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Nr. 250

C6erhefftfme Zettung, Marburg a. L. Montag, ben 24. Dftobti 1932

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Die ehemalige Kaiserin Zita von Oester­reich-Ungarn weilt seit einigen Tagen mir ihrer jüngsten Tochter Elisabeth Charlotte in Köln. Die jugendliche Erzherzogin muh sich in dem dortigen Krankenhaus einer Blinddarmoperation unterziehen.

Kunst und Wissenschaft

— Preuhischer Philologentag. Am 29. und 30. Dfober findet in Potsdam der Preußi­sche Philologentag statt. Er ist in Anbetracht der Verhältnisse als reine Arbeitstagung ge­dacht. Um Unkosten zu sparen, ist er wieder­um in die unmittelbare Nähe Berlins gelegt, trotzdem auch der letzte vor zwei Jahren in Berlin war. Am 30. Oktober spricht in einer öffenU'^en Versammlung im Zivilkasino. Pots^in, Waisenstratze 19, der 1. Vorsitzende Oberstudienrat Dr. Bolle über: „Forderun­gen von Volk und Staat an die Erziehungs­arbeit der höheren Schule." Am Tage vor dem 23er6ani>5tag, am 28. Oktober, tagen die Ar­beitsgemeinschaften der Mädchenschulphilologen und der Direktoren sowie der Verband der Studienassessoren und -referendare.

—Besonderer Lehrstuhl für Hegelsche Philo­sophie an der Leidener Universität. Die holländische Bolland-Eesellschaft, die sich ins­besondere die Beschäftigung mit der Philosophie Hegels zur Aufgabe macht, ist unlängst von der Regierung ermächtigt worden, an der Uni­versität Leiden einen besonderen Lehrstuhl für Hegel'sche Philosophie zu errichten. Der holländische Hegel-Forscher I. Hessing, der zur­zeit an der landwirtschaftlichen Hochschule zu Wageningen als Dozent tätig ist, soll für die­sen neuen Lehrstuhl ausersehen fein.

= Uraufführung von Emil Ludwigs „Versailles- im Londoner Unabhängigen Theaterklub. Aus London wird gemeldet: Der neue „Unabhängige Theaterklub", der es sich zur Aufgabe gemacht hat, vom Zen­sor verbotene Theaterstücke privatim zur Aufführung zu bringen, begann sein Wirken mit einer Vorführung von Emil Ludwigs „V e r s a i l l e s“. Eine der Regeln der englischen Zensur ist, daß unter keinen Umständen lebende Persönlichkeiten auf der Bühne dargestellt werden dürfen. Lloyd George, der in 'Ludwigs Darstellung keine sehr günstige Rolle spielt, hatte eine Einladungskarte erhalten, war aber nicht gekommen. Auf Befragen erklärte er, er habe das Stück gelesen und zieh es vor, sich nicht darüber zu äußern. Das Publikum verfolgte die einzelnen Szenen mit großer Spannung und häufig mit leb­hafter Heiterkeit und spendete zum Schluß reichen Beifall, für den der Verfasser von der Bühne aus dankte. Die Aufnahme des Stückes durch die Zeitungskritiker ist ziem­lich kühl. „Viel Worte zu wenig Hand­lung kritisiert einer von ihnen, unb_ em anderer meint, man habe eher die Emp­findung, eine Sammlung von Zeitungs­ausschnitten zu lesen als einem Drama bet= zuwohnen.

Harmonie und Farbenfehen.

Der als bissiger Satiriker bekannte 6eb qer Josef fiellmesberger unterhielt sich eines Tages mit seinem Kollegen, dem Profesior Grün, über Farbempfindungen bei gewißen Klangfiguren. „Bei mir ist diese Erscheinung sehr ausgeprägt", sagte Hellmesberger, „höre ich Beethoven, so sehe ich stets rot; höre ich Mozart, sofort habe ich das Empfinden, Blau zu sehen; höre ich aber einmal ganz schlechte Musik, so sehe ich Grün."

Bon Dr. Borchers» Leiter der Deutsche« Anden»Expeditio« 1932

der an einem Gebüsch. Schließlich haben wir es doch an eine^. Tage geschafft, bis unweit unter die Hoye zu kommen (3900 Meter), wo der Hang flacher wird und Weide für die Tiere trägt. Als Dr. Kinzl und ich dann noch am Abend bis auf die Kammhöhe fftegen und ms Quietaracfa-Tal hinabblickten, das 1200 Meter unter uns lag.

da erfaßte uns das Grauen vor dem Weitermarsch.

