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Sette 6

jberbeffifdic Zeitung. Marburg a. L., Dienstag, den 18. Oktober 195s

Nr. 245

Aus der Umgegend

Kreis Mardura

Schlußprüfung der MädchnNasse.

Kirchhain, 18. £>tt. Am Tonnerstaj fand im Saale des yoiels Vlosebach die Schiutzprüfung der Mädchenklasse statt. Land­wirtschaftsrar Winker brachte bet der Er­öffnungsansprache zum Ausdruck, daß zwei Tinge der Veranstaltung eine besondere Note verleihen, einmal die Tatsache, dah es die erste Feier der Schule sei, die im ftreijt Marburg itattjinbet und bei der Frau Land­rat Schwebei als Vertretung für den, neuen Herrn Vorsitzenden des Ortskuratoriums der Landwirtschaftsschuie teilnimmt. Zum an­deren T": r die Schule em kleines Jubi­läum nämlil) das 5jährige Bestehen der VjtaMjCu.iUüe. Die Mädchenklane Hai unter der Unterrichtsleitung der drei Lehrerinnen für Haushaitungskunde, Frl. Donath, jetzt Frau Lehrer Lefah - Erohseelheim, Frl. Schmidt und der jetzigen Lehrerin, Frl. Kühne, in Hauptkursen 116 Schülerinnen für ihren Beruf als Landfrau ausgebildet und in den kürzeren Wanderkursen in Neustadt. Erohseelheim, Niederklein und Halsdorf 63 Schülerinnen. Der durchschnittliche Besuch der Hauptkurse lag zwischen 14 und 15 Schü­lerinnen pro Kursus. Nach der Vorstellung der neun Schülerinnen des Sommerlehrgangs begann die Prüfung durch Frl. Kühne. Die Schülerinnen gaben zusammenhängende Ant­worten über Fragen zweckmähiger Küchen­anlagen. Reinigungsarbeiten, Einmachen, Nah­rungsmittellehre, Krankenpflege und andere Gebiete. Herr Landwittschaftslehrer Becker prüfte sodann aus dem Gebiete der Fütte­rungslehre und erhielt klare Antworten selbst auf schwierigere Fragen über Handels- und Wittschaftsfuttermtttel. Nach der Prüfung war noch gemütliches Beisammensein bei Kaf­fee und Kuchen. Hierbei sprachen noch Herr Bürgermeister Metzler im Namen des Ku­ratoriums und gab seiner Befriedigung über die Leistung der Schülerinnen Ausdruck. Na­mens der Kreisbauernschatt dankte Herr N ö- m e r - Schweinsberz den Lehrerinnen für die erfolgreiche Arbeit mit den Schülerinnen. Frau Landrat Schwebe! begrüßte in herz­lichen Motten die Landbevölkerung des ehe­maligen Kreisgebitts Kirchhain und sprach in eingehender Weise von der Bedeutung der Landfrauenarbeit, wie sie bereits seit 5 Jah­ren im alten Kreis Marburg gehandhabt wird. Ihre Ausführungen wurden mit gro­bem Beifall von den Anwesenden ausgenom­men. Zuletzt kam die derzeitige Probeleh­rerin, Frl. Albrecht, mit Darbietungen, die sie mit den Schülerinnen eingeübt hatte. Groben Beifall fand insbesondere ein Mür- chenspiel und zuletzt das von den beiden Leh­rerinnen vorgefühtte KaspettspiekKauft deutsche Waren!"

r. Rauschenberg, 17.Okt. Der Turn­verein hat in seiner letzten Versammlung beschlossen, am 13. November einen turne­rischen Werbeabend zu veranstalten. Am darauffolgenden Sonntag will die Santtäts- kolonne eine Werbeveranstaltung für die Sache des Roten Kreuzes durchführen.

Aus dem Obrniai

-o- All s dem Ohmtal, 18. Okt. Durch das anhaltende Regenwetter der letzten Tage sind alle Flüsse und Gräben bordvoll. Teilweise sind Ausuferungen eingetreten. Die Dränagearbeiten in der Gemarkung (Erfurt5«

Hausen sind durch das ungünstige Wetter sehr behindert. Auch die Feldbestellung hat unter dem nassen Wetter sehr zu le'den. Teil­weise muh auch noch die Runkelernte einge- bracht werden. Ein paar trockene Tage wünscht sich der Landwirt noch sehnlichste

Kreis Aegenbain

Die Schwalmregulierung.

a Ziegenhain, 15. Okt. Seit dem vori­gen Jahre schon sind die Arbeiten des Schwalm­regulierung im Gange, die meist als Not­standsarbeiten mit Hilfe von Mitteln der Reichsanstalt ausgeführt werden. Die bisher fertig gestellten Teile des oberen Schwalmtals lasten erkennen, dah nicht nur fruchtbares Wiesengelände geschaffen wurde, sondern dast die Bewohner der Schwalmdörfer bester als

Kesfen-Rassau un

Das Lullusfest in Hersfeld.

