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Sette 4

vderheMGe Zettmtg, Mardurg «. L, Shmtag, tat 17. vnvver 1932

Nr. 244

SubNIumKonzm »es Münncrchers Äereettln

VbemWeÄ 3r. oon Sollen übernimmt lei: IienstMWe

Wetterbeobachtungen am 16.17. Okt.

Höchste Temveratiir am 16.0ftober 8.2 Celsius

Niedrialte Temveratur letite Nacht 7,0(£elfius

SBte wir erfahren, wurde nach dem Konzert °uf einstimmigen Beschluß Kammersänger Fritz Windgassen zum Ehrenmitglied des Ver­eins ernannt.

Verlag Dr. C. Hitzeroth. Hauptschriftleiter und verantwortlich für Po­litik und Feuilleton: Dr. Ernst Scheller; für Kommunalpolitik, Provinz und Lokales: Lothar Schneider, sämtlich in Marburg.

Am Sonntag mittag fand in der Friedhofs- tapelle eine Gedächtnisfeier für die ver­storbenen Mitglieder statt, die oon dem Thor mit dem LiedeSanctus von Schubert ein« geleitet wurde. Pfarrer Ritter gedachte in seiner Rede der Toten und betont« ferner in einer sehr feinen Weise den ethischen Wert des Singens. Seitens des Vorsitzenden. Herrn Wildhack, wurde ein Kranz niedergelegt. Mit dem Gesang des LiedesStumm schläft der Sänger" fand die einrucksoolle Feier ihr End«, ihr Ende.

PHOTO-BÖHLER - BRILLEN-BÖHLER

Wettergasse 30 Bahnhofstr, 9

Marburg/Lahn

Fernruf 2248.

Wetterbericht.

Aussichten für Dienstag: Bei westlicher Luftzufuhr trotz zeitweiliger Aufheiterung immer noch Fortdauer der unbeständigen Witterung.

faser absolut mottensicher und jede Haus, frau, die Nomottawolle benutzt, braucht Motten und Mottenfraß nicht mehr z» fürchten. Der Eintritt tft frei, die Aus­stellung endet Dienstag abend 7 Uhr.

Ae Neugliederung der Landkreise roiltig abgeschlossen

Sn einer Kleinen Anfrage der deutsch« nationalen Landtagsfraktion war das Staatsministerinm gefragt worden, ob e, bereit sei, die Aufteilung de, Kreise» Biedenkopf rückgängig zu machen, wie dies von der Bevölke, rong gewünscht werde. Daraufhin hat der Reichskommissar Dr. Bracht geant. wartet, daß die Neugliederung der Land, kreise mit der die Verordnung vom 1. August 1932 ergänzenden Verordnung vom 27. September 1932 endgültig abge­schlossen worden ist.

Das Frankfurter Mis-Vkogranllll

Dienstag, den 18. Oktober.

6.00: Wetterbericht. Anschließend: Mor­gengymnastik. 7.05: Schallplatten-Konzert. 12.00: Konzert. 13.30: Schallplatten- Konzert. 15.20: Hausfrauen-Nachmittag. 17.00: Konzert. 18.25:Die Rationa­lisierungsbewegung rm Handwerk", Vottrag. 18.50: [.Sie Lage der Landwirtschaft", Gespräch zwischen Stadt und Land. 19.30: Unterhaltung-; - Konzert. 20.30:Alt- Frankfurter Originale", Erzählungen und Ge­spräche. 20.55:Tristan und Isolde", 3. Aufzug. 22.05:Beim Orgelbauer in der Werkstatt eoines Amateurs", Hörbe- richt. 22.20: Zeitangabe, Tagesnachrchten, Wetterbericht, Spottbericht. 22.45: Nacht­musik.

* Von der Universität. Mit der Vertretung des bisherigen Kurators der Marburger llniversität, Geh. Reg.-Rat Dr. von Hülsen, der bekanntlich jetzt sein Axtt als kommissarischer Oberpräsi­dent in Kassel angetreten hat, ist bis auf weiteres Landgerichtsdirektor Kreuzten beauftragt worden. Ueber die Nachfolge

künstler eigen ist, hingerissen. Großer Beifall zwang ihn zu zwei Zugaben.

