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Zeitung

Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

«seiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

St. 264 67. MtA. Marburg a. Lahn

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Mittwoch, -enS.Nov.1W

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2er Anzeigend reis beträgt für den 11 gespalt. Zeüemnllltmeter 0.08 ®SW.. Familienanzeigen bei Barzahl. 0.07 GM., amtl. u. au«- märltg« Anz. 0.10 GM. Sog. Nein« Anzeigen nach Sdeztaltartf.Srmid- fchrist: Seiend. Bei schioiertg.Satz, sowie bet PlatzverschriftSo*/. Auf­schlag. Sannnelanzeigen 100°/« Aufschlag Reklam.-M»IItnl- 0.40 «M «rundschrist: Petit. Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Offerten-Gebühr: 25 Pfg. bei Zustellung der Angebete einschl. Porto.60 GM. Belege werden berechnet. Erfüllung«»« Marburg.

Die .Oberhessisch« Zeitung' er­scheint sechsmal wöchentlich. Be- zugSbrei« monatl. i. Marburg 2.02 SM ausschl. Zustellung«gebübr, bei unsren Agenturen 1.93 GM. zuzügl. Zustellungsgebühr, durch di« Post 2.25 GM Für etwa durch Streik. Maschtnendesektoder elementare Ereignifie ««fallende Kummern wird kein Ersa» oe- Iitstet. Verlag, Dr. <S. Hitzeroth, Druck der Unib-Duchdruckeret Zob. Aug. Koch, Markt 21 /23. Fernsprecher:Rr. 2054 u-Rr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Skr. 5015. - Sprech,«« der Redaktion beit 1011 «*

Dingeldeys Dank

Berlin, 8. Aov. Der Parteiführer der Deutschen Bolkspartei, Dr. Dingeldeh, erläßt folgend« Erklärung:

Die Deutsche Bolkspartei hat einen star­ken politischen Erfolg errungen! Die Zeit der Depression ist überwunden! Ich danke allen Freunden, die in hingebrnder Ar­beit und standhafter Treue in dieser schwe­ren Zeit gekämpft haben. Sie haben mit | mir das Bewußtsein, daß die Kraft des nationalen Libera lismus leben­dig ist. Das legt uns die Verpflichtung auf, feinen Augenblick zu ruhen, sondern die Bresche zu erweitern, die jetzt für Ein­sicht und Besonnenheit geschlagen worden ist. Der Kampf um die feste Staats- führung dauert an. Wenn auch die schwarz-braune Mehrheit gebrochen ist, so besteht nach wie vor die Gefahr des wirt­schaftlichen und poliftschen Radikalismus. Ihm wollen wir mit den lebendigen Kräf­ten der politischen Gedankenwelt unserer nationalliberalen Anschauungen entgegen­treten. Die Deutsche Bolkspartei antwor­tet auf das Vertrauen der Wähler mit der Verpflichtung, in großzügiger Aufnahme- bereitschaft mit allen in einer Gemein­schaft zusammenzuwirken, die unter Ab­wehr des Radikalismus, aber auch unter Ablehnung bloßer reaktionärer Gelüste für den wahrhaften Ausgleich von Autorität Und Freiheit kämpfen wollen.

Präsident Roosevelt

Überwältigender Sieg Roosevelts über Hoover - Völliger Systemwechsel in Amerika

S.A. und S.S.-Verbot im Saargebiet

Saarbrücken, 8. Nov. Die Regie­rungskommission des Saargebietes hat be» schloßen, sämtliche militärischen Organi- ationen der NSDAP., insbesondere die Sturmabteilungen (SA.), die Schutzstaffeln ! SS.) und sonstige Einrichtungen ein- chlietzlich der SA.-Beobachter, SA.-Re- erven, Motorstürme des nationalsozialisti- chen Krastkorps, der nationalsozialistischen Sanitätskorps, der Führerschulen, der SA.- Kasernen und der Zeugmeisterei mit ss o - fartiger Wirkung aufzulösen.

