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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.
Steuergelder für Zeitungen
Die Beteiligung der Preutzenkasse an der „Kölnischen Volkszeitung" - Der Reichskanzler vor dem Klepper-Aus,chutz
Der Klepper - llntersuchungs - Ausschuß des Preuß. Landtags setzte am Mittwoch die Zeugenvernehmungen über die Beteiligung der Preutzenkasse an der .,K öl - Nischen Volkszeitung" fort. Zunächst wurde Generalkonsul Heinrich Maus gehört, der früher Geschäftsführer der Goerreshaus-GmbH., des Verlags der Kölnischen Volkszeitung, war und jetzt Mitglied des Direktoriums der Goerres-Haus- ÄG. ist.
Die Vernehmung dieses Zeugen ergab, datz bei der Umgründung des Verlages der K V in eine Äktien-Gesellschaft von dem Geschäftskapital von sechs Millionen noch zwei Millionen aufzubringen waren. Minister Hirtsiefer wollte dieses Geld ausMittelndesStaa- t e s aufbringen.
Die K. V. erhielt dann auch insgesamt 2,1 Millionen ihr gegenüber traten jedoch nur Minister Hirtsiefer. der dem Zentrum angehörende Direktor der Heimatbank Lübke und der inzwischen verstorbene Führer der prentz. Zentrumsfraktkon Dr. Hetz als Treuhänder auf.
Generalkonsul Maus will deshalb bis heute noch nicht offiziell erfahren haben, »atz das Geld von der Preutzenkasse stammte. Von dem Präsidenten dieses Instituts Dr. Klepper habe er nur gewußt, »atz er sachverständiger Berater der drei Treuhänder gewesen sei. Der Zeuge betonte, datz es sich nicht um eine Sanierung handelte, sondern um eine Finanzierung, denn das Unternehmen sei durchaus rentabel gewesen.
Zu gereizten Auseinandersetzungen kam es zwischen ihm und dem nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Muhs, als dieser behauptete, Generalversamm- lungsvrotokolle besagten für di: Rentabilität nichts. Im Volke sage man: Der seine Mann stiehlt nicht, er gründet eme Akti-m- Gesellschaft! Der Zeuge lehnte eine solche Charakterisierung für sich selbst entschieden ab Ein zweites Mal wurde die Stimmung sehr erregt, als Dr. Muhs aus einem Besuch des Zeugen bei Klepper den Schluß ziehen wollte, Maus habe doch gewußt, daß die Preußenkasie hinter dem Kredit stehe und deshalb den Zeugen vor einem Meineid warnte. Maus blieb entschieden dabei, er habe den Geldgeber nicht gekannt und nur gewußt, daß der Staat dahinter stehe.
Da der Zeuge erwähnt hatte, auf der Fahrt von Köln nach Berlin habe ihm ein Deutschnationaler seine Anerkennung ausgesprochen, drängten die deutschnationalen Ausschutzmitglieder auf die Beantwortung der Frage, wer denn das gewesen sei. Die Zulässigkeit dieser Frage wurde jedoch mit Stimmengleichheit der Rechten gegen die Sozialdemokraten und Zentrum abgelehnt. Zum Schluß gab es noch eine Auseinandersetzung über die Vereidigung des Zeugen, die aber dann doch ausgesetzt wurde.
In der Aachmittagssihung des Klepper- AntersuchungSausschusses des Preußischen Landtags wurde mitgeteilt, daß Dr. K a a S sich entschuldigt habe. Als der Zeitpunkt herankam. der für die Zeugenvernehmung Des Reichskanzlers von Papen vorgesehen war. waren die rund 100 Pu» bliärns- und PresseMtze im Ausschuß überfüllt.
Der Ausschußvorsitzende sagte dem Reichskanzler, man wolle von ihm Auskunft über die Frage haben, ob nach jet- inem Wissen mut indirekten Mitteln der
Preutzenkasse „Germania"-Aktien aUfge- kaust worden seien durch die Görreshaus- A.--G.
Reichskanzler von Papen erwidette, ihm sei lediglich bekannt, daß zu jener Zeit ein gewisses Aktienpaket, das Wohl im Besitz des früheren Ministerialdirektors Spiecker war, verkauft wurde und Zum Teil in die Hände der Görreshaus^Sesell- schäft gelangte. Wit welchen Mitteln das geschehen sei, habe er erst durch die Nachprüfung bei der Preutzenkasse erfahren.
