Montag, rea7.Nvv.ML
Die .L>berhessssche Seffifflfl* et- scheint sechvma! tvkchentlich. Be- ,uqvprei« monatl. t. Marburg 2.02 GM. ausschl. Zusievuna«aebübr, bei unsren Aaenturen 1.93 SM. zuzügl. Zustellunavqebühr, durch die Post 2.25 GM Mir etwa durch Streik. Maschinendefektoder elementare Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Srsad oe- leistet. Verlag, Dr. 8. Aiderotb. Druck der Univ-Buchdruckerei Ioh. Aug. Noch, Mark« 21/23. Fernsprecher: Nr. 2054 u. Nr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Spreck--eit der Redaktion von 10—11 «ad ’M—1 Ubr.
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Anzeiger für (das frühere kurheffische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Was soll nun werden?
Die Negierung weiterhin in absoluter Minderheit — Skeptische Wahlbetrachtungen — Kampfansage Adolf Hitlers
Die neuen
Mandate
Aufruf Adolf Hitlers
V
> V-
Derschürfter Kampf gegen das Kabinett v. Papen
umfaßten keine 10 Prozent des deutschen Volkes, 80 Prozent lehnten sie ab. Für die NSDAP, sei der Sinn des Ausganges dieser Wahl klar:
Fortsetzung des Kampfes gegen diese
Negierung bis zu ihrer endgültigen Beseitigung.
Keinerlei Kompromisie, und kein Gedanke an irgend eine Verständigung mit diesen Leuten! Schließlich kündigt Adolf Hitler einen verstärkten neuen Propaganda- Feldzug an.
Gewählte Abgeordnete
Nach den bisher vorliegenden Abstimmungsergebnissen sind u. a.: folgende Ab geordnete gewählt bezw. wiedergewählc:
Von der NSDAP.: Goebbels, Göhring, Grgf Neventlow, Fabricius, Ley, Heines, Stöhr, Frick, Straffer, General von Epp, Loeper, Frank II, von Sybel, Rosenberg» Dreher, von Iagow.
Von der SPD.: Braun, Erispien, Auf- Hauser, Künstler^ Wiffell, Breitfcheid, Loebr, Hertz, Scheidemann, Eevering Becker. Sollmann, llblia. die weiblichen
rnetarismus betreiben, nämlich Mehrheilbildungen zu verhüten suchen. Die Recerung werde ttiif der Suche nach einer breirren Basis sich an das Wahlergebnis minestens anlehnen müssen, damit seien die Hamen Hitler und Brüning auto- matrh auf der Bildfläche erschienen. Die schwelle Entscheidung harre der Aational- sozicisten, wenn sie sich wirklich an der Regirung beteiligten. Ob die Zähmung der Phrer nicht gleich die Sprengung der Orgmsation wäre, stehe dahin.
Di« „Welt am Montag" ist der Ansict, daß die Deutschnationalen mit ihrenKewinnen auf Kosten der Rational- sozialten und des Zentrums keinen Staat mache könnten. Das Zentrum habe für den Khhandel mit Hitler büßen müssen. Der ezenüiche Verlierer sei Hitler, aber geradcmit seinem Verlust sei er das, was er niet sein wollte: Er werde regte» rungsfhig.
Die ,Montagspo st" schreibt, das Ziel b» Kabinetts Papens sei insoweit erreicht worden, als die Mehrheit der kcstholifen Parteien und der National- sozialistzi nicht mehr bestehe. Somit sei der neu Reichstag kaum arbeitsfähig, und das Kainett Papen werde versuchen, im Amte zi bleiben. Im Ganzen genommen betracht man den neuen Reichstag an maßgebider Stelle als ein U e b e r - gangsarlament, das zwar schon ein Eirftwenken der Wähler zeige, das aber nit die Linie gefunden habe, auf . der eine^ufammenarbeit auf lange Zeit möglich L Nur eine volle Wandlung
ff. München, 7. Nov. 3n drei Aufrufen wendet sich Adolf Hitler an die Nationalsozialisten und Parteigenoffen, ai die SA - und SS.-Männer und die Liter der Parteiorganisationen und der Popaganda. In dem ersten dieser Auf- rue heißt es, daß ein gewaltiger Angriff gejen die Bewegung und die Rechte des deüschen Volkes abgeschlagen worden sei. Di Regierung v. Papen habe eine vernietende Niederlage erlitten. Die ihr verchriebene DNDP. und deren Anhänger
fk. Berlin, 7. Nov. Die Reichstagswahlen sind mit geringen Ausnahmen im ganzen Reich bei einer Beteiligung von etwa 80 Prozent ruhig verlaufen. Lediglich in der Nacht zum Wahlsonntag kam es in Schönewalde, in Krefeld, Bochum und Wuppertal zu Zusammenstößen und Schießereien, wobei eine Anzahl von Personen verletzt wurden. Zn einer folgenschweren Schlägerei kam es nur in der Nähe von Zwickau zwischen Angehörigen der N. S. D. A. P.» der K. P. D. und des Reichsbanners, wobei insgesamt zehn Personen verletzt wurden.
