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Stift 8

Oderhessssche Zeitung, Marburg a. L, Sonnabend, btn 5. November 1932

Rr. 261

Aus -er Amsesen-

Heffen Nassau und Nachbargeb'ete

und

Wirtschaft unö Han-et

Ministerium einlegen werd«.

Zollbeamter vom Zug überfahren tödlich verletzt.

Berliner Börsenbericht vom 4. Roo.

Vicht nur aus markttechmschen Gründen setzte sich zu Beginn der heutigen Börse eine Befestigung durch, sondern auch rein stinnnungsmähig war nach der Vertagung der Kontingentsentscheidung, nach dem De­ment: über die Brüsseler Bankschwierig­keiten und nach dem Schiedsspruch int Ber­liner Derkehrsstreik eine Beruhigung fest­zustellen, die in kleinen Käufen des Pu­blikums und Deckungen der Kulisse zum Ausdruck kam. Dem wieder eher schwä­cheren Aeuyork standen verschiedene gün­stigere Berichte aus der Wirtschaft gegen­über. Deutsche Anleihen waren ebenso wie Reichsschuldbuchforderungen bis V< o/o gebessert, auch Industrieobligationen bes­serten sich, mit Ausnahme der Hoesch« Bonds, die I o/o verloren. Der Markt der Steuergutscheine lag sehr ruhig. Aus­landsrenten erfuhren im allgemeinen keine Veränderungen. Die Tendenz am hiesigen Geldmarkt war heute als weiter leicht zu bezeichnen, doch traten Veränderungen in den Sätzen nicht ein. Die Nachfrage nach Privatdiskonten hielt an, auch Schatz­wechsel und Reichsschatzanweisungen blie­ben zu den bekannten Terminen gesucht.

Berliner Devisenbericht vom 4. Rov.

Helsingfors 6,044—6,056, Wien 51,95 bis 52,05, Prag 12,465—12,485, Budapest —, Sofia 3,057—3,063, Holland 169,63 bis 169,97, Oslo 70,33—70,47, Kopenhagen 72,08—72,22, Stockholm 72,73—72,87 Lon-

Zuspitzung der Finanzkrise in Kassel.

Kassel. 4. Rov. Wie di« „Kasseler Post" meldet, hat der Regierungspräsident zu Kassel unter Berücksichtigung der außerordentlich schwierigen Finanz« und Kassenlage der Stadt und des hohen Be­trages der von ihr einbehaltenen Staats­steuern in einer Verfügung angeordnet, datz di« Stadt Kassel künftig nur noch die Ausgaben für den dringendsten ^.«Bedarf leisten dürfe und die Zahlung jeglicher Zinsen und Abträge auf Ka« pital einz« st eilen sei. Hierauf hat Oberbürgermeister Dr. Stadler der Regierung angekündigt, datz er gegen diese Verfügung Beschwerde beim zuständigen

Alsfeld, 4. Nov. Ein schwerer Un­glücksfall ereignete sich heute vormittag auf einem Bahnübergang der Eisenbahn­strecke Alsfeld-Niederauka. Dort wurde ein Personenkraftwagen, in dem sich der

Leben lang stramm zu stehen, und die Eltern hätten ihre Kinder nur darum in die Wekr gesetzt, datz sie bedingungslos nach den Methoden ihrer Erzeuger glücklich würden. War man andrer Ansicht, wurde man Rüpel gescholten, denn Vater Selbach konnte nichts weniger vertragen, als ein offenes Wort von der Leber, obzwar er sich selber einen unverstandenen Verfechter der Wahrheit nannte.

Ich war eines Tages so weit, datz ich nur noch schweigen konnte, allein der alten Mutter zuliebe, die unter dem Hader immer mehr verwelkte.

Also stand ich im Niemandsland zwischen den Fronten. Hier verfolgte mich der Spott meinesgleichen, dort lieh mich Va­ter Selbach alle drei Tage wisien, datz ich ein Kostgänger seiner Gnade sei.