Unerhört steile Hänge, und Schluchten, die unten mit hohen, wieder waldähnlichen Dornenbüschen bewachsen, alles in den schweren Abendschatten, das so gewaltig, so düster, so erdrückend aus und erschien hoffnungslos für einen Weitermarsch an­traten, da deutete uns ein guter Pfad hinab, gar nicht mal steil, mit den not-

Sagenwett

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(Nachdruck verboten.)

Bor wenigen Tagen ging die sen­sationelle Nachricht durch die Presse, daß die deutsche Anden-Expedition in Pern das sagenhafte Quitararsa-Tal entdeckt und gewaltige Jnkabauten dort gefunden habe. Wir find in der Lage, nachfolgend den ersten ausführ­lichen Bericht des Expeditionsleiters Dr. Borchers zu veröffentlichen.

(Die Red.)

Anngay, ein Marktflecken mit etwa 2000 Einwohnern, am Fuße des Huas- caran gelegen, wurde unser Standquar­tier. Wir mieteten dort ein Haus, in dem wir alles das niederlegten, was wir nicht gerade auf unseren Vorstößen ins Ge­birge brauchten. Die nächste Sorge war die Beschaffung von Reit- und Tragtie­ren und die Änwerbung von Trägern. Der Pferde- und Maultiervermieter emp­fahl uns einen „Mayordomo", b i. Haus­hofmeister und Oberster des Trosses; in Zentralasien würde man, eigentlich tref­fender, Karawanbaschi (Haupt der Kara­wane) sagen. Dieser brachte uns 9 Trä­ger, die wir anwarben und mit denen wir zunächst genügend Personal hatten. So waren wir in wenigen Tagen marsch­bereit geworden.

Unser Forschungsgebiet, die Cordillera Bianca, eine langgestreckte, von NNW. nach SSO. verlaufende Gebirgskette, wird an der Westseite in der ganzen Ausdehnung vom Santa-Tal begrenzt und noch weiter westlich verläuft in der gleichen Richtung die Cordillera Negra, m einem Abstand von rund 20 Km. von •fijrer „weißen" großen Schwester. Also erst mal hinaufgeritten auf eine der Kup­pen am Osthang der Cordillera Negra und Umschau gehalten! Allerdings lagen allerlei Wolken auf der Cordillera Bian­ca, aber einen notdürftig ausreichenden Ueberblick gewannen wir doch. Wir ent­schlossen uns zunächst nach Norden zu gehen. Pferde und Maultiere standen bereits auf dem Hof, da erklärten die Träger, daß sie nicht mitgehen würden. Nur unser damaliger Koch, der treffliche Miguel Rojo und ein Träger, der den Vorschuß nicht zurückzahlen konnte, blie­ben, und unser Majordomo Cesar stand HUfslos dabei. Da wir außerdem noch 2 Pferdeknechte hatten, konnten wir uns zunächst auch so behelfen, und wir hofften unterwegs noch einige Leute an- roerben zu können, wie es denn auch ge­schah.

Von Uungay ging der Marsch zunächst das Santa-Tal abwärts. An dem Marsch nahmen alle sieben Expeditionsmitglieder teil, wir hatten 20 Reit- und Tragtiere, teils Pferde, teils Maultiere. Der Pferdevermieter hatte seinen Knechten die geheime Weisung gegeben, nur be­kannte gute (soweit man hier überhaupt von „gut“ sprechen kann) Wege zu gehen. Sie logen uns daher an, durch den Canon de Pato könne man nicht mit Lasttieren hindurch, mit Reitpferden nur, indem man an vielen Stellen absätze. Wir hatten begreiflicherweise die Kerle noch nicht richtig erkannt, wußten nicht, daß z. B. die regelmäßigen Salztrans­porte diesen Weg nehmen, und verloren durch den Umweg, den der fein langsam marschierende Troß nahm, gleich einen Tag. Dies soll nur ein Beispiel dafür fein, welch geheimer Kampf immer wie­der zwischen uns und den Arriereros Ssferdeknechte geführt werden mußte.

achdem wir erst mal die „Geheimbe­fehle“ und die Angst der Leute vor dem Unbekannten erkannt hatten, ließen wir sie ihre „Landeskenntnisse“ uns gar nicht erst vorleiern, sondern pfiffen sie an, wenn sie etwa Miene machten, unsere Befehle nicht sofort durchzuführen. Da­mit war das richtige Verhältnis geschaf­fen. Wir stiegen so zwangsläufig bis auf 1200 Meter hinab. Auch oberhalb des Canons sind die Berghänge öde, riesige Kakteen und Agaven beherrschen das Feld. Erst wo wieder künstliche Bewäs­serung möglich ist, ist Kulturland, üppigste Vegetation. Dunkle Bananenwäloer durch die man reitet, erinnerten uns wie­der daran, daß wir in den Tropen sind. Auf einem landesüblichen Maultierweg ritten wir aus der heißen Tiefe empor Zur Hacienda Santa Rosa und waren da- mft wieder am Abhkng der Cordillera Vlanca.

