^btrdtssischt Zettmig. Mar»org <l L. Di«ttag, dm 1. November 1932
Nr. 257
Sakkarani, der Baker der Askaris
Zur Erinnerung an das Gefecht bei Tanga (3. bis 5. November 1914).
Es gilt nicht, einen Totzn zu beklagen. Wir wollen ein Leben feiern, das einer Generation das Herz weit machen mutz, die wieder auf Taten sinnt.
Unter den Toten, die im ersten Schnitt des Krieges fielen, ist einer vergessen worden: Sakkarani, wie ihn die Askaris nannten, Tom von Prince, wie seine Grabplatte in Tanga ihn nennt. —
Was soll ein junger Leutnant, der von seinem Straßburger Regiment Abschied genommen hat, an der Küste von Daressalem gekentert, mit zerschundenen Beinen und brennenden Wunden gestrandet ist und der nichts mit sich führt als eine fixe Idee von großer Eroberung, anfangen, wenn ihm sein Kommandeur ein paar hundert Schwarze und die entsprechende Anzahl Gewehre in die Hand drückte? Er kann sich auf sein Exerzier- Reglement besinnen, er kann seine Stimme mit höchstem Aufwand an Atem und Zungen- Wag schmettern lassen, aber er kann damit keinem Sudanesen, keinem Zulu Potsdamer Begriffe beibringen. Er kann es dann mit Pantomimik versuchen. Doch was nützt das, werm die Rekruten mit nichts bekleidet sind als mit einem Turban und einem schmalen Ziegen- fchgnrt? Wo soll man da das Kinn an die Binde nehmen? Und ohne Stiefel hört sich alles Marschieren wie Bäaerkncten im Brot- teig an. Im Lustbad kann man nicht Krieg spielen...
Da steht der junge Leutnant Prince und drillt. Er drillt die ersten Askaris. Ohne Sprache, mit eigenen Mitteln, mit dem Auge sie zwingend, mit Gesang sie anfeuernd, läßt er die erste Forinatton zur Truppe werden. Natürlich werden sie keine „Preußen", aber sie spüren etwas von dem, was sich preußisch nennt. Nach einem der ersten Gefechte an der Küste des unerschlossenen Ostafrika konnnen die Askaris zu Prince und melden sich krank: Verwundungen, Fieber, Unwohlsein. Der Offizier weiß, sie wollen nicht mehr ins Gefecht, sind schlapp geworden, wissen, was Pulver ist. Er hebt, ohne ein Wort zu sagen, seine Hosenbeine hoch und zeigt ihnen seine auf den Korallenriffen zerschundenen und eiternden Deine. Jedesmal kommt von den den Askaris ein stummer, entschuldigender Gruß. Sie treten ins Glied zurück und marschieren.
Prince nimmt sie wie Kinder. Prügel- fcflfe wird überflüssig, straffe Erziehung bleibt Tagespflicht. Früher haben sie stets nur so viel geleistet, wie sie zu ihrer Ernähnmg unbedingt brauchten. Aber zum preußischen Soldaten gehört mehr zu geben, als man zu besitzen glaubt, immer noch hundett Meter weiter zu stürmen, als es verlangt wird. Prince trainiert fein dunkeles Freikorps auf Gewaltmärsche von zehn Stunden mit einer Stund« Pause, auf Eilmärsche, mit denen er von Wasserstelle zu Wasserstelle dahinfegt, ein grober Patrouilleur ohne Magazine und Nachschub. •
Aber im Kampf erst, da erleben die Rekruten ihr Wunder mit diesem schmalen Offizier. Da ist er ihnen immer vorauf, da reißt er mit der Kraft eines Leoparden das Tor einer Barrikade auf: da packt er sie am Kragen und wirft sie von der erkletterten Umwallung des Negerdorfes hinunter ins Gewühl der Vetteidiger: da schreit er ihnen ihr eigenes „Daim Allah" ins Ohr: da reißi er jammernd« Weiber und Kinder aus den Flammen: da ist er zwischen Speeren, Pfeilen, Kugeln und glühenden Balken der Unverwundbare, mit der Magnesiumfackel im Nacht- gefecht der große Medizinmann, bei Tage ohne Deckung vorstürmend, der trunkene Stürmer. Die Askaris nennen dieses Wunder von einem Soldaten, von einem Kommandeur: Sakkarani, den Besessenen.
