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Samvl -em Bolichewismus im Kultur« und Geistesleben unseres Lölkes!
Heber dieses Thema sprach vorgestern abend in einer Versammlung des DHV. der Gaubildungsobmann Arndt-Frankfurt a. M.
Der Redner ging aus von du Situation unserer Zeit, die beherrscht werd«: im öffentlichen Leben von der politi'chen Diskussion, im privaten Leben von der Sorge um das Dasein. Den kulturellen Fragen unseres Volkes gegenüber zeigen weite ^schichten unseres Volkes eine große Gleichgültigkeit, die aus der liberalistischen Weltanschauung geboren sei, daß der Mensch nur stch selbst verantwortlich sei. Der Kulturbolschewismus, in feinem Wesen immer international und alle Bindungen leugnend und kulturellen Werte zersetzend habe einen erschreckenden Umfang in Deut chland angenommen. Es seien bezeichnenderweise immer volksfremde Elemente am Werk, wo derartige zerstörende Erscheinungen festzustellen waren. Eine große Zahl von Beispielen aus dem Gebiet der Erziehung, des Theater-, Filmwesens und der Literatur zeigte in erschreckender Weise die Wahrheit dieser Behauptung. Sollten Sitte, Ehrlichkeit, Takt, Treue in Zukunft zum Schaden unseres Volkes nicht weiter untergraben werden, io mülle eine völlig neue Lebensauffassung platz- greifen. Der Einzelne müsse stch wieder in der großen Volksgemeinschaft stehend fühlen für die sein« Arbeit ein verpflichtender Dienst sei. Aus dieser Auffastung erwachse auch die Verpflichtung aus die Pflege deutscher Kultur und deutschen Geisteslebens. Werde es erreicht, daß der Einzelne die Ganzheit seines Lebens in diesen großen Dienst für die Nation stellt, so würde der deutsche Mensch die K-raft haben, sein Leben so zu gestalten, daß er es vor sich selbst und vor seinem Volk und Vaterland verantworten könne.
* Preußisch-Süddeutsche Klas- i/nlotierie. Am 18. und 19. November findet die Ziehung der 2. Klasse statt, wobei neben vielen anderen größeren Treffern wieder 2 Hauptgewinne von je 100 000 RM. zur Ausspielung kommen. Die Erneuerung der Lose hat planmäßig spätestens bis zum 11. November 18 Uhr bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie-Einnahme ju geschehen. Die Beachtung dieser Frist wird zur Vermeidung von Nachteilen dringend empfohlen. Für neue Spieler sind Kauflose in allen Abschnitten zu amtlichen Preisen bei der Staatlichen Lotterie-Einnahme, Neustadt 10, zu haben.
" Marburger Hausfrauenver- , < i n e. V. Morgen, Donnerstag nachmittag 3Vs Uhr findet im Kurhotel Ortenberg ein Hausfrauennachmittag des Marburger Haus- frauenvereins e. V. (Reichsverband) statt. Besonders interessant gestalten wird sich der Nachmittag durch den Vortrag eines Mitglieds über Sowjetrußland, das sie in momtte- langer Reise aus eigener Anschauung kennen gelernt hat. Die Rednerin wird in objektiver Darstellung die Verhältnisse im heutigen Rußland schildern.
* »Die Krise der bürgerlichen tinb proletarischen Welt". Wie schon angekünbigt findet am Donnerstag, dem 1 0. November, 20.15 Ahr im Hörsaal 29 des LandgrafenhauseS der Worttag des Herrn Dr. jur. Roman Doos, der Leiter der »Sozialwissenschaftlichen Vereinigung am GoetheanUm" statt. Der Abend wird von der »Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, Zweig Marburg, veranstaltet.
* Marburger Hochschulwoche. 3n Fortsetzung der Dorttagsfolge der Marburger Hochschulwoche spricht heute, Mittwoch 9. November, 20 V2 Uhr im Großen Hörsaal des Landgrafenhauses, Stadtschulrat Marlin,
Mobkmk SeseftschasMiM
durch Elli und Lola Kost.
Wer am Montag abend das Capitol besuchte, genoß die Vergünstigung, daß ihm neben dem Filmprogramm mit etwas Besonderem und Vollendetem aufgewartet wurde:
Das Publikum hatte Gelegenheit, die In Marburg ja schon rühmlich bekannten Tanzlehrerinnen Elli und Lolo Koll bet der Vorführung der in diesem Winter maßgebenden Gesellschaftstänze zu bewundern. Man sah, — auf der zu dieser De» stimmung gut geeigneten Bühne mit erstaunlicher Leichtigkeit, Sicherheit und Eleganz getanzt, — Slow-Fox, Tango, Tap- Trot, English Waltz und Foxttvt, als Zugabe noch einen reizenden Wiener Walzer.
