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Nr. 253

Oberde ssifche Zettnns. Marburg a. L.. Donnerstag, den 27. Oktober 1932

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Easschutzmusterkeller des Stahlhelms in Berlin

Aus Berlin wird uns gemeldet:

„«Bereit sein ist alles". Unter diesem Zeitwort hat das Sanitätsamt des Stahlhelm B. d. F. auf dem Gelände der Bockbrauerei in der Fidieinstraße eine Uebungsstrecke zur Ausbildung von Gasschutzmannschaften und einen Gas­schutzmusterkeller erbaut. Es ist seine Absicht, mit dieser Ausstellxmg der Bevölkerung zu zeigen, daß durchaus die Möglichkeit besteht, sich wirksam gegen Luft- und Gasangriffe zu schützen. Ein Wirtschaftskeller des Gebäudes ist durch -riahchelmer in freiwilliger Arbeits­leistung zu einem vorbildlichen mit allen Einzelheiten und technischen Neuerungen auf dem Gebiete des Gas- und Luft­schutzes ausgerüsteten Gasfchntzfammel- keller ausgebaut worden. Gleichzeitig wird eine Ausstellung der gebräuchlich­sten Atemschutzgeräte gezeigt. Ein bei einer Pressebesichtigung ausgeführter Probealarm begann mtt dem Heu­len einer Alarmsirene, worauf der Weg in den Schutzkeller angetreten wurde. Dieser ist durch Absteifungen und Sandsäcke gegen Bombeneinschläge und Splitter« Wirkung geschützt. Durch eine besonders konstruierte Flussigkeitsschleu.se ist auch Nacyzüglern das Betreten des Raumes noch ermöglicht. Ein Sanitätsraum ist mit allen Medikamenten ausgerüstet, die für die Behandlung Gasvergifteter er­forderlich sind. Der eigentliche Stufent« yaltsraum bietet Platz für ungefähr 50 Personen und ist mit Bänken und Stroh­säcken ausgerüstet. Eine Lebensmit­telkammer zeigt die Aufbewahrung von Speifen, Trinkwasier ufro. Die Ver­bindung mit der Außenwelt ist vermittels eines Feldtelephons mit dem auf dem Dache angebrachten Beobachtungsstand hergeftellt. Außerdem ist eine Telefun« ken-Rundfunkanlage zum Empfang von wichtigen Nachrichten vorhanden. Ein Notausgang führt über eine Leiter und Steigeisen durch einen Schacht ins Freie. Ueberall ist durch eine gasdichte Abdich­tung für größtmöglichste Sicherheit ge­sorgt. Die nötige Frischluft wird durch eine Belüftungsanlage sowie im Be­darfsfall durch eine ausreichende Menge Sauerstoff in den bekannten Stahlfla­schen geschaffen. Nicht unerwähnt darf die Ausstellung der Gasschutzgeräte blei­ben, die die Entwicklung vom einfachen Mundschwamm bis zur modernsten Gas- mae-e zeigte.

Dis Bader der SOille

C*:incr der wichtigsten archäologischen Funde der Neuzeit.

Aus Neapel wird uns gemeldet: Pro­fessor Majuri gelang eine der wichtigsten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahre — er fand die Höhle der Sybille von Cumae.

Schatz vor sechs Jahren behauptete ein anderer Gelehrter, diese feit 1200 Iay- ren gesuchte Grotte gefunden zu haben. Aber man zweifelte schon damals an der Echtheit des Ortes, der durchaus nicht mit dem Gewährsmann übereinstimmte, »ach dem man sich zu richten hatte — mit Virgil. Dieser Dichter des römischen Altertums beschreibt in dem sechsten Buch seiner Aeneis ausführlich die Höhle der Sybille, zu der die Gläubigen ström­ten und die voll Weisheit jedem hell­seherischen Rat für die Zukunft erteilte.

Professor Majuri. der die 1926 als ©rotte der Sybille entdeckte Höhlung genau durchforschte und dann feftftellte, daß es sich hier nicht um eine Höhle, sondern um einen Tunnel handele, den j die Römer zur Zeit Mark Antons aus j militärischen Gründen angelegt hatten, Professor Majuri wurde durch einen Zu­fall an die rechte Stelle geleitet. Als er rtämlidj bei einem Spaziergang durch die Weinberge von Cumae streifte, sah er einen offenstehenden Weinkeller, der seine Axffmerksamkeit auf sich zog. Die besondere Art des Mauerwerks veran­laßte ihn, sich mit dem Besitzer in ein Gespräch und Verhandlungen zur Aus­grabung einzulassen. Man öffnete alte,

Mussolinis Triumphzus durch Italien

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Der Duce bei der groben Truppenparabe in Turin, bei der et sich zum ersten Male im Stahlhelm zeigte. Während feines Turinaufenthaltes hielt er bekanntlich seine grobe Rede, in der et Deutschlands Recht auf volle

Gleichberechtigung in der Rüstungsfrage betonte.