Zur Begründung wird von der Re- gierungskommisflon mitgeteilt:

In der Nacht zum 2. November wurde in der Stadt Saarbrücken ein Flugblatt verbreitet, das einen Wahlaufruf für die Nationalsozialisten enthielt, zugleich auch die Bevölkerung gegen die Polizeiorgane aufzuwiegeln süi^te. Das Flugblatt ent­sprach auch nicht den Vorschriften des Preßegesetzes. Um den Verfasser zu er­mitteln, fand am 3. November in Aus­führung eines Beschlußes der Regierungs­kommission des Saargebietes in den Ge- ichäftsräumen der NSDAP, eine Durch­suchung statt. Bei der Durchsuchung wur­den unwiderlegbare Beweise dafür gesun­den, daß gewisie Organisationen der NSDAP, im Saargebiet eine Tätigkeit entfalten, die in flagrantem Widerspruch zu den Bestimmungen der Verordnung vom 12.9.28 stehen."

Verlorene Stimmen.

Berlin 8 Nov. Eine Uebersicht über die vorläufigen' Wahlziffern ergibt, daß auf 618 000 Stimmen keine Mandate entfallen. Von den kleineren republikanischen Gruppen haben die Sozialistische Arbeiterpartei 45 036, bie Sozialrepublikanische Partei hörsings 8506 und di« Radikaldemokraten 3800 Stiiw men auf sich vereinigt, die letzteren zuungun­sten der sozialdemokratischen Reichsliste

Roosevelt 32. Präsident der Vereinigten Staaten.

st. Rewyork, 9. Nov. Der demo­kratische Präsidentschaftskandidat Roose­velt ist mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten der Ver­einigten Staaten gewählt worden. Von den insgesamt 531 Wahlmännerstimmen erhielt Roosevelt 454, Hoover 55. 22 Wahlmännerstimmen stehen noch aus, die jedoch an dem Endergebnis nichts mehr ändern können.

Im Staate Rewyork wurde der demo­kratisch« Kandidat Lehmann gewählt. Auch bei den Bürgermeisterwahlen in der Stadt Rewyork siegte der demokratische Kandidat O'B r i e n.

In de« Hotels «nd Restaurants der Stadt Rewyork wird bereits der Sieg Roosevelts gefeiert. Auf dem Broadway werden Strohpuppen, die Hoover - darstelle», verbrannt. In Riesen-Licht­zeichen werden amTimes"-Eebä»de die Ereignisse bekannt gegeben. Die Alko- holschmuggler verkaufen wegen der z« erwartenden Aufhebung der Prohi­bition ihre Vorräte aüf den Stra- fecn.

Im Hanpttznartier der Demokraten im Biltmore-Hotel, wo auch die Familie Roosevelt sich aufhält, befindet sich das Zentrum der Feiern.

R o o s e v e l t ist in allen Staaten außer in Vermont überlegen gewählt worden. Fraglich bleibt noch Pennsyloa- nia. Franklin D. Roosevelt ist der 32. Präsident der Vereinigten Staaten.

Die Parlamentswahlen ergeben vor­aussichtlich im Repräsentantenhaus eine demokratische Mehrheit von 50 und im Senat von 20 Sitzen.

Repräsentantenhaus und Senatswahlen.

Times" meldet aus Rewyork: Die Ergebnisse der Wahlen zum Repräsen­tantenhaus, die gleichzeitig Mit den Präsidentenwahlen stattfinden, zeigen, daß bk Demokraten 220, die Republikaner 211 und die Landarbeiter einen Vertreter ins Repräsentantenhaus entsenden werden.

Im Senat, für den Teilwahlen abgehalten wurden, werden mindestens 45 Demokraten, 33 Republikaner und ein Landarbeiter vertreten sein.

Amerikanische Stimmen zu« Ergebnis der Präsidentenwahlen.

Die RepublikanischeHerold Tri­büne" beglückwünscht Roosevelt und be­zeichnet das Wahlergebnis als springflut­artige Aeußerung des Volkswillens, der einen Systemwechsel verlange, Das Er­gebnis sei eine der letzten Auswirkungen des Weltkrieges.Times" nennt den de­mokratischen Sieg ein» eindrucksvolles Mißtrauensvotum gegen die Republika­nische Partei und die Hoover-Regierung.

Die NewyorkerTime s" erklärt in einem Artikel zum Wahlausgang, daß Hoover, von seinen Freunden verlaßen und von seinen Gegnern bedrängt, verloren habe. Er sei ein tragischer Beweis dafür, wie ein einzelner Mann ungerecht für die Fehler und Verbrechen anderer zu büßen habe.

In der Stadt Rewyork hat Roosevelt 1437 231, Hoover 575 031, Norman Tho­mas (Soziäist) 120 486 Stimmen auf sich oereinigt.

