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Nr. 248

Dttttefftwe seftwe, Marburg c L. Stetios. bett 21. Moder 1938

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JNIbtim Eteinhausen und feine ÄirnfT

Wenn man von religiöser Kunst redet, so tommt dies Urteil nicht allein von dem ver­arbeiteten Stoff oder Thema, welches viel­leicht zufällig religiöser Natur ist, sondern es besteht erst dann voll zurecht, wenn die ganze Art des lünstlerischen Schaffens aus Re­ligion geboren ist. Im letzteren Sinn« ist Wilhelm Steinhaufen einer der wem- aen, großen religiösen Maler. Seine ganze Kunst ist hintergründige Kunst. Ob er das Schweigen des Waldes, ein Kinderantlih oder das Haupt des Christus malt, jedesmal ist der Pinsel geführt in der Ehrfurcht vor dem Ewigen. Urdeutsch und kernevangelisch ist diese Kunst. Ob er die Gleichnisse Jesu in die deutsche Landschaft versetzt, ob er den deutschen Frühling oder die deutsche Weih­nacht oder den Zug der Kinder zum Christ­kind malt, immer steht dahinter das tief­fromme deutsche Empfinden und Erleben, das seine Quelle hat in einem reichen, köstlichen Familienleben. Kernevangelisch aber ist seine Kunst, weil man sie eine christozentrische Kunst nennen kann, in welcher in zunehmenden Maße die Gestalt Jesu im Mittelpunkt steht. In seinem Christusbilde besitzen wir eine der wenigen männlich herben und doch göttlich tiefen Darstellungen des Erlösers. Wer aber in aller Beschaulichkeit einen Gang durch die Kunst Steinhaufens tut, dem fällt aus. daß der im Christusbilde erarbeitete gottmensch­liche Eesichtszug wiederkehrt in dem Bilde Gottvaters nyb wie er gleichsam Gestalt ge­winnt in den Zügen seiner Apostel und Be­kenner, wie sie uns Steinhaufen in den feinen Federzeichnungen zu dem neuen Menge-Testa­ment geschenkt hat. Hier liegt die reife Er­kenntnis zugrunde von dem Worte Jesu: „Ich und der Vater sind eins" und von der Er­fahrung reifer Christen, die in der völligen Nachfolge Jesu dem Meister immer ähnlicher werden. An solche Kunst kann man nicht herantreten mit einem sensationsbedürftigeu negenwartszerrüttcten Herzen. Da bedarf, es ganzer Sammlung und klarer Führung. Wer aber könnte mehr geeignet sein, uns die Welt dieses frommen Malers zu erschließen als die eigene Tochter, die unter dem Reichtum des väterlichen Besitzes heranwuchs. Wir haben die seltene Gelegenheit, am kommenden Sonntag eine Darbietung der beiden jüng­sten Töchter des Malers in Marburg geboten zu bekommen. Im großen Saal des Phi- lippshauses wird Rose Steinhausen an der Hand von wunderbaren Lichtbildern des Vaters Kunst vor uns erstehen lassen, wäh­rend die musikalisch begabte Schwester Ida Luise Steinhaufen den Abend durch einige Eesangsvorträge bereichert. Wir begrüßen die beiden Töchter Steinhaufens in Marburg aufs Herzlichste und wünschen ihnen eine recht große, mit Auge, Ohr und Herz empfängliche Gemeinde.

