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Die .Oberhesgschk Zeitung' er- scheint sechsmal tvkckentlich. Be- zuqeprei« monatl. i. Marburg 2.02 AM. aueschl. ZustellungSgebiihr, 6ti unsren Agenturen 1.93 GM. zuzügl- ZustellungSgebichr. durch t* Post 2.25 SM. Mir etwa imrch Streik, Maschinendefrkt oder elementar« Ereignisse ausfallrnd« Nummern wird kein Ersatz ge- leistel. Verlag, Dr. <S. Aihervth. Druck der Unib-Buchdruckrrei Job- Ang. Roch, Markt 21/23. Fernsprecher:Rr. 2054 n. Rr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. — Sprechzeit Vt Redaktion von 10—11 «ab
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Verkehrsstreik in Berlin
Der Berliner Verkehr völlig lahmgelegt — Die Polizei hat die Betriebsbahnhöfe besetzt
st.Be Hin, 3. Noo. Am Donnerstag «orgen ist in allen Betrieben der Berliner Verkehrs-Gesellschaft die Arbeit nicht wieder ausgenommen worden.
Entgegen der letzten Meldung, nach der auf Grund des Streikbeschlusses der hauptsächlich von Kommunisten, Nationalsozialisten und Nichtorganisierten beschickten Delegiertenkonferenz nur mit einem wilden Streik gerechnet wurde, ruhte am Donnerstag früh' allgemein auf allen Betriebsbahnhöfen die Arbeit. Arbeitswillige, die zu ihrer Arbeitsstätte kamen, mutzten wieder umkehren, da die zahlreich aufgestellten Streikposten ihnen den Zugang verwehrten.
Die P o l i z e i hat auf Anforderung seitens der BVG. die Betriebsbahnhöfe besetzt. Die Eesellschaftswazen, di« wie üblich die Belegschaften zu ihrer Arbeitsstätte fahren wollten, wurden trotz polizeilicher Bedeckung mit Steinen beworfen und zum Teil demoliert, so datz sie wieder zurückgezogen werden muhten. Bisher nahm die Polizei zwei Nationalsozialisten und einen Kommunisten fest, die an den Terrorakten führend beteiligt waren.
In Berlin ist der Verkehr vollkommen lahm gelegt, da weder Strahen- bahn, U-Bahn noch Omnibusse verkehren.
Bis zur Stunde ist der Streik r e st I o s durchgeführt worden. Einzelne Arbeitswillige versuchten auf einzelnen Linien den Stratzenbahnverkehr in Gang zu bringen, doch mutzten sie wieder umkehren, da die Wagen von Streikenden demoliert und die Fensterscheiben durch Steinwürfe zertrümmert wurden.
In der Berliner Allee in W e i tz e n - s e e wurde ein Depot fahrender Stratzen- bahnwagen der Linie 60 E von acht Streikenden durch Steinwürfe vollständig demoliert. Die Polizei konnte zwei Täter festnehmen, die zum Polizeipräsidium gebracht wurden.
Durch den Streik ist eine grotze Verkehrsstörung entstanden.
Alle Beamten, Angestellten und Arbeiter können nicht zu ihren Arbeitsstätten gelangen.
Es herrscht ein grotzes Durcheinander, da in Berlin auch noch ein sogenanntes Hundewetter ist.
Die Verantwortung für den Streik wird der Berliner Berkehrsgesellfchast und nicht der Stadt Berlin zugeschrieben.
Polizei in erhöhter Bereitschaft.
st. Berlin, 3. Nov. Die Berliner warteten heute früh zu Hunderten an den Haltestellen auf ihr gewohntes Verkehrsmittel. Erst als sie durch Flugblätter über den Streik bei der B. V. E. unterrichtet wurden, setzten sich die Masten in Bewegung, um zu Futz an ihre Arbeitsstätten zu gelangen.
Die Mannschaftswagen, die in der dritten und vierten Morgenstunde das Personal zu den Betriebsbahnhöfen bringen sollten, kehrten mit fast leeren Wagen zurück, da sich nur ein geringer Teil Arbeitswilliger eingefunden hatte. An den Betriebsbahnhöfen der B. V. 6. waren noch in der Nacht uniformierte Streik
posten aufgestellt worden, die allen Arbeitswilligen den Zutritt zu den Bahnhöfen verweigerten. An verschiedenen Stellen kam es zwischen Streikposten und Arbeitswilligen zu kleineren Reibereien, die jedoch von der Polizei im Keime erstickt werden konnten.
Die Polizei hat bereits im der Nacht Sicherungsmatznahmen getroffen und
befindet sich zur Zeit in erhöhter Dienstbereitschaft.