-Als von den Kommunisten gefragt wurde, ob die Praxis der Beteiligung des Staates an Zeitungen auch unter seiner Herrschaft fottgefühtt worden sei, erklärte der Reichskanzler, daß außer den im Reichshaushalt ausdrücklich für solche Zwecke zur Verfügung stehenden Mitteln seitens der Reichsregirung für Zwecke der
Presse-Beeinflussung in irgend einer Form keinerlei Mittel aufgewandt worden seien, seitdem er an der Spitze der Reichsregierung stehe. Was die Unter* stühung oder. Beteiligung des Reichswehrministeriums an der „Täglichen Rundschau" betteffe, so sei ihm das nur aus Der Presse bekannt, und er bezweifle, daß das richtig sei. Er stelle aber anheim, den Reichswehrminister selbst $u hören, was von den Kommunisten dann sofott beantragt wurde. Reber den Antrag wird in einer nichtöffentlichen Sitzung noch entschieden werden.
Auf die Frage des Abg. S z i l l a t (Soz.), ob er persönlicher Besitzer von „E e r m a n i «"-Aktien oder nnr Treu- händer sei, erwidert der Kanzler, er sei persönlicher Besitzer.
Der wendige Herriot
Wechselwirkungen zwischen ^Rüstung und Sicherheit
weniger als 20 Formeln für eme Verständigung zwischen Moskau und Bukarest aufgestellt worden seien. Eine dieser Formeln hätte schließlich beide geeinigt. Durch den Rücktritt des Kabinetts Vajda seien die Verhandlungen jedoch unterbrochen worden.
Herriot wnrde die Eoethemedaille überreicht.
Der deutsche Botschafter von Hoefch hat gestern mittag dem Ministerpräsidenten Herriot die diesem vom Reichspräsidenten von Hindenburg verliehene Gvethemedaille nebst BerleihungS- urkunde überreicht. Im Anschluß daran veranstaltete Herriot zu Ehren des scheidenden Botschafters ein Abschiedsfrühstück, an dem u. a. der BizePräsideM des Kabinetts und IUstizminister Reynaud, der Ehemalige Ministerpräsident und jetzige Innenminister Ehautemps, der Präsident der Außenpolitischen Staatskommission Berenger, verschiedene andere Kabinettsmitglieder. der Generalsekretär des Auhen- ministeriumS DerthelM. die hohen Beamten des Außenministeriums, der französische Botschafter in Berlin. Francois-Poncet sowie mehrere Mitglieder der deutschen Botschaft in Paris teilnahmen.
Die Tranuug in Koburg.
Koburg, IS. Ott. Am Mittwoch vormittag fand im Hornzimmer der Beste Koburg die standesanttliche Trauung des Prinzen Gustav Adolf von Schweden mit der Prinzessin Sybille von Sachsen-Koburg und Gotha statt. Die Trauung wurde vom ersten Bürgermeister Schwede in seiner Eigenschaft als oberster Standesbeamter vorgenommen. Als Trauzeugen fungierten der Kronprinz von Schweden und der Herzog von Koburg. Weiter waren die Herzogin von Koburg und der Hof- marfchall des Kronprinzen von Schweden anwesend. Bürgermeister Schwede wies auf die besondere Bedeutung dieser Der- bindung'des Herzoglichen Hauses mit dem Schwedischen Königshause hin. Er er- innette an die gemeinsame Verteidigung Der Veste Koburg durch Schweden und Ko- burger vor 300 Jahren und meinte, daß dieses historische Datum eine gute Vorbedeutung für den zu schließenden Bund fei.
«k. Paris, 20. Ott. Obwohl Herriot die Mitglieder des Auswärtigen Ausschußes gebeten haben soll, über den I n - halt seiner Ausführungen Stillschweigen zu bewahren, ergänzen dm Morgenblätter die kurze Mitteilung des Ausschusies in einigen wesentlichen Punkten. Rach dem „Echo de Paris hat Herriot den Standpunkt vertreten, oaß zwischen den verschiedenen Sicherheits-und Abrüstungsplänen eine wechselnde Wirkung bestehen müße,
datz mit anderen Worten gleiche Rüstungen nicht notwendigerweise gleiche Sicherheit bedeuten, datz vielmehr di« Ausdehnung der Grenzen, die Entfernung der Kolonien, die militärische Vorbereitung usw. mit za berücksichtigen seien.
Auf den Inhalt des gegenwärtig vorbereiteten Abrüstungsplanes habe Herriot jedoch nicht eingehen wollen, sondern den Auswärtigen Ausschuß gebeten, ihm tn dieser Hinsicht Vertrauen zu schenken.
Rach dem „Journal" hat Herriot auf ] eine Frage, was Frankreich zu tun gedenke, wenn Deutschland einseitig a u f r ü st e n werde, geantwortet, daß Frankreich, obwohl es neben Rechtsmitteln auch Machtmittel in der Hand habe, nut seine Rechtsmittel einsetzen wurde. Auf einen Vorstoß des ehemaligen Handelsministers R o l l i n gegen den für die französische Wirtschaft ungünstigen deutschfranzösischen Handelsvertrag hat Herrwt geantwortet, daß ihm die Nachteile bekannt seien, daß er aber keine Kündigung vornehmen wolle, sondern vorziehe, auf dem Verhandlungswege günstigere Handelsbedingungen durch die Aenderung dieser Artikel des Vertrages zu erreichen.