Hersfeld, 17. Okt. Das traditio­nelle Lullusfest hat heute Montag seinen Anfang genommen. Um 12 Uhr wurde das Lollsfeuer angezündet, nachdem vor­her eine Wechselrede zwischen Feuermeister und Bürgermeister stattgefunden hatte, die durch Lautsprecher übertragen wurde. Es folgte dann der feierliche Festzuq nach der Stiftsruine, wo ein kurzer Festakt stattfand, bei dem Pfarrer Freudenstein die Festrede hielt unter den Klängen der über 1000jährigen Lullusglocke, der älte­sten Glocke Deutschlands. Der Festzug bewegte sich im Anschluß an die kirchliche Feier nach dem Lullusdenkmal, wo der Feuermeister eine Ansprache hielt. Im Anschluß daran setzte das Volksbelusti­gungstreiben auf dem Marktplatz ein. Weitere Hauptfefttage sind Mittwoch, Sonnabend und Sonntag. Während der Lullusfestwoche finden auch mehrere grö­ßere Veranstaltungen von Vereinen, Ver­bänden, Korporationen usw. statt.

Eedenkbrunnen für einen Frankfurter Chirurgen.

Frankfurt a. M., 16. Okt. Heute morgen 11 Uhr fand auf dem Oppenhei­mer Platz im Stadtteil Sachsenhausen unter zahlreicher Beteiligung die Ent­hüllung eines Eedenkbrunnens statt, der dem Gedächtnis des vor 24 Jahren ver­storbenen Geheimrats Dr. Bockenhei­mer gewidmet ist. Geheimrat Bocken­heimer war einer der bedeutendsten Frankfurter Chirurgen. In seiner Klinik wurden während des 40jährigen Bestehens 135 000 Fälle behandelt und über 20 000 Operationen vorgenommen.

Die Deutsche Kolonialgesellschaft kommt nach Frankfurt.

Frankfurt a. M., 17. Okt. Die Deutsche Kolonialgesellschaft, die in Ber­lin die Feier ihres fünfzigjährigen Be­stehens beging, sandte an Oberbürger­meister Dr. Landmann folgendes Tele­

bisher gegen Hochwaster geschützt sind. Gegen­wärtig werden unter Aufsicht des Kreisbau­amts die Regulierungsarbeiten bei Zella und Ziegenhain ausgeführt. An den verschiedenen Baustellen werden übet 100 Arbeiter beschäf­tigt. denen auf diese Weise bis in den Winter hinein Verdienstmöglichkeit gesichert ist.

= Dittershausen, 16. Okt. Bei der Witwe Wiegand drangen nachts Diebe ein und entwendeten drei Säcke mit Gänsefedern. Fleisch und Wurstwaren, sowie einige Laibe Brot. Bei dem Landwirt Schmidt wurden ge­füllte Einweckgläser gestohlen. Die Polizei ist den Tätern auf der Spur.

Immichenhain, 16. Okt. Als Nach­folger des versetzten Lehrers Grote wurde Lehrer Kahn aus Hattendorf durch Schulrat Dowie in sein Amt eingeführt.

> Nachharsedieie

gramm:Zu ihrer Fünfzig-Jahr-Feier ge­denkt die Deutsche Kolonialgesellschaft herzlichst ihrer Gründungsstadt Frankfurt a. M. und ihres früheren Oberbürger­meisters Dr. Miquel, des Mitbegründers unserer Gesellschaft. Sie hat lebhaft be­dauert. daß sie die Jubelfeier nicht in Frankfurt a. M. abhalten konnte. Ein­stimmig hat jedoch die Hauptversammlung beschlossen, die nächste Tagung in Frank­furt a. M. abzuhalten."

Ereiner-Ausstellung in Darmstadt.

Darmstadt, 17. Okt. Dem Vorsitzen­den des Gaues Hessen des Reichsverban­des bildender Künstler, Kunstmaler Dr. Greiner, wurden heute anläßlich seines 60. Geburtstages besondere Ehrungen zu teil. In den Räumen des ehemaligen Eewerbemuseums wurde eine Ausstellung des Eesamtwerkes des Künstlers eröffnet, wobei der zweite Vorsitzende Dr. Rill herzliche Worte für den Jubilar fand.

