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*kil Uhr.

Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen liir Stadt und Kreis Marburg. Ernste Situation in Berlin

Streik bei der Gasbetriebsgesellschaft? Die gesamte Schupo eingesetzt 3 Personen erschossen

fk. Berlin, 5. Roo. Die Streiklei­tung hat heute Nacht beschlossen, den Streik fortzusetzen. Daraufhin hat die Polizei die schärfsten Mahnahmen zur Bekämpfung des Berliner Verkehrsstreikes angekündigt. Am heutigen Sonnabend früh wurde die gesamte Berliner Schutzpoli­zei aufgeboten. Sie ist angewiesen, alle Terrorakte zu unterbinden und" mit allen zu Gebote stehenden Mitteln, nötigenfalls mit der Schuhwaffe vorzugehen.

Jn/olge der Terrorakte der Streikenden in Berlin kam es auch am Freitag wie­derholt zu Zusammen st öhen mit der Polizei. Insgesamt wurden drei Personen getötet und eine grohe Anzahl von Personen verletzt. Die Strei­kenden haben im Laufe der Nacht Forde- rungeu gestellt, darunter Ablehnung des Lohnabbaus, Bezahlung der Streiktage »ud Zurückziehung der Polizei. Die Eas- betriebsgesellschaft hat die Forderungen der Belegschaft ab gelehnt. Eine Ur­abstimmung ergab eine Dreiviertel­mehrheit fürden Streik. Ob nun heute morgen die Easarbeiter sich dem Berkehrsstreik anschliehen, steht noch nicht fest.

Ruhige Rächt in Berlin.

Da noch im Laufe der Nacht zum Sonn­abend alle verfügbaren Polizeikräfte in den Straßendienst einbezogen worden sind, haben sich keine ernsteren Zwi­schenfälle ereignet. Lediglich einige Sabotageakte sind zu verzeichnen. So haben Streikende an drei Stellen die Schienen der Straßenbahn mit Zement auszegossen und die Stromleitung zerstört.

Die B. V. E. beabsichtigt erst mit Ein­tritt der Helligkeit den angekündigten Notverkehr unter stärkstem Polizei­schutz aufzunehmen.

Der Berliner Verkehr kommt langsam, in Gang.

Bei Tagesanbruch wurde ein Teil des B. V. E.-Verkehrs wieder ausgenommen. Gegen 10 Uhr sind 100 Straßenbahnwagen in den Verkehr gebracht worden, eine wei­tere Anzahl steht zum Einsatz bereit.

Der Autobusverkehr ist noch nicht wie­der ausgenommen. Man hofft, daß es im Laufe des Vormittags möglich fein wird, auch den U-Vahnverkehr wieder in Gang zu bringen. Sabotageakte find heute bis­her nicht erfolgt.

U-Bahnbetrieb wieder teilweise aus­genommen.

Im Laufe des Freitag haben sich auf den Bahnhöfen bis 15 Uhr etwa 2500 Arbeiter der V. D. E. zur Verfügung gestellt. Für eine volle Schicht werden etwa 5000 Mann benötigt. Es konnte deshalb vorläufig nur teilweise der Betisteb wieder aus­genommen werden. Bei der ll- und Hoch­bahn wurden die Strecken Warschauer BrückeHauptstraße, Warschauer Brücke Uhlandstraße und PankowWilhelmplatz in Betrieb genommen. Kurz nach 14 Uhr, als die Wagen die Depots verließen, setzte sofort der Terror der Streikenden ein, die vom sympathisierenden Publikum tatkräf­tig unterstützt wurden. So find am Etettinet Bahnhof zwei Omnibusse nmgektzppt worden, wobei es nicht ohne Vewetzte abging. In der Kaiserallee wurden in die Linie 47, die als eine der ersten den Betrieb ausgenommen hatte,

Barrikaden gebaut, die erst nach längerer Zeit beseitigt werden konnten. Ueberall, wo sich Straßenbahnen zeigten, rotteten sich Streikende und Sympathi­sierende zusammen und bedrohten die Fah­rer. In vielen Fällen wurden saustgroße Steine gegen die Wagen geschleudert, wo­bei vielfach Scheiben in Trümmer gingen. Die ersten Fahrten mit der Straßenbahn.

