Nr. 262
Cbeibeffflibe Zeitung. Marburg a. L, Montag, bett 7. November 1932
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Dunkle Ehrenmänner Amerikas suchen in Europa Zuflucht - Der Millionär ohne Paß und Vaterland
Samuel 3njuH, der Gewaltige, hat in den letzten Wochen viel von sich reden machen. Dor • einem 2ah: noch saß Sam, der größte Unternehmer der Vereinigten Staaten Deutschlands, Direktionsmitglied von 85 Aktiengesellschaften, Besitzer von Werken im Werte von über 8 Milliarden Mark, breit und trotzig auf 'einem Herrscherthron im 42 Stockwerke hohen Palast der Chikagoer Oper, von wo aus er die Geschicke seines Finanzreiches lenkte. Vor ein paar Wochen aber verhaftete die Athener Polizei den Flüchtling, 'weil fein Patz nicht in Ordnung war. Mur das Fehlen entsprechender Staatsverträge hinderte die griechische Polizei daran, den Gestürzten wegen Betrug und Diebstahl an die nordamerikanische Union auszuliefern.
Aus dem Nichts heraus hatte Jnsull sein Reich aufgebaut. Das Glück, Mitarbeiter Edisons werden zu dürfen, trug ibn zu ungeahnten Hohen empor. Er besaß alles, was ein Mensch sich wünschen konnte, und die Kühe auf seiner riesigen Musterfarm wurden mit ultravioletten Strahlen behandelt, damit der Herr die beste Mi!ch trinken konnte — täglich ein Glas voll —, die denkbar ist. Ein B o r- ienkrach warf das Kartenhaus bet den fjaufett. Unregelmätzigkeien in der Verwaltung wurden aufgedeckt: das ganze Finanzreich war auf Betrug und Bilanzver'chieierungen aufgebaut gewesen- Der gestürzte Riese floh.
Er hat manchen Vorgänger gehabt, dieser geniale Betrüger. Da war James O'N e i l, der Präsident dr'r Prairie Oil and Gas Co. Er spielte die Hauptrolle in dem großen Oel- skandal vor acht Jahren, der selbst Fall, den Staatssekretär des Jwnerm ins Gefängnis brachte. James glaubte, den Staub seines be- tiogenen Heimatlandes von den «chuhen schütteln und in Frankreich ein Versteck finden zu können, um einen erbärmlich kleinen Rest der erschckffndelten Millionen in Ruhe verzehren zu können. Er wurde aber zum gehetzten Wild. Die amerikanischen Behörden er- liehen in allen ftanzösischen Zeitungen einen Aufruf, ihn festzunehmen. Neun Konsuln, zwei Beamte des amerikanischen Geheimdienstes, zwölf ^eitungsreporter, fünfzig Detektive hefteten sich an die Sohlen des Ruhelosen. Sie suchten ihn in Italien, in Afrika, die französisch - italienische Grenze wurde gesperrt, um ihn zu fassen. Er entzog sich aber allen Nachstellungen, vis er als Bettler und als körperlich gebrochener Mann in Frankreich starb, wenige Stunden nach der Entdeckung durch die Verfolger.
Den „Liebling der Götter“ nannten ferne amerikanischen Landsleute den Bankmagnaten und Eisenbahnkönig B l a ck m e r , besten Vermögen über hundert Millionen Mark betrug. Er machte sick um den technischen Fortschritt in seiner Heimat verdient, bis auch ihn das damals ausbrechende Oelfieber packte und er sich auf etwas merkwürdige Art der Felder bemächtigte, die der Staat für die Kriegsmarine haben wollte. Steuerhinterziehungen gaben dem Staatsanwalt die Möglichkeit, gegen den Liebling der Götter vorzugehen, und Blackmer flüchtete nach Frankreich. Es gelang ihm, einen Teil seines Vermögens dorthin zu ret- ten. Und doch ist er nicht glücklich geworden, denn seine Heimat bleibt ihm verschlossen, und die Umgüitigkeitserklärung seines Passes ।
zwingt ihn dazu, sich versteckt zu halten, um nicht ausgewiesen und letzten Endes an Amerika ausgeliefert zu werden
Boß Tweed, ein Newyorker. ist bei 'einen Landsleuten heute noch als der König der Betrüger bekannt. Es gelang ihm unter anderem, auf geradezu geniale Weise den Staat um einige Millionen Steuern zu schädigen, und mit dem Gewinn gedachte er. sich im fernen Spanien zur Ruhe zu setzen. Seiner Ansicht nach konnte ihm dort niemand etwas anhaben, da Steuerhinterziehungen kein Grund zur Auslieferung sind. Die spanische Regierung aber wollte stch in Washington Freunde verschaffen und händigte Tweed unter dem Vorgeben, seine Papiere seien nicht in Ordnung, an die amerikanische Polizei aus. Er starb im Gefängnis.