Herr Wagner ist uns längst als ausgezeich­neter Begletter bekannt. Bedeutendes leistete er in den Liedern Wolfs und Mahlers wo der ganze seelische Ablauf in die Klavier- stimme verlegt wird, die damit Selbständig- keit und Gleichberechtigung mit der Sing- strmme erhält.

Mttarbeit des ganzen Oberpräsidiums und sämtlicher ihm zugeteilten Dienststellen in allen ihren Gliedern. Diese Mitarbett muh, wenn sie erfolgreich sein soll, getragen sein von einem vollen Vertrauensverhältnis zwi­schen Ihnen und mir. Bitte bringen Sie mir dieses Berttauen entgegen. Seien Sie fn allem und jedem offen zu mir. Jeder von Ihnen kann mit allem, was er auf dem Herzen hat, jederzeit zu mir tommen. Ich weih, dah hier m diesem Hause die groben Tugenden deutschen Beamtentums lebendig sind und in diesen Tugenden wollen wir uns. Sie und ich, zusammenfinden: in Pflichttreue und unermüdlicher Hingabe an das Amt, in unbedingter Ueberpatteilichkett und in un­beugsamer Gerechtigkeit gegen jedermann, nie­mals überheblich herrschend, sondern stets dienend dem Wohle des Ganzen, dem Staat und dem Baterland. Für die Förderung und den Aufstieg tüchtiger Mttarbetter werde ich mich stets emsetzen. So habe ich es in meiner bisherigen 34jährigen Tä­tig kert als Beamter gehalten, und so werde ich es auch hier hatten.

Namens der Beamten und Angestellten des Oberpräsidiums begrühte Brzepräsident Dr. Schunck den neuernannten kommissarischen Oberpräsidenten.

Hus Kassel wird uns gemeldet: Der kom- mpsansche Oberpräsident Geh. Ober-Reg.-Rat Dr. v. Sülsen hat Sonnabendmittag seine Dienstgeschafte übernommen. Zur Einfüh- rung waren die Beamten und Ange teilten des Oberpräsidiums, des Proornzialichulkol- legiums und der übrigen dem Oberpräsiden- ttn tn Kassel unmittelbar zugehörigen Dienst­stellen nn Sitzungssaal des Oberpräsidiums versammelt.

Geh. Ober-Reg.-Rat Dr. von Hülsen gab zunächst seinem Dank und reiner Freude darüber Ausdruck, dah das Staatsministe- rlum ihn gerade auf den leitenden Posten derienigen Provinz gestellt habe, in der er durch seine bisherige zwölfjährige Tä­tigkeit als Kurator der Philipps- Umoer fitfit $u Marburg in mannig- facher Zusammenarbeit mit vielen Behörden gestanden und zahlreiche Verbindungen zu wetten Kreisen der Bevölkerung gepflegt habe. Dr .von Hülsen fuhr dann fort: Die Sorge der Provinz und ihrer Bevölkerung ist riesen- groß. sie pocht laut an die Pforten des Ober- prfistdiums und ruft nach Fürsorge. In den Dienst dieser Fürsorge für dre gesamten Interessen der Provinz roilT ich mich mit meiner ganzen Kratt stellen. Aber diese schwere Aufgabe vermag ich nicht allein zu erfüllen, dazu bedarf es der Hingehenden

Geh. Reg.-Rat Dr. von Hülsen ist Eis jetzt noch nichts bekannt.

* Marburger Hausfrauen- verein e. V. Es fei noch einmal auf die Handarbeitsausstellung hingewiesen, die der Marburger Haus­frauenverein e. V. vom Reichsverband mit der bekannten Kammgarnfpinnerei Schachenmayr heute und morgen von 10 Uhr morgens bis abends 7 Uhr in den Stadtsälen Marburg veranstaltet. Die interessante Ausstellung zeigt 200 hand­gearbeitete Modelle, die allgemeine Be­wunderung erregen werden. Es ist ganz besonders zu beachten, daß die vielen schönen Sachen nur aus Nomotta-Wolle, teils gestrickt, teils gehäkelt, teils ge­woben sind. Die Fülle der Artikel läßt sich garnicht aufzählen: Pullover, Westen, Kissen, Decken, Sbawls und viele andere Dinge. Die Nomottawolle ist durch eine besondere Vorbehandlung der Grund­

Aus dem Landkreise Marburg.

Am Donnerstag weilte Regierungspräsident Dr. Friedensburg in Marburg zwecks interner Besprechungen mit dem Kreis­ausschuh.

