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OberveMche Zettvn«, Marburg «. XL. Sonnabend, den 5. November 1932

Nr. 261

Öffentliche Versammlung -er NSDAP.

In den völlig überfüllten Stadtsälen sprach am Donnerstag abend in einer öffentlichen Wahlversammlung der NSDAP, der Land­tagspräsident Serri . Der Redner führte etwa folgendes aus:

Das Volk habe annehmen müssen, daß die Wahl am 31.7. bis auf längere Zeit die letzte sein sollte. Es wurde ja nach dem St^rz Brünings nur noch einmal gefragt, von wem es geführt fein wolle. Und darauf habe es die deutliche Antwort gegeben: Nur von Adolf Hitler. Man hätte auch anneymen müssen, daß der Reichspräsident entsprechend seinem Verhalten gegenüber dem Sozialdemokraten Hermann Müller Hitler zum Führer des Ka­binetts machen würde. Hitler habe sich ja ausdrücklich zur Ueb'ernahme der Verant­wortung bereit erklärt. Er habe nicht die gesamte Reichsgewalt verlangt, die Kabinetts­bildung fei neuen Verhandlungen vorbehal­ten geblieben. Das Wort:Die gleiche Macht wie Mussolini" sei eine Erfindung der Reichs­pressestelle, und auch die anderen abweichen­den Darstellungen hätten nicht aufrecht erhal­ten werden können. Als man ihm nur einen Titel, nicht aber die Führung anbot, habe Hitler am 13. August das getan, was er tun, mußte, und die Entwicklung habe ihm völlig recht gegeben. Alles, was Herr von Papen mit viel Schwung begonnen ^be, fei fehlgeschlagen. Woher nehme er, der 13 Jahre im Zentrum saß, die Autorität her. auf die er sich berufe? Aus seinen Taten habe er sie gewiß nicht nachgewiesen. Stütze er sich aber auf die Autorität Hindenburgs, so dürfe niemand vergessen, daß gerade Hindenburg am 9. November die 500jährige Tradition der Hohenzollern nicht geschützt habe. An den Begriff jener unbestrittenen Autorität eines alten Herrschergeschlechts könne man also heute nicht anknüpfen. Der Reichspräsident werde durch das Volk gewählt, genau so wie ein Reichstag. Daß Herr von Papen aber das Vertrauen dieses Reichstages nicht besessen habe, sei trotz aller formaljuristischen Strei­terei eindeutig festgestellt. Nun seien von einer Regierung, die sich auf dieAutorität" berufe, Neuwahlen ausgeschrieben worden. Und bei diesen Wahlen spekuliere die DNNP., die sich Über die kurzen Verhandlungen der NSDAP, mit dem Zentrum so entrüstet zeige, nur auf die Möglichkeit, wieder eine Koalition mit dem Zentrum bilden zu können, wie sie ja auch heute noch in Wiittemberg mit dem Zentrum zusammen regiere. Genau so, wie Hugenberg nach der Wahl dieSünde wider den heiligen Geist" gern noch einmal wieder­holen möchte, liefe er jetzt hinter dem ehe­maligen Zentrumsmitglied von Papen her, der heute nock der Besitzer der Mehrheit der Aktien des führenden Zentrumsblattes sei. Herr Hugenberg und Herr Steuer sollten also nicht so viel von der schwarz-braunen Koa­lition sprechen, denn der Wähler mache sich über diese Dinge doch ein eigenes Urteil. Daß aber ausgerechnet der NSDAP, van den Deutschnationalen vorgeworfen würde, sie wolle den Parteistaat galvanisieren, sei widersinnig. Die DNVP. werde allerdings immer nur eine Partei bleiben, nie eine Be­wegung werden, und sie werde immer auf Koalition angewiesen bleiben, niemals mehr zur Führung berufen sein. Die NSDAP, da- geaen sei nur das in der heutigen Demokratie notwendige Mittel, ihr Ziel bleibe die I Ueberwindung des Parteienstaates und die I Gewinnung der wahren Volksgemeinschaft. I

