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Nach Feierabend

Unterhaltungs-Beilage der Oberhessischen Zeitnng

M heutige Mmnmer umfaM 16 Seiten

aus rusehen zu dürfen. Mle Sessel, alle Fen­stersimse. alle Heizkörper waren mit Krbttzen besetzt. Und alle diese begeisterten Zuschauer metteten Vermögen auf ‘bas Fallen jeder ffie Man iatte rund eine Million.auf Thomson und fast 800000 Dollars auf fernen Gegner „Nick the Ereek' gesetzt.... Aber nicht deswegen ist Thomson so berühmt. Seine grobe Gabe besteht darin, immer.Meder,Leute M finden, die trotz seines notorischen Glückes mit ihm wetten. Und mindestens tausend Dollar setzen, denn mit Klemigkeiten gibt „Titanic'' sich nicht ab. Er f,ndet le . . . auch in der Zeit dieser unvorstellbaren Krise. Und doch noch leichter als früher, denn der Zufallserfolg ist ja für viele die einzige Mög­lichkeit. in den USA. nicht anders als tn Berkin.

In Auteuil und Longchamp. auf allen fron- Mischen Rennplätzen waren es ta 'NEr schon die armen Leute, die das Sauptkontingent der Spieler stellten, dort wird ,a am erbittert- sten von Leuten ohne Kragen und mit zer- ristenen Schuhen, von Negern und Chinesen der Vorstädte, von Kellnern und Chauffeuren gespielt. In langen Reigen stehen sie vor den Schaltern der Hundert- und der mmf- zig-Francs-Einsätze.

Spiel . . Veiten... Das erste Werk einer Druckerpresse war kein Buch, sondern SnieTTnrten Und als man vor ein paar UL E einem englischen Bergwerk zwei Männer rettete, die achtzig Stunom emge» schlossen gewesen waren,.da galt ihre erste Frage dem Ausgang des ^dallmatches Northampton gegen Twndee. Sie batten ge- roettet, stundenlang, tagelang über die b?idm Mannschaften gestritten . . .und dadurch blie ben sie vor dem lauernden Tod,. vielleicht vor dem Irrsein bewahrt... Und dieses groteske ^-etavis kennzeichnet d e mmer hoher steigende Well7Ür SLMidenschafti Millionen Mm- schen fliehen heute vor dem Jammer des All ins Spiel, sie wollen vergessen, daß ringsum Vernichtung und Chaos lauern . . .

Anton E. Zisch!a.

Giftige Bakterien eingespritzi.

In Kalkutta hat sich, eine neue Form non Terrorismus entwickelt, dessen Opfer in erster Linie junge weibliche europäische oder englisch-indische Angestellte sind. Wenn die Mädchen abends tm ^tragen- bahnwagen oder Autobussen von der Ar­beit zurückkehrten, wurden ihnen unver­sehens im Gedränge mittels einer Ern- svritzunqsnadel giftige Krankheitskeime eingespritzt. Die Mädchen, die zunächst nichts bemerkten, erkrantten dann plotzlllh an schwerem Fieber. Bisher sind acht Mädchen, die auf diese Werse erkrankt sind, ins Krankenhaus eingeliefert worden.

gestellt« und Beamte dagegen nicht mehr als 42 v. SS. Sn den Arbeiterhaushaltungen ent­fällt durchschnittlich ein genaues Drittel des Fettverbrauches auf die Margarine. Dagegen vemebr man hier weit weniger Gemüse als fei ben Angestellten und..Beamten. Von diesem Nahrungsmittel sagt übrigen-' .Eeherm- rat Solbrig in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift", datz es in allen drei Haushch- htngen fast in demselben Matze verbraucht wird wie der — Tabak.

Eine besonders interessante Untersuchung beschäftigt sich mit dem Verbrauch an Ei­weiß und Kalorien in den verschiedenen Haushaltungen. Dabei hat sich herausgestellt, datz sich der Eiweißverbrauch von der untersten zur obersten Einkommensstufe jeweils um em Fünftel zu steigern pflegt. Soweit dieser Nähr­stoff der Pflanzenwelt entstammt, bleibt er allerdings derselbe. Die Verbesierung der Ver­pflegung beruht also fast ganz auf einem zu­nehmenden Verzehr von Nahrungsmitteln aus dem Tierreiche. Wenn man wie Geheimrar Solbrich den Bedarf an Eiweiß für einen mittleren Arbeiter mit täglich 110 Gramm an­nimmt und ferner berücksichtigt, dag die m den Statistiken ermittelten Werte auch die Kinder mit umfassen, so kann man es als ausreichend betrachten, wenn auf die Vollperson eine durchschnittliche Menge von nur 80 Gramm entfallt- Doch ist leider festzustellen, dap dieses Mindestmaß in den untersten .stufen der Arbeiter nicht erreicht wird. Aehnlrches mutzauchvonder Kalorienmenge gejagt wer­den, deren Verbrauch tn diesen Bevolkerungs- aruooen nicht ganz dem von der phyfiologl- fchen?Wissenschaft geforderten Minimum ent­spricht.