Am Freitag fanden int Kreishause Bespre­chungen mit dem Vorsitzenden der Hessen- Rassauischen Sparkassenverbandes, Dr. Vlaum- Hanau, über Kreissparkassenfragen statt. Sei­tens Dr. Blaum wurde noch einmal der Zu- sammdnschluh der Sparkasse'zu Kirchhain und der Kreissparkasse dringend empfohlen mit dem Hinweis auf diegünstigen Dedin- gungen", die zurzeit gegeben seien.

Das Jahr 1932 bildet einen Markstein in der Geschichte des deutschen Männergesang­vereinswesens, find doch 100 Jahre seit dem Tode Zelters verflossen, der am 24. Januar 1809 den ersten Männergesanaverein der Welt, die heute noch bestehende Zeltersche Sicher« täfel, gründete. Zelter bildete aus den männ­lichen Mitgliedern der Singakademie eine Männeroereinigung, bestehend aus Dichtern und Komponisten, die dem Verein Texte und Weisen lieferten und sich allwöchentlich zu ge­meinsamem singen bei fröhlichem Mahle ver­einigten. Aus dem kleinen Häuflein sanges­froher Männer, die fich im Jahre 1809 um Zelter scharten und den ersten Männergesang­verein schufen, ist ein Millionenheer geworden. Ileberall bart, wo Deutsche wohnen, wird der Männergesang gepflegts Mit dem Anwachsen der Männerchöre trat leider eine Verflachung der Chormusik ein, derLiedertafelstil" war bei gebildeten Musikern verpönt. Die Jugend­bewegung im Bunde mit namhaften Komoo- ntsten hat in den letzten Jahrzehnten Wandel geschaffen. Wir haben heute schon eine wert­volle Männercharliteratur. Es muh lobend anerkannt werden, dah der Dirigent desLie­dervereins", Ehrenchormeister H. Engelhardt, der gestern aus Anlah des 90jährigen Be­stehens des Vereins und der 25jährigen Tä­tigkeit als Chorleiter am geschmückten Pulte stand, seit Jahren mit Erfolg das Ziel ver­folgt hat, die Chormitglteder durch das Er­lebnis ernsthaften Singens an nur gute Musik heran und durch sie hindurch zur Vertiefung zu führen. Sein aufgestelltes Programm ver­trägt die stärkste Kritik und macht dem Hörer keine Konzession. Außer Lachner mit derHymne in die Musik" waren fast nur lebende Kom­ponisten oder solche der letzten Jahrzehnte ver­treten, wie Hugo Kann, Arnold Mendelssohn, Walter Rein, Hans Heinrichs. H. Engelhardt hat seinen Verein zu einer bewunderns- und staunenswerten Höhe geführt, das Jubiläums- konzett war ein Ereignis. Machtvoll und ge­schlossen klang der Einleitungschor, die 2. Bässe baden etwas an Fülle verloren. Treff­lich gelangen die schwierigen Werke von Hugo Kaun und Arnold Mendelssohn mit ihren oft eigenwilligen, krausen und unerwarteten Harmoniefolgen. Die von Rein, Hoffmann und Heinrichs bearbeiteten Volkslieder ver­raten eine feine Satzkunst, find leicht verständ­lich und fanden darum den größten Beifall. Muß i denn zum Städtelein hinaus" mit wunderbarer UeBetmalung der Melodie in der 2. Strophe durch den Tenor, der hier weicher jein konnte, von Rein undSteh auf hohem Berge" von Heinrichs mußten wiederholt wer­den. Einige Tenöre fangen manchmal im liebereifer zu stark und dadurch zu Bart.

Herr Engelhardt, der mit einem Blumen­strauß geehrt wurde, kann mit dem Erfolg zu- frieden sein, der Abend war seine beste Leistung. '

Einen ungeheuren «Erfolg hatte, wie nicht anders zu erwarten war Herr Kammersänger Fritz Windaassen. Er fang Lieder von H. Wolf, F. Schubert, Schumann und Mahler. Er kann beanspruchen, daß man mit den aller­größten Anforderungen an ihn herantritt. Ihr" liegt eben alles, das bei seinem Können und seiner stimmlichen Vornehmheit tadellos gestaltet wird. Was er auch anfaßt, ob Dra­matisches oder Lyrisches, Ernstes oder Hei­teres, immer werden die Höhrer durch seine blühende, warme, glockenreine Stimme, ge­paart mit einer seltenen Vortragskunst, und er­gänzt durch ein Mienenspiel und absolut sicheres Auftreten, wie es nur einem Bühnen­

Zeit

Larometerst. reduziert auf N. N.

