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OterteMftte 3ettmifl, MardM a- L. Mittwoch, den 12. Oktober 1932

Nr. 240

Die große Rede des Reichskanzlers

Vertretern der bayerischen Wirtschaft

Vor den

München, 12. OKt Der programma­tischen Rede, die Reichskanzler v. P a p e n beute vormittag im Phöbus-Palast rn München hielt und die über alle deut­schen Sender übertragen wurde, durste umso größere Bedeutung zukommen, als der Kanzler hier Gelegenheit hatte, vor den Vertretern der bayrischen Gesamt­wirtschaft zu sprechen.

Als Ehrengäste erschienen der baye­rische Ministerpräsident, der Innenminr- ster und die leitenden Persönlichkeiten der anderen Ministerien, der Landtags­präsident, die beiden Bürgermeister der Stadt München, die Chefs der hohen Reichs- und Landesbehörden, der Landes­kommandant und Exzellenz Oscar d. Miller.

Fanfarenklänge leiteten die Kund­gebung eia.

Darauf nahm der erste Vorsitzende des Bayerischen Industriellenverbandes, Geh. Landesbaurat Böhlinger, das Wort zu einer Begrüßungsansprache, in der er dem Reichskanzler für fein Erscheinen m . .»nchen dankte, die Bereitschaft der Industrie und der bayerischen Wirtschaft unterstrich, der von der Reimsregicrung ausgegebenen Parole der freien Initia­tive der Unternehmer zu folgen, und die Punkte hervorhob, in denen die Wirt­schaft dem Programm der Reichsregie­rung, in Sonderheit den Kontmgentie- rungsmaßnahmen kritisch gegenübersteht.

Darauf ergriff

Reichskanzler v.Papen

das Wort und führte folgendes aus: Sehr verehrter Herr Ministerpräsident, meine sehr verehrten bayerischen Lands­leute?

Ich danke Ihnen für Ihre Einladung, die mir die Gelegenheit gibt, dem deutschen Süden den Ausdruck meiner treuen Ver­bundenheit. darzubringen. Ich danke dem Herrn Vorsitzenden besonders für die war­men Worte der Begrüßung Und Zustim­mung. die er mir gewidmet hat. Ich bin Ihrer Einladung umso lieber gefolgt, als mir daran lag, durch meinen, dem baye­rischen Staat geltenden Besuch zu bewei­sen, wie fest ich durchdrungen bin von der Notwendigkeit der gleichen Mitwirkung aller deutschen Stämme an der Gestaltung des deutschen Gesamtgeschickes. Auch das Neichskabinett, das zu führen ich die Ehre habe, spiegelt nicht etwa einseitig den deutschen Norden wieder. Wir wissen, daß Deutschlands Reichtum in der Vielgestal­tigkeit seiner Stämme und seiner Kultur Legt. Man würde sich an Deutschland versündigen, wollte man es einseitig unter dem Gesichtswinkel eines Stammes oder einer Landschaft betrachten. Wir alle ge­hören untrennbar zusammen. Gleiches S^cksal. gleiche Sorgen verbinden uns. Und stärker noch als das Glück vergangener Zeiten hat uns das ficiö der letzten 20 Jahre geeint.

Die Hohett des Reiches in feiner Welt­geltung wieder zum Ausdruck zu bringen, tft die vornehmste Aufgabe der Reichs­regierung. Die Herstellung der vollen Souveränität, der Freiheit, und Gleichbe­rechtigung eines großen Kulturvolkes, und ich darf hinzufügen, eines Volkes, das vier Jahre gegen eine Welt von Feinden für diese Freiheit mit ungeheurer Zähigkeit gekämpft hat, ist ein Postulat, das von keinem Staatsmann bestritten werden kann, dem die Heiligkeit der Grundrechte der Völker als das sicherste Unterpfand des Friedens gilt.

(gerate weil wir den Frieden wollen, te tem allein wir wieder zu Wohl­fahrt und Blüte gelangen können, fordern wir die Grundrechte der

Freiheit «nd Gleichberechtigung.

denn sie find die elementare Voraussetzung für das Gedeihen auch der wirtschaftlichen B«iehungen innerhalb Deutschlands und unter den Völkern.