Hier trat nun die Frage an uns her­an, wohin wir uns weiter wenden soll­te. Beim Weitermarsch nach Norden würden wir um das Gebirge herumge­griffen haben. Man sagte uns jedoch ip der Hacienda Santa Rosa, daß wir etwas weiter südlich einen Weg in

das sagenhafte Q«itaracsa-Tal finden würden. Dagewesen war zwar X>Ä niemand, und das entsprach durch­

aus dem, was wir später immer wieder beobachteten. So ist es auch zu erklären, daß unmittelbar neben dem Santa-Tal, durch das bereits der spanische Eroberer Pizarro gezogen und in dem sicher seit Jahrhunderten Weiße wohnen, ein Ge­birge liegen konnte, das nicht nur in der Eisregion, sondern auch in den meisten der tiefeingeschnittenen Täler dem wei­ßen Manne vollkommen unbekannt war.

wendigen Serpentinen sehr geschickt an­gelegt. Es war offensichtlich

ein Werk der Inkas, das dank feiner vortrefflichen wegbau­technischen Anlage die Jahrhunderte bis heute gut überstanden hatte, denn dro­ben auf der Höhe, von der wir erstmalig ins Quintarasea-Tal hineingeblickt, stehen die Ruinen einer Inkastadt, die ziemlich bedeutend gewesen fein muß. Kein Weißer hatte davon gewußt, und die Indios, die diesen Weg offensichtlich heute noch regelmäßig benutzen, schwei­gen. Meist sind solche Inka-Ruinen stark zerfallen und sehr niedrig. Doch was von den Steinmauern noch steht, das ist in der Regel sehr fein gefügt, und da wir sogar ein noch gut erhaltenes Tor san­den, war unsere Freude groß - Don be­sonderem Interesse war für uns die Was­serversorgung. Denn die Ruinen liegen auf einem sanft abfallenden Gebirgs- Kamm, und Quellen können dort nicht fließen. Aber die geschickten Baumeister hatten den Abfluß eines Gletschers m langem, in Feld gehauenen Hangkanal bis zu ihrer Siedlung geleitet, wo das Wasser an einer Scharte sogar den Ge­birgskamm überschritt und zur Bewässe­rung der unter der Stadt liegenden Fel­der diente. Noch heute fließt in dem Hangkanal Wasser — auch wir schöpften daraus.

Noch ost fanden roh Inka-Siedlungen auf Bergeshöhen, wo freilich die Wasser­versorgung nicht immer so klar erkenn­bar war. Aber bas ist uns doch immer wieder vor Augen geführt, baß

zur Inka-Zeit das Land dicht besiedelt war, unb daß die Grundlage der. Inka- Kultur die Landwirtfchaft war, in deren Dienst sich die „Bewässerungsingenieure“ gestellt hatten. Wir fragten uns zuerst, weshalb die Siedlungen gerade immer auf Bergeshöhen lagen? Drunten im Tal sind sicher auch Siedlungen gewesen, nur sind die Ruinen nicht mehr erhalten, da an den Stätten neu gebaut ist. Und die Bergsiedlungen erfüllten offenbar auch militärische Zwecke, da sie in der Regel vor Uebergängen über ein Ge­birge ober an sonstig strategisch wichtigen Punkten liege«.

Zu bieten ausgedehnten Siedlungen gesellt sich noch eine

Fülle von kleine« Burgen, vorzugsweise an solchen Stellen, an be- nen ein am Berghang verlaufender Weg über eine kleine Scharte hinter einem Felsvorsprung hindurchführt. Ist der Weg von einiger Bedeutung gewesen und war die nächste größere Befestigung zu weit entfernt, dann war auf dem Felsvorsprung sicher ein breiter, niedri­ger Turm für einen militärischen Posten. So auch im Quitarasca-Tal. Uebrigens wohnen hier sogar einige Indios, fernab von der großen unb kleinen Welt. Sie

staunten uns an, wie es unsere Kinber bei ben Tieren bes zoologischen Gartens tun. , ,

Das Quitarasca-Tal ist aber auch in geographischer Hinsicht höchst interessant. Es durchbricht bas ganze Geb>rge, sodaß also dort die Wasserscheide zwischen At­lantischem- und Stillem Ozean aus- ucchmsweife östlich der Cordillera-Blanca verläuft. Solche gewaltigen Gebirgs­durchbrüche finden wir übrigens sogar in einer noch höheren Kette, nämlich im Hi­malaja. — So gelangten wir auf die Ost- feite der Cordillera Bianca.

