Dienstag, den25.SN.1M
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberheffen
Anzeiger der amtlichen.Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der französische „Abrüstungsplan"
Einigung der Politiker mit dem Großen Generalstab — Der Widerstand General Weygands
fk. Paris, 25. Ott. Der Studienaus- sthuß des Obersten Landesverteidigungs- rates ist in den Abendstnnden des Montag erneut zusammengetreten, um die am Montag vormittag begonnene Beratung desEicherheits-nndAbrüstungs- planes fortzusetzen. Die Beratungen dauerten bis 1 Uhr nach Mitternacht und fallen endlich z« einer Einigung zrni- fchen der Regierung und den Mitgliedern des Große« General st abes geführt haben.
Hebet die Sitzung wurde eine kurze Verlautbarung herausgegeben, in der es heißt, daß der Plan am kommenden Freitag dem Obersten Landesverteidigungsrat und dann dem Ministerrat zur Annahme unterbreitet werde. Er werde dann den an der Genfer Abrüstungskonferenz beteiligten Mächten vorgelegt. Der genaue Zeitpunkt in Genf ist in der Verlautbarung noch nicht angegeben, und man macht in gut unterrichteten politischen Kreisen nach wie vor größte Vorbehalte über die Einhaltung der ursprünglich eingeschlagenen Richtung.
Der sozialistische „P o p u l a i r e" hält inzwischen, seine am Montag morgen gegebenen Informationen aufrecht, daß der Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte. General W e y g a n d , mit feinem Rücktritt gedroht habe, falls die von Paul B o n c o u r vorgeschlagenen Abrüstungsmaßnahmen bezüglich der Landstreitkräfte aufrecht erhalten bleiben.
Das „O e u v r e" will sogar misten, daß der M i n i st e r r a t, der am heutigen Mittag unter Vorsitz des Staatspräsidenten im Elyfee zusammentritt sich eingehend mit der Haltung General Weygands gelegentlich der Beratung des Staatsausschusses befasten wird.
Wie weiter verlautet, sollen sich die Vorbehalte der Mitglieder des Großen Eeneralstabes in erster Linie gegen gewiße Vorschläge gerichtet haben, deren Durchführung die Verteidigung der llber- seegebiete nach Ansicht der Militärkreise m Frage gestellt hätten. Es soll in diesem Zusammenhang zwischen General W e y - g a n d und dem Kolonialminister S a r - raut zu einem ziemlich scharfen Wortwechsel gekommen sein, der erst in den Abendstunden eine Klärung erfahren habe.
Die Politik Frankreichs
3m Mittelpunkt der bevorstehenden außenpolitischen Kammerdebatten werden nach Ansicht der radikalen „'Re« publique" die „WiedercrufrüstungS- pläne" stehen, die von der französischen Oeffentlichkeit und auch von der »Repu- .bligue" nach wie vor mit größter Hartnäckigkeit der Reichsregierung in die Schuhe geschoben werden. Me Strömungen, die sich gegenüber diesen angeblichen Planen geltend machen, werden von der „Republigue" wie folgt geschildert.
Die radikalste sei die des Abgeordneten Louis Marin. Sie trete dafür ein, daß man gegebenenfalls sogar d a s l i n k e Rheinufer besetzen müßte. Sollte das zum Kriege führen, so müßte die Losung eben heißen: Vorwärts!
Die zweite Gruppe verkörpere die R ü - stvngsindustrie, die dafür eintrete, bah Frankreich zwei Geschütze bestelle, wenn in Deutschland e i n Geschütz in Auftrag gegeben werde, kurz, daß Frankreich eben trauer weiter rüste.
Die dritte Richtung sei die pazifistische. In ihrem Lager vertrete man den Stand- puntt, daß Frankreich die Initiative zu einer weitgehenden Abrüstung ergreifen müsse, da Deutschland sich darauf berufe, daß die anderen Länder nicht abrüsten wollten. Hierzu erklärt nun „Republicsue", es sei sehr zu wünschen, daß gerade diese Auffassung, die feit einiger Zeit in der Presse mehrfach zum Ausdruck gekommen
fk. Leipzig, 25. Ott. 5m Prozeß der Länder Preußen, Bayern und Baden gegen das Reich verkündete Reichsgerichtspräsident Dr. Sumte wenige Minuten nach 12 Uhr folgendes Urteil: t ,
Die Verordnung des Reichspräsidenten vorn 20. Juli 1932 zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiete des Landes Preußen ist mit der Reichsverfassung vereinbar, soweit sie den Reichskanzler zum Reichskommissar für das Land Preußen bestellt und ihn ermächtigt, preußischen Ministern vorüber-
Die Verhandlungen
London, 24. Ott. In Erwiderung auf Fragen betreffend die geplante Vier- Mächte-Konferenz erttärte der Staatssekretär des Aeußeren, Sir John Simon, im llnterhause sei bisher lediglich hinsichtlich des Konferenzortes keine Verständigung zustandegekommen, aber die Regierung beabsichtige nicht, die Angelegenheit fallen zu lasten. Auf eine weitere Frage antwortete er, das Ziel der Regierung sei, daß in keinem Lande eine Wiederaufrüstung stattfinde.
Zu den Besprechungen von Norman Davis mit Macdonald und Simon.