Die von der BVG. für die Wiederauf­nahme der Arbeit gestellte Frist bis gestern nachmittag hatte zur Folge, daß sich schon im Laufe des Vormittags eine größere Menschenmenge vor den verschiedenen Be­triebsbahnhöfen ansammelte. Um %3 Uhr verließ als erster Wagen die 96 E mit Richtung Hallesches Tor den Bahnhof. Ne­ben dem Personal fuhr ein Aufseher und auf dem Vorder- und Hinterperron

je ein Polizeibeamter mit. Weiter wurden die Straßenbahnwagen von einem Streifenwagen der Polizei begleitet. Gleich nach der Ausfahrt wurde das Personal von der Menschen­menge beschimpft. Man hörte Rufe wie: Streikbrecher",Strolche",Rausholen" usw. In der Belle-Alliance-Straße stan­den Tausende von Menschen, die von dem Betriebsbahnhof Kreuzberg abgedrängt waren. Hier sah man auch die ersten, aus der Stadt zurückkehrenden Wagen mit ein­geworfenen Fensterscheiben. Ueberall war die Polizei damit beschäftigt, die Menschen­mafien auseinanderzutreiben. Kurz nach 144 Uhr setzten systematische Steinwürse gegen vorüberfahrende Straßenbahnen auf dem Abschnitt der Eneisenau-Ecke Belle Alliance-Straße und der Kreuzbergstraße

Protest der Grünen Front

Gegen die Hinausschiebung $et Kontingentierung

Berlin, 4. Nov. Die Grüne Front hat an den Reichskanzler und die Reichs­minister folgendes Telegramm gerichtet: Der gestrige Beschluß des Reichskabinetts, die Entscheidung über die zugesagte land- wittfchastliche Kontingentierung wiederum hinauszuschieden, beschwört erneut große Gefahren für die Existenzfähigkeit der deutschen landwittschaMchen Edelerzeu­gung, sowie der Forstwittschast herauf. Die Absatzmöglichkeiten der wichtigsten bäuerlichen Betriebe Deutschlands werden täglich wachsend durch eine Auslands­einfuhr bedroht, die trotz Senkung der deutschen Verbraucherkaufkrast noch immer im Zunehmen begriffen ist.

Jeder Tag, nm den die Erfüllung der der Landwirtschaft gegebenen Zusagen hinaus gezögert wird, bringt neue bäuerliche Betriebe zum Erliegen und fügt damit der Landwirtschaft wie dem gesamten Volke grotzea Schade« zu.

Für eine Besserung der Absatzverhälttrisse für die deutschen Veredelungserzeugnisse ^bildet eine Kontingentierung mit ihrer Möglichkeit, die Auslandseinfuhr den deutschen Produktsons- und Kauflrafibe- dingungen anzupassen, die erste unerläß­liche Voraussetzung. Aut die sofortige autonome Verwirklichung der beretts seit langem in Aussicht gestellten Maßnah­men wird der deutschen Landwirtschaft den Glauben erhalten können, daß hinter wie­derholten Kontingentierungsversprechungen der ernste Wille steht, eine lebensfähige Landwirtschaft zum Wiederaufbau der deutschen DolkSwittschaft zu schaffen, gez. BrendeS, Fehr, Hermes Kalckreuth.

Zn gut unterrichteten politischen Krei­sen wird mit Rachdruck die Auffassung vertreten, daß wegen der Kontingentie­rungsfrage innerhalb der Reichsregierung eine Krise au^rach. Das ist eigentlich für Eingeweihte keine Aeberraschung. Denn schon seit Wochen kommt ja die Kvntingen- tierungsfrage nicht vom Reck, und die Pe- schlüsse des Kabinetts vom Donnerstag lassen nur zu deutlich erkennen, daß eine Einigung darüber so gut wie ausgeschlos­sen ist. Dor allem sind es der Reichs- wittschastsminister, der Reichssinanzmini- ster, welche gegen die Einführung der Kontingente wegen der von ihnen be­fürchteten Gefahren für unsere Exportwirt- schäft sich aussprechen. Dazu tritt jetzt

noch der Reichsminister ohne Portefeuille und Kommissar im Preußischen Finanz­ministerium, Dr. Popitz.

Rur die Rücksicht auf die bevorstehende Wahlentscheidung dürste eS also gewesen sein, welche noch einmal nach außen hin eine Einigkeit im Reichskabinett Herstellen ließ, und daß man den grundsätzlichen Ent­scheidungen in der Frage des Schutzes und der Hilfe für die Landwirtschaft auSwich. Aber nahezu sämtliche landwirtschaftlichen Organisationen, vor allem die des Westens und des Südens, haben bereits ihre Pro­teste ber der Reichsregierung wegen der Aufgabe der Agrarpolttik Und wegen der Rrchrerfüllung der Wiederhost gegebenen Versprechungen eingereicht. Wie die Reichsregierung diesen für ihren Fort­bestand nunmehr drohenden neuen Ge­fahren begegnen kann, darüber läßt sich Mr Stunde kaum eine Voraussage treffen.

Die Reichsbahn i» dm Wünschen auf Tarif- «Mäßigung.

