Einzelbild herunterladen
 

Stift 7

DbetbeHifdfe Bettung, Marburg e. L. Sonnabend, den 5. Rovemb« 1932

Nr. 261

TSJ-

Aus -em GeLichtsfaal

pfg.;

HoV®

KÖNIGIN VON

EvanseliWr W-MHMienst im WWW

Ein grauer, kalter Winter steht wieder vor der Tür, mit ihm Frau Sorge. Die Not und das Elend der Erwerbslosigkeit find leider nicht gewichen, fie find heimisch geworden in | unserem armen Volke und haben ihr Fron- | gebiet erweitert. Das schier nicht enden

Wieder einmal Wahltag

Gewählt wird von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags

Vor der Strafkammer standen gestern , nur Verufungssachen, von denen die meisten ohne Erfolg blieben.

So hatte sich ein Hilfsförster aus Dautphe zu verantworten, der mit dem Gastwirt rn Streit geraten war. Bei diesem Streit wurden von beiden Seiten Biergläser benutzt, Rach der Entscheidung des ersten und auch des zweiten Gerichts trägt der Hilfsförster die Schuld, der dann auch wegen Körperverletzung zu 48 RM. Geldstrafe verurteilt wurde.

Im nächsten Fall hatte fich ein Land­wirt aus dem Wohratal, zu verantwor­ten. Er hatte mit seinem Kuhgespann mcht die rechte Straßenseite eingehalten. Dabei hatte er einen Motorradfahrer mit seinem Beisitzer in Gefahr gebracht. Der Sturz der beiden Fahrer war so schwer, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mutzten. Der Vor­derrichter hatte auf 100 NM. Geldstrafe er- fomu. "Das war dem Bäuerlein, dem, es schon nicht gut geht, doch zu viel. Mit seiner Berufung hatte er Glück, denn das Gericht ermäßigte die Strafe auf 30 Mark und gab ihm die Anweisung, wenn, er nicht fahren kann, dann solle er die Kühe allein gehen lassen.

Dann erschienen zwei junge Burschen aus Erksdorf, die nach einem Fußballspiel zwei Leute überfallen haben sollten. Der Vorfall, der sich am 10. Januar in Erksdorf ereignete, konnte auch in der Berufungsverhandlung nicht recht aufgeklärt werden. Bei der Schlä­gerei hatten nämlich zwei Burschen aus Lan­genstein eine gehörige Tracht Prügel bekom­men. wobei einem das Jochbein eingeschlagen worden war. Dieser hatte sich als Neben­kläger angeschlossen und hatte gegen das frei­sprechende Urteil von Neustadt Berufung ein­gelegt. Gestern behauptete er, dah er den einen genau als Täter erkannt habe. Auch der zweite Bursche aus Langenstein will den zweiten Angeschuldigten erkannt haben. Wäh­rend der erste Angeklagte behauptet, über­haupt nicht bei der Schlägerei gewesen zu sein, gibt der zweite zu. sich mit dem emm geprügelt zu haben, aber nur aus dem Grund, weil dieser ihn angefallen habe. Auch ine Berufungsinstanz konnte keine Klarheit in die Angelegenheit bringen. Es bleibt bei dem Freispruch.

Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde ein Kommunist, der dasEder-Echo herausgegeben, aber vergessen hatte, den Na­men bes Druckers darunter zu setzen. Auher- dem hatte er Flugblätter verteilt, die nicht 24 Stunden vorher angemeldet worden waren. Hierfür hatte er 60 Mark Geldstrafe erhalten. Diese Strafe muhte aber aufgehoben werden, da die Besttmimingen über die Flugblätter

vor der Aburteilung des Angeklagten aufg»> hoben worden waren.