Saffarani hat mit diesem schwarzen Aufgebot die Kolonie bis in ihre äußersten Winkel erobett, ohne viel Geld und ohne Dienstvor- tttift. Ist er Soldat? Er ist mehr. Wo Schworzwasier und Dnsenterie ausbrechen ist er Arzt. Wo unerforschtes Land sich öffnet, Kartograph. wo eine kleine Pauke im dauernden Kleinkrieg seßhaft machen könnte, unermüdlicher Städtebauer und Landmesser, Steuereinzieher, £ anbrat, Richter in Personalunion, eine Mannesgewalt, die Hoheit aus« ttt und vollstreckt.
Sakkarani entwickelt «ine eigene afrikanische Diplomatie, die sich dem kindlichen und ergensinnigen Dünkel der Araber und schwarze Häuptlinge anpaßt. Vor dem Sultan Mcrere, B.fchlshaler über sechstause d d mkel- hautige Krieger, läßt er mit seinen 23 Mann
Zwei Meter Entfernung ein 3,7-Zenti- weter-Eeschütz auffahren. Der schwarze Potentat versteht sofort, ohne Dolmetscher, was los ist. Aber Saffarani bindet seinen Säbel ms Geschenk ab. um einen Freund zu ge- ®”nten. Bei einet fetten Häuptlingswitwe Jje er zur Einkreisungspolitik gegen den gefährlichsten Rebell der Kolonie nötig hat, Neht er alle Register internationaler Galanterie: er malt die hohe Dame und läßt soviel Sekt auffahren, bis sie lachend und «wenb ihm ihr Heer scheust.____
Am Ende eines ruhelosen Jahrzehnts, als er alles für Deutschland gewonnen hat, was zu gewinnen war, nachdem er vom Kaiser in den Adelsstand erhoben, mit dem Adler- orden und Krone ausgezeichnet woroen ist und keine soldatischen Lorbeeren mehr zu gewinnen sind, macht sich Tom von Prince im Kilimandscharogebiet ansässig. Er erhält Farmen und Vieh, und nun wird er zum Kolonisator, zum Farmer großen Siils. Ackergeräte und viele deutsche Pflanzen schafft er ins Land. Doch immer weiß er, der die Engländer von Jugend her kennt, welche Gefahr deutschem Besitz droht. Er organisiert aus eigenem Entschluß unter den deutschen Farmern ein Freikorps für den größeren Ernstfall. Als sich der Staat uninteressiert zeigt, bringt Tom von Prince die Unkosten aus eigener Tasche auf.
Der Weltkrieg kommt, mit ihm Sakkarams letzte große Stunde. Seine Schwarzen hat er nicht mehr gesehen. Sie stehen noch bei der Truppe oder sind irgendwo hin oerstreut.Aber ihre Gesänge, ihre Heldenlieder von Sakkarani gehen durch das Land und werden bei den schwarzen Kompanien gesungen.
Die Engländer landen bei Tanga 70000 Mann, darunter Elite- und Kolonialtruppen. Lettow wirft ihnen alles Verfügbare entgegen. Aber die Uebermacht drückt die Deutschen von der Küste zurück. Die große strategische Querbahn zum Kilimandscharogebiet hinauf ist unmittelbar bedroht. Vor der, zwanzigfachen Uebermacht weichen die Askaris., Da trifft Tom von Prince mit seinen Freikorpsleuten ein. Er stößt durch die Zurückflutenden vor. Ein paar Askaris sehen ihn. Sie halten im Laufen ein und schreien: „Sakkarani!" Durch
Die Einweihung -er römischen ..Straße -es Imperiums"
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Der Zug der faschistischen Bataillone über die neue Straße. ,
Am 10. Jahrestag de« Marsches auf Rom wurde die neue Prunkallee eingeweiht, die den Palazzo Venezia (ben Sitz Mussolinis» und das Nationaldenkmal Victor Emanuels lauf unserem Bilde im Hintergrund) mit dem Tolosieum verbindet. Der neue Prunkweg trägt den stolzen Namen ..Straß« des Imperiums".
