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Sette 6

CettBeTRTdH Zeitung, Marburg e. L. Freitag, den 21. Oktober 1932

Rr. 248

Aus der Umgegend

Äreß Mor-uri

ha in, 20. ON. In der a dt' sch en Mi 1 telschuIe ist man eifrig am Iberfe, um die letzten Vorbereitungen für oen Musiknachmittag des kommenden Sonn­tags ju treffen. Die sehr abwechslungsreiche Vortragsfolge umfaßt: Chorlieder, Instru­mentalwerke, Sprechchöre, Lieder im Bild, Volkstänze. Die Eltern unserer Schüler und die Freunde deutscher Volksmusik sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen. 'Damit auch die auswärtigen Eltern recht zahlreich er­scheinen können, ist der Beginn schon auf Nach­mittag 4 Uhr angesetzt worden.

-o- Kirchhain, 20. Okt. Bor dem Jugendschöffengericht, das unter Vorsitz der Amtsgerichtsrat Eiffengarthen heute eine Sitzung abhielt, hatte sich ein fünfzehnjähriger Jugendlicher aus einem Nachbardorf wegen Sittlichkeitsver­brechens zu verantworten. Das Gericht sah aus verschiedenen Gründen von der Ver­hängung einer Freiheitsstrafe ab und erkannte auf Schutzaufsicht als der gegebenen Er- ziehungsmatzregel gegen den Angeklagten.

Sref$ Frankenberg

43. Ausstellung und Zuchtviehverstcigerung des Derbandes Mitteldeutsch« Rotvieh­züchter.

. Frankenberg, 20. Okt. Zu der gestrigen 43. Ausstellung des Verbandes Mit­teldeutscher Rotoiehzüchter auf der städtischen Bleiche waren 40 Bullen und 20 Eber auf­getrieben. Zunächst fand die Prämiierung statt, die folgendes Ergebnis hatte: 2a Preis Bulle des Freiherrn von Wendet, Geveling­hausen: 2b Preis Bulle des Landwirts Kon­rad Reinbott in Rodenbach: 2c Preis Bulle des H. C .Koch in Laisa: 3a Preis Bulle des Henkel IV. in Rennertehausen: 36 Preis Bulle des Adam Meyer in Wiesenbach: 3c Preis Bulle des Balthasar Weber in Nieder­wald: 3d Preis Bulle des Heinrich Landau in Rodenbach und 3e Preis Bulle des Johs. Bornscheuer in Röddenau. Anerkennungen erhielten folgende Besitzer: Heinrich Becker IV. in Derbach, Heinrich Steher in Frohnhausen, August Heiner in Oberasphe, Karl Landau, Köhlermühle, Robert Zahn in Braunshausen, Hermann Loh in Wommelshausen, Heinrich Garthe in Rodenbach und Karl Schupp in Hof Moritzburg (Biedenkopf). Um 11 Uhr begann die öffentliche Versteigerung, wobei mit den Schweinen der Anfang gemacht wurde. Es wurden verkauft: 14 Eber und 30 Bullen. Die Bullen erzielten durchweg hohe Preise. Den Rekord schlug dabei der am 28. 7. 31 geborene Bulle des Freiherrn von Wendt in Geveliifghausen, der am 20. 9. d. Js. 8,50 Zentner wog und für 310 Mark verkauft wurde. Eber kosteten 50 bis 70 Mark. Ausgestellt hatten Adolf Dersch in .Wilershausen, K. Truhheim in Ernsthausen, H. Garthe II. in Rodenbach, Ww. Reinbott in Rodenbach, H. Landau in Rodenbach, K. Reinbott in Rodenbach, G. Vöhl in Lehn- hausen, Bürgermeister Hamel in Kirchlotheim und R. Schmieder in Ernsthgusen. Sauen: Richard Schwieder in Ernsthausen.

Groh« Einbruchsdiebstahl.

br. Franken berg, 20. Ott. In der Nacht zum Sonnabend wurde in dem Sviri- tuosengeschäft S. Dilloff ein verwegener Ein­bruch verübt. Fachkundige hatten die Lager­tür erbrochen und drangen in das Innere der Lager- und Fabrikationsräume ein. Sie entwendeten Spirituosen im Wette von etwa 3000 Mark. Nur mit Hilfe eines Autos

konnten sie im Dunkel der Nacht mit ihrem Raube entkommen.

br. Frankenberg, 20. Ott. Gestern in den Mittagsstunden verunglückte ein jun­gen Mann von der Buhmühle in Friedrichs- Hausen bet Bauarbeiten mit einem Zement­sack so unglücklich, daß er Hüftquetschun- gen, wenn nichr sogar Rückenmarksverletzun­gen daoontrug. Der herbeigerufene Arzt ver- anlahte sofort seine Uebettührung durch einen Sanitäter nach der Chirurgischen Klinük Marburg.

