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Nr. 258
Oberhessilche Zeitung, Marburg a. L., Mittwoch, ben 2. November 1532
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Emil Ludwigs schmutziges Werl
Auch der Sota tat Anspruch aus Selrals Ausstattung
Prof. Dr. Nocht, der Begründer unb frühere Direktor des so außerordentlich verdienten Tropen-Hygier.i» schen Instituts in Hamburg, begeht am 4. November seinen 75. Geburtstag.
denk: „Sie möchten also auch kein Urteil über Ihre Mutter abgeben?" Emil Ludwig erwiderte: „Ich kann sagen, datz meine Mutter Unrecht hat. Aber man mutz abwarten. Dagegen ist das Frankreich von heute, das Frankreich Herriots, gebildet unb ehrlich. Herriot hat ganz recht, wenn er zuerst Garantien für die Sicherheit verlangt . . .“ (!)
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Emil Ludwig beglückte auch Belgien durch seine Anwesenheit. Dem unsterblichen Zeitgenossen gewährte auch der König eine Audienz. Das Echo für seine Anwesenheit in Belgien wurde durch eine Serie von Interviews vorbereitet. Der „Soir", der Auflage nach das grötzte Blrtt des Landes, ist in der Lage, eine Erklär- rung des „Historikers" Ludwig wiederzu- aeben, die geradezu verheerende Folgen haben dürfte.
Ludwig erlärte, die Kriegsschuldfrage sei restlos geklärt. Wenn heute noch ein Streit darüber bestehe, so seien die deutschen Professoren daran schuld, die aus der Angelegenheit eine Art Dreißigjährigen Krieges zu machen gedächten.
Das Verhältnis Deutschland-Belgien kennzeichnete Ludwig dahin, datz jeder Deutsibe Schuldner eines jeden Belgiers sei. Während im Jahre 1922 zwischen Deutschland und Belgien noch eine Verständigung möglich gewesen sei, ist das heute aus.
Die „Schelde" kennzeichnet Ludwig dahin: „Literarischer Exhibitionismus und geistige Prostitution". Das ist die Meinung des flämischen Nationalismus, wir können uns dem wohl nur anschlietzen.
Er verhöhnt Deutschland in Paris, Brüssel und Prag
Paris, 30. Okt. Emil Ludwig, der Ende der letzten Woche in Paris weilte, hat dort einen Vortrag gehalten und dem Vertreter des „Paris Midi" eine Unterredung gewährt. Der Franzose befragte ihn über Deutschland, worauf Ludwig erwiderte, datz er darüber lieber nicht sprechen möchte. Darauf der Korrespon-
fremde Begriffe sind. Jetzt, wo er bei den Feinden Deutschlands mit solchen Verleumdungen gegen sein gewesenes Vaterland seine schmutzigen Geschäfte macht, wo diese ihm ausdrücklich als Legitimation gelten, die ihm eine gute Aufnahme sichern sollen, hat Emil Ludwig auch keinen Anspruch mehr, Deutscher zu sein.
Frankreich kauft neue Ministersesiel.
In den letzten Jahren ffktt man in Frankreich viel von Ministerkrisen gehört,
und in verhältnismäßig kurzer Folge hat ein Kabinett das andere abgelöst. Bei diesem häufigen Wechsel scheinen die Sessel der Herren Minister stark in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, denn der französische Staat hat soeben den Ankauf von achtzehn neuen Ministersesseln zum Preis von insgesamt 400 000 Franken getätigt. Die französische Möbelindustrie dürfte diese „Ankurbelung" als Beginn einer neuen Prosperität freudig begrüßt haben. Glückliches Frankreich!
Kreuzer »Köln' vor -er ersten Auslanösreise
Aus Wien wird gemeldet: Ueber.eine interessante Klage hatte der Oberste Gerichtshof als letzte Instanz zu entscheiden. Ein Kaufmannssohn, der ohne Wisien seiner Eltern geheiratet hatte, verlangte nach der Hochzeit von ihnen eine komplette Heiratsausstattung. Die erzürnten Eltern verweigerten ihm das und nun begab sich der junge Ehemann zum Gericht und klagte.
