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Nr. 246

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Erfolgreiche Selbsthilfe im Kolonialwarenkleinhan-el

Die mittel st ändische Eigen­wirtschaft steht in der Gegenwart m einem harten Kampf um ihre Existenz. Die kapitalistische auf der einen und die kollektivistische Entwicklung auf der an­deren Seite versachlichen und entpersön­lichen das Wirtschaftsleben und bedrohen die Betätigungsmöglichkeit der unabhän­gigen selbstverantwortlichen Personllch- Kett. Es ist aber ein alter Erfahrungs­satz, daß eine gesunde und kräftige eigen­verantwortliche Mittelschicht für Staat und Volk eine LebensnotwendTg- k e i t ist. Das Ziel der Erhaltung und Kräftigung dieser Schicht verfolgt bte Ge­nossenschaftsbewegung des selbständigen Mittelstandes. Die Einkaufsgenossen­schaften der deutschen Kolonialwaren- Händler, von denen einige bereits Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahr­hunderts aegründet wurden, traten m diese Genossenschaftsbewegung im Jahre 1907 dadurch aktiv ein, daß sie sich zu dem heutigen Edeka Verbände Deutscher kaufmännischer Ge­nossenschaften Zusammenschlossen. Der Edeka-Verband blickt somit im iiethre 1932 auf ein 25jähriges Bestehen zurück. Er feiert dieses Bestehen in Ber­lin in den Tagen vom 21.-23. Okt. durch festliche Veranstaltungen. Der Verband entfaltete frühzeitig eine rege Grun- dungstätigkeit und brachte es nach einem noch höheren Stande in der Inflations­zeit auf gegenwärtig rund 430 Genossen­schaften, in denen etwa 28 000 Emzelmil- glieder mit ungefähr 30 000 Geschäften ttt mehr als 5600 Orten des Deutschen Rei- chrs vereinigt sind .

Den Oberbau bilden dre Edekazentral- organisationen. und zwar der Edeka- Verband deutscher kaufmännischer Ge­nossenschaften e. V. mit der Edeka- Verla g s g e s e l l s ch af t m. b £»-, deren alleiniger Gesellschafter er ist, fer­ner die Edekazentrale, e. G. m. b. H. und die Edekabank, e. G. m. b. H. Der erste Verbandsdirektor Fritz Bormann gehört sämtlichen Vorständen an und fuhrt m ihnen den Vorsitz. Die 28 000 Edeka- Kaufleute, d.h. die Einzelmitglieder der örtlichen Genossenschaften, sind selbstän­dige Kaufleute des Kolonialwaren- Feinkost- und Lebensmitteleinzelhandels, deren Zugehörigkeit zur Genossenschaft an ihrer Stellung als selbständige Unter­nehmer höchstens insofern etwas ändert, als diese selbständige Stellung noch ge­festigt wird. Die rund 430 örtlichen Edeßa-Genossenfchaften sind selbständige kaufmännische Genossenschaftsbetriebe.

Die Aufgaben des Edeka-Ver­band es bestehen, außer in der gesetz­lichen Revision, in der Beratung und der Vertretung der Interesien der Edeka Genossenschaften und der Edeka-Kauf- leute. Angeschlossen ist dem Verband dieSpar- und Arbeitsgemein­schaft der Iungkaufleute des deutschen Kolonialwaren- und Feinkost-Einzelhan­dels e. V. (Sparet)". Die Gemeinschaft wurde erst im Juli 1930 gegründet und zählt schon mehr als 3000 Gehilfen, Lehr­linge und fördernde Mitglieder ttt etwa 80 Ortsgruppen. , ,± _

Die wie der Edeka-Verband fett dem Jahre 1907 bestehende Edekazen­trale dient der Zentralisation des ge­meinschaftlichen Einkaufs und der Wahr­nehmung der geschäftlichen Interessen der Genossenschaften. Sie führt die Ver­handlungen mit der Industrie für die Gleichberechtigung der Edeka-Genossen­schaften bei der Belieferung mit Mar­kenartikeln und f*r di- "'----wk-it-

lichung des Warenverkehrs der Genos­senschaften mit den Lieferfirmen. Die Edekazentrale hat bisher etwa 50 Eigen­marken guter, gleichmäßiger Qualität, sogennnte Edeka-Artikel, herausgebracht, die nur in den Edeka-Geschäften verkauft werden dürfen. Sie unterhält zur mög­lichst zweckmäßigen Durchführung des zentralisierten Einkaufes, besonders auch des zentralen Imports von Uebersee- waren, eine Importstelle in Hamburg) und 12 Zweigstellen (in Breslau, Chem­nitz, Dortmund, Erfurt, Frankfurt a. M.,

