Stile 2
OberheMfche Zeitung, Marburg a. L., Montag, den 24. Oktober 1932
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Rücktrittsabsicht Sauckels
Eisenach, 24. Okt. Adolf Hitler sprach am Sonntag in Thüringen auf zwei großen Kundgebungen. Die erste fand in Eisenach statt. Minister -2 a u ck e I, der das Elends- aebiet auf dem Wald und in der Rhön besucht hat, schilderte sein« Eindrücke. Aufsehen erregte die Mitteilung des Landtagspräsidenten Hrlle, daß Minister Lauckel in der heutigen Kabinettssitzung seinen R ü ck r r i t t erklären wolle, wenn nicht unverzüglich Reich und Länder das unsagbare Elend in Thüringen lindern könnten, für das der Minister nicht länger die Verantwortung übernehmen zu können glaube.
Um 18 Uhr traf Hitler ein. Er verteidigte in seiner Rede die von ihm seit dem 13. August verfolgte Politik und erklärte zusammenfassend, er lasse sich nicht von Pöstchen verführen, ihn verführe nur die Macht. Er, Hitler, sei ein Sohn des Volkes, darum werde er auch das Volk nicht im Stiche lasten. Arbeiter und Bürger müßten an einem Strange ziehen. Getrennt würden sie ihre Ziele nie verwirklichen. Nur wenn Bürger und Arbeiter und Bauern zusammengingen, dann sei der Weg frei zu einem starken und mächtigen Deutschland.
Hitler begab sich dann im Automobil nach Weimar, wo er erklärte, daß er von vornherein für immer auf staatliches Gehalt verzichte. Sein schönster Lohn wäre der Sieg der Bewegung, die er seit 13 Jahren mühsam aufgebaut habe.
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Seldte über die Politik des Stahlhelms
Kiel, 22. Oft. Anläßlich eines Aufmarsches des Stahlhelms in Kiel fand heute nachmittag im Klubhaus des Kaiserlichen Jachtklubs ein Empfang geladener Gäste aus Kreisen der Industrie Und des Handels statt, auf dem
der Erste Bundesführer Seldte
ein Bild von der Entwicklung des Stahlhelms und seinem organisatorischen Aufbau entwarf. Der Redner erklärte u. a., mit der Anonymität der Massen habe man nie die Zukunft. Heber alle wirtschaftlichen Schranken hinweg müsse der Geist, die nationale Idee, stehen. Der Stahlhelm sm bewußt nicht Partei geworden Und werde es nicht werden, weil für ihn die Einheit des Volkes das letzte Ziel sei. Man habe das Instrument des Stahlhelms bisher noch nicht in die Politik geführt. Nachdem aber jetzt die Nachkriegsperiode der Gärung in Richtung einer Läuterung zu Ende zu gehen scheine, stehe der Stahlhelm bereit, wenn er gerufen werde, mit atlfer Kraft einzugreifen. Wenn die Regierung Papen die Kraft besitze, eine bessere Verfassung zu schaffen, dann habe sie im Stahlhelm einen treuen Begleiter. Die Bundesführer dächten nicht daran, ihre Organisation zu früh einAusetzen. Sie arbeiteten auf ein fernes Ziel hiy.
Die Zeit des Bürgertums sei nicht vorbei; denn die bürgerliche Schich- tnng sei das tragende Glied des deutschen Volkes.
Aber das Bürgertum dürfe nicht warten, bis es vom Staate aufgerufen werde, sondern es müsse zusammenhallen und an den Geschicken des Staates teilnehmen. Er sehe die Möglichkeit für eine gut bürgerliche nationale Zukunft.
. Der bremische Bürgerschastspräfident aus der NSDAP, ausgetreten.
Bremen, 22. Okt. Der Präsident der bremischen Bürgerschaft, Dr. Backhaus, der der NSDAP, angehörte, richtete unter dem 21. Oktober an Hitler ein Schreiben, in dem er seinen Austritt aus der NSDAP, erklärt und gleichzeitig Mitteilung von der Niederlegung des Bürgerschaftsmandats und des Amtes als Präsident der Bürgerschaft macht. Dr. Backhaus sagt in dem Brief u. a., er habe gehofft, Hiller würde dem Bruderkampf unter den Deutschen ein Ende machen. Diese Hoffnung sei vergeblich gewesen. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß eines Tages die NSDAP, den Weg wieder zur H a r z- burger Front finden werde.
