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Nr. 251

CfretiKfiifdx Beftmtfl, Marburg <l L. Dienstag, bat 25. Oktober 1932

Sette S

Schneiden Hummels Vorgänger

Betrüger spielen die Rollen Verstorbener - Vier Personen wollten Ludwig XVII. sein

Der Fall des Schneiders Hummel, der es verstand, als „Kriegsgefangener Oskar Daubmann" aufzutreten und die Behör­den an der Nase herumzuführen, hat in Deutschland mit Recht größtes Aufsehen erregt. Hätte nicht Hummel die Nieder­tracht besessen, die eigenen Eltern des vor sechzehn Jahren Gefallenen zu be­trügen, so müßte man über den Fall herzlich lachen und das Schauspieler­talent des Schwindlers bewundern.

Die Kühnheit, mit der Hummel zu Werke ging, wäre wirklich eines höheren Zieles roert gewesen. Vielleicht hätte er, würde er in einer anderen Zeit gelebt haben, eine ähnliche Rolle spielen kön­nen wie der bekannteste unter allen Leuten dieses Schlages, der Pfeudo- Smerdies. Der wahre Träger dieses Na­mens, der zweite Sohn des persischen Freiheitskämpfers und Reichsgründers Eyrus, war von seinem eigenen Bruder Kambyses ermordet worden, bevor die­ser seinen Zug nach Aegypten antrat. Die lange Abwesenheit des Königs ve- nutzte ein medischer Priester dazu, um sich für den angeblich vom Tode gerette­ten Smerdis auszugeben. Tatsächlich er­warb der Betrüger starke Anhänger­schaft, und als Kambyses durch Selbst­mord geendet hatte, fand sich der Schwindler im unbestrittenen Besitz der Königswürde. Die Herrlichkeit dauerte freilich nicht länger als ein Jahr. Der falsche König wurde auf Veranlassung feines Nachfolgers Darius vom Leben zum Tode gebracht.

Zwei Jahrtausende später fand der Pseudo-Smerdis einen würdigen Nach­folger im falschen Demetrius. Der wirk­liche Prinz dieses Namens, jüngster Sohn des russischen Zaren Iwan des Schrecklichen, war als neunjähriges Kind in Uglitsch auf Anordnung des Usurpators Boris Godunow ermordet worden. Das Volk aber raunte sich zu, den Prinzen habe seine Mutter gerettet. Diese Gerüchte benutzte der Mönch Grischka Otrepjew, um zwölf Jahre nach der Ermordung des Prinzen als der Thronanwärier und Befreier Demetrius aufzutreten. Er „entdeckte" sich dem litauischen Fürsten Wiesniewezki, wurde dem polnischen König Siegismund III. vorgestellt. Auch dieser glaubte ohne weiteres an ihn und gab ihm selbst seine Tochter Maria zur Frau. Mit Unter­stützung der Polen begann der Betrüger den Kampf gegen Boris Godunow. Die­ser starb plötzlich. Sein Sohn und Nach­folger wurde kurz vor dem Einzug des falschen Demetrius in die Hauptstadt Moskau erdrosselt. Der einstige Mönch war damit anerkannter Beherrscher Rußlands geworden.

Die Herrlichkeit währte auch in diesem Falle nicht lange. Der neue Zar bevor­zugte in jeder Hinsicht die Polen, denen er seinen Thron verdankte, brachte da­durch den Adel gegen sich auf und wurde nach dreijähriger Regierung vom Pöbel und von meuternden Soldaten ermordet.

Zu Begin« des neunzehnten Jahrhun­derts fanden sich gleich vier Mann, um die Rolle des vom Schuster Simon zu Tode gequälten französischen Thronfol­gers Ludwig zu spielen. Der erste hatte am wenigsten Glück . Er war der Sohn eines Schneiders, hieß Jean Marie Her­vagaul t, nmrde 1804 auf Anordnung Napoleons I. eingesperrt und starb nach achtjähriger Gefangenschaft. Mathuron Brumeau, der zweite falsche Lud­wig XVH., macht wohl mehr von sich reden, hatte aber auch kein Glück. Er siel inIte^ssenheit und verscholl. Im Iahr-^ - trat ein gewisser Francois r o^bert, der sich Herzog von

