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Nr. 264______________________________

Samvl -em Bolichewismus im Kultur« und Geistesleben unseres Lölkes!

Heber dieses Thema sprach vorgestern abend in einer Versammlung des DHV. der Gau­bildungsobmann Arndt-Frankfurt a. M.

Der Redner ging aus von du Situation unserer Zeit, die beherrscht werd«: im öffent­lichen Leben von der politi'chen Diskussion, im privaten Leben von der Sorge um das Dasein. Den kulturellen Fragen unseres Volkes gegenüber zeigen weite ^schichten un­seres Volkes eine große Gleichgültigkeit, die aus der liberalistischen Weltanschauung ge­boren sei, daß der Mensch nur stch selbst ver­antwortlich sei. Der Kulturbolschewismus, in feinem Wesen immer international und alle Bindungen leugnend und kulturellen Werte zersetzend habe einen erschreckenden Umfang in Deut chland angenommen. Es seien be­zeichnenderweise immer volksfremde Elemente am Werk, wo derartige zerstörende Erschei­nungen festzustellen waren. Eine große Zahl von Beispielen aus dem Gebiet der Erziehung, des Theater-, Filmwesens und der Literatur zeigte in erschreckender Weise die Wahrheit dieser Behauptung. Sollten Sitte, Ehrlichkeit, Takt, Treue in Zukunft zum Schaden unseres Volkes nicht weiter untergraben werden, io mülle eine völlig neue Lebensauffassung platz- greifen. Der Einzelne müsse stch wieder in der großen Volksgemeinschaft stehend fühlen für die sein« Arbeit ein verpflichtender Dienst sei. Aus dieser Auffastung erwachse auch die Ver­pflichtung aus die Pflege deutscher Kultur und deutschen Geisteslebens. Werde es er­reicht, daß der Einzelne die Ganzheit seines Lebens in diesen großen Dienst für die Nation stellt, so würde der deutsche Mensch die K-raft haben, sein Leben so zu gestalten, daß er es vor sich selbst und vor seinem Volk und Vater­land verantworten könne.

* Preußisch-Süddeutsche Klas- i/nlotierie. Am 18. und 19. November findet die Ziehung der 2. Klasse statt, wo­bei neben vielen anderen größeren Treffern wieder 2 Hauptgewinne von je 100 000 RM. zur Ausspielung kommen. Die Erneuerung der Lose hat planmäßig spätestens bis zum 11. November 18 Uhr bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie-Ein­nahme ju geschehen. Die Beachtung dieser Frist wird zur Vermeidung von Nachteilen dringend empfohlen. Für neue Spieler sind Kauflose in allen Abschnitten zu amtlichen Preisen bei der Staatlichen Lotterie-Ein­nahme, Neustadt 10, zu haben.

" Marburger Hausfrauenver- , < i n e. V. Morgen, Donnerstag nachmittag 3Vs Uhr findet im Kurhotel Ortenberg ein Hausfrauennachmittag des Marburger Haus- frauenvereins e. V. (Reichsverband) statt. Be­sonders interessant gestalten wird sich der Nachmittag durch den Vortrag eines Mitglie­ds über Sowjetrußland, das sie in momtte- langer Reise aus eigener Anschauung kennen gelernt hat. Die Rednerin wird in objek­tiver Darstellung die Verhältnisse im heu­tigen Rußland schildern.

* »Die Krise der bürgerlichen tinb proletarischen Welt". Wie schon angekünbigt findet am Donners­tag, dem 1 0. November, 20.15 Ahr im Hörsaal 29 des LandgrafenhauseS der Worttag des Herrn Dr. jur. Roman Doos, der Leiter der »Sozialwissen­schaftlichen Vereinigung am GoetheanUm" statt. Der Abend wird von der »Allge­meinen Anthroposophischen Gesellschaft, Zweig Marburg, veranstaltet.

* Marburger Hochschulwoche. 3n Fortsetzung der Dorttagsfolge der Marburger Hochschulwoche spricht heute, Mittwoch 9. November, 20 V2 Uhr im Großen Hörsaal des Landgrafenhauses, Stadtschulrat Marlin,

Mobkmk SeseftschasMiM

durch Elli und Lola Kost.

