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Oderhessisch« Zeitmm. Marburg e. L. Dmmerstag, bett 3. November 1932
Nr. 259
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herrscht! Wenn man diese Höhe der wärmsten Temperatur genau kennt und beim Fliegen stets einhält, dann kann man im Sommerkleid über die Polgegend fliegen und auf die in Pelz gehüllten Eskimos herunterschauen. Die Polflieger haben da sogar eine wärmere Temperatur gehabt als wir in den Ferienorten zu gleicher Zeit, d. h. in der Mitte des Monats Juli.
Diese ganz unerwarteten Ergebnisse berechtigen zu große Hoffnungen und Professor Wegener, eine der stärksten Triebkräfte der Erforschung der Arktis erklärte, daß alle Anstrengungen zu einem Nord- polfluo mit dem Zeppelin gemacht werden,
30 Mark für den Scheidungsgrund.
In einem Scheidungsprozeß, der nicht recht vorwärts kommen wollte, wandte der klagende Ehemann ein Mittel an, das ihm zwar den Sieg verschaffte, aber mit dem Strafgesetz nicht vereinbar ist. Er ging nämlich in das Haus, in dem der Freund seiner ungetreuen Gattin wohnte, fing auf dem Hausflur den Briefträger ab und erhielt auch auf seine falsche Namensabgabe hin die Post des Rivalen. Darunter befand sich ein Brief seiner Frau, der den Beweis für das ehebrecherische Verhältnis erbrachte und bald dazu führte, daß die Ehe auf Grund des Verschuldens der Frau geschieden wurde. Die Sache hatte am Sonnabend vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Verletzung des Briefgeheimnisses für den geschiedenen Ehemann ein Nachspiel, denn er wurde zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Er nahm das Urteil gelassen auf und murmelte beim Hinausgehen: „Auf andere Weise wäre der Scheidungsprozeß teurer geworden!"
Die neue dovveltorige LuitsSiffdalle, die in Sunnyvale nabe der amerikanischen Westküste ihrer Vollendung entgegenaebt. Sie bat die gigantischen Dime nsionen von 340 rn Länge. 94 m «reite und 60 m vobe. 8 500 to Stahl waren Au dem Bau nötig, deüen Karten ctuf übet 20 Miüiairen veranschlagt lverden.
Mtftiieretn auch in Mna
Wer sich über den Brachtschen Zwickel- Erlaß geärgert hat, der tröste fich, und wer darüber gelächelt hat, der lache nun über einen Strumpf-Erlaß des chinefischen Marschalls Tschiang-Kai-Schek. Trotz innerer Wirren und Krieg nach außen hat die Nanking-Regierung noch Zeit genug, den Kampf gegen die Sittenverderbnis zu führen. Und Tschiang-Kai-Schek ist ja, seitdem er zum Christentum übergetreten ist, auf diesem Gebiet besonders eifrig tätig gewesen.
Jetzt wird berichtet, der Marschall habe eine Verordnung ausgearbeitet, die strenge Vorschriften über die Mädchenkleidung enthält. Die Röcke dürfen nicht zu kurz, der Halsausschnitt soll nicht fo weit sein wie bisher und Seidenstrümpfe sollen überhaupt verboten sein, weil, so sagt die Verordnung, ihr bloßer Anblick schon „die Scham verletzt". Schließlich erklärt Tschiang-Kai-Schek, man müfie wieder ein gleichförmiges Nationalkostüm einführen, um die „Mädchenwürde zu wahren". Zum Entsetzen aller wahren Chinesen find nämlich die Ofenröhren, in denen die Chinesinnen früher ihre Beine verhüllten, wenigstens in den Großstädten vollkommen der europäischen Kleidung gewichen. Wahrscheinlich soll für die Männer nun auch der Zopf wieder eingeführt werden.
Vor dem Kriege sah es zwar recht bunt aus in der Armee, aber dafür wußte man ziemlich gut Bescheid, fragte man etwa einen zwölfjährigen Berliner Jungen um Auskunft, bekam man sicher prompt die gewünschte Antwort: „Det is een Unta-Of- fizier von de Maikäfa — een Vize von de Franza — een Leutnant von de Jarde- Kirrassiere (janz wat Feines, vastehfte!)"
