Einzelbild herunterladen
 

Mittag, dklM.SN.1SZL

,Obett*ffifd>e Z-ikun«' et- ((fctint Qrf'^mal Bk-

monat!.!. Marburg 2.02 AM. cu#fd!. ?usirlluug«gebabr, fc«f unsren Agenturen 1.93 GM. zuzügl. Zustellungsgebühr, durch di» Post 2.25 GM. Für etwa durch Ltreik, Maschinendefektoder elementare Treignlsse ausfallend« Aummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. 5. Hitzeroth, Druck der Unib-Buchdruckerei s^oh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 2054 u. Nr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und

*/,l1 Uhr.

Äberhessffche

$ogi6oiwgft H »tuiwitung

Anzeiger für (das frühere kurhefsifche) Oberheffen

Rr.KS er.dahrg. Marburg a. Laba

Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., Familienanzeigen bei Barzahl. 0.07 BM., amtl. u. aus­wärtige An,. 0.10 SM. Sog. kleine Anzeigennach SpezialtarifUörund- schrift: §olonel. Bei schwierig.Sah, sowie bei Plachdorschrift bO",. Auf­schlag. Sammelanzeigen 100°/« Aufschlag Reklam--Millim- 0.40 SM. Grundschrist: Petit. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Sfferteu-Gebührr 25 Pfg , bei Zustellung der Angebote einschl. Porto.50 GM. Belege werden brrrchnrt. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Mussolini über die Gleichberechtigung

Deutschlands Forderung ist juristisch vollkommen berechtigt Für das Gleichgewicht in Europa

Himme laut. Wa

gelesen < von Bus

neträ

T JtutfiüN

Sansbif« Elstausc» 8. Lic.ie

4 Ro - ie -tBu-si

-1 Ten -i

, Hao

nachcr.

, 3. Mitt

>.m.b.H. 43-

ler ng

45.*

hier

:n

reg 17 WlSlll» !t FBrtlO- luno mit irem 6s- L 5841

Turin, 23. !Dft. Mussolini hielt am Sonntag vormittag anläßlich der faschistischen Zehnjahresfeier in Turin vor einer 200 OOOköpfigen Menschenmenge eine Rede, die sich vor allem mit den Kern­fragen der Außenpolitik befaßte. Rach einem kurzen Appell an das ameri­kanische Volk, den günstigen Ausgang der Konferenz von Lausanne nicht in Frage zu stellen, wandte er sich dem

Abrüstungsproblem

zu. Wer den italienischen praktischen Vor­schlägen zur Abrüstung nicht traue, dem rate er, Italien auf die Probe zu stellen. In dieser Grenzstadt Turin, die nie den Krieg gefürchtet hat, erkläre ich, so sagte Muffolini, daß Italien den Frieden will, einen wahren Frieden, der nicht von der Gerechtigkeit getrennt ist und Europa sein Gleichgewicht wieder­geben soll. Jenseits der Grenze gibt es allerdings noch Leute, die es dem faschisti­schen Italien nicht verzeihen, daß es fest auf den Füßen steht. Für diese Ueber- bleibsel aller freimaurerischen Logen ist es ein unerhörter Skandal, daß es ein faschistisches Italien gibt.

Eine weitere Frage ist folgende:

Wird Italien noch im Völkerbund bleiben?

Ja, erklärte Muffolini, wir werden drin bleiben. Gerade heute, wo der Völker­bund außerordentlich krank ist, muß man an seinem Krankenbett stehen. Weil der Völkerbund zu universell ist, kann es vor­kommen, daß seine Anweisungen mit der Entfernung an Wirksamkeit verlieren. In Europa mag er wirksam sein, im Fernen Osten und in Amerika bleiben seine Worte nur Worte. Es find Versuche unternom­men worden, Europa von dieser uni­versellen Konstruktion zu befreien. Ich glaube, wenn morgen auf der Grundlage der Gerechtigkeit und der Anerkennung unserer heiligen Rechte die notwendigen «nd ausreichenden Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit der vier großen Westmächte erreicht würden, so könnte Europa in politischer Hinficht ruhig sein, und vielleicht würde auch die wirtschaft­liche Krise ihrem Ende entgegengehen.

Was nun die deutsche Forderung auf Gleichberechtigung anlangt, so ist sie nach Auffaffung des Faschismus vollkom­men berechtigt. Das muß man so klar wir möglich anerkennen. Solange aber die Abrüstungskonferenz noch dauert, kann Deutschland nicht fordern, sich entsprechend aufzurüsten. Wenn die Konferenz aber ergebnislos z« Ende geht, kann Deutschland nicht im Völ­kerbund bleiben, solange nicht diese Entrechtung, die Deutschland erniedrigt, beseitigt ist.