Doch erlebte ich am brennenden Ring­ofen ein neues Gleichnis, das mich trösten und bestärken konnte: Wir hatten wohl hunderttausend Patzen in der Hölle, vier Tage lang heizte Tobias Votz gelind die Schürgaffen ein, dann gaben wir starkes Feuer und hofften, datz der Schwung in abermals vier Tagen gar und hart gesot­ten sei. Doch wenn wir wiffen wollten, ob die Hitze auch ihre richtigen Grade habe, dann spähten wir an einer Luke nach zwei daumengrotzen Kegeln, die mitten unter den Seinen standen. Diese beiden Kegel, deren Teigmaffe ein chemisches Geheimnis war, sanken am achten Tag wie ohnmäch­tige Küken zusammen, und auf dieses Zei­chen hin verstopften wir alle Kanäle, Gas­sen und Löcher, der Ofen mutzte jetzt eine Woche lang von den angespeicherten Glu­ten zehren.

Ich klopfte Tobias Votz auf die Achsel: ,,Du, wenn die beiden Kegel umfallen, sind dre Sterne reif und tüchtig? — Glaub mir, Tobras, der eine Kegel heitzt Peter Sel­bach, der andre gehört unseren Kollegen!" „Damit hatte ich mich zu den Steinen ge- M>It. Und Tobias wutzte, datz dies kein Hochmut war, wohl ein Bekenntnis. Der lunge Ofenwärter wurde mein Bruder, >o tapfer stand er mir bei, und keine Rüpe- ler der andern, keine Taktlosigkeit Vater Selbachs konnte ihn hindern, mir die letzte Treue zu halten. Ich erkannte immer mehr, datz ich selber noch im Feuerofen stand, und ich schloß das Verlangen in meine täglichen Gebete ein, die Allmacht möchte die Stunde nahen lassen, in der ich zum Bauern endlich tauglich sei. , (Frvrtieuuna total.»,

ihnen zuweilen die Arbeit leichter werde wenn sich dir Poesie des Ziegelbäckers offenbare. Alle lachten mich aus, einzelnen blieb die Gabel stecken. Rur Tobias Votz, der junge Ofenwärter, forderte, man solle den langen Manes Ende reden laffen. Run, ich redete weiter, aber meine Lust war nur noch eine halbe. Und ich meinte, jebe Lehmscholle sei ein Leben, das von den Streichern zunächst so geformt werde, datz es den Zweck seines Daseins ahne. Dann käme dre erste Schule unter den Stroh- matten, auf die man die Sonne brennen raffe. Und endlich müsse alles, was nicht schon vorher zerbröckelte, durch den Feuer­ofen. Dort geschähe das letzte, wirs man zur Prüfung brauche. Die kranken Steine fielen auseinander, die gesunden ließen sich Härten und backen und bräunen, so gründ­lich miteinander, daß nicht einer unter ihnen verschont werde. Und sollte sich denn- noch ein Feigling finden unter diesen, einer, der sich fürchte vor den Flammen und bte andern allein lasse in der Glut, der bleibe ein weicher Deserteur, ja, bet entrüste sich hernach, wenn man ihn zum Bauen für untauglich halte.

Ich wollte noch mehr sagen, aber die Sirene heulte, die Pause war vorbei, und die Arbeiter grölten mich aus, so daß die aufklirrenden Räder und Kolben des Becherwerks nicht mehr zu hören waren. Ich sah den rissigen Gesichtern der Leute an, daß sie Feindschaft spürten zwischen mir und ihnen, nur Tobias Voß, der junge Ofenwarter, nahm mich in den Arm, daß ich seine Treu- fühlen sollte. Die an­dern neckten mich von dieser Stunde an mit Redensarten, die sie in ihrer Zeitung gelesen hatten. Sie sagten ehrlich heraus, vom Programm ihrer Partei erwarteten sie mehr als von meiner Poesie. Und nannten mich endlich einen Deserteur, der sick» au ihrer Arbeit nickt bekennen wollte.

don 13,83—13,87, Buenos Aires 0,918 bis 0,922, Neuhork 4,209—4,217, Belgien 58 54 bis 58,66, Italien 21,56—21,60, Pans 16,54—16,58, Schweiz 81,19—81,35, Spa­nien 34,45—34,51, Danzig 82,04—82,20, Japan 9,889—0,891.

Berliner Gttrtidemwrkt vom 4. November.

Weizen 196—198; Roggen 158; Brau­gerste 170—180; Futter- und Inbustriegerste 162—169; Hafer 133—138; Weizenmehl 24 bis 27,25; Roggenmehl 20,50—22,60; Weizen­kleie 9—9,40; Roggenkleie 8,25—8,60.