9qs ehemalige LeM-Mkila als SAtzkammer der Weil
Aufsehenerregende Bereffenllildung M Englischen Sevlogtschen Institutes
Frankreich, das mit seiner vor kurzem erfolgten Entdeckung der Goldfelder von Guayana beanspruchte, die reichsten Goldvorkommen der Welt in seinem Besitz zu haben, scheint jetzt um viele Längen überflügelt worden zu sein.
In offizieflem Auftrag des Englischen Geologischen Institutes hat der namhafte Geologe Sir Albert Kitson eine Expedition durch das englische Pachtgebiet Kenia und das benachbarte ehemalige Deutsch-Ostafrika durchgeführt, die einen geradezu sensationellen Erfolg zeitigte.
Die Expedition wurde auf gewisse vertrauliche Nachrichten auf Veranlassung des oft« afrikanischen Gouvernements durchgeführt. Dieser Tage hat Kitson aus Nairobi seinen Bencht an die offiziellen heimatlichen Stellen gesandt. Danach bat er hn Gebiete von Kakamega in Kenia geradezu unglaubliche Goldvorkommen angetroffen. Sein Bericht spricht von den Ufern eines bisher wenig bekannten und noch nicht benannten Flusses, das Meilenweit hinauf mit Nuggets besetzt ist, also ob eine Riesenfaust verschwenderisch ben Reichtum verstreut hätte.
Darüber aber hiuau« hat er durch
Mesiungen e«b einwandfreie wissenschaftliche Forschungen feftgeftellt. das, sich zwei mächtige, ungeheuer breite Goldadern von Kenia au« «eit in das Gebiet des ehemalige« Deutsch-Ost-
Afrika hineinziehen.
Wöttlich heißt es im Bencht bes Sir Albert Kitson, baß man von nun an im ehemaligen Deutsch-Ostafrika bie Schatzkammer der Welt erhlicken müsse, denn neben dem Gold ist er auch auf Gesteinsformationen gestoßen, in denen gleichfalls in Masien Brillanten eingelagert sind.
„Es ist meine feste lleberzeugung", heißt es wöttlich in dem Bencht des englischen Geologen, „daß neben den beiden von mir entdeckten Adern, die schon heute als die mächtigsten in der ganzen Welt angesprochen werden müssen, noch wettere riesige sich im Grenzgebiet von Kenia und dem ehemaligen Hoheitsgebiet des Sultans von Zanzibar befinden. Das ehemalige Deutsch-Ostafrika liegt zu einem Viertel aus goldenem Grund . .
Selbstverständlich hat sich Kttson nicht mit der reinen theoretischen Erforschung begnügt. Er hat an verschiedenen Stellen die Goldadern und auch die Diamantenfelder ange- bohtt, und die erste Goldbohrung ergab Nuggets von 9y< bis hinunter zu 8V, Unzen. Er ist imstande zum Beweis seiner Behauptung von bei Reichhaltigkeit der Diamantenfelder zwölf Rubine von dreißig Karat vorzuweiien, von denen jeder mehr wett ist als 140 000 Matt.
An sich ist die Entdeckung bes Sir Albert Kitson nur für bie breite Oeffentlichkeit eine Ueberraschung. Schon vor vielen Jahren haben beutsche Geologen auf bie ungeheuren Möglichkeiten, bie tn ber Erde Ostafrikas verborgen liegen, hingewiesen. Ein tragisches Schicksal will, daß ihre Theotten Bestätigung finden, wo es zu spät ist. Für Deutschland r« spät . . .?
Sette 3
bie deutschen Linien geht der Ruf „Sakkarani", und alles steht. Das Wunder von Tanga vollzieht sich.