Auch find besondere Streifenwagen eingesetzt und die Streikposten verdoppelt worden. Besonderes Augenmerk richtet die Polizei auf die Betriebsbahnhöfe, die von zahlreichen B. V. E.-Leuten umlagert find. Die Lage im Verkehr ist sehr ernst.
Der Vorstoß Bayerns
Neue Angriffe auf die Reformpläne.
Eine bayerische ErNärung zu der Rede Helds.
Zu den Meldungen über die Aufnahme der Stuttgarter Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held in Berlin veröffentlicht die „Münchener Zeitung" folgende Erklärung von matzgebender bayerischer Stelle:
„Ministerpräsident Dr. Held hat in Stuttgart noch einmal gewarnt und ernste Kritik an den letzten Matznahmen der Reichsregierung geübt. Dabei hat ihn keinerlei Animosität gegen die Person des Reichskanzlers von Papen oder gegen irgendein Mitglied der Reichsregierung geleitet. Sein Widerspruch entspringt aus- schlietzlich der tiefen sachlichen Gegnerschaft gegen die letzten Matznahmen der Reichsregierung, die man nicht mehr als föderalistisch sondern als rein zentra- listisch-unitaristisch ansehen mutz.
Bayern und sein Ministerpräsident stehen im übrigen in ihrer scharsen Ablehnung des jetzigen Vorgehens der Reichsregierung in der ganz gleichen Linie wie Württemberg und
Baden.
Die Erbitterung über das Vorgehen der Reichsregierung in Preutzen sei deswegen in Banern am größten, weil es in schärfsten Widerspruch zu den Versprechen stünde, die der Reichskanzler bei seinem Besuch den bayerischen Regierungsmitgliedern gegeben habe."
Von amtlicher Berliner Seite wird dazu mit allem Nachdruck erklärt, datz weder Reichskanzler von Papen bei seinem Besuch in Bayern noch Neichs- innenminister Freiherr von Eayl bei seiner Reise durch die bayerischen Ostgebiete irgendwelche Versprechungen hinsichtlich ihres Verhaltens gegen Preutzen gegeben hätten. Es ist lediglich erklärt worden, datz sich
an dem grundsätzlichen Verhältnis zwischen Reich und Preutzen nichts ändern soll.
Die neuen Matznahmen in Preutzen halten sich durchaus eng in dem Rahmen des Leipziger Urteils und ändern nichts an dem grundsätzlichen Verhältnis zwischen Reich und Preutzen.
Ministerpräsident Held var der Presse.
München, 2. Nov. Die Auseinandersetzungen, die fick an die Stuttgarter Rede des Ministerpräsidenten Dr. Held geknüpft haben, haben dem Ministerpräsidenten Veranlassung gegeben, in einer fall zweistündigen Rede vor Pressevertretern den bayerischen StandpunktzurFragederReichs- reform und zu den Maßnahmen berStows’ reoieruna auf diesem Gebiet darzulegen. Der
Ministerpräsident betonte, datz die Pressebehauptungen, Bayern sabotiere eine Reichsreform, vollkommen unbegründet seien. Bayern habe zu allererst auf die Reformbedürftigkeit der Weimarer Verfassung hingewiesen. Allerdings habe man dabei in Bayern nicht an Dinge gedacht, die auherhalb des Rechtsstandpunkts liegen. Bayern bekämpfe jede Verfassung- und Reichsreform, die außerhalb des Rechts mit Gewalt durchgeführt werden solle.
Zu den Geschehnissen vom 20. Juli erklärte der Ministerpräsident, Bayern sei vor den Staatsgerichtshof gegangen, nicht um der preußischen Regierung Hilfestellung zu leisten, sondern deshalb, weil das, was heute Preußen geschehen sei, unter ähnlichen Voraussetzungen auch Bayern gegenüber unternommen werden könne. Zu dem, was nach dem Urteil des Staatsgerichtshofes geschah, sagte der Ministerpräsident, man habe, statt aus dem Urteil Gcie Folgerungen zu ziehen, in einer raschen und heimlichen Weise Tatsachen ge- Ktn, über bereit Charakter man keinen
_ nblick im Zweifel sein könne. Die Darstellung, datz die Reichsregierung Bayern von ihrem Vorhaben informiert habe, sei falsch. Dr. Held stellte ausdrücklich fest, datz man weder Bayern noch ein anderes Land infor- miert habe.
lieber die Unterredung mit dem Reichskanzler im August d. Js. sagte der Ministerpräsident, der Reichskanzler habe damals erllätt, auf seinem Stuhl habe noch niemals ein Mann gesessen, der so Föderalist sei wie er. Zudem habe der Kanzler ausdrücklich die Zusicherung gegeben, es würde nichts getan werden, ohne vorher mit Bayern und den anderen Ländern in Verbindung zu treten. Während des Münchener Kanzlerbesuches habe Herr von Papen wegen der knappen Zeit, die ihm zur Verfügung stand, mir kurz über die Verfassungsreform mit Dr. Held sprechen können. Auch damals sei ausdrücklich zugesichert worden, datz nichts ohne vorherige Verständigung der Länder unternommen werden würde. Die gleiche Zusicherung habe Herr von Gayl bei seiner Ost- markenfahtt dem bayerischen Innenminister gegeben. Versprechungen materieller Att dagegen seien nicht erfolgt und nicht zu erreichen gewesen.