Besser ging es dem Multimillionär Hyde, dem Gründer einer großen Versicherungsgesellschaft. bei der rund 600 000 Menschen mit mehr als anderthalb Milliarden Mark versichert waren. Der Erfolg stieg Hyde zu Kopf. Er wollte m der alten Welt, wo man mehr auf äußere Ehren gab, eine Rolle spielen und gab das Geld 'einer Gesellschaft in Paris mit vollen Händen aus. Er verdiente sich dadurch die Ehrenlegion, und einige einflußreiche Bankleute versprachen, seine Ernennung zum amerikanischen Botschafter in Paris erwirken zu wollen. Doch bevor der
Skandal durch einen derartigen Fehlgriff seine Krönung fand, wurde Hyde ausgebootet. Er verschwand in Paris, ohne daß man Weiteres von ihm gehört hätte.
G. W. Hammer.
Polen baut einen neuen Hafen.
Im polnischen Verkehrsrninisteriurn wird seit langer Zeit der Plan eines neuen Binnen-Hafens erwogen. In Betracht kommt die Gegend von Myslowitz, in der Nähe der bekannten „Dreikaiserreichsecke", wo früher Deutschland, Oesterreich und Rußland zusammenstießen. Der Hafen soll am oberschlesischen Kohlenkanal liegen und durch ihn soll der Transport der Erzeugnisse Oberschlesiens und des Dombrowaer-Reviers nach dem Inland erleichtert werden. Gleichzeitig sollen die beiden Flüsse, die Schwarze Przemsa und die Brinitza, reguliert werden. Der Bau, für den die Vorarbeiten bereits begonnen haben, soll nach und nach durchgeführt werden, sodaß monatlich nicht mehr als etwa 150 000 Mark erforderlich find.
Torpe-oboote -er Lust
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Das erste amerikanische Torpedo-Flugzeug beim Start vom Bord des Flugzeug-Mutterschiffs „Leiington".
Die Kriegstechnik wird immer raffinierter ausgestaltet. Die Gefährlichkeit der Bombenflugzeuge war bisher dadurch etwas abgeschwächt, dah ihnen ein genaues Zielen nicht möglich war. Die Einführung des Torpedos als Flugzeugwaffe beseitigt nun diesen „Mangel" und erhöht die Furchtbarkeit des Zukunftskrieges noch beträchtlich.
Sie Ra-iuM'Enibklkerin Maria Curie 65 Fahre alt
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Marie Eurie, die 1898 zusammen mit ihrem Gatten die rabioakttden Elemente Radium und Eolo» lontum entdeckte, vollendet am 7. 2lov- ihr 65. Lebensjahr. Frau Eurie erhielt 1911 für die epochale Entdeckung den flttw belpreis für Chemie.
Schließen die Berliner Museen?
Die Frage, ob die Berliner Museen während der Wintermonate ihre Pforten schließen werden, ist in ein entscheidendes Stadium gerückt. Die Eeneralverwaltung hat beschlossen, daß der Nationalgalerle unterstellte Rauchmuseum in der Orangerie des Charlottenburger Schlosses geschlossen zu halten. Das gleiche Schicksal sollen einzelne Sammlungen und Museen treffen. Diese Maßnahmen find dadurch erforderlich geworden, das infolge der verringerten Einnahmen und Zuschüsse die Ko st en für Heizung und Beleuchtung nicht mehr aufgebracht werden können. Bezüglich der großen Museen wird geplant, die Besichtigung durch das Publikum abwechselnd an verschiedenen Tagen zuzulassen.
Die Straßenbahn wird abgebaut.
