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monat!.!. Marburg 2.02 AM. cu#fd‘!. ?usirlluug«gebabr, fc«f unsren Agenturen 1.93 GM. zuzügl. Zustellungsgebühr, durch di» Post 2.25 GM. Für etwa durch Ltreik, Maschinendefektoder elementare Treignlsse ausfallend« Aummern wird kein Ersatz geleistet. Verlag, Dr. 5. Hitzeroth, Druck der Unib-Buchdruckerei s^oh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 2054 u. Nr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und
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Anzeiger für (das frühere kurhefsifche) Oberheffen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Mussolini über die Gleichberechtigung
Deutschlands Forderung ist juristisch vollkommen berechtigt — Für das Gleichgewicht in Europa
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Turin, 23. !Dft. Mussolini hielt am Sonntag vormittag anläßlich der faschistischen Zehnjahresfeier in Turin vor einer 200 OOOköpfigen Menschenmenge eine Rede, die sich vor allem mit den Kernfragen der Außenpolitik befaßte. Rach einem kurzen Appell an das amerikanische Volk, den günstigen Ausgang der Konferenz von Lausanne nicht in Frage zu stellen, wandte er sich dem
Abrüstungsproblem
zu. Wer den italienischen praktischen Vorschlägen zur Abrüstung nicht traue, dem rate er, Italien auf die Probe zu stellen. In dieser Grenzstadt Turin, die nie den Krieg gefürchtet hat, erkläre ich, so sagte Muffolini, daß Italien den Frieden will, einen wahren Frieden, der nicht von der Gerechtigkeit getrennt ist und Europa sein Gleichgewicht wiedergeben soll. Jenseits der Grenze gibt es allerdings noch Leute, die es dem faschistischen Italien nicht verzeihen, daß es fest auf den Füßen steht. Für diese Ueber- bleibsel aller freimaurerischen Logen ist es ein unerhörter Skandal, daß es ein faschistisches Italien gibt.
Eine weitere Frage ist folgende:
Wird Italien noch im Völkerbund bleiben?
Ja, erklärte Muffolini, wir werden drin bleiben. Gerade heute, wo der Völkerbund außerordentlich krank ist, muß man an seinem Krankenbett stehen. Weil der Völkerbund zu universell ist, kann es vorkommen, daß seine Anweisungen mit der Entfernung an Wirksamkeit verlieren. In Europa mag er wirksam sein, im Fernen Osten und in Amerika bleiben seine Worte nur Worte. Es find Versuche unternommen worden, Europa von dieser universellen Konstruktion zu befreien. Ich glaube, wenn morgen auf der Grundlage der Gerechtigkeit und der Anerkennung unserer heiligen Rechte die notwendigen «nd ausreichenden Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit der vier großen Westmächte erreicht würden, so könnte Europa in politischer Hinficht ruhig sein, und vielleicht würde auch die wirtschaftliche Krise ihrem Ende entgegengehen.
Was nun die deutsche Forderung auf Gleichberechtigung anlangt, so ist sie nach Auffaffung des Faschismus vollkommen berechtigt. Das muß man so klar wir möglich anerkennen. Solange aber die Abrüstungskonferenz noch dauert, kann Deutschland nicht fordern, sich entsprechend aufzurüsten. Wenn die Konferenz aber ergebnislos z« Ende geht, kann Deutschland nicht im Völkerbund bleiben, solange nicht diese Entrechtung, die Deutschland erniedrigt, beseitigt ist.
Den außenpolitischen Teil seiner Rede schloß Mussolini mit den Worten ab: Wir wünschen keine Hegemonien in Europa. Wir werden gegen die Anerkennung von Hegemonien jeglicher Art »ein, insbesondere aber dann, wenn eine Hegemonie eine Position offenkundiger Ungerechtigkeit verewigen will.
Jnnerpolitisch führte Muffolini noch aus, Faschistische Partei nehme wieder neue Mitglieder auf. Allein in Turin lägen Uoch deu Angaben des Parteisekretärs
20 000 Aufnahmegesuche vor. Die politische Organisation des Regimes sei eine Partei, und diese Partei habe die Revolution gemacht. Partei in diesem Sinne habe aber nichts gemeinsam mit dem früheren Begriff Partei. Die Nationale Faschistische Partei, so führte Muffolini aus, ist vielmehr eine Armee, oder wenn
Ihr wollt, ein Orden. In die Partei tritt man nur ein, um zu dienen und zu gehorchen.