Mit virtuoser Beherrschung des Technischen, der Kenntnis einer großen Zahl von Touren, deren Schwierigkeit dem zuschauenden Laien oft vielleicht nicht ausgefallen sein mag, verbanden die beiden Damen ein zu eindringlicher Gestaltung gebrachtes Gefühl für den verschiedenartigen Gehall der einzelnen Tänze. — Ohne damit ein abschätzendes Artest über die anderen Tänze abzugeben, kann man wohl sagen, daß der »langsame Walzer", — eine gefällige und zutreffende Aeber- setzung für English Waltz — am meisten ansprach, wohl weil er unserer Art am meisten entspricht, wie dann überhaupt — das brachte Frl. Elli Koll in einleitenden Dorten zum Ausdruck — das Bestreben der deutschen Tanzlehrer anerkennenswerter Weise dahingeht, die einzelnen Tänze taib Tanzformen ihres internationalen Ge
DberteHröe 3eRtmg. SDtottotS a. L- Mittwoch, dm 9. November 1932
MdL. aus Saarbrücken über „Der Kamps um die Saar". Der Vortrag wird von der Vorführung von Lichtbildern begleitet. .— Am Donnerstag, 10. Nov., 20V- Uhr spricht im Hörsaal 6 des Landgrafenhauses, Dr. B l u n ck - Hamburg über „Volkstum und Dichtung". — Vorverkauf und nähere Auskunft in der Geschäftsstelle der Allgemeinen Marburger Studentenschaft. Nenthof 28.
Die Meliorationsunternehmungen im Regierungsbezirk Kastel.
Durch den freiwilligen Arbeitsdienst sind im Regierungsbezirk Kastel bislang durchgeführt worden Meliorationen im Ge
samtumfang von rund 18,2 Hektar. Dabei waren als Arbeitssreiwillige tätig 174 Personen, unter ihnen 167 Jugendliche. In der Ausführung begriffen sind Unternehmungen im Umfange von 272,5 Hektar. Dabei find beschäftigt 424 Arbeitsfreiwillige, darunter 394 Jugendliche. Alsdann sind noch Unternehmungen geplant im Umfange von 209 Hektar, bei denen 347 Arbeitsfreiwillige Beschäftigung finden werden, darunter 345 Jugendliche. Jns- aeiamt erstrecken sich also diese Arbeiten i iiber 499,7 Hektar, bei denen 945 Arbeitsfreiwillige beschäftigt werden, darunter 806 Jugendliche. Träger des Dienstes and
Wirtschaft unö Han-et
Berliner Börsenbericht vom 8. November.
Unter dem Eindruck der nach der Wahl eingetretenen politischen Beruhigung und der weiter einlaufenden günsstgen Nachrichten aus der Industrie blieb die Stimmung auch an der heutigen Börse durchaus freundlich. Die Tatsache, daß die letzte Neuyorker Börse vor der Präsidentenwahl gestern fest verlaufen ist und daß an der Wahl Roosevelts kaum noch za zweifeln ist, wurde günstig ausgenommen, da man in diesem Zusammenhang mit verstärkten Anstrengungen zur Behebung der internationalen Wirtschaftskrise rechnet. Am Berliner Geldmarkt war Tagesgeld weiter leichter, der Satz stellte sich an der unteren Grenze auf 4>4, z.T. auf 41/g Prozent, Monatsgelb blieb unverändert 5—7 Prozent. Wenn sich auch die Machfrage nach Privatdiskonten erhielt, so konnte man doch heute auch etwas Angebot feststellen. Zn Reichswechseln per 5. Februar und Reichsschatzanweisungen per 18. Aprst war das Geschäft heute sehr ruhig.
Berliner Devisenbericht vom 8. November.
Helsingfors 6,054—6,066, Wien 51,95 bis 52 05, Prag 12,465—12,485, Budapest —, Sofia 3,057—3,063, Holland 169,33 bis 169,67, Oslo 70,78—70,92, Kopenhagen 72 43—72 57, Stockholm 73,53—73,67, London 13,91—13,95, Buenos Aires 0,918 bis 0,922, Meuhork 4,209—4,217, Belgien 58,52 dis 58,64, Italien 21,56—21,60, Paris 16,52—16,56, Schweiz 81,07—81,23, Spanien 34,45—34,51, Danzig 81,97—82,13, Japan 0,869—0,871.