Augenblicklich steht das Abrüstungs­problem im Mittelpunkt des Jnteresies. Was bedeutet das für die Wirtschaft? Wir fordern gleiches Recht und gleiche Sicher- hett wie alle anderen Völker. Wie kann unser Handel mit dem Auslands gedeihen, wenn der deutsche Staat dort nicht das gleiche Ansehen genießt wie jeder andere? Der wird Kapital anlegen in einem Lande, das dem Zugriff seiner Nachbarn schutzlos preisgegeben ist. Das ist keine theoretische Erwägung. Es ist uns allen nodj in furchtbarer Erinnerung, wie vor noch nicht zehn Jahren der Einmarsch fremder Truppen in unser Gebiet die Reichsmark auf den billionsten Teil ihres fetzigen Wertes stürzen ließ! Dies Bei­spiel genügt um zu zeigen, daß wir in unserem Kampf um die Gleichberechtigung zugleich um die Grundbedingungen unse­

res wirtschaftlichen Daseins kämpfen. Es zeigt, wie unrecht die haben, die uns vor­werfen, wir hätten durch unsere Forde­rung nach gleichem Recht und gleicher Sicherheit die Ruhe Europas gestört, und die jene elementare Forderung jedes Lebewesens bei uns unzeigemäß und un­klug fanden!

Rein, ohne die Erfüllung dieser For­derung wird die Mitte unseres Erd­teils stets ein Hort der Unruhe blei­ten, eine schwärende Wunde am

Körper Europas.

Was mir wollen, ist keine neue Unruhe, kein Wettrüsten, kein kriegerisches Aben­teuer, unser Ziel ist ein neues friedliches Europa das geordnet tft nach den ewiaen Gesetzen der' Gerechtigkeit und Selbstbe- stimmuna der Völker, auf die vertrauend mir 1918 die Wallen aus der Hand lenken. Erst wenn die Völker unseres Kulturkrei­ses in einem solchen Europa brüderlich nebeneinander leben, dann werden die Gr»ndIaen vorhanden sein für das wahre wirtschaftliche und politische Ver­trauen, die Grundlagen eine« neuen ge­meinsamen Aufbaues der Welt. Dann ist die Forderung erfüllt, welche die wirt­schaftlichen Sachverständigen der Welt immer wieder den Politikern beschwörend vorqehalten haben. Wenn wir heut« für unser gleiches Recht und unsere gleiche Sicherheit, für die wahre Abrüstung in der Welt kämpfen, dann haben wir die­ses große Ziel eines einziaen und brüder­lichen Abendlandes vor Augen, in dem Deutschland den ihm gebührenden Platz neben, nicht unter den übrigen Völ­kern einnimmt.

Das Wirtfchastsprogramm ter Reichs­regierung

hat, wie ich zu meiner Freude den Wor­ten Ihres verehrten Herrn Vorsitzenden entnehme, auch hier in Bayern in feinem Grundgedanken, dem Appell an die Ver­antwortungsfreudigkeit der Unterneh­merschaft, an die privatwirtschaftliche Initiaftve, vollen Anklang gefunden. Ich darf, ohne eine Uebertreibung befürchten zu müssen, sagen, daß kaum eine Regie­rungsmaßnahme der Nachkriegszeit in

ihrem grundsätzlichen Teil so starken und zustimmenden Widerhall in den Krerfen der Wirtschaft gefunden hat.

Das schließt natürlich mcht aus, daß einzelne Teilgebiete dieses Programms kritisch beurteilt werden. Der Leitsatz auch des Wirtschaftsprogramms ist, Ver­trauen zu schaffen, eine Auflockerung des Mißtrauens und des jede Unterneh­mungslust tötenden Pessimismus zu er­reichen. Und ich glaube, daß der An­fangserfolg nicht ausgeblieben ist. ja ftdi bereits in einem Ausmaße eingestellt hat, der uns für die Zukunft hoffnungs­voll stimmen kann. Wie Ihnen bekannt ist, hat die Entwicklung des Arbetts- marktes im vergangenen Monat mit einer Nettoabnahme der Arbeitslosen­zahl um 123000 Arbeitlose abgeschlossen. Im Gegensatz dazu brachte der Septem­bermonat des vorigen Jahres eine Zu­nahme der Arbeitslosigkeit um 140 000 Arbeitslose. Nun ist gewiß die sehr er­freuliche Besserung des Ärbeitsmarktes das Ergebnis verschiedener zusammen­wirkender Faktoren, die sich in ihrer Einzelauswirkung nicht voneinander trennen lassen. Aber wenn nicht nur neue Einstellungen von Arbeitslosen er­folgt sind, sondern vor allem auch, rote die Septemberstatistik des Arbeitsmark­tes beweist, Entlassungen in großem Um­fang vermieden werden konnten, die sonst um diese Jahreszeit üblichere,fe eintreten, so darf man diesen Erfolg sicherlich in erster Linie auf das Konto der psychologischen Auswirkungen des Wirtschaftsprogramms verbuchen., Was immer man an diesem Programm im ein­zelnen auch kritisch auszusetzen haben mag, es hat jedenfalls der Wirtschaft be­reits jetzt, m den ersten drei Wochen fer­ner Laufzeit, eine fühlbare psycholognqe und materielle Entspannung gebracht.

