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®fe »Oberbrffisch« Zeitung' et- scheint sechsmal wesentlich. Te- MgSprel« monatl. f. Marburg 2.02 GM. aueschl. ZusteVungrgebübr, bei unsren Agenturen 1.93 TM. zuzügb Zustellnngggebichr. durch bfe Post 2.25 GM FLr etwa durch Streik. Maschinendefektoder elementare Ereignisse au«iavend« Nummern wird kein Srsad cf leistet. Verlag, Dr. 5. Hitzeroth, Druck der Unib-B«chdruckerei Job. Ang- Koch, Markt 21/23. «Fernsprecher: Nr. 2054«. Nr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprech?«« der Redaktion von 1011 «ud

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Anzeiger fnr (bas frühere kurhessische) Oberhesse«

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.

Blutiger Aufstand in Genf

Militär schießt mit Maschinengewehren 10 Tote, 65 Verwundete

Senf, 9. Rov. Die Union Ratio, «eie, eine bürgerliche Partei, die sich erst vor kurzem in Senf gebildet, veranstaltete am Mittwoch abend in dem Srmeindesaal von Plainpalais eine Versammlung, um öffentliche Beschwerde zu führen gegen die Rationalräte Nicol nnd Dicker. Unter­dessen sprachen aus der Straße die National- räte Nicol und Trorchet zu einer große» Menge.

Gegen 9 Uhr wurden von der Menge die Absperrungen durchbrochen, so daß die Polizei einschreiten mutzte. Die Demonstra­tion artete zu einem reinen Auf stand aus. Al» die Kompagnie der Jnsanterie-Nekruten- Schule auf Ersuchen der Polizei eintras, wur­den die Soldaten angegriffen. Zahl­reiche Rekruten wurden in die Menge hinein­gerissen und geschlagen, die Gewehre wurden ihnen entrissen und auf dem Boden zerschla­gen. Die Soldaten zogen sich nach de« Boulevard de Pont d'Arve zurück und schos­sen mit Maschinengewehren, als sie sich umzingelt sahen. Die Erregung steigerte sich immer noch und Lastwagen mit Maschi­nengewehrabteilungen wurden herangeführt, Die Sanitäter bringen die Verletzten ins Krankenhaus.

Die schweren Zusammenstötze in Genf.

Zu den Zwischenfällen am Mittwoch abend werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Um 23 Uhr drängte sich die Menge noch immer in allen Straßen der Umgebung des Ge­meindesaales. Gendarmerie nnd Mi­litär halten die Menge in Schach. Ferner stehen an verschiedenen Strahenecken Last­wagen mit Maschinengewehren, jederzeit znm Eingreifen bereit. Bis kurz nach Mitternacht wurden 30 Verletzte in die Krankenhäuser eingeliefert, unter ihnen zahlreiche Schwerverletzte. Weiter wurden 15 verletzte Soldaten nach der Kaserne ab­transportiert.

10 Todesopfer.

Die blutigen Zusammenstötze am Mittwoch abend haben insgesamt 10 Tote und 40 Verletzte gefordert. 2m Laufe der Nacht trat der Genfer Staatsrat zu einer autzer- ordentlichen Sitzung zusammen.

Um 1 Uhr früh wurden die Eendarmerie- und Militärabteilungen non der Stratze zu­rückgezogen.

Der Aufruhr in Genf.

fk. Genf, 10. Nov. In der sonst so fried­lichen Völkerbundsstadt haben sich in dieser Nacht schwere blutige Zwischenfälle ereignet, die nach den letzten Angaben 10 Tote und 65 Verwundete, darunter zahlreiche Schwerverletzte, gefordert haben. Nach den bisherigen Feststellungen haben sich die Er­eignisse folgendermaßen abgespielt:

Die Unton Nationale, die hiesige demo­kratisch-konservative Gruppe, hielt eine der üblichen öffentlichen Versamm­lungen in einem Gebäude ab. Bereits wäh­rend der Versammlung sammelten sich außer­halb des Saales zahlreiche sozialistisch- kommunistische Gruppen. Die Polizei hatte die üblichen Vorsichtsmaßnahmen ge­troffen und die Umgebung des Versamm­lungsgebäudes abgesperrt. Als die Kund­gebungen der Massen jedoch einen immer be­drohlicheren Charakter annahmen, sah sich die Polizei gezwungen, Militär hinzu- z u z i e h e n.

Die Soldaten wurden mit wüstem Ge­schrei und Beschimpfungen begrüßt. Man entriß ihnen die Waffen und streute ihnen Pfeffer ins Gesicht.

Zahlreiche Soldaten erlitten Verletzungen. Ein Offizier brach, von einem Knüppel ge­troffen, bewußtlos zusammen. Von allen Seiten ertönten Rufe roteBanditen, Mör­der!". Viele Frauen nahmen an den Kundgebungen teil.