Den außenpolitischen Teil seiner Rede schloß Mussolini mit den Worten ab: Wir wünschen keine Hegemonien in Europa. Wir werden gegen die Aner­kennung von Hegemonien jeglicher Art »ein, insbesondere aber dann, wenn eine Hegemonie eine Position offenkun­diger Ungerechtigkeit ver­ewigen will.

Jnnerpolitisch führte Muffolini noch aus, Faschistische Partei nehme wieder neue Mitglieder auf. Allein in Turin lägen Uoch deu Angaben des Parteisekretärs

20 000 Aufnahmegesuche vor. Die poli­tische Organisation des Regimes sei eine Partei, und diese Partei habe die Re­volution gemacht. Partei in diesem Sinne habe aber nichts gemeinsam mit dem früheren Begriff Partei. Die Nationale Faschistische Partei, so führte Muffolini aus, ist vielmehr eine Armee, oder wenn

Ihr wollt, ein Orden. In die Partei tritt man nur ein, um zu dienen und zu ge­horchen.

Muffolini schloß seine Rede mit den Worten: Das Losungswort für das zweite Jahrzehnt, dem wir entgegengehen, heißt: Marschieren, bauen und wenn nötig kämpfen und siegen.

Schüsse auf Gertrud Bindernagel

Eine Eifersuchtstat ihres Gatten

Berlin, 24. Ott. Kurz nach Beendigung der Borstellung in der Städtischen Oper, wo Richard WagnersSiegfried** am Sonn­tag abend gespielt wurde, ereignete sich am hinteren Vühnenausgang der Städtischen Oper eine blutige Tragödie. Als die 88 Jahre alte Kammersängerin Gertrud Bin­de r n a g e lauf die Straße hinaustreten wollte, begegnete sie ihre« Ehemann, dem 53 Jahre alten Bankier Wilh. Hintze, mit dem sie in eine Auseinandersetzung geriet, die bald sehr heftig« Formen annahm. Plötz­lich zog Hintze eine Pistole aus der Tasche und jagte seiner Ehefrau, die sich in diesem Augenblick abgewendet hatte, um wieder in die Oper zurückzukehren, eine Kugel in den

Rücke». Frau Bindernagel brach mit einem Aufschrei pisammeu. Paffanten, die sich in- zwischen infolge der erregten Unterhaltung an­gesammelt hatten, wollte« sich auf den Täter stürzen, um ihn zu lynchen. Doch erschie­nen in diesem Augenblick Polizeibeamte, die Hintze festnahmen. Die Kammersängerin wurde «ach dem Krankenhaus ttanspottiert. Hintze mußte den Weg nach dem Polizeipräsi­dium ««treten. Die Kugel ist Fra» Binder- nagel in den Rücken gedrungen und in der Rierengegend stecken geblieben. Ihr Zu­stand ist nicht lebensgefährlich. Die I Tat ist allem Anschein nach aus Eifersucht begangen worden.

Herriot zur Abrüstung

An die Adresse der unbelehrbaren Pazifisten

Paris, 23. Nll. 3n einet frier ringe» troffenen Havas-Meldung wird über den Schluß der Rede, die Herriot freute in Lens gehalten hat, berichtet:

Es befindet sich darin eine Stelle, an der Herriot, obwohl er gesagt hatte, daß er keine politische Rede halten würde, eine Anspielung auf die Abrüstung gemacht hat. Er erklärte, Frankreich werde oft verkannt und entstellt, weil man es nicht kenne. Man wisse nicht, das es geradezu Unsterbliches sei, was durch den Wiederaufbau französisch« Dauern und Arbeiter geleistet hätten. Mur könne man von einem Volke nicht verlangen, daß es in Ewigkeit heldeichaft sei, denn dabei ver­liere ein Volk seine beste Substanz. Alles in dieser vorn Kriege heimgesuchten Ge­gend erinnere daran, für die Aussöhnung der Völker zu arbeiten, alles hier in dieser Gegend lasse die Größe, den Adel und die Nützlichkeit des Friedens hervortreten.

Der Friede beruhe nicht auf Worten. Nicht die seien die größ­ten Pazifisten, die ihren Fried««- wünsch am lautesten betenern.