Er hatte sich aber noch gegen das Muni- tions- und Waffengesetz zu verantworten. Da er einen Auslandspaß besitzt, hatte man es vorgezogen, ihn bis zum gestngen Tag m Untersuchungshaft zu bringen, da man an­nehmen mutzte, datz er eines Tages aus erran- kenberg verschwunden wäre. Emes ^ges hatte die Polizei in Frankenberg dm Auftrag erhalten, bei Funktionären der KPD. nach Waffen, Munitton usw. zu suchen. Erne solche Untersuchung wurde auch bei dem An- «en vorgenommen. Während man tn ohnung nichts fand, fand man aber in einer Hütte auf seinem Acker gut verpackt 205 Schuh Maschinengewehrmunition, die sehr gut gereinigt und sehr gut verpackt in dieser Hütte versteckt worden waren. Der Ange­klagte Seit ritt ganz entschieden, die Munitton dorthin gebracht zu haben. Ueberhaupt habe er keine Kenntnis von der Plunitton. Er war der Ansicht, dah Sandwerksburschen die Munition dort untergebracht hatten. Es könnte aber auch sein, dah,gute Freunde ihm einen Streich hätten spielen wollen. Ja, er ging soweit, dah er sagte, dah der Bürger­meister Dertz hierbei seine Hand im Spiel gehabt haben könnte. Dann drehte er sich und war der Ansicht, dah ein Kraftfahrer namens Sippe! die Munition dort versteckt hätte. Er seit mit diesem früher gut Freund gewesen und seit längerer Zeit seien sie ent­zweit. Der Polizeiwachtmeister Hätte diese Sache aber auf und sagte, Sippe! und der Angeklagte hätten immer zusammen geschlach­tet und dabei soll der Angeklagte den anderen Lbervotteilt haben. Das Gettcht war der An­sicht, dah nur der Angeklagte von der Mu­nitton gewuht habe, und besieh es bet der Strafe von 3 Monaten Gefägnis. Der Haftbefehl wurde aufgehoben.

Zum Schluh erschien noch ein Bauer aus Wohra, der mit einer Witwe seit langer Zeit in unerlaubten Beziehungen gestanden hatte. Die Frau wollte aber dann nichts mehr von ihm wissen. Als er sie nun wieder traf, da sott er sie tätlich beleidigt haben. Auch hier bleibt es bei der.Strafe des Amtsgerichts Rauschenberg von einer Woche G ii - l'ängnts.u.

Die Wahllokale und die Abgrenzung der Wahlbezirke.

Bezirk 1 Wahllokal: Rathaus (Stadtver- ordnetenfitzungssaal).

Aulgaffe, Barfützerstratze. Gehrens Eähchen, Judengasse, Mainzergasse, Markt, Markt- aasse, 'Nicolaistrahe, R e i t g a s s e, Rüben- steln, Schneidersberg, Schubmarkt, Stein­gasse, Wendelgasse, Wettergasse.

Dezirl 2 Wahllokal: Gymnasium (Turn­halle).

Am Grün, Am Plan. Augustinergasse. Hirsch­berg, Hofstadt, Kasernenstrahe, Krebsgasse, Lahntor, Langgasse, Metzgergasse, llntergasse.

Bezirk 3 Wahllokal: Katholische Schule.

Am Dammelsberg, Barfühertor, Behring- weg, Bunter Kitzel, Calvinstraße, Kugelgasse, fiAö.b.flXA-f -Philipp-Strahe, Luth. Kirchhof, Lutherstrahe, Ritterstrahe. Roten­berg. Sandweg. Sybelstrahe, S ch l o h, Schlohtreppe.

Bezirk 4 Wahllokal: Philippshaus (Bü­cherei).

Bismarckstraße, Friedrichsplatz, Friedrich- strahe, Universitätsstrahe, Schwanallee, Schwangasse.

Bezirk 5 Wahllokal: Kath. Stud -Berbrn- dungshausUnitos", Schwanallee 43.

Am Krekel, Dörfflerstrahe, Frankfurter­strahe. Frauenbergstrahe, Gisselbergerstratzc. Moltkestrahe, Orleansstratze. Rollwiesenweg. Sedanstrahe, Teichwiesenweg, Weihenburg- strahe, Werderstrahe. Zeppelinstraße.

Bezirk 6 Wahllokal: Oberlqzeum (Aula).

Auf der Weide, Haspelstrahe, Jägersttatze, Schulstraße. Wilhelmstrahe. Wörthstrahe.

Bezirk 7 Wahllokal: Gasthaus »Zeih«, Cap- pelerstrahe 2.

Alter Kirchhainerweg, Auf dem Wehr, Bahn- värterhälsier, Bürgerwiese, Cappelerstrahe einschl. Landesheilanstalt, Fähnrichsweg, Ealgenweg, Grohseelheimerstrahe, Hahnen- Ö», Hindenburgstrahe 1639, Höhlsgasse, nstrahe, Kaffweg, Kappesgasse, Körner­firahe, Lingelgasse. Scheppe - Gewigengasse, Schröckerstrahe (Sanatorium oonnenbha), Weidenhäuserstraße, Weintrautstratze, Spie­gelslustweg, Trofedamm.

Bezirk 8 Wahllokal: Oberrealschule (Turn­halle).