In der ersten Instanz bekamen die Eltern Recht. Sie bräuchten ihrem Sohn, der ohne ihre Einwilligung und ohne ihr Wisien eine Ehe geschlossen hatte, nichts zu geben. Aber schon die zweite und die dritte Instanz waren entgegengesetzter Ansicht. Und nun hat der Oberste Gerichtshof sich auch füt den Sohn entschieden.
Er führt in seiner Urteilsbegründung
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Kreuzer „Köln"
der nun anstelle der „Emden" und „Karlsruhe" als Schulkreuzer verwendet wird, tritt am 8. Dezember seine erste Auslandsreise an. die bis nach Australien führen wird. An Bord werden sich 40 Offiziers- und Ingenieur-Anwärter, darunter auch die von der „Niobe" Geretteten befinden.
Neukölln erhält Zwangselimarttttung
Erwerbslose beschlagnahmen Leerwohnungen
■ Im Arbeiterstadtteil Neukölln kam es dieser Tage zu merkwürdigen Vorfällen. Bei der Portierfrau eines Hauses, in dem Wohnungen zu vermieten waren, erschienen einige Männer, die sich eine 21/2-Zimmer-Wohnung zeigen lassen wollten. Fast im gleichen Augenblick stürzten etwa 150 Arbeitslose herein, die, offenbar nach einem bestimmten Plan, alle Hauseingänge besetzten.
Die 2Vr-Zimmer-Wohnung ^uurbe von ihnen kurzerhand „beschlagnahmt". Ehe die Portierfrau dazwischentreten konnte, waren Möbelstücke herbeigeschafft worden. In die Wohnung zog eine Frau mit einem Kind. Der Portierfrau bedeutete man nur, daß man es nicht ver- antwarten könne, eine Frau mit einem kleinen Kind in der kalten Jahreszeit in irgendeiner Wohnlaube kampieren zu lassen. Die Portierfrau mußte gute Miene zum bösen Spiel machen; denn die Erwerbslosen machten Miene, gegen die Frau vorzugehen, wenn sie die Zwangseinquartierung verhindert hätte.
schäft mußte • sich deshalb zu Zwangsexmittierungen entschließen. Als dieser Tage eine Gerichtsvollzieher mit einer Schar von Möbelpackern vor der Wohnung einer Sängerin erschien, stieß er auf den" solidarischen Widerstand der Haus- genosien. In geschlosienem Zuge begaben sich daraus die Bewohner der Künstler- Kolonie nach dem Büro der Grundstücksgesellschaft. Nachdem sie dort die Rücknahme des Exmittierungsdekrets durch- oesetzt hatten, kehrten die Künstler in die Kolonie zurück. Gemeinsam mit den Möbelpackern trugen sie das Mobiliar, das schon im Möbelwagen verstaut gewesen war, in die Wohnung der Sängerin. Eine Exmittierung hatte man damit durch Solidarität verhindert; 50 Exmittierungsbefehle harren aber noch der Ausführung...
aus:
„Die in der älteren Rechtslehre vertretene Ansicht, daß der Sohn den Anspruch auf Ausstattung verwirkt habe, wenn , er ohne Wissen der Eltern heiratet, wird jetzt mit Recht abgelehnt. Denn es kommt sowohl dann, wenn die Ehe gegen den Willen der Eltern, als auch dann, wenn sie ohne ihr Wisien abgeschlossen wurde, nur darauf an. ob die Eltern eine begründete Ursache haben, ihre Zustimmung zur Eheschließung zu versagen. Da diese Argumente nicht zutreffen, hat das Gericht grundsätzlich ausgesprochen, datz die Eltern die Verpflichtung haben, ihrem Sohn eine Ausstattung mit in die Ehe zu geben."
Humor im Wahlkampf.