6tim6ertoerbftener»9le8enftellc in Kirchhain

Von der Kreisverwaltung ist zur Ersparung von Zeit und Fahrgeld für di« Bevölkerung des seitherigen Kreises Kirchhain bei der Kreissparkasse in Kirchhain eine Erunderwerb- steuer-Nebenstelle errichtet worden. Die durch den Kreisausschuß in Marburg angeforderten Erunderwerbsteuerbeträg« können bei der Kreissparkasse in Kirchhain eingezahlt wer­den. Die Steueranforderungen sind bei der Zahlung vorzulegen. Die Kreissparkasse stellt in diesem Falle die Grunderwerbsteuerbeschei- «iguna aus. Ferner ist die Kreissparkasse in den Fällen ermächtigt, die Erunderwerbsteuer anzunehmen und die Bescheinigungen auszu­stellen, für welche die Veranlagung durch den Kreisausschuß in Marburg noch nicht erfolgt ist. Die Steuerpflichtigen müssen für diesen Zweck nachstehende Angaben der Kreisspar- kasie machen: Erwerber und Veräußerer des Grundstücks, Bezeichnung und Größe des Grundstücks (Erundbuchblatt, Kartenblatt und Parzelle Nr.) und den Kaufpreis, gegebenen­falls ist eine Abschrift des notariellen Ver­trags vorzulegen.

Bei den Zahlungen im letzeren Falle han­delt es sich um Steuervarauszahlungen; die eigentliche Veranlagung der Steuer findet bei der Kreisausschuß-Verwaltung in Marburg statt.

Besichtigung -er heimischen Mustrie

Auf Anregung des Vereins Deutlicher Eisengießereien wird im Rahmen eines grö­ßeren Beächtigungsplanes am Freitag und Sonnabend dieser Woche eine Kommission von Vertretern mehrerer Reichs- und Staats­ministerien eine Reihe von Eisengießereien im Lahn- und Dillgebret und im Sieger land besichtigen. Die Regierung wird auf diese Weise Gelegenheit haben, sich durch örtlichen Augenschein von der beson­deren Notlage, dieses Industriezweiges zu überzeugen. Die Besichtigung wird in Wetz­lar begrünen, anschließend die Werke an der Dill und in Siegen umfassen, während am Sonnabendvormittag zunächst die Friedrichs- Hütte und anschließend einige Werke des Hessen-Nassauischen Hüüenvereins und zum Abschluß die Gladenbacher Werke besucht werden.

Anfang nächster Woche folgt dann eine Be­sichtigung mehrerer Werke der Eisen- und Stahlwaren-Jndustrie m dem besonders not­leidenden Schmalkaldener Gebiet. Es ist er­freulich, daß auf diese eise auch unsere en­gere Heimat einmal das besondere Interesse der Reichs- und Staatsbehörden findet.

Der Marburger Fleischverbrauch.

3m letzten Vierteljahr, den Monaten Juli, August und September, wurden im hiesigen Schlachthof geschlachtet: 1 Pferd, 10 Ochsen, F7 Bullen. 47 Kühe, 318 Rinder, 938 Kälber, 1979 Schweine, 122 Schafe und 3 Ziegen. Hier, ton waren untauglich 5 Äiihe-1 Äiah. 4 Käl­ter und 3 Schwel«.

Aus -em GertchtSfaa»

Weg« Forstdiedsiachi bestraft.

Drei Einwohner von hier hatten sich in den Waid begeben und Keine Stämmchen abgesägt und zerkleinert. Das hatte der Waldaufseher gesehen und dem Besitzer des Waldes Mitteilung gemacht. Die Namen wurden festgestellt, und ein Polizeibeamter begab sich in die Wohnung der Beschuldig­ten und beschlagnahmte das Holtz. Die An­geschuldigten wurden alle in eine Geldstrafe von je 24 Mark genommen. Außerdem haben sie den Wert des gestohlenen Holzes zu bezahlen.

Fveigesprochen

wurde ein Mann von hier, der beschuldigt wurde, einen jungen Mann durch Anfahren mit dem Motorrad körperlich verletzt zu haben. In der Verhandlung stellte sich aber heraus, daß der junge Mann mit seinem Fahrrad in das Motorrad hineingefahren ist.

Wegen Diebstahls bestraft.

Ein junger Mann, der wegen einer an­deren Sache in Untersuchungshaft sitzt, war in ein eingefriedigtes Grundstück eingedrun­gen, indem er sich mit dem Fuß eine Latte abgetreten hatte. Er entwendete hort eine Milchkanne mit Brombeeren. Zwei Mo­nate Gefängnis sollen die Tat sühnen.

