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vberhesfische Zeitung, Marvurg a. L. EmmoSba», d« 12. Stoumto 1932

Nr. 267

zriedrichshafen jubelt «ronau zu

Aus einer kleinen Stadt

in -er Arbeitslosenhilfe'

-es Kleistpreifes 1932

Der Teaser

(Richard Billinger, der Autor des erfolgreichen Schauspiels .Aauhnacht".

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Weht warten! *<>

Else Lasker-Schüler, die Dichterin beseelter Verse.

erhielten von dem Hamburger Intendanten als dem Vertrauensmann der Kleistftiftnng den diesjährigen Kleistvreis zuerkannt.

Sliit auf die riefte« Menge. .

die ftch bei der Dornier-Flughalle in Manzell am Bodensee nm Gronaus ..Dornin-WÄ"^ Hintergrund) scharte, um den kühnen Weltumflieger und seine Mannschaft in der Hermat unS- kommen au heihen.

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X Wie wir hören, hat der anherordentliche Professor Dr. Wilhelm Gomberg m Ber­lin einen Ruf als Ordinarius für Augenheü- künde cm die Universität R o st o ck als Nach­folger des Geh. Medizinalrates Prof. A. Peters zum 1. April 1933 erhalten.

X Der bekannte Hallesche Philosophie­professor, Geh. Medizinalrat Dr. m«d„ Dr. phil h. c. Theodor Ziehen begeht am 12.

I November seinen 70. Geburtstag.

Ich hob den Kopf: „Es darf kerne Miß- ernte kommen!"

Am Fenster trottelte ein Dutzend Kühe mit schaukelnden Eutern vorbei. '

„So viele Kühe noch, Herr Quam- busch?"

„Die Hälfte auf Pump, die and«n waren Kälber aus eigner Zucht. Es wird schon werden, wir halten die Augen auf, wir haben ja Fäuste!"

♦

Zwei Tage faulenzten wir auf dem Landsitz. Wenn wir um neun Uhr wre Barone zum Frühstück gingen, ritt Lothar Quambusch bereits in den Hof und hatte schon drei Stunden in den Aeckern ge­arbeitet. Seine Gamaschen starrten vor dem Dreck, die Hände waren krustig, der Gaul stampfte Lehm von den Hufen. Und wenn uns der Gutsherr dann fragte, ob wir auch gut geschlafen hätten, stieg mir die Röte ins Gesicht. Wer sagte doch, man sei nicht auf der Welt, um zu genießen, sondern um seine Schuldigkeit zu tun? Tobias und ich spürten nicht mehr, daß wir kämpften. Und deren gab es heute allzu viele, die den Kampf ums Dasein mit der Besorgnis um angewöhnte Be­quemlichkeiten verwechselten. Immer war­tete ich auf den Augenblick, um den reichen Habenichts mit meinen Plänen zu über­rumpeln. Und immer verschob ich's von einer Stunde auf die andre. Bald war es zu gemütlich, wenn wir abends eine Flasche schöpften und vom Erlebten plau­derten. Bald war es zu lebendig, wenn wir im Feld auf Ratten, Maulwürfe und Wühlmäuse jagten. Gerade diese' Arbeit wollte gründlich besorgt sein, das Unge­ziefer hatte überhandgenommen in den letzten Jahren, wir würgten es mit Woll­lust ab, weil die erste Mißernte über die Zukunft des kleinen Reiches entschied. Und einen Brief schrieb ich an Maria, freilich

mit der närrischen Absicht die Grollende ,e Zähmen. Also teilte ich thr mit, wir lebten gut, badeten jeden Morgen, schlie­fen weich und bekämen den Kakao ans Bett getragen!

Welche Aufregung, wenn Papa Selbach wieder hineinschnüffelte!

Es geschah am dritten Tag, als Lothar Quambusch mit uns in der Laube saß und heiter war. Er hatte am Vorabend eine drückende Geldschuld bezahlt, und am Morgen waren wir zu dreien in der Kirche gewesen, wo die Bänke nach Weih­rauch und die Bauern nach Sonntag und Seife geduftet hatten. Da war man froh geworden, und dieses Frohsein tat er­lösende Wirkung.