In einer Wahlversammlung in Stuttgart sprach auch ein wllrttembergischer Staatsminister. Ein Arbeiter entgegnete dem Minister in der Diskussion und wies auf die hohen Ministergehälter hin. Mit seinen Ausführungen gab er dem Minister Anlaß zu fragen, ob jemand der Anwesenden bereit sei, mit ihm zu tauschen und das Amt des Finanzministers zu übernehmen. Schon glaubte der Minister Sieger zu sein, da steht ein Erwerbsloser auf,' zieht seine Stempelkarte beraus und bietet sie dem Minister mit folgenden Worten an: „Jawohl, ich bin bereit. Hier haben Sie meine Stempelkarte. Nehmen Sie dieselbe, dann, gehe ich nach Stuttgart."
Eine andere Begebenheit spielte sich irt Eilenburg (Hannover) ab. Die Deutsch- nationalen und die Demokraten veranstalteten dort jeder eine Wahlversammlung, zu der auswärtige Redner einaeladen waren. Der Zufall wollte es, datz beide den nicht eben seltenen Namen Schulze trugen. Das führte nun zu einem spassigen Mißverständnis. Als der Vorsitzende der deutschnationalen Wahlversammlung zum Bahnhof fuhr, um den Redner, von dem er nur den Namen kannte, abzuholen geriet er an den Demokraten, der seinerseits den Irrtum ar.tb nickt bemerkte. Im Kraftwagen stellte sich wohl heraus, daß die politischen Ansichten der beiden Herren erheblich voneinander abwichen, aber erst im Versammlungslokal erkannte man die Verwechslung. Man fand sich indesien mit Humor in die Sachlage unb der deutschnationale Vorsitzende fuhr den Redner zum demokratischen Versammlungslokal. Darauf holte er den deutschnationalen Herrn Schulze vom Bahnhof ab.
Autosteuer Kompromiß gescheitert
Am Widerstand der Länder
Mit welch geschmacklosen Mitteln die Propaganda für Herrn Emil Ludwig im deutschfeindlicken Ausland betrieben wirb, zeigt eine Mitteilung im „Ceske flovo", dem Blatt Dr. Beneschs. Darin wird eine Vorlesung Emil Ludwigs „Ueber die Führer und Ideen der Zeit", mit besonderer Berücksichtigung des Präsidenten Masaryk. damit empfohlen, dast die Bücker Ludwigs Über Bismarck unb Wilhelm II. ihm „bte Feindschaft der heute in Deutschland herrschenden junkerlichen und Eeneralskafte" zugezoqen hätten! Es wird weiter anae- rnndigt. daß er in kurzer Zeit auch ein Buch über das Leben Masaryks erscheinen 'asien werde.
Verlegung" des ab 1. April 1932 zu schaffenden Regimes handle, an die grundsätzlichen Entschließungen des Reichstags unb des Reichsrats erinnert, in denen es hieß, daß das Reich einen Teil des Aufkommens der Kraftfahrzeug-Besteuerung den Ländern für die Zwecke der Wegeunterhaltung zu überweisen habe.
Gleichwohl wird die Haltung der Länder in der deutschen Öffentlichkeit unb erst recht im beutschen Kraftverkehrs- wesen als überaus wirtschaftsfrindlich empfunben werben. Da nun bte Neuregelung ber Kraftfahrzeug-Besteuerung im Hinblick auf ben Enbe März erfolgen« ben Ablauf bes Gesetzes boch balb in Angriff genommen werben mutz, kann man vermuten, baß bie Erörterung über die sogenannte Sofort-Maßnahme noch nicht abgebrochen, sondern alsbalb in die Behandlung der Frage, was nach dem 1. April 1933 geschehen soll, übergeleitet ©erben. Einerlei wie diese Neuregelung auch aussehen möge: jedenfalls werden sich Reich und Länder auf einer Grund läge einigen müssen, durch welche 1 . gegenwärtige Ueberbürbung ber Kr Verkehrswirtschaft aufhört.