In der Küche tot aufgefunden.

Wiesbaden, 16. Okt. Der 60jäh- rige Kaufmann Triboulet wurde heute abend von seinem heimkehrenden Töchtern tot in der Küche aufgefunden. Es liegt ein Unglücksfall vor. Triboulet wollte sich Kaffee wärmen. Bei dem Warten muß er wahrscheinlich eingeschlafen sein und das überkochende Getränk löschte die Flamme. Das Gas strömte aus und tötete den Schlafenden.

Verzögerung des Universitäts-Neubaues Heidelberg.

Heidelberg, 17. Okt. Beim Neu­bau der Universität, deren restlicher Bau im Frühjahr begonnen wurde und bis zum Herbst wenigstens unter Dach sein sollte, haben sich durch die Erundwasier- verhältnisie derartige Schwierigkeiten für die Fundamentierung ergeben, daß die Fertigstellung sich um einige Monate ver­schieben wird. Es mußten große Beton- masien und unerwartet starke Stützen eingebaut werden.

(Nachdruck verboten!)

Skt Süngling im Skwtofkn

Roman von Heinz Steguweit.

64. Fortsetzung.

Dann marschierte die Hundertschaft weiter, sie würde in Trechtinghausen denselben Hokuspokus wiederholen. Doch war der Zug kaum mit dem Schwanz aus dem Dorf, als die Winzer aus den Häusern stürzten und schneller, als die französischen Schutztruppen sich besinnen konnten, in denGoldenen Anker" drangen, um den Vorsteher und seine Sippe auf die Straße zu zerren. Die Gekaperten brüllten Zeter und Mor- dio, man ließ sie schreien, und die viel­fältigen Knüppel, Schläuche oder Aexte in den Fäusten meiner Nachbarn offen­barten, daß das Signal zum großen Sturm gekommen sei. Ich zögerte nicht, den eisernen Stocher zu holen, um den Bundesgenossen zu helfen, obzwar ich eine törichte Eifersucht in mir nieder­kämpfte: Warum wußte jeder von dem Handstreich, nur Manes Himmerod nicht?

Aus zwanzig Winzern wurden fünfzig wurden hundert. Die Rheinfranken wa­ren in der Minderheit, darum jagten wir sie nur wie gackerndes Geflügel vor uns her, durch das Dorf, aus dem Dorf, im­mer weiter über die Landstraße. Fritz Billen schwang, da er Landarbeiter war, eine Mistgabel mit blanken Zinken. Wir wußten, daß in Mostheim die Sonder­bundherrschaft nunmehr zu Ende war, doch warteten in den Dörfern nord­wärts abermals fpvungbereite Bauern Arbeiter und Bürger, um unfern Haufen mit ihren KolorMen zu vermehren. Zwar rollten wir nur die Stellungen des lin­ken Ufers auf, aber wir erfuhren unter­wegs, daß man auch im Hintergrund, zu­mal in Trier und Aachen, mit der gro­ßen Wäsche begonnen habe

Und die Armee unsrer Notwehr nahm eine Vollkommenheit an, wie sie keiner zu erträumen gewagt hatte: Flmke Rad­fahrer und Meldereiter setzten sich an die Spitze, in der Nachhut rollten Plan­karren, auch schickten die Krankenhäu­ser ihre Sanitätswagen für die Verwun- beten von Freund wie Feind im Rücken nach. Aerzte und Rotekreuzkolonnen fegten mit Automobilen daher, wir be­durften ihrer Hilfe bereits hinter Bacha- rach, wo uns eine Gewehrsalve aus den Triften um Ruine Schönburg bestreute. Einer der Unfern fiel. Tot. Brustfchuß. Zwei stöhnten mit Kugeln in der Wade am Rand der Straße. Der Tote lebte ht uns weiter. Die Lawine polterte dem Norden zu. Es gab keine Krampfadern und keine Herzklappenfehler mehr. Das lief, rannte, quirlte, wälzte sich, als fei ein Wurm in die Ameisen gefallen. Wir trieben das landfremde Geschmeiß wie eine bellende Meute vor uns her. Sie warfen ihre Flinten fort, ihre Handgra­naten, Messer und Pistolen. Unsre Nach­hut las das Zeug wie faules Fallobst auf, um es dem Rhein in den Rachen zu schleudern. Wo sich die Katilinas zum Gefecht stellten, dort wurden sie über­rannt, butterweich geknetet und wieder liegengelassen. Sie hatten bann genug, junkerten in big Büsche unb schrien nach Mutter Marianne.