Wer am Montag abend das Capitol be­suchte, genoß die Vergünstigung, daß ihm neben dem Filmprogramm mit etwas Be­sonderem und Vollendetem aufgewartet wurde:

Das Publikum hatte Gelegenheit, die In Marburg ja schon rühmlich bekannten Tanzlehrerinnen Elli und Lolo Koll bet der Vorführung der in diesem Winter maßgebenden Gesellschaftstänze zu bewun­dern. Man sah, — auf der zu dieser De» stimmung gut geeigneten Bühne mit er­staunlicher Leichtigkeit, Sicherheit und Ele­ganz getanzt, — Slow-Fox, Tango, Tap- Trot, English Waltz und Foxttvt, als Zu­gabe noch einen reizenden Wiener Walzer.

Mit virtuoser Beherrschung des Tech­nischen, der Kenntnis einer großen Zahl von Touren, deren Schwierigkeit dem zu­schauenden Laien oft vielleicht nicht aus­gefallen sein mag, verbanden die beiden Damen ein zu eindringlicher Gestaltung gebrachtes Gefühl für den verschieden­artigen Gehall der einzelnen Tänze. — Ohne damit ein abschätzendes Artest über die anderen Tänze abzugeben, kann man wohl sagen, daß der »langsame Walzer", — eine gefällige und zutreffende Aeber- setzung für English Waltz — am meisten ansprach, wohl weil er unserer Art am meisten entspricht, wie dann überhaupt — das brachte Frl. Elli Koll in einleitenden Dorten zum Ausdruck — das Bestreben der deutschen Tanzlehrer anerkennenswer­ter Weise dahingeht, die einzelnen Tänze taib Tanzformen ihres internationalen Ge­

DberteHröe 3eRtmg. SDtottotS a. L- Mittwoch, dm 9. November 1932

MdL. aus Saarbrücken über „Der Kamps um die Saar". Der Vortrag wird von der Vorführung von Lichtbildern begleitet. .— Am Donnerstag, 10. Nov., 20V- Uhr spricht im Hörsaal 6 des Landgrafenhauses, Dr. B l u n ck - Hamburg über „Volkstum und Dichtung". — Vorverkauf und nähere Aus­kunft in der Geschäftsstelle der Allgemeinen Marburger Studentenschaft. Nenthof 28.

Die Meliorationsunternehmungen im Regierungsbezirk Kastel.

Durch den freiwilligen Arbeitsdienst sind im Regierungsbezirk Kastel bislang durch­geführt worden Meliorationen im Ge­

samtumfang von rund 18,2 Hektar. Dabei waren als Arbeitssreiwillige tätig 174 Personen, unter ihnen 167 Jugendliche. In der Ausführung begriffen sind Unter­nehmungen im Umfange von 272,5 Hektar. Dabei find beschäftigt 424 Arbeitsfrei­willige, darunter 394 Jugendliche. Als­dann sind noch Unternehmungen geplant im Umfange von 209 Hektar, bei denen 347 Arbeitsfreiwillige Beschäftigung finden werden, darunter 345 Jugendliche. Jns- aeiamt erstrecken sich also diese Arbeiten i iiber 499,7 Hektar, bei denen 945 Arbeits­freiwillige beschäftigt werden, darunter 806 Jugendliche. Träger des Dienstes and

Wirtschaft unö Han-et

Berliner Börsenbericht vom 8. November.

Unter dem Eindruck der nach der Wahl eingetretenen politischen Beruhigung und der weiter einlaufenden günsstgen Nach­richten aus der Industrie blieb die Stim­mung auch an der heutigen Börse durch­aus freundlich. Die Tatsache, daß die letzte Neuyorker Börse vor der Präsiden­tenwahl gestern fest verlaufen ist und daß an der Wahl Roosevelts kaum noch za zweifeln ist, wurde günstig ausgenommen, da man in diesem Zusammenhang mit verstärkten Anstrengungen zur Behebung der internationalen Wirtschaftskrise rech­net. Am Berliner Geldmarkt war Ta­gesgeld weiter leichter, der Satz stellte sich an der unteren Grenze auf 4>4, z.T. auf 41/g Prozent, Monatsgelb blieb unverän­dert 5—7 Prozent. Wenn sich auch die Machfrage nach Privatdiskonten erhielt, so konnte man doch heute auch etwas An­gebot feststellen. Zn Reichswechseln per 5. Februar und Reichsschatzanweisungen per 18. Aprst war das Geschäft heute sehr ruhig.

Berliner Devisenbericht vom 8. November.

Helsingfors 6,054—6,066, Wien 51,95 bis 52 05, Prag 12,465—12,485, Budapest —, Sofia 3,057—3,063, Holland 169,33 bis 169,67, Oslo 70,78—70,92, Kopenhagen 72 43—72 57, Stockholm 73,53—73,67, Lon­don 13,91—13,95, Buenos Aires 0,918 bis 0,922, Meuhork 4,209—4,217, Belgien 58,52 dis 58,64, Italien 21,56—21,60, Paris 16,52—16,56, Schweiz 81,07—81,23, Spa­nien 34,45—34,51, Danzig 81,97—82,13, Japan 0,869—0,871.