Der Standpunkt des Zentrums zur gegen- wärttgen politischen Lag«.
Hildesheim, 2. Nov. Der Generalsekretär ber Zentrumspartei, Dr. Vockel, hielt heute eine Rede, in der er den Standpunkt des Zentrums zur gegenwärtigen politischen Lage schilderte. Dr. Vockel betonte, datz in allen entscheidenden außenpolitischen Fragen mir ein Rückwärts festzustellen sei. Das Zentrum müsse erwarten, datz sich die Reichsregienmg umgehend ernsthaft mit den AbrüstungsLorschlägen Herriots auseinandersetze, weil St ihnen starke wehrpotttische Bedenken für Deutschland schlummerten, obwohl scheinbar Deutschland eine gewisse Gleichberechtigung tuerkannt werde. Die Reichsregierung, so tfetonte der Redner, die in dem grundsätzlichen Kamps für die Abrüstung das ganze deutsche Volk hinter sich habe, habe es
versäumt, diesen einheitlichen Willen Deutschlands llug einzusetzen.
In der Wirtschaftspolitik der gegenwärtigen Reichsregierung vermißt der Redner einen konsequenten Schutz für den Mittelstand. Di« wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung kämen trotz aller gegenteiligen Beteuerungen viel mehr den großen Betrieben zugute als den kleineren und mittleren selbständigen Unternehmern. Die Matznahmen für die Landwirtschaft hätten dieser kernen Vorteil gebracht, weil die Methode der Matznahmen faHd) gewesen sei. Das> Zentrum müsse ferner die Mahnung an die Reichsregierung wiederholen, die öffentlichen Finanzen zu ordnen, weil diese Ordnung eine Grundvoraussetzung auch für den wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands sei. Die Belasttmgen, die die Reichsregierung dem Volke habe auferlegen müssen, seien, so schloh der Redner, zu einseitig oe" teilt.
Amtsenthebung des Bürgermeisters von Eutin
Eutin, 2. Nov. Der nationalsozialistische Nrgierungspräsident Boehm- cker-Eutin hat den Bürzermeister der Stadt Eutin, den Deutschnationalen Dr. Stoffregen, seines Amtes enthoben.
Dr. Stoffrsgen wurde heute nachmittag durch ein Kommando der Schwartauer Ordnungspolizei unter Führung eines Polizeihauptmanns aus seinen Amtsräumen entfernt. Der Bürgermeister hat den Polizeihauptmann auf die Ungesetzlichkeit seines Vorgehens hinoewie- fe« und beim oldenburgischen Staatsministerium telegraphisch Beschwerde erhoben.
Der Kreisoerband der Deutsch» nationalen Volkspartei hat in einem an den Reichsinnenminister gerichteten Telegramm Um Einschreiten des Reiches im Interesse von Recht, Ruhe und Ordnung gebeten.
Bevorstehende Zurdispofitionsstellung des Oberbürgermeisters von Oldenburg?
Oldenburg, 3. Nov. In der gestrigen Sitzung des oldenburgischen Städtra- tes wurde ein nationalsozialistischer Antrag, den Oberbürgermeister zur Disposition zu stellen und den Magistrat zu beauftragen, die Stellungnahme des Sta^>- ministeriums zu diesem Anträge berbcizu- führen, mit 25 gegen 16 Stimmen angenommen.
In unterrichteten Kreisen nimmt man allgemein an. datz die nationalsozialistische Regierung diesem Anträge ber nationalsozialistischen Stadtratsfraktion . entsprechen und demnächst einen Nationalsozialisten als Oberbürgermeister Oldenburg einsetzen wird.
Deutschn-tionaler Landwirtschaftsvertreter beim Reichskanzler.
Berlin 2. Nov. Von ber deutsch- nationalen ' Fraktion des Preußischen Landtags wird mitgeteilt. datz unter Führung des Fralftionsvorntzenden Dr. von Winterfeld am Mittwoch Vertreter ber Fraktion einer Einladung des Reichskanzlers gefolgt waren. Die deutschnationalen Abgeordneten trugen dem Reichskanzler nochmals die dringendsten Forderung zur Sanierung der Landwirtschaft vor. In erster Linie wurde gefordert, die autonomen Kontin -