Schon vorher war uns unser Dr. Ver­narb entführt worben. Nicht etwa mit Gewalt oder List um Lösegeld zu erpres­sen, sondern mit der Bitte eines geäng­stigten Frauen unb Mutterherzens zu dem mit dem Tob ringenden Herrn Si­fuentes, Besitzer der Hacienda Anda- ymayo. Die Kunde von unserem Hiersein war bis dorthin gedrungen, unb ein Bruber bes Kranken holte ben deutschen Arzt. Bernard kam gerade noch im letz­ten Augenblick zu dem Fleckfieberkran­ken und müßte durch abwechselnd kalte und heiße Wickel und durch innere Mit­tel das Herz des Kranken immer wieder am Schlagen zu erhalten versuchen. Da­mit hatte Bernard nicht allein einem Menschen bas Leben gerettet, auch bie allgemeine Hochachtung vor dem Können bes beutschen Arztes unb bie werktägige Dankbarkeit ber sehr angesehenen Fa­milie bes Kranken kam ber Expedition gute. Wohin wir später auch kamen, überall fragte man nach unserem Dok­tor und überall waren wir gern gesehene Gäste. Frau Sifuentes sandte uns jetzt dauernd Lebensmittel ins Lager hinauf, und als wir auch noch Indios und Mulas benötigten, brauchten wir nur bie Bitte zu äußern.

Die 50. Rundreise -er Europa"

Schnelldampfer „Europa" des Norddeut­schen Lloyd, der am 18. Ottober in Bremer­haven eintraf, hat mit Beendigung dieser Reise seine 50. Rundreise Bremen—Neuyork —Bremen vollendet. Genau ein halbes Jahr vorher konnten wir die Vollendung der 50. Rundreise seines Schwesterschifses Wremen" verzeichnen, die am 16. 3ult 1929 ihre Iungfernreise über den Nordatlantik ange­treten. Nun hat also auch die „Europa" ihre ersten 50 Reisen hinter sich gebracht. Am 19. März 1930 in Dienst gestellt, hat sie settdem, in der kurzen Zett von etwas über 2V- Jahren, 366 000 Seemeilen zurückgelegt, was einer Kilometerzahl von 677 832 Kilo­metern und einer rund 17maligen Um« querung des Erdumfanges ent­spricht, und in dieser Zett 116 465 Passa­giere über den. Ozean befördert. Gleich der „Bremen" gewann auch die „Europa" auf ihrer ersten Reise über den Atlantik das „Blaue Band", indem sie mit einer Ge­schwindigkeit von 27,91 Seemeilen die Metz- strecke Vichop Rock — Ambrose Channel Feuerschiff in 4 Tagen 17 Stunden 6 Mi­nuten zu rü Liegt e.

Das Quitaracsa-Tal mündet 1200 m tief bei Huallanca am unteren Ende bes Canons be Pato. Der Quitaracsa-Bach hat sich ebenfalls tief eingesägt unb man kann ihm nicht nach aufwärts folgen. Aber abseits führt ein schlechter, steiler Pfad empor. Es war keine Kleinigkeit, , mit ber ganzen Carga hinaufzukommen. I Ein Mula stürzte von, einer besonders schlechten Stelle ab, sing sich aber wte- >

Em Zeuge »er furchtbaren Gewalt »es Erdbebens auf Reufeelan»

Die Trümmer der Brücke bei Wairoa, die noch nicht vollendet war, als Re durch bas Erdbeben zerstört wurde. Sie sollte als Ersatz für eine Brücke dienen, die bei dem furchtbaren Erdbeben, das im Februar 1931 Neuseeland herm- ruchte eingestürzt war- Jetzt hat eine neue Katastrophe einen groben Teil der Wiederaufbauarberten zunichte gemacht. Verzweifelt steht die Bevölkerung den Naturgewalten gegenüber, die aus dem paradiesischen Jnselland immer und immer wieder ein Land der Not und der Zerstörung machen.

Herbst-Morgen

3m Nebel ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst du, wenn der Schleier fällt. Den blauen Himmel unverstellt. Herbstkräftig die gedämpfte Welt 3n warmem Eolde fliehen.

Eduard Mörike.

Ssterreichs frühere Kaiserin in Köln