Einzelbild herunterladen
 

Mittwoch, kn 12. ort. 1932

Vie .vberhessische Zeitung' « («feint sechsmal ivöck^entlich. 22 e- ^«preiS monctl. L Marburg 2.02 KM- auSschl. ZusievungSgebSbr, unsren Agenturen 1.93 GM.

zuzügl. Zustellungsgebühr, durch die Post 2.25 GM. Für etwa furch Streik, Maschtnendefektoder elementare Lreignisie ausfallend« Kummern wird kein Trsad ge­leistet. Verlag, Dr. 5. Hktzeroth, Druck der Untb-iSuchdruekerei Z«h. Ang. Koch, Markt 21/23. «frrnsprecher: Olt. 2054 b. Rr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. SR. Rr. 5015. Sprechzeit der Redaktion bon w11 und

»/,!1 Uhr.

SbechMfche

**

X E tmliliiilMl

sir.249 «7.?aW. Mmdmga.Lak>

-ve* wijngtnpww Dcrtugi pn den 11 gespalt. Zeüenmilltmet«, 0.08 ®9R Famtlienanzetgen bet Barzahl. 0.07 GM., amtl. n. au* nxktig« An,. 0.10 «SR. Sog. Nrtne Anzeigen nach Speziaitartf^rnnd- schrift: §ol»nrl Bei schwierig.Gag, sowie bet Plagvorschrift50°/- Auf­schlag. Sammeianzetgen 100% Aufschlag Rekianu-Millt«. 0.40 GM. Grnndschrift Petit. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Offerten-Gebühr: 25 Pfg., bei Zustellung der Angebot« etnschl. Porto.60 MM. Belege werden tictrüU o rt SKdtbtttg«

Anzeiger für (das frühere kurhefsifche) Oberhessen

Anzeiger der amttichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Ein unerhörter Schwindel

Oskar Daubmann" entlarvt - Er heißt Hummel, ist Schneider und war nie in Afrika

Freiburst, 11. Okt. In der Ange- «genheit des Oskar Daubmann aus End­lingen scheint eine sensationelle Wendung eingetreten zu sein.

3m Verlaufe der letzten Zeit haben sich mehrere Persönlichkeiten bei den behörd­lichen Stellen gemeldet, darunter ein ehe­maliger Fremdenlegionär aus Essen a. di. Ruhr, dem Oskar Daubmann am Montag abend in Endingen gegenübergestellt wurde. 3m Verlaufe der weiteren Fest­stellungen wurde Daubmann heute vom Landespolizeiamt Karlsruhe gesucht, da sein Aufenthaltsort nickt bekannt war. Daubmann befand sick auf einer Bortrags- reife, konnte aber ermittelt und zur Ver­nehmung auf die Polizerdirekt on Frei­burg i. Br. gebracht werden. Neber Mec Vernehmung durch die Beamten des Lan­despolizeiamtes Karlsruhe ist amtlich noch «ichts mit geteilt worden.

lieber ihr Ergebnis wurde auch an amt­lichen Stellen jede Auskunft verweigert. Diese Verweigerung amtlicher Stellen be­ruht darauf, 'daß das Protokoll über die heute abend erfolgte Vernehmung Daub- manns noch nickt in Karlsruhe vorliegt und die Freiburger amtlichen Stellen eine Aussage ohne Vollmacht der Karlsruher Stellen verweigern.

Jedenfalls dürfte mit größter Sicherheit feststehen, daß die Vernehmung die Un­richtigkeit der Angaben Daubmanns er­geben hat.

Daubmann gesteht, nicht Daubmann zu sein.

Freiburg, 11. Okt. Wie aus zu- verlässtger Quelle verlautet, hat der an­gebliche Oskar Daubmann bei seinem «erhör durch Beamte des Landespolizei­amtes Karlsruhe gestand:«, nicht der wirkliche Oskar Daubmann zu sein. Er gab zu, daß seine Angaben nicht in allen Teilen auf wirklichen Er­lebnissen beruhen.Oskar Daubmann" ist heute abend verhaftet worden.

Daubmann soll Hummel heißen.

fk. F r e i b « r g, 12. Okt. Zu dem Fall des angeblichen Oskar Daubmann kann noch mitgeteilt werden, daß es sich bei dem verhafteten um eineu ehemaligen Fremden-Legionär namens Hum­mel handeln soll, der das SchneiderhanV- werk erlernt hat.

Diese Aufklärung des Falles Daub­mann, der feit Ende Mai dieses 3ahres die Oeffentlichkeit stark beschäftigte, hat in Oberbaden größte Bestürzung her­vorgerufen, Mmal es der angebliche Daubmann verstanden hat, viele ehe­malige« Kriegskameraden dies richtigen Danbmaun und sogar deren Eltern »ud Angehörige zu tSuschen.