Wie Vie „$ i m e s“ melden, nahm man am Montag abend in Ministerialkreisen ziemlich bestimmt an, daß die Vier- Mächte-Konferenz in Kürze zu- sammentreten würde. Eine amtliche Bestätigung dieser Annahme liege jedoch nicht vor. Norman Davis, Macdonald und Sir John Simon hätten die Abrüstungsfrage eingehend besprochen. Man habe ernste Anstrengungen gemacht, um festzustellen, wie eine möglichst weitgehende Uebereinstimmung zwischen den Ansichten der englischen und amerikanischen Regierung erreicht werden könne. Dem diplomatischen Mitarbeiter des „Daily Telegraph" zufolge ständen hauptsächlich folgende Fragen zur Behandlung: . .
sei, auch auf der Kammertribüne vertreten werde. Je schärfer sich die Regierung dem Gedanken einer Wiederaufrüstung Deutschlands widersetze, und je entschiedener sie diesem Gedanken eine eigene Abrüstungspolitik entgegenstelle, um so größer werde die Mehrheit der Republikaner sein, die sich um die Regierung scharen, um den Friedensgedanken gegen jede Art von Rotionalismus zu verteidigen.
gehend amtliche Befugnisse zu entziehen und diese Befugniste selbst zu übernehmen, oder anderen Personen als Kommistaren des Reiches zu übertragen.
Diese Ermächtigung darf sich aber nicht da rauf erstrecke«, dem preußischen Staatsministerium und seinen Mitgliedern die Vertretung des Landes Preußen im Reichstag, im Reichsrat oder sonst gegenüber dem Reiche, oder gegenüber dem Landtag, dem Stgatsrat oder gegenüber anderen Ländern zu entziehen.
mit Norman Davis
1. Wie läßt sich der Hoover-Ab- rüstuugsplan auf die englische und amerikanische Flotte anwenden.
2. Wie können Frankreich und Italien veranlaßt werden, dem Londoner Flottenabkommen von 1930 beizutreten?
News Ehronicle" zufolge hat es sich bei der Besprechung um einen letzten Versuch Amerikas gehandelt, England zur Annahme der Hoovervorschläge zu bewegen.
In der Pariser Presse verfolgt man die ßon&oner Besprechungen zwischen Norman Davis und Macdonald mit größter Aufmerksamkeit. Nach Auffassung der Londoner Berichterstatter der Pariser Blätter drehten sich di« Besprechungen hauptsächlich um Abänderungen des englischamerikanischen Flotten-Abkommens. Man unterstreicht ferner die Erklärungen Simons, wonach die englische Regierung den Gedanken einer Viererkonferenz nicht fallen gelassen habe und nach wie vor an einer Verwirklichung dieses Planes arbeite.
Abreise De. Hoefchs von Paris.
Paris, 25. Ott. Botschafter von Hoesch hat gestern abend Paris verlassen. Er begibt sich zunächst nach Berlin. 3n den ersten Novembertagen wird er seinen Posten als deutscher Botschafter in London übernehmen.
Wieder polnische Flugzeuge über Schneidemühl
fk. Schneidemühl, 25. Ott. Wie einwandfrei festgestellt wurde, überflogen am Montag nachmittag zwei polnische Flugzeuge die deutsche Grenze in der Nähe von U s ch a «- land im Netzekreis und wandten sich dann nach Schneidemühl. Die beiden Flugzeuge zogen in beträchtlicher Höhe eine Schleife über Schneidemühl, insbesondere über dem Bahnhof, und flogen darauf rasch nach dem Kreis Flatow. Bei Schönfeld verließen sie das deutsche Gebiet.
Vom Standortkommando wurden die polnischen Hoheitsabzeichen an den beiden Doppeldeckern einwandfrei festgestellt. Es dürfte mit Sicherheit sest- stehen ß es sich um zwei polnische Militärflugzeuge handelt, die widerrechtlich die Grenze überflogen haben.
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Das Gesetz über Ottawa
fk. London, 25. Okt. Der Schatzkanzler Chamberlain brachte am Dienstag morgen um 2.15 Uhr MEZ. im englischen Unterhaus das „Gesetz über die Ottawaer Abmachungen" ein. Die Einbringung wurde von der Ministerbank und den Regierungsparteien mit großem Beifall begrüßt. Rach ersten Lesung vertagte sich das Haus. Morgen, Mittwoch, wird die zweite Lesung beginnen. Der heutige Tag ist der Erörterung des Mißtrauensantrages der Arbeiterpartei gewidmet.
Das Unterhaus nahm heute Nacht in Kommissionsberatungen die zweite Entschließung der Konferenz von Ottawa ohne Veränderung mit 204 gegen 52 Stimmen an. In dieser Entschließung wird die Auferlegung von Zöllen in Erfüllung der Abkommen von Ottawa vorgesehen.
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Die Frage der Hungermarschierer wurde am Montag auch im Unterhaus zur Sprache gebracht. Der Gesundheitsminister Sir Hilton Poung erllärte, er wisse wohl, daß es sich um eine von Kommunisten angestiftete Angelegenheit handele. Es werde jedoch die Behörden ermahnen, nicht so scharf gegen die Hungermarschierer vorzugehen.
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Beileid des Reichspräsident n
$um Tode des Grafen Posadowsky.
Berlin, 24. Okt. Der Herr Reichspräsident hat an den Sohn und die Tochter des Grafen Posadowsky folgendes Beileidstelegramm gerichtet:
Zu dem schweren Verlust der Sie durch den Tod Ihres Herrn Vaters des Wirk! Geh. Rats und Staaisministers Grafen Posadowsky, betroffen hat, spreche ich Ihnen meine herzlichste Anteilnahme aus. Ich gedenke hierbei dankbar der großen Verdienste, die der Verstorbene in seiner reichen Lebensarbeit, insbesondere durch seine bahnbrechenden fozialpolitstchen Reformen, ,ch um Volk und Baterland erworben tr'
Das Urteil des Staatsgerichtshofes
Die Anträge der Länder teilweise anerkannt
Um die Viermächte-Konferenz