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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Neue Vorschläge aus England

Sir John Simon ;ui Frage der deutschen Gleichberechtigung

Ein verkapptes Ostlocarno?

London, 10. Nov. Im Unterhaus sand heute die mit großer Spannung erwartete außenpolitische Debatte statt. Der Staats­sekretär des Aeußeren, Sir John Simon, ver­las zum Schluß seiner Ausführungen eine Er­klärung, in der es u. a- heißt:

Mit Bezug auf die Regelung der Schwie­rigkeiten, die sich aus der deutschen Eleich- berechtigungsforderung ergeben, regt die bri­tische Regierung an, daß Hand in Hand mit einem fairen Entgegenkommen in Deutsch­lands Anspruch auf den Grundsatz der Gleich­berechtigung die europäischen Staaten sich in einer feierlichen Zusicherung vereinen sollten, daß sie unter leinen Umständen versuchen werden, irgendwelche gegenwärtigen oder künftigen Schwierigkeiten unter sich durch Rückgriff auf Gewalt zu lösen. Die Anerken­nung de? moralischen Rechtes Deutschlands auf Gleichheit der Behandlung mit anderen Rationen brächte für Deutschland u. a. die Annahme dieser entsprechenden Verpflichtung mit sich.

Ausgehend von der Annahme, daß eine solche Versicherung gegeben wird, wünsche ich ganz deutlich die Ansicht zu erklären, die die Regierung bezüglich des Weges gefaxt hat, auf dem der denlsche Anspruch auf Gleich­berechtigung erhoben werden soll. Drei große Punkte müssen erwogen werden. Erstens die Fraae, ob die Beschränkung der deutschen Rüstungen in dem gleichen Dokument ausae- drückt werden sollte,'wie die Beschränkung der Rüstungen anderer Rationen. Ich glaube, daß die Beschränkung der deutschen Rüstungen in derselben Abrüstungskonvention enthalten sein sollte.

Das bedeutet, daß die Artikel in Teil V des Versailler Vertrages, die gegenwärtig Deutschlands Waffen und Streitmächte be­schränken, außer Kraft gesetzt werden.

Der zweite Punkt betrifft die Dauer der Konvention. Wir sind der Ansicht, datz bte neu ausgedrückten Beschränkungen für Deutsch­land die gleiche Zeit dauern sollen und den gleichen Methoden der Revision unterliegen sollen, wie diejenigen anderer Länder. Es würde keine praktische Politik sein, und cs würde das gegenteilige Ergebnis hervorbrin- gen, als was manche Leute sich vorstellen, wenn irgend jemand versuchen sollte, eine dauernde Vorschrift für eine große Ration zu machen, während sie für sich selbst und ihr Volk nur eine beschränkte Periode der Wirk­samkeit forderten.

Der dritte Punkt betrifft das Problem der Gleichberechtigung in der Frage der Kriegs­materialien. Deutschland hat erklärt, es habe keine Absicht, aufzurüsten, sondern wünsche lediglich, daß grundsätzlich die Art der Rüstungen, die anderen Ländern gestattet ist, nicht ihm selbst verboten sei. Wenn Gleich­berechtigung eingeräumt werden soll, dann muß dieses Prinzip anerkannt werden. Eng­land ist bereit, seine Bereitwilligkeit zu er­klären, in Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern der Abrüstungskonferenz darauf zu sehen daß dieser Grundsatz in die neue Konvention einbezogen wird. Durch welche Mittel und in welchen Etappen dieser Grund­satz angewandt werben kann, muß Gegenstand von Aussprachen in Genf sein. Es ist absolut notwendig, daß Deutschland an diesen Dis­kussionen teilnimmt.

In der Zwischenzeit wolle er für die Regie­rung folgende zwei Punkte klarmachcn: L Das Ziel der Abrüstungskonferenz sei, ein Maximum positiver Abrüstung zu erreichen, auf das man sich allgemein, einigen könne und nicht im Namen der Gleichberechtigung Zu­nahmen in der bewaffneten Stärke zu autori­sieren. Zweitens könne die volle Verwirk­lichung des Grundsatzes der Gleichheit prak- tischcrweife nicht auf einmal erreicht werden.

Ein praktisches Programm der Etap^n sei notwendig. Natürlich würden gleiche Grund­sätze auf die Fälle von Oesterreich, Ungarn und Bulgarien angewandt werden.

Zum Schluß erklätte Simon, das britische Ziel sei. Deutschland zur Abrüstungskonferenz zitriiifiubrittaen.

