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NonmMg, kn 1i. ort. 1932

<t* .vbrrhessssch« StihntQ* er- fiehtt sechsmal wkchentttch. Be­zugspreis monatt. t. Marburg 2.02 EM. auSschl. ZusiellungSgebübr, hei unsren Agenturen 1,93 SM. )«,Ügl. ZustrllungSgebühr. durch dl« Post 2.25 SM. Für etwa durch Streik, Maschknendefektoder elementare Ereignisse ausfallend« Nummern wird kein Srsad ge­leistet. Verlag, Dr. S. Hitzervth, Druck der Univ-Buchdruckerei ^ob. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 2054 u. Rr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Rr. 5015. SprechM der Redaktion von 1011 «nb

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Nr.ru N.ssaW. Marburg n. Kahn

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Anzeigen der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Ministerpräsident Herriot in London

Der französische Abrüstungsplan sollvereinfacht" werden Englische Einladung an die Reichsregierung

fk. L o n d o n, 13. Okt. Der französische Ministerpräsident Herriot ist plan- mägia um Mitternacht in London einge­troffen und von Macdonald und Simon auf dem Bahnhof begrü'gt wor­den. Die Besprechung findet heute, Don­nerstag vormittag statt.

In Londoner Blättern wird an dem neuen französischen AbrLst»ngtz- plan schärf st e Kritik geübt, da er nach englischer Auffassung eine geschickte Umgehung aller früheren Abrüstungs­pläne sei.

Am Mittwoch nachmittag unternahm der französische Botschafter im Weihen Haus einen offiziellen Schritt, in dem er darauf hinwies, dah Frankreich nicht eher einer Abrüstung zustimmen könne, bevor «6 mit den Bereinigten Staaten ein Sarantieabkommen abgeschlossen hat, Kirch das Frankreichs Sicherheit ge- wShrlerstet wirbt -'-i - *

Der Reichsantzenminister geht nach London?

Genf, 12. Okt. Reichsaugenminister Frei­herr v. Neurath hat dem Präsidenten der Ab- rüstangskonferenz auf die Frage, ob er in der nächsten Zeit nach Genf kommen werde, in ver­bindlichen Worten geantwortet, dah die Sleichsregierung inzwischen eine Ein­ladung der englischen Regierung zu einer Lesprechung nach London erhalten und offi- pell a n g e n o m m e n habe. Unter diesen Umständen sei es dem Reichsauhenminister nicht möglich» anderweitig zu disponieren.

Ein britischer Plan zurVereinfachung" des französischen Sicherheitsplanes.

Es steht fest, daß wegen der ablehnen­den Haltung der öffentlichen Meinung keine britische Negierung neue Bindungen auf dem Kontinent eingehen kann. Des­halb scheint man auf britischer Seite einen Plan ausgearbeitet zu haben, der als Vereinfachung" des allgemeinen französischen Planes bezeichnet wird. Da­nach könnte den französischen Sicherheits­wünschen entsprochen werden

1. Durch eine Erklärung im Rah­men des Kelloggpaktes, an der sich nicht nur Großbritannien, sondern auch Amerika beteiligen würde:

2. durch ein Protokoll, in dem nur die Kontinentalmächte Verpflichtungen be­züglich des Angreifers ufw. übernehmen, während Großbritannien sich nicht daran beteiligen würde. Als Gegenleistung wurde nach britischer Auffassung Deutsch­land grundsätzliche Gleichberechtigung zu­gesprochen werden müsien, und Frankreich würde sich verpflichten, in beträchtlichem Maße abzurllsten.

Der diplomatische Mitarbeiter des »Daily Telegraph" betont, daß die Unterredung zwischen Macdonald und Herriot nicht über eine Erkundung und Klarstellung der Laae hinausgehen werde. Sei Erörterung der Frage, wie man Deutschland wieder an den Tisch der Ab­rüstungskonferenz zurückbringen kann, werde Macdonald die englische Ansicht barüber wiedergeben, bis zu welchem Aus­maß die deutsche Ansprüche zufriedenge- fteöt werden könnten. Der neue franzö- R6e Abrüstungsplan sei so umfangreich so verwickelt, daß er eine genaue Untersuchung seitens der Sachverständigen Wttwendig mache. Außerdem müßten die Regierungen der Dominien gefragt werden.

