Einzelbild herunterladen
 

Montag, tenl7.Stt.1932

Tie .vberhesfische Zeitung' n- schrtnt seck>s»al wesentlich. Br- p»g«prei« monatl. i. Marburg 2.02 SM. ansscbl. Zustellung-gebahr, bei unsren Agenturen 1.93 TM. zuzügl. Zustellungsgebühr, durch tee Post 2.25 TM. Für etwa tench Streik, Maschinendefektober elementare Sreigniste ausfallende -kümmern wird kew Ersatz ge­mistet. Verlag, Dr. <S. Hitzervth, Druck der Unib-Vuchdruckerei Zoh. Aug. Äoch, Markt 21/23. Fernsprecher: Skr. 2054 u. Str. 2055 Postscheckkouto: Amt Frankfurt «. M. «r. 5015. SprechM der Redaktion von 1011 wb

obechessische

*** zimitttih** taMuWt XlB/ll llllll enntoätiW

«Ur. 244 87. Fahr«. Marburg o. Lahn

Der Anzeigendrei« beträgt für den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 SM., Familienanzeigea bet Barzahl. 0.07 GM., amtl. u. aus­wärtige An,. 0.10GM. Sog. kleine Anzeigen nach Gpeziallarif.Drund- schrift: §olonel. Bei schwierig.Satz, sowie bei Platzdorfchrift 50*1» Auf­schlag. Sammelanzeigen 100°/, Aufschlag Reklam.-Milliur. 0.40 SM. Grundschrift: Petit. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Offerten-Sebühr: 25 Pfg., bet Zustellung der Angebote einschl. Porto.60 SM. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger fnr (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.

Man sucht einen Konferenzort

Macdonald bemüht sich weiter - S-rriot fährt nach Madrid - Französich-spanische Entente?

Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph" schreibt, daß die englische Regierung sich noch einmal über die Haltung Deutschlands erkundigt und die B e st L t i g u n g erhalten habe, big Berlin keinesfalls Eenf als Ta- gnngsort für die Bier-Mächte-Konferenz ,ustimmen könne. Da Frankreich sich dem Ausweg, nämlich einer vor­läufigen Anerkennung der deut­sche« Eleichberechtigungsforderung durch die alliierten und assossierten Mächte, widersetzen werde, so bleibe nur übrig, noch zu versnchen, die Konferenz!« Laa­san n e zustande zu bringen. Es sei mög­lich, dah Macdonald sich im Hinblick auf die unsichere Lage noch entschliehen könnte, die deutschen Minister nach Lon­don einzuladen. Die englisch-französischen Besprechnngen in London hätten zwar ihren eigentlichen Zweck nicht erreicht, wohl aber hätten sie die Atmosphäre zwi­schen London und Paris erhc-blich ver- besiert. Es bestehe Aussicht auf einen weiteren Meinungsaustausch zwischen den beiden Regierungen über die grohen Fra­gen der Abrüstung und Sicherheit.

Der Berliner Korrespondent der Time s glaubt zu wissen, datz die deutsche Regierung mit der Zulassung der kleineren Mächte Polen. Belgien und der Tschechoslowakei einver­standen sei, falls ein anderer Tagungsort als Eens gefunden würde.

Weitere englische «lätterstimmen zur Ablehnung Genfs durch Deutschland.

Daily Herald", der für Genf rls Konferenzort eintritt, gibt der Hoff­nung Ausdruck, daß Deutschland seme ableynendc Haltung aufgeben werde. Das Blatt fordert die englische Regr^ . rung auf, in der Abrüstungsfrage endlich die Führung zu übernehmen und eine entsprechende Erklärung ohne weitere Verzögerung abzugeben.

T i m e s"schlagen vor, bevor man die deutsche Weigerung als endgültig an­nehme, weitere Erklärungen über den deutschen Standpunkt abzuwarten. Rach nführung der deutschen Bedenken gegen Genf al« Versammlungsort bemerken Times", daß gleich stichhaltige Einwände auf der anderen Seite gegen irgendeinen anderen Ort als Genf bestünden. In England habe die deutsche Forderung auf Gleichberechtigung fast allgemein Ver­ständnis und Unterstützung gefunden unter der alles überragenden Voraus­setzung, daß die Anerkennung der Gleich­berechtigung zur Förderung allgemeiner Abrüstung und nicht als Vorwand zur Aufrüstung benutzt werde.

M o r n i n g P o st" bezeichnet als Nettoergebnis des ganzen .Konferenz- geschwätzes" die Verdunkelung der wirk­lichen Fragen und die Verbitterung der Oeffentlichkeit.

Die Hintergründe der Spanienreise Herriots.

