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C6et»emf*e Zettung, Marburg « L. Mittwoch, dm 12. Oktober 1932

Nr. 240

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gelnmen suoitsteus roiro eine uuj »»»»» sGes Thristentum und deutsche Art gegrünt- Erziehung verlangt. Der Staat mng j< Herabwürdigung und Verletzung des religt- äsen Bewußtseins entgegenträten.

Verlag Dr. T. Srtzerolh.

Sawtschriftlerter und verantwortlich für Po« Ittilunb Feuilleton: Dr. E rn st Schell et? für Kommunalpolitik, Provinz und Lokales Lothar Schneider, sämtlich in Marburg.

38. Generalversammlung -es Evangelischen Bundes

Helft helfen!

Aussprache über die Marburger Winterhilfe - Appell an die Bürgerschaft

Frau Exzellenz von D eh ring be­richtete über die Liebestätigkeit des Va­terländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz. Aus den im Mutterhaus einge­richteten Küchen wurden fast 14 OOO Essen ausgegeben. Eine eigene Fürsor^telle wurde errichtet, eine Whstube, eine Wöch­nerin- und Krankenküche und schließlich eine Mittelstandsküche. Die Sttaßenfamm- lung wurde mit Hilfe der Reichswehr durchgeführt. Mcht unerwähnt dürfen die über 1000 Handwerksburschen bleiben, die aus den Küchen gespeist wurden. Frau Exzellenz von Behring wies schliehlichbar- auf hin, daß am 17. d. M. die Suppenküche in der alten Form wieder eröffnet wird.

.Frau Prof. Strecker sprach schließ­lich über die Pfundsammlung des Marburger Hausfrauenvereins e. 'S., me ebenfalls restlos der Winterhilfe zufließt. -Im letzten Winter konnten durch diese Sammlung Mein 147 000 Pfund Lebens­mittel verteilt werden, auch die baren Kosten -der Verteilung trug der Verein. Frau Professor Strecker wies noch damUf hin daß ganz besonders Mehl, Grieß, Ha­fer'und Zucker willkommen sind, besonders für die Unterstützung der Wöchnerinnen.

Oberbürgermeister Müller faßte schließlich noch einmal das , Ergebnis der Aussprache zusammen. Die Samnmn^ werde also in gleicher Weise durchgefuhrt wie ilm vorigen Jahre. Geld­

spenden würden zirkulieren, auch bei sämt­lichen Sparkassen und Danken werden Konten eingerichtet. Die Sttaßensamm- lung hoffe man Anfang Rovember nnt Unterstützung des DtaWons durchfühnrn zu können. Auch mit den einzelnen Kir­chen hätten Besprechungen über die W4n- techilfe stattgefunden. Oberbürgermeister Müller schloß mit der Ditte, daß dre An­wesenden in der Bürgerschaft werben möchten für die Winterhilfe. Der ftd«n einzelnen müsse sich das Gefühl durch­setzen, daß er helfen will durch die^Tat.

selte

KÖNIGIN

mente.

Am Sonntag mittag sand nach Beenden« des Festgottesdienstes tn 20 Kirchen am Denk­mal Philipps des Eroßmüttgen eine Kund- g e b u n g statt, bei der die Verdien st e Philipps des Großmütigen um bte Verbreitung und die Gustav Adolfs um die Vetteidigung der Reformatton gewürdigt wurden. Der Nachmittag brachte in verschie­denen Kirchen Volksversammlungen, denen das ThemaEvangelium und Volkstum" zu­grunde lag.

