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Der Verkehrsstreik dauert an
Ein Schiedsspruch gefällt und für verbindlich erklärt — Ein S. A. Mann erschossen
Die .Oberbesstsch« Zeitung' r» scheint sechsmal wichentlich. Bezugspreis monatl. t. Marburg 2.02 GM. au«s»l. ZustellungSgebtibr, p«i unsren Agenturen 1 93 SM. zvzügl. ZustellungSgebühr, durch 61, Post 2.25 GM. Für etwa pur» Streik. Maschinendefektod«, elementare Ereignisse ausfallend« Kümmern wird kein Ersab geleistet. Verlag, Dr. S. Hitzeroth» Druck der Unib-Buchdruckerei Job. Dug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 2054u. Rr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Rr. 5015. — Sprech,ett der Redaktion von 10—11 «ad
Anzeiger für (bas frühere kurhesfifche) Oberhessen
Anzeiger der amttiche« Bekanntmachungen Mr Stadt und Kreis Marburg
ft. Berlin, 4. Noo. Da der Schieds- /pruch und die Verbindlichkeilserklärung des Schlichters im Streik des Personals der Berliner Berkehrsgesellschaft heute früh noch nicht allgemein bekannt waren, ist die Arbeiterschaft der B.B.E. noch nicht in den Bahnhöfen erschienen. Die B. B. E. hat jedoch dnrch Säulenanschläge den Wortlaut des gestrigen Schiedsspruchs bekannt gegeben »ud den Arbeitern eine Frist bis2Uhr nachmittags zum Erscheinen auf der Arbeitsstätte gesetzt. Falls im Laufe des Vormittags durch das Vekanntwerden des Schiedsspruches eine genügende Anzahl L. D. E.-Arbeiter und Angestellte im Betrieb erscheinen, kann schon am Vormittag mit einer teilweisen Wiederaufnahme des Verkehrs gerechnet werden. Die B.B»8- Leitung wartet die Wirkung ihre» Säulenanschlages ab.
Der Schiedsspruch.
Berlin, 3. Nov. Abends wurde folgender Schiedsspruch gefällt:
Die Löhn« werden für all« Kategorien mit Ausnahm« d«r Fahrkartenausgederrnn«n um zw«i Pfennig gekürzt. Das Lohnabkommen gilt bis 31. De^mber 1932 mit vierwöchentlicher Kündigung. Der M anteltarif wird bis 31. März 1933 verlängert. Er ist sechs Wochen vorher kündbar und gilt im übrigen, falls keine Kündigung eintritt, für ein weiteres Jahr.
Die Gewerkschaften lehnten dir- fen Schiedsspruch ab. Die BVG hat hat ihn angenommen. Um 20.30 Uhr begannen di« Vorverhandlungen übet die Verbindlichkeitserklärmg beim Schlichter für den Bezirk Brandenburg.
Der von den Vertretern der Arbeitgeber zur Verbrndlichkeitserklärung des Schiedsspruches angerufene Schlichter für den Bezirk Brandenburg hat nach fast zweistündiger Sitzung den Schiedsspruchfürverbrnd- lich erklärt, well die gesetzlichen Voraussetzungen vorlägen. Die mt Schiedsspruch vorge'chlagene Regelung entspreche daher bei gerechter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile der Billigkeit.
Aufruf der Betrievszellenleitung der NSDAP.
Berlin. 3. Rov. Die nationalsozialistische Betriebszestenleitung. Gau. Groß- Berlin. hat einen Aufruf erlassen, in dem es heißt:
,„®ie Urabstimmung des Personals der Berliner Berkehrsgesellschaft hat in einer überwältigenden Mehrheit den Streik gegen den neuen Lohnabbau beschlossen. Der Streck der BBG.-Bediensteten wird von der nationalsozialistischen Betriebszellen- vrganisation als wirtschaftlich berechtigt anerkannt. Es muß endlich einmal Schluß gemacht werden mit der ewigen Lohnkürzerei.
Dieser DerkehrSstreik in Berlin dürfte nicht der Schluß, sondern wahrscheinlich die Auflassung zu größeren Streikaktionen für die nächste Zeit sein. Der Streik der Arbeitnehmer der BVG. hat feine sittliche und moralische Berechtigung. Eine einheitlich geschlossene wirtschaftliche Front aller bei der DBG. Schaffenden muß gebildet werden."
Eine Erklärung des EdA.
