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Rach Feieraben-

Unterhaltungs-Beilage der Oberhessischen Zeitnng

Zauberkünstler in Verlegenheit

Der tanzende Löffel - Durch die Mangel gedreht und doch nicht aufqewacht

Bor einigen Jahren gehörten die Darbie­tungen zweier sonderbarer Artisten zu den zugkräftigsten Varietestücke" Europas. Stumm traten zwei Männer, ein dicker großer und ein Heiner, auf die Bühne und kündeten dem Publikum durch Gebärdenspiel an, daß sie Kunststückchen vollführen wollten. Eine Elas- oase wurde auf ein Tischchen gestellt.und ein Suppenlöffel hinein gelegt. Der Kleine mußte anscheinend gerade jetzt urplötzlich ver- schwinden, was zur Erheiterung der gespann­ten Zuschauer wesentlich beitrug. Inzwischen zog der Große in der Lust geheimnisvolle Kreise und Figuren um die Vase, und plötz­lich fing der Löffel zum Takt einer vom Zauberkünstler gepfiffenen Melodie zu tanzen an.

Die Wirkung auf das Publikum war ver­blüffend. Der Löffel mußte wahrhaftig ver- hert sein. Denn fetzt mit dem letzten Taft der Melodie lag er wieder ruhig in der Vase, als sei nichts gewesen. Dann aber brüllten die Zuschauer vor Vergnügen. Denn der inzwischen ganz vergessene Kleine tauchte lang­sam und scheinbar in tiefsinnige Gedanken versunken aus den Kulissen auf und zog sich förmlich an einem dünnen, bisher unsicht­baren Fäden auf die Bühne. Das Rätsel des tanzenden Löffels war gelöst, und der große Zauberkünstler rupfte sich in wundervoll ge­spielter Verzweiflung das Haar büschelweise aus. Mit ähnlichen Streichen löste das son­derbare Pärchen mehr als eine halbe Stunde lang wahre Lachorkane aus.

Die Darbietungen der beiden Artisten waren eine Parodie auf die Methoden, mit denen manche Var «tedarsteller die Zuschauer zu betrügen versuchen. In 999 von tausend Fällen gelingt es ihnen, im tausendsten aber spielt ihnen vielleicht irgend ein Zufall einen Streich. So ging es auch einmal dem in der angelsächsischen Welt bekannten David De- oant, auf den übrigens das bezeichnende Wort Otto Reutters, zutrifft: „Nicht jeder Arist, der einen englischen Namen führt, braucht Deutscher zu sein."

Der Mann suchte für seine Darbietung, ge­nannt „Verschwinden einer lebenden Dame", zwei Frauen, die einander ähnlich sehen muß­ten wie ein Ei dem anderen. Lange Zeit fand er sie nicht. Dann traf er eines Tages zwei junge Mädchen, die wohl Zwillings­schwestern sein mußten. Er jhrach sie an, erklärte den zuerst durchaus Abgeneigten, worum es sich handelte, und würde schließ­lich nach langen Bitten und unter Zusiche- S hoher Entlohnung mit dem Mädchen eiseinig. Allabendlich hatte er nun mit seinem Trick großen Erfolg. Eine der Schwe­stern mußte stch vorher im Zuschauerraum zeigen, damit das Publikum sich davon über­zeugte, daß sie von Fleisch und Blut war. Dann setzte sie sich auf der Bühne in einen Lehnstuhl, und Deoant bedeckte sie für cmen Augenblick mit einem schwarzen Tuch. Wäh­rend dieser Sekunde verschwand das Mäd­chen durch eine Versenkung im Lehnstuhl. Das Tuch wurde zurückgezogen, der Stuhl war leer. Anscheinend aufs höchste er­schrocken schrie der Zauberkünstler: „Wo bist Du?" 3m gleichen Augenblick tauchte die andere Schwester auf der Galerie auf und rief: „Hier bin ich!" Das Publikum war verblüfft.