Am Abend fand tn der Stadtyalle eine Festversammlung statt., Landes­oberpfarrer Moeller übermittelte die Grüße der Landeskirchen von Hessen und Nassau. Regierungspräsident Dr. Fr re- densburg sprach als Vertreter Preu-

bewußt sein und nach besten Kräften hel­fen. Die Organisation der Win­terhilfe ha^ man in diesem Jahre noch freier gestaltet als bisher, sie liegt vor allem in den Händen des Stadtverbandes her Marburger Frauenvereine, den die Stadt natürlich mit Rat und Tat unter« Mtzt. Oberbürgermeister Müller schloß mit dem Hinweis, daß die Rot rn diesem Jahre noch diel Örö6ct ist als in früherenIahren. Wenn auch das Geben jedem einzelnen schwer fällt, müsse sich doch jeder, der noch ein warmes Zuhause hat, der Tatsache er­innern, daß jeder sechste unserer Mitbürger in Rot ist und unterstützt werden muß.

Frau Geheimrat Jensen sprach na­mens des Stadtverbandes Marburger Frauenvereine den Wunsch aus, daß keine Zersplitterung in der Cha- tttas eintreten möge. Alle Gaben muhten dieser einen großen Organisation, der Marburger Winterhilfe, zufließen. Die Frauen der Stadt Marburg seren jeden­falls bereit, nach besten Kräften mrtzu- arbeiten.

Frau Oberbürgermeister Müller, die die Kleiderstelle der Winterhilfe unter sich bat schilderte die Rot, die einem heute schön auf Schritt und Tntt begegnet. Die Unterstützungen reichten tn den Familien nicht mehr für die Beschaffung von Klei­dern und Schuhen. Die Bestände wurden abgerissen, Geld für Reparaturen fti nicht da. Im letzten Jahre habe dre Meito- stelle 396 Paar neue Schuhe ausgeben kön­nen, 857 Paar Schuhe habe sie herrrc^en lassen und außerdem noch 400 Paar in den Familien selbst neu besohlen bissen. An Wäsche und Kleidungsstückn seren rund 6000 Stück ausgegeben worden. Fast alle Instandsetzungsarbeiten seien unentgelttich Set worden. Auch im kommenden Winter wolle die Kleidungsstelle gern wie­der die Arbeit leisten, nur müsse ste den Appell an die Bürgerschaft richten, mrtzu- helfen durch Gaben.

An der 36. Generalversammlung des Evan- qelischen Bundes, die vom 7. bis 9. Ottoberin Dassel abgehatten wurde, nahmen uta MO Abgeordnete aus allen Teilen des Reiches teil. In den in der Gesamtvorstands- und Ab- aeordnetenversammlung aufgetteuten For­derungen des deutschen Prptestanttsmus für Staat und Kirche heißt es n- a.:

Wir fordern eine kraftvolle und gerechte, vor Gott verantwortliche Staatsleitung, die bewußt dem durch Blut und Eesch'chtt ge­formten Volkstum dient und darum Eehor- am fordern kann. Die Regierung muß alle Kräfte etnsetzen tot die Leerheit unseres Volkes. Ausdrücklich nntb verlangt, daß nur Männer von unanfechtbarer Ehren­haftigkeit Amtsttager fern dürfen. Der der Anstellung der Peanttm darf der Staat nicht nach der ÄonfeHionsange. Hörigkeit, sondern allein nach der Befähigung und Leistung fragen.

Familie und Sitte find als Grundlage aller Volkskraft zu fördern und vor ^rsetzung pl schützen. Für die gesamte Jugend des evan- aelischen Volksteils wird eine auf evanaen- (HiTiH-Mifaim nnh deutsche Art gegründete

In den fich an die Forderungen an/chNe- ßenden Richtlinien heißt es, dag der Evangelische Bund die Pflicht habe, bte deutsch-protestantischen Interessen auch tm po­litischen Leben und durch poltttsche Mittel zu wahren. Der BMünduna einer polrtts Partei auf konfessioneller Grundlage steht Bund nach wie vor mit schwersten Bedenken gegenüber. Für kirchliche Wahlen fordert er die Ausschaltung jedes patteipol,ttschen Mo-

ßens und der Reichsbehörden m Kassel. Er betonte, daß eine verantwortungsbe­wußte Regierung die konfesironelle Spannung fordere, um eine gesunde Ent­wicklung der gesamten Kultur zu for- dern. Die preußische Regierung müsse aber dabei bedenken, daß der größte Teil der Bevölkerung protestantisch sei, und daß ohne Luthers Tat die Kulturentwick­lung Deutschlands in den letzten Jahr- Hunderten undenkbar sei.