Der diplomatische Korrespondent bes Daily Telegraph" macht auf die diplo­matischen Hintergründe der Reise des französischen Ministerpräsidenten Herrrot nack Spanien, die Ende Oktober statt­findet, aufmerksam. Herriots Absicht sei in erster Linie die Bildung emer neuen und

wirklichen Entente zwischen Frank- reichundSpanien. Hierbei habe er natürlich nicht nur den günstigen Einfluß einer solchen Entente auf die marokkani­sche Frage, sondern insbesondere auch auf die frtnzösische Stellung in Genf und die französische Sicherheit im Mittelmeer im Auge.

Man könnte damit rechnen, daß Spa­nien in Kürze einer der hauptsächlichsten Unterstützer von Herriots Abrüst- ungsplan in Genf sein werde. In diesem Zusammenhang sei es nicht ohne Bedeutung, daß Frankreich angeblich Spanien für das geeignetste Land für die Unterbringung der vorgeschlagenen internationalen Völker­

bunds-Depots von schweren Waf­fen vorschlagen werde. Denn in Spa­nien würde ein solches Depot in jedem Falle außerhalb der Reich­weite Deutschlands (!) liegen.

Einigung über die Zahlungen im Handels­verkehr in Rom.

R o m, 16. Okt. In den Besprechungen der deutschen und italienischen Vertreter über die Frage der beiverfettigen Zahlungen im Handelsverkehr ist eine völlige Einigung erzielt worden. Danach können die Zahlungen von beiden Seiten am 17. Oktober in der Form wieder aus­genommen werden, in der sie bis zum 3 0. September erfolgten.

Politische Uebersälle

Gemeiner Übersoll auf Nationalsozialisten in Wien

Dortmund. 16. Okt. Am Sonntag kam es hier zu ernsten Ausschreitungen, die mehrere Opfer forderten. Bei dem «ersuch der Polizei, eine Straße, in der es zu Unruhen gekommen war, zu säubern, wurden Kc Beamten angegriffen und mußten von der Schußwaffe Gebrauch machen. Es kam zu mehreren Schießereien, wobei zwei Personen, darunter eine Frau, g e t ö t e t «nd zwölf Personen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Unter den Verletzten befindet sich auch ein Polizeibeamter, der einen Kopfschutz er­hielt, aber auher Lebensgefahr ist.

In den Vormittagsstunden waren na­tionalsozialistische Flugblattverteiler, die in Gruppen von 40 bis 50 Personen durch die Straßen des nördlichen Stadtteils zogen, in der Nähe des Borsigplatzes von Kommuni ft en angegriffen wor­den. Es kam an mehreren Stellen zu Schlägereien, wobei auch Schüsie fielen. Da die Unruhen immer größeren Umfang annahmen, wurde die Polizei alarmiert, die mit mehreren Ueberfallkommandos anrückte. Als die Beamten den Versuch machten, die Ruhe wieder herzusteüen, kam es zu den folgenschweren Schießereien. Die ums Leben gekommene Frau ist von der tödlichen Kugel getroffen worden, als sie hinter dem Fenster stand, um die Vorgänge auf der Straße zu beobachten. Der Polizei gelang es nach kurzer Zeit, Ruhe und Ordnung wieder herzustellen.

Vier Tote, 30 verletzte in Wien.

Wie«, 16. Okt. Am Sonntag vormit­tag war im Bezirk Sömmering eine natio- nalsozialistsiche Versammlung angesagt, zu der eine Abteilung SA.-Leute mar­schierte. Als sie am sozialdemokratischen ArbeUerheim vorbeikame«, fielen aus dem Arbeiterheim zahlreiche Schüsse. Der Wachtmann Tlasek sank als erster durch die Stirn getroffen sofort tot nieder.

Außerdem warben drei Rational« sozialisten getötet und über 30 Per­sonen leichter »der schwerer verletzt. -

Bei zwei Personen find die Verletzungen derart schwer, daß wenig Hoffnungen auf ein Aufkommen besteht. Die Polizei ent­sandte sofort starke Abteilungen nach Sömmering. Die Polizeibeamten drangen in das sozialdemokratische Arbeiterheim ein, wo fie eine Reihe Gewehre nnd Pistolen beschlagnahmten. 60 Personen wurden verhaftet. Sie muhten unter starker Bedeckung auf das Polizei- präfidium gebracht werden, da die Menge derart erregt war, daß fie versuchte, die Täter zu lynchen. Eine Anzahl Sozial­demokraten hatte fich auf dem Dachboden in Kisten versteckt, wo fie von den Wachtleuten herausgeholt und verhaftet wurden.

Wien, 16. Okt. Bei der Durchsuchung des sozialdemokratischen Parteisekretariats sind außer den 70 Gewehren über 1000 Schutz Munition, zwölf Handfeuerwaffen sowie Maschinengewehrbestandteile gefun­den worden. Die im Parteisekretariat fest­genommenen Schutzbündler hatten sich in­zwischen größtenteils ihrer Uniform entledigt.