Die Entlarvung Daubmanns.

f«. Karlsruhe, 12. Okt. In einer Pressebesprechung machte Regierungsrat Ramsperger vom Lcmdespolizemmt Mitteilung über die Entlarvung des SchwindlersDaubmann". Verschiedene Snzeichen, erklärte er, sprachen dafür, daß nicht alle AngabenDaubmann" stimmten.

Barrikaden in Belfast

Blutige Stratzenkämpfe

fk. London, 12. Okt. 3n Belfast kam es in der Nacht zum Mittwoch trotz umfangreicher Vorsichtsmaßnahmen der Polizei zu schwer st en Arbeits- losen-Unruhen. Bei den Zusam­menstößen zwischen Polizei und Arbeits­losen wurde ein Mann durch eine Kugel getötet und über 50 teilweise schwer verletzt. Zwei, von Kugeln ge­troffene Unruhestifter liegen im Sterben. 36 Arbeitslose, darunter ein kommu­nistischer Rädelsführer, wurden verhaftet.

2000 Polizisten standen etwa 15 000 teilweise mit Schußwaffen ausgerüste­ten Arbeitslosen gegenüber.

Diese griffen die Polizei überall rücksichts­los w:t Steinen, Flaschen und anderen Wursgeschosien an, schosien nach Einbruch der Dunkelheit ans den Fenstern, errichte­ten Barrikaden auf den Straßen, plünderten viele Geschäfte, hielten den ge­samten Verkehr auf, und legten Eroß- feuer an.

Die Polizei durchfuhr die Straßen mit Panzer- «np Maschinengewehrwagen.

- 1 Toter, 50 Verletzte

Teilweise führte die Polizei auf Wagen eiserne Käsige mit sich, in die die Ver­hafteten eingesperrt wurden. Um 23 Uhr trat die Verordnung in Kraft, wonach kein Einwohner mehr ohne Erlaubnis seine Wohnung verlasien darf.

Schützengräben in den Straßen.

Es kam zu regelrechten Massenangriffen auf die Polizei, an denen.sich auch Frauen beteiligten. Ein Schutzmann wurde von sechs bewaffneten Unruhestiftern angehal­ten und seiner Waffen und Munition be­raubt. An einigen Stellen hoben die Ar­beitslosen Schützengräben aus, in denen sie sich verschanzten. Schließlich mußte der ganze Straßenverkehr einge­stellt werden. Nach Einbruch der Dunkel­heit zogen mehrere Polizeikolonnen mit aufgepflanzten Bajonett im Scheinwerfer­licht durch die Straßen und trieben die Ansammlungen auseinander. Sie wur­den aus mehreren Häusern beschoßen, wo­bei einige Polizisten verwundet wurden. Zur Löschung der von den Ar­beitslosen angelegten Brände mußte die gesamte Feuerwehr aufgeboten werden. Erst in den Morgenstunden des Mittwoch konnte die Ruhe wieder hergestellt wer­den.

9 Kampfflugzeuge verbrannt

fk. London, 12. Okt. 3n der Nacht zum Mittwoch wurde die Fabrik der eng­lischen Faireq-Luftfahrtgesellschaft durch Großfeuer völlig zerstört. Neun Kampfflugzeuge vom schnellsten in der englischen Armee verwandte» Typ im Ge­samtwerte von etwa zwei Millionen Mark wurden vernichtet. Die Brandursache ist noch unbekannt.

------

Belagerungszustand in Mukden

Bor einer entscheidenden Schlacht?

fk. Moskau, 12. Okt. Die sowjet­amtliche Telegraphenagentur bringt Mel­dungen aus chinesischer Quelle, die er­kennen lassen, daß eine entscheidende Schlecht zwischen den chinesischen Frei- schstrlern und den javanischen Truppen in Mukden bevorsteht. Dis Freischärler mar­schieren in mehreren Gruppen auf Muk­den; die nächste Kolonne befindet sich nur noch 20 Meilen von der ehemaligen mand­schurischen Hauptstadt entfernt. Ueber Mukden ist der Belagerung«,u- st a n d verhängt worden. 3apanische Flieger kreuzen über der Stadt.

Im Laufe der Zeit meldeten sich immer mehr Leute, die den angeb­lichen Daubmann in der Fremden­legion bezw. in Afrika gesehen haben wollten.