Bevor man den Frieden bei den anderen verwirkliche, müsse man ihn erst einmal im eigenen Lande Herstellen. Man werde es wohl nicht seltsam finden, daß er verlange, bevor er die anderen Völker liebe, erst ein­mal seine Landsleute zu lieben. Herriot erinnerte an seine Bemühungen um das Genfer Protokoll im Jahre 1924 und fuhr fort, wenn man damals auf ihn gehört hätte, würden die Ereignisse der Zwischen­zeit vielleicht einen anderen Verlauf ge­nommen haben. Die 75 500 Deutschen, Oie auf dem Friedhof in Lens ruhten und

deren Gräber Frankreich mit Achtung pflege, seien in ihrer ungeheuren Mehr­heit Männer gewesen, die zweifelsohne auch im Frieden arbeiten zu können wünschten. Frankreich möchte, daß ihm alle Völker folgen, wenn es, wie er Herriot 1924, das Ende des mörde­rischen Hasses verlange. Das Werk von 1924 hccke Frankreich in Lausanne Und Genf fortgesetzt. Frankreich wisse, ebel- mutig zu sein, wenn es sich nur um mate­rielle Interessen handele;

es wolle dieses Werk fortsetzen, und deshalb stehe es im Begriff, einen Plan vorzufchlage«, der die Ab­rüstung mit der Sicherheit und de» Verzicht auf die Rüstungen mit den wachsenden Kräften des

Rechtes verbinde.

Scharfe Angriffe Leon Blums gegen General Weygand.

fk. Paris, 24. Okt. Leon Blum wende sich imPopuläir e" äußerst Warf gegen den Ehef des großen General­stabs, General Weygand, der durch seine Kritik an dem französischen Sicher- heits- und Abrüstungsplan die Be- mübungen der französischen Regierung in Genf erschwere und das Ansehen Frank- reichs herabwürdige. Der Führer der Sozialisten fordert die Regierung auf, energisch gegen die Einwendungen Wey- gands Stellung zu nehmen. Er verweist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß Wcygand dem Studienausschuß des Ober­sten Landesverteidigu'-gsrates mit seinem Rücktritt gedroht habe, falls die

! von ihm vorgeschlagenen Abänderungen I an dem Plan nicht vorgenommen würden.

Leon Blum sagt, es gehe nicht an, daß Paul Voncour eine weitere Vertagung der Abrüstungskonferenz beantrage, nur weil es den französischen Militärs nicht paffe, den Abrllstungsweg zu beschreiten. Die Regierung solle lieber auf die weitere Mitarbeit Weygands verzichten, als Frankreichs Ansehen in der Welt in Frage zu stellen.

Es wäre geradezu ein Skandal, Saß die Lösung der schwersten politischen Fragen, die auf Frankreich und der ganzen Welt lasten, von den Entschlüs­sen eines Militärchefs abhängig ge­macht werde.

Blum wendet sich sodann direkt an die Re­gierung und droht mit "roßen politischen Schwierigkeiten, wenn sie dem Vorrecht des militärischen Rcaimes die Interessen des Friedens und die Sicherheit Frank­reich :pfere.

---*---

Die französische Dresse ,ur Rede Mussolinis

Die Ausführungen Muffolinis in Turin werden auch von der französischen Morgenpresse stark beachtet und aus­führlich wiedergegeben. Eigentümlicher­weise verzichten die Blätter jedoch zum größten Teil auf jede Stellungnahme. Rur der außenpolitische Berichterstatter desEcho de Paris" stellt fest, daß man sich selbst nach einem eingehenden Studium der Ausführungen des italie­nischen Diktators kein klares Bild über die zukünftige italienische Politik machen . könne. Im großen und ganzen weiche die Haltung Muffolinis nicht wesentlich von derjenigen Erandis ab. Die italienische Regierung sei sehr wahrscheinlich in der Abrüstungsfrage soweit mit Berlin einig, als es sich darum handele, die Militär­macht Frankreichs zu erschüttern. Seine Ausführungen könnten ferner als eine Unterstützung der englischen These zur Eleichberechtigungsforderung der Reichs­regierung angesehen werden. Nichts­destoweniger scheint die italienische Außen­politik angesichts der noch zögernden Hal­tung Englands immer noch keinen festen Weg eingeschlagen zu haben. Die Rede Muffolinis mache es jedenfalls unmöglich, über die zukünftige italienische Politik ein klares Bild zu schaffen.

DerQ u o t i d i e n" undE r e N o u- velle" wollen in der Muffolini-Rede eine direkte Bedrohung des Friedens sehen. Das Blatt Herriots zieht aus den Erklärungen des Duce die Schlußfolgerungen, daß sich für Frankreich mehr denn je die Notwendigkeit ergebe, für den Frieden zu arbeiten und feine eigene Sicherheit zu garantieren. Der ,Q uotidien" sagt, der Friede, von dem der italienische Diktator träume, soll an­scheinend die Krönung einer erneuten Um­wälzung der europäischen Karte bezw. eines neuen Krieges sein.