Berlin, 3. Nov. Zu dem Berliner Berkchrsstreik erklärt der EdA., der Streik bei der B. V. E. umtafie nur das Fahr
personal. Die Büro-, Verwaltungs- und Betriebsangestellten seien daran nicht beteiligt. Allerdings schwebten auch wegen Regelung der Manteltarifbestimmungen für die letztgenannten Angestellten Verhandlungen, die, außerordentlich strittig seien. Der Manteltraifvertrag sei für Ende September gekündigt gewesen. Die Direktion strebe wesentliche Verschlechterungen der Eruppeneinteilung an. Durch eine Umgruppierung der Angestellten wür
den diesen beträchtliche Eehaltsausfälle entstehen. Gegen solche wendeten sich die beteiligten Angestellten und Angestellten- Organisationen mit aller Entschiedenheit.
Sämtliche Gewerkschaften haben sich gegen den Streik erklärt. Trotzdem sind die Arbeitnehmer geschloßen der Streikparole gefalzt. Die Gewerkschaften haben ihre Mitglieder offenbar nicht mehr in der Hand.
Burgfriede nach den Wahlen
Alle politischen Versammlungen verboten
Berkin, 3. Nov. Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichspräsident hat durch eine auf Grund des Artikels 4'8 Absatz 2 der Reichsverfasiung erlassen« Verordnung ein mit dem Wahltage in Kraft tretendes Verbot aller öffentlichen politischen Versammln «-gen, also auch solcher in geschlossenen Räumen, erlaßen, das zu dem in Kraft bleibenden Demonstrationsverbot hinzutritt. Das
Verbot aller öffentlichen politischen Versammlungen ist auf die Tage vom 6. bis 19. November 1932 befristet.
Zwecks dieses Verbotes ist es, daß nach Abschluß des Wahlkampfes eine Entspannung der durch ihn heroorgerufenen starken politischen Erregung eintritt und daß den Polizeibeamten, an deren Dienst die letzten Wochen erhöhte Ansprüche ge- gestellt haben, eine Ruhe- und Erholungspause gegönnt wird.
Die Kontingentierung vertagt
Das Material soll geprüft werden
Berlin: 3. Rov. Amtlich wird mitgeteilt: Die Reichsregierung befaßte sich in einer Kabinettsfitzung vom 2. und 3. November mit Agrarfragen. Sie ist der Auffaßung, daß ein Abgleiten der 8e- treidepreise verhindert werden muß. Für die Landwirtschaft tragbare Eetreide- preise find nicht nur im Hinblick auf die gesamte wirtschaftliche Bedeutung und die Notwendigkeit der Erhaltung des Getreidebaues erforderlich, sondern auch um einen Zusammenbruch der Osthilfeaktion, die Gefährdung der bisher für den Osten ausgewendeten Mittel und die dadurch bedingte«, unübersehbaren Folgen für alle Wirtschaftszweige des ganzen Reichsgebiets zu verhindern. Die Reichsregierung hält es für ebenso wirtschaftlich dringlich, andere ebenso gefährdete Zweige der deutschen Landwirtschaft zu schützen, um das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionszweigen zu erhalten und eine ungesunde Ausweitung einzelner Zweige auf Kosten anderer zu vermeide«. Sie hat demgemäß der Kontingentierung der Buttereinsuhr auf Grund der mit mehreren Ländern getroffenen Abreden ihre Zustimmung erteilt. Sie hat ferner den Bericht der Kommisfion entgegengenommen, die in Brüßel, im Haag, in Rom, Paris und Kopenhagen über die Kontingentierung weiterer land- und forstwirtschaftlicher und gärtnerischer Erzeugniße, insbesondere der bäuerlichen Veredelungswirtschaft verhandelt hat. Die Reichsregierung hat veranlaßt, daß das besonders reichhaltige Material, das diese Verhandlungen ergebe« haben, unverzüglich
gesichtet und bearbeitet wird. Nach Abschluß dieser Arbeit wird sie ihr« Entscheidung im einzelnen treffen.
Sugenbergs Wirtschaftsprogramm.
Berlin, 3. Nvv. Die Deutschnatio- nale Volkspartei veranstaltete heute abend eine große Kundgebung im Sportpalast, bei der der Parteiführer Hilgenberg giUnid- sätzliche Ausführungen über die wirtschaft- lichen Forderungen der Deutschnationalen VolkSpartei und über die Stellungnahme der Deutschnationalen zu den Derfasfungs- reformplänen machte.