Volksgemeinschaft sei aber ganz etwas anderes als diese hauchdünne Schichtbeffe- rcr Leute", die heute von dem Sehnen des Volkes keine Ahnung hätte. Wie könne eine so dem Volk entfremdete Schicht eine Ver­fassung schaffen, ja von oben befehlen wollen? Deutsche Demokratie heißt, daß sich das Volk bei gemeinsamem Kampf und ge­meinsamen Handeln dem erwählten Führer freiwillig unterordnet. Also der Gedanke der L e i st u n g und persönlichen Bewährung sei die Grundlage einer Verfassung, die selbst erst Niederschlag, nicht aber Vorläufer einer gesunden Entwicklung sein könne. Es sei kein Wunder, daß Herr von Papen mit seiner Verfassungsreform schon in den ersten An­fängen stecken geblieben fei. Genau so fei es mit der Ankurbelung. Was nützten Subventionen für die Industrie, wenn man

Freuet euch mit den Fröhlichen unb weinet mit den Weinenden."

Niemand hat sich das Leben des Christen schlichter und unscheinbarer vorgestellt als der Apostel Paulus, der Mann, dessen ge­waltige Lebensarbeit nach 2esu Tode berufen war, die erste Bresche in eine versinkende und absterbende Kulturwelt zu legen. Der Mann, dessen Leben an großer Dramatik so reich und dessen Seele des Gigantischen so voll ist, der die ganze damals bekannte Welt bereiste, er geht als einfacher Teppichwirker seinen Weg und hat so gar nicht das Verlangen, eine große Rolle zu spielen. Rechtschaffen­heit und Ehrbarkeit gelten ihm mehr als alles andere.Hat jemand ein Amt, so warte er des Amtes: lehrt jemand, so warte er der Lehre: regiere jemand, so sei er sorgfältig" usw.Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedri­gen", will sagen: Erfülle erst deine Heinen Pflichten, bevor du dich als Weltreforma­tor fühlst.Habt einerlei Sinn unterein­ander."

Das sind keine geistvollen Aphorismen, wie sie die Schriftsteller drucken lassen, son­dern Sklzzenstriche lm Brief an seine Freunde in Rom. Wer von unserer modernen Poin­tensucht genugsam angekränkelt ist, möchte in Gefahr kommen, sie als geradezuphiliströs" abzulehnen: wer aber etwas Sinn und Ver­stehen hat für die einzigartige Erscheinung des Mannes, der diese Anweisungen gibt, dem scheint gerade im Kontrast zu der ge­waltigen Leistung, die das Leben des Paulus bedeutet, hier eine seiner ganz besonderen Stärken zu liegen. Diese christlichen Lebens- regeln bedürfen nicht der äußeren Auf­machung, sie tragen ihre Stütze in sich sel­ber:, und sogar ihre Verteidigung gegen alle Geistreichen" aller Zeit:Haltet euch nicht selbst für klug." Man ist fast geneigt, dieses Wort für unsere- Zeit umzuformen: Haltet euch nicht selbst für interessant. Da steckt nämlich die Wurzel aller Einwände ge­gen die schlichte Ehrbarkeit, gegen die un­scheinbare Pflichterfüllung, die einem jeden Leben erst Größe und Tiefe verleiht.

