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Nr. 240

Sitte 3

ObetbtfiiWe ZM-ns. Marvsrg «. L, Mttwo«. dm 12. Oktober 1932

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würbe wieder Unsummen verschlmgen und fünf Monate dauern. Das wäre eine viel zu lange Zeit. Man mutz nämlich alles dransetzen, den Riesen nun endlich von den Heiligen herabzubringen. Denn es hat sich wieder jetzt erst herausgestellt, daß auch das Baugerüst viel zu schwach ist. Jeden Tag kann die fürchterliche Kata­strophe erfolgen, die das ganze Werk in sich zusammenstürzen läßt und Hunderten von Arbeitern das Leben kosten kann. Schon jetzt drückt der ungeheure Leib des Schiffes die Stahlhelligen tiefer in den Boden.

Eine Verzögerung des Stapellaufes be­deutet also, wie sich die Sachverständigen eben klar geworden find, die Aufgabe der Jsle de France" und all der stolzen Pläne, die man mit ihr hatte.

Einweihunv -es elsässischen Kanalwerks

Rock vlckt - lind Wen erW!

- Mitttklluen ehr atwracken

Die großen Stauanlagen bei Kembs.

Mit Vollendung des neuen Kanals, der den alten Rhein-Rhone-Kanal mit Bafel verbindet, hat Frankreich den Ausbau der elsässischen Wasierstraßen zum vorläufigen Abschluß gebracht. Die Einweihurtz er­folgte in Anwesenheit des französischen

Hebet seine weiteren Pläne befragt, äußerte sich Willy Merkl durchaus «nent- urutigt. Seine Expedition hat im Gegen­satz zu alle« anderen Himalaja-Expeditio-

Nen kein Menschenleben gefordert, und diese Tatsache allein ist schon ein Rekord. Wenn es gelingt, einen zweiten Versuch zu finanzieren, wird Merkl nochmals einen Angriff auf denBerg des Schrek- kens" machen. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen, hätte dieser sehr viel Aus­sicht auf Erfolg.

Die Expedition hat abseits von ihrem eigentlichen Ziel einige große berg­steigerische Leistungen vollbracht. Es ist ihr gelungen, den bisher noch nicht be­stiegenen Chongra Peak und den Raja Peak zu bezwingen, der der bisher über­haupt von Menschen erstiegene elfte Sie­bentausender ist. Dr. P. Lücke.

Staatspräsidenten und des Ministerpräsi­denten Herriot. Im Mittelpunkt des Jntereffes standen die großen Bauten bei Kembs, wo im Anschluß an den Kanal ein riesiges Elektrizitätswerk errichtet wurde. An allen Bauten waren deutsche Firmen maßgebend beteiligt.

Das Pech ter ,,Me de Franke"

kt bei bett Eingeborenen seit dem töd­lichen Unfall des Engländers Mummery derBerg des Schreckens" heißt. Die große Schwierigkeit liege bei dem Mount Everest darin, die Vesteigungserlaubnis $n bekommen. Der höchste Berg der Erde befindet sich, das ist nur Wenigen bekannt, auf tibetanischem Boden, und die Geneh­migung $a seiner Besteigung erteilt der Dalai Lama in Lahsa. Bisher haben überhaupt nur drei Expeditione« eine solche Erlaubnis bekommen.

Aui den Helligen von St. Razaire herrscht Helle Aufregung. Alles läuft auf­geregt durcheinander. Besprechungen lösen sich ab. Die Arbeiter stecken die Köpfe zu­sammen. Die Luft ist mit Elektrizität ge­laden. v

Was geht hier eigentlich vor. Weshalb ist alles so aufgeregt? Man bekommt keine Antwort. Man kann aber auch in Auf­regung geraten, wenn man bedenkt, daß sich in den nächsten Stunden das Schicksal derI s l e d e Franc e, des Riesen­schiffes der Franzosen entschie­den wird. *-.<r'*

Don Anfang an war dieser Dau von Pech verfolgt. Schon heute hat er eine Summe von 100 Millionen rJl ver­schlungen und noch ist nichts als der Rumpf des Riesen fertig. Am 28. Oktober muß und soll nun der Rumpf vom Stapel ge- lasien werden und alle Anzeichen sprechen dafür, daß daraus nichts wird. Damit wäre aber das Schicksal des Riesenschiffes besiegelt. w--

Man entdeckte, geschickterweise erst wäh­rend des Bauens, daß das Hafen- wasser von St. Razaire für den Riesen­leib des Schiffes vielzuflachfei. Mit unerhörten Schwierigkeiten hatte man zu kämpfen, als man dann künstlich eine Fahrrinne in das Hafenwasser baggerte. Riesensummen gingen dabei drauf und vier Monate kostbarer Zeit waren ver­loren. Jetzt kommt das zweite Unheil: die Besonderheiten der Gezeiten in St. Razaire bringen es mit sich, daß diese Rinne nicht länger als bis zum 28. Oktober freigehal­ten werden kann. Denn erfahrungsgemäß setzen nach diesem Tage Fluten ein, die von einer Stärke find, der der provisorische Tunnel nicht widerstehen könnte. Bis zum 28. Oktober also muß dieJsle de France" das Hafenwasier hinter sich und tieferes Wasser gewonnen haben.