In der Frage des Konfultatiopaktes sei in Erfahrung gebracht worden, daß die Amerikaner sich die Hände nicht schon vor dem Eintritt eines Notfalles binden woll­ten. Noch wenigen seien sie bereit, schon int voraus die Vorteile und Vorrechte eines Neutralen aufzuzeben.

Die Besprechung zwischen Macdonald und Herriot könnte vielleicht Klarheit

darüber bringen, ob bald eine Konferenz der Locarnomächte in Genf oder in der Nähe von Genf in Frage komme. Herriot habe bei seiner Ankunft in London gesagt, daß er auf eine baldige Wiederaufnahme der Abrüstungsbesprechungen besonderen Wert lege. Er und Macdonald hofften, Mittel und Wege zu finden, um die Deut­schen wieder an den Konferenztisch zu bringen.

Der entlarvte Betrüger

Ein gemeiner Schwindel

So betrog Hummel die Eltern Daubmaimtz: Der Betrüger zwischen den alten Eltern des vermißten Daubmann, die in Hummel ihren Sohn wiederzuerkennen glaubten und nun auf das bitterste enttäuscht wurden.

*

DerFall Daubmann" hat em plötz­liches unrühmliches Ende gesunden. Wäh­rend die öffentliche Meinung auch weiter an dem Schicksal des angeblichen ehe­maligen Kriegsfreiwilligen leidenschaft­lichen Anteil nahm, Kriegsteilnehmer­organisationen für und gegen Daubmann aufmarschierten, das Reichswehrministe­rium umfangreiche Nachforschungen an­stellte und sich sogar ein Notenwechsel zwischen dem Auswärtigen Amt und der französischen Regierung entwickelte, um endlich volles Licht in diese Angelegen­heit zu bringen, reiste Daubmann, der bekanntlich von seinen Eltern im ersten Ueberschwang der Wiedersehensfreude als Sohn erkannt wurde, im Lande um­her, um in langen, auf ihre Wirkung auf die Tränendrüsen berechneten Vor­trägen schier Unglaubliches aus seinen Erlebnissen in der Fremdenlegion und in der französischen Gefangenschaft zu erzählen. Sein körperlicher Zustand hatte sich inzwischen so weit gebessert, daß er als genesen erklärt werden konnte, und der Mann entwickelte eine staunenswerte Geschäftsgabe. Durch Vorträge, Interviews und Presseartikel verstand er es, aus seinem Unglück Ka­pital zu schlagen. Inzwischen arbeitete aber in aller Stille der amtliche Apparat, die Nachforschungen nach dem wirklichen Daubmann wurden mit allem Nachdruck fortgesetzt, die Ergebnisse bestätigten, ja, vermehrten die Zweifel, ob man es bei

Semketzten deutschen Kriegsgefange­nen" wirklich mit Oskar Daubmann zu tun habe, und ein Fingerabdruck, der von ihm abgenommen wurde, hatte dann schließlich das doppelte sensationelle Er­gebnis, daß Daubmann in Wirklichkeit gar nicht Daufmann ist, daß sich der Mann aus Endingen also nur den Na­men des Verschollenen und, wie jetzt fest­steht, umgekommenen Oskar Daubmann zugelegt hat, daß er selbst aber ein von der Justizbehörde seit langem gesuchter Schwindler namens Christian Hummel ist.

Eine Welle der Entrüstung wird durch die deutschen Lande gehen. Kein Wort der Verurteilung ist scharf genug, um das gewissenlose Treiben dieses Betrügers zu brandmarken, der sich nicht gescheut hat, an dem guten Glauben der alten Eltern, die sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres verschollenen Sohnes warteten, an dem Andenken eines deutschen Kriegs­freiwilligen, an der nationalen Begeiste­rung des Ortes Endingen, des Landes Baden, Verrat zu üben. Das moralisch Verwerfliche dieser gewissenlosen Tat ist zweifellos noch weit schwerer als selbst das rechtlich zu Ahndende. Unzählige deutsche Mütter und deutsche Väter war­ten heute noch und hoffen mit Sehnsucht auf ein Lebenszeichen ihrer während des Weltkrieges verschollenen Söhne. Wenn auch amtlich längst nicht mehr die Erfül­lung ihrer Herzenswünsche für möglich gehalten wird, wenn die auf den Schlacht­feldern als verschollen Gemeldeten schon seit langen Jahren für tot erklärt wur­den, so hat di» Heimkehr z. B. des Kriegsgefangenen Schwarz und vieler anderer in den Jahren zuvor doch wieder hier und da die Hoffnung auferstehen lassen, dak es noch nicht der Letzte sein