Französische Abrüstungsplan wird am 15. November veröffentlicht.

ff. Paris, 11. Nov.Petit Pa­ri s i e n" kündigt an, daß der französische Abriistungsplan wahrscheinlich am Diens- , tag in Eens eingebracht und veröffentlicht I wird. Nach den Berichten des Blattes |

Bern, 10. Nov. Der Bundesrat hat beschlossen, das Dragonerregiment 2 alarmbereit zu stellen. Die Re­gierung des Kantons Vern hat Alarmbe­reitschaft der Eebirgsinfanterie-Brigade 9 und der Kavallerie-Brigade L ungeordnet'.

Die Arbeiterorganisationen von Lau­sanne haben im Laufe des heutigen Tages an die Arbeiter einen Ausruf erlasien, in welchem sie diese zum Generalstreik aufsordern zum Protest gegen die Vor­fälle in Genf und Lausanne. Dem Auf­ruf wurde nnr teilweise Folge geleistet. Nur die Bauarbeiter folgten dem Streik in größerem Ausmaße.

In Genf erfolgte heute nachmittag die erste Vernehmung des verhafteten Sozia­listenführers Nicole. Er bestritt aus­drücklich, sich irgendeines Vergehens gegen die innere Sicherheit des Staats schuldig gemacht zu haben.

Die Zahl der Toten hat sich inzwi- von 1 0 aus 12 erhöht. Ferner schwe­ben sechs Schwerverletzte in unmittelbarer Lebensgefahr.

In den großen Schweizer Städten Bern, Bafel, Zurich und Lausanne herrscht unter der Bevölkerung größte Beunruhigung. Die Behörden wollen jedoch zunächst ab­warten, welche Haltung die Sozialisten und die Arbeiterschaft einnimmt.

Planmäßig vorberellet?

Genf, 10. Nov. Nach den bisherigen polizeilichen Ermittlungen haben die kommunistischen und sozialistischen Führer in Vorbereitung der Vorgänge in der Nacht zum Donnerstag folgende Wei­sungen erteilt:

1. Besetzung sämtlicher Cas^s in der Um­gebung des Saales, in dem die Versamm­lung der Union Nattonale stattfand.

2. Entsendung eines Sturmtrupsps in die Versammlung und Besetzung des Podiums.

z. Unterbrechung der Versammlung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln.

4. Widerstand selbst mit Gewalt gegen jeden Versuch der Polizei, die Ordnung im Saale wi^erherzustellen oder außer­halb des Saales die Kundgebungen der Masten zu verhindern.

5. Besetzung der Straßen und allgemei­nes Vorgehen gegen die Truppen.

Die polizeilichen Ermittlungen haben ferner ergeben, daß die Unruhen von dem

hat der Text die Form eines zehnseitigen Memorandums erhalten. Bei der redak­tionellen Abfastung sei allen Einwendun­gen Rechnung getragen worden, die im Obersten Rat für nationale Verteidigung gemacht wurden. Das Dokument werde gleichzeitig in Paris und Genf veröffent­licht werden.

kommunistischen Führer Tronchet ge­leitet wurden. Der Führer der Sozialisten, Nicole erklärte in seiner Ansprache an die Masten, die Revolution sei in Genf notwendig geworden, die Masten müßten die Straßen besetzt halten und aktiven W^erftand gegen jetzes Vorgehen dtt Truppen leisten. Die Revolution in Genf dürfe sich nicht auf die Schweiz beschrän­ken. sondern sie müsse eine Weltrevolution werden. Rach dem sozialistischen Führer sprach der Führer der Kommunisten, Le­bet.Heute gibt es keine Trennung mehr zwischen Sozialisten und Kommunisten. Wir müsten uns jetzt vereinigen, um die Revolution zu machen. Die Sowjets feiern heute den 15. Jahrestag ihrer Re­volution. Wir halten ganz zu ihnen. Es leben die Sowjets!"

Die bisherigen Mitteilungen ergeben ferner, daß die von der Polizei zur Unter­stützung herbeigeholten Truppen, die auf Lastwagen eintrafen, sofort von der Menge angegriffen wurden. Die Truppen waren daher gezwungen, sofort die Maschinen­gewehre tn Stellung zu bringen und das Feuer zu eröffnen.

Die zahlreichen Toten und Verletzten wurden in die umliegenden Caf6s und Speisehäuser gebracht und teilweise auf die Villards und Tische gebettet. Die Genfer Behörden organisierten sofort einen umfangreichen Sanitätsdienst. Die Toten und Verletzten wurden sodann tn das Kantonal-Krankenhaus gebracht. Die Kundgebungen der Masten dauerten jedoch noch bis in die frühen Morgenstunden an. Gruppen von Sozialisten und Kommu­nisten durchzogen bis in die späte Nacht und die frühen Morgenstunden unter Ge­sang der Internationale die Straßen. Die Polizei hatte unterdesten die gesamte Feuerwehr mobilisiert, die bei ihrem Er­scheinen überall von den Masten mit wüstem Geschrei begrüßt wurde, ohne daß jedoch die Versuche der Menge, die Feuer­wehrwagen zu besetzen, gelangen.