Biegenstraße. Heusingerstrahe. Mühltreppe, Pilgrimstein, Rudolphsplatz, Savignystraße, Wolsfsttahe

Bezirk 9' Wahllokal: Rordschule (Turu- Am°8einberg, Bunsenstrahe. Deutschhaus- strahe, Firmaneistrahe. Fr>:dr.-Stebett-Weg. Ketzerbach, Kirchspitze, Robert-Koch-«trahe, Lahnstraße, Mannkopfstrahe, Rosenstrahe, Uferstraße, Zwischenhausen.,

Bezirk 10 Wahllokal: Steinwegsale, Stem- weg 4 (Gesangszimmer). .

Am Schlag, Ellenhöhe, Gartenweg, Harnweg, Köhlersgrundgasse, Leckergäßchen Mar- bamerweg, Neustadt, R e n t h o f. Wilhelm, Roser-Strahe, Rotergraben. Sauersgaßchen. Steinweg. Wannkopfstraße ,

Bezirk 11 Wahllokal: Hessischer Hof (Ww.

Eberti.

Afföllerstratze, Bahnhofstraße, Cölbersttaße. Eisenstraße, Elisabethstraßc. Htndenburg-

firaße 13, Mauerstraße, Wehrdaerweg, Zimmermannstratze.

Bezirk 12 Wahllokal: Reftauratton Stadt Straßburg (3. Fröhlich).

Alte Kasselerstratze, An der Schäferbuche, Andrestraße, Blitzweg, Elsassnftrahe, Eeorg- Voigt-Stratze, Huteweg, Im Gefalle, In der Knutzbach, Kl. OttenLergstrahe, Lothnnger- straße, Ortenberg. Neue Kasselerstraße, Som­mergartenweg, vchützenstrage, Sptegelslust, Violastratze.

Bezirk 13 - Wahllokal: Stadtbeil Ocker-Hau­se«, Klassenzimmer in der Volksschule.

Alte Kirchhofgasse, Am grünen Hang, Bach- woq, Borngasse, Gladenbacherweg Habtchts- talgasse, Herrmannstraße, Hohe Leuchte, Hohl­weg, Ockershäuser Allee, Ockershauser Schul­gasse, Ockershäuser Stratze, Stiftstrahe, stadt- waldstraße, Taubenweg, Wiesenweg, Ziegel- stratze, Zwetschenweg.

Bezirk 14 Universität-- Krankenanstalten.

Wieder einmal soll der deutsche Burger wählen zum fünften Male m einem Jahr! Wohl niemand hat mehr sonderlich Lust, fort­gesetzt zur Wahlurne zu wandern, aber es hilft alles nichts. DiePartei der Nichtwäh­ler" stärken, wäre wohl das Schlimmste, was der deutsche Bürger tun könnte, ebenso sinn­los wäre es, irgend einer Splitterpartei die Stimme zu geben, da sie doch keine Mandate für fich buchen kann. Die zugelassenen Par­teien find unseren Lesern bekannt und es ist heute nach den vielen Wahlen für jeden ein Leichtes, auf dem Wahlzettel die Partei zu finden, der er feine Stimme geben will.

Zweckmäßig ist es, wie bei jeder Wahl möglichst früh zu wählen, die Wahl­zeit dauert von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags. Die Wahllokale und die Abgrenzung der Stimmbezirke, bei der einige kleine Aenderungen eeingetreten sind, geben wir nachstehend noch einmal bekannt.

Was die Wahl selbst betrifft, fo ist für die Stadt Marburg zu beachten, daß die Wahl dieses Mal in das Semester fällt, was also in der Wahlbeteiligung und in der Stimmen­zahl zum Ausdruck kommen wird., Bel der letzten Wahl wurden allein 2575 Stimmscheine noch auswärts ausgestellt. Für den Land­kreis Marburg ist durch die Zusammen­legung der beiden Kreise Marburg und Kirch­hain eine wesentliche Aenderung eingetreten, ist doch die Zahl der Stimmgemeinden von 88 auf 127 gestiegen. Nachstehend geben wir noch einige

Bergleichszahlen

und zwar das Wahlergebnis von der letzten Reichstagswahl am 31.7.32:

Stadt Marburg: NSDAP. 8475, SPD. 2578, DNVP. 1850, Zentrum 1037. KPD. 879, DVP. 538, Christi. Volksdienst 257, Staats­partei 208.

Landkreis Marburg (einschl. Kreis Kirchhain): NSDAP. 19 711, SPD. 5875, Zentrum 5811, KPD. 1993, DNVP. 1357, Christl.-Soz. Volksdiei- 423 und DVP. 267.