R o s e n t h.a l, 19. Ott. Am vergangenen Sonntag hielt der hiesige Schühenver- ein sein diesjähriges Vereinsschluhjchiehenab. Geschossen wurde in den drei Anschlägen, liegend, knieend und stehend freihändig (je 3 Schuh). Den 1. Preis mit 81 Ringen er­zielte der 1. Vorsitzende, Lehrer Hiinmelmann, 2. Sieger wurde Förster Kehr mit 80 Ringen und 3. Landwirt Chr. Groh mit 78 Ringen. Trotz des stürmischen Wetters war eine rege Beteiligung der Mitgli der zu verzeichnen und wurden durchweg beachtliche Leistungen er­zielt. Den Sonderpreis für die Klasse der Freischützen errang Stadtförster Zeller mit 29 Ringen (3 Schuh stehend freihändig). Den Sonderpreis für alle anderen Klassen erschoh der Jungschühe Adam Vaupel mit 30 Ringen (liegend freihändig). Abends schloh sich ein gemütliches Zusammensein bei Gastwirt Hap­pel an. Der Monat Oktober brachte un­serem Städtchen mannigfache Verände­rungen. Durch die Auflösung des hiesigen Amtsgerichts schieden von uns Amtsgerichts­rat Schattenberg, der nach Wolfl>agen verseht ist, Iustizinspettor Schloff und Justizwacht­meister Erehling. Schwester Hanna Boller wurde von hier abberufen an das Mutter­haus in Kassel, woselbst sie eine leitende Stel­lung übernimmt. An ihre Stelle trat Schwe­ster Annemarie Saufe. J«n hiesigen Ge­meindebaus haben vor einiger Zeit 12 5erte'ifinber aus Frankfurt a. M. Ein­zug gehalten, die von einer- Wahlfahrts­schwester betreut werden. Die Lebensmittel zur Verköstigung derselben wurden durch frei­willige Spenden aufgebracht. Ende Okto­ber wird auch der nach hier versetzte Pfarrer Sieflanb aus Wanken Kr Rendsburg hier eintreffen, um die seif über einem Jahre ver­waiste Pfarrstelle zu übernehmen.

Rabiater Handwerksbursche verhaftet.

. Schreufa, 18. Okt. In dem Hause des hiesigen Landwitts P. erschien gestern ein Handwerksburschenpaar, das in frechster Weise auftrat und mit bargebotenem Brot nicht zufrieden war, sondern in herausfor­dernder Weise von den anwesenden Frauen Wurst oder Geld verlangte. Besonders rapid trat der eine davon auf, indem er den herein« gerufenen Hausbesitzer mit einem dolchartigen Mester bedrohte. Trotz allen Aufforderungen wollte er nicht bas Gehöft verlosten. Als sie merkten, bah man polizeilichen Schutz holen würbe, was auch geschah, verliehen sie ftucht- artig ben Ott. Der sofort herbei geeilte Landjäger H. aus Röbbenau nahm mit dem Fahrrad die Verfolgung auf und erreichte die frechen Gesellen in der Nähe der Butzmühle, wo er sie verhaftete und nach einem kurzen Verhör im Bürgermeisteramt in sicheren Ge­wahrsam nach Frankenberg abführte.

Kreis Ziegenhain

a. Treysa, 19. Ott. Der Lichfbklber- Dottrag von Dr. Fritz Metz aus Kassel über seine Amerikafahrf und bte Teilnahme an den Olympischen Wettkämpfen in Los An­geles im Saale des Gasthauses zur Burg

war gut besucht. In etwa zweistündiger gewählter Sprache schilderte der Redner am der Hand der Lichtbilder die Schönheiten der Seereise und die spannenden Kämpfe der Weltmeister um die Siegesvalme.

Ans dem utiirrrls

Prinz August Wilhelm von Preußen spricht

0 Dillenburg, 19. Cft. Die NSDAP, veranstaltete am Mittwoch abend im Kreise Dillenburg mehrere Kundgebungen, bei denen Prinz August Wilhelm von Preußen sprach. In Dillenburg fanden zwei Paralellverlamm- lungen statt und zwar eine in der Reithalle des Landgestüts und eine andere im groben Kurhaussaal. Beide »Versammlungen waren überfüllt. Die SA. war in Eesamtstätte erschienen. In der Reithalle des Landgestüts wandte sich der Prinz entschieden gegen die Monisten und gegen das Kabinett von Popen und forderte die Zuhörer zur Gefolg­schaft Hitlers auf. Das Deutschlandlied be­schloß die Kundgebung, die von musikalischen Darbietungen der Stadtkapelle und des Trommlerkorps umrahmt wurde. Im Kur­haus sprach der Prinz ebenfalls vor stark besetztem Hause, ebenso im benachbarten Frohnhausen.