,<mont nannte, als Ludwig XVII. -4tf. Er wurde als Betrüger entlarvt, zu pvölf Jahren Gefängnis verurteilt, konnte aber nach England entfliehen. Während seines Prozesses war ein Mann in Paris aufgetaucht, der schon seit Jah­ren wn sich reden machte und seit 181b feit* Rechte auf den französischen Thron geltend machte, der Uhrmacher Karl Wilhelm Naundorf. Er war 1810 in Ber- Hn aufgetaucht, hatte sich m Spandau verheiratet und drei Jahre im Gefäng­nis zu Krossen gesessen, weil das Gericht 8»r Ueberzeugung gelangt war, daß er sich fälschlich als Mitglied des Hauses

Bourbon ausgegeben. Mittellos kam er nach Paris, wo er eine starke Anhänger­schaft zu gewinnen wußte. Verschiedene Personen vom Hofe Ludwigs XVI. schwo­ren aus seine Echtheit als Sohn des guillotinierten Königs. Er gründete eine eigene Zeitung zur Wahrnehmung seiner Rechte, führte den Titel eines Herzogs der Normandie, wurde aber, als er den Mitgliedern des Königshauses einen Be-

Strafprozeß, der je in England geführt wurde, hängt mit einem derartigen Be­trug zusammen. 1852 verscholl der Leut­nant Roger Tichborne während einer Reise nach Südamerika. Kurz vorher war sein Vater gestorben und hatte ihm eine Iahresrente von zwei Millionen hinterlassen. Dreizehn Jahre später er­klärte ein australischer Detektiv der noch lebenden Mutter des Verschollenen, er habe ihren Sohn gefunden. Roger sollte moralisch und finanziell Schiffbruch er­litten und sich deshalb geschämt haben, in die Heimat zuruckzukehren. Die Mutter schickte dem „Wiedergefundenen" sofort das Reisegeld und empfing ihn unter Freudentränen: „Ja, es ist mein Sohn". Rogers Bruder aber weigerte sich, den so plötzlich Aufgetauchten an­zuerkennen. Es kam zu einem Prozeß, der sich jahrelang hinzog, bis das Gericht trotz verschiedener, von der Mutter und von der Amme des kleinen Roger aner­kannter Narben und Male die Klage des Australiers abwies. Jetzt befaßte sich der Staatsanwalt mit dein Fall, und der „Wiedergefundene" wurde nach einer Verhandlung, die 188 Tage dauerte, zu vierzehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die Mutter glaubte bis zum letzten Atemzuge doch noch an die Echtheit des Betrügers, der in Wirklichkeit ein Schlachter namens Orten war.

Nur kurze Zeit liegt der Fall Easella- Bruneri Zurück, der wochenlang ganz Italien beschäftigte. Der Professor Ca- ella war während des Krieges in Maze­donien als vermißt gemeldet worden. Die Frau mutzte sich als Witwe betrach­ten . Jahre später wurde auf dem Fried­hof in Turin ent zerlumpter Mensch ge- unden, der anscheinend das Gedächtnis verloren hatte und nicht einmal seinen Namen wutzte. Die Polizei forderte die Leute, die den Mann vielleicht kannten, auf sich zu melden. Verschiedene traten an, und einer erklärte: „Er gleicht dem verschollenen Professor Casella." Nun wurde der Unbekannte der Frau Casella vorgestellt, und auch sie glaubte, ihren Gatten wieder zu erkennen. Das eigen­artige Wesen des so plötzlich Aufgetauch­ten wurde mit seinen, zweifellos schreck­lichen Kriegserlebnissen erklärt. Der „Wiedergefundene" ließ sich ms Haus Casella fuhren, und hier kehrte angeblich langsam sein Gedächtnis zurück: „Ja. ich bin Professor Casella." Aber es blieben noch große Lücken in der Erinnerung.

fehl erteilen wollte, verhaftet und aus Frankreich ausgewiesen. Er starb 1845 in Delft. Es gibt heute noch in Frank­reich eine Richtung, die in Naudorf den unglücklichen Ludwig XVII. sehen will.