Man habe vergessen, betonte der Redner, was nationale Wirtschaft sei, und berausche sich an dem gefährlichen Worte Weltwirtschaft. Mcht etwa Autarkie, sondern die Mickkehr zu einer geordneten Äa- tionalwirtschast in allen hochstehenden Ländern bringe die Heilung der Krise und die Wiederbelebung des gesunden internationalen Warenaustausches. Jedes Land müsse bei sich selbst Hand anfegen, und vor allem Deutschland durch autonome Schuldenregelung.
Mit drm Kapitalismus, wie wir ihn hatten, erklärte der Redner, seht es nicht.
Das internationale, zwischen den Staaten vagabundierende Kapital ist der Feind aller. Es muß eingefangen und unschädlich gemacht werden. Das internationale Kapital aber soll für das verantwortlich sein, was es tut, darum Ehrengerichte für die wirtschaftenden Menschen und Zurück» drängung des anonymen namenlosen. An» ternehmers. Reben dem persönlichen An- ternehmer und dem Persönlich verantwortlichen 'Besitzer einer Kapitalsmehrheit soll nicht etwa der Staat oder die Gemeinde als Inhaber der großen Werke stehen, sondern der organisierte, sich selbst verwaltende Berufsstand, insbesondere die organisierte Landwirtschaft, deren Derknüpfung mit dem gewerklichen Leben in aller Interesse liegt.
Ei« Toter.
ff. Ber 4. Rov. Bor dem Ve- triebsbahnhv >n Berlin-Schöneberg kam es heute morgen z« Zusammenrottungen von streikenden B. V. E.-Arbeitern, die die Polizei auseinanderzutreiben versuchte. Die Beamten wurden tätlich angegriffen und derart bedroht, daß sie von ihrer Schußwaffe Gebrauch machen mußten. Auch aus der Menge sollen Schüsse gefallen sein. Eine Person wurde so schwer verletzt, daß sie auf dem Transport ins Krankenhaus starb. Eine weitere Person wurde schwer verletzt.
Der blutige Zusammenstoß in Berlin- Schöneberg.
fk. Berlin, 4. Nov. Bei dem schweren Zusammenstoß zwischen Polizei und Streikenden vor dem Schöneberger Betriebsbahnhof sind zweiweiterePer- sone« verletzt worden. Der Erschoßene und die drei Verletzten sind sämtlich SA-Leute. Auch unter den Kommunisten, die sich an der Zusammenrottung beteiligt hatten, sollen mehrere Personen verletzt seien, die aber von ihren Kameraden fortgeschafft worden sind.
Die „Welt am Abend" verboten.
Berlin, 3. Nov. Die der Kommunistischen Partei nahestehende „Welt am Abend" ist vom Berliner Polizeipräsidenten wegen ihrer Stellungnahme zum Verkehrsstreik bis zum 12. November verboten worden.
Auch die „Rote Fahne" verboten.
Berlin, 3. Nov. Außer der „Welt am Abend" hat der Polizeipräsident nun auch die „Rote Fahne" bis zum 12. November wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und wegen vorbereiteter Handlung zum Hochverrat verboten.
52 Funktionäre der R. E. O. verhaftet.
Berlin. 4. Nov. Im Zusammenhang mit dem wilden Streik bei der V. V. G. nahm die Polizei am Donnerstag abend die Berliner Bezirksleitung der R. E. O. (Industriegrupve Gemeinde und Verkehrs fest. Die Mitglieder dieser Gruppe befanden sich in einer Dersammluna, die den Zweck hatte, einen Sympathiestreik der Gas-, Waßer- und Elektrizitätswerke anzuzetteln. Insgesamt wurden 52 Funktionäre festgenommen.
Die Bayerische Staatszeitung zur Erklärung der Reichsregierung.
München, 3. Nov. Die Bayerische Staatszeitung erhielt aus Berlin zu der Erklärung der Reichsregierung über die Hetzrede vom Mittwoch einen Drabtberrcht, in dem es u. a. heißt: Wie uns der bayerische Gesandte Erz. v. Preger erklärte, ist er vom Staatssekretär der Reichskanzlei erst am Freitag nachmittag über die Absichten der Reichsrsgieri'ng tm einzelnen unterrichtet worden, also erst nach Abschluß der Freitagsitzung desReichskabinetts, in welcher die Beschlüße der Reichsregierunq über den Entwurf der Verfaßung und Reichsreform gefaßt worden waren. Der Gesandte hatte jedoch bereits am Freitag vormittag vor dem Beginn der Kabinettsberatungen im Auftrage der bayerischen Regierung eine Warnung an die Neichsregierung übermittelt, das Kabinett möge nichts unternehmen, was das grundsätzliche Verhält-