0Eladenbach,19. Okt. Die Gemeinste säht gegenwärtig das L i ch t n e tz teilweise gründlich instand setzen. Erwerbslose führen die Arbeit unter Leitung eines Fachmannes aus. Der restliche Teil soll bei BcreiStel­lung der Mittel auch noch instand gesetzt werden.

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MsenHMll und NüMarMele

Seinem Meister 12 000 Mark gestohlen.

Kassel, 20. Okt. Vor dem hiesigen Schöffengericht hatten sich am Mittwoch vier iLnge Leute zu verantworten, von denen der eine im Juni dieses Jahres einem Hand­werksmeister in der Altstadt eine Geldkassette mit 12 000 Mark Inhalt entwendet hatte. Von den drei c.nbern Angeklagten wurde einer der Mittäterschaft, die beiden anderen der Hehlerschaft beschuldigt. Der Haupttäter, der die Woche 7 Mark verdiente, kam nach seiner Aussage auf den Gedanken, sich durch einen Diebstahl bei seinem Meister einen Ausgleich zu schaffen. Während sein Gehilfe Schmiere stand, raubte er aus dem Schlafzimmer des Meisters die Geldkassette. Von den 12 000 Mark, die in der Kasse waren, gab er später seinem Helfer 65 Mark, während zwei andere Bekannte je 10 Mark erhielten. Der Dieb fuhr bann nach Berlin, wo er eine Frau kennen lernte, mit ber er bann einen Abstecher nach Helgolanb machte. Dort wurde er verhaftet. In seinem Besitz fanden sich noch 10 000 Mark vor. Das Schöffen­gericht verurteilte ihn zu einem Jahr Gefäng­nis, fein Helfer erhielt sechs Monate Gefängnis, während die beiden Mitwisser Geldstrafen in Höhe von 35 bzw. 70 Mark auferlegt bekamen.

Bad Homburgs schwltiae Finanzlage.

Bad Homburg. 20. Ott. Die Finanz­lage ber Stabt Bad Homburg ist wie die der meisten Städte alles andere als günstig. Be-

Kaffee Hag regt an, aber nicht auf!

stand schon zu Beginn des Jahres ein Fehl- betrag von 200 000 Mark, jo wurde dieser durch die jetzt von der Regierung angeord­nete Erhöhung der Kreisumlage von 40 auf 55 Prozent und durch die Umordnung der Mietbeihilfen noch um 42 000 bzw. 65 000 Mark, also auf rund 350 000 Mark erhöht. Dazu kommt, daß ein Rückgang ber Steuer­einnahmen zu verzeichnen ist. Die Stabt hat ihren Zinsverpffichtungen am 1. Oktober nicht nachkommen können. Die Gläubiger ha­ben sich zu einer Stunbung bis zum 1. Ja­nuar 1933 bereit erklärt. Die Steuern konn­ten noch abgefütjn werden. Die Stadt hat jetzt einen Bericht über die Finanzlage an die Regierung erstattet.

Do X" in Maftiz.

Mainz, 20. Ott. Das Flugjchiff Do X ist heute gegen 11 Uhr in Mainz eingetroffen. Es kam auf dem Wasserweg mit eigener Kraft von Schierstein und machte am Kaisertor fest.

Mariner Skabtrak lehnt 600prozentige Biirgersfeu« ab.

Mainz, 20. Ott. Der Stadtrat hat in feiner gestrigen Sitzung die von der Stadt­verwaltung vorgeschlagene 600prozentige Bürgersteuer einstimmig abgelehnt.

Beide Lahnstein lehnen den Zusammen« schlutz ah.