Heute ist der Anblick von Soldaten und damit die Gelegenheit für derartige Fra-
da er und seine Kollegen, angeregt durch die letzte Fahrt, darauf brennen, noch weitere meteorologische und geologische Bedin- . gütigen zu untersuchen. Ja der Optimismus vom Profesior Wegener, eines Ee- lehr en von allerhöchstem Ruf, geht so weit, eine neue Verbindung der Erdteile über den Nordpol zu schaffen. Die Entfernungen könnten über den Pol gegenüber dem atlantischen Ozean erheblich abgekürzt werden. Das Luftschiff bietet alle Annehmlichkeiten für die Pasiagiere und vor der Temperatur braucht man fich auch nicht mehr zu fürchten. Die Abfahrt erfolgt vom Behring-Meer aus, jenes Ausläufers im Stillen Ozean und führt über den Pol in verschiedenen Routen, die praktisch erst ausprobiert werden müfien, nach Spitzbergen und von dort aus gleich weiter entlang der norwegischen Küste über Dänemark nach Hamburg. Auch in Amerika müßte für eine Anfahrt von Newyork und noch einfacher von San Franzisko und von Los Angeles nach der Beyrkng-Bucht geschaffen werden.
Die Aermeltressen und Adtselklappenabzeidten offizierkorps
Obere Reihe: Sdiießauszeichnungen 4., 6., 9. Scharfsdiiitzenklasse. — Mittlere Reihe:
winkel des Stabsgefreiten, Obergefreiten, Gefreiten und Obers di iitzen. — Untere Reihe: Oberfeldwebel und Oberfähnrich. Feldwebel, Unterfeldwebel und Fähnrich, Unteroffizier. Unteroffizieranwärter und die Aermeltressen des truppendiensttuenden Oberfeldwebels
Der künftige MdelkveMr l geht über ben Norbvol
Profesior Wegener erklärt:
Anläßlich der Tagung der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung der Arktis mit Luftfahrzeugen, die gegenwärtig in Berlin stattfindet, wurden von den dort versammelten Arktisforschern sehr in- teresianten Mitteilungen über die weitere Ergründung der Geheimnisse des Nord- poles gemacht. Nach der glänzenden Arktisfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin" im letzten Jahre hegt man die größten Hoffnungen, wisienschaftliche und praktische Pläne im Polargebiet in die Tat umzusetzen.
Erst jetzt ist die Auswertung des ungeheuer reichen Materials der letztjährigen Zeppelinfahrt ins Polargebiet fertiggestellt und zeigt nun in der lleberficht überraschende Ergebnisie. Der Zeppelin hatte zum größten Teil auf seiner Fahrt unbekanntes Gebiet überflogen und wertvolle kartographische Aufnahmen über die Land- und Wasierverteilung mitgebracht. Von allergrößter Bedeutung ist die Tatsache, daß die Temperatur mit zunehmender Höhe immer mehr ansteigt bis zu einer Grenze, über die hinaus eine Abnahme der Temperatur festzustellen ist. Das Luftschiff hat bei seiner letzten Nordpolfahrt mit allen Mitteln der Technik gegen die Vereisung der Hülle vorgesorgt, die bekanntlich große Gefahren in fich birgt. So wurde eine ungeheure Menge Ballast mitgenommen, der bei Vereisungsgefahr hätte abgeworfen werden müssen, aber das hätte eine sofortige Umkehr des Zeppelins zur Folge gehabt. Durch die Forschungsfahrt wurde festgestellt, daß in einer Höhe von etwa 700 bis 800 Meter eine Temperatur von 24 Grad Celsius auf der Strecke von Spitzbergen ins Polgebiet
Der unbekannte Reichswehrmann
Eradabzeichen und Rangunterschiede bei der deutschen Wehrmacht
riemen bei Unteroffizieren und Mannschaften.
Während in der Vorkriegsarmee nur die Garde und einige besondere Regimenter sogenannte „Eardelitzen" am Kragen trugen, so findet man derartige Litzen heute einheitlich bei allen Truppengattungen der Reichswehr.
Die frühere schirmlose Mannschaftsmütze, das sogenannte „Zündhütchen" oder „Krätzchen" ist verschwunden und dafür die wesentlich elegantere beschirmte Feldmütze getreten.
Die Pickelhaube und die verschiedenen Kopfbedeckungen der Kavallerieregimenter, sowie Jäger, Eisenbahntruppen usw., mußten dem frontbewährten Stahlhelm Platz machen, der nun die einheitliche Kopfbedeckung aller Truppengattungen geworden ist, bis auf einige technische Formationen, wie z. B. die Kraftfahrer, die einen fliegerähnlichen Sturzhelm aus Leder tragen und die Eebirgstruppe, welche eine Kappe (ähnlich der früheren österreichischen) nach Art der bekannten Slimützen haben. Der Stahlhelm hat auf seiner linken Seite ein buntes schildartiges Abzeichen, das die Farben des betreffenden Garnisonlandes zeigt.