AnläHIich der 10 Jahresfeier des Marsches auf Rom hat der Duce eine Reise durch die italienischen Erotzstädte angetreten, bei der dem siegreichen Führer des Faschismus überall begeisterte Huldigungen dargebracht wurden, sodab leine Reise mehr und mehr zu einem Triumphzug wurde.

Schwesen-.Aebeefatt"

Eine lustige Episode von der Coburger Fürstenhochzeit

Eine lustige Episode haben sich zwei Nürnberger Geschäftsleute geleistet, die es verstanden haben, als „alte Schwe­den" verkleidet, in die versperrte Co­burger Festung zur Fürstenhochzeit zu kommen. Sie hatten nichts Böses im Schild, sondern sie wollten nur ein paar Flaschen ihrer neuerbohrten „Gustav- Adolf-Quelle" als Hochzeitsgeschenk über" reichen. Sie mieteten sich ein paar alte Schwedenuniformen mit Küraß und lan­gen Stulpenstiefeln, fetzten sich auf ein Lastauto und fuhren nach Coburg. Unter­wegs war ihnen doch etwas bange, denn

zugemauerte Oeffnungen des Felsens und fand wundervoll erhaltene Gewölbt, Ni­schen, Gänge, gemauerte Bänke, Trep­pen, Begräbnisstätten. Die Erforschung des Heiligtums ist noch nicht beendet, aber es steht fest, daß hier eine Stätte der höchsten historischen Bedeutung frei­gelegt wurde. Verfchiedens Anzeichen deuten darauf hin, daß dieser Ort den ersten Christen bekannt gewesen fein muß und ihnen als Zuflucht diente.

Alle Einzelheiten entsprechen den Schilderungen Virgils, der sich auf fei­nem nicht weit entfernten Landgut auf­haltend. oft hier gewesen sein muß und Einblick bis in die innersten Wohn- gemächer der Snbille hatte, so wie er auch die geheime Verbindung zum Apollotempel auf der Bergspitze kannte. Besonders erwähnenswert sind drei Wasserleitungen, die zu Bassins im Inneren des Berges führen und der Sybille ihre religiösen Waschungen er­möglichten.

SMchvllmKriKten

x Der bekannte Berliner Historiker u. Historiograph der Brandenburgischen Ge­schichte, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Fried­rich M e i n e ck e begeht am 30. Oktober sei­nen 70. Geburtstag.

X Am 19. d. Mts. starb m Kiek der a. o. Professor der Chemie an der dortigen Universität. Admiralstätsrat a. D. Dr. Carl St sehr im Alter von 77 Jahren.

X Der ordentliche Honorarprofessor für Philosophie an der Leipziger Universi­tät Dr. August Kirsch mann ist im Alter von 72 Jahren gestorben.

sie fürchteten, von Posten und Dienern zurückgewiesen zu werden. Daß sie Eindruck machen würden, rcttr ihnen ja klar, denn sie waren beide „ansehnliche" Leute, auf die Friedrich Wilhelm I. stolz gewesen wäre: einer von ihnen war 1,89 und der andere gar 1,96 Meter groß.

In Coburg kauften sie sich einen hübschen Blumenkorb und schwedisches Fahnentuch, das sie über Korb und Fla­schen legten. Im „Anker" zogen sie sich um. Mit ihrem Lastauto gondelten sie zur Veste. Ein Posten hielt sie an: „Wo wollt ihr hin?" Den Kühnen aber hilft Gott. „Nu dös siehgst doch!" Und schon waren sie drin in der Festung. Sie taten als wären sie auf allerhöchsten Befehl gerufen und kamen unangefochten bis in den Vorsaal des Hochzeitssaales. Aber nun, 20 Zentimeter vor dem Ziel, ver­ließ sie der Mut. Sie trauten sich nicht hinein, stellten ihren Korb hin, zogen kurz entschlossen den Säbel und postier­ten sich als Ehrenwache vor dem Saal­eingang. Bei ihnen wäre sicher keiner ohne Paß durchgekommen! Aber ihre Hoffnungen, angesprochen zu werden, wurde auf eine harte und sehr schmerz­liche Probe gestellt. Länger als eine Stunde standen sie da wie die Bild­säulen, voller Angst, wie dieser „Schwe­denüberfall" auf die Veste wohl auslau­fen würde. Und die Armen mußten auch körperliche Höllenqualen ausstehen, denn dem einen war der Küraß bis zum Hals hinaufgerutscht und schnürte ihm fast die Kehle zu und den anderen drückte der — lange Stulpenstiefel ganz jämmer­lich. Die beiden Schwedenposten waren von den Herrschaften wohl schon lange bemerkt worden, oder alles glaubte, die beiden gehörten zum Festprogramm.