Nach Begrüßungsworten von Over- büraermeister Stabiler forderte Um» versitätsprofessor Dr. Herme link iMaburg eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Evangelischem Bund und den theologischen Fakultäten. Anschließend erläuterte Bundesdirektor Dr. F a h - renhorst-Berlin die Forderung des deutschen Protestantismus für Staat und Kirche. Der deutsche Protestantismus fordere eine kraftvolle und gerechte, vor Gott verantwortliche Staatsleitung, bte bewußt bem Volkstum biene, bte alle Kräfte einsetze für die Freiheit unseres Volkes. Deutsche Aufgabe sei, bet grauenhaften Verlogenheit, die seit dem Kriege bte Beziehungen der Volker zu einander vergifte, eine Politik der Wahrhaftigkeit entgegenzustellen. Soziale Gerechtigkeit, die jedem Stande und jedem Volksgenossen ferne Ehre gibt, müsse von der Regierung gewahrlerstet sein.

Die Stabt Marburg hatte gestern abend an Sitzungssaale des Rathauses die Ver­treter der verschiedenen Behörden. Organi- tatiOTten und Vereine eingeladen, um ste Über all die Maßnahmen zu unterrichten, die für den kommenden Winter von Oer Winterhilfe geplant sind und um gleich- »eittg an sie den Appell zu richten, tn ihren Kreisen zu werben für die Winttr- tolfe damit auch im kommenden Wrnter die schlimmste Rot gelindett werden kann.

Oberbürgermeister Müller wies in längeren Ausführungen darauf hin, daß der letzte Winter dank der Winterhilfe gut Überstanden wurde. Die Hoffnung auf eine Besserung unserer wirft chaftlichen Lage habe sich leider nicht erfüllt, so daß es Aufgabe der Bürgerschaft fern mu^e. den Bedürftigen auch im kommenden Wm- ter durch die schlimmste Rot zu helfen.

Die Zahl der Unterstützungsempfänger sei von 3000 am 1. Oktober 1931 auf 4300 gestiegen, 16 Proz. unserer Bevöl­kerung erhalte Unterstützung, also jeder sechste Bewohner.

Unterstützungsrichtsätze seien bekannt­lich gesentt worden, so erhalte z.B. eine Familie ohne Kinder 46 RM. monatlich gegenüber 51 RM., eine Familie mit zwei Kindern 60 statt 80 RM. und eine Fa­milie mit vier Kindern 86 statt 104 RM. Don dieser Unterstützung müsse auch noch vie Miete beftritten werden. Auch die Arbeitslosen- und Krisenunterstützung ,ei gekürzt, eine weitere Senkung habe der Magistrat ablehnen müssen. Die beste Un­terstützung sei zweifellos die Arbeits­beschaffung, sie koste aber Geld, von bem man nicht wisse, woher es genommen werden soll. Auf dem Wege des frei­willige n Arbeitsdienstes habe die Stadt 70 jugendliche Erwerbslose zunächst auf die Dauer von 10 Wochen unter­gebracht, ein Programm für das nächste Jahr werde zur Zeit ausgearbeitet, hier­bei denke man vor allem an die Arbar- machung von Land usw. Für Straßen­bau t e n ständen 68 000 RM. zur Ver­fügung, auch die Stadtrandsiedlung Höfte man bald in Angriff nehmen zu können. Ebenso liegen für den Fond für Haus- reparaturen zahlreiche Anträge vor, so daß also auch hier mit Arbeit gerechnet wer­ben darf. 'Es müsse einmal offen ausge­sprochen werden, daß diese ArbeitSmöglich- leiten der jetzigen Regierung zu danken sind. Grund zu Optimismus sei gegeben. Jede Regierung, die so vorgeht, sei Ki unterstützen. Zur Finanzlage der Stadt fühtte Oberbürgermeister Müller aus. daß die Situation durchaus ernst ist. Das De­fizit von 300000 RM. im letzten Etat werde sich voraussichtlich noch erhöhen, vor allem durch das Wachsen der Wohlfahtts- erwerbslosenzahl von 370 im vorigen Jahre auf 740. Von dem Ausgabe-Etat tn Höhe von 3 900000 RM. entfallen allein 1 120 000 RM auf den Wohlfahrtsetat, aHo fast 30 Prozent des gesamten Etats. Die eingesetzten Steuerbeträge würden nicht mchr erreicht, bei über 50 Pro­zent der Gewerbetreibenden liege das Jahreseinkommen un- ter 1500 RM Die Stadt habe ihre Mühe die Unterftützungsrichtsätze noch auszuzahlen und habe zum ersten Male die Hilfe des Reiches anrufen müssen. Die Mittel der Stadt seien also erschöpft und sie müsse d^halb an den Gemeinschafts­sinn der Bevölkerung appelieren. Jeder einzelne müsse sich feiner Verantwortung