Und hier häufen fich die Schwierigkeiten, die diesen Stapellauf wahrscheinlich ver­hindern werden. Die Werftarbeiter haben natürlich keinen anderen Gedanken, als gerade jetzt zu streiken. Denn diesmal tonnte es sich lohnen. Kommen sie aber zu diesem Streik, dann ist das Schiff nicht mehr zu retten. Denn selbst wenn man einen neuen Tunnel bauen wollte, gibt es wieder Schwierigkeiten. Der neue Bau

Umkehr vor dem Ziel

Das Pech der deutschen Himalaja-Expedition

Der zurückgekehrte Leiter, Ingenieur Merkl, erzählt:

Von allen Himalaja-Expeditionen hat vielleicht die in diesem Jahr von Deutschen und Amerikanern durchgeführte die mei­sten Aussichten gehabt. Die Expedition wollte den 8170 Meter hohen Ranga P a r b a t bezwingen, der im westlichen Himalaja gelegen ist. Sie ist bis zum Eipfelgrat gelangt und konnte dort in 7000 Meter Höhe ein Hochlager errichten, sie hat gesehen, daß bergsteigerische Schwierigkeiten bis zum Gipfel kaum noch zu erwarten waren, und sie hat bann dennoch umkehren müssen.

Die Geschichte dieser Umkehr beruht aus 'geradezu tragischen Umstän­den. Der Leiter der Erpedition, In­genieur Merkl erzählt, was bisher nicht bekannt war, der Expedition sind 40 Trägerausrüstungen gestoh­len worden, so daß des in 7600 Meter Höhe errichteten Hauptlagers nur für sie­ben Träger volle Ausrüstungen zur Ver­fügung standen.

An diesen 40 gestohlenen Ausrüstun­gen sind wir eigentlich gescheitert", erklärt Merkl.Trotzdem wir mit einem raffiniert ausgebuchten System von Ab­lösungen bie wenigen uns übrig gebliebe­nen Ausrüstungen bis zum letzten ausge­nutzt haben, ist der Materialtransport viel langsamer vonstatten gegangen, als wir es vorausberechnet hatten. Dadurch gerieten wie gerade in dem Augenblick in bas schlechte Wetter, als mir uns dem Sieg schon nahe glaubten. Von unserem Hoch­lager aus wäre der Gipfel in wenigen Tagen zu erreichen gewesen. Die Spitzen­gruppe mußte umkehren, weil der Pro- oiantnachschub unterbrochen war. Dann kam eine Schlechtwetterperiode von 20 Tagen, Krankheit verschiedener Teilneh­mer und anderes Mißgeschick, und als wir llebriggebliebenen Ende August doch noch einmal einen letzten Versuch machen woll­ten, wurden die Träger sämtlich berg- krank, der Pulverschnee hatte eine Höhe von 1,20 Meter erreicht.

Es war kaum noch durchzukommen. Wir mußten umkehren, so schwer es uns auch fiel. Die oberen Lager konnten wir nicht etawtl Mhr zurücktransportieren.

Bfinbbarmopertrtion im Himalaja.

(Eine ganz erstaunliche Leistung hat übrigens das jüngste Mitglied der Expe­dition, der Ostpreuße Herbert Kunigk vollbracht. Er bekam plötzlich eine Blind­darmentzündung, und der hervorragende Itzt der Expeditton, Dr. Hamberger, hielt eine rasche Operation für unumgäng­lich. Patient und Arzt marschierten zu­nächst neun Tage bis zum nächsten Kran­kenhaus, einem Militärhospital in Eilgit. Dort operierte Dr. Hamberger mit den vorhandenen primitiven Mitteln Kunigk. Die indischen Aerzte des Hospitals, die noch niemals eine Blinddarmoperation erlebt hatten, sahen diesem seltenen Schauspiel voll Interesse zu. Rach sieben Tagen konnte Kunigk beretts wieder aufbrechen. SBenige Tage später machte er die ersten Reitversuche, und ritt dann unverzüglich -zurück in das Hauptlager der Expedition. Er hatte den Mut, an dem letzten Be­steigungsversuch der Expedition teilzuneh­men. Ein Fall von beispielloser Energie, wie er bisher in der Geschichte der Ex­pedition überhaupt noch nicht bekannt ge­worden ist.

- Willy Merkl erklärte werter, es sei

der Mount Everest leichter zu be- steig« als der Ranga Par bat.

Silberne Schüssel mit einem Relief, bas eine nubische Gottheit darstellt.