Ich sagte, wir saßen in der Laube, rauchten aus Gipspfeifen und sahen Glühwürmer schwimmen. Auf dem Di,cy flackerte eine Kerze, das Wetter war zu mild für die Jahreszeit, man konnte den verfrühten Hummeln nur wünschen, dag sie sich keinen Schnupfen holten. Und da wir vom Acker erzählten, von der frucht und vom Vieh, bekam ich schon Sorge, diese neue Welt könnte mich gefangenneh­men. Aber ich mußte jetzt endlich auf dem Wege bleiben, ich durfte meine Ziele nicht wechseln wie ein Ludrian seine Braute. Ich sollte einmal Lehrer werden, war aber Soldat, Tagelöhner, Tellerwäscher, Fähr­mann und wieder Soldat gewesen, hatte endlich im Ziegelofen zu Virnich ein not­wendiges Werk geahnt und mutzte mir jetzt die Treue halten. Da aber der heutige Abend ein Geschenk war, hielt ich meine Stunde für gekommen. Ich sammelte meine Gedanken, überlegte erregten Her­zens, wie ich wohl beginnen sollte. Ctn Glück, daß der Landherr zu den Aus­erwählten gehörte, die sich noch stolz suhl­ten wenn sie mit Kumpel und Bauer zu- sammensaßen. (Fortsetzung folgt.)

großes Interesse. Jocekpn ans dem 3o£« 1898 und der sozialkritische Roman Jnsel- pharisäer, 1904 veröffentlicht, find erst, nachdem der Dichter zu Weltruhm kam, allgemein beachtet worden.

Galsworthy hat fich auch als Drama­tiker bewährt. Sein Drama „Der Zigarrenkasten", das spätere Stück .Justiz^', und andere Werke, vor allem „Loyalities, unter verschiedenen Namen in Deutschland gespielt, haben rasch die Weltbuhne r obert.

des Oberschlesischen Provinziallandge- meinde-Verbändes werde sogar gemeldet, daß persönliche Bedrohungen, Mißhandlungen und Beschä­digung des Eigentums der Ge­meindevorsteher nicht zu den Seltenheiten gehörten. Ein anderer Gemeindevorsteher habe mitgeteilt, er überlasse die Entschei­dung über die Hilfsbedürftigkeitspru- fung dem Arbeitsamt, da er nicht An­geber sein wolle. In anderen Ge­meinden wieder seien die Bürger­meister selbst Unterstützungs­empfänger, Angesichts der Schwierig­keiten und Mißstände, die die tn den Gut­achten angeführten Beispiele aufdecken, schließt die „DAZ." ihren Aufsatz mit den Worten: „Die Bilder, die wir .Aus einer kleinen Stadt' gezeichnet haben, find lei­der sehr lebenwahr und keineswegs sel­tene Aufnahmen, wie sich aus einem um­fangreichen Gutachten in dem soeben die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung ihre neuesten praktischen Prüfungsergeb- nisie zusammengefaßt hat, nachweisen laßt. Die von uns mitgeteilten Tatsachen, bte jederzeit zu belegen sind, bringen nur eme kleine Auswahl aus der Fülle des Mate­rials, das in dem Gutachten zusammen­getragen ist. Ausführliche Kommentare erübrigen sich. Die Konsequenzen mag jedermann, auch der Gesetzgeber selbst, ziehen. Sie liegen nicht nur auf dem Fachgebiet der Sozialpolitik, sondern auch auf den Gebieten der Finanz- und kom­munalen Verwaltungsreform.

SettierolSltig« Mn «alMeM

Der mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnete John Galsworthy gehört zu den meistgelesenen englischen Schrift­stellern. Weltberühmt ist seine „Försyte Scwa". Sie bringt die Schilderung einer Familie durch Generationen hindurch und ist ein Epos des wohlhabenden englischen Bürgertums im viktorianischen Zeitalter. John Galsworthy selbst stammt aus enter solchen alten Familie — die Ealsworthys lasten sich in Devonshire bis ins 9. Jahr­hundert zurückverfolgen. Der Dichter wurde am 14. August 1867 in Coombs in der Eraflchaft Surrey geboren, studierte in Orford Jura und begab sicki dann nach Zulassung zum Rechtsanwaltberuf aus lange Weltreisen, die ihn in alle englischen Kolonien, nach dem Kontinent, Rußland and Amerika führten. Auf der Fahrt von Adelaide nach Südafrika lernte Gals- worthy den 1924 verstorbenen Schriftstel­ler Joseph Conraf kennen, der großen Einfluß auf sein Schaffen gewinnen sollte. 1896 wurde der Dichter in England seß­haft. Die in dieser Zeit veröffentlichten Arbeiten, die er mit einem Pseudonym zeichnete, fanden anfänglich nicht allzu

innerte, schimpfte sich den Mund tn Fran­sen, weil wir uns allemale nicht die #u{je abgeputzt hatten. Also mußten wir mit dem Herrn des Hauses noch einmal zur Kokosmatte zurück, auf der wir ein <5e= birge von Dreck abluden. Dann taten sich alle Pforten des Paradieses auf, Tobias und ich wurden Gäste, wir durften in einer richtigen Wanne baden, erhielten neue Wäsche und wollene Socken, während Lothar Quambusch mit dem Hofmeister nach Brühl galoppierte, um zwei Konfek­tionsanzüge zu kaufen. Eine Stunde war kaum vorbei, da erhte Tobias eine dunkel­braune und Manes Himmerod eine pfefferfarbene Kluft mit Lederknöpfen und aufgenähten Taschen. Schlipse emp­fingen wir aus Quambuschs Beständen, als Quartier bezogen wir das zweischläf­rige Zimmer der verewigten Eltern. To­bias war stumm und biß auf den Nagel. Gestern pfui, heute hur. Das ließ sich nicht fasten. Das war Verrat am Klasten- bewußtfein der Ziegelbäcker und so.