Am schlechtesten ist es - auch ein Zeichen Ker Zeit — um die f»genannten Bildungs- mittel bestellt. Der Beamte, der weniger als tausend Mark verdient, und der Kollege mit mehr als Dem Doppelten wenden für die oeiftiae Nahrung vier v. H. des Einkommens auf die übrigen Bevölkerungsgruppen tn den gleichen Verhältnissen tun noch weniger für ihre Bildung.

Spieler überall

Seltsame Wetten «nd Spielfitten ans 4 Erdteilen

Ikarus , ein Film von Günther Plüschows Flieger Schicksal

Oben: Ozeanflieger Köhl erzählt dem Sohn des toten Fliegerhelden von den kühnen Taten des Fliegers von Tsingtau". Sm Kreis: Günther Plüschows Wasserflugzeug. Mit dem er seine süd- " ‘ amerikanischen Forschungsflüge zurücklegte.

Unten: Plüschows Rordsee-Kutter „Feuerland" an der Gletscherküste des Feuerlandes.

Sn einem neuen Film werden die Heldentaten Günther Plüschows, des kühnen Fliegers von Tsiugtan" danach in großartigen Landschaftsbildern sein Forschungsflüge über die Walder, Seen und Gletscher Südamerikas bis zu dem Tod Plüschows tm letzten Jahre geschildert.

Interessante Reniskeiten »er Statistik tkm Dr.Äurt Fenner

Wir bereisten den Hoggar, jene einsamen Hochflächen und tiefen, schwarzen Felsentäler die Afrikas stolzesten Wüstenbewohnern ge­hören. Die zwei Führer waren nervös. Kei­ner von uns konnte sich erklären, weshalb noch kein Tuareg gesehen worden war, teine_ der Reitergruppen, die sonst immer majestätisch und wortlos alle fremden Karawanen beglei­ten. Das Bled schien ausgestorben. Spät I abends dann kamen wir zu hochflackernden I Lagerfeuern, zu einer Versammlung von gut I vierhundert Tuaregs, die grausig Gericht hiel­ten, die eben dabei waren, ein Gottesurteil I abzuhalten. Ein alter Löffel war glühend I gemacht worden, und nun legte man ihn dem Beschuldigten auf die Zunge. Er muß nicht I schuldig gewesen sein, aber zischend brannte I das Fleisch weg, laut hallte das Schreien des Gemarterten durch das Tal schwarzer Felsen. 1 Man kümmerte sich nicht darum. Niemand I schien Zeit für solche Kleinigkeiten zu haben.

Denn obwohl der Koran Wetten verbietet, war so ziemlich alles Gut der anwesenden Tuaregs für und gegen den Beschuldigten I gesetzt worden. Achtzig Kamele wechselten in I dieser Nacht den Herrn. Alles bare Geld des Stammes der Neil wurde verspielt. Ein I junges Weib war verloren und — schreck- I lichster Verlust — ein Amulett, das ein Bart- I haar Mohammeds enthalten sollte. —

Wenig Wochen nach diesem grausigen Er- I lebnis im Hoggar sollten wir einen kleinen, I in den Tanganjika-See mündenden Fluß durchqueren. Nie waren hier Krokodile ge- I sehen worden. Die Träger aber weigerten I sich, ins Wasser zu gehen. Nach zweistündigem Verhandeln hatte einer von uns den rettenden Gedanken: Wir wetteten mit den Negern, :daß kein Krokodil in dem Fluß sei . . . Und schon stiegen sie i n den Fluß, um sich zu über­zeugen. Die Strömung war stark. Ein Boy I fiel, tauchte unter. Keiner der Schwarzen 1 dachte daran, ihm zu helfen. Mitten im Was­ser ging ein wildes Streiten darüber los, ob ein Krokodil den Mann gepackt hatte oder ob I es nur die Strömung gewesen sei. Mit viel Mühe nur erwischte ich den Boy. Er be- I zeugte, daß die Strömung ihn fortgetragen habe. Und Trauer herrschte darüber bei I denen, die auf Krokodile gewettet hatten. —