Warenrniirtke

®«treibe in 1000 Ältogt., Mehl und Sutter, mittel te 100 Kilogramm.

Berliner Eetreidemarkt vom 8. November.

Weizen 198—200, Roggen 156—158, Braugerste 170—180, Futter- und Indu­striegerste 162—169, Hafer 132—136, Wei­zenmehl 24,00—27,25, Roggenmehl (70 °/°) 20,50—22,60, Weizenkleie 9,00—9,40, Rog- genlleie 8,25—8,60.

Das Hauptkennzeichen des Produkten­marktes ist gegenwärttg wieder das sehr ruhige Geschäft. Der Mehlabsatz geht nicht über die Deckung des laufenden Be­darfes hinaus und entsprechend dispo­nieren die Mühlen bei ihren Rohstvff- käufen nur vorsichtig. Auch die Expor­teure sind Nur zögernd zu Msuanschaf-

fungen bereit. Da andererseits das In­landsangebot mäßig bleibt, vermochten sich die Preise am Promptmartt gut zu be­haupten. Für Weizen und Roggen wur­den ettM 1 RM. höhere Preise als gestern bewilligt. Im Lieferungsgeschäst kam es unter weiteren Interventionen zu Preis- besserungen bis zu 2,50 RM. für Weizen und 1 RM. für Roggen. Weizen- und Roggenmehl liegen bei unveränderten Mühlenofferten ruhig. Hafer ist, gemessen an der Nachfrage, ausreichend offeriert und die Preise waren kaum verändett; am Haferlieferungsmarkt kam eß zunächst nicht zu Amsätzen. Gerste hat weiter schleppen­des Geschäft, Forderungen und Gebote sind schoer in Einklang zu bringen.

Rindernutzviebmarkt in Gießen vom 8. November.

Der gestrige Rindernutzviehmarkt war mit 813 Stück Großvieh, 254 Fressern und 214 Kälbern beschickt. Nach schleppendem Handelsgeschäft verblieb Aeberstand. Man bezahlte für Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qual. 350—380 RM., 2. Qual. 200—260 RM., 3. Qual. 100—140 RM., Schlachtkühe besserer Qualität 140—220 RM., geringerer Qualität 30—80 RM.. 1/4* bis »/«jährige Rinder 50—120 RM., »/«• bis 2jährige Rinder 70—160 RM., tragende Rinder 150—300 RM., Kälber 25—33 Pfg. pro Pfund Lebendgewicht. Für bessere Tiere wurden höhere Preise bewilligt.

Der Saatenstand in Preußen Anfang November 1932.

Das Preußische Statistische Landesamt gibt folgendes bekannt: Das warme trok- kene Wetter in der ersten Ottoberhälfte begünstigte in allen Gebieten des Freistaa­tes die Hauptbestellungsarbeit. Die reich­lichen Niederschläge gegen Ende des Be­richtsmonats haben dann aber, besonders im Westen, eine erhebliche Verzögerung dieser Arbeiten verursacht. Aufgrund der Meldungen von 3905 amtlichen Ver­trauensmännern ergibt stch folgender Saatenstand: Anfang November 1932: Winterweizen 2,6, Winterroggen 2,6, Wintergerste 2,5, Gemenge aus Winter­getreide 2,6, Winterraps und Rübsen 2,6, junger Klee 2,6. Anfang November 1931: Winterweizen 2,7, Winterroggen 2,7, Win­tergerste 2,6, Gemenge aus Wintergetreide 2,9, Winterraps und Rübsen 2,7, junger Klee 2,5 (2 gleich gut, 3 gleich mittel, 4 gleich gering).

Stift

der Arbeit sind in weitestem Maße die Ee» meinden und Eemeindeverbände, doch ge­legentlich auch die Jugendorganisationen selbst.

Tagesanzeiger.

Mittwoch, den 9.Nov evrble^r, VerMügmigsanreiger.

Krah'fche Bierstube, Marktgasse: 17 taib 20 Ahr: Künsllerkonzeri der Kapelle Willh Otto.

Cafe Markees, Reitgasie: Ab 16 u. 20 Mr: Konzett Hansi Nurtsch mit seinem Orchester: ferner 16 Ahr: Tanz-Tee.