Die Anregung eines Mitgliedes des Ausschusies, Frankreich solle seine Schuldenzahlungen an Amerika einstellen, da Deutschland nicht mehr zahle, habe Herriot dahingehend beantwortet, datz Frankreich seine kommerziellen Schulden bis auf den letz- ! ten Heller bezahlen werde.
Ueber den rumänisch-russischen | Nichtangriffspakt hat Herrwt nach dem ..I o u r n a l" bettchtet, daß nicht
Auf eine sozialdemokratische Frage, ob er eine Förderung von Ze itungen aus besttmmten staatspolitischen Gründen, die die Freihett der Redattion unter allen Umständen gewährleiste, als unzulässige Beeinflussung eines Zriiungs- unternehmens betrachte, erwiderte der Kanzler: keineswegs.
Auf weitere Fragen erklärte er, daß es nach seiner Kenntms im Reichsetat nur zwei Dispositionsfonds gebe, aus denen Wittel für die Presse gegeben werden könnten, nämlich des Reichskanzlers und der Presseabteilung in Höhe von zusammen 200 000 RM.
Der nationalsozialistische Abg. Muhs fragte dann unter Hinweis auf die Aussagen des Ministers Hirtsiefer, welches Die Gründe gewesen seien, Re zu dem Widerspruch Papens mit der offiziellen . Jenttumspolitik führten und ob er schon damals die Verbindung mit den Deutsch- nattonalen ausgenommen habe.
Der Reichskanzler erwiderte, er chabe . seinerzeit das Attienpaket gekauft, um in dieser Zeitung einen konservativen Einschlag zum Ausdruck zu bringen, für den er auch innerhalb der Zentrumspartei stets gearbeitet habe.
Staatssekretär Planck bestätigte als Zeuge die Aussagen des Reichskanzlers. Eine Frage des Zenttums nach der Verwendung der Mittel der Dispositions- fonds des Reichskanzlers und der Presse- abtellung für Zwecke der Presse lehnte Planck mit dem Hinweis ab, daß er keine Aussage-Genehmigung für diese Einzelheiten habe. Von den Kommunisten wurde Beantragt, diese Aussage-Genehmigung noch einzuholen. Auch darüber wird später noch Beschluß gefaßt werden.
Antrag gegen Wahlkampf-Behinderung.
Unter Hinweis auf das Versammlungsverbot in Düsseldorf'haben die Nationalsozialisten im Preußischen Landtag einen Antrag eingebracht, wonach jede Behinderung des Wahlkampfes durch die Polizeiorgane verboten und unter Strafe gestellt werden soll. 2m Einzelnen wird in dem Antrag ausgeführt, daß die ganze Politik Brachts darauf hinauslaufe, den Deutschnationalen Stimmen zu- zutreiben. Inwieweit hierbei finanzielle Unterstützungen durch die Mittel des Reiches und des Staates geleistet würden, entziehe sich vorläufig der Kenntnis des Volkes. Fest stehe, daß eine Anzahl deutschnationaler Großgrundbesitzer im Wahlkreis Frankfurt'Oder Millionen erhalten habe, um dadurch den Wahlkampf finanzieren zu helfen. Man habe diese Gelder unter der Bezeichnung Osthilfe und Umschuldung gezahlt. Allein an drei Großgrundbesitzer im Kreise Lebus seien 950 000 Mark gezahlt worden. Es wird deshalb gleichzeitig beantragt, die gesamte Finanzgebarung der Herrenllub-Regierung in Reich und Preußen einer strengen Untersuchung zu unterziehen.
Der Wahlfeldzug Adolf Hitlers.
Oppeln, 19. Ott. Adolf Hitler sprach heute Abend in Oppeln. Auch hier be- anttoortete er zunächst die Frage, warum er am 13. August abgelehnt habe und bezeichnete weiter das Elend der Wirtschaft als eine Folge des politischen Zerfalls.
In G l e i w i tz sprach in zwei Parallel- Versammlungen der nationalsozial.stiiche Abg. Gregor Strasser, der scharfe Kn- ttk an der Regierung, insbesondere deren Wirtschaftsprogramm übte. Er entwickelte dann das nationalsozialistische Arbecksbe- schaffungsprogramm und betonte .duz mit fünf Milliarden RM. das gesamte Ar- beiislcsenvroblem in fünf Zähren zum Wohle des Volkes gelöst werden könne.