Man kann ganz allgemein feststellen, daß die Städte neuerdings dem Omnibus vor der Straßenbahn den Vorzug geben. Am entschiedensten geht in dieser Richtung die Hauptstadt Paris vor. Dort sind kürzlich die gesamten Beförderungsmittel im Departement Seine in den Händen des Generalrats der Seine und des Pariser Gemeinderats zusammenaefaßt worden. Achtzig Kilometer nach allen Seiten erstrecken sich nunmehr die städtischen Verkehrswege, und alle in diesem Umkreise tätigen Transportbetriebe werden miteinander verschmolzen. Run wird man den Straßenbahnen vollends den Garaus machen. Sobald die in Auftrag gegebe- - nen Autobusse fertig gestellt sind, sollen ’ auch die noch bestehenden Straßenbahnen , beseitigt werden. Es ist nicht zu verken- . nen, daß auch in Deutschland gleichgerich- • tete Bestrebungen bestehen, die aber mit mannigfachen Schwierigkeiten, besonders dem Kapitalmangel, zu kämpfen haben.
Stadt Mainz, und im Dezember eroberte das „weiße" Regiment Kronberg und Königstein. An dem im Frühjahr 1632 beginnenden Zug der Schweden durch Süddeutschland scheinen hessische Truppen nicht teilgenommen zu haben. Sie kämpften in der Heimat, verjagten Pappenheim von der Diemel und die Kroaten von der Werra. Inzwischen war dem Schwedenkönig in dem kaiserlichen Feldherrn Wallenstein ein neuer Gegner entstanden. Landgraf Wilhelm ließ diesmal Eeyso als Kommandant in Kassel zurück und führte selbst 1000 Reiter und das „grüne" Regiment nach Nürnberg. Dort lagen sich Schweden und Kaiserliche in befestigten Feldlagern gegenüber. Nach elfwöchiger Untätigkeit ließ Gustav Adolf am 3. September 1632 das Lager Wallensteins bestürmen. Das hessische „grüne" Regiment erlitt dabei außerordentliche Verluste. Es verlor alle höheren Offiziere mit Ausnahme des durch eine Pike am Kopf verwundeten 15jährigen Hauptmanns Prinz Friedrich. Ein Erfolg war den Schweden nicht beschieden. Daher brach am 18. September Gustav Adolf von Nürnberg auf. Wallenstein folgte ihm jedoch nicht, wandte sich vielmehr nach Sachsen, um den schwankenden Kurfürsten zum Abfall von der schwedischen Sache zu bewegen. Um das zu verhindern, rückten die Schweden Wallenstein nach, der im Marsche auf Leipzig blieb, da er dort Winterquartiere beziehen wollte. Vor den Toren Leipzigs kam es am 6. November 1632 bei dem Dorfe Lützen zur Schlacht. Infolge dichten Nebels hatte der Angriff des ersten schwedischen Treffens keinen Erfolg. Im Kampf der Infanterie gab erst das Vorgehen des zweiten Treffens den Ausschlag, während der mit seinen schweren Reitern noch eingetroffene Pappenheim nach anfänglichem Sieg an einigen noch geordneten schwedischen Schwadronen scheiterte. Gustav
Adolf fand im Reitergetümmel den Tod. Dieser Tag von Lützen war wieder ein Ehrentag für das „grüne" hessische Regiment. Es stand im Zentrum des zwei-!' ten Treffens, schlug mit größter Tapfere feit und beeinflußte stark die Entscheidung zugunsten der Schweden. Allerdings trug es auch entsprechende Verluste davon. Der Oberst Graf von Eberstein berichtete nach der Schlacht an den Landgrafen, „daß es nunmehr fast dünne und geringe worden". Das „weiße" Regiment sollte nach dem Willen des Landgrafen ebenfalls in die Schlacht bei Lützen eingreifen. Es war aber zu spät in Kassel abmarschiert, kam nur bis in die Erfurter Gegend und trat nach erhaltener Siegesnachricht den Rückmarsch wieder an.
Hessen hielt auch nach Gustav Adolfs Tod dem schwedischen Bundesgenossen die Treue, und in echter Waffenbrüderschaft wurde noch mancher gemeinsame Sieg erfochten. Es sei nur erinnert an die Entsetzung Hanaus, das von dem kaiserlichen General Lamboy belagert wurde, durch ein schwedisch-hessisches Heer im Jahre 1636, an die Teilnahme zweier hessischer Reiterregimenter an Torstensons kühnem Zug gen Wien und an das entscheidende Eingreifen der Hessen in der Schlacht bei Allerstein. Natürlich losten sich gegen Ende des Krieges die Verbände immer mehr voneinander, bis dann der Friede die Waffenbrüderschaft zwischen Hessen und Schweden endgültig aufhob.