Hamburg, Hannover, Köln, Königsberg i. Pr., München, Stettin und Stuttgart). Von dem Umsatz aller Edeka-Genossen­schaften, der im Jahre 1931 267 Mill.

betrug, erfaßte die Edekazentrale 145 Mill. 3UL Die Kapitaldividende und die Warenrückvergütung der Zentrale belie­fen sich im Jahre 1931 auf zusammen 0,4 Mill. 9U(.

Die Ereignisse der ersten Kriegsmonate des Jahres 1914 veranlaßten die Ver­bandsverwaltung, die Genossenschaften zu einer Versammlung zusammenzu­

gfetiiöiMiget Arbeitsdienst!

Von Stadtförfter Svietz-Maiburg

Heber diesen Begriff herrscht hauptsäch­lich im den Kreisen der jungen ArbettswMl- gen noch Unklarheit. Zur Aufklärung sei daher folgendes gesagt:

Der Freiwillige Arbertsdienst hat den Zweck, neben der im Vordergrund stehenden Idee, der Arbeit den ihr gebührenden sitt­lichen Wert zurückzuobern, das Ziel, dem Le­den des arbeitslosen jungen Menschen wieder Inhalt zu geben, ihn von dem niederdrücken­den Gefühl, er sei überflüssig, zu befreien. Der junge Mensch, der sich gegen den er­zwungenen Mütziggang auflehnt, soll hrer durch Arbeit zur Ordnung, zum Pfluht- bewutztsein und zur Idee der Volksgemem- schaft und Kameradschaft erzogen werden. Durch neben der Arbeit hergehende regel- mährge körperliche und geistige Schulung soll er zu einem wertvollen Glied der Volksge­meinschaft gemacht werden. Nur wer die vorstehenden Zille anertennt, melde sich für den Freiwilligen Arbeitsdienst. Wer dagegen glaubt, es handele sich beim Freiwilligen Ar­beitsdienst um eine Art Unterstützung, für die eine Anzahl Stunden gearbeitet werden müsse, hat den Zweck der Einrichtung nicht begriffen und lasse sich bet den maßgebenden Stellen (Arbeits- oder Wohlfahrtsamt) erst aufklären. ,

Bei dem Freiwilligen Arbeitsdienst unter­scheiden wir zur Zeft noch zwei Arten von Lagern. 1. Das gefchlo ssen e Arbeitslager: hier werden die Arberts- dienstwLligen in einem gemeinsamen Raume während der Dauer der Arbeft untergebracht und erhalten volle Beköstigung, anherdem em sog. Taschengeld. In diesem Lager scheiden also die Arbeitsdienstwilligen aus der elter­lichen Familie auf zwanzig Wochen aus, die Eltern sind der Sorge der Unterhaltung ihres Sohnes eine Zeitlang enthoben. Ganz von selbst bildet sich hier das Eememschafts- leben bet den jungen Leuten aus. Der Tag beginnt mit Gymnastik, nach gemeinsamem Kaffee erfolgt geschlossener Marsch zur Ar- beitsstelle, am Mtttag geschlossener Ruck- marsch zur Essenausgabe, uach der Mittags­pause Ausmarsch zur Arbeitsstelle. Der Nachmittag und Abend wftd zur Erledigung häuslicher Arbeiten, Instandhaltung des An­zuges und der Arbettsgeräte benutzt, oder durch Sport und Spiel ausgefüllt. Bet schlechtem Wetter treten an Stelle der Ar­beit körperliche und geistige Schulung.^ Zu bestimmter Stunde werden die Schlafstellen aufgesucht, ebenso erfolgt am Morgen rege»- mätziges Wecken. In den meisten Fallen wird in diesem Lager der Träger des Dien­stes, ein jugendpflege- oder sporttreibender Verband oder Verein fein, der über einen eigenen Stamm Arbeitsdienstwilliger verfügt, unter den er die übrigen Arbeitsdienstwilligen verteilt. Gestützt auf diesen Stamm, wird der Führer leichte Arbeft haben und bald an allen Freude erleben. Durch sparsame Wirt­schaft und Zuwendungen von brrtter Sette wftd er es ermöglichen, den zu Betteuenden Erleichterungen z. B. bet Beschaffung von Bekleidung usw. zu verschaffen. ,