Einmal freilid, mißlang der Trick. Die Schwester, die an der Reihe war, zu verschwin- ben, hatte sich geärgert, weil die andere etne von einem Bewunderer geschenkte Schachtel Schokoladenplätzchen allein gegessen. Als nun Deoant das schwarze Tuch wieder vom Stuhl nahm, war bte „verschwindende Dame 'Lnrch- aus nscht verschwunden, sondern ärmste höh­nisch. 3m gleichen Augenblick aber krähte es von der Galerie herunter: „Hier bin ich!" Deoant durfte in der gleichen Stadt nicht wieder die Bühne betreten.

Aehnlich ging es einem Artisten mit dem Mann, der durch die Wäscherolle gedroht, in einer Röhre zu Wurst verarbeitet werden und dann doch heil und gesund aus einer Kiste springen sollte. Natürlich brauchte der Zauberkünstler auch hierzu zwer einander ähn­lich sehende Personen, von denen die zweite bei Beginn der Vorstellung schon in der Kiste bereit stand, während die erste in der Versenkung verschwand. Der Trick Happte ausgezeichnet, dem Publikum lief allabendlich ein Schauer über den Rücken, wenn es daran dachte, wie der Aennste jämmerlich zerguetscht und zermalmt wurde. Einmal aber hatte der Mann, der aus der Kiste springen sollte, vor der Vorstellung ein paar Glas zuviel ge­trunken, verlor — während fein Doppelgänger offen auf der Bühne stand — das Gleichge­wicht und polterte mit dem Deckel unter gro­ßem Getöse zu Boden. Der Zauberkünstler mußte den Schauplatz seiner Sdjanbe flucht­artig verlasset»

Trotzdem versuchte er den Trick noch wei- I terhin. Er hatte aber wieder Pech. Denn eines Abends schlief der Mann in der Kiste ein und rührte sich nicht. Das Publikum dachte, der Unglückliche, den es in der Wäsche­rolle bzw. der Versenkung hatte verschwinden sehen, sei wirklich zermalmt worden. Es fing

zu toben an, wollte auf die Bühne stürmen und die Maschine zerschlagen, den Zauber­künstler zur Rechenschaft ziehen. Glücklicher­weise kam die Polizei dazwischen, die Kiste wurde geöffnet und der selig schlummernde „Zermalmte" kam zum Vorschein.

Bruno Goebel.

Die 300 Fahr Gedenkfeier -er Schlacht bei Lützen

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Blick auf di e Feier am Gustav Adolf-Stein vor der Kapelle iy Lützen während der Ansprache des Kronprinzen Gustav Adolf von Schweden.

Gustav Adolfs Brautfahrt

Von Hartwig L. Colsmann.

Der Schwedenkönig, der vor drei Jahr- hundetten bei Lützen den Schlachtentod er­litt, bat es nicht leicht gehabt, bis ihm endlich die Knüpfung des Ehebandes gelang. Der Fünfundzwanzigjährige hatte die jugendliche Prinzessin Maria Eleonore von Brandenburg ausersehen, mit ihm den Thron seines nor­dischen Reiches zu teilen.

Gustav Adolf trat seine Brauffahtt auf dem schwedischen Kriegsschiff „Jupiter" an, das am 6. Mai des Jahres 1620 vor Rügen Anker warf. Der König wollte in dem fremden Lande unerkannt bleiben. Er reiste

daher unter dem Namen Adolf Carlsson und war nur von sechs Gefolgsleuten be­gleitet, unter denen sich Johann Banner und der schwedische Edelmann Johann Hand be­fanden. Von dem Letztgenannten stammt der Bericht, der uns von dieser seltsamen Braut­fahrt überliefert worben ist.

Die Schwierigkeiten begannen in Lübeck, dessen Herbergen Gustav Adolf zu betreten vermied, weil er erkannt zu werden fürchtete. Nach langem Suchen fand der König mit seinem Gefolge bei einem Bürger Unterkunft. Natürlich war da nicht viel Platz, und Gustav Adolf mußte daher mit Johann Banner und Johann Hand ein 3immer teilen. Die Nacht ging nicht ohne Zwischenfälle vorüber. Schon der Beginn wurde gestött. Die Haus­

Sir „Sentimentale ter Antike" (Zum 125. Todestage Angelika Kauffmanns am 5. November 1932.)

Von Dr. Karl Brandes.