Neger . . . Neger gehören ja überhaupt zu den wettgierigsten, sensationslüsternsten Men­schen dieser Erde. Nirgends wird man so- viele zu Schanden gefahrene Autos am Stra­ßenrand finden wie in Afrika. Nirgends sind Menschen so vom Schnelligkeitswahnsinn be­sessen wie dort. Und mit dieser Raserei sind immer Wetten verbunden. „Mein Wagen macht hundert Meilen", rühmt sich Pulembe. „Meiner macht noch mehr", sagt Krao Kro darauf. Und beide enden im Distriktskranken­haus von Kampala . . .

Nirgends ist das Rennpublikum so aufge­regt wie beim „Nigger-Turf in Panama. Neunzig v. H. der Jockeis von Juan Franco, dem Rennplatz von Panama, sind schwarz. Ebenso das Publikum. Und alle haben sie am Vormittag dieses Sonntags in der Lot­terie gespielt, bei der man mit 50 Cents Einsatz einen Dollar oder gar 300 Dollar ge­winnen kann. Der Gewinn wird beim Ren­nen angelegt. Und dabei ein Geschrei ent­wickelt, Lärm und Bewegung gemacht wie auf keinem andern Rennplatz der Erde. Vor der Haupttribüne steht ein Bretterhäuschen, in dem die Jockeis gewogen werden, und dabei tauschen die Zuschauer mit den Reitern Zeichen aus, geheimnisvolle Gespräche werden geführt und Ratschläge gegeben, die alle europäischen Rennleitungen zu Tode kränken würden . . .

China ist das Land der erbittertsten Spieler und Wetter. Es kommt auch heute noch vor, daß Kulis, die kein Geld mehr haben, keine Kleider, keinen irgendwie verlierbaren Be­sitz, daß diese Kulis um Teile ihres Körpers spielen. Sn Sinanfu geschah es erst vor ganz kurzer Zeit, daß ein Mann nach und nach alle fünf Finger einer Hand verspielte . . . und daß der Gewinner sie ihm auch abhackte. Schang-Kai-Chek erwähnte den Fall in einer Parlamentsrede in Nanking.

Nun. um von Asien, Afrika und Australien gar nicht zu reden: Nordamerika ist doch das Land tollster Wetten. Millionen werden bei jedem Sportereignis umgesetzt. Und vor kur­zem hat die amerikanische Handelskammer zu Propagandazwecken Zahlen sammeln lasten, aus denen hervorgeht, daß mindestens 25 Mil­lionen Dollar jährlich von Amerikanern in den Spielkasinos der Riviera verloren werden, daß mindestens ebensoviel jährlich für Lotterien ins Ausland gehen zum Schaden des ameri­kanischen Volksvermögms

Obwohl jahrelang fast alle der 169 in Frankreich bestehenden Spielkasinos vor dem berühmten „Eriechensyndikat" zitterten, der Spielergemeinschaft Nicholas Zographos und Gregor! Vaglianis mit dem Armenier Kou- joumdjian, die an einem Abend in Deauville einmal 24 Millionen Francs gewann und heute zerfallen ist, trotzdem sind Gestalten wie der fast legendäre „Titanic Thomson nur m Nordamerika möglich. Thomson ist ber be­kannteste Berufsspieler der Erde, em noch junger, sehr eleganter, sehr sportlich aussehen­der Mann mit kalten, grauen Augen, ge­pflegtesten Umgangsfonnai. besitzt zwei

ber Hundertsatz nur um gut 1 Prozent steigt, beim Arbeiter sogar um emige Zehntel abnimmt, zahlt der Beamte, der um 2000 Mark herum verdient, nicht weniger als 24,1 o. H. für seine Unterkunft, also fast em Viertel.