Die festere Tendenz, die aufgrund von Er­wartungen bezüglich neuer Regierungsmah- nahmen dem Produktenmarkte in den letzten Tagen das Gepräge gegeben hatte, machte heute einer empfindlichen Abschwächung Platz. Bereits im Dormittagsverkehr zeigte sich eine gewisse Zurückhaltung und die Prehe bröckel­ten langsam ab, da offenbar die Veröffent­lichungen über die Kabinettsentscheidungen keine volle Klarheit über die weitere Ent­wicklung gebracht haben. Das Jnlandsange- bot von Brotgetreide hat sich verstärkt, be­sonders Roggen zur Kahnverladung ist reich­lich am Markte und begegnet nur geringer Kauflust. Die Gebote der Mühlen lauteten für Weizen und Roggen 2 bis 3 Mark nie­driger als gestern, auch auf dem ermäßigten Niveau wurden nur zögernd Anschaffungen oorgenomrnen, zumal bas Mehlgeschäft wieder sehr ruhig geworden i st. Am Lietcrungsmarkt waren größere Interventionen der DGH. $u beobachten, die bei den ersten Notierungen insgesamt etwa 1700 Tonnen Brotgetreide aufnahm; Weizen eröffnete bis 3’/» Mark, Roggen bis 4 Mark niedriger.

Bezirkszollkoinmiffar Weingärtner von Lauterbach befand, von einem Per­sonenzug überfahren. Weingartner wurde dabei so schwer verletzt, daß er bald darauf tm Alsfelder Krankenhaus verstarb. Nach den bisherigen Ermittlungen scheint eige­nes Verschulden des Kraftwagenführer» vorzuliegen.

Die Ursache des Flugzeugunglücks im Spessart. — Das amtliche Ergebnis der

Untersuchung.

Frankfurt a. M., 3. Nov. Heber das Flugzeugunglück im Spessart gibt der Reichsverkehrsminister folgendes bekannt: Die Untersuchung durch die Landes­behörde, an welcher sich bei Reichsver­kehrsminister burch einen Kommissar ber Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt beteiligt hat, hat zu folgenbem Ergebnis geführt: Flugzeugführer Schulz hat Teile der Strecke Nürnberg—Frankfurt in Wol­ken fliegen müssen. Es herrschte starker Gegenwinb. Heber bem Spessart ist ber Flugzeugführer — wahrscheinlich in dem Glauben, das Gebirge bereits passiert zu haben — nach unten durchgestoßen, um vor Frankfurt rechtzeitig Erdsicht zu er­halten. Beim Herauskommen aus den Wolken befand er sich in einem engen, von bewaldeten Höhen umgebenen Tal­kessel. Das jähe Hochreißen des Flug­zeuges aus der unerwarteten gefährlichen Lage hat offenbar jene Heberbean- spruchung des Tragwerkes hervorgerufen, der kein Flugzeug ge­wachsen ist. Der linke Flügel ist bet die­sem Vorgang abgebrochen. Der Unfall gleicht dem Flügelbruch, dem seiner Zeit der bekannte Wetterflieger Nehring beim Herauskommen aus den Wolken in anormaler Fluglage zum Opfer fiel. Der Befund der abgebrochenen Fläche läßt die Aufklärung des Unfalls als einwandfrei erscheinen. Der Motor ist nach dem Stande der Instrumente bis zum letzten Augenblick gelaufen.

Reichsbannerleute verurteilt.

Darmstadt, 4. Nov. Am Donners­tag hatten sich vor ber Großen Strafkam­mer zehn Reichsbannerleute aus Langen wegen schweren Landfriedens- bruchs zu verantworten. Sie waren gelegentlich ber letzten Reichsptäsibenten- wahl bei einem Konzert ber Freien Sport- unb Sängervereinigung bis in bie frühen Morgenstunden bes 14. März gewesen, um die Wahlergebnisse zu erwarten. Auf bem Heimweg kam es mit Nationalsozialisten zu einem Zusammenstoß, bei dem zwei Nationalsozialisten erheblich verletzt würben. Das Gericht sprach vier Angeklagte mangels Beweises frei, einer erhielt wegen schweren Lanbfrie- bensbruches unb gefährlicher Körperver­letzung ein Jahr Gefängnis, ein anberer wegen schweren Landfriebensbruchs sechs Monate, brei Angeklagte wegen Teil­nahme an Lanbfriebensbruch je brei Monate Gefängnis.