Sakkarani arbeitet sich mit seiner Kompanie auf den Gomaplatz vor, wo er bis auf 80 Meter an das 800 Mann starke Notth- Lancashire - Regiment herankommt. Das Schaffschützfeuer alter Kolonialsoldaten überschüttet sie. Maschinengewehre fegen über den blanken Platz. Da fallen die Männer in Bündeln. Tom von Prince fliegt der Helm vom Kopf. „Teufel auch, die schießen gar nicht schlecht!" sagt er zu seinem Nebenmann. Da wird er schon hochgerissen, bttcht wieder in die Knie und fällt auf den Leib eines Freundes. Eine Kugel ist ihm mitten zwischen die Augen gefahren und hat sie ausgelöscht. Einer der es sieht, springt hoch und schreit: „Unser Hauptmann ist tot. Rache für Prince!" Und die Front entlang läuft der Ruf „Sakkarani ist tot. rächt Sakkarani!" Wie besessen fährt das Feuer aus den deutschen Gewehren, und alles stürzt vor. Die Engländer jagen davon und werden abgeschossen wie Wild. Tanga ist gewonnen.
Schwarz van Berk.
M endlose Straße" im Frankfurter Schausvieldaus
Frankfurt, 30. Okt. Run ist Eraff- Hintze's Stück auch nach Frankfurt gekommen, ein Stück doll von unpathetischem Heroismus, ein Stück, dessen Inhalt stark genug ist, um eine „hühnenwirkscrme" Handlung weitgehend entbehrlich , zu machen. Ein Kriegsstück also. Es spricht von all den Dingen, die wir aus der Kriegsliteratur und den Kriegsfilmen kennen, von dem Grausen dem unmittelbar Schrecklichen gegenüber, von der Hilflosigkeit des jugendlichen Ersatzes, von dem Fremdheitsgefühl des Urlaubers in der Heimat, und diese Aneinanderreihung Knute vielleicht als allzu gewissenhaft erscheinen, wenn nicht über all dem der furchtbare Ernst des Stoffes stünde, der eine solche Kritik unwesentlich macht. Und wenn nicht der überwältigende Stoff mit so starker Einfühlungskraft behandelt wäre, daß einzelne Längen des Stückes den Zuschauer höchstens in das Derpflich- tetsein zum Ausharren mit einbeziehen — der Krieg hat ja schließlich auch vier Jahre gedauert. Das Eemeinschaftsempfinden, von dem dieses Stück getragen ist, überträgt sich so von den Spielenden auf das Publikum — wohl der schönste Erfolg, der einem Bühnenwerk beschieden sein kann. Unter der Inszenierung von Jacob Eeis spielte Robert Taube den Hauptmann, B. v. K l i p p st e i n den Leutnant und Kutt Katsch den Musketier Richter.
Bankier Hintze wegen versuchten Mordes angeHagt
Berlin, 31. Okt. Der Untersuchungsrichter beim Landgericht III hat soeben bie Voruntersuchung gegen ben früheren Bankier Hintz «, ber seine Frau, bie Kammersängerin Eettrub Binbernagel-Hintze, in bet Stäbtischen Oper durch einen Schuß schwer verletzt hat, wegen versuchten Morde« eröffnet.
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Nimm Walkers große Unbekannte
Es ist noch immer nicht still geworden um Jimmy Walker, Newyorks liebenswürdigen Ex - Bürgermeister. In dem gegen ihn betriebenen Untersuchungsverfahren, bas schließlich zu seinem Rücktritt führte, war mehrfach von einem Scheck über 30 000 Jt die Rede, den Walker einer Frau gegeben haben sollte; ja dieser Scheck war sogar eine der Hauptgrundlagen der Anklage. Die Newyorker, die den ganzen Prozeß mit größter Spannung verfolgten, interessierten sich natürlich brennend für die „große Unbekannte", deren Name bei den Verhandlungen nie genannt wurde. Nunmehr ist das Geheimnis gelüftet worden. Die Glückliche ist die Newyorker Schauspielerin Betty Eompton. Frau Eompton hat ettlärt, daß sie nicht das geringste Interesse daran habe, daß ihr Name geheim gehalten werde. Sie hahe den Scheck von Herrn Walker als Bezahlung für eine Schuld erhalten, die zu persönlich sei, als daß sie darüber reden könne. Im übrigen erklärte Frau Comp- ton, sie glaube, daß auch Jimmy Walker keinen Wert darauf lege, daß ihr Name verheimlicht werde. Bei der Popularität, die Jimmy bei den Newyorkern auch heute noch besitzt, kann man allerdings wirklich annehmen, daß man ihm auch diesen Streich nicht übelnehmen wird.