Sm mertmürbtgen Gegensatz zu der Kurve, die sich auf Grund der Ausgaben für die Wohnung durch die verschiedenen Volksschu­len ziehen läßt, stehen die Aufwendungen für Bekleidung und Wäsche. Wissen Sie, wer hierfür am meisten ausgibt? Nicht etwa ber Beamte, der das höchste Gehalt bezteht. Nein, im Gegenteil: der am geringsten, nämlich mit noch nicht 1000 Mark be­zahlte Beamte. Er gibt nicht weniger ate 19,4 v. H. seines Gehalts für Wache und Kleidung aus, mehr als für seme Wohnur^, für die er nur 18,7 v. H. aufwendet. 3n dem Maße, wie sein Einkommen ftewt, ver­ringern sich — in SunbertteSen bie Be­träge. die er für seinen äußeren Menschen in Rechnung stellt. Der Beamte, der 1800 bis 2200 Mark verdient, gibt nur noch 14,3 v. H. für Wäsche und Kleidung aus, 10 o S. weniger als für seine Wohnung Vielleicht kann man daraus nicht einfach, schließen, daß der „kleine Beamte", den r ernsten Kragen trägt, aber vielleicht liegt es doch daran, daß eben jeder danach trachtet, es dem Vorge­setzten wenigstens im Aeußeren glech zu tun. Ein Zeichen der Zeit, die alle Rangrmter- schiede zu verwichen sucht?

Hinsichtlich der Zusammensetzung der Rah- rungs. und Genußmittel im einzelnen ist zu bemerken, datz der Verbrauch an Fleisch. Brot und Milch bei allen drei SBeDÖIferungsgrupgen so ziemlich der gleiche bleibt. Anders verhält es sich mit der Butter, die beim Beamten, und Angestelltenhaushalt etwa 8,4 v. H. der Aus­gaben für Nahrung»- und Genußmittel aus­macht, beim Arbeiter aber nur 4,9 v. H-Dieser wendet für andere Fette 6,3 v. H. auf, der An,

Nicht dadurch, daß er der beste , Pokerspieler der Staaten ist, kam „Titanic Thomsons Ruhm zustande. 3m Kingston Club m San Franzisko kam ich einmal dazu, wie eben eine Pokerpartie im Gang war, die schon den gan­zen Winter dauerte. Man aßam Spieltisch, schlief nur ein paar Stunden, Thomson wurde Beim Spiel rasiert. Ich hatte funfDollar zu zahlen, nur um von einem Fensterbrett

3n wÄcher Weise in ben verschiedenen Haushaltungen das Einkommen des Familien­oberhauptes verbraucht wird, darüber Mt das Tüngft erschienene Werk des Statistischen Reichsamtes „Die Lebenshaltung von 2000 Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenhaus- haltungen" allgemein interessierende Auf­schlüsse. ~

Zu den Ueberraschungen, die ber Serwt bringt, gehört zunächst bie Tatsache, baß bie Kopfzahl in ben Arbeiterfamilien nur um ein Geringes größer ist als bei ben Angestell­ten und Beamten und sich in ben verschiede, neu Ständen zueinander verhält wie 4 zu 3,6 zu 3,8 .wobei mit steigendem Einkommen auch ein Wachsen des Kinder-„Reichtums zu beobachten ist, ber nur in den lernens obersten Stufen, der Angestellten unb Be­amten wieder eine Abnahme aufweist.

Wenn man die Lebenshaltung dieser brei Stände, soweit sie ein Einkommen bis. zu 2200 Mark beziehen, miteinander vergleicht so farm man zunächst eine Bestätigung b« fängst bekannten Erfahrung feststellen, datz die Ausgaben für Nahrungsmittel — m Hundertteilm des Einkommens jeder Voll- persvn ausgebrüdt — in dem Maße sinken, wie die Einnahmen steigen. Der Arbeit«, bet unter tausend Mark verdient, braucht nicht weniger als 42 v. H. zu seiner Ernäh­rung, während der Beamte, ber 1800 bis 2200 Mark Gehalt bezieht, nur 27,5 o. H. "^Umgekehrt verhM es sich mll ber Woh­nung. Sie beansprucht etwa den funstenTell d« Einkommens. Doch ist zu beachten, baß der Beamte mit zunehmendem Eehalt cnich pro­zentual größere Aufwendungen für ferne Woh­nung zu machen pflegt. Solange er ote Tausendmarksgrenze n«ht erreicht, gibt: « nur 18,7 v. S- str seme Wohnung aus, weniger als ber Arbeiter und ber Ange­stellte. die 19,1 bzw. gar 20,8 aufroenben. Während aber dann bei dem Angestellten

teure Autos, lebt nur in Luxushotels und hat ständig eine Rolle von Tausend-Dollarnoten in der Hosentasche. Er hat Millionen ver­spielt und Millionen gewonnen „Solange man noch 10 000 bare Dollars übrig hat um weiterzuspielen, ist das nicht tragisch , sagt er. Und fügt als goldene Regel für alle Wetter hinzu: „Nie auf gleiche Chancen wetten!"