Die Mandatsziffern verteilen sich auf Srund einer Endzählung von rund 35,3
Millionen Stimmen und bei einer Gesamtzahl von 582 Abgeordneten aus die einzelnen Parteien wie folgt:
berechtigten Anspruch auf die Regierungsführung aufzugeben gezwungen wären, nicht gebracht. Die RSDAP. habe ihre Feuerprobe glänzend bestanden und damit endgültig bewiesen, daß sie als der entscheidende Machtfaktor aus dem politischen Leben Deutschlands nicht mehr ausgeschaltet werden könnte. Mit einem Block von rund 200 Mandaten stehe die RSDAP. nach wie vor als die weitaus stärkste Partei und innerlich nur noch gefestigter und stärker da, als je zuvor. Der vom Zaune gebrochene Wahlkampf habe, statt den Rationalsozialismus zu treffen, nur den einen Erfolg zu verzeichnen, dem Bolschewismus in Deutschland zu einer Stärke verholfen zu haben, wie nie zuvor. Der Ausgang dieser Wahl müsse jedem die Augen darüber öffnen, daß der Rattonalsozialismus nicht nur unerschütterlich sei, sondern das einzige Bollwerk gegen ein Sowjetdeutschland. Die RSDÄP. werde Deutschland vor dem Bolschewismus zu bewahren wissen.
Was Paris sagt * >
Die französische Presse, die die deutschen Wahlen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt hat, schließt aus dem Ergebnis, daß der neue Reichstag ebenso wie der alte nicht in der Lage sei, eine stabile Mehrheit zu bilden und daß unter diesen Umständen die augenblickliche Regierung Papen-Schlei- cher auch weiterhin die Führung der Geschäfte in den Händen behalten werde. Es wird der besonders starke Rückgang bes; Zentrums und die Zunahme der Deutsch- nationalen Sitze unterstrichen, während die Verluste der NSDAP, und der SPD- nicht weiter überraschen.
Das „Echo de Paris" sagt, es ergebe sich die Frage, ob der neue Reichstag genau wie der alte aufgelöst werde ober nicht. Wenn das deutsche Volk auch diesmal widerstandslos eine derartige Maßnahme hinnehme, so werde es müder augenblicklichen Verfassung endgültig vorüber sein.
Auch das „3 o u r n a l" wirft die Frage auf, welche Haltung der Reichskanzler angesichts des Wahlergebnisses einnehmen werde. Entweder werde er auch den neuen Reichstag auflösen oder aber' den Platz für eine andere Regierung frei machen, die sich auf eine Rechtsmehrheit stützen kann.
Der „P e t i t Parisi en" stellt fest, daß das gesamte Ergebnis einen Erfolg für die Reichsregierung bedeutet.
Das „Petit Journal" betont, daß die Wahl vom 6. November keine Klarheit geschaffen habe.
Auch der sozialistische „P o p u I a i r e“ stellt fest, daß Deutschland wieder einen rcgierungsunfähigen Reichstag gewählt habe. Die Reichsregierung werde unter diesen Umständen auch weiterhin mit Hilfe der Reichswehr am Ruder bleiben.
der Parteien könne dieses Uebergangs- parlarnent in ein Dauerparlament verwandeln.
Die „D. A. Z." wirft die Frage auf, ob nunmehr eine Radikalisierung der Hitler- bewegung eintreten werde, ober ob sie zu einer Zusammenarbeit mit anberen Parteien ober sogar zur Unterstützung eines Präfibialkabinetts bereit sein werbe. Man rnüffe von ber Führung bes Reiches erwarten, baß sie ben Eebanken eines Prä- sibialkabinetts auf keinen Fall freigebe. Eine wichtige Frage werbe fein, ob Hit - I e r auch biesmal, wozu er nach ben parlamentarischen Spielregeln bas Recht habe, ben Anspruch auf ben Kanzlerposten erhebe. Iebenfalls scheint bie Zeit gekommen, ben Nationalsozialisten enbgültig ben ihrer Stärke entsprechenden Einfluß zu gewähren.
Den Anspruch ber Nationalsozialisten auf Alleinherrschaft im Reiche betrachtet ber „Vorwart s" als erlebigt. Die Genugtuung über ben Rückgang ber nationalsozialistischen Wählerstimmen werbe für bie Sozialbemokratie leiber burch bie -Tatsache getrübt, baß auch sie eine gewiße Einbuße an Stimmen zu verzeichnen habe. Es geht jetzt um bie Frage, ob bie KPD. gemeinsam mit ber Sozialbemokratie gegen bie Reaktion marschieren wolle.