Es würbe Februar, März unb Mai, bie Erde blümelte unb war roieber weich, im Ringofen wurden Kohlen geschichtet, im Acker gruben drei Kolonnen nach Lehm. Ich stand auch in einer Rotte, stieß den Spaten wie einen Pflug in die fettigen Schollen und hatte schon Sonnenbrand im Genick. In den Ziegelscheuern rollten und stampften die Maschinen, es war wieder Zug in der Bude, man hätte in friedferti- tigen Zeiten schon die Nähe des Glücks ahnen können. Ich hatte mir die Arbeiter zu Kameraden gemacht, ich wollte im Ge­sicht und an den Fäusten ebenso dreckig und gelb sein wie der dümmste Lehrbub hinter den Loren. Wenn Vater Selbach kam, um nad» dem Rechten zu sehen, dann zogen wir alle dte schmierigen Mützen, doch der Bär- nge grüßte nur lässig und wollte nicht wis­sen, daß ein gutes Wort ein Stück Brot fern konnte.

Eines Tages hatte ich den Mut, meinen Kameraden etwas zu bekennen, was mir schon lange auf ber Seele lag. Wir hockten tn ber Mittagspause unter ber Kutsche unb gabelten saure Bohnen aus den Henkel- mannern, bie unsere Frauen ober Kinber gebracht hatten. Da stellte ich mich vor bie »«lben. Kumpane unb fragte sie. ob auch

Kreis Mordurs

•°/ Klrchhain, 4. Nov. Vor bem Straf« Achter stand gestern ein Einwohner aus A., dem mehrere Holzdieb stähle zur Last gelegt wurden. Ei hatte gegen einen Straf5

. nach dem er mit 3 Monaten Gefängnis bestraft worden war, Einspruch eingelegt.

ermäßigte die Strafe auf 2 Mo­nate Gefängnis. — Gegen einen Strafbefehl wegen Uebertretung der Straßen­verkehrsordnung hatte ein Angeklagter Einspruch eingelegt. Das Gericht hielt Den Angeklagten nicht für überführt und sprach frei. — In einer Beleidigt! na s- °che verhandelte das Gericht unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit gegen einen Ein­wohner aus L. Das Gericht hielt eine Schuld des Angeklagten nicht für nachgewiesen und erkannte deshalb auf Freisprechung.

r. Rauschenberg, 4. Nov. Ihren 81. Geburtstag konnte Witwe Helene Sohns hier in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische begehen.

- Neustadt 4. Nov. Bei der Haus­sammlung von Kartoffeln für die Winter­hufe wurden 120 Sack gespendet. Diese wer­den der ärmeren Bevölkerung der Stadt Kassel überwiesen.

y, Neusta d t 4. Nov. 3m Saale des ffiaftrotrts Vomschloß sprach Dr. Froesenius- Berltn über das Programm der Deutschnatio- nalen und behandelte ick längeren Ausfüh- rungen die Weimarer Verfassung, die reform­bedürftig sei. Seine Ausführungen waren überwiegend juristische Anschauungen.

^‘>D- Der MSnnergesangver- etrt Kolbe halt am 13. b. Mts., abends i/28 Uhr, tm großen Kranz'schen Saale ein Kon- 3ert ab. Das vom Chormeister aufgestellte Programm soll über die Alltagssorgen hin- helfen Da bie Nachfrage nach Harten ’W* m,tr ?"em vollen Sause ZU rech­nen. Näheres spater im Anzeigenteil.

rkrelS Frankenderv

4‘ R°v. Endlich ist der Erneuerung (Teerung, der Straßen- decke der Landstraße Bad Wildungen-Fran­kenberg—Battenberg begonnen worden " Die Bauarbeiten werden z. T. von den Baufirmen Neuschaser, Mentzel, Müller in Frankenberg Marburger Baufirma ausgefiibrll Kostenaufwanb für den Ausbau der Straße belauft sich auf etwa 50 000 Jl. Da<- wird von den Kraftfahrern besonders begrüßt, da die Sraße in einem ziemlich verwahrlosten Zustande war

Aus dem smrretö

Schwerer Sturz mit dem Motorrad.