Cafe Vetter, Reitgasse: Ab 20 Ahr: Bobby Müller und seine Solisten.

Stadtkeller: 20 Ahr: Künstlerkonzert.

Restaurant Daub, Frankfurter Str.: 20 Ahr: Konzert mit Tanzeinlagen.

Capitol, Biegenstraße: 17 unb 20.15 Ahr: »Marschall Vorwärts".

Kamera, Kasernensttahe: 17 u. 20.15 Ahr: »Mata Hari".

Btrsammlungeu, Vorträge, sportliche Veranstaltungev usw.

Reichsvereinigung deutscher Hausfrauen. Ottsgruppe Marburg: Ab 10 Ahr vonn. im Hause Freidhof, Kasernenstt.: Aus­stellung »Was schenke ich M Weih­nachten". __

Bolkshochschule: 15.30 Ahr nn WnfeUm der Aniversität: Museumsletter Dr. Kip­penberger: Erste Führung durch die Dantzer-Ausstellung. — DesHl. 20.45

Singstunde. (Eintritt frei.)

Slädt. Luisa-Dad: 3. Werbewoche: 20 Ahr: Werbeschwimmen der Marburger Durn- gemeinde mit Sonderveranstaltungen peS Marburger Kanu-Clubs.

Donnerstag, 10. November. Reichsvereinigung deutscher Hausfrauen, Ortsgruppe Marburg: Ab 10 Ahr vorn», im Hause Freidhof, Kasernenstt.: Aus­stellung »Was schenke ich zu Weih­nachten".

Wochenmarkt.

Butter Pfd. 1.10-1.20

Eier Stck. 12—14

Gr. Handkäee15—20

Handkäschen „ 5

Käsematte Pfd. 25

Kochkäse „ 50

Kartoffeln Ztr. 2—2.50

„ Pfd. 3-4^

Wirsing 10

Weißkohl » 6—8

Karotten „ 10

Rotkohl „ 8—10

Mohrrüben j, > 10

Zwiebeln „ 12

Grüne Bohnen — Gelbe Bohnen —

Rosenkohl Pfd. 30

Spinat 10—20

Grünkohl 15—20

Pilze „ 20—35

Tomaten „ 35—50

Birnen » 10-30

Z wetschen „ 15—20 Weintrauben „ 25—40

Pflaumen „ —

Brombeeren „ 20—25

Schwarzw. , 25-30

Preißelbeeren „ —

Rote Rüben » 10

Radieschen BdL 10

Sellerie 10—15

Endivien Stck. 8—15 Blumenkohl , 10—60 Grüner Salat „ 5—10 Oberkohlrabi „ 5—8

Salatgurken » 5—30

Meerettich 40—70 Rettich Stck. 10—15 Knoblauch » 5—10

Lauch „ 10

Aepfel Pfd. 10—30

Gänse Pfd. 70 Hähnchen „ 90—100

Hühner „ 60-70

Enten ,. 90—100

Tauben Stck. 40—50 Reh Pfd. 50-80

Hasen 40-50

Rhabarber „ —

Heidelb. „ —

Stachelbeer. — Feldsalat 15—20

Kürbis 5—8

Rebhühner 80—100

Mittwoch, den 9. November.

Reformierte Gemeinde. 20.30 IBje: Abendandacht, Pfr. Dr. Ritter.

wandes zu entlleiden und ihnen einen dem deutschen Publikum liegenden nationalen Charakter zu geben. — Der gestrige Abend bewies, daß man auf diese Weise bei uns in Deutschland zu einer Tanzkullur kommen kann, die — ganz auf der Höhe der Zett Und mit dem mrchernsten Rüstzeug ausgestattet — den Anforderungen deut­scher Auffassung und deutschen Geschmacks weitgehend entspricht.

Wtt der Vermittlung dieser Erkennt­nis haben sich die beiden Damen neben der Gewährung des äschettschen Genusses, den sie den Zuschauern mit dem Anblick ihres Tanzes boten ein Verdienst erworben, das den überaus lebhaften und herzllchen Bei­fall rechtfertigte. — Dr.. . .

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MM 6toutitf«ater

Schill«: ,4ßilWm Teil".