Weiter: Am Mittagstisch konnte ich zei­gen, daß ich immer noch Manieren hatte. Nur Tobias blamierte mich nach Strich und Faden; denn er schlürfte die Nudeln laut aus der Suppe, auch hatte er fich die Serviette so großspurig um die Gurgel geknotet, als säße er beim Frisör. Das tat aber nichts, das Rindfleisch schmolz wie Butter, die Karotten machten herr­liche Flecken ins Tischtuch, und Lothar Quambusch erzählte, erzählte, erzählte. Auch dieses Gut müste wieder von vorne anfangen, er besitze nur noch den Glau­ben an seine Erde, alles andre sei hin. Kriegsanleihen, Inflation, Schulden, Steuern. Reich geworden seien nur die Spekulanten, die mit den Trümmern ge­wuchert, nie aber gearbeitet hätten. Wehe, wenn die nächste Ernte eine Mißernte wer­den sollte!__

„Traurige Erfahrungen

Die „DAZ." veröffentlicht in ihrer Reichsausgabe vom Donnerstag unter der Ueberschrift „Aus einer kleinen Stadt — Traurige Erfahrungen in der Arbetts- lösenhilfe" einen Aufsatz, in dem der In­halt eines Gutachtens der Retchsanstalt für Arbeitslosenversicherung behandelt wird. Es heißt da zunächst wörtlich: „Seit einiger Zeit ist vorgeschrieben, daß bte Arbeitsämter bei ber Durchführung bet Arbeitslosenversicherung und Krisenfur- sorae die Gemeinden beteiligen. Das ge- chieht derart, daß das Arbeitsamt den Unterstützungsantrag eines Erwerbslosen dem zuständigen Eemeindevorstand zulei- tet, der sich darüber gutachtlich äußern soll, ob der Erwerbslose hilfsbedürftig ist, and welche Beträge für notwendig erach­tet werden, um die Hilfsbedürftigkeit zu beheben. Man ging bei dieser Regelung davon aus, daß die Gemeinde als Trager der Wohlfahrtspflege besonders reiche Erfahrungen in der Prüfung der Bedurs- ttqkeit besitze und durch die enge Verbm- bindung mit dem Schicksal der Erwerbs­losen am besten zu einer objektiven Prü­fung der Verhältniste geeignet sei. Das Blatt bringt dann eine Reihe aus dem Gutachten entnommene Beispiele, aus denen hervorgeht, daß die Prüfung der Bedürftigkeit durch die Gemeindevorsteher anscheinend in der Praxis auf erheb­liche Schwierigkeiten stoßt. So stellt fich heraus, daß die Gemeindevor­steher teilweise aus A n g st v o r Schwie­rigkeiten von einer Verneinung der Bedürftigkeit abseffen. In einem Bericht

i (Nachdruck verboten!»

9er 30nglina im Scueroien

Roman von Heinz Steguweit.

86. Fortsetzung.

Er hatte schon das richtige Wort ge­funden. Und streckte mir die Hand.ent­gegen. Ich nahm sie, um nicht ebenfalls zu desertieren. Tobias ließ das Butter­brot fallen vor Schreck. Lothar Quam- busch zog mich lachend fort: „Komm, bring deinen Freund mit, ich glaube, wir haben uns viel zu erzählen. Mine Mutter ist vor zwei Jahren gestorben, die alten Leute treten langsam ab, wir Jungen müsten uns anstrengen, daß wir Nichts schlechter machen. Also komm, Himmerod, warum willst du noch zögern..."

Wir sind obdachlos, Herr Quambusch. Uns ist nichts geblieben in all der Zeit. Nur dies hißchen Hoffen schleppen wir noch herum, und auch das wär jetzt bei­nah vor die Hunde gegangen!"

Quambusch blieb wieder stehen: „Du hattest auf... mich gehofft?"

Ich nickte dreist.

Dann kommt, kommt, Menschenskinder ihr kommt..." Alles andre ertrank im Strudel seiner Rührung. Diese Freude mußte ehrlich sein, sie kehrte in Tobias und mich zurück.

Kornische Begegnung: 3m Eutshof zog der Hofmeister artig die Mütze und riß dabei den Mund auf. Ich gttnste den Satan triumphierend an.

Im Wohnhaus, das überall alt und würdig war, von der geschnitzten Barock- tteppe bis zum Zinnteller auf dem Paneel, gab's helle Aufregung. Die Küchentrulle, Lothar Quambuschs rundlicher Mutter­ersatz, ein Wesen, das mich an die unselige Susanna aus dem „Goldenen Anker er-