So zeigt uns das schwedische Eingreifen in die Wirren des 30jährigen Krieges neben schwedischer Hochherzigkeit und kriegerischer Tüchtigkeit auch die altüberlieferte Treue und Tapferkeit unserer Stammesbrüder. Es ist daher eine gerechte und sinnige Ehrung, wenn heute und morgen bei den Erinnerungsfeiern an die Schlacht bei Lützen neben den schwedischen hessische Regimentssahnen ihre Aufstellung finden.
SMM Truvven als sanwigtnoiicn der Schweden im ZV Mr. Kriege-
Das evangelische Deutschland gedenkt in diesen Tagen des großen Schwedenkünigs Gustav Adolf, des Retters der evangelischen Sache während des dreißigjährigen Krieges. Neben vielen örtlichen Erinnerungsfeiern findet am 5. und 6. November in Leipzig und Lützen die Drei- hundert-Jahr-Feier der Schlacht bei Lützen statt. Der Kronprinz von Schweden wird mit einer Anzahl hoher schwedischer Offiziere der Feier beiwohnen. Von der deutschen Reichswehr werden der Chef der Herresleitung, General der Infanterie Freiherr von Hammerftein-Equord, und der Chef des Personalamts nebst mehreren Offizieren daran teilnehmen.
Mit Stolz wird man aber im ehemaligen Kurhessen von der Tatsache Kenntnis nehmen, daß bei dieser Feier die Fahnen des früheren Füsilier r eg i m e n ts von Eersdorff (Kurhessisches) Nr. 8 0 neben den historischen schwedischen Fahnen Aufstellung finden werden. Dieses Zeichen der Ehrung möge Anlaß sein, die Beteiligung kurhessischer Truppen an den Kämpfen und Siegen Gustav Adolfs den Lesern in Erinnerung zu bringen.
Als Landgraf Wilhelm V., dem von seinem Vater, Moritz dem Gelehrten, im Jahre 1627 die Regierung aufgedrängt wurde, die Herrschaft übernahm, befand stch die Landgrafschaft Hessen-Kassel in trostloser Verfassung. Das Land war um Oberhessen und das Rotenburger Gebiet verkleinert, hatte zwei Millionen Schulden, und war gänzlich verarmt und ausgesogen und bis auf die Festungen von Tilly'schen Truppen besetzt. Außerdem drohte der Vetter von Darmstadt, Landgraf Georg II., mit der Besetzung von 15 k ^hessischen Aemtern. Das Restitutions-
ediki von 1629 bestimmte weitere Eebiets- verluste. In dieser verzweifelten Lage trat der Landgraf als erster deutscher Reichsfürst mit dem am 25. Juni 1630 auf Usedom gelandeten Schwedenkönig Gustav Adolf in Verbindung. Die in Stettin durch den hessischen Rat Dr. Wolf geführten Verhandlungen führten zu einem geheimen Abkommen, das 1631 durch ein Schutz- und Trutzbündnis ersetzt wurde. Schon nach der Stettiner Uebereinkunft arbeitete der Landgraf auf ein aktives Eingreifen in die bevorstehenden kriegerischen Ereignisse hin. Er ließ sich von dem auf der Meder Heide einberufenen Landmg die Geldmittel zur Kriegführung bewilligen und stellte in drei Monaten vier Infanterie- und vier Reiterregimenter, deren Offiziere und Mannschaften fast nur hessische Landeskinder waren, auf, wahrlich, eine Riesen- leistung für das ausgesogene Land. Wertvolle Mitarbeit als militärischer Berater leistete der 1593 in Borken geborene Oberstleutnant Eeyso. Am 15. April 1631 wurden ihm als erstes Regiment „Eintausend Mußquetirer" zu 12 Kompaznien unterstellt. Das Regiment erhielt weiße Fahnen und weiße Beinkleider und hieß offiziell das „weiße Regiment". Fast gleichzeitig wurden je ein „grünes, rotes, und weißblaues" Regiment an Infanterie aufgestellt. Die beiden erstgenannten Truppeneinheiten find die Stämme des späteren Füfilierregi- ments Nr. 80, und hieraus wird der Zusammenhang in der eingangs angeführten Ehrung deutlich.
Die hessischen Truppen kämpften zunächst int Mutterland und in Westfalen. Sie hatten de Aufgabe, die rechte Flanke des schwedischen Vormarsches gen West- und Slldteutschland zu sichern. Erst im November 1631 wurden sie Lager- und Kampfgenossen der Schweden. Hessische Truppen halsen bei der Eroberung der