0 ffi ladenbach, 4. Nov Auf der Strake zw.sLn Sinkershausen undFrohnhauen fuhr der Motorradfabrer Wagner von Ruchenbach S,'™. entgegenkommendes, unbeleuchtetes e Fahrer wurde von feiner Ma­

schine geschleudert und trug erheblicke Kons-

Freiwilliger Arbeitsdienst.

Äombtrd), 5. Nov. In der hiestaen Ge­meinde hat der freiwillige Arbeitsdienst be- bfflrIbtiroe£mrit-te ^macht. So wur- niL®em ,®<ru «nes neuen Sport« 5,7hes ungefähr 20 junge Leute die die NckäftK^LA" getroffen hatte, Ar kEer.Ebensoviel fanden Arbeitslose bei ber Ho Herlegung eines Teils der Straße

Kombach-Wilhelmshütte zur Siche­rung des neuangelegten Sportplatzes vor .Hochwassergefahr Bffhäftigung. Weiter wird schon seit einigen Monaten eine beträchtliche Anzahl. Erwerbslose bei Waldweaeverbeffe- rungen in der Försterei Kombach beschäftigt. Gegenwärtig plant die Gemeinde, nachdem dre Bewilligung für die dringliche Instand­setzung einer Straße im Ortsbering besorgt wurde, die schon längst verbesserungsbedürf­tigen Feldwege in der Gemarkung Kom- dach auszubauen. Sollte das Proiekt zur Ausführung gelangen, so könnten sämtliche Nigendkiche Arbeitslose unter 25 Jahren wie­der in den Arbeitsprozeß eingeführt werden.

Eckelshausen, 5. Nov. Am 27. Okto­ber vollendete die älteste Einwohnerin des Ortes, Frau Elisabeth Schmidt Ww„ geb. Müller ihr 90. Lebensjahr.

ftefö Ziegenhain

a Ziegenhain, 4. Nov. In Weißenborn wurde der letzte Veteran saus dem deutsch- französischen Kriege 18-0/71, der 85jährige langjährige Drtsbtener Johs. Vogel, unter Erweisung der militärischen Ehren zu Grabe getragen. Er gehörte dem Kurhess. Jnf.-Rqt. Nr- 83 an. — Die 20jährige Tochter des Land­wirts Kern hatte auf dem Kartoffelacker einen kleinen Pickel auf ber Backe aufgedrückt. Die kleine Wunde rief eine Blutvergiftung her­vor, an deren Folgen das junnge Mädchen in Hephata gestorben ist.

(Nachdruck verboten!)

Der Mino im Feuerofen

2toman von Heinz 61 e g u D> e r t.

80. Fortsetzung.

3wöt buken wir unsere Steine so werk- gerecht, wie sie des Vaters Vater noch ver- K8”’ stch in den Menschen

etwas geändert, was in die Formeln des nuht mehr paßte. Kurz: Vater '"Ke uns keineswegs das Dasein, und dre Mutter predigte Friedfertigkeit obwohl der Alte, wenn er sich tm Zorn nicht mehr kannte, selbst .kleinen Sebastian seiner unehelichen Kindschaft wegen mit Hochmut begegnete. Wres ich dann den alten Tropf zurecht und versuchte ihn Maria zu belehren, dann nannte er fie eine respektlose Person, zu semer Zett hatten dte Kinder noch Sie zu ihren Eltern sagen müssen. Fast jeden Tag rieb sich so eine Fläche an der andern und an den flammen konnte man sich nur verbrennen, mitnichten entzünden. Kaum gab es noch etwas, was der Nörgler ver­schonte. Bald gefiel ihm Marias Frisur nicht, bald bezichttgte er seine Frau der Untreue, wenn sie seiner Kritik nicht be­dingungslos zustimmte Bald schnüffelte er in den Kochtöpfen, bald nannte er die Erießmehlsuppe einen Armeleutefraß, be­klagte sich aber gleichzeittg über unfern mangelhaften Familiensinn, unter dem er wohl eine Abart Ser Lecheigenschaft vor- ftellte. Eine glasige Kartoffel, ein lockerer Hosenknopf, ein zu steif geratenes Falten­hemd, alles brachte das Haus in Aufruhr, alles wurde zur Katastrophe aufgepumpt, und wenn der Alte dann lauter brüllen «nnte als die Posaunen von Jericho, so Mhlte er sich schon im Recht. Der gute Mann war der Ansicht, die Jugend hätte redialia) bie Aufgabe, vor dem-Alter ihr