Graf Posadowfly-Wehner gestorben.
Mauntburg, 23. Okt. Heute vormittag ist der frühere Landtagsabgeordnete Stof Posa- dowsky-Wehner gestorben.
Mit Graf Posadowsky ist eine bekannt« und bedeutende Persönlichkeit unseres öffentlichen Lebens im Alter von 87 Jahren dahingeschieden. Der Graf wurde in der breiten Öffentlichkeit zuerst bekannt, als er anfangs der 90et Jahre zum Staatssekretär des Reichsschatzamts und einige Jahre später zum Staatssekretär des Reichsamts des Innern ernannt wurde. 1909 wurde er unter Bülow verabschiedet. Zur Nationalversammlung wurde er als Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei gewählt. Später schied er aus der DNVP aus und wandte sich Bestrebungen zu, die zuletzt in der Volksrechtspartei gipfelten, deren Ehrenvorsitzender er zuletzt war. Als Mitglied dieser Partei hat er auch dem verflossenen Landtag noch angehört, besten Alterspräsident er war.
Hugenberg in Gelsenkirchen
Gelsenkirchen, 23. Okt. In einer öffentlichen Kundgebung der Deutschnaffo- nalen Volkspartei in Gelsenkirchen hielt der Parteiführer Dr. Hugenberg am Sonntagnachmittag eine Rede, nt der er sich mit der Politik des Zentrums beschäftigte. Er führte ii. a. aus: Solange die Ministerial- bürokratie noch dieselbe ist, die unter Müller- Franken und Brüning, unter Braun und Seoering für den alten Kurs gearbeitet hat. solange wird auch der ehrlichste Wille der Regierenden selbst von Nachgeordneten Stellen sabotiert werden. Dor allem sollten die jetzt Verantwortlichen nicht vor den Toren des Zentrums halt machen.
Das Zentrum ist in seine n Hasse gegen den Norden und gegen Preußen ost zu einer Gefahr für bie Reichseinheit geworden.
Die separatistischen Umtriebe und die Enthüllungen über die Tätigkeit maßgebender Zentrumsführer im Rheinland beweisen es. Auch jetzt ist das Zentrum wieder der Treiber der Fronde gegen Papen.
Sodann kritisierte Dr. Hugenberg die Politik des Zentrums der letzten Jahre, das an der Selle der Sozialdemokratie das Zustandekommen einer Rechtsregierung verhindert und aus seinen Sonderinteressen heraus immer das Spiel gegen das nationale Ee- samtinteresse gespielt habe. Es ist erstaunlich, sagt Hugenberg weiter, wie das Zen
trum es seinen Anhängern gegenüber fertigbringt, sich immer noch mit dem Gewände der Sachlichkeit, Moral und Religion zu trapieren, obwohl alle Tatsachen gegen diese Darstellung sprechen. DenKorruptionserschei- nungen, die in den Reihen der Sozialdemokratie heroorgetreten sind und durch Namen wie Sklarz, Bauer, Barmai, Kutisker und Sklarek charakterisiert werden, stehen auch diejenigen auf Zentrumsseite durchaus ebenbürtig gegenüber. Zu Namen der Vergangenheit wie Lange-Hegermann und Zentrumsminister Hoeffe usw. sind neuerdmgs große andere Gebiete
rechtswidrigen Mißbrauches von Staatsmitteln für Zentrumszwecke
hinzugetreten. Beispielsweise zugunsten des Zentrmnsblattes „Kölnische Volkszeitung", ferner zugunsten des Versuches der polttischen Rettung des Zentrumsoorsitzenden des Preußischen Staatsrates, des Oberbürgermeisters Adenauer-Köln.