In diesem Zusammenhangs darf noch erwähnt werden, daß durch die Erfahrung des Weltkrieges der Stahlhelm zur schützenden Kopfbedeckung auch bei fast allen anderen Armeen geworden ist, — die schönste Form, die gleichzeitig auch die zweckmäßigste ist, hat aber zweifellos der Deutsche. Rittmeister Otto Hilfstein.
flochtenen Achselstücke der Stabsoffiziere, die golddurchwirkten der Generale.
Komplizierter ist die Sache dagegen bei den Mannschaften und Unteroffizieren. Die zwölfjährige Dienstzeit, zu der sich der Reichswehrsoldat verpflichten muß, hat zur Folge, daß man in größerem Maße für „Abwechslung" — sprich: Aufstiegsmöglichkeiten — sorgen muß, als dies früher notwendig war. Nehmen wir die Hauptwaffe, die Infanterie, zum Exempel: Man beginnt seine Soldatenlaufbahn als Schütze und steigt dann, je nach Besäht: gung auf zum Oberschützen, Gefreiten, Obergefreiten, Stabsgefreiten, Unteroffizier-Anwärter, Unteroffizier, Unterfeldwebel, Feldwebel und Oberfeldwebel. Die Rangabzeichen dieser recht komplizierten Skala von Dienstgraden werden am Aer- mel, — vom Unteroffiziersanwärter auch am Kragen und an der Achselklappe getragen, wie dies die nebenstehenden Abbildungen veranschaulichen.
Der Offizier-Anwärter, früher Fahnenjunker genannt, braucht heute erheblich längere Zeit als in der alten Armee, bis er zum Leutnant befördert wird (etwa 4 Jahre): er macht die übliche Unteroffizier- Laufbahn durch und nennt sich lediglich, zum Feldwebel emporgeklettert, „Fähnrich" und statt des Oberfeldwebels heißt er, bei gleichen Eradabzeichen, „Oberfähnrich".
Ein leicht kenntliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Offizier und Unteroffizier (oder Gefreiten und Schützen) ist die silbergeflochtene Schnur des Offizier über dem Mützenschild gegenüber dem Leder-
Dienstanxug des RelchswehroBfcdera Braunes Lederzeug mit Schulterriemen, Achselstücke und silbergeflochtene Mützen schnür, gen seltener geworden, stößt man aber auf so einen Feldgrauen (denn grau ist alles geblieben seit 1914!), dann weiß kein Mensch mehr, welche Truppengattung oder welchen Dienstgrad er vor sich hat und, da man nicht überall denselben Humor hat, wie er in Berlin üblich und allgemein verständlich ist, so ist es nicht immer angezeigt, etwa einen Oberfeldwebel vorsorglich als „Herr Ieneral" anzusprechen. Man könnte fich da unter Umständen unbeliebt machen....
Nun leben wir zwar im Zeitalter der neuen Sachlichkeit, womit aber keinesfalls gesagt ist, daß die Menschheit von heute auf Aeußerlichkeiten verzichten möchte. Wenn unsere Reichswehr auch in ihrer einheitlich grauen Kleidung sich von den farbenfrohen Uniformen der Vorkriegszeit unterscheidet, so ist es vielleicht gerade darum schwierig geworden, die vielen unauffälligen Abzeichen der Truppengattungen und Dienstgrade zu erkennen und auseinanderzuhalten. Verzichtet man zwar auf Prunk, so tut man es doch nicht hinsichtlich der — gegen früher recht zahlreich gewordenen — Merkmale, die wafsentech- nische und rangmäßige Unterschiede darstellen.
Darum also kurz gesagt: Die Truppengattungen der Reichswehr erkennt man heute im wesentlichen nur noch an den Einfasiungsborden (Vorstößen), an Achselklappen und Mützen, nämlich: weiß — Infanterie, gelb — Kavallerie, r o t — Artillerie, schwarz — Pioniere, hellblau (die frühere Farbe des Trains) — Fahr- und Kraftfahrtruppe und endlich g r ü n — die Jägerbataillone. Eeneralstab und Kriegsministerium sind abgeschafft, weil dies laut Versailler Vermag zu „gefährliche" Institutionen sind, dafür gibt es nur noch ein Reichswehrministerium, deren Offiziere genau wie früher an den carmoisinroten Doppelstreifen an den Hosen leicht kenntlich find. Da vir gerade beim Offizier find: die Eradabzeichen sind im wesentlichen die alten geblieben; die Achselstücke der Leutnants ohne, des Oberleutnants mit einem, des Hauptmanns mit zwei Sternen, die ge-