Muffolini schloß seine Rede mit den Worten: Das Losungswort für das zweite Jahrzehnt, dem wir entgegengehen, heißt: Marschieren, bauen und wenn nötig kämpfen und siegen.
Schüsse auf Gertrud Bindernagel
Eine Eifersuchtstat ihres Gatten
Berlin, 24. Ott. Kurz nach Beendigung der Borstellung in der Städtischen Oper, wo Richard Wagners „Siegfried** am Sonntag abend gespielt wurde, ereignete sich am hinteren Vühnenausgang der Städtischen Oper eine blutige Tragödie. Als die 88 Jahre alte Kammersängerin Gertrud Binde r n a g e lauf die Straße hinaustreten wollte, begegnete sie ihre« Ehemann, dem 53 Jahre alten Bankier Wilh. Hintze, mit dem sie in eine Auseinandersetzung geriet, die bald sehr heftig« Formen annahm. Plötzlich zog Hintze eine Pistole aus der Tasche und jagte seiner Ehefrau, die sich in diesem Augenblick abgewendet hatte, um wieder in die Oper zurückzukehren, eine Kugel in den
Rücke». Frau Bindernagel brach mit einem Aufschrei pisammeu. Paffanten, die sich in- zwischen infolge der erregten Unterhaltung angesammelt hatten, wollte« sich auf den Täter stürzen, um ihn zu lynchen. Doch erschienen in diesem Augenblick Polizeibeamte, die Hintze festnahmen. Die Kammersängerin wurde «ach dem Krankenhaus ttanspottiert. Hintze mußte den Weg nach dem Polizeipräsidium ««treten. Die Kugel ist Fra» Binder- nagel in den Rücken gedrungen und in der Rierengegend stecken geblieben. Ihr Zustand ist nicht lebensgefährlich. Die I Tat ist allem Anschein nach aus Eifersucht • begangen worden.
Herriot zur Abrüstung
An die Adresse der unbelehrbaren Pazifisten
■ Paris, 23. Nll. 3n einet frier ringe» troffenen Havas-Meldung wird über den Schluß der Rede, die Herriot freute in Lens gehalten hat, berichtet:
Es befindet sich darin eine Stelle, an der Herriot, obwohl er gesagt hatte, daß er keine politische Rede halten würde, eine Anspielung auf die Abrüstung gemacht hat. Er erklärte, Frankreich werde oft verkannt und entstellt, weil man es nicht kenne. Man wisse nicht, das es geradezu Unsterbliches sei, was durch den Wiederaufbau französisch« Dauern und Arbeiter geleistet hätten. Mur könne man von einem Volke nicht verlangen, daß es in Ewigkeit heldeichaft sei, denn dabei verliere ein Volk seine beste Substanz. Alles in dieser vorn Kriege heimgesuchten Gegend erinnere daran, für die Aussöhnung der Völker zu arbeiten, alles hier in dieser Gegend lasse die Größe, den Adel und die Nützlichkeit des Friedens hervortreten.
Der Friede beruhe nicht auf Worten. Nicht die seien die größten Pazifisten, die ihren Fried««- wünsch am lautesten betenern.
Bevor man den Frieden bei den anderen verwirkliche, müsse man ihn erst einmal im eigenen Lande Herstellen. Man werde es wohl nicht seltsam finden, daß er verlange, bevor er die anderen Völker liebe, erst einmal seine Landsleute zu lieben. Herriot erinnerte an seine Bemühungen um das Genfer Protokoll im Jahre 1924 und fuhr fort, wenn man damals auf ihn gehört hätte, würden die Ereignisse der Zwischenzeit vielleicht einen anderen Verlauf genommen haben. Die 75 500 Deutschen, Oie auf dem Friedhof in Lens ruhten und
deren Gräber Frankreich mit Achtung pflege, seien in ihrer ungeheuren Mehrheit Männer gewesen, die zweifelsohne auch im Frieden arbeiten zu können wünschten. Frankreich möchte, daß ihm alle Völker folgen, wenn es, wie er — Herriot — 1924, das Ende des mörderischen Hasses verlange. Das Werk von 1924 hccke Frankreich in Lausanne Und Genf fortgesetzt. Frankreich wisse, ebel- mutig zu sein, wenn es sich nur um materielle Interessen handele;
es wolle dieses Werk fortsetzen, und deshalb stehe es im Begriff, einen Plan vorzufchlage«, der die Abrüstung mit der Sicherheit und de» Verzicht auf die Rüstungen mit den wachsenden Kräften des
Rechtes verbinde.