Es hat die wirtschaftliche Risiko­freudigkeit wieder belebt, es hat Ar- bett und Brot geschaffen.

Und wir stehen — das muß besonders betont werden — doch erst am Anfang der Möglichkeiten, die sich aus den Maß­nahmen der Reichsregierung ergeben sollen. Die Ausgabe der Steuergur­scheine verschafft der Wirtschaft, und

Wirtschaft und Hantel

Berliner Börsenbericht vom 11. OKI.

Zu Beginn des heutigen Börsenver­kehrs hatte es den Anschein, als ob es wieder eine so außergewöhnlich geschästs- lose Börse geben sollte, wie es gestern der Fall war. Den Erwartungen des Vormittags entsprechend und leicht ver­stimmt durch die anhaltenden Kursrück­gänge in Neuyork lagen die Anfangs­notierungen dann/in der Regel bis zu 1 Proz., bei Spezialwerten bis zu 2 Proz. niedriger. Rheag waren sogar 3 Proz. gedrückt. Die Zurückhaltung des Pu­blikums und der Spekulation dürfte in der Hauptsache auf di« Unsicherheit hin- asilich der Weiterentwicklung in der Innen- und Außenpolitik zurückzuführen sein. Am Berliner Geldmarkt ist die Situation unverändert zu gestern, d. h. Tagesgeld war an der unteren Grenze mit 4'/« bezw. 4»/« Proz. erhältlich, wäh­rend Monatsgeld 5-^-7 Proz. unv. blieb. In Privatdiskonten war das Gegsihäft sehr ruhig, doch überwog weiter Kauf­neigung. In Reichswechseln per 10. Ian. von Reichsschatzanweisungen, in denen bekantlich per 15. März eine nette Tranche ausgegeben ist, waren einige Umsätze zu verzeichnen, jedenfalls halt das Interesse für diese Emissionen wei­ter an.

Berliner Devisenbericht vom 11. D8t

Helsingfors 6.274—6.286; Wien 51.95 bis 52.05; Prag 12.465—12.485; Sofia 3.057—3.063; Holland 169.63—169.97; Oslo 73.18—73.32; Kopenhagen 75.32 bis 75.48; Stockholm 74.58—74.72; London 14.53—14.57; Buenos Aires 0.890—0.894; Neuyork 4.209—4.217; Belgien 58.48 bis 58.60; Italien 21.56—21.60; Paris 16.53 bis 16.57; Schweiz 81.32—81.48; Spanien 34.47—34.53; Danzig 81.97—82.13; Japan 0.989—0.991.

Warenmärkte

r «reite tn 1000 Äilogr., Mehl unv S ' r nvttel t” 100 «^fnaronnn

Berliner Produktenbericht vom 11. OKt.

Weizen 200—202 ;> Roggen 155—157;

Braugerste 175—185; Futter- und Indu­striegerste 167—174; Hafer 134—1^9; '

Weizenmehl 25.25—28.50; Rogtzemnehl 20.20—22.70; Weizenkleie 9.40—9.75; Roggenkleie 8.40—8.80.'

An der Produktenbörse machte die Ab- fchwächung heute auf fast allen Marktge­bieten weiter Fortschritte. Die Statisttk des Deutschen Landwirtschastsrat veran­laßte die Käufer zur Zurückhaltung, außerdem ist der Mehlabsatz nach wie vor schleppend und auch von Export lagen kaum Anregungen vor. Die Gebote für Brotgetreide lauteten am Promptmarkt etwa 2 Mark niedriger, jedoch kamen auf dieser Basis zunächst wenig Abschlüsse zu­stande, obwohl sich- das Inlandsangebot verstärkt hat. Die ersthändigen Abgeber waren aber nur zögernd zu Preiskon- vellionen bereit Am Lieferungsmarkt eröffnete Weizen bis 2y$ 5Ä, Roggen bis 2»/« JK schwächer, da aus der Provinz verschiedentlich Verkaufsorders vorlagen. Auf dem ermäßigten Niveau zeigte sich allerdings verNnzelt Deckungsnachfrage, Weizen- und Rogge^rnehle hatten ruhi­ges Geschäft, das Preisniveau war wenig verändert, da die vorherige Aufwärtsbe­wegung ter Rohstoffpreise auch keine Be­festigung ausgelöst hafte. Hafer lag bet reichlicherem Angebot im Einklang mit ter Allgemeintentenz schwächer, auch für Gerste zeigt sich mehr Verkaufsnei­gung, allerdings sind die Forderungen kaum entgegenkommender.