doch keinen Absatz habe und nur auf Lager arbeite. Wer könne diese Dinge kaufen, wenn die Löhne immer weiter gesenkt würden? Es nütze nichts, aus dem Programm der NSDAP ein paar Punkte zu übernehmen. Eine Idee verwirklichen könne nur der, in dessen Kopf sie geboren ist, und der zugleich die wahre Autorität, nämlich das Vertrauen des Volkes besitzt. Staatskunst heiße Menschen führen, ihren Willen einstellen auf ein großes Ziel. Staatskunst fei aber nicht, anderen einen Programmpunkt absehen und damit Profite für Großbanken und Schwerindustrie erzielen wollen. Es sei doch ein Wahnsinn, am Ende einer Wirtschaftsepoche immer noch von den Gesetze n dieser Wirtschaftstheorie zu sprechen, sie als heilig und unantastbar an­zusehen. Die Maschine sei genau so zum Herren der Menschheit geworden wie das

Freuet euch mit den Fröhlichen und meinet mit den Weinenden!" Je weniger wir uns mit uns selber beschäftigen, aus um so stär­keren Quellen wird uns echtes und gesun­des Selbstbewußtsem erwachsen. Aus der Selbstbespiegelung ist tausendfältig die Ein­bildung gewachsen, aber noch nie der ehrliche, demütige Stolz des freien Mannes. Und noch tiefer ins sittliche Leben greift diese Wei­sung hinein: es ist nicht von ungefähr, daß gleich der nächste Satz int Römerbriefe lau­tet:Vergeltet niemand Böses mit Bösem", dessen Gedanke sich steigert in jenemes steht geschrieben: Die Rache ist mem, ich will vergelten, spricht der Herr".

Die Wurzel zur Rachsucht, also zu einem der niedrigsten Laster, wenn wir von den sinnlichen absehen, liegen in der lleberschät- zung unserer eigenen Person. Rache hat ja nichts mit Gerechtigkeit zu tun: denn wenn ich mich rächen will und sage, es müsse die böse Tat des andern vergolten werden, so ist das zum mindesten eine Selbsttäuschung. Das Heine, winzige, in seiner Eitelkeit ge­kränkte Ich will seine Rache, sonst niemand. Dieses Ich aber ist es gerade, was seit dem Leben Iesu nicht mehr eristieren dürfte, weil uns dieses schlichte Leben und das derer, die ihm nachfolgen, hineinstellt und hinein- flicht in die große Welt der tausend Zu­sammenhänge, die Gottes Welt ist. Da wird aus dem kleinen, selbstischen, sterblichen Ich jenes große, in beinahe unbewußter Stärke ruhende Selbst, das gereift ist am Du. An dem Du. das die Brücken schlägt zum Bruder und zu Gott.Seid brünstig im Geiste", aber:Schicket euch in die Zeit". Wer in der Tiefe unangefochten ist vom Schicksal und das Hadern mit Gott ver­lernt hat, wenn es einmal1 nicht nach seinem Willen geht, der wird gewiß nicht mit Men­schen hadern: in dem ist für Rache kein Raum.

Und so fügt sich auch jene Freude mit den Fröhlichen und die Trauer mit den Trauernden ein in'den noch größeren Rah­men der inneren Stille:Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet". Diek.

Sonntags-Eedanken

Gold.3)er Fluch des Goldes kehrt in der deutsche Sage und Geschichte immer wieder Wir haben die schönsten Erfindungen, die vollkommensten Maschinen, aber wo ist Ar­beit für den Schaffenden, wo ist die Woh­nung, wo das tägliche Brot? Nicht Gold unb Kredit können uns retten. Solange der Bur­ger gegen den Arbeiter steht, beide sich be­kämpfen zur Freude des Großkapitals, so­lange kann keine Wirtschaft und kein Volk gesunden. Erst müssen wir wieder ein Zhi haben, unter einem Führer stehen, einem Glauben und einem Schicksal verbunden sein.