Anders liegen die Verhältnisse m dem 2. I sog. offenen Lager, wie wir sie zur | Zeft hier in Marburg haben. In den

ersten Wochen der Beschäftigung habe ich den Dienst wie folgt durchgeführt und auch einen gewissen Erfolg erzielt. Beginn des Dienstes durch Antreten an meiner Wohnung, Der, lesen, Nachsehen des Anzuges, Abmarsch zur Arbeitsstelle. Arbeftszett von 7.30 bts l Uhr mit je V» Stunde Frühstücks- und Mtt- tagspauje, anschlietzend Vs bis 1 Stunde Sport, dann Arbeit bis 3 Uhr, Rückmarsch und Ausiösung. Nun fehlte eben das, was das geschlossene Lager in bezug auf Erziehung zur Volksgemeinschaft dem jungen Manne ganz von selbst bietet. Von 3.30 Uhr an ist der Arbeitsdienstwillige wieder auf sich allein angewiesen und allzuleicht Einfiüste- rungen böser Zungen preisgegeben, denen die junge Seele nur zu gerne folgt. Nach neue­ren Bestimmungen mutz nun eine andere Ein­teilung des Dienstes eintreten, etwa m der Weise, dah die eigentliche Arbeftszett .an vier Tagen in der Woche verlängert wird, die Arbeit Mittwochs und Sonnabends nach- mfttag ausfällt, und diese Nachmittage zu körperlicher und geistiger Schulung der Ar- beftsdienstwilligen benutzt wird. Trotz dieser an und für sich zu begrüßenden Regelung werden sich noch mancherlei Schwkengketten einstellen, deren Lösung unter den W»en Verhältnissen nicht möglich erscheint, z. B. sollen nach den Bestimmungen des Herrn Reichskommissars für den FreiwK^en Ar- beftsdienst am Tage bis zu 10 Stunden $u- sammengehalten werden: dies Ht hier in Marburg schon nicht gut durchzuführen, weil ein Teil der ArbeftsdienstwRigen in Weiden« Hausen, ein anderer am Krekel, am. Mar- bacher Weg, in der Kimtzbach und m der Oberstadt wohnt, ferner weil jeder emzekne, wenn er nach Hause kommt, noch irgend­welche häusliche Arbeft zu verr-chten hat. Bei den meisten unserer Arbettsdrenstwilllgen dürste wohl bei der Meldung zum Fre^ willigen Arbeitsdienst der berechtigte Wunsch der Eltern, durch den wenn auch bescheidenen Verdienst eine wirtschaftliche Unterstützung 3U haben, der Vater des Gedankens gerne- sein sein. Die nächste Sorge dürste fein, einen oder mehrere heizbare Räume zu fm- den, in denen an regnerischen Tagen den Ar- beitsdienstwilllgen Vorträge über Fragen des täglichen Lebens gehalten werden könnten. Es werden sich m Marburg gewitz Manner finden, die solche Vorttäge im Interesse der Jugend und im allgemeinen Interesse gern ehrenhalber übernehmen, gift es doch, eure überparteiliche notgebotene Volksgememchast zum Wohle unseres Vaterlandes zu bilden.

Zu erwägen bleibt noch, ob nach den (Er­fahrungen nicht em Unterschied im Dienst­betrieb zwischen offenen und geschlossenen Ar­beitslagern zu machen wäre, die sich den ie- weüigen Ottsverhältnissen anpafien, mid m diesem Sinne höheren Orts vorsteikig z« werden.

Zirm Schlutz möchte ich noch bemerken, datz sich in den ersten Wochen wohl bet allen Arbeitsdienstwilligen eine gewisse Dienstften- digkeft herausgebildet hatte, die wohl am besten an dem frischen Gesang von Marsch­liedern beim Ein- und Ausmarsch Zu erken­nen war.