Die Polizei sah sich hierauf gezwungen, um die Entsendung zweier weiterer Infanterie- Kompanien zu ersuchen. Da die anwesenden Truppen der Lage nicht Herr wurden, muß­

ten schließlich Maschinengewehre in Stellung gebracht werden. Als das Feuer er­öffnet wurde, entstand eine unbeschreibliche Panik.

10 Tote und eine große Anzahl von Ver­wundeten blieben auf dem Platz. Die Kundgebungen wurden jedoch fortgesetzt.

Die Menge stimmte die Internationale an. Der Führer der Sozialisten, Nicole, der den Kommunisten nahe steht, wurde von der Menge auf die Schultern genommen und hielt eine Ansprache, in der er zur Revolution gegen die Genfer Regierung aufforderte. Die Menge setzte die Angriffe auch fort, als mili-

Vorzeitiger Rücktritt Hoovers?

Aus dem Leben Roosevelts

fk. Newyork, 10. Nov. Präsident Hoover hat für nächste Woche eine Zu­sammenkunft der Führer der republikani­schen Partei nach Washington einberufen, um, wie verlautet, mit ihnen die Mög­lichkeit eines Rücktritts vor Ab­lauf des Amtstermins am 3. März 1933 zu besprechen. In diesem Falle würden ebenfalls Staatssekretär Stimson und Vizepräsident Curtis zurücktreten, während Roosevelt schon vor dem Termin verfasiungsgemäß Staats­oberhaupt würde.

Franklin D. Roosevelt.

Der aus den amerikanischen Präsidenten- schastswahlen als Sieger hervorgegangene Franklin Delano Roosevelt ist am 30. Januar 1882 in Hyde Park im Staate New- york geboren. Er ist ein Neffe des ehe­maligen Präsidenten Theodore Roose­velt. Nachdem er auf der Haroad-Universi- tät studiert hatte, besuchte er drei Jahre lang.die Columbia Sara School und wurde 1907 Rechtsanwalt in Newyork. Schon

früh wandte er sich der Politik zu: im Jahre 1910 wurde er in den Newyorker Distriktsenat gewählt. 1913 trat er aus diesem aus, als er Assistent Secretary im Marineamt wurde. In dieser Stellung blieb er während des Krieges und gehörte zu Ende des Krieges von Juli bis September 1918 der Jnspettion der USA.-Streitkräste in den europäischen Gewässern an. Vom Januar bis Februar 1919 leitete-er die amerikanische Demobili­sierung. Im Jahre 1920 wurde er von den Demokraten als Vizepräsident der Ver­einigten Staaten nominiert. Seit 1928 ist er E ouverneur des Staates New­york.

Vor 20 Jahren wurde Roosevelt von einer Krankheit befallen, die Lähmungen an bei­den Füßen im Gefolge hatte. Seme Fuße sind noch heute geschient, so daß er sich mir mit Mühe fortbewegen kann. Troß dieser körperlichen Behinderung ist er aber auf dem Gebiete des Spotts außerordentlich akttv. Er ist noch heute ein beachtlicher Schwimmer und bttreibt mit Hingebung den Segelsport. Daß er die außerordentlichen Strapazen des Wahlkampfes trotz seiner ungünstigen Gesund­heitsverhältnisse so glatt durchgehalten hat, kamt als Beweis für außerordentliche Energie gelten.

tärifche Verstärkungen ein trafen. Den Trup­pen blieb nichts anderes übrig, als das Feuer zu erwidern.

Nach den bisherigen Feststellungen soll der erste Schuß aus dem Fenster einer Wohnung abgegeben worden sein, die von einem be­kannten Genfer Anarchisten bewohnt wird.

Bei den 10 Toten und 65 Verletzten han­delt es sich hauptsächlich um Arbeiter. Ferner find ein Offizier und mehrere Soldaten schwer verletzt worden.

Die Genfer Regierung trat noch in den späten Nachtstunden zu einer außerordent­lichen Sitzung zusammen und beschloß, die gesamte Garnison zu mobilisie­ren, um weiteren Unruhen vorzubeugen.

Auch m Lausanne ist es zu soziallstisch- kommunisfischen Unruhen gekommen. Eine große Anzahl Kommunisten ist verhaftet wor­den. Die Genfer Behörden glauben, daß die Angriffe der Sozialisten und Kommunisten auf die Truppen bereits vor längerer Zeit vorbereitet worden sind, da zahlreiche Kom­munisten im Besitz von Waffen waren.

Zuchthausstrafen für Demonstranten.

Berlin, 9. Nov. Das Berliner Sonder­gericht verurteilte am Mittwoch den der NS 1 DAP angehörigen Packer Willi Hoffmann,

der während des Streiks bei der Berliner Derkehrs-AG. am 4. November am Straßen- bahnhof Treptow aus einer Menschenmenge heraus gegen eine Straßenbahn einen Stein geworfen hatte, wegen ein­fachen Landfriedensbruchs auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten gegen den politischen Terror zu zwei Jahren Zuchthaus.