Warenrniirtke
®«treibe in 1000 Ältogt., Mehl und Sutter, mittel te 100 Kilogramm.
Berliner Eetreidemarkt vom 8. November.
Weizen 198—200, Roggen 156—158, Braugerste 170—180, Futter- und Industriegerste 162—169, Hafer 132—136, Weizenmehl 24,00—27,25, Roggenmehl (70 °/°) 20,50—22,60, Weizenkleie 9,00—9,40, Rog- genlleie 8,25—8,60.
Das Hauptkennzeichen des Produktenmarktes ist gegenwärttg wieder das sehr ruhige Geschäft. Der Mehlabsatz geht nicht über die Deckung des laufenden Bedarfes hinaus und entsprechend disponieren die Mühlen bei ihren Rohstvff- käufen nur vorsichtig. Auch die Exporteure sind Nur zögernd zu Msuanschaf-
fungen bereit. Da andererseits das Inlandsangebot mäßig bleibt, vermochten sich die Preise am Promptmartt gut zu behaupten. Für Weizen und Roggen wurden ettM 1 RM. höhere Preise als gestern bewilligt. Im Lieferungsgeschäst kam es unter weiteren Interventionen zu Preis- besserungen bis zu 2,50 RM. für Weizen und 1 RM. für Roggen. Weizen- und Roggenmehl liegen bei unveränderten Mühlenofferten ruhig. Hafer ist, gemessen an der Nachfrage, ausreichend offeriert und die Preise waren kaum verändett; am Haferlieferungsmarkt kam eß zunächst nicht zu Amsätzen. Gerste hat weiter schleppendes Geschäft, Forderungen und Gebote sind schoer in Einklang zu bringen.
Rindernutzviebmarkt in Gießen vom 8. November.
Der gestrige Rindernutzviehmarkt war mit 813 Stück Großvieh, 254 Fressern und 214 Kälbern beschickt. Nach schleppendem Handelsgeschäft verblieb Aeberstand. Man bezahlte für Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qual. 350—380 RM., 2. Qual. 200—260 RM., 3. Qual. 100—140 RM., Schlachtkühe besserer Qualität 140—220 RM., geringerer Qualität 30—80 RM.. 1/4* bis »/«jährige Rinder 50—120 RM., »/«• bis 2jährige Rinder 70—160 RM., tragende Rinder 150—300 RM., Kälber 25—33 Pfg. pro Pfund Lebendgewicht. Für bessere Tiere wurden höhere Preise bewilligt.
Der Saatenstand in Preußen Anfang November 1932.
Das Preußische Statistische Landesamt gibt folgendes bekannt: Das warme trok- kene Wetter in der ersten Ottoberhälfte begünstigte in allen Gebieten des Freistaates die Hauptbestellungsarbeit. Die reichlichen Niederschläge gegen Ende des Berichtsmonats haben dann aber, besonders im Westen, eine erhebliche Verzögerung dieser Arbeiten verursacht. Aufgrund der Meldungen von 3905 amtlichen Vertrauensmännern ergibt stch folgender Saatenstand: Anfang November 1932: Winterweizen 2,6, Winterroggen 2,6, Wintergerste 2,5, Gemenge aus Wintergetreide 2,6, Winterraps und Rübsen 2,6, junger Klee 2,6. Anfang November 1931: Winterweizen 2,7, Winterroggen 2,7, Wintergerste 2,6, Gemenge aus Wintergetreide 2,9, Winterraps und Rübsen 2,7, junger Klee 2,5 (2 gleich gut, 3 gleich mittel, 4 gleich gering).
Stift
der Arbeit sind in weitestem Maße die Ee» meinden und Eemeindeverbände, doch gelegentlich auch die Jugendorganisationen selbst.
Tagesanzeiger.
Mittwoch, den 9.Nov evrble^r, VerMügmigsanreiger.
Krah'fche Bierstube, Marktgasse: 17 taib 20 Ahr: Künsllerkonzeri der Kapelle Willh Otto.
Cafe Markees, Reitgasie: Ab 16 u. 20 Mr: Konzett Hansi Nurtsch mit seinem Orchester: ferner 16 Ahr: Tanz-Tee.
Cafe Vetter, Reitgasse: Ab 20 Ahr: Bobby Müller und seine Solisten.