Eine archäologische Erpedition konnte jetzt in Nubien (Süd-Aegypten) wettvolle Ausgra­bungen machen, bei dem herrliche Funde dem Wüstensande entrissen wurden. Alle kunst­gewerblichen Arbeiten weisen starken grie­chischen Einschlag auf, dürsten also aus den letzten beiden Jahrhunderten vor Christl stam­men. Mit Recht werden die Ausgrabungen als die bemerkenswettesten seit der Oeffnung des Grabes von Tutanchamon bezeichnet. ,

Neues in Kürze

Eine prachtvolle Definition dez Begrif­fesOhrfeige" hat das Arbeitsgericht in Frankfurt ä. M. gegeben:Die Ohrfeige ist seit Jahrhunderten eine volkstümliche Vergeltungsmaßnahme, die, gegeben zur rechten Zeit, am rechten Fleck, mit gerech­tem Maß, zum rechten Zweck, in ihrer er­zieherischen Wirkung unerreicht ist und weder durch mildweise Mahnungen noch durch drakonisch-strenge Ehrenstrafen im Einzelfall ersetzbar ist."

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Daß quellende Bohnen ein großes, mo­dernes Schiff sprengen, dürfte trotz Ben Akiba noch nicht dagewesen fein; dieses Schicksal hat das 7000 Tonnen große eng­lische MotorschiffGlenamoy" betroffen, wo, während es im Hamburger Hafen laa, ein Brand ausbrach, der bald gelöscht wurde. Infolge der von der Feuerwehr in das Schiff geschleuderten Wassermassen begannen jedoch die vom Dampfer gelade­nen Sojabohnen zu quellen und übten einen so ungeheuren Druck aus. daß die Vernietungen der Schiffsplatten nachga­ben.

Drei Tage Arrest für Jo-Jo-Spiel hat der Kommandeur des Artillerie-Regimen­tes in Vincennes jedem seiner Kanoniere angedroht, den er bei einet derartigen Kinderei ertappen würde.

Selbstmord eines Berliner Forschungs­reisenden.

Berlin, 11. Ott. Der Forschungsrei­sende und Schriststeller Friedrrch Hei­land hat sich am Montag in seiner Woh­nung mtt einem Iagdoewebr einen tödlichen Schutz in den Kopf beigebracht. Heiland hat die Tat offenbar infolge seelischer Depression begangen.

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Entschließung

des VII. Hochschultages in Danzig.

Der VII. Deutsche Hochschultag faßte zur Nichtordinarienfrage folgende Ent­schließung: - -

Die Erhaltung einer nichtbeamteten Gruppe von Hochschullehrern zur Er­gänzung der Lehr- und Forschungstätig­keit und zur Gewinnung eines geschulten Nachwuchses ist für die Entwicklung der deutschen Hochschulen grundlegend.

Gegenüber dem raschen Anwachsen der Gesamtzahl der nichtbeamteten Dozenten muß mit ernstestem Nachdruck betont wer­den, daß keine Fakultät einen Privat­dozenten habilitieren darf, von dem sie nicht die lleberzeugung hat, daß er die An­lagen für die Anforderungen eines akade­mischen Lehrstuhls in vollem Umfange be­sitzt. Die Habilitation darf nicht als Sprungbrett für andere Berufe miß­braucht werden, und die Ernennung zum nichtbeamteten außerordentlichen Profes­sor darf nichts anderes bedeuten als die Anerkennung der vollen Gewährung als akademischer Lehrer.

Der Hochschultag sieht mit Besorgnis in vielen Fällen das Steigen -»er Zahl von solchen nichtbeamteten Dozenten, die eng- umgrenzte Spezialvorlefunge« halten und

dadurch bei aller Gründlichkeit nicht die Breite der Lehrübung gewinnen, die für die Berufung auf einen amtlichen Lehr­stuhl erfordert wird. Er hält eine kol­legiale Beratung für notwendig, die vor zu enger Fassung des Vorlesungsgebietes rechtzeitig warnt. Aus demselben Grunde ist es erwünscht, daß die nichtbeamteten Dozenten in angemessenen Zwischenräu­men zur Haltung von Hauptvorlesungen- und Uebungen herangezogen werden.

Zur Beseitigung von Schäden, die seit dem Aufgeben des beamteten Extraordi­nariats an den preußischen Universitäten entstanden find, find Beamtete Aus- rückungsstellen einzurichten, in die in Lehre und Forschung bewährte nicht- beamtete Hochschullehrer einrücken können, ohne daß ein planmäßiger Lehrstuhl des betreffenden Faches frei wird.

Endlich halten mir eine möglichst früh einsetzende Einführung der nichtbeamteten Hochschullehrer in die Gesamtheit des aka­demischen Lebens und der akademischen Selbstverrnaltung für unentbehrlich. Der Hochschultag erneuert in diesem Zusam­menhänge zugleich die immer noch unge­hört gebliebene Forderung nach einem ein­heitlichen Disziplinargesetz für Hochschul­lehrer, das auch auf die nichtbeamteten Dozenten anmendbar ist.