Temve­ratur

Relative Luft- feuckftig- keii

16.10. 2 Ubr nachm.

757.5 mm

7,7 Teil.

94'/.

16.10. 9 Ubr

756.7 mm

8,0 Tel!.

97'/.

narfm'

17.10. 7 Ubr

756,2 mm

8.4C-U.

97'/.

vorm.

(Nachdruck verboten!)

Snnglfng im Stuetofen

Doman von Heinz Steguweit.

68. Fortsetzung.

Am Nachmittag trafen fich alle Heimat­treuen Männer im Waisenhaus. Fritz Billen las aus einer geschmuggelten Zei­tung vor, daß selbst in größeren Städten, wie Trier, Speyer, Mainz, Aachen, Düs­seldorf und Bonn, eine Handvoll zuge­wanderter Hochstapler das autonome Rheinland proklamieren durfte, während die Truppen der Besatzung ihren Schild über ein Ungeziefer hielten, das ihnen weder Ruhm noch Ehre einbrachte. Wir erfuhren ferner, daß die falschen Pächter des Rheins die Karlsfresken Alfred Rethels im Rathaus zu Aachen mit Re- voloerschiissen traktierten, so daß sich der ewige Eharlemagne binnen einer Stunde in ein blatternarbiges Scheusal verwan­deln mußte. Wobei zu bekennen wäre, daß dieses Wunder keuscher Farben jedem Kinde der Landschaft als Heiligtum und Wallfahrtsort der Seele galt. Wir er­fuhren, daß man bei Düren selbst solche Polizisten vor den Augen der Franzosen unbehelligt zerfleischte, die waffenlos am Weye standen und kein anderes Verbrechen begingen, als daß sie die Uniform des Ordnungsdienstes trugen. Wir erfuhren, daß in der Pfalz Kellner, Industrielle, Bankbeamte, Schauspieler, Topfdreher, Bergarbeiter, Lehrer und schulpflichtige Kinder wie Waldhasen zusammengeschos­sen wurden, 'weil sie dem flatternden Hoheitszeichen der Erünweißroten die schuldige Reverenz versagten. Wir erfuh­ren, daß der schwarze Sonntag in Düssel­dorf, wo unter bewaffnetem Schutz Kohorten von Tagedieben für die Lüge des Separatismus am Hindenburgwall Demonstrierten, zu einem Gemetzel wurde.

das nicht einen der Urheber vor den Rich­ter brachte. Wieder sollten die Ermorde- tev schuldiger sein als die Mörder! Und die Raubvögel horsteten weiter in allen Rathäusern und Regierungsgebäuden, feierten Orgien, beschlauchten sich mit un­verzolltem Burgunder und trugen Basken­mützen aus westlich orientierter Sym­pathie. Auf Bahnhöfen, Gasthäusern und Theatern mußte zwangsläufig ihre Stan­darte gehißt werden, zur Nachtzeit wur­den Frauen belästigt und Kaufläden ge­plündert, keiner zog die Sünder zur Rechenschaft, man belieferte sie via Bel­fort, Nancy, Reims und Amiens waggon­weise mit Sprengstoff und Waffen. Es gab keine Bürgermeister mehr, keine Re­gierungsräte, man verfrachtete sie auf Lastwagen, oder man lochte sie ein und machte Brandholz aus den Möbeln ihrer Wohnungen. _____

Seltsam, daß keiner mehr den Druck der Gallier empfinden mochte, alle Wut wurde auf die gekauften Verräter geworfen. Es war ein Zorn in die Gemüter gefahren, wie er feit 1918 nicht furchtbarer gären konnte: Auch in Mostheim knoteten fich ?jäden zusammen, die ein Strick für die- enigen werden sollten, die uns einen Galgen aufzuttchten vermeinten. Wir hatten unfern geheimen Nachrichtendienst und blieben ahnungsvoller, als der Re­gent imGoldenen Anker" wohl glaubte.