(Eine ganz besondere Freude wurde unserem verehrten alten Obermufikmeister Otto Schonert zuteil, der vor wenigen Tagen seinen 78. Geburtstag feiern konnte. Herr Schobert hat bekanntlich aus dem hiesigen Staatsarchiv elf Alth e s s i s ch e Armeemärsche veröffentlicht. Zunächst hat er sie für die früher von ihm geleitete Ka­pelle des hiesigen Jägerbataillons gesetzt, K" eiche andere Armee-Musiken haben

die Märsche übernommen, und da immer wieder Nachftage nach diesen Mar­schen bestand, die späterhin auf ver­schiedene preußische Regimenter uver- grrraen wie die 13er Husaren, das 80. Fus.- Regiment, das 83. Jnf.-Regt. u. m, hat Herr Schmiert sich entschloßen, die Marsche auch für Klaviersatz zu bearbeiten. Be­kanntlich ist die Klavrerausgabe vor kur­zem ht der N. E. Elwerfschen Verlags­buchhandlung zum Preis von JC 1,50 her- ausgekommen. Ein Exemplar dieser Märsche ist auch an Kaiser Wilhelm IL nach Doorn gesandt worden, der sich s. Zt. ebenfalls sehr für diese althessischen Armee­märsche interessierte. Daraufhin ging vor wenigen Tagen bei Herrn Schonert durch bas, Hwfmarschall-Amt folgendes Schreiben eint

Seine Majestät der Kaiser und König lassen Ihnen mit Seinem Dank für bte allerhöchst Ihm freundlichst dargebrachteit 11 Alt-Hessischen Armeemärsche" das an­liegende Bild mit Namenszug über­mitteln. Seine Majestät haben Sich über die ht Ihrem Schreiben zum Ausdruck ge­brachte treue vaterländische Gesinnung aufrichtig gefreut. Im allerhöchsten Auf­trage ' gez.: Graf von Schwerin.

Die Kapelle des hiesigen Ausbildungs» Bataillons wird die Märsche ht nächster Zeft öfter auf ihr Programm setzen.

rufen, die die Gründung einer eigenen Bank beschloß. Heute unterhält die Edeka-Bank die Zentralgenossen- schaftsbank der Edeka-Genossenschaften, neben der Berliner Hauptgeschäftsstelle 15 Filialen (in Bremen, Breslau, Chem­nitz, Dortmund, Erfurt, Frankfurt a. M.. Hamburg, Hannover, Kiel, Köln, Königs­berg i. Pr., Leipzig, München, Nürnberg und Stettin). Ihre Aufgaben bestehen in der Finanzierung des genosfenfchaft- lichen Warengeschäfts der Edekazentrale und der örtlichen Genossenschaften zum Zwecke der Barzahlung. Ihre Gesamt- garantiesumme beträgt mehr als 6 Mill.

Die Spareinlagen beliefen sich Ende 1931 auf 14,9 Mill. 9U(. Der Umsatz auf einer Seite des Hauptbuches betrug (i. I. 1931) 986,7 Mill. 5RX Für das Jahr 1931 wurde nach reichlichen Rückstellun­gen für die Reserven eine Dividende von 5 Prozent verteilt.

Ueber allen diesen Feststellungen der wirtschaftlichen, übrigens noch ganz wesentlich fteigerungs'ötjigen Kraft per Bewegung darf ihr soziales Ziel nicht vergessen werden: Auf dem otganTfaton» scheu Wege der Vergenossenschaftung rmb dadurch der Steigerung der wirtschaft­lichen Leistungsfähigkeit ihrer ^einzelnen Glieder die mittelständische Eigenwirt­schaft im Lebensmittel-Einzelhandel zu erhalten und zu fördern und auf diese Weise an der für die Volksgemeinschaft lebenswichtigen Aufgabe bet Erhaltung: der im selbständigen Mittelstände ver­körperten Kräfte zu ihrem Teil mftzu- wirken. ~

Die Edeka-Verlagsgesellfchast ym> an­läßlich des 25 jährigen Bestehens der Edeka-Zenaftalorganifatione'n eure Iw- biläums-Festschrif t herausge­geben, die in geschmackvoller und gebo­gener Aufmachung Entwicklungsgeschichte unb Aufbau der Edeka-Bewegung schil­dert.

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