Wegen Sachhehlerei bestraft.

Ein Mann von hier hatte einen Korb mit allerlei Waschmitteln gefunden und die­sen nicht abgeliefert. Die Sachen hat er aber nicht für sich behalten, sondern ins Wasser geworfen. Wegen Sachhehlerei wurde er zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. —n.

* Marburger Konzert-Verein. Der Pianist Ludwig Kaiser in Kas­sel, der mit der Berliner Altistin Frieda D i e r o l f am 25. Oktober die Serie der Konzerte des Marburger Konzertvereins eröffnet, ist hier kein Unbekannter. Wie­derholt hat Ludwig Kaiser vor mehreren Jahren seine Kunst in selbstloser Weise in den Dienst der Marburger Studentenhilfe gestellt. Inzwischen konnte Kaiser auch im Ausland große Erfolge erzielen, so wird über ein Konzert aus Rom berichtet: „Kaiser gehört durch seine künstlerische Persönlichkeit großen Formats unter die bedeutendsten seines Faches. Rauschende Begeisterung veranlaßte den Meister zu Zugaben. Der Abend war ein Erlebnis." Aus Erfurt, Wiesbaden u. a. Städten wird in gleich begeisterter Weise über Kaiser als Pianisten berichtet.

Wenn eine Sängerin wie Frieda D i e r o l f sich auf wiederholte Mit­wirkung in großen Konzerten unter Furt­wängler (Wien, Berlin, Leipzig), unter Straube (bei den Händel- und Bach-Festen in Leipzig), unter Abendroth (in den Köl­ner Gürzenich-Konzerten), unter Fritz Busch (bei dem Reger-Fest in Essen), unter Georg Schumann-Berlin u. a. bedeutende Dirigenten beziehen kann, so dürfte hier­mit die hervorragende Qualität dieser Künstlerin hinreichend gekennzeichnet sein. Die Eintrittspreise für die Abende des Marburger Konzertvereins find,so niedrig gehalten, daß sie auch in heutiger Notzeit die meisten noch bestreiten können. Der Konzertverein wird aber da, wo wirt­schaftliche Not früheren Abonnenten den Besuch der Konzerte unmöglich macht, gern eins Anzahl Plätze kostenlos zur Verfügung stellen. Entsprechende Wünsche können in verschlosienen Briefumschlägen bei Elwert abgegeben werden.

Weiltingen ans dem üeleetreife

Oeffentlicher Dank.

Es sind nun 2 Wochen her, daß auch die letzten mutigen Wasserfreunde infolge An­kunft der Witterung das Baden in ben Afföllerwiesen aufgegeben haben. Biele hun- bette Babegäste kamen dadurch, daß der Be­sitzer des herrlichen Badestrandes'im Afföller sich zur unentgeltlichen Freigabe entschloß, zu dem ©errufe eines wunderbaren Freibades. An heißen Tagen sind es nahezu 1000 Badende gewesen: daß dadurch die Nutznießung der Wiesen in erheblichem Maße herabaennnbett wurde, ist klar. Umso größer ist das Ver­dienst, bas sich Herr H. durch seinen hoch­herzigen Entschluß um die wasserfreudige Be­völkerung Marburgs erworben hat. Diese Zeilen mögen bezwecken, dem Besitzer des Badestrandes unser aller herzlichsten Dank auszudrücken mit der Bitte, uns auch Tüxftig- hin diese wunderbare Badestätte zu erhalten.

Einer für Diele.

Anmerl."der Schriftl.: Und was sagt die Stadtverwaltung im Interesse der städti­schen Bäder zu diesem öffentllchen Dank?

Gottesdienst der israelitischen Gemeinde. Sonnabend, den 22., und Sonntag, den 23. Oktober (Schlußfest).

1. Tag: Vorabend 17.10 Uhr: 8 Mr;

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