Wie wir erfahren, haben bie meisten Länberregierungen, barunter auch bie preußische Regierung, bas sogenannte So- fort-Programm bes Reichsfinanzministerium in bezug auf bie Kraftfahrzeugsteuer abgelehnt. Bekanntlich betraf bas Programm bie Frage, ob für ben fünfmonatlichen Zeitraum November 1932 bis März 1933 eine Herabsetzung bei Kraftfahrzeugsteuer auf bie Halste möglich sei. Das auf 25 Mill. Mark geschätzte Min- deraufkommen sollte nach bem Vorschlag des Reichsfinanzministeriums je zur Hälfte vom Reich und den Ländern getragen werden. Bei der ablehnenden Haltung der Länderregierungen hat auch wohl die Erwägung eine Rolle gespielt, daß die Gestaltung der Kraftsahrzeug- steuer im Rechnungsjahr 1933, also vom 1. April 1933 ab, noch unsicher ist. Zu diesem Zeitpunkt läuft nämlich das geltende Kraftfahrzeugsteuergesetz ab, und die Länderregierungen fragten sich wahrscheinlich, wie die Aufteilung des Steueraufkommens nach dem 1. April sein würde, wenn sie gegenwärtig auf das Sofort- Programm des Reichs, mithin auf eine Einbuße von monatlich 2% Millionen Mark für die Wegeunterhaltüng, sich eingelassen hätten. In diesem Zusammenhang wird auch von den Länderregierungen, die wohl die Befürchtung hatten, daß es sich gewissermaßen um eine „Vor-
Noch am gleichen Tage wandte sich die Grundstücksgesellschaft, der jenes Neuköllner Haus gehört, an die Behörden, 'm die Ausquartierung der unbequemen Zwangsmieter zu erreichen. Zu allem Ueberfluß hatten die Arbeitslosen auch noch angedroht, sie würden in den nächsten Stunden weitere sechs Wohnungen für sich „beschlagnahmen". Das Wohlfahrtsamt erklärte sich für unzuständig, gegen die Zwangsmieter einzuschreiten, und die Polizei sah keinen Grund, die Zwanqsmieterin wieder auszuquartieren. Der Hauseigentümer hat sich jetzt an das Reichsinnenministerium gewandt, um eine grundsätzliche Entscheidung über diesen merkwürdigen Fall einer „Zwangs- einquartieruno" berk-eizuführen. Der "rtall hat in den Hausbesitzerkreisen selbstverständlich große Unruhe hervorgerufen. Wachen von Arbeitslosen sorgen auch jetzt noch dafür, daß man der zwangseinquartierten Frau nicht zu nahe tritt.
Aehnliche, in ihren Konsequenzen allerdings nicht so bedeutsame Ereignisse haben sich auch im Berliner Westen abgespielt. In der Nähe des Breitenbach- vlatzes gibt es eine Künstler-Kolonie, in der etwa 600 Familien wohnen. Künst- 'er haben besonders schwer unter der Wirtschaftskrise zu leiden. Der größte "eil ber Bewohner jener Künstler-Kolonie •t arbeitslos. Mieten werden unregelmäßig bezahlt. Die Grundstücksgefell-
Noch immer betreibt Herr Emil Ludwig im Auslände fein fchrnukiges Werk der Verhöhnung unb Verspottung Deutsch- lönbs. ja, wie man sieht, schrickt er soaar »ot Verleurnbungen nicht zurück. Leider pflegt bas Auslanb auch diesen Aeußerun- gen noch immer Gewicht beizulegen. Deshalb ist es gut, daß immer lieber gesagt wirb; Emil Lubwig. ber bekn ^tlich auch aus dem Verband ber beutiren Stoots- "ürger ausgetreten unb Schweizer und Eidgenosse geworden ist. bat damit au* * " l e letzte Verbindung $ e r Schnitten, die zwischen ihm u* Deutschland bestand. Die große Mehrhe des deutschen Volkes wollte schon lange mi einem Manne nichts zu tun haben, den. Vaterlandsliebe unb nationale Würde