Das fei aber nicht möglich auf dem Weg über den Klassenkampf oder die internatio­nale Verbrüderung, nicht auf dem Wege über Gleichmacherei und Enteignung.Wir brau­chen eine soziale Gemeinschaft der Nation, die den Einzelnen nach feinen Fähigkeiten und feiner Leistung einordnet und allen Schaffen­den wieder zur Menschenwürde und Freiheit verhilft. Dieser deutsche Sozialismus ist allein wahrer Nationalismus." National fein heißt nicht, das Land lieben, wenn es groß und mächtig ist, und fei es auf Kosten der Armen, sondern national fein heißt, Deutschland lieben zu jeder Stunde, leben unb denken für jeden Volksgenossen, und gerade für den Aermsten.Der Arbeiter der Faust ist kein Prolet, ihm gebühren nicht Almosen, sondern sein Recht. Der Staat ist nicht die Drganifation aller Volksgenossen. Erst wenn alle wieder an das gemeinsame Schick­sal denken, alle der Erhaltung der Rasse unb der Freiheit der deutschen Scholle dienen unb wirkliche Opfer bringen sollten, erst bann kann Deutschland neu geboren werden." Der Nationalsozialismus habe dem Einzelnen nie­mals Versprechungen gemacht, sondern immer nur Opfer gefordert. Er fordere auch weiter, daß jeder Einzelne sich in sich selbst erneuere und ein selbstloser Diener des Ganzen werde. 5Bas experimentieren die anderen sinnlos an Deutschland herum. Einmal an der Wirtschaft, einmal an der Verfassung, einmal an den Beamten, einmal .an der Arbeiterschaft. Aber nur einer fei da, der dem Volk einen neuen © I a ub e n gegeben hat, nur einer, der Ge- memfdjaft fordert im Gehorchen und Dienen, Adolf Hitler.Aus wenigen wuchs unter ihm ein neues Geschlecht, nicht Bürger ober Prolet, nicht Besitzender ober Enterbter, son­dern nur Volksgenossen. Und diese Soldaten des neuen Deutschland marschieren, bringen Opfer über Opfer, keinem äußeren Gesetz gehorchend, nur der inneren Stimme verpflichtet. Sie kämpfen für etwas, was über Geld und Gut, über Rang und Stand geht. Sie stoßen auf Widerstand, es fallen harte Worte, es werden Fehler gemacht, aber sie kämpfen doch unentwegt nur für die Ge­samtheit, für ihr Vaterland. Und dieses Vaterland ist noch einmal am 6. November der Entscheidung der Wähler anvertraut." Der Redner schloß mit den Worten:Mögen sie die Stimme der Zeit hören, ihre Aufgabe er­kennen, bann wird aus dem Glauben die Tat, aus der Bewegung bas Volk, aus dem Werk Adolf Hitlers das neue Deutsch­land." Dr. S.

Verlag T>rx (£. Hitzero 1 h. Hauptschristleiter mitverantwortlich für Po­litik und Feuilleton: Dr. Ern st S ch e11 er: für Kommunalpolllik. Provinz und Lokales: Lothar Schneider, sämtlich in Marburg.

Ae Ausslkllun« ter MUt Benter Im Sunilinslltut

Die Ausstellung der Familie Bantzer wird am 20. November hier geschlossen und soll dann in Kassel gezeigt werden. Der Besuch ist für Marburger Verhältnisse außerordentlich gut, wobei bemerkt sei, daß Künstler und Kunstliebhaber auch von aus­wärts, ja sogar aus Darmstadt und weiter gelegenen Orten, sich die Besichtigung der einzigartigen Ausstellung nicht entgehen lleßen. Es sind bis jetzt wohl 4000 Be­sucher zu verzeichnen. Aber es gibt doch noch viele, die die Ausstellung noch nicht gesehen haben. Darum sei mxAnals daran erinnert.

Ein Bild aus der Ausstellung, und zwar eins der allerbesten, dürfte vielleicht hier- lbleiben. Es handell sich um eins ber hervorragendsten Werke Prof. Vantzers, den Tanz", der bisher in der Galerie War­burg in Hamburg hing, die nach dem Tode des Besitzers aufgelöst werden soll. Wie

,Mc Verhandlungen zum Ankauf schon wert gediehen.