Wie der Fall Daubmann zeigt, braucht es nicht immer ein König zu sein, den Betrüger um eines Vorteils willen zu impersonifizieren versuchen. Der längste

die sich wahrscheinlich erst nach Jahren schließen würden. Frau Casella pflegte den Mann mit Aufopferung und schenkte ihm zwei Kinder. So schien sich schließ­lich alles zum Besten gewandt zu haben. Bis plötzlich eine Frau auftauchte, die den „Professor" als den Mechaniker Bruneri bezeichnete, der von zuhause fortgelaufen sei. Das Gericht entschied nach langwierigen Ermittlungen das gleiche. So verlor die arme Frau Ca­sella ihren Mann zum zweiten Mal.

Ernst Herbert Petri.

Das Mental auf Frau Vinöerimgel

die berühmte Sängerin an der Städtischen Oper Berlin, wurde, wie gemeldet, durch ein Revolver-Attentat, das ihr Gatte, der Bankier mze, auf sie verübkk, lebens­gefährlich verletzt.

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Berlin, 24. Okt. Die Abenblätter berichten fast alle in ganz großer Auf­machung über den Revolveranschlag des Bankiers Hintze auf seine Ehefrau, die Sängerin Frau Bindernagel. Frau Bin­dernagel hatte ihren Gatten verlassen, weil er nicht dulden wollte, daß ihre Mutter und ihre Schwester bei ihnen wohnten, und war mit ihren Angehörigen zu Be­kannten gezogen. Außerdem hatte sie auch die Scheidungsklage eingereicht und d i e Herausgabe ihres Töchterchens abgelehnt. Nachdem es schon wiederholt zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den Ehegatten gekommen war, war Hintze gestern abend erneut in die Städtische Oper gekommen und hatte sich zunächst in das Kasino begeben. Als seine Gattin von seiner Anwesenheit erfuhr, wollte sie in Begleitung ihrer Mutter und ihrer Schwester das Haus verlassen. Auf der Treppe geschah dann die grausige Tat.

Hintze gab bei seiner ersten Vernehmung an, er könne keine Aussagen machen, er habe tagelang nicht mehr geschlafen und sei demzufolge überreizt. Er bedauere, daß die Pistole versagt hatte, als er sie gegen sich selbst sichtete. Da er einen Nervenzusammenbruch erlitt, mußte das Verhör zunächst abgebrochen werden.

Das "te-llhr-BIatt meldet, daß das Be­finden vn Berliner Sängerin sogutwie hoffnungslos fei. Eine Operation, die die Aerzte noch um y24 Uhr früh vor-, nahmen, dürfte kaum noch Rettung oringen.

Die Fra« hat immer Recht.

Er: „Siehst Du, infolge der Vorsichts­maßregeln, die ich dieses Jahr getroffen habe, sind Deine Pelzsachen nicht von den Motten zerfressen worden."

Sie: „Das stimmt, aber, mein armer Freund, Du siehst wieder einmal nicht, daß sie entsetzlich aus der Mode sind!"

(Journal.)

Die "zerrupfte"

BLAUPUNKT-Stickerei

Jetzt hab ich aber was angerichtet! Frauchen braucht ja die Dinger für ihre Handarbeit!

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Es ist halb so schlimm. Der Herr raucht ja Blaupunkt weiter, und für 50 Wertmarken bekommt Frauchen immer wieder 16 neue Stickereien. So hat e r für 4 Pfg. eine fabelhafte, große Zigarette, 'sie hat Freude an neuen Handarbeiten, und die Kinder haben außerdem Soldaten ■Bilder, und wenn Frauchen die Stickereien nun nicht braucht, gibt es dafür 10 Zigaretten gratis für beide.

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mit Stickereien and Soldaten -Bildern wa^dorf astoria g• m b h

Gelungener Flugraketenstart auf -em Flugplatz Tempelhof

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Der Raketenkonstrukteur Tilling Mnksl Der Aufstieg der Rakete

mit seiner Rakete. -

Auf dem Flugplatz Temvelhos führte der bekannte Raketenforscher Tilling die von ihm konstru irrte Flugrakete vor. die eine £>ö6e von 800 m erreichte. Auf dem Höhepunkt angelangt, entfaltet die Rakete automatisch ein Flügelvaar. das den Raketenköroer im Eleitflug wieder zur Erde zurückkührt. Dieses Raketenmodell käme also, wenn eist größere Schußweiten erzielt werden kön­nen. für eine außerordentlich schnelle und trotzdem sichere Postbeförderung in Frage.