Eine amtliche Darstellung

Bern, 10. Nov. Nach Erkundigungen an zuständige r Stelle ist nach den bisher eingetrvffcnen Berichten über die blutigen Zwischenfälle folgendes festge- stellt worden:

Die für alle Fälle von Lausanne nach Genf beordette Rekrutenschule befand sich in ihren Kasernen. Die Genfer Polizei versah den Ordnungsdienst in der Nähe des Saales von Plain Palais. Als sich herausstellte, daß die Polizei gegen die Menge machtlos war, gab der Genfer Staatsrat dem Kommandanten der Re- krutenschule den Befehl, mit der Truppe zur Entlastung der machtlos ge­wordenen Polizei ernzuschreiten. Der Kommandant ließ die 1. Kompagnie aus­

rücken. Die Truppen hatten jedoch die größte Mühe, sich ihren Weg durch die Straßen zu bahnen. Soldaten und Offi­ziere wurden von der Menge beschimpft und angegriffen, einzelne mit Gummi­knüppeln mißhandelt, andere durch Messer­stiche verletzt. Den Soldaten wurden Ge­wehre und Stahlhelme entrissen und zum Teil auf dem Pflaster zertrümmert. Auch ein leichtes Maschinengewehr wurde den Slodaten entrissen und demoliert.

Die Kompagnie wurde schließlich von der Menge gegen das Ausftellungsgebäude zurückgedrängt. Angesichts der drohenden Haltung lieh der kommandierende Nkajor ankündigen, daß er schießen lasse, wenn sich die Demonsttanten nicht zurückziehen wür­den. Als auch dies fruchtlos blieb, ließ er laden. Die Menge ging jedoch nicht zurück, sondern bedrohte die Truppe mehr und mehr so daß der Kommandant schließ­lich Befehl gab, auf die Füße der Demon­sttanten eine Salve abzugeben. Die Menge rückte nach den ersten Schüssen noch weiter vor, zog sich dann aber fluchtartig Zurück, als einige Passanten getroffen wurden. Nach diesem Vorfall wurden die Soldaten nicht mehr angegriffen. Es wurden etwa 100 Schüsse aus Gewehren und Karabinern abgegeben und etwa 300 Schüsse aus einem leichten Maschinengewehr. Mehrere Soldaten wurden verletzt. Sie begaben sich zum Teil in ärztliche Behandlung. Aus den bisherigen Ermittlungen geht klar hervor, daß die Soldaten ihre Verlet­zungen erhielten, bevor überhaupt Be­fehl zum Schießen gegeben worden war. 'Als die 3. Kompagnie der 1. zu Hilfe eilte, wurden von den umliegenden Dächern ettoa ein halbes Dutzend Schüsse auf sie abgegeben. Die zuständigen Instanzen haben eine genaue Untersuchung der Vor­fälle eingeleitet.

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Orkan auf Kuba

fk. Newyork, 11. Nov. Bei dem Orkan auf Kuba dürsten, nach den hier eingetroffeuen Meldungen, mehr als 1000 Menschen das Leben eingebüßt haben. Besonders stark ist die Provinz Puerto Principe heimgesucht worden, wo namentlich die Städte Santa Cruz, del Suo und Camaquey verwüstet wurden. Da die Santa Cruz schützenden Dämme brachen, ergosten sich die Fluten in die Stadt. Glücklicherweise gelang es den meisten Einwohnern, sich in Sicherheit zu bringen. Im Hafen find viele Schisse ge­sunken. Größer als in Santa Cruz ist die Zahl der loten in Camaguey. Der Sach­schaden ist in beiden Städten bedeutend. Viele Häuser bilden nur noch einen Trümmerhaufen. Die Verbindungen find unterbrochen.

Bon Schlammkohlenmasten verschüttet. Stet Tote, zwei Verletzte.

Wanne-Eickel, 10. Nov. Auf der Zeche Unser ftrife hatten sich tn den frühen Mor- gen ttn^n des Donnerstag mehrer- Personen mit Handkarren zur Schlammkohlenhalde be­geben, um dort Schlammkohle ;u suchen. Dlöklick, brachen von der unterwuhlten yalde ton oben ^Ltzete. Mengen Schlammkohle berab. die fünf Personen begruben. Zechen- arbeitet und Feuerwehr konnten sämtliche Personen befreien. Bei einem Mann war der Tod schon eingeireten, seine Frau und ein weiterer Mann erlagen im Krankenhaus ihren Verletzungen. Ferner wurde eine Frau mit schweren Verletzungen dem Krankenhaus zngefüart, eine Person konnte mit leichterer Verletzungen ihre Wohnung aufsuchen.

Schweizer Truppen alarmiert

12 Todesopfer der Unruhen