Zum Schlüsse bezeichnete Dr. Hugenberg die Auffassung Kaas', daß nur 10 o. H. des deutschen Volkes auf der Seite des Kampfes gegen Parteiwittschaft und Parlamentarismus stünden, als einen Irrtum und sprach die Hoffnung aus, daß der Abmarsch der Nationalsozialisten in das Lager des Parlamentarismus, der Parteijwirtschast, des Bonzentums und des Sozialismus kein endgültiger sei.
Brüning in
Mannheim, 23. Ott. In einer Kundgebung der Zentrumspartei sprach Reichskanzler a. D. Dr. Brüning vor rund 10 000 Personen. Er bezeichnete es als politischen Fehler der jetzigen Reichsregierung, daß sie die Nationalsozialisten nicht an die Verantwortung gebunden habe, bevor sie den Reichstag auflöste. Sehr scharf wandle sich der Redner gegen die Erklärung des Rnchskanz- lers von Papen, daß bei den beiden Parteien, den Nationalsozialisten und dem Zentrum, nur die Absicht bestanden habe, sich gegenseitig hinters Licht zu führen. Ein Staatsmann hätte eine solche Verständigung zweier politischer Parteien im Interesse des Ganzen nur begrüßen sollen. Schwerste Opfer habe der Reichstag angenommen.
Es bestehe aber die Sefahr, daß das Volk Rechte und Freiheiten verliere.
Die Zentrumspartei wolle keine Rückkehr zu dem Parlamentarismus der Zeit vor 1930, sie wolle aber nicht, daß einem Volk, das so
Mannheim
schwere Opfer 14 Jahre lang getragen habe, seine Rechte genommen würden.
Was die Kontingentierungspolitik anbelangt, so meinte Dr. Brüning, daß die der Landwirtschaft gegebenen Versprechungen nicht zu erfüllen seien. Es habe sich ein Ring handelspolitischer Abwehr um uns gelegt, der die Arbeitslosigkeit nur vermehre. Man könne die Reichsregierung mir mahnen, keinen neuen Zündstoff anzuhäufen, und so werde die Zentrumspartei ruhig der Wahl und dem neuen Reichstag entgegen» sehen. Dr. Brüning wandte sich dann gegen die Kapitalfehlleitung, die nicht einer erhöhten Produktivität gedient habe, sondern für nichtproduktive Zwecke angewandt worden sei. Zur Frage der Außenpolitik erllärte der Redner, daß je mehr die anderen abrüsten, umso stärker Deutschland werde. Das Mißtrauen gegen uns sei heute in einem Maße gewachsen, wie seit Jahren nicht mehr.
Hitler in Halle
Halle, 22. Ott. In einem überfüllten Riesenzelt sprach am Sonnabendnachmittag vor Zehntausenden von Zuhörern Adolf Hitler. Zur Frage, warum er am 13. August den Eintritt in die Regierung abgelehnt habe, erfiärte er, er steige grundsätzlich in keinen Zug ein, der ganz wo anders hingehe, als er wolle und von dem er wisse, daß er entgleise. Das könnten Herr von Papen oder Herr von Eayl tun, die in eine solche Stellung nichts mitbringen als ihre Aktentasche. Wirtschaftlich sei er schon jetzt gerechtfertigt. „Was würden wohl die Leute sagen", erfiärte Hitler, „wenn ich damals in die Regierung eingetreten wäre und heute er- ttären müßte, daß das, was wir erhofften, nicht eintritt, und daß das Ganze ein Fehl- triff war? Solche Fehlgriffe kann Herr von lapen machen: er hat in seinem Leben schon viele gemacht, und es kommt auf einen mehr oder weniger nicht an.
Wenn mau mich entlob, so geschah es nicht, weil man die Absicht hatte, dieses Kabinett unter «»seren Einfluß yn stellen, sondern wett man die Absicht batte, mich mundtot z» mache«.
13 Jahre lang erklärte man, die Nationalsozialisten feien nicht legal. Die bürgerlichen Politiker, die sich jetzt in Illegalität förmlich baden, haben damals gefragt: Sind sie beim wirklich legal? Ich bin legal gewesen und die Partei ist gewachsen, und wir sind mit 230 Mandaten in den Reichstag eingezogen. Erst hat man uns versichert, wenn wir legal blieben, so sei alles in Ordnung. Und als wir nach ihrer Verfastung ein Recht hatten, die Regierung zu führen, da sagten sie, die Verfassung sei überlebt, und man handele nach einer göttlichen Ordnung.