Niederl»hn stein, 20. Okt. Durch die bekannte Rundversügung des Regie­rungspräsidenten in Wiesbaden waren auch die beiden Städte Ober- und Nieder- lahnstein aufgefordert worden, die schon seit Jahrzehnten erörterte Frage eines kommunalen Zusammenschlusses erneut zu prüfen. In beiden Städten beschäftigten sich nun am Dienstag die Stadtverord­netenversammlungen mit dieser Ange­legenheit. Während in Oberlahnstein noch einzelne Stimmen aus Eewerkschasts- und Beamtenkreisen für den Zusammenschluß laut wurden, schließlich jedoch mit Mehr­heit ein Ablehnunsbeschluß gefaßt wurde, wurde die Zusammenlegung in Nieder­lahnstein einstimmig abgelehnt. Die Ab­lehnung erfolgte besonders im Hinblick auf die Zuschüsse für das Gymnasium in Oberlahnstein, die natürlich nach der Zu­sammenlegung von Niederlahnstein mit getragen werden müßten. In beiden Versammlungen wurde ferner die vom Magistrat vorgeschlagene Erhöhung der Bürgersteuersätze auf 500 Prozent abge­lehnt. In der Unterstützungsangelegen- heit, wobei es bekanntlich zu einem Streik der Wohlfahrtsempfänger gekommen war, hat die Stadt eine Sonderhilfe durch Aufkauf von 100 Zentnern Kar- t o f f e In bewilligt und Unterstützungs­anträge bei Kreis und Regierung gestellt.

3)05 FrankWer Mrs-Romum

Sonnabend, den 22. Oktober.

6.00: Wetterbericht. Anschließend: Mor­gengymnastik. 7.05: Schallplatten-Konzett. 10.10: Schulfunk. 12.00: Konzert. 13.30: Konzert. 15.30: Stunde der Ju­gend. 17.00: Unterhaltungs-Konzert. 18.25:Persönlichkeit und Wirtschaft", Vor» trag. 18.50:Industrie und Landwirt­schaft Zur Frage der Stärkung des Binnenmarktes", Vortrag. 19.30: Chopin- Klaviermusik. 20.00: Bayerischer Abend. 22.20: Zeitangabe, Tagesnachrichten, Wetterbericht, Sportbericht. 22.45: Nacht­musik.

(Nachdruck verboten!)

Der Rngling im gtiitteftn

Roman von Heinz ©tegutoeit-

67. Fortsetzung.

Der Wind mußt« sich gedreht Haden, man hött« die Kirchenglocken von Koblenz. Frühmesse. ,

ES is bald Morgen, Manes!"

>Jm Sommer wär die Sonne jetzt schon warm, Fritz!"

Was mache wir ttu?

Langsam abhauen!"

Wir schritten wie sorglose Wanderer dem Ufer entgegen, und da sich die Bäume gegen den östlichen Himmel lichtetet, er­kannten wir allmählich die Werstzeuge, die den Waldboden in absonderlicher Vielfalt bedeckten: Sicheln, Hämmer, Weinflaschen, Stuhlbeine, Fahrradreifen, Koppelriemen. Das Arsenal der Heimattreuen. Da­zwischen kleine Pfützen Bluts und abgeris­sene Mullverbände. Mit diesem Material hatten wir Dutzende von Infanterieflinten Mores gelchrt. Es war schon gerechte Rotwehr!

Fritz Dillen ging hinter mir und ries mich an:Manes, du blufft immer noch!" Ich wollt« den rechten Arm bewegen, da war er schon steif.

Siehst's, schwäre tut's bannig!"

Da war Eiter in der Wunde.

Komm mit, Fritz!"

Ium Doktor?"

Meinethalben. Aber du weist es nun: Man muß den Eiter aus der Wunde quet­schen, wenn sie heilen soll!"

'Er staunte mich offnen Mundes an.

Ich sage dies, Fritz: man muß den fiter aus der Wunde quetschen, klar?"

Seine Blicke funkelten. Er hatte mich erstanden..

Dell, wir quetsche jetzt zusamme?"

Er reichte mir die Hand, damtt ich vom steilen Abhang auf die Straße springen konnte.

Hinter dem Fried von Burg Lahneck hellte sich der Himmel bläullch auf. Heber dem Ehrenbreitstein erblindeten die Sterne. Der Wind war lau wie im Frühjahr, das Rheintoasser lockt« zum Baden, so mild strich der Sttom am Leinpfad entlang.

Wir kamen nach Koblenz, wo die La­ternen der Uferpromenade erloschen. Dor dem Regierungsgebäude formierte sich eine rheinfränkische Hundertschaft mit Armbin­den und Gewehren. Zwei Lastwagen wur­den mit Munitton beladen, französische Soldaten, meist Reger mft prachtvollen Gebissen, reichten das Kampfmaterial durch Die Fenster. Wir warteten abseits und fanden unsre Dermutung bald bestättgt: Die zivilen Berserker warfen die Mo­tor« an und fuhren, vom brausenden Ge­schrei der Reger begleitet, in derselben Richtung davon, aus der wir gekommen waren. Sie würden einen Scheiterhaufen aus unfern Knüppeln und Fahrradschläu- chen machen. Mochten sie ihr Mütchen also kühlen, in die befreiten Reviere durf­ten sie nicht mehr, da gab's Kattun nach Roten.