It'-k

wollende $eer der Arbettslose«, ..der Hofft mmgsloftn, Verbitterten. Verzweifelten, 'fi noch gNiwchsen. Da heißt es für uns Ctzisten und Deutsche, besonders fest zusammenftehen und einer des anderen Last mittragen zu hel­fen als Kinder eines Volkes, als Meuchen, denen es um ihren Glauben heiliger Ernst ist. Wir wollen einander helfen, wo wir können! Und wie ist das möglich? - Der Evgl. Wohlfahrtsdienst im Philippshaus bat, im Einvernehmen mit der städtischen Winterhilfe, einen Weg gefunden, den im letzten Winter schon vrele Hunderte wirklich Bedürfttger mit Erfolg ge­gangen find. Damals wie auch jetzt wittier werden von dieser Stelle grüne SBo*1 fahr tsgutsch eine das Stück für 10 .. ausgeyeben an jeden, der sich an diesem fegens» reichen Hilfswerk beteiligen möchte Ein Heftchen dieser grünen Schecks kostet 1 Jt und enthält 10 Stuck. Kommt nun ein Hilfesuchender mit solchem Wohl­fahrtsscheck auf unser Büro im Philippshaus, so kann ihm von dott aus durch die freund­liche Berettschaft des Vaterländischen Frauen­vereins vom Roten Kreuz in der Deut: ch- haus-Klinik ab heute 'chon auf diesen einzelnen Schein hin eine Portion gutes warmes Mittagessen verschafft werden. Auch ist in Ausficht genomen, wenn die Not es er­fordert. auch im Philippshauft eine Volks­küche einzurichten. Auf ähnliche Weift gelang es uns zusammen mit derElisabeth- Speisung" im vorigen Winter bereits etwa 2000 Mahlzeiten an hungrige Notleidende zu vergeben. Nicht eingelöste Gutscheine bedeuten keinen Schaden für unser Hilfswerk. Das eingenommene Geld dafür wird von uns in Kleidung Kohlen, Lebens­mittel umgewandelt und kommt dann nur in anderer Form doch wieder den Bedürftigen zugute. Daher richten wir wie im vergange­

nen Herbst auch dieses wlar an aue oie herz­liche Bitte:

.Leist helfe«, wo Hilfe «ottut!"

Doch kann dieses System der Wohlfahrts- Gutscheine erft dann voll und ganz seine "egensreiche Wirkung ausüben, wenn fich die Bevölkerung Marburgs dieser Schecks mög­lichst lückenlos bedient. Das will sagen: falls Wanderer oderReisende" oder Bettler an die Haustür kommen um eine Unterstützung z« er­bitten, sollte grundsätzlich kein Geld mehr gegeben werden, weil der einzelne Spender keine Konttolle über die Verwendung dieser Art Unterstützung hat. Selbstverständlich sei es niemandem verwehrt, nack persönlichen Eindrücken von wirklicher Not der christlichen Liebespflicht auch an der Türe zu genügen. Da aber der Bettel in unseren Tagen zu einer Plage sich ausgewachsen hat, der manche Fa­milien rein wirtschaftlich nicht mehr gewachsen find, obschon der Wille zu helfen besteht, soll die Möglichkeit, dem Bittsteller durch einen Gutschein zu helfen, die Haushalte entlasten. Wir haben für diesen Winter auch die Mög­lichkeit geschaffen, schon für geringe Beträge Wohlfahrts-Gutscheine erwerben zu können. So tritt jetzt neben das bereits erwähnte grüne Heftchen mit 10 Schecks ä 10 Pfg. das rosa Heft zum Preise von 50 Pfg. mit 10 Schecks ö 5 Pfg. und das blaue Heft zu 2 5 Pfg. mtt 10 S ch e ck s ö 2,5 P f g.

Dieft Gutschein-Heftchen find ab Montag der nächsten Woche (7- November) erhältlich bei unserem Evgl. Wohlfahrtsdienst im Philippshaus (Bürostunden: vor­mittags 8.30 Uhr12 Uhr) und außerdem in den folgenden Geschäften: Drogerie Estor, Steinweg 40; Buchhandlung Sonnenschein, Neustadt 11; Feinkosthandlung Ruppersberg, Wettergasft 29; Orthop. Schuhgeschäft Stet, Frankfutter Straße 35 und bei Herrn Kauf­mann C. Dein, Kasernenstrahe 7.

Bemerkt sei noch, datz zwecks Konttolle jeder die'er Gutscheine erst seine Eülttgkeit für den betreffenden Hilfsbedürftigen erhält durch Abstempelung auf unserem Büro. Der Bitt­steller muß fich daher mit dem an einer Tür bekommenen Wohlfahrts-Scheck zunächst ins Philippshaus begeben, wo genaue Listen ge­führt werden.

gez.: Schmidmann, Kreispfarrer J.A.: E. v. Butkowfki

gez.: Pfarrer Heppe. Leiter des evgl.

Wohlfahrtsdienstes.

s»s

S(

§

O'