Je öfter man die Ausstellung sieht, um- somehr verstärkt sich der gewalllge Ein­druck, den sre hinterläßt. Nachdem wir schon ausführlich die Ausstellung be­sprochen haben, soll es an dieser Stelle jetzt nicht wiedecholl werden. Aber dem Gesamteindruck sei noch einmal Ausdruck verliehen. Wir hatten schon daraus hin­gewiesen, daß jeder Saal sein besonderes Gepräge hat, nicht etwa nach der Zeit, in der die Bilder gemacht sind, sondern nach der wesentlichen Sinngebung und nach künstlerischem Gehalt. Das wäre nichst bei jedem Künstler möglich. Earl Bantzer aber, der in seinen Bildern unter einem gewissen Zwang des Muffens sei­ner inneren Stimmung künstlerisches Le­ben erwecken will, kann das. Was in den einzelnen Phasen seines Lebens ihn inner­lich bedrückt oder erhoben hat, Schmerz- Freude, Jubel und Trauer, das erhält bei Bantzer tiefsten Ausdruck im Bilde. Der

Mensch Bantzer steht unsichtbar hinter allem, was wir sehen. And wir können nachempfinden, wenn wir uns in die Bil­der versenken, was er empfunden und auf die Leinwand gebannt hat. Man sehe mir die Farbe, wie sehr sie gerade bei Bantzer Ausdruck der Gemütsstimmung ist. Das leuchtende Rot im Tanz, bei den Mädchen im Walde, das ernste Schwarz bei der alten Bäuerin aus der Dresdener Galerie, die lichte Sonne im Erntearbeiter und vie­les andere mehr, das hier im einzelnen auszugeben, zu weit führen würde, das vor allem aber auch der Beachtung und Empfindung des Beschauers überlassen bleiben soll.

Die Ausstellung des Lebenswerkes Bantzers ist die Ausstellung eines Lebens, eines Künstlerlebens von Gehalt, Kraft und Können, eines Menschen von feinster Empfänglichkeit, edelstem Charakter und innerer Haltung. Dieses Lebenswerk auf sich wirken zu lassen, bringt inneren Ge­winn.

Die Ausstellung ist eine Ausstellung der Familie Bantzer. Da ist es ganz inter­essant, einmal zu sehen, wie die inneren Zusammenhänge der Mitglieder sozusagen erbmäßig untereinander bestehen. Zwei­fellos ist die Kraft der Phantasie, die Liebe zur poetischen Verklärung, wie sie Bantzer beseell man denke nur an die .Engelswiese", wo das Stimmungshafte konkreten Ausdruck gefunden hat auch auf seine Kinder übergegangen, und zwar offenbar auf alle gleichmäßig. Die Kraft der Farbe, wie sie 'Bantzer eigen ist, die scharfe Gegensätzlichkeit, ist besonders auf die jüngste Tochter vererbt, di« in ihren stark farbigen Kinderbüchern und Bildern zugleich einen schlagfertigen Hu­mor zeigt, der wohl von der englischen Seite der Mutter hergekommen ist. Frau Prof. Bantzer ist Halbengländerin und auch in ihrer Familie ist das Künstlerblut von Malern fest Generationen vererbt H^r Carl F. Bantzer und Frau Marigard Ohser-Vantzer haben außerordentlich viel von der Zartheit des künstlerischen Aus­

drucks ihrer Mutter, namenllich in der Farbgebung, die ganz im Gegensatz steht zu der von Fräulein Hildegard Bantzer. Besonders interessant ist auch, wie die Liebe zum Märchenhaften Und Poefischen an sich in dem Sohn Earl F. Bantzer bei aller Kraft der Darstellung, namentlich in der Zeichnung, einen durchaus eigenen Ausdruck gefunden hat, in dem die Art der Mutter irgendwie anklingt. Zu allen diesen Gedanken regt * > Ausstel­lung, vor allem bei öftere uche, an. Gerade der einem Künstl. und einer Künstlerfamilie ist es interessant und we­sentlich, diesen Gedankengängen an Hand des dargestelllen Materials nachzugehen.