Was 13 Jahre lang gut genug war, um gegen uns angewenbet ju werden, muß jetzt auch gut genug fein, um uns zu dienen.
Ich habe die Verfassung nicht gemacht. Aber die Bewegung hat 13 Jahre im Rahmen bie» er Verfassung legal gekämpft. Und jetzt ordern wir die Führung nach dieser Äer- ässung. Als ich vor 13 Iahren den politi- chen Kampf unserer Bewegung begann, war >as politische Leben atomisiert in 38 ebenso lächerliche wie dumme und schädliche Parteien. Es ist eine Ungeheuerlichkeit, wenn bürgerliche. Politiker sagen: Hoffentlich nehmen die Nazis bei dieser Wahl wieder ab und unsere bürgerlichen Parteien wieder etwas zu. Da kann ich nur sagen: Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! _
Sie haben also Klassenkampf zu wenig gehabt, es tut ihnen schon wieder leid, daß 14 Millionen Menschen auf eine politische Plattform gebracht wurden. Sie wollen wieder ihre 50 Parteien und Verbände.
Nun, sie können überzeugt sein, daß das niemals wieder eintritt. Das wäre vielleicht gekommen, wenn ich am 13. ja gesagt hätte.
Wenn die bürgerlichen Politiker sagen: „Jetzt ist Zeit, unsere Fahne aufzuziehen", so warne ich: „Passen sie auf, daß auf der anderen Seite keine Fahne aufgezogen wird und täuschen sie sich nicht, ihre Fahne wird dem Ansturm der anderen nicht standhalten!" Ich kenne die Herren genau. Sie hatten einst die Macht, eine ungeheuere Tradition und berühmte Namen, und ich war damals ein unbekannter Mann. Aber die Männer mit ihren berühmten Namen, mit ihrer Macht, haben damals jämmerlich kapituliert, und ich habe Widerstand geleistet. Ich weiß, wo die bürgerlichen Politiker zu finden sein würden, wenn meine Front nicht mehr wäre. Ich kann meine Stunde ruhig abwarten und brauche die Protektion des Herrn von Papen nicht. Es «st unmöglich, daß ich kapituliere, und wenn mir Herr Hugenberg auch noch so herzlich zuredet: „Herr Hitler, der Klügere gibt nach" — lieber bin ich der Dümmere: denn dieses Nachgeben aus Klugheit, das ist der Geist, den die Nation nicht brauchen kann, das ist die Melodie, die wir seit November 18 immer gehört haben!
Der voraussichtlich« Alterspräsident des neuen Reichstages.
Berlin, 22. Ott. Wie nunmehr endgültig feststeht, wird General Litz mann im Wahlkreis 10 (Frankfurt Oder) für die NSDAP für die Reichstagswahl kandidieren. Im neuen Reichstag würde damit voraussichtlich nicht die Kommunistin Klara Zetkin, sondern General Litzmcmn Alterspräsident sein.
Polnisches Sefängnisnrteil gegen einen Danziger.
Warschau, 23. Ott. Der 53jährige Danziger Kapellmeister Teplicki wurde gestern hier wegen Spionage zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Irgendwelche Mitteilungen übe» die Teplicki zur Last gelegten Vergehen sind nicht gemacht worben.
Deutsches Reich
Der Reichswehrmimst« dementiert Verhandlungen in Baden wetter.
Berlin, 22. Ott. Reichswehrmmister von Schleicher, der sich zur Zell in M#ueenrocner aufhält, hat dem Vertte- ter einer Nachrichtenagentur folgende Erklä- rung übergeben: „In Berlin wird die Nach, richt verbreitet, daß ich meinen Aufenthalt in Badenweiler zu politischen Besprechungen benutze, die den Bestand des jetzigen Kabinetts gefährden könnten. Eine geradezu ab- habe Idee, abgesehen davon, daß ich mit dem mir befreundeten Reichskanzler von Papen sachlich und politisch völlig überemsiirnme. haue ich während meines Aufenthaltes in Vadenweiler noch keine politische Persönlichkeit größeren oder kleineren Formats gesehen oder gesprochen und gedenke das auch in Zukunft nicht zu tun."
