich mit Formulierungen zu­frieden gebe, die sein juristisches Anrecht auf Gleichberechtigung weiterbestreiten und mit dem Begriff der verbotenen Auf­rüstungsarbeiten ihm nur das Bestehen einer politischen Frage und einer Gleich­heit der Militärstatute, das heißt der Heeresform. zubilligen. Sehr bedenklich ser auch, daß nur bon einer fortschreiten­den Vereinheitlichung des Rüstungsmate- rials die Rede sei. Anter dem Gesichts- puntt der allgemeinen Abrüstungrpoiitik und im Hinblick auf die weiteren Genfer Beratungen sei ein Punkt bereits jetzt mit

Taifunkatastrophe in Japan

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