Scharfe Angriffe Leon Blums gegen General Weygand.
fk. Paris, 24. Okt. Leon Blum wende sich im „Populäir e" äußerst Warf gegen den Ehef des großen Generalstabs, General Weygand, der durch seine Kritik an dem französischen Sicher- heits- und Abrüstungsplan die Be- mübungen der französischen Regierung in Genf erschwere und das Ansehen Frank- reichs herabwürdige. Der Führer der Sozialisten fordert die Regierung auf, energisch gegen die Einwendungen Wey- gands Stellung zu nehmen. Er verweist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß Wcygand dem Studienausschuß des Obersten Landesverteidigu'-gsrates mit seinem Rücktritt gedroht habe, falls die
! von ihm vorgeschlagenen Abänderungen I an dem Plan nicht vorgenommen würden.
Leon Blum sagt, es gehe nicht an, daß Paul Voncour eine weitere Vertagung der Abrüstungskonferenz beantrage, nur weil es den französischen Militärs nicht paffe, den Abrllstungsweg zu beschreiten. Die Regierung solle lieber auf die weitere Mitarbeit Weygands verzichten, als Frankreichs Ansehen in der Welt in Frage zu stellen.
Es wäre geradezu ein Skandal, Saß die Lösung der schwersten politischen Fragen, die auf Frankreich und der ganzen Welt lasten, von den Entschlüssen eines Militärchefs abhängig gemacht werde.
Blum wendet sich sodann direkt an die Regierung und droht mit "roßen politischen Schwierigkeiten, wenn sie dem Vorrecht des militärischen Rcaimes die Interessen des Friedens und die Sicherheit Frankreich :pfere.
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Die französische Dresse ,ur Rede Mussolinis
Die Ausführungen Muffolinis in Turin werden auch von der französischen Morgenpresse stark beachtet und ausführlich wiedergegeben. Eigentümlicherweise verzichten die Blätter jedoch zum größten Teil auf jede Stellungnahme. Rur der außenpolitische Berichterstatter des „Echo de Paris" stellt fest, daß man sich selbst nach einem eingehenden Studium der Ausführungen des italienischen Diktators kein klares Bild über die zukünftige italienische Politik machen . könne. Im großen und ganzen weiche die Haltung Muffolinis nicht wesentlich von derjenigen Erandis ab. Die italienische Regierung sei sehr wahrscheinlich in der Abrüstungsfrage soweit mit Berlin einig, als es sich darum handele, die Militärmacht Frankreichs zu erschüttern. Seine Ausführungen könnten ferner als eine Unterstützung der englischen These zur Eleichberechtigungsforderung der Reichsregierung angesehen werden. Nichtsdestoweniger scheint die italienische Außenpolitik angesichts der noch zögernden Haltung Englands immer noch keinen festen Weg eingeschlagen zu haben. Die Rede Muffolinis mache es jedenfalls unmöglich, über die zukünftige italienische Politik ein klares Bild zu schaffen.
Der „Q u o t i d i e n" und „E r e N o u- velle" wollen in der Muffolini-Rede eine direkte Bedrohung des Friedens sehen. Das Blatt Herriots zieht aus den Erklärungen des Duce die Schlußfolgerungen, daß sich für Frankreich mehr denn je die Notwendigkeit ergebe, für den Frieden zu arbeiten und feine eigene Sicherheit zu garantieren. Der ,„Q uotidien" sagt, der Friede, von dem der italienische Diktator träume, soll anscheinend die Krönung einer erneuten Umwälzung der europäischen Karte bezw. eines neuen Krieges sein.