Der unmögliche Korridor

Lord Rothermere für Rückgabe des Korridors an Deutschland.

fk London, 9. Nov.Daily Marl" veröffentlicht einen Artikel Lord Rothermeres über die Notwendig­keit einer Revision bestimmter Teile der Friedensverträge, in dem der Verfasser insbesondere auf die Frage des Korri­dors hinweist, der tiefste Unruhe und , Sorge um den europäischen Frieden schaffe.

Die Teilung Deutschlands ,« de« Zweck, Polen einen Zugang zum Meere zu verschaffen, sei der schlimmste Fehler, den Versailles be­gangen habe.

Der Korridor sei eine Herausforderung Deutschlands und eine Gefahr für Polen. Lord Rothermere schlägt vor, daß die pol­nische Regierung Deutschland die territo­riale Souveränität über den Korridor zu- rückgibt, gegen ein gemeinsames Verspre­chen Deutschlands, Frankreichs und Groß- brttanniens, die polnische Ostgrenze gegen einen sowjet-russischen Angriff zu vertei­digen. Deutschland könnte weiter eine internationale Anleihe aufbringen, um Polen die Eeldaufwendungen im Korridor zu ersetzen. Der neue polnische Haften Edingen könnte zu einer freien Hanse- Stadt mit besonderen Beziehungen zu Po­len gemacht werden.

Berlin 8. Nov In einem Interview mit dem Chefredakteur der Transozean-Nachrich­tendienste gab der Reichskanzler v. Papen seiner unverminderten Zuversicht hinsichtlich der durch den Wahlausfall gejchaftenen Lag- Ausdruck, indem er erklärte-

Abgesehen von gewißen parteipolitischen Kräfteoerschiebungen, die mehr oder weniger den Erwartungen entsprechen, ist die Lage nur wenig verändert. Ich betrachte die Verschie­bungen nicht als ausreichenden Grund den Kurs zu ändern, den die Regierung unbeirr­bar gesteuert hat, seit ich das Amt übernahm. Das Kabinett wird, gestützt auf das Ver­trauen des Reichspräsidenten vor allem am Grundsatz der Unparteilichkeit festhalten und sich weiter vorwiegend der Auftechterhaltung der Ordnung, der Wiederherstellung des wirt­schaftlichen Wohlstands und der Ächtung vor dem Gesetz widmen. Auf dem Gebiet der Außenpolitik wird es seine Aufgabe in der Verwirklichung der wohlbegründeten An­sprüche Deutschlands auf fair play, sowie in der Forderung des Friedens und der Ab­rüstung sehen. Ich kann nur die Hoffnung ausdrücken, daß sich im neuen Reichstag eine genügende Anzahl von Männern finden möge, die von dem gleichen Wunsch beseelt und bereit find, an diesen Aufgaben wirksam und einmütig mitzuarbeiten."

Auf die Frage, wie fich nach seiner Anficht die parlamentarische Lage weiter entwickeln werde, erklärte der Herr Reichskanzler:

Das wichtigste Ergebnis der Wahl besteht darin, daß die Mehrheit von Nationalsozia­listen' und Zentrum unmöglich ist ohne htlfe der Deutfchnationalen Volkspartei. Ziffern­mäßig ist natürlich eine Mehrheit von Kom­munisten und Nationalsozialisten vorhanden- Aber eine Koalition zwischen diesen beiden extremen Gruppen erscheint doch undenkbar- Es kann vielleicht gelegentlich bei bestimmten Fragen zu einem Bündnis zwischen den beiden Fraktionen kommen, das jedoch stets nur negativer, nie pofitiver Natur sein dürfte. Vielleicht dürfte es aber doch möglich sein, eine Grundlage zu finden auf der diejenigen Parteien die für Gesetz, Ordnung und christ- licke Weltanschauung eintreten, fich zu ge­

meinsamer Arbeit vereinen können. Diese Hoffnung stützt sich auf die Tatsache, daß die bürgerlichen Mittelparteien bei der Wahl gut abgeschnitten haben. Ich kann in dieser Be­ziehung nur wiederholen, was ich in meiner letzten Rundfunkrede sagte, nämlich, daß die Regierung gerne bereit ist, ihre Hand jedem Einzelnen und jeder Parteigruppe zu reichen, die guten Willens ist, loyal mit uns an der Lösung der nationalen Fragen mitzuarbeiten."

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Kein Kurswechsel? :

Erklärungen des Reichskanzlers zum Wahlausgang