Ein Settran der Marburger Polizei

Morgen am 13. d. Mts. feiert .bet trübere König!. Schutzmann, Friedrich Wil­helm Schulze von der ehenmligen sta» lichen Polizeiverwaltung Hierselbst, letzt m Kassel im Ruhestand lebend, seinen 80. Geburt stag.

Herr Schulze wurde am 13.

in Wiebke, Kreis Gardelegen m dn Mtmark geboren. Er wurde im Jahre 1869 Solbat und diente bei dem 3. Lannoo. 3nfantew Regiment Nr 79 von Voigts Rhetz. Sn dieser Zeit hat er den Feldzug 1870/71 mit- gemacht und ist im Besitz der Krieg sgedenk- münze neben anderen Auszeichnungen. Rach beendeter Militärzeit war er zunächst be, Der König!. Polizeidirektion in Kassel beamtet und wurde am 1. Oktober iB83 nach Mar­burg zur König!. Polizei versetzt. Bis zur Auflösung der Kömgl. Polizei, verblieb er ,n Marburg. Infolge seiner langiahngen Dienst­zeit als Schutzmann in Marburg hatte, er sich bas Vertrauen und die Verehrung seiner Mitbürger erworben, und mancher alter Mar- Burger und Leser derOberhessischen Ker- a- wird sich seiner heute an {einem 80

rtstag noch gern erinnern; wobei nicht unerwähnt bleiben soll, daß Herr Mmlze bei der Marburger Studentenschaft durch sein entgegenkommendes Wesen sich gröBter Be- r üebtheit erfreute und manchenGanzen nut ihnen spann, weil er sich als vertraglicher Philister stets für die Sache der akademischen Iugend vermittelnd einsetzte.

Seit dem 1. April 1900 bis heute wohnt Herr Schulze in Kassel. Im Iahre 1902 trat Slbe aus Gesundheitsgründen in den wohl- ienten Ruhestand. Bei Ausbruch des

Weltkrieges meldete er sich fr«®t.Itg zum Kriegsdienst und trat beim Ersatzbatl. bes R Obnelläss. Iiif.-Regt Nr. 167 in Kastel ein, woselbst er bis zum Iahre 1916 als Ofti- zierstelloertreter Dienst tat.

Im Jahre 1926 feierte er mit seiner hoch- betagten Gattin das Fest der goldenen Hoch­zeit und wurde damals u. a. auch von dem Herrn Reichspräsidenten beglückwünscht.

Herrn Schulze, der sich am heutigen Tage noch l^r besten Gesundheit erfreut, sei für. die Zukunft noch alles Gute und em sonniger Lebervabend gewünscht. o>o-

MW

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