Am deutschen Eck stand immer noch der alte Kaiser mit dem Weihnachtsengel. Mo» sella gab sich dem scheine hin, ihr Wafler floß schwermütig wie ihr Schicksal. Da hungerten auch von Winningen bis Trier die Menschen nach Güte, da ging das Knirschen um in Kochern, Bullah und Wengerrchr, man trank den eignen Wein Echt mehr und wollte nur noch an bte Kraft des Teufels glauben.

Wir verttödelten unsere Zeit, weil wir keinen Arzt vor der Sprechstunde alar­mieren wollten. Da mich aber ein Fie­

ber quälte, fragten wir uns zum nächsten Krankenhaus durch Fritz Dillen stützte mich brüderlich obzwar ihn selber die Schmerzen feiner Armwunde peinigten.

Im Spital gab man mir eine Spritze weiße Schwestern schwebten wieder gleich Elfen durch die Flure. Und der Arzt, dem wir von unferm Abenteuer erzählten, dmßte als Augenzeuge, daß in sieben Moseldörfern schon die Separattsten von den wütenden Winzern massakriert worden seien. Denn die Schurken hätten sich Hei­ner Schulkinder bemächtigt, um diese Gei­seln womöglich zu strangulieren. Eine nächtliche Ueberrumpelung habe fürchter­liche Remedur geschafft. Wo aber die Er- pressecherrschaft gestürzt worden sei, dort hätten die Franzosen plötzlich die Mora­lischen gemimt und die Fäden ihrer Ma­rionetten fallen gelassen.

Wir atmeten tiefer ob dieser Botschaft, doch pochten unsere Herzen wieder, als der Arzt von vielen Todesopfern zu mel­den wußte. Auf einer Station wären dreißig Moselaner mit Drustschüffen ein» eingeliefert worden. Und di« Ueberleben- den der Rheinfranken hätten sich auf die Regiebahn geflüchtet, um nordwärts nach Bonn und Königswinter zu fahren, wo die grün-weiß-roten Fahnen auf den Rat­häusern gehallen würden.

Mein Blattschuß? RUr eine Fleisch­wunde. Dermuttich Säbelhieb. Ober Mes­serstich. Keine Knochensplitter. Mußt« genäht werden.

Auch Fritz Dillen wickelte die Binde vom Arm. Da sah es böse aus, als fei die Hand in die Zahnräder einer Maschine geraten. Als hätten Geier den DtzePS ge­fressen. Dolltreffer einer Handgranate, die Wunde stank wie eine Kloake. Rein. Fritz Dillen mußte bleiben, mußte in den

Operationssaal, obwohl er sich sträubte. Ich redete ihm zu, es ginge um fein Le­ben. Da weinte er, wurde gelb wie Quit- tennrus, ich fing ihn auf, bevor er zu­sammenbrach. Und wartete, bis der Aermste im Bett lag und träumte. Dann ging ich wieder auf die Straße, schrieb in der Post eine Karte an Maria, damit sie sich beruhigen und der Familie Dillens zur Seite stehen sollte.

Am Bahnhof scheußliche Revolte: Spa- hiS sprengten über das Pflaster und fa­belten alles nieder, was ihnen in den Weg kam. Frauen schrien, fleine Kinder wälz­ten sich im Blut. Dann, als der Platz geräumt war, salutierten die Söhne Mo­hammeds vor den Kolonnen der Rhein­franken, die durch die Hallen und Gänge des Bahnhofs schwirrten, sich die Arm­binden abrissen und in wilder Flucht auf die Züge ber Regie stürzten. Der Boden war heiß geworden.

Ich sehnte mich nach Bonn, obwohl die Schullerwunde schmerzte. Sollte doch im Revier der Deethovenstadt die letzte Ent- scheidung fallen. Mit der Regiebahn konnte ich aus Ehrgefühl nicht reifen, darum biederte ich mich mit den Schiffern an. And als auch diese kein Doot wußten, das sich ohne die Trikolore auf den Ochein wagte, ging ich über die Moselbrücke nach Kesselheim, wo mich ein Lastauto voll Schwemmstein« auf den barmherzigen Rücken nahm.

Wer wußte, was da in Bonn und Kö­nigswinter noch im Gange war. Unsre Rot war des Totengräbers Brot. Dieser Kleinkneg bewies es, daß die Arie vom ewigen Frieden barer Schwindel blieb, so­lange wir Deutsche sie als Solopartie träl­lerten.

(Fortsetzung folgt?