Zu Ehren von Karl Ebhardt, der am 1. Oktober sein 25jähriges Bühnenjubiläum begehen konnte und im Hinblick auf Schillers Geburtstag am 10. November ging am Frei­ing abend „Wilhelm Teil" in ganz neuem Gewände über die Bühne des Staatstheaters. Intendant Edgar Klitsch hatte der Neuein- stubierung seine auf dem Gebiet des klasti­schen Schauspiels besonders erprobten und be­währten Kräfte zur Verfügung gestellt und im Verein mit Heinz Helmdachs monumental wirkenden Bühnenbildern der Szene eine Ge­staltung gegeben, die beherrscht war von dem herben Charakter der Schweizer Berge und von den in ihnen lebenden einfachen und un­problematischen Menschen. Eine starke Regie­tat — auch wenn man über Einzelheiten strei­ten tarnt

Karl Ebhardt gab den Tell mit der ganzen Männlichkeit seines Wesens, mit je­ner feinsinnigen und überzeugenden Darftel- lungskunst. die ihm die Erfolge seiner 15- jährigen Tätigkeit an der Kasseler Bühn« eingetragen haben. Das ausverkauste Haus überschüttete den ausgezeichneten Künstler unb gütigen Menschen mit stürmischen Dankesbe- zeugungen. Neben ihm war der Affinghausen von Ernst Wendt unbedingt die stärkste Leistung des Abends. Selten hört man wohl Schillersche Verse in ähnlicher Reinhett. Das gleiche kann man von dem Stauffacher Karl Randts sagen, der eine erdgewachsene Figur auf die Bühne stellte. Friedrich Domin be­mühte sich als Geßler um eine psychologische Charakterisierung, blieb aber in den An­fängen stecken und gelangte so zu einer Dar­stellung, die auch im gesprochenen Wort einen höchst zwiespältigen Eindruck hinterließ. Peter Lührs temperamentvoller Melchtal litt unter einer bedenklichen Ueberstürzung in der Dik­tion. Sehr gut hingegen Johannes Schra­der als Walter Fürst, zu konventionell der Rudenz von Kurt Söhning, durchaus ange- mesten die Herren Sauer. Uhlig, Verend, Hanschmann, Hintz Fabririus und Reichert.

In den Frauenrollen behauptete sich Trude Tandar als Hedwig am besten. Matt blieb Hilde Miller als Berta von Bruneck, zu blutleer Käthe Eordon in der nicht unbe­deutenden Rolle der Armaardt. Dörte Parell. die im Lustspiel Ausgezeichnetes leistet, bringt für die Gertrud nicht die notwendige Gestal- tungskraft auf. Ein Sonderlob dem kleinen Kbhardt. der feinem Vater als Walter Tell getreuliche Gefolgschaft leistete.

Karl Ebhardt wurde nach Schluß der Vor­stellung von dem Intendanten durch eine An- svrache geehrt, in der die Verdienste des Künstlers um die Gestaltung klastischer Figuren auf der Kasseler Bühne besonders hervorge- hoben wurden. Der Beifall des Publikums

nahm zum Schluß beängstigende Ausmaße an.

Sunil und Wissenschaft

= Ein Lebenszeichen »an der Deutsch« Polarstation 1932 33. Das Archiv für Po­larforschung in Kiek erhält folgende Nach­richt: Nach guter lleberfahrt find wir m Ivigtut (Grönland) angekommen. Das rte= hge Gepäck muß jetzt mtt Motorboot nach Arsuk weitergeschafft werden. Teilnehmer frei bester Gesundheit.

= Richthofons „Hardenberg" « Hannover «aufaeführt. Hartmann von Richthofen stellt m seinem neuen Werk den preußischen Staatskanzler Hardenberg in den Mittel- puntt einer dramatischen Handlung, die die Ereignisse vor und nach dem russischen Feld­zug Napoleons umfaßt. Von Richthofen wählte als Leitmotiv der Handlung die Eegensätzlichkett der Ansichten über die Wege, die zum gemeinsamen Endziel, der fBefrerung Preußens von der napoleonichen Serrtoatt führen. Ein überragender Staatsmann steh, allein gegen Militärpartei unb Maste, letz tere verkörpert in der geistigen Sangt: oer Studenten und Hochschullehrer Der Dichter vermied sehr geschickt em llbgleiten m Ba nalitäten und verwandte auf den Ausbau dcr einzelnen Szenen eme c-orgfalt. die bei Werke über manche Schwachen, z. B. die sehr oberflächliche Behandlung der Rolle Scharnhorsts, hmweghifft. Die, beste C-m- rakferzeichnung ist der König Fnedrich Wil­helm III vielleicht eine der besten m der gesamten modernen Dramenliteratur. — Die Aufführung erzielte in Gegenwart des Dich­ters einen starken Erfolg, an dem die Dar­steller Hugo Rudolph als Hardenberg. Otto Graf als König .sowie der Reglsseur MachM starken Anteil hatten-