Eine Ausstellung wie die der Familie Bantzer, dürften wir in Marburg so bald nicht wieder haben. Es ist zu hoffen, daß ihr auch in den letzten Wochen ein reger Besuch zuteil wird zum Besten der Be­schauer.

*

Ftlmfchav

Marschall Vorwärts".

.Eap itol. Das Capitol eröffnete gestern jemr nreitipielroodjen, in denen es eine Reihe von Spitzenfilmen bringen wird, mit dem

nationalen TonfLmwerkM a r fch a l t V o r w ä r t s". Keine geringere als Heinz Paul, der die Schlacht bei Tannenberg drehte, und Czerepy, dem wir die Fri- dericus-FLme verdanken, schrieben diesen Film vom alten Blücher. Er führt über sie­ben Leidensjahre Preußens von der Nieder­lage bei Iena und Auerstädt zur siegreichen Völkerschlacht bei Leipzig. Dazwischen liegt

Blüchers Gefangennahme, der Frieden von Tilsit, die Wartezeit des Hechsporns bei Frau und Tochter, das Zögern des Königs. Dann bringen der Brand Moskaus, der Rückzug der Franzosen und Yorks Konven­tion, von Tauroggen den Umschwung: Groß- Eörschen, Katzbach, Möckern führen nach Leipzig. Marschall Vorwärts, nun 72jährig, bringt an der Spitze seiner Truppen in die brennende Stadt. So klingt der Film in starker Steigerung des Geschehens aus.

Die Regie hat zweifellos Großes geleistet und vor allem den Eindruck der Echtheit und Sachlichkeit zu wahren gewußt. Mit Ein­zelszenen Blüchers Häuslichkeit, das große Hauptauartier auf beiden Seiten (hier ist auch Durra als Napoleon geschickt ein­gesetzt) wechseln mit eindrucksvollen Schlachtenbildern:TodesmutigeTruppen kämp­fen um Deutschlands Ehre gegen eine lieber macht. Voran zerfetzte Fahnen, die Offiziere noch hoch zu Roß und mit dem Degen. Die Bataillone in breiter Front. Und überall, wo es fehlt, Marschall Vorwärts mit seiner unzertrennlichen Pfeife in der Faust, die nur den Weg nach vorwärts weist.

Die Besetzung ist ausgezeichnet. In der Titelrolle PauIWegener. Er poltert und reifet fort, die Truppen und uns alle. Auch in der Sprache ganz der alte Soldat, der ferner Frau einmal schreibt:Ich hänge voll Orden wie ein altes Kutschpferd. Die Hauptsache aber, es geht vorwärts." Ne­ben Wegener nicht zu übersetzen: Kayßler m der Rolle des Scharnhorst, Richter als Gnmenau, Loos (der König), Peter- Hans (Povk) und Alberti (Hardenberg).

Die musikalische Bearbeitung des Films lag bet Schmidt-Gentner. Besonders stark wirkt das LiedVater, ich rufe dich".

Auch an Bildern und Aussprüchen, die un­mittelbar m die Gegenwart weisen,, fehlt es nicht: Stammtischgeschwätz von Besserwissern, Unentschlossenheit, Meinungsverschiedenheiten. Dann aber auch der entschlossene Wille zur Tat, das Z u samm en st eh en aller, als es gift, die Sklavenketten abzuwerfen und das Vaterland zu retten.

Der Film ist das Werk großer und ehr­licher Arbeit, besonders von Heinz Pauk und Wegener. Schon die Erstaufführung sah em volles Haus, und wir zweifeln acht daran, daß es auch heute und morgen nicht an begeisterten Zuschauern fehlen wird.

ir.