Wie die Reichspressestelle der Re>DAP. zum Wahlergebnis schreibt, habe die heutige Wahl das von der Regierung von Papen ertoartete Ergebnis, « ^otionalsozialisten in ihren Grund-, feften so zu erschüttern, daß sie ihren
Die Veränderungen
Das vorläufige Wahlergebnis zeigt Verschiebungen gegenüber ber Reichstagswahl vom 31. Juli 1932, die im allgemeinen den Erwartungen ber politischen Kreise ent'pre- chen. Die Wahlbeteiligung ist schwächer gewesen als bas vorige Mal. Gegenüber 84 Prozent ber Stimmberechtigten haben biesmal nur höchstens 79 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht; bie effektive Stimmenzahl ist ttotz des Zuwachses an Stimmberechtigten um etwa W4 Millionen nichtiger. Innerhalb ber einzelnen Parteien sinb bie stärksten Verschiebungen bei ben Nationlsozialisten im .Minus, bei ben Deutschnationalen unb ben Kommunisten im Plus zu verzeichnen. Die Nationalsozialisten sinb gegenüber 37,3 Proz. mit runb 33 Proz. an ben abgegebenen Stimmen beteiligt; ber Anteil ber Deutschnationalen hat sich von 5,9 auf 8,3, berjenige ber Kommunisten von 14,3 auf 16,9 Proz. gesteigert. Die Sozialbemokraten haben sich mit 20,4 gegenüber 21,6 Prozent einigermaßen behauptet, bas Zentrum verzeichnet mit 11,9 gegen 12,1 einen kleinen, bie Bayerische Volkspartei mit 3,1 gegen 3,6 Proz. einen entsprechenden Verlust. Von ben kleineren Parteien bat die Deutsche Volkspartei von 1,2 auf 1,9 Proz. aufholen und ihre Stimmen von 436 000 auf runb 660 000 vermehren können. Die Staatspartei hat weiter etwas verloren, nämlich von 371800 auf etwa 327 000. Bei ben übrigen kleinen Parteien sinb bie Ver- änberungen verhältnismäßig unbebeutenb.
Der Nettoverlust an Stimmen beträgt bei ben Nationalsozialisten etwas über 2 Millionen (11,7 gegen 13,7 Millionen), bei ben Sozialbemokraten runb 700 000 (7,2 gegen 7,9 Mill.), beim Zentrum etwa 200000 (4,2 gegen 4,4 Mill.), bei ber Bayerischen Volkspartei etwas mehr (1,08 gegen 1,32 Mill.). Die Gewinne ber Deutschnationalen betragen fast 700 000 Stimmen (2,95 gegen 2,18 Mill.), bei ben Kommunisten gleichfalls fast 700 000 (5,97 gegen 5,28 Mill.), beim Landvolk runb 70 000 (0,16 gegen 0,09 Mill.).
Man kann damit rechnen, daß ber neue Reichstag 40—50 Abaeorbnete weniger umfassen wirb als sein Vorgänger. Vorbehaltlich der Einzelberechnungen, bie sich erst nach Feststellung ber burch Listenverbinbungen usw. erzielten Manbate burchführen lagen, kann angenommen werben, baß bie theoretisch im vorigen Reichstag vorhandene Koalitionsmehrheit aus Nationalsozialisten, Zentrum unb Bayerischer Dolkspartei nicht mehr vorhanben ist. Ebenso ist es minbestens fraglich, ob bie beiben Flügelgruppen, Nationalsozialisten unb Kommunisten zusammen eine Mehrheit behalten.
Die ersten Pressestimrnen
Die Montagsblätter bringen in ihren späteren Ausgaben Kommentare zu dem Ausgang der Wahl.
Der „Montag" bezeichnet als das politische Ergebnis dieser Reichstagswahl den Gewinn der Deutschnationalen und die Möglichkeit für die Regierung, das Gesetz des Handelns bei den kommenden Auseinandersetzungen in die Hand zu nehmen. Wenn die Regierung wolle, könne sie etwas vernünftiges aus diesem Reichstag machen. Es hänge das zwar in erster Linie von den Aationalsozialisten ab, die sich nun entscheiden müßten, welchen politischen Weg sie endgültig gehen wollten. Das Blatt berichtet, daß der Reichskanzler mit feinem Staatssekretär das Wahlergebnis in der Wohnung des Reichswehrmini- sters am Radio gehört habe und meint, daß offenbar Kanzler und Wehrminister das Bedürfnis empfunden hätten, sich gerade in der Wahlnacht sofott aussprechen M können.
Der „Montagmorgen" glaubt, daß «ich die fünfte Wahlschlacht dem schon fast revolutionären Fluß der Dinge kein endgültiges Ziel gesetzt habe. Die Regierung Papen könne höchstens negativen Parla-
N. S. D. A. P.
195
(230)
S.P.D.
121
(133)
K. P. D.
100
(89)
Zentrum
69
(75)
D. N. B. P. und Thür. Landvolk
52
(37)
Bayerische Bolkspartei
19
(22)
Deutsche Volkspartei
11
(7)
Deutsche Bauernpartei
3
(2)
Wirtschaftspakte!
2
(2)
Winzerbund
2
(0)
Christlicher Volksdienst
5
(3)
Staatspartei
2
(4)
Deutsch-Hannoveraner
1
(0)