Stadtkeller: 20 Ahr: Künstlerkonzert.
Restaurant Daub, Frankfurter Str.: 20 Ahr: Konzert mit Tanzeinlagen.
Capitol, Biegenstraße: 17 unb 20.15 Ahr: »Marschall Vorwärts".
Kamera, Kasernensttahe: 17 u. 20.15 Ahr: »Mata Hari".
Btrsammlungeu, Vorträge, sportliche Veranstaltungev usw.
Reichsvereinigung deutscher Hausfrauen. Ottsgruppe Marburg: Ab 10 Ahr vonn. im Hause Freidhof, Kasernenstt.: Ausstellung »Was schenke ich M Weihnachten". __
Bolkshochschule: 15.30 Ahr nn WnfeUm der Aniversität: Museumsletter Dr. Kippenberger: Erste Führung durch die Dantzer-Ausstellung. — DesHl. 20.45
Singstunde. (Eintritt frei.)
Slädt. Luisa-Dad: 3. Werbewoche: 20 Ahr: Werbeschwimmen der Marburger Durn- gemeinde mit Sonderveranstaltungen peS Marburger Kanu-Clubs.
Donnerstag, 10. November. Reichsvereinigung deutscher Hausfrauen, Ortsgruppe Marburg: Ab 10 Ahr vorn», im Hause Freidhof, Kasernenstt.: Ausstellung »Was schenke ich zu Weihnachten".
Wochenmarkt.
Butter Pfd. 1.10-1.20
Eier Stck. 12—14
Gr. Handkäee15—20
Handkäschen „ 5
Käsematte Pfd. 25
Kochkäse „ 50
Kartoffeln Ztr. 2—2.50
„ Pfd. 3-4^
Wirsing 10
Weißkohl » 6—8
Karotten „ 10
Rotkohl „ 8—10
Mohrrüben j, > 10
Zwiebeln „ 12
Grüne Bohnen — Gelbe Bohnen —
Rosenkohl Pfd. 30
Spinat 10—20
Grünkohl 15—20
Pilze „ 20—35
Tomaten „ 35—50
Birnen » 10-30
Z wetschen „ 15—20 Weintrauben „ 25—40
Pflaumen „ —
Brombeeren „ 20—25
Schwarzw. , 25-30
Preißelbeeren „ —
Rote Rüben » 10
Radieschen BdL 10
Sellerie 10—15
Endivien Stck. 8—15 Blumenkohl , 10—60 Grüner Salat „ 5—10 Oberkohlrabi „ 5—8
Salatgurken » 5—30
Meerettich 40—70 Rettich Stck. 10—15 Knoblauch » 5—10
Lauch „ 10
Aepfel Pfd. 10—30
Gänse Pfd. 70 Hähnchen „ 90—100
Hühner „ 60-70
Enten ,. 90—100
Tauben Stck. 40—50 Reh Pfd. 50-80
Hasen 40-50
Rhabarber „ —
Heidelb. „ —
Stachelbeer. — Feldsalat 15—20
Kürbis 5—8
Rebhühner 80—100
Mittwoch, den 9. November.
Reformierte Gemeinde. 20.30 IBje: Abendandacht, Pfr. Dr. Ritter.
wandes zu entlleiden und ihnen einen dem deutschen Publikum liegenden nationalen Charakter zu geben. — Der gestrige Abend bewies, daß man auf diese Weise bei uns in Deutschland zu einer Tanzkullur kommen kann, die — ganz auf der Höhe der Zett Und mit dem mrchernsten Rüstzeug ausgestattet — den Anforderungen deutscher Auffassung und deutschen Geschmacks weitgehend entspricht.
Wtt der Vermittlung dieser Erkenntnis haben sich die beiden Damen neben der Gewährung des äschettschen Genusses, den sie den Zuschauern mit dem Anblick ihres Tanzes boten ein Verdienst erworben, das den überaus lebhaften und herzllchen Beifall rechtfertigte. — Dr.. . .
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Schill«: ,4ßilWm Teil".