SB er! in, 4. Roo. Zu den Wünschen auf Ermäßigung der Reichsbahntarif e. für die sich auch der Verkehrsausschuß des Deutschen Industrie- und Handelstages m seiner Sitzung am Mittwoch eingesetzt hat, wird auf Anfrage von der Reichsbahnver- wastung erflärt, daß angesichts de^ finan­ziellen Lage des Unternehmens derartigen Anregungen nicht entsprochen werden könne. Die Erleichterungen der Reichsbahn auf Grund des Lausanner Abkommens reich­ten noch nicht aus, um das Defizit zu decken: auch durch Heranziehung der Steuergm- scheine beständen keinerlei Möglichkeiten für Tarifermäßigungen, da die Steuergnticheme bestimmungsgemäß lediglich zur Finanzierung des Ärbeitsbeschaffungsprogramms der Deut­schen Reichsbahngesellschaft verwandt wer­den könnten.

55 Parteien

Berlin, 4. Roo. Zur Reichstagswahl treten nach Berechnungen, die in derWan­delhalle" des Parlamentsdienstes derT.-ll." auf Grund amtlicher Unterlagen angestellt wurden, in den 35 Wahlkreisen Deutschlands insgesamt 55 verschiedene Parteien auf. An sich ist damit im Vergleich zur vori­gen Wahl eine Verringerung um 9 Par­teien zu verzeichnen, doch ist dieser Rückgang weniger auf die bessere Einsicht von Splitter­gruppen zurückzuführen, als darauf, daß die Kreiswahlleiter diesmal ziemlich viele Listen wegen verschiedener Formfehler zurückweisen mußten.

ein, sodaß die Polizei sich gezwungen sah, Schreckschüsse abzugeben. Auch die Polizeibeamten auf den Straßenbahn­wagen zogen die Pistolen, um die Stein­werfer abzuschrecken. Soweit sich bisher feststellen läßt, ist von den einzelnen Schreckschüfien niemand verletzt worden. Nachdem einige Haupträdelsführer sistiert waren, wurde es ruhiger. Auf der Strecke mußten die Straßenbahnen wiederholt halten, da die Schienen und die Weichen durch eingeklemmte Steine unbefahr­bar gemacht worden waren. Zahl­reiche Wagen fuhren mit eingeschlagenen Scheiben in das Depot am Kreuzberg zurück. -

Sympathiestreik bei der Berliner Müll­abfuhr.

fk. B e r1 i n, 5. Nov. Bei der Berliner Müllabfuhr A. E., die ungefähr 1400 Ar­beiter beschäftigt, ist heute morgen ein Sympathiestreik für die Verkehrs­arbeiter ausgebrochen. Der Streik ist von radikaler Seite angezettelt worden. Da Lohnverhandlungen nicht im Gange sind und augenblicklich eine Aenderung der Tarife überhaupt nicht beabsichtigt ist, ist der Streik ungesetzlichen Charakters.

Noch ein Zotet bei den Streikkrawallen.

Berlin, 4. Nov. Ein 35jähriger Mann, der bei den Streikrawallen in der llsedomstraße einen Bauchschuß erhalten hatte, ist im Lause des Abends im Kran­kenhaus gestorben.

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v. Pap en im Rundfunk

. Berlin, 4. Nov. Reichskanzler von Papen sprach heute abend über alle deut­schen Sender. In seinen Ausführungen befaßte er sich eingangs mit dem zur Jett herrschenden Parteienftreit. Auf das Wittschastsprogramm der Reichsregierung eingehend, stellte er die Frage, ob das Wittschastsprogramm der Reichsregierung gescheitert sei. Es sei gerade das Gegen­teil festzustellen, denn aus allen Teilen des Reiches würde eine Belebung der Wirt­schaft gemeldet. Die Frachtmengen der Eisenbahnen seien im Steigen begriffen, die Stromentnahme der großen Elektrizi­tätswerke würde sich vermehren und die Zahl der Arbeitslosen sinke feit langem zum ersten Mal. Das Programm sei mcht, wie verieumderisch behauptet würde, nur ein Programm für Großunternehmer und Banken, sondern ein Programm für das werktätige Volk. Der Kanzler kam dann auf die Vorgänge des 13. August zu sprechen und führte weiter aus, daß man nicht in fünf Monaten, die die Regierung jetzt im Amte sei, 6 Millionen Arbeitslose von der Straße bringen und die zerrütteten Finanzen ordnen könne. In Preußen fei mit eiserner Hand zugegriffen worden, um durch rigorose Sparsamkeit in der Ver­waltung die unerträglichen Lasten zu sen­ken. Für die Landwirtschaft und die Ge­sundung des Binnenmarktes seien Milli­arden aufgewendet worden. Nicht um einen Mennig seien unsere Auslandsschul­den vermehrt worden. Zum Schluß ver­wies der Kanzler auf den Geist, der im Schützengraben geherrscht habe und der alle auf Tod und Leben verband und meinte ob dieses Herzensband der Kampf­gemeinschaft nicht heute wieder lebendig sein könne. Er richtete noch einen Appell an das deutsche Volk, auf den Ruf Hin­denburgs zur Einigkeit zu hören.