Meine Sorge: Ich hatte Maria allein gelassen! Sie wußte nicht, wohin ich ge­laufen war. Wußte nicht, wann unb ob wir wieberkamen ...

Ich verstopfte bie Ohren meines Ge­wissens, blieb im Schwarm unb hörte bas Jauchzen ber Geeinten.

Neuer Zuzug kam in wunderbarer Vielfalt: Aus Henschhausen unb Lang­scheid, aus Urbar, Sankt Goar unb Wer­lau, aus Holzselh, Hirzenach unb Rhein- b" Das kugelte bie Berge herunter.

bas lanbete mit Booten, Jollen unb Kähnen; Bauern ließen ihre Joche stehen, Arbeiter quollen aus Fabriken, Schiffer kletterten über Stege, muffige Bürokra­ten rutfchten vorn Thron ihrer Schraub- stühle, Lehrer stolperten vorn Katheber.

Weiter, immer weiter. Der Krater war geöffnet, feine Lava strömte aus. Sieben Sonberbünblerfatjnen würben schon verbrannt, Glocken läuteten wie zu Bunbschühs Zeiten, große unb kleine Dampfer rissen bie Ventile ihrer Nebel­hörner auf. Die Sonne bes Nachmit­tags strich lauwarm burch bie Täler, bie Menschen waren selber zur Hochflut ge­worben, unb wo sich Dämme in ben Weg stellten, wo Barrikaben unb Bollwerke bie Uferstraßen versperrten, gabs nur ein Fegen unb Ueberschwemmen . . .

Die Frischen rückten, wie es bie Wild- gänfe im Keilflug bes Herbstes tun, lär­mend an bie Spitze, bie Ermüdeten mar­schierten mit hängenden Zungen hinter­drein, um bald wieder an die Töte darmöe zu wechseln. Doch bie Hast ber Ueberrumpelung minberte sich nicht, wir hatten Verluste, bie Nachhut sammelte bie Blutenben auf unb fuhr sie in bie nächsten Spitäler. Es konnte jeden tref­fen, unb jebent war es gleichgültig, ob es ihn traf. Der Rhein floß ja mit uns unb neben uns in gleicher Richtung, ber Rhein brohte ben Wankenden, ber Rhein scheuchte alle Zögernben auf. Das schwere Lieb bes Rauschens würbe vom Blute ausgenommen. Das ewige Drän­gen zum Meere feierte Wieberkehr in unfern Abern. Das war es ja, was uns von ben Wesenlosen unterschieb: Daß uns bie heilige Wut entzünbete, während ihnen bie blinde Enge des Jähzorns in ben Hirnen saß.

Franzosen säumten ben Weg mit offe­nen Mündern, wir sahen sie nicht und wußten nur, baß wir ihre Seelen ebenso überrumpelten wie ihre dreimal ber*.

Kreiß Wittaenllein

b Laasphe, 17. Ott. Im heutigen Vor­mittagsgottesdienst nahm Pfarrer H e y n e n Abschied von seiner Gemeinde und bat sie, sein begonnenes Werk die Gründung des Kir­chen- und Posaunenchors in seinem sinne weiter zu pflegen. Der Kirchenchar, der zu Eingang mit dem LiedGroßer Gott, wir lo­ben dich" die Feier eröffnete, gab in seinem SchlußliedLebet wohl" Pfarrer Heynen das Geleit. Pfarrer Bauer dankte im Namen der Gemeinde für die segensreiche Arbeit des Scheidenden.

Aus dem StNkreiS

Dillenburg, 18. Okt. Die Dienst- stunden in den Büros der Dillenburger landrätlichen und der Kreiskommunalverwal­tung sind für das Winterhalbjahr und zwar vom 17. Oktober d. I. ab wie folgt festgesetzt worden: Montag bis einschl. Freitag: von 8.15 bis 12.45 Uhr und von 14 bis 18.15 Uhr, Sonnabend: von 8.15 bis 12.30 Uhr. Die Sprechstunden für das Publikum sind wie bis­her Dienstag, Donnerstag und Freitag vor­mittags.

Mtlteiiungkn ans dem Werkrelle

Bitte für unsere Kinderschule in der Schul- sttahe.