Nach einer nationalsozialistischen Dar­stellung der blutigen Vorgänge war für Sonntagvormittag eine Versammlung im Svmmeringer Brauhaus angesetzt worden. Bor der Versammlung fand ein Umzug mit Musik statt. Ein kleinerer Teil der Um­zugsteilnehmer wurde von der Polizei ab­geriegelt. Das Gros zog zum Brauhaus weiter. Die zurückgebliebene kleinere Gruppe wurde aus den umliegenden Häu­sern von Sozialdemokraten überfallen. Es kam zu einem Handgemenge, das die Po­lizei nicht verhindern konnte, da sie nur mit schwachen Kräften zur Stelle war. Auf die Kunde von dem Ueberfall eilten die un Brauhaus befindlichen Nationalsozialisten herbei. SS kam dann zu dem Feuerüber- fall aus dem sozialdemokratischen Partei- hettn. In wenigen Augenblicken wurden über 100 Schüsse abgegeben. Bei den Ge­töteten und Verwundeten handelt es sich größtenteils um SA.- und SS.-Leut' fer­ner wurden noch vier Wachtbeamte urch Schüsse verletzt

Die Rolle Dr. Luthers

Eine der maßgebenden Persönlichkeiten in der deutschen Gesamtpolitik ist ganz zweifellos zur Zeit der Reichsbankprasiderct Dr. Luther. Obwohl er seiner, Stel­lung nach eigentlich nur mit der Finanz- Politik des Reiches zu tun hat, ist seit« Bedeutung für die Gesamtpolitik dadurch erheblich gewachsen, daß fast alle Maß­nahmen und Absichten der Reichsregierung letzten Endes abhängig sind von der Fi­nanzierung, und dah Dr. Lucher das ent­scheidende Wort zu sprechen hat. And er macht es der Reichsregierung nicht leicht. Es ist noch erinnerlich, welchen Wider­stand der Reichsbankpräsident der Sinan* zievung des ersten Arbeitsbeschaffungspro­gramms der Regierung entgegensetzte, wie lange darüber verhandelt wurde, bis schließlich eine Verständigung zu "anbe kam.

Auch bei den letzten Enis ' Zungen des Reichskabinetts hat Lucher weder ein ge­wichtiges Wort gesprochen. Da war zu­nächst der Gereckeplan, der auf drm Wege über die Gemeinden in großem Umfang Arbeit schaffen sollte. Wie es heißt, war das Reichskabinett in seiner Mehrheit für den Plan; mit seinem Einspruch, daß da­durch die Währung gefährdet werde, hat Lucher den Man zum Schellern gebracht. Die Meinungen, ob er damit recht gehan­delt hat oder nicht, sind sehr geteilt. In Kreisen der Landwirtschaft ist man jeden­falls der Ansicht, daß Luther zu sehr industriefreundlich eingestellt ist und er ,ur die landwirtschaftlichen Bedürfnisse keines­wegs das nötige Verständnis hat. Das habe neuerdings seine Einflußnahme auf die beabsichtigte Kontingentierungspolltw der Reichsregierung bewiesen. Das Reichs- bankdirektorium hat in einem Schreiben an die Reichsregierung vor der Fortsetzung der Kontingentierungspvlillk gewarnt. Die Reichsregierung hat zu dieser Warnung noch nicht Stellung genommen. Man darf aber bezweifeln, ob sie in diesem Falle auf die Warnung hören wird, denn einen di­rekten Einfluß auf die Kontingentierung hat Luther nicht, da es sich hier Um keine Finanzierung handelt. Man ist m Regie­rungskreisen übrigens sehr unangenehm da­von berührt, daß Die Tatsache dieses Schreibens veröffentlicht wurde. Nicht ganz klar ist, gegen wen sich die Mißstimmung richtet, ob gegen dieDeutsche Tages­zeitung", die als erste die Nachricht brachte, oder gegen das Reichsbankdirektvrium, das den Brief schrieb und auch dafür verant­wortlich ist, daß er bekannt wurde. Man fragt sich auch, ob nicht Luther seine Be­fugnisse mit diesem Brief überschritten hat, mit dem er sich in Fragen der allgemeinen Politik des Reiches einmischte. Man ver­weist darauf, daß er doch einer der Manner Der früheren Verständigungspolitik ist, daß er seiner Zeit unter dem sozialdemokra­tischen Reichskanzler Müller Reichsbank- prüsident wurde und daß er in diesem Sinne auch weiterhin politisch tätig sei. Tatsächlich ist seine Stellung in bzw. ge­genüber der Reichsleitung heute ,o stark

sich nid? absetzbar, und er kan dem Ka­binett in allen Finanzfragen S^e Schwie­rigkeiten machen. Von einer Erschütterung ferner Stellung zu sprechen, ist.darum,and- farkft Wohl könnte es allerdings mogln ein daß er sich im Reichskabinett nicht g< rade beliebt gemacht hat.

Was die Frage der Kontingente selbu angeht, so scheinen die Bechandllungen