Es wurde daraufhin beschlossen, am Mon­tag Daubmann erneut zu vernehmen. Er wollte zunächst keine Angaben machen und verschanzte sich wiederum hinter den italienischen Dampfer, den er nicht nennen wollte, um sein Wort nicht wurden bei Corps (Isere) von einem mit genüberstellung mit einem Manne namens Krüger, der Daubmann in der Fremdenlegion gesehen haben wollte. Als Krüger das Zimmer betrat, fiel auf, daß Daubmann den Mann fast anschrie:Den Mann kenne ich nicht!" Daubmann war es ersichtlich unange­nehm, daß man jeder seiner Bemerkun­gen nachging.

Der angebliche Bajonettstich Hal sich als eine ganz gewöhnlich« Magen- operation herausgestellt.

Auf ®runb der Fingerabdrücke, fuhr Regiernngsrat Ramsperger fort, ist es dann am anderen Tage gelungen fest­zustellen, daß es sich nicht um Daub­mann, sondern um den Schneider K a r l Ignatz Hummel handelt. Das steht nun unumstößlich sicher fest. Hummel ist am 9. März 1899 m Oberwit im Kanton Basel geboren und war in Hofweiler bei Offenburg ansässig.

Regierungsrat Ramsperger hat schließ­lich .Daubmann auf den Kopf zugesagt: Guten Tag, Herr Hummel." Humm^ leugnete zuerst hartnäckig, bis er sich doch zu einem Geständnis be­quemte.

Es ergab sich weiterhin, daß Hummel in Offenburg verheiratet ist und schon seit längerer Zett von seiner Frau getrennt

lebt. Hummel gab zu, daß er 19091910 in Endingen die Volksschule besucht und dott mit Oskar Daubmann zusammen gekommen ist, mit dem er be­freundet war. Hummel wußte auch, daß Daubmann im Weltkriege gefallen ist. Hummel ist nie in Afrika gewesen.

Der Fall Daubmann hat auch die Re­gierung beschäftigt und zu Schritten amt­licher Stellen in Paris geführt, wobei die Pariser Stellen bekanntlich die Angaben Daubmanns gleich als unwahr bezeich­neten.

WieDaubmann" gefaßt wurde.

Daubmanns polizeiliche Vernehmung und Festnahme erfolgte im Anschluß an eine Autofahrt, die der Betrüger unternommen hatte und bei der er Zeuge eines Autounfalls bei Krozingen war. Er und fein Wagen­führer leisteten dabei di« erste Hilfe und brachten den Schwerverletzten nach der chirurgischen Klinik nach Frei­burg. Kurz darauf erfolgte die Bor­ff ührung des angeblichen Daubmann vor die Freiburger Polizeidirektion.

Ein Deutscher, zwei Ungarn in Frank­reich verunglückt.

fk. Paris, 12. Okt. Der 28jährige deutsche Staatsangehörige U I m i ch e r und zwei ungarische Arbeitsgenossen wurden bei Corps (Isere) von einem mit Beton gefüllten Verladekorb er­schlagen, der von 60 Meter Höhe auf eine Gruppe Arbeiter infolge Versagens einer Trosse abstürzte. Sechs Arbeiter, ebenfalls größtenteils Ausländer, wurden verletzt.

Sinowjew und Kamenew ausgeschlossen

Ausschluß von 20 Oppositionellen aus der rusiischen Kommunistischen Partei.

Moskau, 11. Okt. Die Zentralkom­mission der Kommunistischen Partei hat 20 Mitglieder und Helfershelfer der kon­terrevolutionären Gruppe aus der Par­tei ausgeschlossen. Die Gemaßregelten hatten versucht, auf illegalem Wege eine Kulakenorganisation zur Wiederherstel­lung des Kapitalismus, zu schaffen. Unter den Ausgeschlossenen, von denen die mei­sten bereits früher wegen oppositioneller parteifeindlicher Tätigkeit einmal ausge­schlossen waren, befinden sich S i n o w - j e w und Kamenew.

Einigung zwischen Herriot und Titulesku.

fk. Paris, 12.Okt. Die französische Morgenpresse stellt mit Befriedigung fest, daß die Unterredung zwischen Herriot und Titulesku, die am Mittwoch fortge­setzt wird, die zwischen Bukarest und Paris entstandenen Mißverständnisse völlig geklärt habe, sodaß die französisch- rumänische Einigkeit wieder hergestellt sei.

Erwägung über eine Aenderung der Bankenaufsicht.

«Berlin, 11. Okt. In den letzten Ta­gen sind wiederholt in der Prell e Er­örterungen über neue Bankenplane"der Regierung enthalten. Von Zuständiger Seite erfahren wir dazu, daß tatsächlich erwogen wird, die Bankenaufsicht den Erfordernissen des Wirtschaftsvrogramms der Reichsregieung anzupassen. Diese Ewägungen haben aber noch keinen Ab­schluß gefunden; vor allem sind personelle Fragen überhaupt noch nicht entschieden worden.