möge .... Und hier kommt nun ein abs gefeimter Betrüger, der sich in die Her­zen der Leute einzuschletchen weiß, der auf raffinierteste Weise ein ganzes- gensystem ersinnt, die alten Bekannten und Jugendfreunde des wirklichen Daub­mann zu täuschen versteht, die Behörden hinter? Licht führt und alles dies nur, um für sich aus dieserHeimkehr" Kapi­tal zu schlagen. Man wird es verstehen können, wenn die schärfste Strafe für diesen Verbrecher gefordert wird.

Eine andere Frage aber ist, wie es möglich gewesen ist, daß der Hochstapler alle Welt täuschen konnte. Entsinnt man -t) recht, so haben sämtliche amtlichen Stellen sowohl in Endingen wie im Lande Baden stets zur größten Vorsicht geraten, ihre Beteiligung an den offiziel­len Heimkehrfeierltchkeiten verweigert und auf die Beseitigung der letzten Zwei­fel gewartet. Wie berechtigt diese Vor­sicht war, zeigt sich erst jetzt in vollem Umfang. Auch bei jenen, die ihm als denletzten Heimkehrer" zujubelten, konnte ja ein letzter Zweifel nie über­wunden werden. Der Name des Schis­ses, auf dem er heimgckehrt war, der Name des Kapitäns, die näheren Be­gleitumstände blieben unbekannt, dis ärztlichen Aussagen, die keineswegs an ihm die Strapaezen einer langen Gs- fangenschast feststellten das alles be­nutzten die amtlichen Stellen, um inzwi- scken Klarheit zu schassen. Völlig uner­klärlich bleib) es, daß die Eltern des Daubmann, der immerhin erst als 18- iähriger die Heimat verließ, und daß seine sämtlichen Jugendfreunde und Be­kannten ihnerkannt" haben wallen. Es bleibt nur die Erklärung, daß diese ungeheure Täuschung möglich war, weil man in Endingen getäuscht werden wollte. Jahrelange Sehnsucht, gau­kelte Erfüllung, gaukelte Wirklichkeit vor. Jetzt kommt das böse Erwachen.

Ein Gespräch mit Fran Hummel.

Die Frau des Schneiders Hummel gab dem Berichterstatter des CNB. in einem Gespräch Einzelheiten über die Persönlichkeit ihres Mannes bekannt. Als ihr einige Zeitungsbilder des fal­schen Daufmann vorgelegt wurden, er­klärte sie:Das ist der Schneider, das ist Hummel, mein Mann", und war noch hocherfreut, daß er wiedergefunden wor­den ist.

Wie dieFreiburger Tages- p o st" berichtet, wird die badische Regie­rung dem Auswärtigen Amt einen ein­gehenden Bericht über die Entlarvung des falschen Daubmann übersenden.

Die Unterlagen für die Berichte des Schwindlers sind wohl darin zu sehen, daß er wahrscheinlich in einem fran­zösischen Gefängnis in Afrika gesessen hat, aber schon im Jahre 1926 nach Deutschland zurückgekehrt ist.

Zwei Tote in Belfast.

fk. London, 13. Okt. Die Arbeitslosen- Unruhen in Belfast haben bisher zwei T o - desopfer gefordert. Die Lage in der Stadl ist noch keineswegs ruhig. Die Polizei pa troulliert mit Panzerwagen durch die Straße" Di« Unruhen sind, wie festgestellt wurde, i erster Linie auf Umtriebe fremder Elemc: aus Dublin zurückzuführen, die sich feit ein. gen Tagen in Belfast aufhalten.

Nürnberg lehnt die Erhöhung der Biirger- steuer ab.

fk. Nürnberg, 13. Okt. Die von de bayerischen Regierung geforderte Erhöhung der Bllrgersteucr der Stadt Nürnberg wurde vom Städtrai in seiner gestrigen oitjung er­neut abgelehnt. sNunmehr wird die Regierung zur Ausstellung eines Zwangetats schreiten.