Sonnabend. tenl2.S06.1932
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Militärische Berstärknngen für Senf.
Genf, 11. Rov. Rach der Proklamier«»« des Generalstreiks durch de« Genfer Sewerk- schastsdund hat der Senser Staatsrat beschlossen, die Walliser Regierung um die sosortige Entsendung eines Bataillons des Walliser Regiments zu ersuchen.
Die kommunistische Partei tn Se», küsst während der Rächt Nummern der Senser „Roten Fahne« oerteilen, in denen die Festnahme der Genfer Regierung verlangt wird. Es wurde sofort Befehl gegebeu, die Zeituug z» beschlagnahmeu.
Zur Unterredung Simon mit dem deutschen Botschafter.
fk London, 12. Nov. Die Unterredung, die der englische Außenminister Simon mit dem deutschen Botschafter von Hoesch am Freitag hatte, bezog sich, wie „Daily Mail" erfährt, auf den englischen Vorschlag für ein neues europäisches Friedensabkommen. Ein solches Abkommen würde wesentlich zur Beseitigung von Zweifeln beitragen, die zwischen den europäischen Nationen besonders hinHcht- lich der deutschen Ostgrenze beständen.
Wenn Simon nach Genf gehe, so schreibt die „Times", werde er nicht nur die volle Unterstützung des gesamten Kabinetts, sondern auch der großen Mehrheit der Regierungsanhänger haben.
Camagueq, 11. Rov. Rach deu letzten Mitteilungen, die Reisende mit de« Zuge aus Santa Eruz dek Sur machten, stud bisher 260 Leichen begrabe» worden. Biele Hunderte solle» »och i« de» Resten der Bäume und unter de» Trümmer» der Stadt liege». Rur wenige hundert Personen find der Katastrophe entgangen. Di« meisten Einwohner der Stadt hatten nicht Zeit gesunden, die Flucht zu ergreisen »ud gewahrten die Gesahr erst durch den Donner der Woge, die wohl 7 0 Schiss- i« Hafen zertrümmerte. Di« Bevölkerung flüchtete in Panik in leere Güterwagen aus dem Bahnhos, die von de« Wasser «mgeworse« wurden, so dah ihr« Insasse» hilslo, ertranken. Die Aerzt- arbeite» seit Mittwoch fieberhast die Rächte hindurch im Scheine von Kerzen. Andauernd tresfe« weitere Flüchtlinge «in, die furchtbare Einzelheiten von der Katastrophe berichte». Die Eayma-Jnseln find, wie ein Flugzeug berichtet, oou de» Wirbelsturm heimgesucht worden. Der britische Dampfer Balboa- (1389 Tonnen) wurde vernichtet; doch konnte die Mannschaft gerettet werden.
Dr. Eckeuer und Kapitän Lehmann in Barcelona.
Barcelona. 11. Nov. Dr. Eckener und Kapitän Lehmann wurden vom Präsidenten Macia empfangen, der sw zu den Fortschritten des Flugwesens m Deutschland beglück-
Generalstreik in Genf
Militärische Vorsichtsmaßnahmen
Der Orkan auf Cuba
Zahlreiche Opfer — Furchtbare Verwüstungen
Landtag am 24. November
Berkin, 11. Nov. Der Präsident des Preußischen Landtages, Staci, hat, wie der Preußische Pressedienst der NSDAP, mit* teilt, das Parlament nunmehr auf Donner» tag, den 24. November, einberufen. Dtze Tagesordnung wird noch festgesetzt werden.
' Der Streikbeschluß.
Genf, 11. Nov. Wider altes Erwarten hat der unter dem Vorsitz von Nationalrat Rosielet versammelte Ausschuß des Eewerk- schaftsverbandes des Kantons Genf am Freitag abend mit 87 gegen 58 Stimmen bei einigen Enthaltungen beschloßen, auf vams» tag den Genemlstreik zu erklären. Die Dauer >es Streiks ist auf 24 Stunden begrenzt worden. Es scheint, daß die Befürworter des Streits, die, wie es zuerst hieß, in der Minderheit waren, im letzten Augenblick die Mehrheit gewannen und diesen Beschluß her- beifühtten.
Einheitsfront der Länder?
Die Besprechungen des Kanzlers mit deu
Ländervertretern.