Die berühmte Malerin, die am 5. Novem­ber 1807 in Rom aus dem Leben schied, ist nicht nur von der ganzen Künstlerwelt der

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Stadt auf den sieben Hügeln betrauert wor­den. Sie hat sich auch durch die Stellung, die sie zu allen Großen ihrer Zeit einnahm, einen Anspruch auf Ewigleitsgeltung erwor­ben. Goethe hatte ebenso wie Winckelmann, Tischbein, Matthisson mit ihr Freundschaft schlossen. Mit Klopstock, Wieland, Stolberg

stand sie im Briefwechsel. Kaiser Joseph der Zweite pon Oesterreich, Kronprinz Ludwig von Bayern, Kurfürst Karl Theodor von Bayern, Frauen aus deutschen Herrscherhäu­sern besuchten sie. Niemand, der zur da­maligen Zeit nach Rom kam, durste an dem Hause der Künstlerin vorübergehen, wenn er alle die Berühmtheiten der Ewigen Stadt kennen lernen wollte.

3it dem Zuge, der Angelika Kauffmann auf ihrem letzten Gange begleitete, schritten die ersten Künstler Roms und hielten die Enden des herabwallenden Tuchs. Hinter dem Sarge wurde ein Gipsabdruck ihrer rech­ten Hand, die den Pinsel führt, einherge­tragen. Ein Jahr nach ihrem Tode gelangte die Marmorbüste der Künstlerin im Patheon zur Aufstellung, und zwar neben dem Bilde Raffaels.

Armelika hat sich schon in jungen Iahten der Malerei gewidmet. Sie war durch ihre Herkunft für die Kunst vorbestimmt. Sie wurde 1741 in Bregenz geboren, als ihr Vater von dem bortigen Bischöfe dorthin berufen worden war, in dessen Kirche ein Gemälde auszuführen. Bereits im zatten Alter von neun Jahren erregte Angelika durch wohl­ausgeführte Pastellbilder die allgemeine Be­wunderung. Ein großer Erfolg wurde das Bildnis des Bistumsverwesers von Como, das der Künstlerin in ihrem elften Lebens­jahre gelang. Nunmehr ergingen zahlreiche Aufträge an die jugendliche Malerin, beson­ders seit ihr der Gouverneur Reginald von Este und die Herzogin von Massa-Carrara gesessen hatten. Die Sechzehnjährige erhiell den Auftrag, die Pfarrllrche von Schwarzen­berg miszumalen, wobei dann der Vater die Deckengemälde übernahm, während sich die Tochter an die Darstellung der zwölf Apostel begab. Nach einer Zeit häufiger Reisen und zahlreicher Aufträge war es der Künstlerin endlich beschiLden, «vH dem ersehnten Aallen

frau machte nämlich ihrem Manne Vor­würfe, daß er die Fremden aufgenommen habe. Der also Eetadette setzte sich jedoch zur Wehr, und schließlich wurde aus dem ehelichen Zwist eine rechtschaffene Schlägerei. Das alles hätte der Schwedenkönig, der schon zu früher Stunde sein Lager ausgesucht hatte, und cs muß der Wahrheit gemäß be­richtet werden, daß der ritterliche Glaubens­kämpfer daran sein baß Ergötzen fand.

An einer erneuten Störung der Nachtruhe trug Johann Hand die Schuld. Der Edel­mann hatte nicht so ftühe zu Bett gehen wollen, sondern zunächst noch einen Rundgang durch die Stadt unternommen. Als er nun heimkehtte, fand er sein Zimmer verschlossen. Der König und Johann Banner schliefen bereits. Sie schnarchten so laut, daß sie das Klopfen des Ausgespertten nicht vernahmen. Statt dessen tauchte ein hilfsbereites Dienst­mädchen auf. Die Kleine wußte Rat. Sie wollte durch das geöffnete Fenster emster- gen und die Tür von innen aufschließen. Aber nun erwachten die beiden Schläfer denn doch. Sie glaubten, man wolle sie über­fallen. Der König und Johann Banner stürzten sich mit gezogenem Degen dem Mäd­chen entgegen, das gerade vom Fenster ins Zimmer steigen wollte. Benn Anblick der blitzenden Klingen schrie die Bedrohte gel­lend auf .worauf Johann Hand schleunigst herbei eilte und die Sachlage aufHärte.