Weiter hatten sich drei der kommunisttschen Pattei nahestehende streikende Arbeiter der Berliner Verkehrs AG. unter der Anklage der Transsportgefährdung und des Landfrie­densbruches zu verantworten. Sie hatten während des Berliner Verkehrsstreiks nach einem vorüberfahrenden Straßenbahnzug Steine geworfen. Das Sondergericht ver­urteilte sie zu je YA Jahren Zuchthaus.

Strafantrag hn Bremer Sp«mgstoffpkozeß.

Bremen, 9. Nov. 3n dem Prozeß gegen die neun kommunistischen Urheber des Sprengstoffanschlages vom 10. Juli in Grambke, dem der Polizeioberwacht­meister Talle zum Opfer fiel, beantragte der Staatsanwalt gegen den Hauptangeklag­ten Foerster zwölf Jahre Zuchthaus gegen die sieben weiteren Angeklagten Zucht­hausstrafen von sechsbis zehn Jahren, und für einen Angeklagten Freispruck

Jellinek zur

Verfassungsreform

Der bekamtte Staatsrechtlehrer Professor Dr. Walter Jellinek veröffentlicht in der ZeitschriftReich und Länder" einen ArtikelVerfasfungsreform im Rah­men des möglichen", in dem er sich vor allem mit der Frage beschäftigt, aus der Volksgesetzgebung, dem Volksent- scheid, ein brauchbares Instrument für Verfassungsreform zu machen. Professor Jellinek vertritt die Ansicht, der Reichs- Präsident könnte auf Grund des Artikels 48 das Volksentscheidsgesetz dahin er* gänzen, daß bei Verfassungsänderungen auf Volksbegehren immer oder dann, wenn Regierung und Reichsrat den Gesetzent- tourf befürworten, Fernbleiben von der Abfttmmung als Zustimmung zum Entwurf gilt. Zwei Punkte habe die Volksgese^ebung heute noch: Die Nöti­gung zur vorgänglichen Befassung des Reichstages mit dem Volksbegehren, nach J^ichsverfassung Attikel 73, Absatz 3, und die Unterwerfung des Volksentscheids un­ter die Entscheidung des überwiegend mit ReichStagSabgeordneten besetzten Wahl- prüfuwgSgerichts. Aber auch hier erweise sich der Reichspräsident als der Stärkere. Beseittgen könne er den Volksentschei­dungszwang natürlich nicht, da dieser ver- fassungskräftig festliegt. Wohl aber könne er in Ergänzung des Volksentscheidungs­gesetzes bestimmen, daß eine ungebührliche Verzögerung des Reichstagsbeschlusses um mehr als z. B. drei Monate nach Unter­breitung des volksbegehrten Entwurfs an den Reichstag als Ablehnung des Ent­wurfs durch den Reichstag gelte. Der Reichspräsident könnte auch durch Dittatur- verordnung den Staatsgerichtshof mit der Prüfung des Volksentscheides betrauen, eine Maßnahme, durch die sicher jeder Verdacht einer polittschen Einwirkung au die Entscheidung genommen würde.

Nimmt man an, so sagt Prof. Jellinek weiter, daß der Reichspräsident das Reichswahlgesetz durch Diktaturver­ordnung ändern kann, und diese An­nahme ist mangels innerer Gegengründe berechtigt, so kann er alles anordnen, was den Wcchlgrundsätzen der Verfassung nicht widerspricht. Statt des automattschen Listenverfahrens kann er die propor­tionale Einerwahl einführen, also etwa das englische Wahlverfahren, bei dem in jedem Wahlkreis ein einziger Ab­geordneter nach der relattven Mehrheit gewähll wird, oder das Wahlverfahren des Kaiserreichs, bei dem die absolute Mehrheit, nöttgenfalls Sttchwahl, entschied, dem DerhältniSwahlverfahren aber da­durch angepaßt, daß den durch Zahlen­ungunst zu kurz gekommenen Parteien im Wahlkreis oder auf einer Reichsliste Er­gänz unassitze zugewiesen werden, ferner ließe sich der Gedanke einer Mobilisierung der Nichtwähler auch hier dadurch verwirk­lichen, daß der Reichsregierung anheim- qegeben wird, im Einvernehmen mit ge­wissen Organisationen eine «möglichst dem Patteigetriebe enttückte Liste von führen­den Männern, etwa der Wl-senA-aftz ^r Kunst, des Beamtentums unO ver Wirt- lcbatt aufzustellen, auf die die stimmen Ederer° fallen, die von der Wahl fern­bleiben Die dauernde enge Verbindung Preußens mit dem Reich schreit zwar nach einem verfassungsändernden Gesetz, es laßt -ich auch hier manches im Rahmen der Reichsverfassung gestalten. Man andere, sei es unter dem Druck des Reiches auf landesgcsetzlichem Wege, sei es auf dem