Die Berliner Morgenblätter berichten in der Mehrzahl sehr eingehend über ote gestrige Konferenz der Minister« Präsidenten der Länder nut dem Reichskanzler. Die Konseren-, der eine eingehende Beratung der Länder« Minister in der bayerischen (Gesandtschaft vorausgegangen war, diente, wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung es bezeichnet, einem nicht für die Oesfent- lichkoit besttmmten rückhaltlosen Meinungsaustausch über die allgemeine Lage, in dessen Mittelpuntt ein EntschlietzungS- ontwurf gestanden habe, den die Ministerpräsidenten als Ergebnis ihrer Würzburger Vorkonferenz für die Sitzung des DerfassungSausfchusses mitgebracht hätten. Dieses Dokument, dem sich auch andere nicht an der Würzburger Konferenz beteiligte Länder angefchlossen hatten, soll die grundsätzliche Stellungnahme der Lander zu der Reichsaktion gegen Preußen, zu der geplanten Versag sungsreform und zu den künftigen Möglichkeiten einer Reichsreform behandeln. Die Wünsche und Bedenken der Lander seien in ihm ausführlich dargelegt.
Der „Dosfischen Zeitung" zufolge sollen auch dre zum Teil in der Oeffent- lichkeit ausgetragenen Weinungsverschre- idenheften, die besonders zwischen dem Reichskanzler und dem bayerischen Ministerpräsidenten eine Rolle gespielt hatten erörtert worden sein. Die »Börsen- z e i t u n g berichtet außerdem über Münchener Informationen, wonach es der baherischen Regierung gelungen sein solle, in Würzburg eine Litt Einheitsfront Bayerns, Württembergs, Badens, Sachsens, Hellens und Thüringens gegenüber dem Kabinett Papen herzustellen, deren Wortführer Ministerpräsident Held bei der heutigen Sitzung des Verfassungsausschus- ses des Reichsrats sein solle.
Zn dieser Sitzung sollen, wie von verschiedenen Blättern angekündigt wird, auch die Fragen der Verwaltungsreform und des Finanzausgleichs fowie der Verbilligung der Reichsverwaltung Und die durch das Leipziger Urteil geschaffene Rec^s- lage erörtert werden. Besondere Beschlüsse sind bei 'der gesttigen Konferenz nicht gefaßt worden.
Die Unterredimg Pripeu-Braun.
Berlin, 11. Nov. Heute mittag hat die angekündigte Unterredung zwischen dem Reichskanzler von Papen und dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun stattgesun- dm, in der die Versuche sottgesetzt wurden, zu einer Einigung über die Auslegung des Leipziger Urteils zu kommen. Die Unterredung bauerte über eine Stunde. Ueber den Inhalt der Besprechung wird offiziell nichts bekanntgegeben. Man hört nur, daß auf Wunsch des Reichskanzlers die Aussprache in der nächsten Woche sottgesetzt werden soll. Die Paule in diesen Unterredungen ist durch die süddeutsche Reise des Reichskanzlers bedingt.
wünschte. Dr. Eckener erklärte im Gespräch mit Luftfahrtsachverständigen, er wurde es lebhaft begrüßen, wenn man m Barcelona Zeppeline bauen könnte. Barcelona war« em kräftiger Startplatz für Zeppeline nach Südamerika. Ein Zeppelin nut 50 Fahrgästen und einigen Tonnen Fracht wurde die Strecke Barcelona—Pernambuco in 80 Stunden zurücklegen. Der Luftschiffverkehr lasse sich viel regelmäßiger durchfuhren, als der gewöhnliche Schiffsverkehr. Gewiß seien ta Fabr- Seife höher, aber dafür fei auch die Ge- windigkeit viel größer. Ideal wäre es, »renn man als Start, und Landeplatz für die Wintermonate Barcelona benutzen .onnte, während Friedrichshafen für die Sommermonate in Betracht komme.
Ein Deutscher in Starts verhaftet.
Hamburg, 11. Roo., Den „Hamburger Nachrichten" wird berietet: Am 5. November d. 3s. wurde der deutsche Artist Mem- ratb Step in Paris, wo er sich m Ausübung seines Berufes aufhielt, von den fran- zösischeii Behörden fest genommen, mit der Begründung, er fei französischer Staatsangehöriger und habe daher, in Frankreich seiner Militärpflicht zu genügen. Sten soll inzwischen nach Rouen gebracht und dott in ein Infanterieregiment etn- gereiht worden sein. Wie verlautet, befand sich Sten im Besitz eines einwandfreien deutschen Reisepasses» aus dem her- vorgeht, daß er am 3. Oktober 1908 m Eßlingen am Neckar als Sohn des Alwin ölet) geboren wurde. Vater und Sohn besitzen di« wütttembergische Staatsangehörigkeit.