Zu Ehren von Karl Ebhardt, der am 1. Oktober sein 25jähriges Bühnenjubiläum begehen konnte und im Hinblick auf Schillers Geburtstag am 10. November ging am Freiing abend „Wilhelm Teil" in ganz neuem Gewände über die Bühne des Staatstheaters. Intendant Edgar Klitsch hatte der Neuein- stubierung seine auf dem Gebiet des klastischen Schauspiels besonders erprobten und bewährten Kräfte zur Verfügung gestellt und im Verein mit Heinz Helmdachs monumental wirkenden Bühnenbildern der Szene eine Gestaltung gegeben, die beherrscht war von dem herben Charakter der Schweizer Berge und von den in ihnen lebenden einfachen und unproblematischen Menschen. Eine starke Regietat — auch wenn man über Einzelheiten streiten tarnt
Karl Ebhardt gab den Tell mit der ganzen Männlichkeit seines Wesens, mit jener feinsinnigen und überzeugenden Darftel- lungskunst. die ihm die Erfolge seiner 15- jährigen Tätigkeit an der Kasseler Bühn« eingetragen haben. Das ausverkauste Haus überschüttete den ausgezeichneten Künstler unb gütigen Menschen mit stürmischen Dankesbe- zeugungen. Neben ihm war der Affinghausen von Ernst Wendt unbedingt die stärkste Leistung des Abends. Selten hört man wohl Schillersche Verse in ähnlicher Reinhett. Das gleiche kann man von dem Stauffacher Karl Randts sagen, der eine erdgewachsene Figur auf die Bühne stellte. Friedrich Domin bemühte sich als Geßler um eine psychologische Charakterisierung, blieb aber in den Anfängen stecken und gelangte so zu einer Darstellung, die auch im gesprochenen Wort einen höchst zwiespältigen Eindruck hinterließ. Peter Lührs temperamentvoller Melchtal litt unter einer bedenklichen Ueberstürzung in der Diktion. Sehr gut hingegen Johannes Schrader als Walter Fürst, zu konventionell der Rudenz von Kurt Söhning, durchaus ange- mesten die Herren Sauer. Uhlig, Verend, Hanschmann, Hintz Fabririus und Reichert.
In den Frauenrollen behauptete sich Trude Tandar als Hedwig am besten. Matt blieb Hilde Miller als Berta von Bruneck, zu blutleer Käthe Eordon in der nicht unbedeutenden Rolle der Armaardt. Dörte Parell. die im Lustspiel Ausgezeichnetes leistet, bringt für die Gertrud nicht die notwendige Gestal- tungskraft auf. Ein Sonderlob dem kleinen Kbhardt. der feinem Vater als Walter Tell getreuliche Gefolgschaft leistete.
Karl Ebhardt wurde nach Schluß der Vorstellung von dem Intendanten durch eine An- svrache geehrt, in der die Verdienste des Künstlers um die Gestaltung klastischer Figuren auf der Kasseler Bühne besonders hervorge- hoben wurden. Der Beifall des Publikums
nahm zum Schluß beängstigende Ausmaße an.
Sunil und Wissenschaft
= Ein Lebenszeichen »an der Deutsch« Polarstation 1932 33. Das Archiv für Polarforschung in Kiek erhält folgende Nachricht: Nach guter lleberfahrt find wir m Ivigtut (Grönland) angekommen. Das rte= hge Gepäck muß jetzt mtt Motorboot nach Arsuk weitergeschafft werden. Teilnehmer frei bester Gesundheit.
= Richthofons „Hardenberg" « Hannover «aufaeführt. Hartmann von Richthofen stellt m seinem neuen Werk den preußischen Staatskanzler Hardenberg in den Mittel- puntt einer dramatischen Handlung, die die Ereignisse vor und nach dem russischen Feldzug Napoleons umfaßt. Von Richthofen wählte als Leitmotiv der Handlung die Eegensätzlichkett der Ansichten über die Wege, die zum gemeinsamen Endziel, der fBefrerung Preußens von der napoleonichen Serrtoatt führen. Ein überragender Staatsmann steh, allein gegen Militärpartei unb Maste, letz tere verkörpert in der geistigen Sangt: oer Studenten und Hochschullehrer Der Dichter vermied sehr geschickt em llbgleiten m Ba nalitäten und verwandte auf den Ausbau dcr einzelnen Szenen eme c-orgfalt. die bei Werke über manche Schwachen, z. B. die sehr oberflächliche Behandlung der Rolle Scharnhorsts, hmweghifft. Die, beste C-m- rakferzeichnung ist der König Fnedrich Wilhelm III vielleicht eine der besten m der gesamten modernen Dramenliteratur. — Die Aufführung erzielte in Gegenwart des Dichters einen starken Erfolg, an dem die Darsteller Hugo Rudolph als Hardenberg. Otto Graf als König .sowie der Reglsseur MachM starken Anteil hatten-