Nach achttägiger Reise traf der Schweden­könig in Berlin em. Die Mutter der Prin­zessin war auch mit der Werbung einver­standen, ebenso der Bruder der Braut, der regierende Kurfürst. Doch wagte er nicht, seine Zustimmung zu geben, weil er den Zorn der Polen, der erbittertsten und bös- artigsten Feinde Schwedens, fürchtete. Die Brautfahrl endete damit, daß der königliche Freier unverrichteter Dinge in sein Land zu- rüdlebrte. Erfolgreicher war die Reise, die sein Kanzler, der berühmte Orenstjema, im Herbst desselben Jahres nach Berlin unter­nahm. Er hatte eine Unterredung mit der Kurfürstinmutter. Was dem mannhaften König nicht glückte, brachte die vereinigte Frauen- und Diplomatenlist zuwege. Man verabredete, die Prinzessin solle — flüchten. Natürlich mußte sich der Kurfürst weigern, der Schwester das Reisegeld zu geben. Aber die Mutter sprang selbstverständlich em. Also fuhr Maria Eleonore zu ihrer verheirate­ten Schwester nach Wolfenbüttel. Dort holte Orenstjerna sie ab und brachte sie nach Meck­lenburg. Die Kurfürstinmutter traf hier ebenfalls ein. Dann ging es nach Schweden. Am 25. November fand in Stockholm mit allem Pomp die Hochzeit statt.

Zwölf Jahre später nahm die Helden­laufbahn des Schwedenkönigs ein jähes Ende. Ihm folgte auf dem Throne fern einziges Kind, die seltsame Christine. Ihre Mutter aber fühlte sich in Schweden nicht mehr wohl und lehrte in ihre Hermat zurück, aus der he einst geflüchtet war.

Die heutige Nummer umsutzt 10 Seiten

überzusiedeln. Richtunggebend wurde für sie die Freundschaft, die sie mtt Winckel- mann, dem Wiedererwecker des klasii- schen Altertums, in Rom schloß. Don diesem Augenblicke an beseelte eine schwär­merische Verehrung der Antike die Künstlerin, eine Auffassung, die man wohl als „Senti­mentalität der Antike' bezeichnet hat.

Die Einladung einer adligen Engländerin führte Angelika Kauffmann nach dem nebel- verhangenen Jnselreiche. Sie wurde dort glänzend ausgenommen. Leider bereitete ihr dieser Aufenthalt schweren Herzenskummer. Sie verheiratete sich mit einem Grafen Horn, der sich in der vornehmsten Gesellschaft be­wegte. sich dann aber als Gauner entpuppte. Natürlich hatte er die Künstlerin gehörig ge­schröpft. Fünfzehn Jahre blieb Angelika in England. Sie wies alle Heiratsanträge zu­rück. Als sie dann wieder nach dem geheb- ten sonnigen Italien übersiedelte, vornehmlich des kränkelnden Vaters wegen, erblühte der Vierzigjährigen an der Seite, des uicakrs Antonio Zucchi ein spätes Glück.

Die künstlerische Wertung von Angelika Kauffmann war im Laufe der Zeiten manmg- fadjen Schwankungen unterworfen. Unbe­stritten darf sie ihren Matz als anmutige, liebenswürdige Erschenmng behcmpten, welche die Wiedergebutt der deutschen Kunst vorbe­reiten half. Besser als bte mcoßen geschicht­lichen Gemälde gelangen ihr Jne Heinen Sienen wie „Christus mtt der oamantenn" oÄw imb Amori- Den größten A- folg aber hatte sie als Btldmsmalerm. Neben den Großen ihrer Zeit wie Goethe und dem bayerischen Kronprinzen hat sie vor allem sich selbst dargestellt, und zwar dem Geschmack jener Tage entsprechend nicht nur in der kleidsamen Tracht ihrer Heimat sondern auch «als Bacchantin, Sappho, Juno, Diana. Vestalin und in anderen allegorischen Kostwnen.