FrcknKfurkte Schlachtviehmarkt v. 11.10.

Auftrieb: Rinder 1505 (gegen 1393 am etzten Hauptmarkt), darunter 398 Och­sen, 162 Bullen, 488 Kühe und 394 Fär- en, Kälber 502 (490), Schafe 181 (51). Notiert wurde per Ztr. Lebendgewicht in RIl: Ochsen al) 29—32, a2) 25—28, bl) 20-24. Bullen a) 26—28, b) 21—25. Kühe a) 25—27, b) 21—24, c) 16—20. Färsen a) 31-33, b) 27-30, c) 22-26. Kälber b) 41—44, c) 37—40, d) 33—36. Schafe nicht notiert. Gegen die Preise vom letzten Hauptmarkt gaben Rinder durchweg 1—2 Jl nach, Kälber waren von etwa 1—4 Jt Höker. Tiar:''rev'a:'.f: Pir der r»'-'a, Ue'e stand, Kälber und Schafe re.^e, ausoerkauft.

zwar —■ wie ich nachdrücklich betonen möchte — nicht nur den Großbetrieben die zur Belebung ter wirtschaftlichen Tätigkeit benötigten Geldmittel. Damit erst werden die im Wirtschaftsprogramm der Richsregierung liegenden und unleug­bar großen Möglichketten voll ausgenutzt werden können.

Wenn Herr Hitler mtt einer feigen Handbewegung erklärt hat, das rohrt« daftliche Programm der Reichsregis». rung könne nach allen vorhandenen An- . bereits jetzt als erledigt gelten, so sprechen die von mir roiebergegebenen Tatsachen über die Gestaltung des Ar­beitsmarktes wohl ausreichend und deutlich überzeugend gegen diese Behaup­tung! Aber auch in einem anderen Punkte hat die wirtschaftliche Entwick­lung der Reichsregierung recht gegeben. Die günstigere Beurteilung der weltwirt­schaftlichen Entwicklungsausfichten hat angehalten. So haben sich vor allem die Rohstoftpreife nach den gegenüber einer übersteigerten Anfangsbewegung unver­meidlichen Rückschlägen wetter be­hauptet.

Auch sonst dauert die erkennbare weit» wirtschaftliche Besserung an.

Zri den Teilergebnissen des Wirtschafts- Programms der Reichrncegierung, die am heftigsten in der Öffentlichkeit, rote in den Kreisen von Industrie und Handel kritisiert worben find, gehört

die Handelspollttk.

In dieser Beziehung kann ich nur uftttet« holen, was ich bereits in Münster erklärt habe: Den Gedanken einer grundsätzlichen Autarkie lehnt die Reichsregierung ab. Deutschland kann nicht auf seine weltwirt­schaftlichen Beziehungen verzichten. Es muß jede Arbeitsgelegenheit ausnutzen, die ihm der Auslandsmarkt heute noch bie­tet. Aber diese Anerkenntnis darf nicht hindern, Notstandsmaßnahmen zum Schutze unserer Landwirtschaft, zur Erhaltung ihrer Lebensfähigkeit zu treffen, wie wir sie im Neichskabinett für Unvermeidlich erachtet haben. Jahrelang hat man eine Wirtschaftspolitik geführt, die die indu­strielle Erzeugung zum Schaden der agra­rischen stark begünstigte. Die Preisschere war unerträglich geworden. Heute han­delt es sich darum, der landwirtschaftlichen Erzeugung Lebensbedingungen zu ver­schaffen, die sie vor dem vollen Zusam­menbruch bewahrt, dem Zusammenbruch insbesondere der bäuerlichen Beredelungs- wirtschast. Wir wollen keinen Wirt­schaftskrieg.

fSei Schluß ter Redaktion dauerte die UeternrittTimg ter Rete noch an.)

Die NSDAP.-Kundgebung im Sportpalast verboten.

Berlin, 11. Oft Die von den -te» tionalsozialisten für morgen atenb ange- kündigte Knndtzebnng im Sportpalast, bei ter Dr. Goebbels und ter Landtags- Präsident Kerrl sprechen sollten, ist aas ficherheitspolizeilichen Grünten verboten «orten.

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