Es gibt reichlich Kartoffeln und Gemüse und Korn dies Jahr! Ich glaube, da brauche ich garnicht erst viel Worte zu machen; unsere lieben Freunde in der Stadt und auf dem Lande wißen schon, worauf ich hinauswill. Sie wissen, daß wir etwa 60 hungrige Kinderchen den ganzen Winter durch satt machen müssen und daß wir allein das nicht können und auf freundliche Helfer angewiesen sind. Aepfel und Birnen gibts ja wohl nicht dies Jahr, da muß man sich schon helfen. Dafür machen wir uns an­dere kleine Freuden. Heute hatte ich ganz viele kleine Fähnchen aus einem Zigarren- laden bekommen, war das ein Jubel, als ich damit in die Kinderschule kam! Sie waren schnell verteilt, dann wurde marschiert und die Fahne geschwenkt und ein flottes Marschlied dazu gesungen. Das neue Herbstlied saß noch nicht so ganz fest in den kleinen Köpfen es waren ja bis gestern Ferien, da haben wir uns aufAlle Vögel sind schon da" geeinigt, das ging prachtvoll! Fritzchen wollte nachher noch gerne eine zweite Fahne aus dem Vorrat, fürs Brüderchen daheim, und auf einmal hatten die Kinder fast alle Brüderchen oder kleine Schwesterchen zu Haufe, von denen mancherlei zu berichten war; aber eine zweite Fahne brauchten, sie alle.--Jetzt sind ja

wieder die langen Wochen, wo man sich immer nur im Zimmer beschäftigen kann; unsere Bilderbücher sind leider recht knapp ge­worden; gewiß findet sich hier und da Ersatz für sie. Und bunte Wollreste hätten wir gern, um Bälle zu häkeln für die Kleinen, und leere Zigarrenkästen zum basteln für die Jungens! Die vielen Marmeladen- eimerchen, die im Sommer kamen, waren Herr, lieh; sie halten ja leider nureine Saison". Viel herzlichen Dank dafür allen freundlichen Spendern; und laßt mich auch heute nicht um­sonst gebeten haben. Helft uns auch diesmal mit, die leeren Vorratskammern füllen, damit wir ohne allzu große Sorgen dem Winter ent- gegensehen können. M. Jensen.

Verlag Dr. E. Hitzerolh. Hauptschriftletter und oerantwottlich für Po» Ittik und Feuilleton: Dr. Ernst Scheller; für Kommunalpolitik, Provinz und Lokales: Lothar Schneider, sämtlich in Marburg.

fluchten Handlanger. Bei Salzig spreng­ten wir einen Braue^eikeller auf, in bem viele Gefangene Aheinsraicken sa­ßen. Die Befreiten, so bärtig unb ver­hungert sie waren, schlossen sich an, bas Katz* unb Mausspielen duldete keine Pausen, es waren s chon taufenb unb breitaufenb Menschen geworben, bie mit uns von Dorf zu Dorf unb von Flecken zu Flecken zogen, um alle Nester aus­zuspulen. Dreitausend! Wieviel konn­ten bie schon, wenn sie alle eines Wil­lens waren! Aus unf rrn Strom war ein kalbenber Gletscher geworben, ber kei­nen Wiberstanb bulbete unb seinen na­türlichen Weg durch alle Hindernisse bohrte. Wo bas Haus eines rheinfrän­kischen Bürgermeisters ftanb, wo bie Fremblinge in Sanbämtern, Bahnhöfen, ©enbarmeriebuben unb Regierungs­filialen anbrer Art horsteten, stoben sie wie flattembe Krähen auf, ließen Akten, Munitionskisten unb anbem Plunder zurück, für den wir zuweilen gute Ver­wendung hatten: Die Kaffen voll Fran­kengeld wurden auf Plankarren gesam­melt, vielleicht hatte morgen schon eine Witwe der Unfern Bedarf. Die Futter­pakete wurden im Laufen verteilt, denn Schlackwürste, Weizenbrote undBüchsen- spargel hatten wir nicht mehr genießen dürfen hn Elend der letzten Monate.

Zünftige Waffen trugen wir als An­wälte ber gerechten Notwehr: Zerschnit­tene Fahrradschläuche, Sensen, Pumpen­schwengel, Stuhlbeine, Schifferstaken, Stricke, Taschenmeffer, Forken, Peit­schen, Koppelriemen mit Schloß, Huf­eisen als Schlagringe, Weinpullen als Keulen . . .

Aus ber Explosion war ein Brand ge­worden. Selbstentzündung. Den Scha­den deckte die Zukunft als heilige Der- cherung.

(Fvrtsetzung folgt) ,