Eine Erklärung Setparts.
Berlin, 22. Okt. Der Vorsitzende des Allgem. Deutschen Gewerkschaftsbundes Leipart sagt im „Vorwärts" in einer Erklärung zu den Ausführungen Gregor Strassers über ein gemeinsames Vorgehen der Gewerkschaften mit den Nationalsozialisten, daß er weder an Verhandlungen mit v. Schleicher, noch an irgendwelchen Besprechungen über irgendeine Regierungsbildung teilgenommen habe. Mit den „Redereien Strassers" habe er erst recht nichts zu tun.
Kommunistischer lleberfall auf Nationalsozialisten.
Castrop-Rauxel, 22. Okt. Im Stadtteil Ickern kam es am Sonnabend gegen 18 Ähr zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und ommunisten. Die Nationalsozialisten, die in einer Stärke von 50 Mann Flugblätter verteilten, wurden plötzlich von 50 Kommunisten überfallen. Bei dem Handgemenge wurden von den Kommunisten mehrere Schüsse abgegeben, wodurch vier Nationalsozialisten verletzt wurden. Die Täter flüchteten.
Castrop-Rauxel, 23. Okt. Zu dem schweren kommunistischen lleberfall auf nationalsozialistische Zettelverteiler wird ergänzend gemeldet, daß ein durch einen Lungenschuß schwer verletzter SS.-Mann, namens 31 u g u ft Faß, in der Nacht seiner schweren Verletzung erlegen ist. Außer diesem Toten hatten die Nationalsozialisten noch fünf Verletzte zu verzeichnen. Auch bei den Kommunisten hat es Verletzte gegeben; wie groß ihre Zahl ist, konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Die Polizei nahm noch in der Nacht mehrere Verhaftungen vor.
Unliebsam« Folgen einer R«de des Prinz««
Hubertus zu Löwenstem-Wcrtheim.
Wien, 24. Ott. Wie der „Morgen" meldet, wurde Prinz Hubertus zu Löwenstein-Wertheim nach einer Rede, die er Sonn» tagvormittag vor einer Versammlung der sozialdemokratischen Iungfront gehalten hatte, von Kriminalbeamten zur Polizeidirettion gebeten. Dort machte der stellvertretende Chef der Staatspolizei dem Prinzen den Vorwuff, daß er über öster- reichi'che innenpolitische Verhältnisse gesprochen habe und fragte ihn, wann er abzureisen gedenke. Prinz Löwenstein, der im seiner Ansprache seine Eindrücke von der letzten Sitzung des Oesterreichischen Nationalrats wiedergegeben hatte, teilte mit, daß er am Mittwoch abreisen werde und wurde daraufhin entlassen.
Verordnung des Reichspräsidenten gegen unbefugten Gebrauch von Kraftsahrzengen unb Fahrriibern.
Berlin, 22. Ott. Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht am heurigen Sonnabend eine Verordnung des Reichspräsidenten gegen unbefugten Gebrauch von Kraftfahrzeugen und Fahrrädern vorn 20. Oktober 1932.
Auf Grund des Ariikels 48 Abs. 2 der Reichsderfassung wird verordnet:
§ 1.
Wer ein Kraftfahrzeug oder ein Fcchr- rab gegen den Willen des Berechtigten in Gebrauch nimmt, wird, sofern die Tat nicht nach anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedrccht ist, mit Gefängnis bis zu 3 Iahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Die Zurücknahme des Antrags ist AUlässig.
Wer die Tat gegen seinen Ehegatten oder einen Verwandten absteigender Linie begeht, ist straffrei. Kraftfahrzeuge im Sinne dieser Verordnung sind die Fahrzeuge, die durch Maschinenkraft bewegt werden, Landkraftfahrzeuge nur insoweit, als sie nicht an Dahngleise gebunden sind.
8 2.
Diese Verordnung tritt am 1. Roo. 1932 in Kraft.
Berlin, den 20. Oktober 1932.
gez. Unterschriften.