Ich war eines Morgens dabei, den Weg zu meiner Ponte von allem Unrat zu säubern, den der Strom in den Tagen einer zweiten Hochflut auf den Wiesen am Damm abgesetzt hatte. Obgleich die letzte lleberschwemmuna gnädiger gewesen war als das Unheil des vergangenen Jahres, mußte ich mit Schaufel und Schubkarre einen Berg von Müll aus dem Gelände räumen: Bretter, Knochen, Allerseelen­kränze, Flaschen und durchnäßte Büch«.

Da hörte ich Marias Stimme und ging diesmal schneller nach Hause, weil die Aengste meines Weibes nur allzuoft be­rechtigt gewesen waren.

3m Hof Pankraz Wendl>nds standen zwei Burschen mit Schlägermützen und schmierigen Visagen. Sie hatten Maria nach ihrem Manne gefragt, nun war ich zur Stelle. Die Kerle grüßten unter­würfig und beschworen mich, meinen letz­ten Einfluß geltend zu machen, daß man sie den Kolonnen der kommenden Heimat­wehr zuteile. Sie hätten lange für die Ziele der Dorten und Matthes gekämpft, seien aber vor einigen Tagen ausgebootet worden, weil...

Kannte ich die Gesichter nicht? Ich fragte:Seid ihr nicht beim Cprengkom- mando gewesen? Am Hochwasserdamm? Im letzten Jahr?"

Sie nickten und überschütteten mich mit weinerlichen Worten: Sie seien arme Hunde, stammten aus Jarnuwisze in Po­len und könnten sich, da ihnen alle Regle­ments der Rheinfranken bekannt seren, durchaus nützlich machen. Ihr bisheriger Eeneralstab sitze in Mainz, bevatert von Geldgebern, die ein halbes Askari-Regi- ment zum Schutz ihrer Freunde abkom­mandiert hätten.

Ich wollte noch mehr wissen:Wie viele von eurer Kolonne find entlassen wird?"

Achtundzwanzig!"

Was machen die alle?"

Die Kerle zögerten.

Nun?"

Fremdenlegion!"

Ich lehnte das Bündnis mit den pol­nischen Rheinfranken ab, Maria reichte ihnen zwei Schmalzbrote, die fie gierig verschlangen. Dann trollten die Verfemten nach Bacharach hinunter.

Das, was ich zuweilen Menschenneuaier an mir nannte, war wieder einmal befrie­

digt worden. Und der gute Geist, 5er mir immer Respekt vor großen Feinden pre­digte, floh enttäuscht aus meiner Seele.

Auf der Dorfstraße spielte die Regi­mentsmusik der Franzosen. Melodien aus Fra Diavolo. Und die Nation, die solche Weisen zu verschenken hatte, verlegte sich hier aufs Quälen?

Auch Papa Wendland öffnete das Fen­ster, um zu horchen. Da kamen ihm die Tränen, obwohl er unwahrscheinlich nüch­tern war. Das Chloroform der Trom­peten wirkte. Selbst Boche hockte auf den Hinterbeinen und heulte die Wolken an, weil der Mond noch nicht da war. Großer Gott, man bekam schon Lust, allen Zorn einzusargen, aber---

Aber die Musik formierte sich zur Marschkolonne, aus Bacharach kam ein Zug von bald hundert bewaffneten Zivilisten. Und diese Prozession, von einem Fahnen­träger mit dem Rheinfrankenwimpel an­geführt, folgte dem Trommeltakt der Ka­pelle, die sofort eine Marschwalze auflegte.

Die Mostheimer rannten an die Türen und bestaunten das Schauspiel: Selbst Frauen und Kinder wurden in dem Zuge mitgeschleppt, alle faßten Tritt nach borussischer Manier, die Kommandos der Ordner donnerten in die Reihen. Am Gasthaus zumGoldenen Anker" wurde Haltgemacht, derOrtsvorsteher" stellte sich auf Den obersten Tritt der Tür und hielt eine Ansprache. Ich wollte nichts hören und fing doch die üblichen Brocken auf, die sich zur ParoleDas Rheinland den Rheinländern" verstiegen. .Die Anmar- schjerten jubelten, aber die Mostheimei pissen so kräftig, als hätten sie nach An­sicht des eifrigen Redners niemals a;< Rheine gewohnt. Gezwitscher wie auq tausend Vogelhecken!

Fortsetzung folgt.

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