Schließlich kam das Prinzenpaar heraus, um sich mit den beiden „langen Kerls" zu unterhalten. Und nun offen­barten sie sich. Mit großem Vergnügen wurde ihr kühner Handstreich auf der Veste ausgenommen, man nahm ihre Gabe mit Dank an und verpflegte die beiden aufs Beste. Die einzige Strafe, die ihnen als schwedische Soldaten zu­diktiert wurde, war die: sie mußten sich zu ewiger Erinnerung an ihren Streich filmen lassen. Das freilich tat picht so weh wie die zu engen Stiefel.

Der erste unterirdische Zoo

Lor kurzem wurde der erste unter­irdische Zoologische Garten seiner Be­stimmung übergeben, der wissenschaftlichen Erforschung der Höhlenpflanzen und Höhlentiere. In der Adelsberger Grotte, jener weltberühmten und größten euro­päischen Tropfsteinhöhle im Karst bei Triest, wurde in einer Seitenhöhle, der „Neuen Namengrotte" diese höhlen- wissenschaftliche Station ein­gerichtet. In drei natürlichen Sälen, Deren Wände und Decken reichsten Tropf­steinschmuck tragen, wurden zahlreiche steinerne Becken und gläserne Kästen als Aquarien und Terrarien aufgestellt. Der erste Raum dient zur Beobachtung der Höhlenpflanzen, der zweite der der Höhlentiere. Hier finden die unterirdi­schen Lebewesen auch in der Gefangenschaft öie idealsten Lebensbedingungen, echte Höhlenluft, echtes Höhlenwasser und gleichmäßige Temperatur; und die Finster­nis wird, wenn nötig, nur durch wirkungs­loses rotes Licht erhellt. Neben Käfern, Spinnen, Tausendfüßern, Krebsen und anderem Getier erregt natürlich der merkwürdige Erottenolm die größte Aufmerksamkeit, jener aalförtnige, fast farblose, durchschnittlich 25 Zenff­meter lange Lurch, der nur in den Höhlen- flösten des Karstes lebt.

Bekanntlich wurde erst vor 25 Jahren festgestellt, daß der Olm unter einer Temperatur von 15 Grad Celsius (in den Höhlen) lebende Junge zur Welt bringt, über 15 Erad Celsius Eier legt. In der dritten Abteilung, der Experimen­talstation, sollen Pflanzen und Tiere, die sonst an der Oberwelt im Sonnenlicht leben, den Bedingungen der Unterwelt ausgesetzt und die Veränderungen ihrer Organe und ihrer Farben beobachtet wer­den. Diese ganze eigenartige und einzig­artige Anlage ist eine Schöpfung des Direktors der Adelsberger Grotte, G. A. Perco, der damit nicht nur ein Höhlen­wunder geschaffen, sondern auch Adelsberg iPostumia) zum Mittelpunkt höhlenwisten- jchaftlicher Forschung gemacht hat.

Zehnjähriger Knabe im Eeldschrauk eingeschlosten.

Im Büro einer Konservenfabrik in Magdeburg spielte sich nach Geschäfts- schluß ein aufregender Vorfall ab, der einem zehnjährigen'Knaben beinahe das Leben gekostet hätte. Während den Ar­beiten der Aufwartefrau interessierte sich ihr zehnjähriger Junge für den Geld­schrank, in dem der Schlüssel stecken ge­blieben war. Der Knabe spielte damit, zog den Schlüssel ab und versteckte sich im Schrank. Plötzlich schnappte das Schloß ein und der Knabe war im lüft» dicht geschlossenen Schrank gefangen. Die Mutter rief sofort den Chef herbei, doch biefer konnte den Reserve Schlüssel nicht finden. Er alarmierte die Feuerwehr. Diese erschien auch mit einem autogenen Schweißapparat, wagte aber nicht, diesen anzuwenden, weil sie befürchten mußte, daß dem Knaben dadurch lebensgefähr­liche Verbrennungen zugefügt werden könnten. Der Knabe war also in immer größerer Erstickungsgeafhr. Die Feuer­wehr erfuchte daher eine Geldschrank- fabrik um sofortige Entsendung zweier Monteure und blies inzwischen Sauer­stoff durch das Schlüsselloch des Geld­schranks. Die beiden Monteure öffneten den Geldschrank durch Herausschneiden des Schlosses. Auf diese Weise gelang es, den Knaben nach anderhalb Stunden aus seiner lebensgefährlichen Lage un­versehrt zu befreien.

Ein „Scherz" der Natur.

Nachdem im Riefengebirge schon seit Tagen Schnee gefallen ist und das Glatt­eis bereits mit einer mehreren Zenti­meter hohen Schneeschicht bedeckt ist, haben die Gebirgsbewohner ihre Schnee- ichuhe aus dem Versteck geholt und die ersten Versuche in der neuen Sport­saison unternommen. Zur gleichen Zeit hat man kaum fünfzig Kilometer davon entfernt, im schönen Elbe-Tal beobachtet, daß eine große Zahl von Apfelbäumen neue Blüten angesetzt hat. Ein Scherz der Natur.

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