Paris, 11. November. Die französische Regierung läßt durch die Agentur H a v a s über Verhandlungen mit der Regierung in Washington über die am 15. Dezember fällig werdenden Zahlungen eine offizielle Note veröffentlichten, in der es heißt, es sei wahrscheinlich, daß die französische Regierung bei der amerikanischen Regierung eine Demarche unternommen habe zwecks Einleitung von Verhandlungen über dte Kriegsschulden und insbesondere zwecks Aufschiebung der Bezahlung der am 15. Dezember fälligen 20 Millionen Dollar.
Der frühere Finanzminister, Abgeordneter Fl and in, ist heute nach London gereist, wo er mit maßgebenden Persönlichkeiten der Politik und der Finanzwelt Verhandlungen führen wird. Flandm betont, daß er „in keinem offiziellen Auftrage" handelt.
Sir John Simon hielt heute Besprechungen mit den Botschaftern von Frankreich, Italien und Belgien ab, denen er Kenntnis vom Inhalt der Note über die Schuldenfrage gab, die die englische Regierung an die Vereinigten Staaten richtete.
England schlägt Washington Ausdehnung des Hoover-Moratoriums vor.
Die englische Note an Amerika in der Schuldenfrage schlägt. Presiemeldungen zufolge eine Ausdehnung des Hoover- Moratoriums vor. Der Inhalt der Note werde aber vorläufig nicht veröffentlicht, da England zunächst die Ansichten Stirn» sons über die Art und Zweckmäßigkeit einer Veröffentlichung abioarlen wolle.
Die Note sei im Hinblick darauf erfolgt, daß die demokratifche Regierung erst im nächsten Frühjahr das Amt übernehmen werde. Bei einem Siege Hoovers hätte man vielleicht sofort die Schuldenverhandlungen eröffnet. Man hofft, daß Amerika den englischen Vorschlag annehmen werde. Die Sachverständigen für dte Weltwirt- schaftskonferenz hätten ihren Regierungen vertraulich gemeldet, daß zunächst eine Einigung über die Erundzüge einer Schuloenregelung erfolgen müsse, ehe die Weltwirtschaftskonferenz erfolgreich ihre Aufgabe lösen könne. Der Plan, die Schulden durch eine große internationale Anleihe abzulösen, stamme aus Kreisen der Bank von England, sei aber noch nicht von der englischen Regierung angenommen worden. Die englische Rote wird „Financial News" zufolge mit den Hätten und Ungerechtigkeiten der jetzigen Abkommen begründet.
Die französischen Blatter zum Antrag Frankreichs auf Stundung seiner
Schuldenzahlung.
Die Pariser Morgenblätter sprechen allgemein die Hoffnung aus, daß Amerika dem französischen Antrag auf Aufschub der Zahlung der am 15. 12. fälligen Schuldenraten und eine Revision des Schuldenabkommens entsprechen wird.
Das „Echo de Paris" ist der Auffassung, Hoover werde wahrscheinlich den netzen Präsidenten Roosevelt bitten, so
schnell wie möglich die Person zu bezeichnen, der er im März den Posten seines Staatssekretärs anvertrauen werde, um ihr den Zutritt zum Ministerrat zu ermöglichen und im Falle des Einverständnisses mit ihr Beschlüsse zu fassen. Man könne sich vorstellen, daß diese Beschlüsse negativ ausfallen und die Vereinigten Staaten noch länger auf der Trennung der Schulden von den Reparationen beharren. Beide seien aber miteinander verbunden, weil Hoover am 16.6.1931 durch seinen Moratoriums-Vorschlag den Reparationen den Todesstoß versetzt imd wenige Monate später Laval die Versicherung gegeben habe, daß Amerika, wenn die Sieger ihre Schuldenforderungen verringerten, seine Forderung gleichfalls herabsetzen werde.
Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtliche« Bekanntmachung»« f»r Stadt ««d Kreis Marburg